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Jüdische Rundschau · 1929-08-27 · Heft 67 (27.8.1929) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 67 (27.8.1929)
Date
1929-08-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Einzelnummer OJIS Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU ErscheintjedenDienatagu. Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5.75 Goldmark. Auslandsahonnements werden In der Wahrung der einrelnea!״Inder berechnet Aareffzenpreiai 8 geap. NcmpareillezeÜe 0.50 G.-ML Stellengesuche 0.25 G.־M. Redaktion Verlag und Anzeigen-Verwaltung! Jüdische Rundschau G.m.b.H., BerlinW15, Meinekestr. 10 Telephon: J 1 Bismarck 7165-70. AnzeigenschluS: Dienstag und Freitag nachmittag« 4 Uhr Postscheck -Konten: Berlin!7392, Basel V 9355. Belgrad 68032, Brüseei 394 33, Budapest 596 93. Danzig 1973» Haag 140 470, Prag 5941% Strasstmig 164 30, Warschau 190708, Wien!56030. Batik.Kontent Darmstidter und Nationalbenk, Depositen.Kassa Berlin, Kurfürstendamm 52; Banca de Hat, Cernauti (Rumänien); Anglo Paleetiae Ca. in Haiia, Jerusalem, Tel-Aviv. Ntunmer 67 | Berlin, 27. VIII. 1929 Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. כ״א אב* חרס״ט | xxxiv. Jahrff. Der Zionismus erstrebt für das Jüdische Volk die Schaffung einer Öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte ln Palästina. ״Baseler Programm.** Belagerungszustand in Palästina Schwere Zusammenstöße im ganzen Lande - Englische Kriegsschiffe vor Jaffa Jerusalem, 25. August. (J.T. A.) Die Lage in Palästina hat sich seit dem *verlustreichen Kampfe in Jerusalem am Freitag nachmittag* «Ach kritischer gestaltet; es sind arabische Angriffe Hilf verschiedene andere Punkte des jüdischen Jischuw zu verzetinnen, jäle mit Verlusten abgewehrt wurden. Da es sich offenbar nicht um sporadische und aus spontaner Erregung heraus unternommene Angriffe, sondern vielmehr um eine konzentrische Aktion handelt, die von arabischer und nationalistischer Seite geleitet wird, ist die Lage so lange als kritisch anzusehen, als nicht genügende britische Streitkräfte am Platze sind, um der Lage Herr zu werden. Inzwischen hat die Regierung mitgeteilt, daß auf Verlangen des Oberkommissars zwei Kriegsschiffe sich von der Flottenstation Malta nach den Gewässern Palästinas begeben. Es handelt sich um die 27 500 Tonnen große ״Barharn“, das Flaggschiff des ersten Mittelmeer-Geschwaders mit einer Bemannung von 1184 Mann, und um den 10 000 Tonnen- Kreuzer ״Sussex“ mit etwa 700 Mann an Bord. Außerdem sollen zwei weitere Kriegsschüfe und ein Flugzeugmutterschiff in Malta unter Dampf liegen, um erforderlichenfalls sofort nach Palästina abfahren zu können. Am Sonnabend sind mittels Flugzeug 50 Soldaten aus Aegypten in Jerusalem eingetroffen. Am Sonntag traf ein ganzes Bataillon der britischen Streitkräfte in Aegypten ein. Nach einer weiteren offiziellen Mitielftftg der Londoner Admiralität wurde aus Malta außer der BesafZtaf der Kriegsschiffe auch noch ein Landbataillon zur Wiederherstellung der Ordnung nach Palästina entsandt. Jerusalem, 25. August. (J.T. A.) Die Zahl der bei den Kämpfen am Freitag nachmittag in *Jerusalem getöteten Juden beträgt 21, drei andere Juden, die während der Kämpfe schwer verletzt wurden, starben im Hospital. Zu der bisher gemeldeten Zahl von Toten auf der Seite der Araber kommen sieben weitere hinzu. Unter den Getöteten sind zwei nichtjüdische Regierungsbeamte. Der christliche deutsche Ingenieur t|e1n»in,.i1u|di־ dUfth Araber ,(shv.1T.taifi^nettd,. '1H^fr‘fl1r׳#|£ft Juden gehalten. ' ' Die Mapel der in der Nacht zum Sonntag bestatteten jüdischen Opfer sind: Nachman Segai, Frau Hannah Sonischwelli, Elija Sasson, die prüder Josef und Jehuds Rothenberg, Mosche Taburi, Schaiom Schwill, Mordechal Ben Menasch, Mosche Brandes, Schaiom Ben Saieh, Meir Apelbaum, Benzion EUqMftstefn, Wohlmann, Ben Schimon. Die Toten wurden slRitUch ln der Nähe des Grabes von Ben Yehuda bestattet. Der jüdische Polizeisergeant Norka wurde, als er mit anderen Polizisten die jüdische Kolonie ״Bajit Wegan“ gegenüber den angreifenden Arabern verteidigte, getötet. Jerusalem, 25. August. (J.T.A.) Außer dem Angriff aut die Kolonie ״Ba jet Wega n“ haben die Araber auch die Kolonie Ka land i e angegriffen; sie wurden zurückgeschiagen- Dabei wurden vier Araber getötet. Die Araber drangen in einen Teil der Jerusalemer Vor- Stadt Talpioth ein, aus dem die jüdischen Einwohner geflüchtet waren. Sie plünderten diesen Teil der Vorstadt aus und verursachten auch sonst sehr viel Schaden. Sie vernichfeien zu einem großen Teil die wertvollen Bibliotheken von Professor Josef Klausner, von Professor Epstein und dem hebrlischen Schriftsteller S. J. Agnon. Britische Aeroplane kreuzten über den arabischen Dörfern Lüta und Fin in der Nähe von Jerusalem, die Nester der ara— bischen Aufständigen sind, um die Bewegung der Araber zu beobachten. Dabei warfen die Aeroplane, um die Araber einzuschüchtern, Brandbomben auf die Dörfer ab. Die jüdische Siedlung ״Gdu d A v od ah“ in der Nähe von Jerusalem, die von den Bewohnern geräumt worden war, wurde durch die Araber niedergebrannt. Jerusalem, 25. August. (J.T.A.) Am Sonntag nachmittag versuchten die Araber eine Attacke auf die jüdische Stadt T e 1 - A w i w. Sie wurde zurückgeschlagen. Dabei wurden 13 Juden verwundet, fünf von ihnen sind schwer verletzt. Bei dem Angriff auf die jüdische Siedlung N a h a 131, der zurückgewfesen wurde, wurden mehrere Juden, die die Kolonie verteidigten, verletzt. Am Sonntag, 6 Uhr abends, dauerte der Kampf bei Nahalal fort. Einer späteren Meldung zufolge hat der Kampf dort aufgehört. Aus Hebron und Nablus zogen große Gruppen Araber nach Jerusalem, um den Jerusalemer Moslemiten zu helfen. In Jaffa veranstalteten die Araber eine große Demonstration. Die Araber von Nablus machten einen Versuch, in die bei Nablus befindlichen Polizeibaracken einzudringen. Die Polizei wehrte den Angriff ab und tötete acht Araber. Nach den neuesten offiziellen Mitteilungen der Palästina- Regierung wird jetzt die Lage in Nablus und In Hebron bis zu einem gewissen Grade von der Regierung beherrscht. In Jaffa und Tel-Awiw Ist die Stimmung unruhig, aber die Ordnung nicht gestört, in Haifa herrscht vollkommene Ruhe. Die Regierung gibt bekannt, daß bei den Kämpfen der Inspektor für Einwanderung, Herr Best, getötet worden ist. Diese Nachricht hat in Jerusalem einen starken Eindruck gemacht. Inspektor Best galt als einer der vornehmsten Beamten der Palästina-Regierung, der stets rechtlich gedacht und gehandeitund der Lage der Juden Verständnis entgegengebracht hat. Jerusalem, 25. August. (J.T.Ä.) Die Regierung hat <jlen Groß-Mufti von Palästina, der in Palästina allgemein als der geistige Urheber der unter den Arabern betriebenen Hetze in Verbindung mit dem Klagemauer-Problem gilt, verwarnt und ihm mitgeteilt, daß sie ihn persönlich für die weiteren Vorkommnisse in Palästina verantwortlich macht. Die gleiche Warnung richtete die Regierung an den Vorsitzenden der arabischen Exekutive Musa Kazim Pascha und an andere Führer der arabischen Nationalisten sowie an den Scheich von Mukthar und die Scheichs der umgebenden Dörfer. Jerusalem, 25. August. (J.T.A.). Die Regierung hat in Jerusalem an alle Engländer und einen Teil der zur Abwehr der arabischen Angriffe organisierten jüdischen Selbstwehr Waffen und Munition verteilt. Es konnten hernach die aut entlegene jüdische Viertel in Jerusalem unternommenen arabischen Angriffe leicht abgewehrt werden. Die Regierung veröffentlicht ein offizielles Kommunique, in welchem gesagt wird, daß Maßnahmen ergriffen worden sind, um die Ordnung wiederherzustellen. An alle Teile der Bevölkerung erging eine Warnung, sich jeder Gewalttätigkeit zu enthalten. London25 ,׳. Aug. (J.T. A.) Am Sonntag, den 25. Aug., nachmittag, gab das britische Kolonialamt ein offizielles Kommuniquö heraus, in weichem erklärt wird, daß die Regierung Palästinas alles mögliche tut, um die vollkommene Ordnung im Lande wiederherzustellen. Da die Araber begonnen haben, auch die jüdischen Kolonien anzugreifen, habe die Regierung Streitkräfte zum Schutze der Kolonien entsandt. Eine Kompagnie der sogenannten transjordanischen Grenzmacht wurde zum Schutze des Emek Jesreel, eine zweite Kompagnie zur Ueberwachung der Ruthenberg-Werke am Jordan entsandt. Jerusalem, 25. Aug.(J. T. A.) Erschütternde Nachrichten trafen heute aus Hebron ein. Dort haben die Araber die kleine jüdische Gemeinde und die Jeschlwah (Thora-Lehranstatt), die in Hebron vor einigen Jahren als ein Zweig der berühmten Siobodkaer Jeschlwah in Litauen errichtet worden ist, überfallen und ein Blutbad angerichtet. Man zählt 45 Tote, unter Ihnen zwei Rabbiner, die an der Jeschlwah als Lehrer wirken, sowie etwa 50 Verletzte. Die Nachrichten aus Hebron heben die Jerusalemer Judenheit furchtbar erschüttert. In den Mitteilungen der Reglerung, die inzwischen überholt worden sind, heißt es, daß in Hebron zwei Tote gezählt werden. Welzmann and Melchett an! dem Wege nach London - Marquis 01 Reading bei MacDonald London, 26. August. (J.T.A.) Wie die JTA. erfährt, sind der Präsident der Zionistischen Weltorganisation und der Jewish Agency Professor Dr. Chalm Weizmann und der Vize- Präsident des Councils der Jewish Agency Lord Melchett auf dem Wege nach London; sie werden nach Ihrem Eintreffen bei der britischen Regierung vorstellig werden und fordern, daß die Beamten, die an den Unruhen die Schuld tragen, indem sie nicht rechtzeitig Vorkehrungen getroffen haben und die während der Kämpfe Ihre Posten verlassen haben, sofort aus dem Dienst der Regierung entlassen und daß die Zahl der jüdischen Polizisten erhöht werden soll. Marquis of Reading, der frühere Vizekönig von Indien, hat am Sonntagnachmittag, ohne sich vorher anzusagen, den Mlnisterpräsidenten MacDonald aufgesucht, um ihm als Engländer und als Jude seine tiefen Besorgnisse über die Entwlcklung den Verhältnisse in Palästina mitzuteilen. Das Gespräch zwischen Marquis ot Reading und MacDonald dauerte volle zwei Stunden. .* Kriegszustand und Zensur In Jerusalem Am Sonnabend, dem 24. August, herrschte in Jerusalem bis in die Nachmittagsstunden hinein Ruhe. Stärkste Polizeitrupps und Panzerautos sorgen dafür, daß die Ordnung nicht mehr gestört wird. Ueber der Stadt und der Umgebung kreuzen Aeroplane, um zu beobachten, ob nicht Araber von auswärts in die Stadt ziehen. Die Regierung hat über die Stadt Jerusalem den Kriegszustand verhängt und die Zensur eingeführt. Die Zahl der arabischen Toten während des Gefechtes hat sich auf 16 erhöht. Die Zahl der verwundeten Juden ist größer, als früher angenommen wurde. Es wurde festgestellt, daß bei Beginn des Kampfes die arabischen Polizisten von ihren Posten desertierten. Zurückgeblieben waren nur einige englische Polizisten, die zusammen mit den acht jüdischen Polizisten die Lage angesichts der andrängenden arabischen Massen nicht beherrschen konnten. Zwei jüdische Polizisten wurden in dem Kampfe verwundet. Allgemein herrscht die Ansicht vor, daß die Araber sich zu einem antijüdischen Angriff von großen Dimensionen vorbereitet haben, und daß das Dazwischentreten einer organisierten jüdischen Selbstverteidigung ein noch weit größeres Unglück von der jüdischen Einwohnerschaft Jerusalems abgewendet hat. Die erregte Stimmung hält in Jerusalem an, es werden weitere Unruhen befürchtet. Es liegen noch folgende Berichte vor: Erregung in Jerusalem Jerusalem, 21. August. (J. T. A.) Die Erregung in Jerusalem im Zusammenhang mit den Vorfällen am Tischa b’Ab und in den folgenden Tagen an der Klagemauer hält an. Unter den Arabern zirkulieren verschiedenerlei übertriebene Gerüchte, die zur Folge haben, daß in jüdischen Vierteln beschäftigte Araber aus Furcht vor Angriffen jiidischerseits es nicht wagen, zu ihrer Arbeitsstätte zu kommen. In einigen Dörfern der Umgebung Jerusalems hielten die Fellachen Massen- Versammlungen ab, in denen Agitatoren zu Ueberfällen auf die jüdischen Vorstädte Jerusalems aufforderten, ln der Jaffa- Moschee versuchen Mitglieder des moslemischen Jugend-Klubs, die Masse der mohammedanischen Beter gegen die Juden aufzustacheln. Die arabische Presse treibt ebenfalls eine scharfe antijüdische Propaganda. Nachdem am Sonnabend morgen ein geschlossener Zug Araber während des Sabbat-Gottesdienstes an der Klagemauer über den Betplatz zog und die jüdischen Andächtigen verdrängte, kam es im Verlauf des Tages an verschiedenen Gegenden der Stadt zuAngriffenvon Arabern auf J u d e n , die zum Teil abgewehrt wurden, wobei insgesamt 20 Juden und Araber Verletzungen erhielten. In der Altstadt haben einige Araber auf einen älteren Juden, der ruhig seines Weges ging, Schüsse abgegeben; der Angegriffene blieb unverletzt. In der Nähe des Buchara-Viertels griff ein Araber einen Juden mit einem Messer an und verletzte ihn schwer. Einige jüdische junge Leute, die in der Nähe der Hebräischen Universität in einer Unterhaltung miteinander begriffen waren, wurden von einer Gruppe Araber angegriffen und, als sie den Angreifern auswichen, mit Steinen beworfen. Am Sonntag wiederholten sich die Zusammenstöße. Drei jüdische Passanten wurden dicht am Nablus-Tore von Arabern angegriffen, mit Stöcken bearbeitet und dann mit Steinen bcworfert. Eine andere Gruppe Araber eröffnete ein sehr heftiges und andauerndes Steinbombardement auf die von den ״Lubawitscher Chassidim" unterhaltene Lehranstalt ״Thörath Chajim“. Der Montag verlief nicht weniger unruhig. In dem stark bevölkerten Stadtviertel ״Nachlath-Schimeon“ wuraen zwei Juden von Arabern schwer mißhandelt, wobei einer der Angegriffenen erhebliche Verletzungen davontrug. Auch in der übrigen Altstadt wurden einzelne jüdische Passanten insultiert Am Ramallah-Weg wurde ein Jude von mehreren Arabern geschlagen. Wie nachträglich bekannt wird, wurde eine Gruppe Juden ara Sonnabend in der Nähe des Makkabi-Klubs plötzlich von Arabern angegriffen. Im Zusammenhang mit diesen Zusammenstößen wurden in den letzten Tagen in Jerusalem zahlreiche Personen, zum weitaus größten Teil Araber, verhaftet. Die Klagemauer ist ständig von einem starken Polizeiposten gesichert. An der Klagemauer finden ununterbrochen, auch die Nacht hindurch, jüdische Gottesdienste statt. Die Erregung in Jerusalem ist in Anbetracht der sich häufenden Zusammenstöße zwischen Arabern und Juden sehr stark. Jerusalem, 23. August. (J.T. A.) Der Freitag (23. August) war ein Unglückstag für Jerusalem. Als Resultat der seit mehreren Tagen von Agitatoren in den Jerusalcmcr Moscheen und in den Dörfern der Jerusalemer Umgegend betriebenen gefährlichen Hetze und der Ausstreuung der Legende, daß die Juden die Besitznahme der Klagemauer und der Omar-Moschee durch Gewaltanwendung planen, haben sich im Verlauf des Freitags große Mengen Araber, die starken Zuzug aus der Umgegend Jerusalems erhielten, zu einem Angriff auf die jüdischen Viertel gesammelt. Wahrscheinlich wurde der Freitag als Tag des Angriffes gewählt, weil am Freitag abend der Hauptgottesdienst der Judenschaft an der Klagemauer stattfindet. Die Juden setzten sich beim Herannahen der Araber zur Wehr, auch die Polizei zeigte sich bemüht, den Ansturm der Araber abzuwehren. Es kam zu einem schweren Kampf zwischen Arabern und Juden, der zwei Stunden andauerte. Im Verlauf dieses Kampfes wurden neun Juden getötet. Auf der Seite der Araber zählt man drei Tote, drei weitere Araber sind so schwer verletzt, daß sie mit dem Tode ringen. 107 Verwundete, unter ihnen 16 Schwerverwundete, werden auf beiden Seiten gezählt. Unter den Verwundeten sind der frühere Chefredakteur des ״Doar Hajom“, jetzt Redakteur des ״Palestine Weekly“, Ben Avi, Sohn des hebräischen Sprachforschers Ben Jehuda, sowie der Korrespondent der ״Vossischen Zeitung“ und der ״Neuen Freien Presse“, Dr. Wolfgang von Weisl. Dr. von Weisl erhielt einen Messerstich in die Schulter. Seine Verletzung ist schwer, sein Zustand aber nicht bedenklich. Einem sehr großen Aufgebot an Polizei war es schließlich gelungen, die Kämpfenden zu trennen. Unter der Jerusalemer Judenheit herrschen tiefste Erregung und Trauer. Samtliehe Läden und Büros wurden zum Zeichen der Trauer und des Protestes geschlossen. Auch auf der Seite der Araber ist die Erregung groß. Hunderte Polizisten, sowie Panzerautos durchstreifen die Straßen. Berittene Polizei hat samtliehe Zugangsstraßen nach Jerusalem ־wegen des befürchteten weiteren Zuzugs von Arabern gesperrt. Schon in der Nacht von Mittwoch, dem 21,, zu Donnerstag, dem 22. August, zogen hunderte Araber aus der Gegend um Jerusalem gegen die von Juden bewohnte Vorstadt Yeinin Moshi. Nach Mitternacht begann der Angriff auf die Vorsfadt. Die Polizei, die rechtzeitig von dem beabsichtigten arabischen Angriff benachrichtigt worden war, erschien überraschend in der Vorstadt. Die Araber zogen es aber vor, den Kampf mit der Polizei gar nicht aufzunehmen; sie ergriffen die Flucht, es konnte keiner von ihnen festgenommen werden.

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