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Jüdische Rundschau · 1929-08-13 · Heft 63 (13.8.1929) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 63 (13.8.1929)
Date
1929-08-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Einzelnummer 0,35 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jeden Dienstag u. Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldmark. Au*lan<i8»bo1metnenü1 werden in de» Wahrung der «fos6ht«B Länder berechnet. Anzeigenpreis: 8 g«*p. NonpareiBezeile 0,50 G.-M. Stellengesuche 0,25 G.-M. Nummer 63 Redaktion Verlag und Anzeigen-Verwaltung: Jüdische Rundschau G.m.b.H., BerlinW15, Meinekestr.10 Telephon: J1 Bismarck 7165—70. Anz«4g«nschluS: Dienstag und Freitag nachmittag• 4 Uhr Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. Postscheck •Konten: Berlin 17392, Basel V 9355, Belgrad 68032, Brussel 394 33, Budapest 59693, Danzig 1973, Haag 140470, Prag 594 IQ, Strassburg 164 30, Warschau 190708, Wien 156030. Bank.Konten! Dsrmstädter mul Nationalhank, Depositen * Karne Berlin, Kurfüratendamia 52; Banca de Est. Cemauti (Rumänien); Anglo Pslestine Co. In Haifa, Jerusalem, Tel •Aviv. ד אב* תדפ״ט| xxxiv. jahrg. Par Zlonlsinus erstrebt IQr da» Jüdisch• Volk dl« Schaffung einer Öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm■*» Große Tage In Zürich Feierliche Eröffnung des Agency-Councils - Die neue Zionistische Exekutive: Breite Koalition Der Veilauf der Sitzung Reden von Wcizmann, Herbert Samuel, Marshall• Einstein, Leon Blum, Wassermann, Felix War bürg, Lord Melchelt, Ussischkin, Sokolow Zürich, 12. August (telephonisch). Die Eröffnung des Council der erweiterten Jewish Agency war eine Veranstaltung von außerordentlichem Glanz und gestaltete sich zu einem Triumph des zionistisehen Gedankens. Für Dr. W e i z m a n n, der den Vorsitz führte, ist der Erfolg dieses Tages eine persönliche Genugtuung und der Lohn für jahrelange angestrengte und von Schwierigkeiten unbeirrte Arbeit. Mit Recht wurde Weizmanns Verdienst und seine unbestrittene Führerstellung von allen Rednern hervorgehoben. Den stärksten Eindruck machte in dieser Hinsicht die Rede Ussischk i n s, der die Größe besaß, in diesem Augenblick den Mann, dessen Politik er bisher bekämpft hatte, als den Schöpfer einer neuen Epoche zu feiern. Der Verlauf der Sitzung war ein Beweis, wie stark die zionistische Idee die Judenheit erobert hat. Alle Redner betonten, daß die zionistische Bewegung Pionierarbeit geleistet hat, für die die ganze Judenheit ihr Dank schuldet. Am schönsten kam dies in den Reden Herbert Samuels, Einsteins und Wassermanns zum Ausdruck. Die Furcht, man könne die Erweiterung der Jewish Agency als Schwäche des Zionismus auslegen, ist jedenfalls durch diese denkwürdige Versammlung in überwältigender Weise widerlegt worden. Die zionistische Bewegung hat einen Tag erlebt, dessen gleichen noch vor kurzer Zeit niemand für möglich gehalten hätte. Nach 30 Jahren schwerer Kämpfe wurde ihr die Huldigung ganzer Teile des Judentums der Welt zuteil. * Um 3 Uhr nachmittags betrat die Zionistische Exekutive das Podium. Der große Saal der Tonhalle war voll besetzt. Als Weizmann und Sokolow mit den Führem der Nichtzionisten erschienen war, wurden den Persönlichkeiten lebhafte Ovationen dargebracht, besonders Einstein, Marshall und Wcizmann. Sodann hielt Weizmann seine Eröffnungsansprache, in der er das Eigentümliche der beiden Hälften des Council charakterisierte und betonte, daß alle mit dem Willen, ehrlich zusammenzuarbeiten, in die neue Organisation eintreten. Nach Begrüßungen durch den Vertreter der Schweizer Behörden, den Sekretär der Mandatssektion des Völkerbundes, sowie den Vertreter der Schweizer Juden spricht als erster Redner Rabbiner L i f s c h i t z aus Polen, eine ehrwürdige Gestalt mit weißem Bart und Kaftan, der den Segen Gottes auf die Versammlung herabfleht. Sodann hält R a w U s i e 1 eine hebräische Ansprache, die er mit einem Segensspruch schließt. Dann erteilt Weizmann unter ungeheurem Jubel Herbert Samuel das Wort. Herbert Samuel Betont, daß Palästina eine Angelegenheit aller Juden geworden ist. Wenn aber in diesen Tagen zum erstenmal seit 2000 Jahren Vertreter der Judenheit aus allen Teilen der Welt zusammengekommen sind, so müsse man auch die Arbeit der Zionistischen Organisation gerecht würdigen, die Zionistische Organisation hat Ansprach darauf, auch in Zukunft eine führende Stellung zu haben, die durch die Erweiterung der Jewish Agency nicht verkleinert, sondern vergrößert wird. Sie ist die bewegende Kraft der Massen. Palästina bedarf großer Geldmittel, aber vor allem ist der moralische Wert, der mit diesen Geldopfern verbunden ist, von Bedeutung. Der Keren Hajessod, der von allen Juden unterstützt werden muß, ist nicht nur ein Finanzinstrument, sondern eine moralische Macht. Das Jüdische Nationalheim ist der Unterstützung jeder britischen Regierung, gleichgültig welcher Partei sie angehöre, sicher. Louis Marshall, lebhaft begrüßt, erklärt, dies sei die außerordentlichste Versammlung, die er jemals mitgemacht hat Juden aus vier Kontinenten sind zusammengekommen, sie haben verschiedene Anschauungen und Ideale, aber e 1 n Resultat der erweiterten Agency steht heute schon fest: Palästina wird wiederaufgebaut werden. (Tosender Beifall.) Von niemand wird verlangt, daß er seine Gesinnung ändere, wir wollen aber nicht das Trennende unterstreichen, sondern das Gemeinsame. Die Jewish Agency hat praktische Probleme zu lösen, und die Nichtzionisten wollen Schulter an Schulter mit den Zionisten arbeiten ohne vorgefaßte Meinungen. Redner spricht seine Befriedigung aus über die Resolution des Zionistenkongresses über die jüdische Religion. Wenn in einigen Tagen der 9. Ab ist, ein Tag des Klagens und der Trauer, so möge der heutige Tag ein Tag des Jubels und der Freude sein. Albert Einstein, dem der ganze Saal eine große Ovation darbringt, spricht von der Eigentümlichkeit des jüdischen Nationalismus. Herzls geniale Tat war, daß er klar erkannt hat, daß eine Rehabilitierung der Juden nur durch eine Wiederherstellung des nationalen Bewußtseins möglich ist. Dazu bedurfte es eines gemeinsamen Werkes, und dies konnte nichts anderes sein als der Aufbau Palästinas. Mit einem kleinen Häuflein ging Herzl an die Arbeit, und wir alle, die ihm damals fern geblieben sind, müssen heute gestehen, daß er recht behalten hat. Wir verdanken den beiden großen Führern Herzl und Weizmann sowie der kleinen Minorität im Judentum, die zionistisch war, unsere nationale Solidarität Die Zionistische Organisation muß daher auch in Zukunft ihren bedeutenden Platz behalten. Lord Melchett kritisiert in seiner Rede die englische Regierung und betont die Notwendigkeit einer stärkeren Unterstützung des Aufbauwerkes. Er erhofft von der Jewish Agency vor allem die Vergrößerung des politischen Einflusses. Im Gegensatz at.|ieEbeet״Sa8mel-^»ö׳sse־®c-^®f-;M®tau«S Ausdruck geben, daß noch keine englische Regierung ihre Pflicht gegenüber dem Nationalheim erfüllt hat. L€on Blum, dessen geistvolle Rede mit echt französischer Beredsamkeit vorgetragen wurde, erklärte, der Sozialismus wolle die Eigenart aller Völker und Kulturen erhalten und muß daher auch die zionistische Sache unterstützen. Der Zionismus ist eine eigentümliche nationale Bewegung mit internationaler Tendenz. Er schafft einen neuen Nationalismus, der der Annäherung der Völker dient. Der Zionismus bedarf der Unterstützung der denkenden und arbeitenden Menschheit, darum ist es ein großes Symbol, daß der größte Denker der Gegenwart unter uns sitzt (Beifall) und daß die Arbeiterschaft Palästinas, die mit der Inter- DSc Neuwahlen Zürich, 11. August. ln der letzten Sitzung des XVI. Kongresses, Sonntag, am 11. August, 8 Uhr morgens, wurde folgende Zionistische Exekutive gewählt: Zum Präsidenten der Zionistischen Organisation: Dr. ChaimWeizmann. Zum Präsidenten der Zionistischen Exekutive: Nahum Sokolow. Zu Mitgliedern der Exekutive in London und Jerusalem (in alphabethischer Reihenfolge angeführt): Lazarus Barth, Rabbi Meier Berlin* Prof. Selig Brodetsky, Ing. Sal. K a p 1 a n s k i, Lt.C01. F. H. Kisch, Louis L1 p s k y, Felix Rosenblüth, Dr. Arthur Ruppin, Harry Sacher, Josef Sprinzak, Miß Henrietta S z o 1 d. Sonntag früh um 0 Uhr ging der Zionisten-Kongreß auseinander, nach einer Sitzung, die von 9 Uhr abends bis 9 Uhr früh gedauert hatte. Um 3 Uhr nachmittags tritt bereits der Council der jewish Agency zusammen. Aus der Pause von 3 —4 Tagen, die zwischen den beiden Tagungen angesetzt war, ist eine Pause von wenigen Stunden geworden, und die zionistischen Fifty ziehen nicht gerade in der besten physischen Verfassung in den Council ein, nach durchwachten Nächten und nationale verbunden ist, zu den begeisterten Vorkämpfern der Sache gehört Direktor Oscar Wassermann sagt, hinter der deutschen Delegation stehen noch nicht alle deutschen Juden, wir hoffen aber, daß auch die Widerstrebenden bald zu uns kommen werden. Die Nichtzionisten bringen nicht nur materielle Verstärkung, sondern vor allem eine große moralische Macht, nämlich die Einheit des Judentums. Die Nichtzionisten wissen auch sehr gut, daß es darauf ankommt, die Jugend für die Sache zu gewinnen, und sie werden daher nichts tun, was den Enthusiasmus der Jugend dämpfen könnte. Die nächsten Redner sind Felix Warburg und Schalom Asch, der die einzige jiddische Rede des Abends hielt. Eine Episode von stärkstem Eindruck war die Ansprache Ussisdikins, der sagte, es beginnt heute die dritte Epoche des Zionismus. Die erste war die Chibat Zion, ihr Schöpfer Pinsker, sie dauerte 16 Jahre. Die zweite hieß Zionismus, ihr Schöpfer Herzl. Sie währte 32 Jahre. Die dritte beginnt heute, sie heißt Alljudentum, ihr Schöpfer Chaim Weizmann. Wir Zionisten bringen eine große Mitgift mit, die Balfour-Deklaration, die Chaluzbewegung, hundert jüdische Kolonien, die hebräische Sprache, den Enthusiasmus der jüdischen Welt. Die Jewish Agency muß jetzt die Aufbauarbeit im schnellsten Tempo beginnen, denn wir haben keine Zeit zu verlieren. Als letzter Redner spricht Solbtow. Mit dem ihm eigentümlichen Charme und Humor hält er eine zündende Schlußansprache. Der Jude, der bisher als Krämer verschrien wurde, ist zum Träumer geworden, und die idealistische Bewegung, deren einigendes Symbol Erez-Israel ist, führt eine neue Epoche des Judentums herauf. Damit nahm die feierliche Versammlung ihren Ab- Schluß. Heute, Montag 11 Uhr vorm., beginnt die eigentliehe Beratung. Es sind noch nicht alle nichtzionistischen Vertreter eingetroffen. Die zionistische Vertretung besteht aus den Mitgliedern des Aktions-Comites und ihren Stell- Vertretern, zusammen 104 Personen, die gemäß den Vorschlagen der einzelnen Fraktionen vom Kongreß in einer Sitzung gewählt worden sind. nervenaufreibenden inneren Kämpfen. Aber wer diese letzten Tage und Stunden miterlebt hat, wird dankbar sein, daß uns wenigstens die beschämende Situation erspart geblieben ist, ohne Exekutive zum Council kommen zu müssen. Bereits seit einigen Tagen wurde der Versuch gemacht, eine Exekutive mit großer parlamentarischer Mehrheit zustande zu bringen. Sowohl der Permanenz-Ausschuß als auch Einzelpersonen und Weizmann selbst waren in dieser Richtung tätig. Aber jede Kombination scheiterte an den hier wiederholt dargestellten Gegensätzen. Besonders scharf war die Ablehnung Sachers durch die Arbeiter und die Ablehnung einer Koalition durch Sacher. Eine Lösungsmöglichkeit zeigte sich erst, als bekannt wurde, daß die amerikanischen Niclrtzäonisten zwei erstklassige Fachleute für die Exekutive der Agency kandidieren: Prof. Lipmann und Dr. Wo 1 mann (die beide Mitglieder der Experten-Kommission der Palestine Survey Commission gewesen waren). Auf Grund dieser Aussicht gelang es, Sacher zu bewegen, daß er erstens auf die Leitung des Kolonisationsressorts verzichtet und zweitens in eine Koalition willigt. Man trat an! Dr. Ruppin heran, er solle — evtl, mit Prof. Lipmann gemeinsam — das Kolonisationsressort wieder übernehmen. Ruppin stimmte schließlich zu, unter der Bedingung, daß die von ihm vorgeschlagene Umwandlung der Kolonisationsabteilung in ein eigenes Institut (Kolonisationsfonds) in Angriff genommen wird. Nun aber entstanden neue Schwierigkeiten mit den Arbeiterparteien, die, wenn sie ihren Widerstand gegen Sacher aufgeben sollten, zwei Vertreter in der Palästina-Exekutive für sich verlangten. Der ganze Sabbath war Vcrhandlungen gewidmet, die — abgesehen vom Permanenz-Ausschuß — in Weizmanns Auftrag von Felix Rosenblüth und Schocken geführt wurden. Sacher war einverstanden, daß zwei Vertreter der Arbeiter in die Exekutive eintreten, davon einer in die Londoner. Am Samstag abend aber schien alles vergeblich, da die Poale Zion forderten, daß Kaplanski als beamteter Departementsleiter für Kolonisation engagiert werde, wenn sie auf den Exekutivposten in Palästina verrichten sollten. Foitsetzuag s. S. 408, Der Schluß des Kongresses

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