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Jüdische Rundschau · 1929-10-25 · Heft 84 (25.10.1929) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 84 (25.10.1929)
Date
1929-10-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Einzelnummer 0,25 Qoldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jeden Dienstag u. Freitag. Bezugspreiabei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldmark. AtulaBdubflananait• w*rd«* m dm WShnmg der «nnl»« Linder berechnet. Anr«l»enprrie: 8 K««P NnaperejUerelle 050 G-M. SteBengerach# 0,25 G.-M. Berlin, 25. X. 1929 Redaktion Verlag und Anzeigen-Verwaltungt Jüdische Rundschau G.m.b.HL, BerlinWl5, Meinekeatr.10 Telephon: J1 Bismarck 7165 -70. An2*igen»cbJu£: DiiBit«! aad Freitag nachmitt*ga 4 Uhr Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. Poeteeheck.Kanten: Berlin 17392, Beeel V 9355, Belped 68032, Brt«*t 394 33, Bndepe« 596 93, Dend* 1973, Haag 140470, Pr■* 59410, Streeelban 164 30, Wawchaa 1907t«, Wen 156030. B *nk.Konten: Darmatädt«*־ and Nationalbaink, Depositen K«s« Berlin« Kttrfäraeadamm 52; Bene• dm Eat, Ceraauti (Rumänien); An*lo Paleatine Co. In Hali», Jeras alem, Tel •Aviv. P*r ^lonlswu« ar»tral»t für da» jüdische Volk dla Schaffung einer Oftenttlch - rechtlich gesicherten Halmatatte In Pallatlna. ״Baseler Programm.»‘ Die ersten Todesurteile Die gerichtliche Aburteilung der Verbrechen in Palästina geht weiter ihren Gang. Wie zu erwarten war, sind eine Reihe von Todesurteilen gefällt worden. Diese Urteile entsprechen dem Sachverhalt und sind gerechte Anwendung des Gesetzes. Dennoch gelten die Bedenken gegen die Todesstrafe, die von vielen Juden geteilt werden, auch in diesem Falle. Wie uns bekannt ist, sind viele Zionisten der Ansicht, daß diese Todesurteile nicht vollstreckt werden sollten. Es wurde mehrfach der Meinung Ausdruck gegeben, daß die Jewish Agency in diesem Sinne vorstellig werden sollte. Drei Saleder Mörder zum Tode verarieil! H a i »a, 20. Oktober. (J. T. A.) Am Freitag, 31/2 Uhr nachmittags, wurde In dem Prozeß gegen die Brüder Ranelm und Ahmed Jabor, die angeklagt waren, während des Pogroms in Safed den Juden Isaac Mamaan durch Messerstiche tödlich verletzt zu haben, das Urteil gesprochen. Alle drei Angeklagten wurden zum Tode verurteilt. Der oberste Richter Palästinas, Sfr Michael Mac Donne 11, der zusammen mit Richter Litt den Gerichtshof bildete, führte in der Begründung des Urteils aus, die Angeklagten seien für schuldig befunden worden, gemeinsam ein Komplott zur Teilnahme an einer jüdisches Leben und Eigentum gefährdenden Aktion gebildet zu haben. Sie haben eine judenfelndllche Demonstration veranstaltet und haben unmittelbar an der Tötung von isaac Mamaan teilgenommen. Der Polizeikommandant von Safed, Farad ay, machte als Zeuge in dem Prozeß gegen die drei Mörder des Isaac Mamaan eine Aussage, die äufklärt, warum Oberkommissar Chancellor einer bei ihm erschienenen Abordnung der Zionistisehen Exekutive und des Jischuw seinerzeit erklärt hatte, er habe die Information, daß die Juden von Safed die Unruhen provoziert hätten. Faraday erzählte, als man Isaac Mamaan mit tödlichen Verletzungen auf der Straße auffand, habe er arabIsche ,Wp 11 ejf.esn rpc hei»..Ms!n,.pabm.dphalb4ail infljüjschen Charikter getrageifliabfn, Faraday erzählte dann weiter, bei den In Safea durchgeführten Haussuchungen wurden bei Arabern große Mengen von Messern und Dolchen gefanden, während die Haussuchungen bei Juden nur einen ungeladenen Revolver zu Tage gefördert hätten. Der Pogrom-Prozeß von Hebron Jerusalem, 20. Oktober. (J. T. A.) Am zweiten Tag des Prozesses gegen Scheich Taleb Abdul Rahem Markah aus Hebron, der vor dem Jerusalemer Distriktsgericht (Senior Riehter Corrie und Richter Defreites) stattfindet, legte einer der Verteidiger dem Gericht ein Exemplar des von der J. T. A. herausgegebenen ״Palestine Bulletin“ vor und stellte den Antrag, daß dem Redakteur wegen Gerichtsbeeinflussung der Prozeß gemacht wurde, weil er die Zeugenaussage des Hebroner Polizeichefs Cafferata als ״wundervoll“ (wonderful) bezeichnet hat. Richter Corrie las den Bericht von ״The Palestine Bulletin“ durch und wies den Anwalt darauf hin, daß das Wort ״wonderful“ gar nicht verkomme, und daß die Aussage Cafferatas nur als ״remarquable“ (bemerkenswert) bezeichnet wurde. Der Anwalt beschwerte sich weiter darüber, daß ״The Palestlne Bulletin“ den Scheich Taleb Markah als den ״Rädelsführer“ (rfngleader) der Hebron-Unruhen bezeichnet. Der Richter erwiderte, es sei ein allgemeiner Fehler der Zeitungen, in solchen Fällen das Wort ״vermeintlich“ (allaged) fortzulassen, Er ersuchte die Journalisten, in Zukunft nach dieser Richtung sorgfältiger zu sein. Es folgten dann weitere Zeugenaussagen. Frau Sultana Guzlan schilderte, wie ihr Mann und ihr Sohn durch eine von Taleb Markah aufgehetzte Bande getötet wurden. Als sie, durch Messerstiche verwundet, auf den Balkon des Hauses floh und einen sie verfolgenden Mörder um Schonung ihres Lebens bat, rief Scheich Taleb, der auf der Straße inmitten einer Gruppe Aufrührer stand, dem Mörder zu: ״Töte sie, dann hats ein Ende!“ Der Frau ist es jetzt noch nicht völlig klar, wie sie mit dem Leben davonkam. Sie ist noch heute schwer leidend, ihr Gesicht und ihre Gliedmaßen sind noch bandagiert. Als die Verteidiger versuchten, sie durch ein längeres Kreuzverhör zu erschüttern, bricht sie in Tränen aus. Der Richter sieht sich genötigt, die Zeugin in Schutz zu nehmen. Er spricht dem Anwalt den Tadel dafür aus, daß er das Verhör mit der physisch herabgekommenen und schwer geprüften Frau zu einer Peinigung gestaltet. Es folgt die Einvernahme des Zeugen Ephraim Sokolower von der Jeschiwah in Hebron, der die wilden Szenen während des Gemetzels im Hause des Anglo Bank-Direktors Slonim schildert. Als in dem Hause, in dem er wohnte, zwei Mensehen von eingedrungenen Arabern getötet worden waren, suchte er wie viele andere seiner Kollegen Schutz im Hause von Slonim, der bei den Arabern Ansehen und Sympathie genoß. Dort glaubte man sich geborgen. Aber auch in dieses Haus drang eine Araberhorde ein und veranstaltete ein Gemetzel, das 15 Minuten dauerte. Er, der Zeuge, wurde verwundet und kam unter einen Haufen Toter zu liegen, so daß die Araber Ihn übersahen und am Leben ließen. Es folgten die Aussagen von Moses Castel und Israel Labi, die hörten, wie Scheich Taleb seiner arabischen Gefolgschaft zurief: ״Wir haben einen guten Anfang gemacht und einige Juden getötet, laßt uns jetzt die übrigen hinmachen!“ Zu Beginn des dritten Verhandlungstages fehlte der Staatsaawalt El Alani; er hatte sich wegen Krankheit entschuldigen lassen. Angesichts seiner bisherigen Lässigkeit in der Vertretung der Anklage ist man allgemein geneigt zu glauben, daß er die Krankheit vorschütze. Richter Corrie setzt die Verhandlung bis Nachmittag aus. Am Nachmittag erschien zur Vertretung der Anklage an Stelle des wegen Krankheit entschuldigten Musa Effendi El Alami der Anwalt Z a k i T e m i n i, ebenfalls Moslem, der dem Stabe des Oberstaatsanwalts Norman Bentwich angehört. Vernehmung des Angeklagten Scheich Taleb Markah wurde als Angeklagter vemommen und behauptete, er habe versucht, auf die Menge beruhigend einzuwirken. Er saß am Freitag im Laden von Scha- 10m Ben Hayim, als er draußen einen Jungen rufen hörte, es gäbe Aufruhr. Er sei hinausgegangen und habe den Jungen verprügelt. Er habe kein einziges Mal versucht, die Menge aufzustacheln, sondern er habe im Gegenteil die über die Nachrichten aus Jerusalem sehr erregte Menge zu beruhigen versucht, indem er erklärte, er glaube nicht, daß die aus Jerusalem eingetroffenen Nachrichten zutreffend seien. Ich wußte, sagte er, von dem Massaker in der Jeschiwah, aber daraus schloß ich nicht, daß die Lage in Hebron nicht normal sei. Am Sonnabend, erzählte Markeh weiter, spazierte ich Arm in Arm mit Slonim vor Schneeursons Hotel. Darauf ging ich in den Laden, wo ich mich von 8,30 Uhr bis 11 Uhr aufhielt. Ich war nicht unter denen, die in Slonims Haus eindrangen. Es begann das Kreuzverhör mit Taleb Markah, das nicht vom neuen Staatsanwalt, der sich ebenso wie sein Vorgänger passiv verhält, sondern vom Senior-Richter Corrie geführt wird. Wenn Sie ein Freund der Juden sind, fragte Corrie. warum erheben Menschen, die Ihre Freunde sein sollten, solche Anschuldigun^en gegen Sie? Taleb Markah antwortete, nicht die Hebron-luden. sondern Auswärtige hätten ihn zuerst der Schuld an den Ereignissen bezichtigt. Kein moslemischer Führer hätte Unruhe-Pläne gefördert. Der Richter fragte, oh er meine, daß der Polizeiinspektor Cafferata, der ihn der Aufhetzung beschuldigt, ein Lümter sei. Darauf antwortete Markah, er habe am Freitag 20 schwer bewaffnete Modems, die mittels Auto nach Jerusalem fahren wollten, von dieser Fahrt abgeraten, dann aber sei Herr Cafferata herzugetreten und Jbab$. den W׳#Mtirt«on. irfpwiw 1זיי«*י MrikahTihre Dankbarkeit lez'el'.־ Dankbarkeit, wofür? fragte Richter Defreites. Warum haben Sie, ein Stadtältester, Mitglied der arabischen Exekutive, sich während eines Oemetzels in einem Laden versteckt? Warum benachrichtigten Sie nicht den Distrikts-Offizier? Taleb Markah wich der Beantwortung dieser Fragen aus und bemerkte nur. die Hebron-fuden seien keine Zionisten gewesen, er hätte keine Feindschaft gegen sie empfunden. Es folgte die weitere Einvernahme der Zeugin Esther Labe, die folgendes bekundete: Vom Balkon meines Hauses sah ich am Freitag die Moslems die Moschee verlassen. Sie riefen: ..Die Reümnn Mohammeds ist das Schwert! Tötet die Juden!" Scheich Taleb Markah. der einen Stock schwang, las aus einem Panier der erregten Menge etwas vor, die als Reaktion auf Talebs W״rte mit Steinen ge״en die iüdischen Hauser zu werfen begann. Sie hörte ferusalemer Autochauffeure rufen: ״Unsere moslemitiscbeh Brüder werden in Jerusalem erschlagen. Im Namen des Pronheten nehmt Rache an den Juden! Wer Waffen hat, der folge uns!“ Die Anwälte der Zivilbeteiligten stellten an die Verteidiger die Frage, oh sie zugeben, daß die Angehörigen ihrer Klienten getötet" worden sind! Die Verteidiger erwiderten, sie stellen dies in Abrede. Ein englischer Staatsanwalt Nach dreitägiger Unterbrechung wurde am 21. Oktober vor dem Jerusalemer Gericht der Prozeß wieder aufgenommen. Nachdem die beiden bisherigen Vertreter der Anklage, die Moslems waren, sich nicht bewährten, wird nun die Anklage vom Regierungsanwalt Sherwel I vertreten, der einen schärferen Zug in die Verhandlungen bringt, indem er die Zeugen sehr eingehend Kreuzverhören unterzieht. Einvemommen wurde der Distrikts-Offirier von Hebron, ein christlicher Araber, der nach dem Pogrom die überlebenden Juden einvernahm und hierüber einen Bericht abfaßte, der sich als ungenau und überholt erwies. E; ergaben sich deshalb starke Widersprüche zwischen den Aussagen der Zeugen, insbesondere Schneersons, vor Gerieht und dem vom Distrikts-Offizier hergestellten Protokoll. Der Distrikts-Offizier, den Zeugen gegenübergestellt, mußte zugeben, daß sein Protokoll ungenau und übereilt abgefaßt war. Der nächste Zeuge, ein moslemischer Advokat, der eine Anzahl Juden aus Hebron während des Pogroms bei sich verbarg, bekundete, daß an dem verhängnisvollen Freitag die kielnen Moscheen nicht benutzt waren, sondern daß der Hauptgottesdienst allein in der großen Moschee abgehalten wurde. Er bestätigt somit die Aussage der jüdischen Zeugin, die die Araber aus der Hauptmoschee, die gegenüber ihrem Hause ist, kommen sah. Es ist damit geklärt, daß der Herd der Aufhetzung in der großen Moschee war, in der Scheich Taleb Markah auftrat. Die Verteidigung richtete an den Zeugen die Frage, ob die Polizei in der Lage war, die Ordnung aufrecht zu erhalten. Der Richter Defreites erklärte darauf, das sei äugenscheinlich möglich gewesen, denn wenn der Zeuge als einzelner in der Lage war, Juden zu retten, so hätte es die Polizei sicherlieh auch tun können. Ein arabischer Polizeisergeant, als Zeuge einvernommen, erklärte Im Widerspruch zur Aussage des Potizeiinspekfors Cafferata, daß er von Cafferata keine Order erhalten habe, die Menge zu zerstreuen, an welche Taleb Markah gerade eine Ansnrache hielt Auf die Frage der Verteidigung, ob Taleb Markah die Polizeistation, wie er behauptet, besucht habe, verwickelte sich der Zeuge in Widersprüche. Ein Protokoll hierüber besteht nicht. Somit ist dem Angeklagten der Beweis, daß er die Polizei über die unruhige Stimmung informierte, nicht gelungen. Wirtschaftlicher Aufbau Von Dipl.-Ing. M, Hecker, Haifa. Das jüdische Palästina steht unter dem unmittelbaren Eindruck zweier außergewöhnlicher Ereignisse, die tief in sein Geschick eingreifen. Das eine ist die Entstehung der ״Jewish Agency“, das andere die blutige Welle, die unsern Jischuw jüngst überflutete. Das eine Ereignis, erhebend und hoffnungerweckend, das andere niederschmetternd und entmutigend, jenes eine schöne Verheißung, dieses grausamste Wirklichkeit. So gegensätzlich auch diese beiden Ereignisse sind, so bestehen doch Wechselbeziehungen zwischen ihnen. Daß die Agency-Gründung — und noch mehr ihr lauter Widerhall in der zionistischen Oeffentlichkeit — mit dazu beigetragen hat, den Ausbruch der arabischen Feind- Seligkeiten auszulösen, ist leider unzweifelhaft. Wie aber umgekehrt die letzteren auf die durch die Agency im Judentum neugeschaffene Situation zurückzuwirken haben, soll sich aus den nachstehenden Ausführungen als Schlußfolgerung ergeben. Die Ereignisse der letzten Vergangenheit haben uns viele Lehren erteilt und zu den bestehenden Problemen neue geschaffen. Soweit diese Fragen politischer, soziologischer, kolonisatorischer, kultureller Natur sind, muß ich es Berufeneren überlassen, sie zu behandeln (obwohl gerade von ״berufener“ Seite aus Unkenntnis oder Oberflächlichkeit schwerwiegend« Fehler im Uebermaß begangen worden sind). Ich beschränke mich hier auf einen einzigen Komplex, der mir freilich der allerwich, tigste erscheint, da er alle anderen maßgebend beeinflußt: es ist das wirtschaftliche Gebiet. Hier liegen unsere entscheidenden Aufgaben. Daß der Jischuw nicht genügend gefestigt war, um eine solche Erschütterung von vomeherein unmöglich zu machen, lag, neben an* deren Ursachen, zun» großen Teil an unserer Ökonom i- «tieVl51dfÄ;«ei11־ und nach 'aßen Achtungen wideif«'׳ standsfähig ausgebaut werden, so brauchen wir vor allem eine außerordentliche Steigerung unserer wirfschaftlichen Leistungen. Nicht verschwommene Deklarationen, nicht papierene Beschlüsse, nicht begeisterter Redeschwall werden uns in Palästina das geben, was wir brauchen. Wahrhaft wirksam sind nur jene Werke, die wir in zielbewußter, zäher Arbeit aus eigenen Kräften und Mitteln schaffen und entwickeln. Die wirtschaftlichen Faktoren sind es, die alles Geschehen der Gegenwart entscheidend beeinflussen. Dies gilt auch im hohen Maße für unsere besonderen Verhältnisse, in denen noch alles unsicher und erst im Entstehen ist. Nur eine starke ökonomische Macht kann die Grundlage unserer politischen Bedeutung werden und nicht umgekehrt Der Realismus des Engländers, der ein ausgesprochener Tatsachenmensch ist, steht unseren ideellen Einstellungen und theoretischen Aus- Sprüchen verständnislos und darum ablehnend gegenüber. Gewöhnt, den Wert einer Leistung an ihrem Erfolg zu messen, hat er z. B. für die Opferbereitschaft der Chaluziuth nur wenig Verständnis. Eher hat es auch bei Wohlmeinenden Enttäuschung erregt, daß wir nach ihrer Meinung den uns von England gebotenen ״Start“ nicht genügend auszunutzen verstanden haben. Keine noch so entschiedenen Proklamationen machen auf die Mandatregierung Eindruck, sondern nur eine umfassende, erfolgbegleitete Wirtschaftstätigkeit, die dem Lande ihren Stempel aufdrückt. Nur eine solche Wirksamkeit —- die, last not least, den willkommenen Nebeneffekt hat, den Säckel der Regierung zu füllen — wird uns in entsprechendem Verhältnis politische Rechte verschaffen, die nicht bloß auf dem Papier stehen. Die Devise englischer Politik entspricht nicht dem bekannten Worte ״do ut des“, sondern der umgekehrten Reihenfolge. Noch stärker wird die Wirkung sein, die ein Wandel in unserer wirtschaftlichen Position auf die Araber auszuüben vermag. Die augenblickliche, beiderseitige Boykottbewegung, die lediglich aus einer primitiven Abwehrreaktion erwachsen ist, braucht uns nicht zu schrecken und unser Urteil zu trüben. Sie ist, wie alle derartigen Erscheinungen, auf die Dauer undurchführbar, da Juden und Araber bereits zu stark aufeinander angewiesen sind. Vielmehr muß uns gerade die entgegengesetzte Erkenntnis klar werden: Gemeinsame Wirtschaftsinteressen sind das stärkste und wirksamste Band, das beide Völker miteinander zu verbinden vermag. Hier liegt das Ziel, dem wir mit allem Bemühen entgegenstreben müssen. Weder die Fanfaren eines überhitzten Chauvinismus, der besonders unter der Jugend verhängnisvolle Schäden anzurichten droht, noch die sanften Flötentöne Weltfremder, die von Verbrüdeiung und Kulturgemeinschaft träumen, leiten uns auf den richtigen Weg. Das Zusammenleben zweier

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