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Jüdische Rundschau · 1929-08-07 · Heft 61 (7.8.1929) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 61 (7.8.1929)
Date
1929-08-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 390 Nr. 61, 7. VIII. 1929 JUEDISCHE RUNDSCHAU gemacht haben, zu sagen: Nur wir sind die Echten, und diese Mitte ist eigentlich eine Gesellschaft von Leuten, die allmählieh verschwinden kann. Am deutlichsten kam das nun Ausdruck in der Rede des Misrachi-Vertreters. Wir haben den Wunsch, daß alle Parteien und Flügel durch Repräsentanten /um Ausdruck kommen, die in bester Form deren wahre Idee zu gestalten vermögen. Mir will scheinen, daß der erste Beginn unserer Auseinandersetzung darin zu bestehen hat, daß wir die wirkliche Einheit der gesamten zionistischen Welt empfinden, in der die einzelnen Telle ihre Sonderansicht Iretonen und betätigen. Die Notwendigkeit einer solchen Auffassung entspringt nicht einer gedanklichen Ueberlegung. Wer unsere zionistische Welt kennt, wer in die Länder gellt, der sieht, daß der Zionismus des Oalutfi In einer unerträglichen Weise zerrissen ist durch Parteiungen und Spaltungen. Und er sieht auch, daß alle diese Gruppen der Spaltungen müde sind. Ich verstehe, daß es in Erez-Israel Interessenparteien gibt, aber der Galuth-Zionfsmus muß nicht ein absolutes widerspiel dieses Bildes sein. Ich verlange nicht Aufgabe von Gesinnung und Meinung, aber einen Zusammenschluß und zwar nicht in Form eines Dachverbandes, der die Verewigung des gegenwärtigen Zustandes ist; es wird nötig sein, daß wir überall zu wirklichen Landesverbänden kommen und bei Fortbestehen der Fraktionen eine einheitliche Leitung gegenüber den Nichtzionisten haben. Auf dem vorigen Kongreß haben wir dafür gewirkt, daß die gegenwärtige Exekutive eingesetzt wird. Wir stehen zu unserem damaligen Entschluß, der der Situation entsprochen hat. Wir wissen, daß diese Exekutive einen schweren Weg gegangen ist. Es Ist eine kaum vorstellbare Sache, wie die Exekutive in Erez-Israel sitzen mußte, von allen Gruppen der Bevölkerung in Erez-Israel bekämpft, und daß es doch gelunist, eine Aufgabe zu erfüllen, keine neuen Verpflichtungen auf sich zu nehmen und die alten zu vermindern. Auch "wir wissen sehr gut, daß in diesen Jahren eine konstruktive Aktivitat nicht stattgefunden hat, nicht stattfinden konnte angesichts der besonderen Situation, die wir vorfanden. Ich will in diesem Augenblick nicht schildern, wie unsere Lage beim letzten Kongreß gewesen ist. Es hat Mut, bürgerlicher Mut, Entschlossenheit und Charakter dazu gehört, eine solche Arbeit zu übernehmen. Das bedeutet nicht, daß wir kritiklos sein müßten. Aber wir sind den Menschen, die sich damals unter solchen Bedingungen zur Verfügung stellten, Loyalität schuldig. Es ist gewiß richtig, daß alles Neue Im Lande auch der stürmenden Kraft bedarf, der kühnen Initiative besonderer Menschen. Niemand weiß besser als wir, daß das Gelingen abhängt von einem ungebrochenen Innern, von einer ungebrochenen echten und dauernden zionistischen Leidenschaft. Aber diese Haltung von Menschen ist mit dem Verhalten einer Organisation nicht zu verwechseln. Eine Organisation hat immer der Verantwortung bewußt zu sein. Die Organisation muß immer regelnd eingreifen gegenüber dem Mut der Kühnheit, der den Mitgliedern der Organisation zukommt. Es gibt eine Antithese zwischen zionistischer Leidenschaft und geordnetem System unserer Arbeit. Ich glaube, daß der Wirtschaftsheroismus der einzelnen begleitet sein muß von der sorgsamen Ueberlegung der Organisation. Und das sage ich in diesem Augenblick, wo wir, die wir die Verantwortung tragen für die vor zwei Jahren gewählte Exekutive, heute dafür eintreten, daß angesichts der Neugestaltung unserer Verhältnisse eine Koalition ins Leben gerufen werde. Eine Koalition kann ins Leben treten, wenn man sich auf ein wirklieh gemeinsames Aktionsprogramm einigt. Und Koalition heißt dann, daß man nicht gleichzeitig zionistische Exekutive und Opposition sein kann, wenn eine Gruppe in der Exekutive vertreten ist, so hat sie die Gesamtverantwortung für ein Gesamtprogramm M tragen, Und es kann nicht der Fall eintreten, daß einige Mitglieder einer Exekutive Verabredungen gegen andere Mitglieder machen. Deshalb kann man auch nur mit Loyalität die Geeignetsten wählen, welche diese verpflichtende Einheit anerkennen. Und diesen Weg muß man gehen. Man darf nicht zugeben, daß irgendein Mitglied der Zionistischen Organisation wegen seiner Parteizugehörigkeit ungeeignet ist, Mitglied einer zionistischen Exekutive zu sein. Wenn wir an die Arbeit der letzten Jahre denken, so glauben wir, daß das System der zionistischen Politik richtig war und fortgesetzt werden soll, was nicht bedeutet, daß wir auch alle Maßnahmen für richtig halten. Diese beiden Dinge muß man auseinanderhalter». Es wird vielleicht nötig sein, hier gegen die Rede unseres Gesinnungsgenossen jabotinsky aufzutreten, der Einzelheiten der Arbeit angriff und das System der Politik zugleich ablehnt. Ich möchte für die Oeffentlichkeit doch folgendes bemerken: es gab nach der Rede von Jabotinsky einen starken Beifall. Aber es war der Beifall unserer verehrten Zuhörer. Im Saale klatschten die politischen Anhänger Jabotinskys und es soll nicht nach außen hin ein anderer Eindruck erweckt werden. Es handelt sich um einen großen Erfolg des Redners Jabotinsky und um keinen Erfolg des Politikers. (Beifall.) Jabotinsky berief sich diesmal auf die Demokratie und erklärte, sie sei für uns Juden gut. Es ist also eine ertreuliche Aenderung eingetreten: statt Legion Demokratie. Aber Demokratie muß man ernst nehmen. Man darf nicht Helfershelfer für den Kampf innerhalb der Zionistischen Organisation außerhalb derselben suchen. Das ist ein absolutes Todesurteil über die Sache. Aber dann muß man innerhalb der Organisation kämpfen. Majorisiert werden ist viel besser als minorisiert werden. Nun kommen wir zu der Frage, die uns am meisten berührt; wie gestalten wir den Zionismus in dieser kommenden Zeit? Da müssen wir uns fragen, was für das zionistische Leben und Streben entscheidend ist Sind es politische Formeln, Definitionen, irgendwie beschlossene Ziele einer Politik, oder sind es die Quellen unserer Idee, die entscheidend sind? Ich behaupte: noch niemals war in einem Volke die Kraft des nationalen Willens, die Stärke der nationalen Sehnsucht von irgendeinem politischen Kalkül der Führer abhängig; sondern wo Völker um ihre Freiheit gelfSmpft haben, da waren ihre offen proklamierten Ziele immer sehr verschieden von den Hoffnungen, die als ewige Hoffnungen ein Volk in seinem Herzen trägt. Eine Politik, die sozusagen das politische Ziel als wichtigstes Propagandamittel einsetzt, in der an die Stelle der eigenen politischen Arbeit Propaganda tritt, scheint nur wenig mit echter Politik zu tun zu haben Die Welt rechnet nicht allein mit den proklamierten Zielen, sondern mit der elementaren Kraft des jüdischen Volkes. Ohne paradox zu werden, möchte ich behaupten, daß Jabotinsky vielleicht das unpolitischste System im Zionismus vertritt, weil er vergißt, daß Politik eine Machtfrage ist, und daß die Wirkung unserer politischen Aktionen abhängt von der Größe und Stärke unserer realen Kraft im Lande. Die Größe eines Politikers besteht darin, daß er das Augenmaß für seine Forderungen hat. Ein großer Mann hat einmal Politik dahin definiert: der echte Politiker sieht das Kleine klein, daß Große groß. Ich glaube, es ist apolitisch, es ist Propa ganda und Redensart, wenn man glaubt, das Wort werde eine kleine Sache groß machen oder werde eine,Wirkung erzielen. Unsere Politik besteht darin, mit allen Kräften die jüdischen Machtpositionen zu verstärken und auszubauen. Es ist unmöglich, gleichzeitig große Politik zu reden und zu erklären: wir können nicht dauernd mit einem Sammelapparat etwas machen, wir müssen andere Wege gehen. Ohne Zweifel müssen wir den Versuch machen, neue Quellen zu erschließen. Es gibt aber keine größere Dummheit, als diese Quellen so zu erschließen, daß man die bisherige Arbeit diskreditiert. Erklärung der Exekutive In der Freitag-Sitzung des Kongresses gab Präs. So ko- 10 w namens der Exekutive folgende Erklärung ab, die vom Kongreß durch Erheben von den Sitzen akzeptiert wurde: Seit dem Zusammentritt des XVI. Kongresses haben die Exekutive und viele Delegierte aus Palästina direkte Nachrichten erhalten, aus denen hervorgeht, daß die von der palästinensischen Regierung den mohammedanischen Behörden erteilte Erlaubnis, in unmittelbarer Nachbarscliaft des Kotei Maaravi gewisse Bauarbeiten auszuführen, unter der jüdischen Bevölkerung Erez-Israeis tiefe Besorgnis hervorgerufen hat. Diese Arbeiten würden zum ersten Male die Errichtung direkter Verbindungsmöglichkeiten zwischen dem Haramgebiet und einem arabischen Hause mit sich bringen, das unmittelbaren Zugang zu der jüdischen Gottesdienststätte am Kotei Maaravi hat. Die Exekutive hat die autoritative Versicherung erhalten, daß die Ausführung dieser Arbeiten keinerlei Handlung im Gefolge haben wird, die geeignet wäre, Belästigungen oder Störungen der jüdischen Beter hervorzurufen. Die Exekutive hat zwar die ihr von der Palästina-Regierung über ihre Absichten gegebenen Versicherungen entgegengenommen, hielt es jedoch für ihre Pflicht, die Aufmerksamkeit auf die Tatsache zu lenken, daß die Oeffnung einer direkten Verbindungsmöglichkeit zwischen dem Ha- Wehe uns, wenn man den Versuch macht, unsere große Arbeit für Keren Kajemeth, die wir machen müssen in der Erkenntnis der entscheidenden Bedeutung der Bodenfrage, dadurch zu schädigen, daß sie, wenn man vom Keren Kajemeth redet, so tun, als ob der Keren Hajessod als der Fonds der Agency etwas unrein wäre. Die Agency ist «ine Chance für uns, kein Geschenk. Auch dieser Vertrag ist kein Abschluß, sondern der Anfang einer Aktion. Sein Inhalt wird erst bestimmt werden durch unsere Qualität innerhalb dieses Bündnisses. Wer sich nichts zutraut, wer glaubt, er könne sich durch Paragraphen sichern, der wird schließlich einsehett müssen, daß die Führung der hat, der die bessere Qualität hat. Brodetsky hat in seinem Referat über Propaganda Vorschlage gemacht, die gut sind, und die wir unterstützen müssen, der Inhalt seines Referates ist jedoch ebenso ergänzungsbedürftig wie der des Referates von Rupplti. Wenn Sie an die Zukunft der Organisation denken, dann sollte ein Kongreß wissen, daß wirklich eine ideologische Krise in der jüdischen Welt besteht, daß Probleme da sind, denen wir noch nicht gewachsen sind. Eines aber wissen wir: Es beginnt eine Zeit einer neuen starken Ziordsierung in der Welt. Die Jewish Agency ist vor allem auf die Länder des Westens zugeschnitten, Wo wir nicht so weit sind, um die Juden sofort zu zionisicren. In diesen westlichen Ländern ist der Zionismus in einem gewissen Sinne in den Anfängen. Die Judeaheiten der Länder sind nicht erobert. Weder ist es die deutsche Judenheit noch die amerikanische, und ich finde es überaus bedauerlich, wenn Zionisten immer so mit Stolz auf ihre zionistischen Leistungen In ihren Ländern hinweisen. Wir können den Problemen nur gewachsen sein, wenn wir ihre Quellen erkennen. Solange man aber entzückt ist, wenn alte Lieder Wer immer wieder gesungen werden, solange der Kongreß nicht eine Stätte ist, von der neue Erkenntnisse ausgehen, werden wir dem Ziel nicht näher kommen. Es gibt einen Unterschied zwischen Zionisten und Nichtzionisten. Er ist da, nicht weil Ihn einer feststellt, und ihn der andere leugnet. Entweder ist er da, dann nützt es nichts, ihn zu leugnen, oder er ist nicht da, dann nützt es nichts, ihn organisatorisch festzuhalten. Wenn die Oegner der Agency einmal ehrlich in der nichtzionistischen Welt arbeiten und Zionisten sind mit aller Kraft, dann werden sie den elementaren Unterschied merken, merken, daß sie mit Nichtzionisten nur dann erfolgreich arbeiten können, wenn dieser Unterschied besteht. Hier ist auch der Ort, wo ich die große, außerordentliehe Leistung Dr. Weizmanns erwähnen möchte, die in der Linie des Herzischen Zionismus liegt, in der vollen Verwirkllchung des Basler Programms. Sie ist genau so eine Etappe wie alles andere, was jetzt geschieht, ist wie jede politische Entwicklung nur richtig in ihrem Augenblick. Den Weg der Balfour-Deklaration mußte man suchen und Unter größten Schwierigkeiten ist er gefunden worden. Auch der Gedanke der Eingliederung der Nichizionisten in die Agency ist außerordentlich schöpferisch und eine ungeheure Idee. Was dabei herauskommt, weiß niemand, denn alles Tun ist abhängig von unserer Kraft. Und wenn Sie wissen wollen, was die Agency wert ist, dann können Sie sofort zu einem Urteil kommen. Wenn Sie unseren Kreis ansehen und er richtig wertvoll ist, ist auch sie etwas wert. Sonst werden Ihnen alle Versprechungen nichts nützen. Wenn es wirklich den zionistischen Gegnern der Agency- Politik gelingen sollte, die Sache zu schwächen und zum Scheitern zu bringen, wenn wirklich aus dieser Sache nichts wird, dann frage ich Sie: was wird aus dem Palästinawerk, was wird aus der Verwirklichung des Basler Programms? Das heißt politische Organisation, das heißt Demokratie, daß, wenn man zu einem Entschluß sich durchringt, man alles tut, um mit vereinten Kräften ein Gelingen herbeizuführen. Die zionistische Idee kann vieles ertragen, aber sie kann auf die Dauer keine Stagnation in Erez-Israel ertragen, und wenn die Agency von uns mit gemeinsamen Kräften bejaht wird, dann glaube ich, daß Erez-Israel wachsen wird, dann werden die zionistischen Kräfte sich regen. (Lebhafter Beifall.) Bernhard (Allgemeine Zionisten, Rumänien) tritt für die Exekutive ein, hält aber• das Verhältnis zur Mandatarmacht nicht für befriedigend. Die Exekutive müsse die Mandatarmacht auf die Stimmung des jüdischen Volkes hinweisen. In den Reihen der Zionistischen Organisation seien Einheit und straffere Disziplin erforderlich. Besondere Aufmerksamkeit sei der Erziehungsarbeit zu schenken. In Rumänien bestünden zwischen Keren Hajessod und Keren Kajemeth keine Gegen- Sätze, vielmehr helfen sich diese beiden Institutionen gegenseitig. Dr. Olsvanger (Allgemeiner Zionist, Südafrika) vermißt ln den Referaten Berichte darüber, wie sich die Zionistische Organisation mit der Erziehungsarbeit in der Galulh beschäftigen solle. Die Erziehung der Jugend gehe nicht nur den Misrachi an, sondern sei die Sache aller zionistischen Gruppen, Die Jugend in Palästina sei tief religiös, wenn vielleicht auch in einem anderen Stoße als der Misrachi es versteht. ramgebietund der jüdischen Andachtsstätte gerade jene praktische Wirkung haben kann, die nach dem Wunsche der Regierung und unserer eigenen gerechten Forderung unbedingt vermieden werden soll. Dies aber ist die Seite der Frage, die bei allen Juden in Palästina und in der ganzen jüdischen Welt tiefe Erregung hervorgerufen hat. Alle legalen Rechte, die die Eigentümer der Grundstücke, an denen die Arbeiten ausgeführt werden sollen, besitzen mögen, sind bedingt und begrenzt durch die anerkannte Pflicht der palästinensischen Regierung, das Recht der Juden auf ungestörte Andachtsausübung am Kotei Maaravi zu schützen. Entsprechend den Wünschen des Kongresses und im Einverständnis mit der politischen Kommission entsendet die Zionistische Exekutive unverzüglich eine Delegation nach London, um an maßgebender Steife die ernste Besorgnis, mit der der Kongreß die gegenwärtige Situation betrachtet, auszudrilcken. Der Staatssekretär soll auf die dringende Notwendigkeit hingewiesen werden, Maßnahmen zu ergreifen, die den von der Regierung bezüglich der Ausübung der jüdischen Rechte am Kotei Maaravi erhaltenen Versicherungen praktische Wirkung gibt, und ferner Garantien zu schaffen, damit der eigentliche Charakter des Platzes vor dem Kotei Maaravi als einer öffentlichen Gebets- und Andachtsstätte in keiner Weise angetastet wird. VII. Sitzung, Dienstag, 30. Juli, abends. Dr. Schwarzbart (Allgemeine Zionisten, Westgalizien) verteidigt die Palästina-Exekutive gegen die übermäßigen Angriffe. Das Verdienst Sachers werde dadurch nicht verkleinert, daß er nicht die Mittel wähle, die ihn populär machen. Die Jewish Agency biete der Zionistischen Organisation eine große Chance. Sie wäre aber nicht notwendig geworden, wenn die Zionisten mehr für den Keren Hajessod geleistet hätten• Die außenpolitische Lage sei ganz unbefriedigend. Dr. Reich (Allgemeine Zionisten, Osfgalizlen) sieht in der Jewish Agency die Fortsetzung der Herzischen Ideen. Die Zustimmung der Arbeiterschaft zur Erweiterung der Jewish Agency beweise deren Verantwortungsbewußtsein. Mit der Zeit werde sich die Jewish Agency zu einer demokratischen Institution entwickeln. Die Agency werde ermöglichen, im Namen der gesamten Judenheit für den Keren Hajessod zu agitieren. Für das Provisorium zu kämpfen, halte er für eine Naivität Vorsitzender Motzkin widmet dem vor einigen Tagen gestorbenen Sekretär des Waad Leumi in Erez-Israel, Ts eher* nowitz, einen Nachruf. Hierauf entspinnt sich eine Debatte über den Schlüssel, «ach dem sieh die folgenden zehn Kommissionen zusammenwtzen solle»; Politik, Jewish Afettcy, Organisation, Budget, Finanzen, Landwirtschaftliche Kolonisation, Städtische Kolonisation, Immigration, Erziehung, Gesundheit Dr. Stephen Wise (Amerika): Ich werde über drei Dinge sprechen: Ueber die Mandatsregierung, über die Behandlung der Zionisten in Rußland und über die Jewish Agency. Erstens über die britische Regierung. So wie es in Indien eine Non- Cooperation-Bewegung und Gandhi gibt, so gibt es auch in Palästina eine Non-Cooperation seitens der Regierung. Ich möchte wissen, wer daran glaubt, daß die Regierung, wie es in der Balfour-Deklaration versprochen wurde, die Errichtung unserer Heimstätte erleichtert. Nehmen Sie z. B. den Fall der Kotei Maarawi. Das war eine Schandtat und eine tiefe Verletzung der jüdischen Seele an unserem heiligsten Tag. Meiner Meinung nach hat die Regierung selbst nicht die Schuld, sondern die unteren Beamten, die uns fortwährend schikanieren. Deshalb ist es unsere Pflicht, höflich aber energisch der Regierung, deren Partner wir sind, zu sagen, daß wir nicht ein Objekt der britischen Philanthropie, sondern wirkliche Partner der Engländer im Aufbau von Palästina sind. Wir haben vor ein paar Tagen gelesen, daß die Regierung dem Oberrabbiner Kuk mitgeteilt hat, daß sie nichts dagegen hat, daß die Araber ihre Bauarbeiten am Kotei Maarawi fortsetzen. Dafür brauchten wir keine Balfour-Deklaration. Es ist Mode geworden, über das schreckliche Schicksal der Zionisten in Rußland zu schweigen. Hat man geschw iegen, weil die Juden gefürchtet haben, daß das Schicksal der Juden in Rußland schlimmer werden würde? In Amerika hat man geschwiegen, weil man fürchtete, daß, wenn etwas über Rußland gesagt werden würde, es als Majestätsbeleidigung gegenüber dem Joint Distribution Committee betrachtet werden würde. Neulich haben die Zionisten in Südafrika unter Berufung auf die Verfolgungen der Zionisten in Rußland, eine Protestresolution gegen die Arbeit für die jüdische Kolonisation in Rußland angenommen. Darauf hat, wie in den Zeiturigen in New York zu lesen war, der Führer der Nichtzionisten in der Agency Herrn Morris Rothenberg rufen lassen und iiim gesagt: ״Das ist ein Bruch des Vertrages mit den Zionisten.“ (Zwischenruf Rothenberg: ״Sie sind falsch informiert, Herr Marshall hat keine Einwendung gegen die Protestresolution gemacht, er hat sich nur darüber beschwert, daß, wie er durch ein Telegramm von Herrn Bernard Alexander erfahren hatte, das Gerücht in Südafrika verbreitet wurde, daß ein großer Teil des Geldes, welches vom Joint Distribution Committee für jüdische Kolonisation zur Verfügung gestellt wurde, fiir Sowjetpropagandazwecke verwendet werde.“) Die Zionisten von Südafrika haben über diese Frage eine Erklärung herausgegeben, welche jeder Zionist bereit sein sollte, zu unterzeichnen, und ich habe ihnen dazu gratuliert• Dr. Weizmann hat etwas über Einmischung in die Arbeit der politischen Leitung gesagt. I״s wird keine Einmischung stattfinden, wenn die politische Arbeit ge macht wird, aber wenn sie nicht gemacht wird, würde mich nichts daran hindern, das zu tun, was mein Gewissen gebietet. Ehe ich Amerika verlassen habe, habe ich mit einem führenden Staatsmann in Washington über die Frage der Zionisten in Rußland gesprochen, und er hat mir gesagt, er ho.'fe daß die englische Regierung, die jetzt über die Wiederanknüp iung der politischen Beziehungen mit Sowjetrußland verhandelt, alles tun würde, um das Leben für die Juden in Rußland erträglich zu machen und die Angriffe auf die Zionisten einzustellen, ln London habe ich einige Mitglieder der neuen Regierung gesprochen und ich habe wohlwollendes Verstandnis gefunden und ich glaube, daß die Regierung diese Frage im Auge behalten und ihr Bestes im Interesse der Juden und der Zionisten in Rußland tun wird. Wenn Wäzman‘11 zu jener Zeit in London gewesen wäre, hätte ich ihn ersucht, mich zu begleite», Jetzt möchte ich den Vorschlag machen, daß auf

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