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Jüdische Rundschau · 1929-10-11 · Heft 80-81 (11.10.1929) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 80-81 (11.10.1929)
Date
1929-10-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Doppclnummcr 0,40 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jeden Dienstag «.Freitag, Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5,75 GoldmarL AmianH**bonmnn«1!» w«rden in d«r Wihrunj; der einreinen LMndtr berechnet. Anzeigenpreis: 8 ge* *p. Nonparefflereile 0,50 G״M, Stellengesuche 0.25 G.-M. N«m«ner 80/8t| Berlin, II. X. 1929 Redaktion Verlag und Anzeigen-Verwaltung: Jüdische Rundschau G.tn.b.H., BerÜnW15, Meinekestr. 10 Telephon: J 1 Bismarck 7165-70. AttMigenachlaS: Dienstag und Freitag ״«chmituti 4 Uhr Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. Postscheck-Konten: Berlin 17392, Bs«el V 9355. Belgrad 680 32, Brüseei 394 33, Budepett 59693. Danzig 1973, Haag MO 470, Prag 59410. Straasburg 164 30, Warschau 190708, Wien 156 030. Bank-Konten: DirmstSdter und Nstionalbank. Depositen - Kasee Berlin, Ktirlürstendamm 52;' Banca de E*t» Cernauti (Rumänien); Anglo Pelestine Co. in Haila, Jerusalem, Tel -Aviv. ז' תשרי* תד״צ | xxxiv.Ja1»rg7 Per Zl°P*smus erstrebt fQr da» IDdlscha Volk die Schaffung einer flftantllchrechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm■»» Vandcrvcldc in Deutschland Abschluß der Aktion durch glänzende Veranstaltungen in Kassel, Mannheim und Dresden — Oscar Wassermanns Antwort auf die Anti-Palästina-Erklärung Wir haben bereits über die Vorträge Vanderveldes in Nürnberg, Frankfurt und Stuttgart berichtet. Die Vortragsreise fand dann ihren Abschluß durch Abende in Kassel, Mannheim und Dresden, über die uns nachstehende Berichte zugehen. In Mannheim Am 30. September sprachen Herr und Frau Vandervelde in einer außerordentlich gut besuchten Ver- Sammlung in Mannheim. Die ungewöhnlich lebhafte Bcteiügung aller jüdischen Kreise zeigte, in welchem Maße die Ereignisse in Palästina das Interesse der Juden aller Riehfangen wachgerufen haben und welche Bedeutung dem Auftreten eines Mannes wie Vandervelde — wie an anderen Orten so auch in Mannheim — beigelegt wurde. Diesen Gedanken verlieh der Vorsitzende, Dr. Arnold Hüdesheim er, .in seiner Rede Ausdruck, mit der er die Ver- Sammlung im Namen der in Mannheim ansässigen Mitglieder des Initiativkomitees für die Erweiterung der Jewish Agency in Deutschland eröffnete. Herr Alfred Leonhard Tietz (Köln) würdigte als erster Redner die Vorfälle in Palästina. Er verlangte Ab- Stellung der bei der Palästina-Administration zutage getretenen Mängel und betonte den unerschütterlichen Willen des Judentums und der Jewish Agency, den Aufbau Palästinas ln Freundschaft und Verständigung mit der arabischen Bevölkerung durchzuführen. Die Juden müßten aus den jüngsten Ereignissen die Folgerungen ziehen, daß in verstärktem Maße alle, materiellen Kräfte für den Aufbau eingesetzt werden müßten. Frau Dr. Vandervelde fand mit ihren überaus sympathischen Darlegungen über ihre Eindrücke in Palästina, insbesondere über das Werk der jüdischen Frauen im Lande, ein freundliches Echo. Pie Rede Vandftrvficlds, die gleich- 2däg für ‘äfe d!e'ft׳aiz6$iod1c‘Spidche ui'clit’ beherrschenden Teilnehmer der Versammlung, in einem deutschen Auszug verteilt worden war, erweckte einen geradezu enthusiastisehen Beifall. Dieses Bekenntnis eines führenden und nichtjüdischen Staatsmannes zu dem neuen jüdischen Aufbauwerk begeisterte die Anwesenden ebenso sehr durch die eindrucksvolle und umfassende Argumentation, sowie durch die Dar- Stellung des bereits Geschaffenen, wie durch die mitreißende Redekraft Vanderveldes. Nach Vandervelde sprach noch zusammenfassend und ergänzend Dr. Georg Landauer. Der Abend hinterließ einen tiefen Eindruck auch auf die zahlreich erschienenen Nichtzionisten und bedeutete einen außerordentlich gelungenen Auftakt für die Aktion ״H il f e durch Aufbau“, die der Keren Hajessod nunmehr auch in Mannheim durchführt. In Kassel Zu einer Kundgebung von außergewöhnlicher Eindringlichkeit gestaltete sich ein Vortragsabend, zu welchem ein überparteilicher Ausschuß, bestehend aus Herrn Polizeipräsidenten br. Hohenstein als Mitglied des deutschen Komitees Pro Palästina, Herrn Dr. Ernst Baumann als Mitglied des Initiativ-Komitees der Jewish Agency und Herrn Dr. Kugelmann als Vorsitzender der Zionistischen Ortsgruppe für Dienstag, den 1. Oktober, eingeladen hatte. Der ehemalige belgische Außenminister Herr Emile Vandervelde und seine Gattin sprachen über das Thema: ״Das jüdische Palästiriavverk und die letzten Ereignisse“. Der Leiter des Abends, Dr. Hohenstein, gab der Stimmung Ausdruck, welche die Judenheit der Welt angesichts der erschütternden Ereignisse ־ in Palästina erfüllt. Das Entsetzen über diesen Angriff auf ein Werk mit völkerversöhnendem Charakter läßt jede Parteibeurteilung zurücktreten. Gerade die Menschen, die sich im deutschen Kulturkreis verwurzelt fühlen, dürfen am Schicksal des großen Lebenswerkes, das auf neuen Grundlagen aufgebaut wird, nicht teilnahmslos vorübergehen. Für diese großen Ideen ist der ehemalige Minister Vandervelde «ährend seines Lebens Wegbereiter gewesen. Was der Sozia- Hst Vandervelde über seine Studienreise in Palästina zu sagen bat, verdient besondere Beachtung. Sodann ergriff Frau Vandervelde das Wort und sprach über die tiefen Eindrücke, welche die sozialen und sanitären Einrichtungen in den Kolonien auf sie gemacht hätten. Ein armes steiniges Land mit Menschen, die auf diesem Steinboden Wunder an Arbeit verrichten. In fesselnden Ausführungen sprach sie über die Erziehungsprobleme. — In echter Begeisterung — ausgedrückt durch hervorragende Redegabe — sprach Herr Vandervelde sodann über seine Stellung zu Land und Menschen. Er — der Sozialist — bekennt sich zura jüdischen Nationalismus, weil dieser kein gewöhnlicher Nationalismus ist, sondern einen Sondcrfalf in der Weltgeschichte darstellt. Viele Völker haben jahrhundertelang auf ihre Wiedergebürt gewartet. Das jüdische Volk hat 2000 Jahre gehofft und hat nach 2000 Jahren sein Land wieder aufzubauen begönnen. Für die arabischen Ausschreitungen seien nicht religiöse, sondern ökonomische Momente wirklich aussclilaggebend gewesen. Die Beduinen fühlen sich durch den Fortschritt der Technik in ihrer Bewegungsfreiheit bedroht, die Latifundienbesitzer, die unter dem Einfluß des zionistischen Kolonisationswerkes höhere Löhne an die Felfachen' zahlen müßten, sind besonders gereizt. Die Beamten,, die Geistlich- Leit und die Angestellten fürchten die Ueberiegenheit der jüdischen Intelligenz. — Die äußere Ordnung ist wiederbcrgestellt. Zur Schaffung der inneren Ordnung sei eine besondere Versöhnungsarbeit notwendig. Hier beginnt die Aufgabe der sozialistischen Zionisten, die durch die Tat be- «eisen müssen, daß die Solidarität des Proletariats stärker ist als Religions- und Rassenunterschiede. Die Rede Vanderveldes — welche glühende Begeisterung und die Form der Darstellung zu einem Erlebnis machten — wurde mit langwährendem Beifall quittiert. Die Wirkung des Abends erfuhr aber eine besondere Steigerung durch die Ausführungen des Dichters Arnold Zweig, welcher von der Versammlung herzlichst begrüßt wurde. Er führte aus: Die Beratungen der Dichterakademie, welchen er bis in den späten Abendstunden desselben Tages beigewohnt hat, und die Kundgebung für Palästina haben das gleiche Niveau der Verantwortung, der sich die entsprechenden Gruppen zu stellen haben. Der Nationalismus weidender Völker ist ein anderer, als der von Völkern, deren Grenzen fest und gesichert sind. Dazu kommt das Charakteristikum unserer Zeit: der Uebergang von der kapitalistischen zur sozialistischen Welt. Mißverstandener Nationalismus, das Gärende im Zeitwerden schaffen die großen und schweren Prüfungen, denen unser Volk zurzeit wieder einmal ausgesetzt ist. Wie es zwecklos ist, hysterisch rückwärtsblickend die Schuldigen des Weltkrieges zu erfassen, so ist es sinnlos, gegenüber den Untaten in Palästina Haß zu vertiefen. Gruppen sind nie weise, sie müssen wie Kinder geführt werden. Auf eines kommt es jetzt an: Auf die Art, wie wir diese Prüfung tragen. Unsere Haltung wird die Probe zu bestehen haben, die Verantwortung vor Judentum und Welt wird uns diese Probe bestehen lassen. Nach diesen begeistert aufgenommenen Ausführungen sprach noch Herr Dr. Martin R o s e n b I ü th. Er zeigte das Kolonisationswerk 1'n seiner einzigartigen Struktur, begleitet von allen Erscheinungen seiner Besonderheit. Das Mutterland des Palästinawerkes ist die Gesamtiudenheit der Welt. Das verpflichtet den Einzelnen zu besonderen Aufgaben. — Mit bankesworten schloß Dr. Hohenstein die sehr gut besuchte Versammlung, die unter dem Eindruck einer ganz selten wirkungsvoilen Kundgebung den Ausführungen der Redner gefolgt war. Vandervelde und Oscar Wassermann in Dresden Der Abschluß der Reise von Herrn und Frau Vandervelde durch Deutschland gestaltete sich hier, durch das gleichzeitige Auftreten von Oscar Wassermann, zu einem besonderen Ereignis. Das Nebeneinanderwirken dieser beiden Persönlichkeiten, von denen die eine seit Jahrzehnten zu den Vorkämpfern für Freiheit, Frieden und Fortschritt in Europa gehört, die andere, seit einem Jahrzehnt jüdisches Führertum in seiner reinsten und stärksten Erscheinungsform darstellt, machte auf die von ca. 100Q Personen besuchte Kundgebung, zu der ein überparteiliches Komitee «ingeladen hatte, tiefsten Eindruck. Der Vorsitzende des sächsischen israelitischen Gemeindeverbandes und der Dresdner Gemeinde, Herr Rechtsanwalt S a 1 i n g e r, begrüßte in seiner Eigenschaft als Mitglied des Initiativ-Komitees des Jewish Agency die Erschienenen, insbesondere Herrn und Frau Vandervelde, Herrn Oscar Wassermann und den Delegierten des Keren Hajessod, Herrn Dr. Ernst Markus, außerdem den Präsidenten des sächsischen Landtags, Herrn Weckel und die Vertreter der Behörden und politischen Parteien. Darauf ergriff Frau Vandervelde das Wort zu ihrer warmherzigen Schilderung der Situation in Palästina, vor allem der sozialen Institutionen. Emile Vandervelde entwickelte mit einer beispiellosen rhetorischen Vollendung seine Gedanken über das Palästinawerk und die politische Situation. Man spürte aus seinen Worten, wie sehr ihm die jüdische Heimstätte ans Herz ewachsen ist und daß dieser glänzende Redner, der als achwalter vieler Angelegenheiten aufzutreten gewohnt ist, hier um die jüdische Sache kämpft, weil er sie als seine eigene, als menschheitliche Sache empfindet. Bei Beginn seiner Rede fand er herzliche Worte der Trauer für Dr. Stresemann, mit dem er in Locarno und Genf zusammengewirkt hatte und den er als einen der größten Staatsmänner Europas feierte. Die Versammlung erhob sich zum Zeichen der Trauer. Oscar Wassermann konnte bei Beginn seiner Rede mit Recht sagen, daß das Auftreten von Herrn Vandervelde am besten beweise, welche tiefe Wirkung der Aufbau Palästinas durch die Juden auf die ganze zivilisierte Menschheit ausübe. Man hat ihn selten so bewegt und so persönlich mitgenommen sprechen hören, wie im gegenwärtigen Augenblick, in dem er sich gezwungen sah, angesichts des Be- Schlusses des Central-Vereins und des Aufrufes der 75 liberalen und nationaldeutschen Juden gegen die Jewish Agency, als legitimer Führer der deutschen Freunde des Palästinawerkes unsere Sache zu vertreten. Einfach und klar schilderte er die Grundlagen unseres Werkes. Er hob hervor, daß die Arbeit für Palästina, Arbeit für das Judentum sei. Man tue nichts für andere, wenn man für Palästina eintrete, sondern man diene der Erhaltung des Judentums, also sich selbst. Eine neue Jugend wolle man in Palästina erziehen, die das Nationalheim zum geistigen Zentrum der gesamten Judenheit mache. Und wer die Jugend in Palästina gesehen habe, der sei überzeugt davon, daß hier eine außerordentliche Generation heranwachse, die sich von allen bisherigen wesentlieh unterscheide. Das harte, beispielgebende Leben der ersten Generation der Einwanderer, die im jetzigen Stadium des Aufbaues unerhörte Opfer gebracht haben, sichere uns die jüdische Zukunft im Lande. Nichts sei vollendet, aber die PiQniere hätten gezeigt, daß der Idealismus, der sie beseele, stark genug sei, um aller materialistischen Triebe Herr zu werden. Wir haben keinen Mangel an Menschen, so sagte Wassermann, tausende warten, um unsere Reihen in Palästina zu verstärken, und was uns bisher fehlte, war nur die H i H e des Weltjudentums, in einem Maße, das den Aufbau in großzügiger Form ermöglicht Dieser Idealismus wird Rosch Hasdianah an der Klagemauer Militärische Bewachung — Vollständige Ruhe Jerusalem, 7.Oktober. (J.T. A.) Während den Rosch Haschanah-Tagen war die Klagemauer, an der eine große iüdische Gemeinde betete, militärisch sehr scharf bewacht. Schon am Freitag, dem 4. Oktober, 10 Uhr vormittags, wurde eine mit Maschinengewehren und Handgranaten ausgerüstete starke Infanterie-Abteilung zur Verstärkung der Polizeiwache an die Klagemauer beordert. Sie rückte von drei Seiten an und nahm an der David-Zitadelle Aufstellung. Als um 4 Uhr nachmittags die Juden sich zum Gebet an die Klagemauer begaben, umsäumten Abteilungen Soldaten mit Stahlhetmen die zur Klagemauer führenden Straßen und Wege. Die kürzlich aus Aegypten eingetroffenen Panzerautos haben an den Haupttoren der Altstadt strategische Positionen eingenommen. Am Freitag vormittag wurde eine militärische Vertügung betreffend die jüdischen Gottesdienste an der Klagemauer veröffentlicht, in der die Juden daran gemahnt werden, daß an der Klagemauer nui diejenigen Gegenstände benutzt werde« können, die in der Verfügung der Regierung umschrieben worden sind. Das von den Moslems neu geöffnete, zur Omar-Moschee führende Tor an der rechten Seite der Klagemauer bleibt während de! jüdischen Feiertage geschlossen. Auch wurde den Arabern verboten, ihre Maultiere an der Klagemauer vorbeizutreiben, wie sie dies an jüdischen Feiertagen in früheren Jahren zu tun pflegten. Ueberhaupt wurde jeder Durchgangsverkehr an der Klagemauer während der jüdischen Feiertage verboten. Der Marsch der Truppen, die Feldküchen und Munitionskisten mit sich führten, zur Klagemauer lockte große Menschenmassen aus den Häusern auf die Straßen, insbesondere auf die zur Altstadt führende Jaffa-Straße. In der Luft kreuzten mehrere Aeroplane. Es war offenbar Absicht der Regierung, die militärische Kundgebung so eindrucksvoll wie möglich zu gestalten. Der Gottesdienst an der Klageneuer ging ln voll ständiger Ruhe vor sich. Der Gouverneur von Jerusalem, Major Keith Roach, «und der Befehlshaber der Palisttaa-Polbei, #onnten der Eröffnungsandacht bei. In der Nähe der Klagemauer war eine Telephonstation angebracht worden, bei der ein Polizeioffizier stand, der die Lage ständig beobachtete. nicht verfehlen, seine Wirkung auf das Judentum der Welt auszuüben. Und dieser Idealismus ist es, der Menschen wie Vandervelde und unsere übrigen christlichen Freunde in allen Ländern und so auch in Deutschland für die Sache gewinne. Wir sind nicht zu den Nichtjuden gekommen und haben sie gebeten, unsere Sache zu fördern, sie sind zu uns gekommen, um uns zu helfen, weil sie in unserer Sache ihre eigene sahen. Nur mit stärkster Ergriffenheit konnte man hören, wie Wassermann auf die Angriffe der Gegner des Palästinawerkes antwortete. Mit bitterster Schärfe charakterisierte er die Angriffe, die gegen die deutschen Mitglieder der Jewish Agency gerichtet waren. Unsere Aufgäbe sei es, zu den Juden zu sprechen. Auch Herr Vandervelde habe durch seinen Nachruf für Stresemann in dieser Kundgebung gezeigt, daß er wisse, es handle sich hier um deutsche Juden, man brauche aber nicht Selbst verstandliches immer zu wiederholen und er wisse nicht, wer legitimiert sei, den Unterzeichnern des Aufrufes zur ״Hilfe durch Aufbau" zu unterstellen, daß sie nicht das deutsche Judentum vertreten. Einige Organisationen hätten sich absentiert, gewiß, aber nicht die Organisationen stellen das deutsche Judentum dar, sondern seine anerkannte Vertretung, seine jüdischen Gemeinden, von denen die Großgemeinden Berlin, Frankfurt, Hamburg und München in dem Initiativkomitee für die Jewish Agency vertreten sind. Wenn eine dieser Organisationen, so sagte er weiter, glaubt, jetzt sei die Stunde gekommen, alte Beschlüsse gegen das Palästinawerk und den Keren Hajessod ins Gedächtnis zurück- Zurufen, so sei seines Erachtens die Stunde dafür nicht geeignet. Uns fehlt das Verständnis dafür, daß man immer wieder Hemmungen habe, das Werk in Palästina zu fördern. Für Juden in China zu wirken, sei man bereit, nur Juden * in Palästina zu helfen, das widerspreche den Prinzipien gewisser Kreise. Mit schärfster Ablehnung wandte er sich darauf gegen den in der Presse veröffentlichten Aufruf gegen die jewish Agency. Hier fand er härteste Worte der Kritik. Man sage in diesem Aufruf, die Jewish Agency führe die deutsche Ocffcntlichkeit in •dieser Frage irre. Man nenne keine Namen, man beschuldige keine Personen. ״Aber, so fuhr er fort, jeder weiß, wer gemeint ist. Gemeint bin ich. Ich glaube, es ist genügend bekannt, daß ich in meinem ganzen Lehen niemand irre geführt habe. Ich verstehe nicht, wer berechtigt ist, dies heute zu behaupten. Wir treten für das Palästinawerk ein, weil es uns Herzenssache ist und weil es die Sache des ganzen Judentums ist. Es gibt kein deutsches Judentum, das als Ganzes dieses oder jenes tue, es gibt nur deutsche Juden, die sich zum großen Teil für Palästina entschieden haben. Im Namen dieser Juden treten die deutschen Mitglieder der Jewish Agency auf. Das wichtigste in dem in den Tages- Zeitungen veröffentlichten Aufruf gegen die jewish Agency sind die Nfamen, die unter diesem Aufruf fehlen und — hier erhob sich lebhafter Beifall der ganzen Versammlung — es ist auffallend, daß niemand von den Unterzeichnern dieses Aufrufes in der jüdischen Welt eine bedeutsame Rolle spielt.“ Zu schlichtester einfachster Größe wuchs die Rede von Herrn Wassermann am Schluß: ״Meine Aufgabe, sagte er, ist nicht die Polemik, ich polemisiere selten und ungern. Ich will auch heute nicht Feindschaft schaffen, sondern ich will lediglich zeigen, daß es uns ernst ist um unsere Sache. Ich hoffe, daß unsere Feinde von heute unsere Freunde von morgen sind. Ich bin gewiß, daß unser Werk gelingt, weil ich glaube, daß jüdisches Herz und jüdischer Geist noch im deutschen Juden-

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