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Jüdische Rundschau · 1929-10-22 · Heft 83 (22.10.1929) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 83 (22.10.1929)
Date
1929-10-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 558 JUEDiSCHE RUNDSCHAU Nr. 83, 22. X. 1929 Briefe an die Redaktion Die stellvertretende Exekutive London, 16. Oktober 1929. Redaktion ,,Jüdische Rundschau‘‘, Berlin W 15. Sehr geehrte Redaktion, Sie werden es mir wohl nicht verübeln, daß ich mit solcher Verspätung Ihren großen Neujahrsartikel in der ״Jüd. Rundschau“ gelesen habe. Es fällt mir dabei Ihre Bemerkung auf, es sei unbegreiflich, daß das Aktions-Comite kein Wort des Dankes an die Herren Hoofien und Horowitz gefunden habe. Wenn Sic darunter eine formelle Resolution des Aktions- Comite meinen, dann ist es richtig, daß eine solche nicht angenomtnen wurde, aber dies ist ja nicht die einzige Form des Dankes in solchen Fällen, und er wurde an die Mitglieder der provisorischen Exekutive in Palästina hei der Aktions-Comite- Sitzung durch den Mund der Exekutive wohl zum Ausdruck ebracht. Ich habe in meinem Bericht über die Ereignisse in alästina mit Worten der Anerkennung für die Herren geschlossen, und Mr. S a c h e r , dessen Bericht folgte, hat gleichfalls einleitend die Leistungen der Herren dankend gerühmt. Das Aktions-Comite hat es zwar unterlassen, seine Zustimmung in der Form einer Resolution zu unterstreichen, aber es wäre ungerecht, den Eindruck zu erwecken, als hätte man der Dienste dieser Männer in den schweren Stunden gar nicht gedacht. Es wäre gut, wenn Sie eine Form finden, um diesen irrtümliehen Eindruck zu zerstreuen. Mit freundlichen Grüßen Ihr S. Kapiansky. * Liberalismus und Zionismus Berlin, am 20. Oktober 1929. Sehr geehrte Redaktion, Auch wer, wie ich, an den positiven Dingen der jüdischen Religion nicht aktiv und persönlich beteiligt ist, wird es lebhaft begrüßen, daß sich die religiös-liberalen Elemente im Zionismus, die viel zahlreicher sind, als gewöhnlich angenommen wird, endlich in irgendeiner Form zusammenfinden wollen. Die Front hierbei — soweit ein Kampf überhaupt nötig ist — hat aber in Deutschland nicht nur gegen die Kreise zu stehen, die in der ״Vereinigung für das liberale Judentum“ geeinigt (?1 sind, sondern man wird auch von den zionistischen Gemeinde- Vertretern (Jüd. Volkspartei) eine Wandlung ihres in religiösen und kultischen Fragen fast stets konservativ orientierten Stand- Punktes, durch Ausbau eines linken Flügels, erwarten dürfen. Hochachtungsvoll mit Zionsgruß Dr. Bruno Kirschner. * 6rfindet zionistische Gotteshäuser! Hannover, 16, Oktober 1929. Sehr geehrte Redaktion, Ein großes Manko im jüdischen Oaluth ist: das Fehlen von zionistischen Gotteshäusern. Ihre große Bedeutung ist zweifellos, und es ist zu hoffen, daß diese Anregung aut fruchtbaren Boden fallen wird. Wodurch würden sich diese von den anderen unterscheiden? Es würde in ihnen nur in sephardiseher Aussprache gebetet werden, und jeder, der zu Torah aufgerufen wird, dürfte nur in sephardiseher Aussprache die Brachot sagen usw.; geschnodert dürfte in erster Linie nur für den KTCL werden; die Predigt an jedem Sabbat und Feiertag müßte in der Hauptsache die Frage behandeln: Wie steht es mit dem Wiederaufbau Palästinas? — Auch müßte sie zur größeren Mitarbeit an diesem Werk anfeuern; es müßte ein einheitliches, im ganzen Galuth gleiches Gebet verfaßt werden, dessen Inhalt die Hilfe Gottes für den Palästinaaufbau erfleht und bei jeder Gebets- Verrichtung im zionistischen Gotteshaus gebetet würde. Das sind nur einige Neuerungen, die mir gerade einfallen. Mit der ordnungsmäßigen Gründung von zionistischen Gotteshäusern in zionistischen Großgemeinden wird Woche auf Woche, Festtag auf Festtag den Andächtigen eingeschärft das elfte Gebot: Du sollst mithelfen am Palästinaaufbau mit Deiner ganzen Kraft und mit Deiner ganzen Seele! Auch propagandistisch würde diese Gründung wirken: ebenso für die zionistische Sache wie für das sephardische Hebräisch. Die finanziellen Unkosten würden durch Mitgliedsbeiträge, Spenden bei Torah-Aufruf usw. gedeckt werden. Also: Nur Vorteile würden uns durch die Gründung entstehen (und notwendige Vorteile). — Deshalb ans Werk: lieberall, im ganzen Galuth halle der Ruf wieder: Gründet zionisfische Gotteshäuser! Mit Zionsgrüß Wolf W i e s e n f e 1 d. * Das Institut liir neue Musik 20. Oktober 1929. Berlin W, Düsseldorfer Str. 32. Redaktion der ״jüdischen Rundschau“! Darf ich Sie höflichst bitten, in der kommenden Nummer Ihres geschätzten Blattes folgende Berichtigung zu bringen. In dem Referat über die Sitzung des ״Komitees zur Förderung des Jüdischen Musik wesens in Palästina“ ist ihrer Berichterstattern! ein Irrtum unterlaufen, dessen Korrektur mir wesentlich erscheint (Nr. 82, Seite 550). Es wird dort behauptet, daß am Ende der Sitzung alle Teilliehmcr dem Vorschlag des Dr. Sandberg gemeinsam zugestimmt hätten, der die Gründung eines Forschungs- und Lehrinstitutes für jüdische und orientalische Musik in Jerusalem als Grundstein für eine künftige Musikhochschule plante. Ich möchte dazu bemerken, daß ich meine Opposition gegen diesen Vorschlag klar ausgesprochen und aufrechterhalten habe. Auch hatte ich den Eindruck, daß sowohl unser Vorsitzender, Herr Dr. Leichtentritt, als auch Herr Hans Gutman, nicht dem Projekt restlos zustimmten. Die Gründe meiner Opposition sind folgende: 1. Ich glaube» daß Viertel- und Sechsteltöne, die in unserer synagogalen Musik bisher nur eine gelegentliche, sekundäre Rolle gespielt haben, ais kunstbildender Faktor von dem Vortragenden überschätzt wurden. Es ist unwahrscheinlich, daß die jüdische Musik in der Zukunft diesen Weg gehen wird. Denn sie soll ja nicht Geheimkunst für einzelne Feinohrige werden, sondern allgemein verständlich sein. Der Vergleich mit arabischer und sonstiger orientalischer Musik hinkt. Denn diese ist zwar eine auf differenzierten Systemen aufgebaute Musik, aber keine Kunst, die doch durch Benutzung der Vierteltöne in der jüdischen Musik erstrebt wird. 2. ich glaube, daß die von Herrn Sandberg für nur drei Jahre geforderten 3000 Pfund (61 000 M.) an anderer Stelle, selbst wenn man sie musikalisch verwenden will, besser angelegt werden können, als für ein Institut, das dem Lande — jedenfalls heute — keinen Nutzen bringen kann. 3. Ich habe deshalb vorgeschlagen, Herrn Sandberg persönlich seine weitere, von mir hochgeschätzte Forscherarbeit durch Bereitstellung von Mitteln zu ermöglichen, aber von der Errichtung eines für die Aufbauarbeit unaktuellen Instituts abzuSehen. Mit vorzüglicher Hochachtung Erich-Walter Sternberg. Friedenskundgebung der Religionen Die Arbeitsgemeinschaft der Konfessionen für den Frieden veranstaltete am 16. Oktober eine Kundgebung im Fcstsaale der ״Hochschule für Musik“. Der Protestant Min.-Dir. z. D. Spiecker schilderte die Entwicklung der religiösen Friedensbewegung in den letzten 20 Jahren. — Direktor Oscar Wassermann rief zur Friedensarbeit im Geiste der alttestamentlichen Propheten auf. Zu appellieren ist an Herz und Gewissen vor allem der noch für Ideale begeisterungsfähigen Jugend. Zu den! äußeren Frieden der Staaten muß dann auch der innere Frieden unter den Konfessionen und Klassen treten. — Der katholische Prälat Msgr. Lichtenberg erinnert an die Friedenspredigt Papst Benedicts XV. mitten im Kriege. Jetzt gilt es für alle, selbst an der Verwirklichung des Gebets zu arbeiten: Dona nobis pacem, dem Friedensruf Papst Gregors des Großen vor 1400 Jahren. Die Reihe der eigentlichen Referenten eröffnet Rabbiner Dr. Baeck: Das Judentum hat das Glück, seit 2000 Jahren nicht für die großen politischen Ent- Scheidungen in der Welt und dann auch nicht für die Greuel all der Kriege verantwortlich zu sein. In Rom und Griechenland bedeutete ״Friede“ nur etwas Negatives — kein Krieg — im Judentum dagegen Gebot und Verheißung, d. h. Weg und Ziel. Heute dagegen sehen wir vielfach Ziel ohne Weg (Friedensschwärmerei) und Weg ohne Ziel, so im Weltkriege. Der Weg, den die Religion weist, ist schwer und bedingt Opfer. Aber wie jedes jüdische Gebet mit dem Wunsche nach ״Scholaum“ für Israel und die Welt schließt, so ruft das Judentum allen zu, die den Willen zum Frieden haben: Scholaum, Scholaum iarochauk welakoratnv, dein Femen, der durch Liebe zum Frieden zu einem Nahen wird. — Der protestantische Pastor Dr. D eh n erklärt, den Krieg müsse der religiöse Mensch verwerfen. Denn Krieg kann jeder nur mit bösem Gewissen führen. Der Dominikanerpater Straf mann ruft als Katholik zum Kampfe gegen den kommenden Gas- und Luftkrieg auf. Der Vorsitzende des Jüdischen Friedensbundes und Mitbegründer der ״Arbcits- Gemeinschaft“, Dr. Alfred N ossig, gibt das Arbeitsprogramm bekannt, das dem im nächsten Jahre in Jerusalem tagenden Weltfriedenskongreß der Religionen vorzulegen ist. — Die überfüllte Versammlung, die sich aus dem Bürgertum der drei Religionen zusammensetzte, folgte den Ansprachen und dem Orgel- Prä- und Postludium bis zum Schluß mit gespanntester Aufmerksamkeit. Harold Wieners Nachlaß. Die Nachricht, daß der ermordctc englisch-jüdische Gelehrte Harold M. Wiener £ 10 000 für islamische Institutionen hinterlassen habe, wurde bekanntlieh bereits dementiert. Wie wir nun erfahren, hat Wiener sein Barvermögen der sefardischen Gemeinde in London vermacht, seine wertvollen Bücher der Jüdischen Nationalbibiiothek Jerusalem. Vermischtes Berliner Jüdische Gemeinde. Die nichste Sitzung der Repräsentanten-Versammlung findet Donnerstag, den 24. Oktober 1929, abends 7 Uhr präzise, im Sitzungssaal, Oranienburger Straße 30, H, statt. Jüdische Musik in der Berliner Funkstunde• Am Mittwoch, dem 23. Oktober, 4,20 Uhr, spielt Alice Jacob- Loewenson im Berliner Sender außer Werken von Bach und Resnjghi ״Birkath Schalom“ von Joseph Achron und je ein Klavierwerk von Gregoire, Alexandre und Julien Krein. Hebräische Musik. Madeleine Grey aus Paris gibt am 31. Oktober im Bechsteinsaal einen Liederabend hebräische Musik. Die Künstlerin, die nicht nur in Frankreich einen bedeutenden Ruf genießt, sondern auch in anderen Ländern bereits häufig im Rahmen jüdischer Veranstaltungen aufgetreten ist, gibt am Sonnabend, dem 24. Oktober, abends 8 Uhr, einen Abend ״Lieder und Folklore“ mit einem reichen und ausgewählten Programm, das sicherlich großes Interesse finden wird. Kundgebung des ״Brith Schalom“. Die deutsche Gruppe des ,,Brith Schalom“ veranstaltet Sonntag, 3. November, abends, eine Kundgebung im Logenhause, Joachimsthaler Straße, bei der Dr. Jakob Kiatzkin und Dr. Martin Bub er über die Probleme der jüdischen Politik in Palästina sprechen werden. Die israelitische Gartenbauschule ״Ahlen“ teilt uns mit: Die diesjährige Herbstprüfung der Gärtnerlehrlinge, der Israelitischen Gartenbauschule ״Ahlen“ fand am Dienstag, dem 17. September, statt. Die Prüfungskommission setzte sich zusammen aus den Herren: Landwirtschaftsrat- und Gartenbaudirektor Huber von der Landwirtschaftskammer, Hannover; Gärtnereibesitzer Meyer aus Kirchrode als Vertreter der Arbeitgeber; Stadt. Reviergärtner Scheffer von der Garten- Verwaltung, Hannover, als Vertreter der Arbeitnehmer. Die Prüfung fand in dem 80 Morgen umfassenden Betriebe der Israelitisrfien Gartenbauschule statt und erstreckte sich theoretisch wie praktisch auf Freilandkulturen, wie Gemüse, Obstbau, Schnittblumen, ferner Baumschule- und Topfpflanzenkulturen. Zur Prüfung waren sechs Lehrlinge zugelassen, die in der übliehen Lehrzeit von drei Jahren ausgebildet worden sind. — Es bestanden alle. Einer dieser Prüflinge ist bereits nach Palästina unterwegs, um seinem Bruder, der eine gesicherte und ergiebige Plantage besitzt, bei deren weiteren Ausbau behiltlieh zu sein. Die anderen jungen Leute sind in entsprechenden Gehilfenstellungen in Deutschland untergebracht. Die neuen Kurse, die sich auch auf das Handwerkgewerbe — Schuhmacher und Schneider erstrecken, beginnen jetzt im Herbst, so daß Neuanmeldungen jetzt noch vorgenommen werden können. Geschäftliche Mitteilungen Unserer heutigen Ausgabe liegt ein Prospekt der Brandus’schen Verlagsbuchhandlung über den neuen Roman von IIja Ehrenbürg ״Das bewegte Leben des L a s i k Roitschwantz" bei, den wir unseren Lesern zur besonderer! Beachtung empfehlen. Wir verweisen unsere Leser auf das Inserat des Pianobau s es, Königgrät zer Straße 81, das ständig große Auswahl in gebrauchten und neuen Instrumenten hat. Auf Wunsch wird Zahluiigserieichterung gewährt. Arztwitwe in Antwerpen (zionistisches Milieu) bietet jüngerem Mädchen, das die französische Sprache erlernen mochte, Pension m. FemNisnanschluS. Nähere Auskünfte bei Frflll Dr. Lieber t« Berlin W, Eisenzahnstraße 63. Telefon: Uhland 4941 Zur Bildung’ eines hsnrSsehen KindergarienziPKeis ab 1. Nov. (Gegend Joachims* thaler Straße) werden Kinder aufgenornmen. Näheres von 12 bis 15 Uhr telefonisch: Wilhelm 7316. Einen Jungen von 8 bi* 14 Jahren, aus gutem Hause, wünscht jüdische Familie in Berlin ab 1. November in volle Pension zu nehmen. Off, unter C, 4479 an die Jüdische Rundschau, Berlin W 15, Memelcestraße 10. Palästinenser der augenblicklich in Deutschland zur Ausbildung weilt, sueht Be• schaftiguog. 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Vateraaindagegen■ebr Lustspieihaas Grand •Hotei Deutsches Volkstheater Die beiden Veroneser Thalia-Theater Mutter Maws Zentral'Tbeater Fr&ulelu( pardou Barbarossa 9256 VARIETE- NEUHEITEN Beginn: Uhr Sonnabend und Sonntag 2 Vor- Stellungen 380 u. 8 Uhr. 3י° zu ermäßigte» Preieen das ganze Progf Verantwortlicher Redakteur: Dr. Siegfried Kaaowitz,B*rlin N. .Verlag lüdisdhe Rundschau G. m. 6. HL, Berlin W 15. Verantwortlich tu! den luseratenteil: R. Segal, BsrUn-WHmeradorf, An*. * Vtrur. Jüdisch* Rundschau CL m. b, H., Bwlin W 15, Mainekestr. 10; Druck von Siegfried Sehelem, Berlin -Schoaeberg,

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