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Jüdische Rundschau · 1929-10-18 · Heft 82 (18.10.1929) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 82 (18.10.1929)
Date
1929-10-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Etnzclnmnmcr 0,23 GoIdmarA JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jaden Dienstag u. Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldmark. AualaBdsaboxmamstit• werdea fat dar WEkraog dar twrtlnwn LK&dar berechnet. Anzeteanpreiai 8 geap. Nonpn-eillaMil® O.SO G-M. StaUaagaaBch# 0,25 G.-M. Redaktion Verlag und Anzeigen-Verwaltuag: Jüdische Rundschau G.m.b. FL» BerlinWlS, Meinekeatr.lO Telephon: J 1 Bismarck 7165 —70. Po.t.cb.ek-Konl.n: Bwlta 17392. B««J V 9355, Bdmd 66032. Blind 39433. BatUpnt 596 9J Duua« 1973. Hw« 140470, Pr«. 59416,! Stm.bnMl6.30. Warachaa 190708, Wien 156030. B1ak.K0Bt.11i lbnMiSw ml Mufaaulbük, D.poriten• K»m Mt. Kurfürattndemjn $2; Bwca «Je Ew. Cwanad (RuaUiaia■); Aach» Paloate. C*. in Hain, jermalein, Tel-Avhr. Nummer 82 | Berlin, 18. X. 1929 Redaktionsschluß Sonntag and Mittwoch nachmittag. י״ד תשר^ תר״צ | xxxiv. Jahrg. Der Zionismus erstrebt für da» jOdlache Vom die Schaltung einer dffewtHeli ■ rechtlich gesicherten Helmstitte in Pallstlns. ״Basaler Programm.«» Delegierte der Agency bei MacDonald Unter der Führung von Felix Warburg Eine Aeu$crung Einsteins Der ״ManchesterQuardlan" vom!2. Oktober ver* öflentlicht die nachstehende Zuschritt von Prof. Albert Einsteins An die Redaktion des ״Manchester Guardian“, Manchester. New York, 11. Oktober. (J. T. A.) MacDonald empfing am Freitag, dem 11. Oktober, vormittags, im Hotel Weyltn zu New York eine Abordnung der Jewish Agency, die von Herrn FeHx M. Warburg geführt wurde und aus den Herren Louis Lipsky, Dr. Cyrus Adler, Bernard F1 e x n e r, Dr. Lee K. F r a n k e 1, Riehter William M. Lewis, Morris Rothenberg und Dr. Stephen S. W i s e bestand. Felix M. Warburg verlas eine Erklärung an den britischen Premierminister, in welcher darauf hingewiesen wurde, daß amerikanische Juden in den letzten zehn Jahren mehr a!s25Mi!lionenDo!IarnachPaIästina geschickt haben, weil sie unbedingtes Vert r a u e n in die Versicherung der Mandatarmacht gesetzt haben, daß der Aufbau des Jüdischen Nationaiheims in Palästina gefördert und geschützt werden wird; dieses Vertrauen in die Mandatarmacht hat die amerikanischen Juden ferner veranlaßt, in der Verwirklichung des Pianes der Erweiterung der Jewish Agency und in der Werbung um die Mitarbeit jener Telle des Judentums, die an den bisherigen Bemühungen für den Aufbau Palästinas nicht teilhatten, die Führung zu übernehmen. Mehrere neue Unternehmungen werden durch amerikanische Juden Im Interesse der Judenheit Palästinas geplant und vorbereitet, aber die Ausführung eines solchen Aufbauprogramms hängt in weitem Maße davon ab, welche Schritte die Mandatar-׳ macht unternehmen wird# um Eigentum in Palästina absolut zu garantieren. In der von Herrn Warburg verlesenen Erklärung heißt es weiter, daß volles Vertrauen in die Arbeit der nach Palästina entsandten Untersuchungskommission gesetzt wird und daß die Juden in Palästina und ln Amerika Schritte ergriffen haben, um freundschaftliche Beziehungen zu den Arabern anzubahnen und zu befestigen. Herr Warburg schlug vor, daß die Regierung eine unparteiische Radio-Sendestation errichte, die von einem aus Mosiemiten, Christen und Juden gemeinsam zusammengesetzten Komitee kontrolliert und verwaltet werden soll; dieses Instrument 8011 der Popularisierung höherer Lebensideale, der Förderung des guten Bürgersinnes und des freundschaftlichen Zusammenlebens gewidmet sein. Es unterliegt für uns keinem Zweifel, fuhr Herr Warburg fort, daß es trotz der jüngsten Ausbrüche der Leidenschaften möglich sein wird, ein wirtschaftliches, soziales und bürgerliches Leben zum Wohle der Juden wie der Araber in Palästina aufzubauen, so daß eine Wiederholung der jüngsten Unruhen unmöglieh sein wird. Nachdem Herr Warburg die von den Juden beim Wiederaufbau Palästinas gemachten Fortschritte auf landwirtschaftlichem, industriellem und erzieherischem Gebiete dargelegt hatte, schloß er mit den folgenden Worten: ״Wir erklären jedoch, daß seitens der Regierung entsprechende Vorkehrungen getroffen werden müssen, damit diese und andere Teile des umfassenden Programms der Jewish Agency durchgeführt werden können, daß ferner die Bestimmungen des Mand a t e s mit Wohlwollen durchgeführt werden müssen und daß die jüdische Bevölkerung bei der Anbahnung und Befestfgung einer freundschaftlichen Verständlg u n g mit den übrigen Bevölkerungsteilen Palästinas auf die aktive Mitarbeit der Regierung rechnen müsse. MacDonalds Antwort Auf die Ansprache Warburgs erwiderte MacDonald mit einer Darlegung der von der britischen Regierung ergriffenen Maßnahmen zur Wiederherstellung der vollen Ordnung in Palästina. Die Untersuchungskommission, sagte Herr MacDonald, wird vollkommen unparteiisch bei der Prüfung der jüngsten Unruhen Vorgehen und alle drei Parteien anhören; die Juden, die Araber und die Palästina-Administration. Die britische Regierung, fuhr Herr MacDonald fort, prüfe sorgfältig die Boden- und Einwanderungsprobleme Palästinas, aber die Lösung dieser Probleme wird erst dann erfolgen können, wenn die admlnistrativen und politischenProhleme inOrdnung gebracht sind. Er ergreife den Anlaß, um die außerordentliche Hingabe zu rühmen, mit der die Juden der ganzen Welt und besonders die Juden Amerikas das Werk des Wiederaufbaus Palästinas fördern. Nach Schluß der Unterredung wurde das folgende Statement herausgegeben, welches die Ausführungen des Premierministers MacDonald schriftlich fixiert: Der Premierminister führte zum Beginn seiner Anspräche aus, daß er aus seinen früheren Palästina-Reisen persönllelusMErf ahrder Pro- Siedlungen im Lande besucht und schätze die von den jüdischen Siedlern im Interesse der Entwicklung des Landes gemachten Anstrengungen und Fortschritte hoch ein. Er werde, sagt? pr weiter, das ihm überreichte Memorandum dem Kolonialamt zur Prüfung übe!־w eisen, und fügte hinzu, daß die Abordnung versichert sein möge, daß die Regierung Seiner Majestät willens sei, ihre bereits festgesetzte Politik und ihre Pflichten hinsichtlich des Mandates vollzuerfülien und darauf zu achten, daß das Gesetz in unparteiischer Weise gehandhabt und die Ordnung nach jeder Richtung hin aufrecht erhalten werde. Die Regierung Seiner Majestät anerkennt, da| die jüdische Ein״ Wanderung in Palästina eine un~ bedingte Notwendigkeit für die Errichtung eines Jüdischen Natio״ nalheims gexnäf§ den im Mandat niedergelegten Bedingungen sei, aber die Einwanderung müsse von der Wirtschaftliehen Kapazität des Landes, seiner Fähigkeit, neue Einwanderer aufzunehmen, abhängen. Der Premierminister fügte hinzu, daß er die hinsichtlich der Staatsböden in Palästina bestehenden Schwierigkeiten kenne. Der Premierminister schloß mit der Erklärung, daß zunächst die Resultate der Untersuchungskommission abgewartet werden müssen, und daß er nichts sagen wolle, was so ausgelegt werden könnte, als wollte er diese Resultate vorwegnehmen. Nach Empfang des Berichtes der Untersuchungskommission wird die Situation im Lichte der erkundeten Tatsachen geprüft werden. Zum Schluß betonte der Prem ierminister dringend die Wichtigkeit einer Zusammenarbeit und einer Verständigung zwischen den jüdischen und arabischen Bevöikerungsteilen Palästinas. Landesvorsiand der 7L V. f. D. Delegierteniag zu Weihnachten Der Geschäftsführende Ausschuß hat in seiner Sitzung vom 15. Oktober beschlossen, für Sonntag, den 10. November, eine Landesvorstandssitzung nach Berlin einzuberufen, an der auch die Vertreter der Ortsgruppen teilnehmen sollen. Dieser La«- desvorstandssitzung wird ein einstimmig beschlossener Antrag des Geschäftsführenden Ausschusses vorliegen, einen Delegierten tag der Z. V. f. D. für spätestens 25. und 26. De-5 zember einzuberufen. Ucber die Kundgebung gegen die ״Erklärung deutsche! Juden“ berichten wir auf der dritten Seite. Die Uutersaclumgskominission abgereist Der Vorsitzende der britischen Untersuchungskommission für Palästina Sir Walther Shaw und die Mitglieder der Kommission, der Konservative Sir John Betterton, der Liberale Morris und der Arbeiterpartefter SneII, sowie der Sekretär der Kommission Herr Lloyd vom Kolonlalamt, haben am 12. d. M. von London die Reise nach Palästina angetreten. Die Palestine Economic Corporation bestimmte 250 000 Dollar für Förderung des Baus kleiner Wohnhäuser in den Städten Palästinas und beschloß, Schritte zu unternehmen, um weitere 750 000 Dollar für wirtschaftliche Arbeit in Palästina sicherzustellen. Sehr geehrte Redaktion, Ich habe mit tiefer Besorgnis die Meinungsiuß erungen der englischen Presse über die kürzlichen Ereignisse in Palästina verfolgt, Was ich dort gelesen habe, hat auf mich einen so tiefen Eindruck gemacht, daß ich mich trotz meines allgemeinen Widerwillens gegen politisches Auftreten veranlaßt fühle, die nachfolgenden Zeilen an Sie zu richten. Mit großer Begeisterung und tiefer Dankbarkeit empfingen die Juden, die mehr als jedes andere Volk von dem Chaos und den Schrecken des Krieges gelitten hatten, die Zusicherung Engiands, daßesdleWiederaufrichtungdesJüdischen Nationalheims in Palästina unterstützen würde. Das jüdische Volk in seiner schweren physischen und moralischen Erniedrigung sah in dem englischen Worte den sicheren Felsen, auf den es ein jüdisches nationales Leben in Palästina würde wieder aufbauen können, das durch seine Existenz und durch seine materiellen und geistigen Leistungen die jüdischen Massai, die über die ganze Welt zerstreut sind, mit neuer Hoffnung, mH Würde und Stolz erfüllen würde. Große Opfer an menschlieber Energie und materiellem Gut wurden von den Juden der ganzen Welt gebracht zur Verwirklichung der Sehnsucht, die die jüdische Gemeinschaft während eines jahrhundertelangen Martyriums aufrechterhalten hatte. In einem kurzen Zeitraum von zehn Jahren wurden durch freiwillige Spenden gegen zehn Millionen Pfund aufgebracht und hunderttausend erlesene Jüdisehe Pioniere kamen nach Palästina, um mit ihrer Hände Arbeit das fast öde Land zu erlösen. Wüsteneien wurden bewässert, Wälder gepflanzt, Sümpfe ausgetrocknet und ihre verheerenden Krankheitsherde ausgerottet Ein Werk des Frie* dens wurde geschaffen, das, wenn vielleicht auch noch bescheiden an Größe, Bewunderung jedes Besuchers hervorrief. Ist der Fels, auf den wir gebaut hatten, Ins Schwanke«* geraten? Ein beträchtlicher Teil der englischen Presse jfcäggg|dt, und Abneigung.Was ist geschehen? Arabischer Mob, organisiert und verhetzt von politische« Intriganten, die den religiösen Fanatismus der unwissende» Menge ausbeuteten, sind über, isolierte jüdische Siedlungen hergefallen und haben gemordet und geplündert, wo kein Widerstand geleistet wurde. In Hebron wurden die Schüler einer rabbinischen Lehranstalt, unschuldige, junge Menschen, die nie in ihrem Leben eine Waffe in der Hand gehabt hatten, kaltblutig niedergemetzelt In Safed ereilte dasselbe Schicksal alte Rabbiner und ihre Frauen und Kinder. Erst neulich fielen einige Araber über eine jüdische Waisensiedlung her, in der diese bejammerswerten Hinterbliebenen der großen russischen Pogrome eine Zuflucht gefunden hatten. Ist es da nicht erstaunlieh, daß eine Orgie so primitiver Brutalität gegen eine friedliehe Bevölkerung dann von einem Teil der englischen Presse zu einem Propagandafeldzug, nicht gegen die Urheber dieser Brutalitäten und ihre Helfershelfer, sondern gegen ihre Opfer ausgebeutet wird? Kaum weniger enttäuschend aber Ist die erstaunliche Unkenntnis von dem Charakter und den Lei-׳ stungen des jüdisch en Aufbauwerks in Pali» stina, die in vielen Organen der Presse jetzt zutage tritt Ein Jahrzehnt ist verflossen, seitdem die Politik der Errichtung einer Jüdischen Nationalen Heimstätte in Palästina von der britischen Regierung mit der fast einstimmigen Unterstützung der gesamten englischen Presse und der Führer aller politisehen Parteien initiiert wurde. Auf Grund dieser offiziellen Anerkennung, die von den Regierungen fast aller Kulturstaaten mit Zustimmung auf genommen wurde und die ihre staatsrechtliehe Formulierung im Palästina-Mandat erhielt, habe« die Juden ihre Söhne und Töchter nach Palästina gehen lassen und haben ihre freiwilligen Spenden für dieses große Werk des friedlichen Wiederaufbaus gegeben. Ich glaube, es darf ohne Uebertreibung gesagt werden, daß mit Ausnahme der Kriegdeistungen der europäischen Völker, unsere Generation keine nationale An- Spannung von so geistiger Intensität und so heldenhafter Hingäbe erlebt hat, wie diejenige, die die Juden während des letzten Jahrzehnts in Palästina geleistet haben. Wenn man, wie es mir vor einigen Jahren vergönnt war, durch das Land gereist ist und die jungen Pioniere, Männer und Frauen von herrliebem geistigen und moralischen Kaliber in der Glühhitze des palästinensischen Klimas Steine brechen und Straßen bauen gesehen hat; wenn man sieht, wie unter der hingebungsvollen Arbeit der jüdischen Kolonisten blühende landwirtschaftliche Siedlungen aus dem lang verödeten Boden emporwachsen; wenn man sieht, wie die Wasserkräfte des Landes entwickelt werden und eine den Bedürfnissen und naturgegebenen Möglichkeiten des Landes angepaßte Industrie sich zu entwickeln beginnt und vor allem wenn man beobachtet, wie sich dort ei« Erziehung»- System in der alten Kultursprache der Bibel aufbaut, das sich bereits vom Kindergarten bis zur Universität erstreckt — weieher Beobachter, wes Stammes und Glaubens er sei, könnte sich dem Zauber so erstaunlicher Leistung und solcher fast übermenschlichen Hingabe entziehen? Ist es nicht unglaublich, daß nach all dem die brutalen Metzeleien eines aufgehetzten Pöbels die Wertschätzung der ganzen jüdischen Leistung in Palästina untergraben und sogar dazu führen können, daß der Widerruf der feierlich gegebenen Zusagen öffentlichen Schutzes und Unterstützung gefordert wird? Der Zionismus wurzelt auf doppelter Grundlage. Er erwuchs einerseits aus der Tatsache der jüdischen Not Es ist

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