Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 69 (3.9.1929)
- Date
- 1929-09-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Einzelnummer 0,23 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jedenDienstag u. Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldmark. A13£lftcdsabocmexceati werden in der WÄhning der ettwrelnfan Linder berechne*.' Anzeigenpreis; 8 geap. NonpareÜlesefU 0*50 G-M. Stellengesuche* 0,25 G.-M Redaktion Verlag und Anzeigen-Verwaltung: Jüdische Rundschau G.m.b.H., BerlinW15, Melnekeetr.10 Telephon: J 1 Bismarck 7165—70. AiHMlniwchlnt: Dl.miis und Fitlii! nnchmittag• 4 Ubr RedaktionaschluS Sonntag und Mittwoch nachmittag, Postscheck-Konten: Berlin 173 92, Basel V 9355. Belgrad 68032, BräMei 39433. Bndep^t 59693. Danzig 1973, Haag 140470. Prag 59410. Stzasabarc 164 30. Warschau 190708. Wien 156030. Bank'Kontea: Darmstsdter txsd Nationalbank, Depositen - Kasse Berlin. Kurfürsteudamm 52; Banca de Est. Cemauti (Rumänien); Angia Psl—fine Co, in Haifa. Jerusalem. Tel •Aviv. י״ח אב* תרפ״ט | xxxiv. Jahrg. Dar Zionismus erstrebt IQr das |adl«che Volk die Schaltung einer Otfantllch - rechtlich gesicherten Heimstätte ln Palästina. ״Baseler Programm.״ Beruhigende Nachrichten Im ganzen Lande herrscht Ruhe - Eine Proklamation Chancellors - A.-C. und Administrative Committee der Agency einberufen — Jüdische Kundgebungen in aller Welt - Die Berliner Massenversammlungen — Die Berichte von voriger Woche Wir geben nachstehend zunächst die letzten Nachrichten aus Erez-Israel wieder. Weitere Nachrichten finden unsere Leser im Inneren des Blattes. Eine Proklamation Chancellors Jerusalem, 2. September. (J. T. A.) Der britische High Comtnissioner für Palästina, Sir John Robert Chancellor, hat eine Proklamation an die Bevölkerung Palästinas gerichtet. Sie lautet: Ich habe nach meiner Rückkehr aus England zu meinem Schrecken das Land in einem Zustand der Unordnung und als eine Beute ungesetzlicher Gewalt vorgefunden. Mit Entsetzen erfuhr ich von den grauenvollen Taten, die durch Banden |eföhlloser und blutdürstige* Verbrechir schutzlosen Angehörigen der jüdischen Bevölkerung ohne Unterschied des Alters und des Geschlechtes. Wie in Hebron, so überall, waren die Angriffe begleitet von nicht zu schildernder Roheit, von Niederbrennung von Farmen und Häusern In Stadt und Land, von Plünderung und Zerstörung des Eigentums. Diese Verbrechen haben auf die Häupter ihrer Urheber den Fluch aller zivilisierten Völker in der ganzen Welt geladen. Meine erste Pflicht wird es sein, die Ordnung im Lande wiederherzustellen und diejenigen, die der Schuld an den Gewalttaten überführt werden, der strengen Bestrafung zuzuführen. Alle notwendigen Maßnahmen werden zur Verwirklichung dieses Endzieles ergriffen werden, und ich ersuche alle Einwohner Palästinas, mich in der Erfüllung dieser Pflicht zu unterstützen. Gemäß dem Versprechen, das ich Im Juni dieses Jahres, bevor ich Palästina verließ, der arabischen Exekutive gegeben hatte, habe ich in London Gespräche mit dem Staatssekretär für die Kolonien über das Thema einer konstitutionellen Umgestaltung in Palästina eingeleitet. Aber angesichts der jüngsten Ereignisse mußte ich diese Diskussion mit der Regierung Seiner Majestät verschieben. Um verlogenen Darstellungen, die jüngst über das Thema der Klagemauer ln Umlauf gesetzt worden sind, entgegenzutreten, gebe ich hierdurch mit Zustimmung der Regierung Seiner Majestät bekannt, daß ich beabsichtige, die im Weißbuch vom 19. November 1928 niedergelegten Prinzipien zu verwirklichen, sobald die Methoden ihrer Anwendung festgelegt worden sind. * . Jerusalem, 2. September. (J.T. A3 Aeroplane kreuzen über ganz Jerusalem und werfen die Proklamation des ,Ober* kommissars Chancellors ab. Zahlreiche Aeroplane begaben sich nach anderen Orten Palästinas, um die Proklamation abzuwerfen. A.-C. und Agency einberufen Die Zionistische Exekutive hat in Verbindung mit dem Präsidium des Aktions-Comitees beschlossen, anläßlich der Vorgänge in Palästina das A.-C. zu einer Sitzung einzuberufen. Gleichzeitig hat der Präsident der Jewish Agency zusammen mit dem Präsidenten des Administrative Committee beschlossen, das Administrative Committee gleichfalls einzuberufen. Die Sitzungen waren bereits für Mittwoch, den 4. d. M. in Lausanne angesetzt. Nach einem uns in letzter Stunde zugekommenen Telegramm wurde jedoch diese Einberufungriiekgängig gemacht. Im Augenblick des Schlusses unserer heutigen Ausgabe stehen Tag und Ort der geplanten Tagung noch nicht fest, doch gilt es als wahrscheinlich, daß die erwähnten Körperschäften in London zusammentreten werden. Die Berliner Resolution In den Berliner Versammlungen am 31. August wurde nachstehende Resolution angenommen, die sich auch der Landesvorstand der Z. V. f. D. in seiner Sitzung am 1. September zu eigen gemacht hat ״Die am 31. August in Berlin tagenden jüdischen Ver- Sammlungen betonen angesichts der Ereignisse in Erez- Israel das Recht des jüdischen Volkes auf die Jüdische Nationale Heimstätte in Erez-Israel. Nicht geduldet, sondern auf Grund von Recht und international garantierten Verträgen lebt das jüdische Volk in seinem Lande. In Schmerz und Entrüstung stellen wir fest, daß die Regierung in Palästina Zustände zuließ, die zur Tötung von mehr als 100 Juden und zur Zerstörung von Werten führten, die von Juden geschaffen worden sind. Ohne Rücksicht auf die Spannungen und die wachsende Erregütig in der. palästinensischen Bevölkerung hat die .paistinenstsche Regierung in Unfähigkeit und grober Fahpr lässirfkeit nichts getan, um die drohenden Zusammenstöße zu vermeiden. Sie trägt die Hauptschuld än der wilden Entladung der Leidenschaften und den blutigen Kämpfen, die wir jetzt erlebt haben. Das jüdische Volk kann an den ernsten Willen der palästinensischen Regierung zur wirksamen Unterstützung des Jüdischen Nationalheims in Zukunft nur dann glauben, wenn in Palästina die Verwaltung grundlegend geändert wird. Als Zeichen dieser Aenderung fordern wir: Die Absetzung aller ungeeigneten Beamten, vor allem die unverzügliche Entfernung aller Funktionäre, die der Errichtung der Jüdischen Nationalen Heimstätte, dem Inhalt des Palästinamandats, feindlich gegenüberstehen, durchgreifende und vollständige Reorganisation der palästinensischen Polizei und Gendarmerie, ln die Juden in so großer Zahl eingestellt werden müssen, daß eine tatsächliche Garantie für die Sicherheit jüdischen Lebens und jüdischer Arbeit gegeben ist, Sicherung des alten verbürgten Rechtes der Juden, an der Klagemauer, dieser der gesamten Judenheit heiligen Stätte, Gottesdienst abzuhalten, volle Entschädigung für alle entstandenen Verluste, Schaffung der notwendigen Vorbedingungen für eine Fortführung der jüdischen Aufbauarbeit und verstärkte Einwanderung, durch klare Führung der in der Balfour- Deklaration vorgezeichneten, im Mandat festgelegten Politik des Aufbaus des Jüdischen Nationalheims, an deren eindeutiger Förderung es die Regierung bisher hat fehlen lassen. Wir erwarten, daß die britische Reichsregierung, die Regierung der Mandatarmacht, unserer Steifung zur palästinensischen Regierung und Verwaltung Rechnung trägen wird. Angriffe und Gewalttaten werden das jüdische Volk keinesfalls von dem Entschluß abbringen, in Palästina seine Nationale Heimstätte aufzubauen. Aber auch in diesem Augenblick, in dem wir zahlreiche Opfer brutaler Gewalt beklagen, erklären wir, daß wir mit dem arabischen Volk, mit dem wir in Palästina durch Schicksal und Geschichte verbunden sind, zu einer friedliehen Einigung Uber die Formen des zukünftigen Zusammenlebens kommen wollen. Nicht gegenseitige Furcht, sondern gegenseitiges Vertrauen soll in Zukunft die Beziehungen regeln. An dem friedlichen Ausgleich beider Völker hat die Mandatarmacht mitzuwirken. In diesem Ausgleich erblicken wir die beste Gewähr für die künftige Entwicklung des Landes. Unser Ruf ergeht an das jüdische Volk, mit ungebrochener Energie die Verwirklichung der Balfour-Deklaration, den Aufbau der Jüdischen Nationalen Heimstätte, herbeizuführen. Jüdischer Lebenswille und jüdischer Zukunftsglaube müssen sich in diesen Tagen in Taten offenbaren.“ Offizieller Bericht vom Montag L o n d o n, 2. September. (J. T. A.) Das britische Kolonialamt hat soeben die folgende Mitteilung veröffentlicht: Die letzten Berichte aus Palästina besagen, daß im ganzen Lande Ruhe herrscht und daß auch an der trans- Jordanischen Grenze eine endgültige Wendung zum Besseren eingetreten ist. Der französische Oberkommissar für Syrien trifft Vorbereitungen zur Reorganisierung und Ver- Stärkung der französischen militärischen Positionen an der Südgrenze von Syrien, um zu verhindern, daß bewaffnete Banden von Arabern nach Palästina eindringen. Der am Sonnabendabend ausgegebene offizielle Berieht des Koloniaiamtes lautete: Unsere militärischen Kräfte halten alle wichtigen Zentren In Palästina, von Safed im Norden bis Beer Sheba im Süden, besetzt; aus diesem Gebiet eintreffende Nachrichten bezeichnen die Lage als ruhig; Es wird ferner gemeldet, daß. Beduinenstämme aus dem Sinai, aus und daß einige derselben bereits die Grenze nach Palästina überschritten haben. Die Königliche Luft-Armee und bewaffnete Panzerautos wurden abgeschickt, um dieser Situation zu begegnen. Das Emek Jcsrecl unversehrt Wie uns aus London telegraphiert wird, sind sämtliche in der Presse bisher verbreiteten Nachrichten über Vernichtungen im Emek Jesreel vollständig unwahr. Das Emek ist bei den Unruhen unversehrt geblieben. Auch die Nachricht, daß die Kwuzoth Gi wah und Tel-Josef abgebrannt sind, ist unrichtig. Aach Jerusalem meldet Rahe London, 2. September. (L T. A.) Aus Jerusalem wird gemeldet, daß am Sonnabend und am Sonntag in ganz Palästina 1m allgemeinen die Ruhe nicht gestört war. Die Londoner Zeitungen haben Mitteilungen gebracht, wonach es am Sonnabend in Jerusalem zu einem Zusammenstoß zwischen Juden und Polizei gekommen war, nachdem die Juden ihrer Entwaffnung durch die Truppen Widerstand entgegengesetzt haben. Dabei sollen mehrere Juden getötet, mehrere andere verwundet worden sein. Wie von der Jerusalemer Jüd- Tel.-Ag. auf eine Anfrage der Londoner J. T. A. telegraphisch mitgeteilt wird, sind diese Nachrichten erfunden. Es kam zu keinerlei Zusammenstößen zwischen Juden und Militär. Auch die Meldung des Berliner Ullstein-Dienstes, wonach in Tel- Awiw neuerdings ein schwerer Kampf stattgefunden hat, ist ohne Grundlage. In Tel-Awiw war die Ruhe seit mehreren Tagen nicht gestört worden. Noch eia Dementi Die Londoner Zeitungen melden: Das Kolonialministerium teilt mit, daß ein Gerücht verbreitet worden ist, Wonach der Generalkonsul der Vereinigten Staaten in Palästina den amerikanischen Staatsangehörigen geraten habe, sich zur Küste zu begeben, damit sie durch Kriegsschiffe abtransportiert werden können. Die Palästina-Regierung teilt mit, daß der Generalkonspl es entschieden in Abrede stellt, daß er seinen Staatsbürgern einen derartigen allgemeinen Rat erteilt habe. Die Zeitungen erscheinen wieder Die Zeitungen in Jerusalem dürfen wieder erscheinen. Sie wurden aber gewarnt, daß sie sofort verboten werden würden, wenn sie irgend etwas veröffentlichen, das geeignet wäre, den Frieden zu stören. Eine Aeußerang Lukes Jerusalem , 2. September. (J.T. A.) Der Chefsekretär der Palästina-Regierung und stellvertretende Oberkommissar Luke erklärte gegenüber dem Vertreter der Jüd. Tel.-Ag.: Di« anze Bewegung der Araber war einzig und allein gegen ie Juden gerichtet. Wenn an einigen Orten Regienmfä• behörden oder Polizeioffiziere angegriffen wurden, so geschah dies nur darum, weil die Angreifer darüber erregt waren, daß sich die Regierung der Juden annimmt