Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 51 (2.7.1929)
- Date
- 1929-07-02
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 51. 2. VII. 1929 JUEDTSCHE BUNDSCHAU S«ke 327 Kundgebung für das arbeitende Erez- Israel in Polen Beteiligung Emile Vandervelde*. ■— Die Niederlage des ״Bund". — Ben Zwi und Sprinzak als Redner. (Von unserem Korrespondenten.) —g. Warschau, 25. Juni. Die von der ,,Histadruth Haowdim“ in Erez-Israel unternommene Aktion, in den Oaluthiändern Manifestationen und Organisationen für das arbeitende Palästina zu schatten, konnte naturgemäß Polen, das Land der größten jüdischen Masse nsiedlung, trotz der sich hier bietenden größten Schwierigkeiten, nicht umgehen. Es war zwar einerseits bekannt, daß gerade in Polen das Werk der jüdischen Arbeiter in Palästina tausende aktiver Anhänger besitzt, daß hier das Reservoir fast all ihrer schöpferischen Kräfte sich befindet, von hier aus tausende Chaluzim jahrlieh nach Palästina strömen — andererseits aber war es kein Oeheimnis, daß das Lager der Freunde des arbeitenden Erez-Israel in Polen zerklüftet ist und, was die Hauptschwierigkeit ist, das jüdische Proletariat in Polen von solchen Parteien beherrscht wird, welche um keinen Preis ihren starren Dogmatismus preisgeben und ihre Feindschaft gegen alles, was in Palästina geschieht, nicht «ufgeben werden. Es galt aber für das arbeitende Erez-Israel neue Kreise zu werben, welche bis nun in den arbeitszionistischen Gruppen nicht vertreten waren. Die Tätigkeit der Histadruth in Polen verlangt also kolossalen Energieaufwand und glückliche Führung. Sprinzak hatte, wie seinerzeit berichtet, im Februar dieses Jahres die erste, vielleicht die Hauptarbeit geleistet. Es ist ihm damals( gelungen, sämtliche arbeitszionistische Organisationen einander näher zu bringen, sie für die bevorstehende Tagung zusammenzuschließen und das Hauptprogramm der Konferenz für das arbeitende Erez-Israel in Polen festzulegen. Wenn man sich der vorjährigen Konferenz, mit ihren bäuerlichen Zwischenfällen und Demonstrationen, mit ihrem erfolglosen Verlauf erinnert, wird die Leistung Sprinzaks nicht hoch genug eingeschätzt werden können. Nachher kam Ben Zwi nach Polen und in emsiger Arbeit traf er, in den letzten Wochen wieder zusammen mit Sprinzak, die eigentlichen Vorbereitungen zur Konferenz. Ben Zwi verstand cs, die noch vorhandenen Gegensätze auszugleichen und speziell auf seine Freunde von den rechten ״PoaTe Zion“ im Geiste der palästinensischen Arbeiterschaft zu wirken. Die Bemühungen beider Delegierten der Histadruth waren vom besten Erfolg gekrönt. Die gestern hier geschlossene dreitägige Konferenz für das arbeitende Erez-Israel verwandelte sich in eine imposante, begeisterte Kundgebung für Palästina und die jüdische Arbeiterschaft. Es war eine ausgezeichnete zionistische Manifestation; wie sie Warschau schon seit langem nicht gesehen hat. Aus 300 Ortschaften der gesamten Republik (Klcinpolen sonderte sich diesmal nicht ab!) kamen über 800 gewählte Delegierte der Poale Zion, Hitachduth, Haschomer Hazair, Hechaluz, Dath Weawodah und anderer Gruppen- Arbeiter, Jugend, Volksmenschen kamen hier zusammen, begeistert für aas Ideal neuer, schöpferischer Arbeit in Erez-Israel. Wenn es auch nicht gelang, trotz größter Bemühungen, den Großteil der professionell und politisch organisierten Arbeiterschaft in Polen offiziell für die Konferenz zu gewinnen, kann man aber ruhig behaupten, daß die im ganzen Lande verstreute jüdische Volksmasse und die jüdische Jugend für die Konferenz ein großes Interesse bekunden. Dreißigtausend Wähler gingen zur Urne, um Delegierte nach Warschau zu entsenden. Die Führer der jüdischen Arbeiter in Polen, die des ״Bund“ und ״Poale Zion“ (Linke) taten natürlich alles, um die Konferenz zu stören oder sie zu bagatellisieren. Ute linken ״Poale Zion“, haben trotz anfänglicher Versprechungen, endlich abgesagt und zeigten damit ihre eigentliche Physiognomie. Denn wahrhaftig, was bleibt ihnen von Palästina, wenn sie sogar an einer Kundgebung für die jüdischen Arbeiter in Erez-Israel nicht teilnehmen wollen oder — können —. Ja, sie können nicht, weil ihr Konkurrent, der ״Bund“ es auch nicht will und ihm nachzuahmen, betrachten die linken Poale Zion als höchstes Parteigebot. Endlich waren sie schon einverstanden, zur Konferenz zu kommen, lehnten aber im vorhinein ihre Beteiligung in den zu schaffenden Ligen ab. Darauf erklärte ihnen würdig Ben Zwi, cs komme in erster Linie darauf an, wirklich für die ״Histadruth“ liier zu arbeiten, sie aktiv zu stützen und nicht sich mit demagogischen Propagandareden zu begnügen. Der ״Bund“ stand von vornherein der Sache feinllch gegenüber und gebärdete sich dabei sehr sozialistisch. Da geschah es also, daß gerade in diesen Tagen Polen, auf Einladung der polnischen und deutschen Sozialisten, Emil Vandervelde besuchte, um hier zusammen mit anderen Vertretern der zweiten Internationale die Arbeiterschaft der Republik in ihrem Kampfe für die Demokratie in Polen zu unterstützen. Das Vorbereituugskomitee der Konferenz für das arbeitende Erez-Israel nützte die Gelegenheit, um den bekannten Freund des Zionismus und begeisterten Anhänger des jüdischen Arbeiters in Palästina einzuladen, an der Konferenz in Warschau teilzunehmen. Vandervelde nahm die Einladung an. Einer Delegation der allgemeinen Zionisten und Misrachi erklärte Vendervelde ebenfalls, vor einem geladenen Kreise sprechen zu wollen. Dieser Abend findet in den nächsten Tagen statt. Der ״Bund“, welcher eigentlich zusammen mit den polnischen und deutschen Sozialisten die Führer der Internationale nach Polen eingeladen hatte, war außer sich. Nun drohte das ganze Gebäude des ״Bund“ einzustürzen! Ist nun das, was in Palästina geschieht, vom Standpunkte des Sozialismus lobenswert, sind Zionismus und Sozialismus vereinbare Weltanschauungen und Bewegungen, darf ein Führer der sozialistischen Internationale zur Unter- Stützung des arbeitenden Erez-Israel aufrufen — was bleibt von all dem bisherigen Gerede des ״Bund“? Was werden seine Massen dazu sagen? Werden sie nicht aufwachen und ihre Augen öffnen? Dem ״Bund“ ging es ums Leben. Er setzte alles in Bewegung, ergriff alle Mittel, um Vendervelde zu überzeugen, zu zwingen, er solle von seinem Vorhaben absehen und seine prozionistischen Anschauungen in Polen nicht manifestieren. Vandervelde war erstaunt, Vom Führer des ״Bund“ zu vernehmen, jüdische Arbeiter in Polen seien unerbittliche Gegner des Palästinawerkes, in diesem Gespräche und in seinem Referate auf der Konferenz erklärte dieser Kämpfer des europäischen Sozialismus, nicht verstehen zu können, warum 1m Gegensatz zu allen anderen Völkern, jüdische Proletarier nicht zugleich gute Juden, an dem Wiederaufbau des Volkes und Landes nicht aktiv teilnehmen sollen? Er begreife nicht, warum gerade das Werk der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina nicht von sämtlichen jüdischen Arbeitern der Welt volle Anerkennung und Unterstützung findet? Vandervelde er• klärte auf unzählige Interventionen des ״Bund“ und seines Verbündeten ganz kategorisch, er werde an der Konferenz teil• nehmen und sagen, was er zu sagen habe. Der ״Bund“ erlitt eine Niederlage, eine der größten in seiner Geschichte. Beschämt und kompromittiert steht er da ln den Augen seiner Anhänger und in den Augen seiner sozialistischen Kombattanten. Wie vorauszusehen war, gab das Auftreten Emile Vanderveldes und seiner Gattin der Tagung Glanz und Prägung. Zwei Stunden lang sprachen beide vor einem tausendköpfigen Auditorium in Worten voll Begeisterung und Rührung, mit tiefem Verständnis und großer Liebe über die Schöpfungen, über die echten sozialistischen Leistungen der jüdischen Arbeiter in Palästina. Vandervelde zog eine Paralelle zwischen der jüdischen Kolonisation in Argentinien, Sawjetrußland und Palästina. Nur in diesem Lande sehe er den Beginn der Verwirklichung eines troßen Ideals. Er sprach mit Anerkennung über den Plan der Weiterung der Jewish Agency und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die neue englische Regierung, welche so viele Freunde des Zionismus zähle, dem Aufbauwerk ihre Hilfe zuteil werden ließe. Die herrlichen Ausführungen Vanderveldes wurden begeistert aufgenommen und die Konferenz, sowie tausende Juden, welche den Konferenzsaal belagerten, bereiteten den Olsten eine unbeschreibliche Ovation. Dann absolvierte die Konferenz in mehreren Sitzungen ihr Programm. Ben Zwi und Sprl nzak gaben einen lieberblick über Geschichte und gegenwärtige Situation der jüdischen Arbeiterschaft im Lande. Sprinzak, welcher die Verhältnisse in Polen genau kennt, polemisierte in ausgezeichneter Weise mit dem ״Bund“ und gab der Hoffnung Ausdruck, daß er endlieh Einsicht bekommen und mit arbeiten werde am Sozialist!- sehen Palästina. Hier wird doch am besten das vom Bund proklamierte Recht auf Arbeit verwirklicht. Werde dies der Bund nicht tun, werde die Geschichte über ihn zur Tagesordnung übergehen. Schon jetzt habe der ״Bund“ eine seiner wichtigsten Traditionen verloren: es gelang ihm nicht, trotz 30i,ihriger Bemühung, die sozialistische Welt von der Schädliebkeit des Zionismus zu überzeugen. Das Gegenteil ist der Falk Auch diesmal gab es Zwischenfälle, welche zeigten, daß manche Gruppen der ״Poale Zion“ den Geist der ״Histadruth“ in Palästina nicht verstehen. Auch diesmal protestierten manche gegen Benutzung der hebräischen Sprache, gegen das Aufstellen einer blau-weißen Fahne. Die Delegierten der ״Hitach* duth“ und des ״Haschomer Hazair" traten energisch für diese ihnen und dem jüdischen Arbeiter im Lande heiligen Werte und Symbole ein und sahen mit Freude, wie stark Ben Zwi und Sprinzak diese Demonstrationen (übrigens einer Minderheit der Poale Zion) im Keime unterdrückten. Die Kalisdiäize des Toten Meere» Von Dr. Ernst Markowiez, Taucha b. Leipzig. Wir geben der nachstehenden Erwiderung Raum, können aber die Diskussion nicht, weiterfiihren, da es sich hier um. eine komplizierte Frage eines einreinen Fachgebietes handelt, für deren Beurteilung die meisten Leser der ,Jüdischen Rundschau" nicht kompetent sind. Ah Zionisten aber interessiert uns daran nicht die. wirtsrhaflstheareli.ee,he Erörterung, sondern der praktische Erfolg, den wir mH Aufmerksamkeit verfolgen werden. — Red. In der ״Jüdischen Rundschau“ Nr. 24/25 vom 28. März 1929 erschien ein Artikel von Dr. Alfred Marcus, Berlin, über die Verwertbarkeit der Kalischäfze des Toten Meeres. Vom weitwirtschaftlichen Gesichtspunkte aus betrachtet der Verfasser die Sache als ein ״ausgesprochen abenteuerliches Geschäft mit außerordentlichem Risiko nicht nur für die unternehmende Gruppe, sondern auch für die jüdische Kolonisation Palästinas und deren Prestige“. Diese Wahrung des Prestige und das Verantwortliehkeits* gefühl für die Kolonisation Palästinas waren wohl die Hauptgründe, die Herrn Dr. Marcus bewegten, die jüdische und zionistische Öffentlichkeit vor der bevorstehenden Gefahr zu warnen. Voraussetzung jeder Kritik muH natürlich gründlich(. Sach• kehntiüs sein; die folg'e«3en ZeTfen mögen dazu dienen, manche Irrtütner des Herrn Marcus richtigzustellen und das jüdische Publikum über die Angelegenheit aufzuklären. Die ״weltwirtschaftliche“ Beweisführung des Herrn Marcus, reichlich mit Zahlen illustriert, ist gar nicht so kompliziert, wie sic einem der Sache Fernstehenden scheinen mag. Der ganze Artikel kann mit folgenden wenigen Worten zusammengefaßt werden: Auf dem Gebiete der Kali-Industrie existiert ein mächtiger deutscher Trust, der in bezug auf Preise und Verteilung der Absatzgebiete ein Abkommen mit dem nächst bedeutenden Produzenten Frankreich getroffen hat, mit dem zusammen er den Weltmarkt beherrscht. Jede Vergrößerung des Bedarfs kann Deutschland selbst leicht decken, da ein großer Teil seiner Schächte (54 von 126) stillgelegt ist. Deswegen ist es nach Herrn Marcus unsinnig, wenn ein anderes Land, wo Kali gefunden wird, dessen Vorkommen gründlich untersucht und an die Möglichkeit der Entwicklung einer Kali-Industrie denkt. Nach Herrn Marcus brauchen Polen und Amerika, die in den letzten Jahren bestrebt sind, eine Kali- Industrie zu entwickeln, wegen der Kleinheit ihrer Produktionsziffern nicht in Betracht gezogen m werden. Und Ruß- Jand, wo amgedehnte Kali-Lager entdeckt weiden sind, habe erstens einen heimischen Absatz und sei außerdem am Export interessiert, unabhängig von dessen Rentabilität. Ein anderes Land, nämlich Spanien, das schlecht in seinen Beweisrahmen paßt, erwähnt Herr Marcus überhaupt nicht. Dort sind vor einigen Jahren ausgedehnte Kali-Lager, den deutschen Vorkommen ähnlich, aufgeschlossen worden, von welchen in diesem Jahre bereits die ersten Verladungen in Amerika ankommen werden. Obwohl die bergmännischen Verhältnisse dort weniger günstig sind als in Deutschland, hat Spanien es gewagt, diese Industrie zu entwickeln. Bedeutende Summen sind bereits von der Regierung und von Privatgesellschaften angelegt worden. (Die ״Minas Potasa de Suria“ allein hat über 50 Millionen Pesetas investiert.) Wollen wir nun Herrn Marcus’ These verallgemeinern und folgende Frage stellen: Darf oder kann irgendein Land, in dem die betreffenden Rohstoffe Vorkommen, an die Produktion eines Weltartikels denken, wenn schon ein mächtiger Trust für dieses Produkt besteht? Sehen wir zunächst von Kali ab und denken an andere Weltartikel, z. B. an Oel. Wird nicht Oel in Galizien, Rumänien, Aegypten produziert und auf den Markt gebracht, obwohl noch viel mächtigere Trusts als das deutsche Kalisyndikat, — die amerikanische ״Standard Oil“ und die englische ״Shell“ — den Weltmarkt beherrschen? Man braucht kein geschulter Nationalökonom zu sein, um diese Frage ziemlich einfach zu beantworten, und zwar: es hängt ganz davon ab, zu welchem Preise der in Frage kommende Artikel angeboten werden kann. Gelingt es einem Lande, sei es Spanien, Palästina oder Rußland, Kali zu einem Preise zu erzeugen und auf den Weltmarkt zu bringen, der nicht höher ist als der Preis, zu dem das Deutsch-Französische Syndikat es tun kann, so hat diese Industrie zweifellos ihre Existenzberechtigung, und es werden sich Geldmittel zu ihrer Förderung finden. Von einer Konkurrenz mit dem Trust braucht man kaum zu sprechen. Die internationalen wirtschaftlichen Beziehungen sind heutzutage anders als vor dem Kriege. Dem Gedanken der Konkurrenz wird der der Kooperation, der f iedlichen Verteilung der Absatzmärkte entgegengestellt. Die entscheidende Frage des Preises, zu dem das palästinensische Kali verkauft werden kaum, wird von Herrn Marcus mir nebensächlich berührt, einfach weil er die Verhältnisse nicht genügend kennt und über die Versuchsarbeiten an Ort und Stell« nicht orientiert ist. Ein paar Worte noch über die von Herrn Marcus angeführten Tatsachen und statistischen Daten. Es Ist richtig, daß bei der kürzlich ausgeführten Rationalisierung der deutschen Kali- Industrie von 126 Schächten 54 stillgelegt worden sind. Der Qrund hierfür liegt nach Herrn Marcus ״nicht nur darin, daB auf einer Anzahl von Schichten die Produktion zu teuer, sondem vor allem viel zu hoch geworden wäre, um sie «nterbringen zu können“. Die Sachlage ist nun folgende: fast alle stitlgelegten deutschen Schächte förderten ein relativ armes Salz — den Carnallit, mit nur 8—9״/« Kali, —■ aus der Tiefe, während die clsässischen Werke fast ausschließlich mit einem viel reicheren Salz zu tun hatten, — dem Sylvinit mit 20 0/9 Kali. Um nun auf dem Weltmärkte der französischen Konkurrenz, welche gleich nach dem Kriege von der deutschen Industrie stark gespürt wurde, zu begegnen, ist man dazu gekommen, als Teil des allgemeinen Rationalisierungsplanes, die armen Carnallit- Schächte unter Zahlung gewisser Kompensationen an die Eigentiimer zu schließen und die reicheren Sylvinit fördernden Schächte zu entwickeln. Diese Wirtschaftsmethode wird im Bergbau mit einem nicht gerade gut klingenden Namen ״Raubbau“ bezeichnet und jeder, der die Verhältnisse im deutschen Kalibergbau kennt, weiß, daß die Zeit nicht fern Ist, wo man wieder zu den ärmeren Carnallit-Salzen wird greifen müssen, welche für das deutsche Kali-Vorkommen eher charakteristisch sind als die jetzt in Angriff genommenen reicheren Sylvinit-Salze. Zum Schluß noch die Marcus’sehe Warnung vor dem großen Risiko des Unternehmens und dessen Nachwirkung auf das Prestige der jüdischen Kolonisation Palästinas. Was eigentlich der Verfasser damit will, ist nicht ganz zu verstehen. Wie aus dem kürzlich im englischen Parlament veröffentlichten Weißbuch zu ersehen ist, steht hinter Novomejsky und Tulloch eine Finanzgruppe, welche vier bekannte englische Häuser aufzählt: es sind die Tennats, das älteste englische chemische Haus, 1797 gegründet, dann die bekannte Eisenbahn- und Hafenbau- Firma Pauling & Co., welche sich ausschließlich mit Transport beschäftigt, ferner der in der City bekannte Leslie Urquhart, der Vorsitzende der Russo-Asiatic Consolidated, und die Firma Basll Montgomerv, Mitglied der Londoner Stock Exchange, die doch sicher den englischen Geldmarkt kennt. Warum Herr Marcus es unter diesen Verhältnissen für richtig hält, die jüdische Oeffentlichkeit vor einer bevorstehenden Gefahr und vor einer Unter* grabung des Prestiges der jüdischen Kolonisation Palästinas zu warnen, das wird ein außenstehender Leser der ״Jüdischen Rundschau“ wohl kaum zu begreifen vermögen. Ist es vielleicht deshalb, weil Novomejsky, welcher die naiven, in weltwirtschaftlichen Fragen unerfahrenen Engländer, denen sich auch der Jewish Colonial Trust und die Amerikanischc Palestine Corporation angeschlossen haben, in dasAbenteuer hineingeschleppt hat, — zufällig Jude und Zionist ist? Oie IS. Sitzang der Mandatskommission G e n f, 30. Juni- (J. T. A. Der Bericht der britischen Re* gierung als des Palästina-Mandatars über die Verwaltung P»• lästinas im Jahre 1928 wird am 5. und 6. Juli vor der ständigen Mandatskommission des Völkerbundes zur Verhandlung getan• gen. öberkommissar Chancellor wird als der Vertrete» der Mandatar-Regierung diesen Sitzungen beiwohnen. Die Zio* nistische Organisation als Jewish Agency hat ebenfalls einen Bericht über das Aufbauwerk im Jahre 1928 nebst einem Begeitsclireiben von Dr. Weizmann überreicht. Es werden ferne» Petitionen der Zentrale der Agudas Jisroel und des Jerusalemer ״Waad Hair Haaschkenasi“ bezüglich der Verordnung über Kenesseth Israel zur Verhandlung gelangen. Oie Frage des Legislative Coaaeil J e r u s a l c m , 28. Juni. (J. T. A.) Die in Jaffa erscheinende sonst gut informierte Zeitung ״El Akdam“ teilt mit, die Regierung habe beschlossen, in Palästina einen Legislative Council (Gesetzgebende Körperschaft) ähnlich dem ln Irak und Transjordanien zu schaffen. Der Council soll aus 40 Depürierten bestehen, von denen zehn durch die Regierung ernannt und dreißig durch Wahlmänner, die aus Urwahlen her. Vorgehen, gewählt werden sollen. Die Zeitung behauptet weiter, daß die Regierung sich auch schon mit der Vorbereitung eines Wahlgesetzes für den Legislative Council befaßt. Wie der Jüdi sehen Telegraphen-Agentur von autoritativer Seite mitgeteill wird, wurde bisher weder in London noch in J eru• salem irgendein Beschluß darüber gefaßt. Ein Zionistischer Bücher-Bund. Der Jüdische Verlag in Berlin versendet soeben den Prospekt und die Statuten einer im Einvernehmen mit der Zionistischen Exekutive in London gegründeten Büchergemeinschaft, die den Namen ״Zionistischer Bücher-Bund (Z. B. B.) führt. Durch diese Vereinigung soll die Möglichkeit der Publikation zionistischer Werke in deutscher Sprache zu billigen Preisen gegeben werden, so daß allmählich eine klassische zionistische Bibliothek für deutsch lesende 111den entstehen soll. Unter den ersten Bänden, die der ״Zionistische Bücher-Bund“ seinen Mitgliedern in Aussicht stellt, befindet sich eine Auswahl aus den Schriften A. D. Gordons, das berühmte, bisher nur in russischer Sprache zugängliche Standardwerk des Nationaljudentums von Simon Dubnow (״Briefe über das alte und das neue Judentum“), die Geschichte der jüdischen Legion von Wladimir Jabotinsky, eine Auswahl aus den Briefen Achad Haams, die bisher nur hebräisch erschienen sind, ferner Bücher von Theodor Lessing, S. Weißenberg u. a. Vor allem sollen Monographien zur zionistischen Geschichte und jüdischen Gegenwartskunde erscheinen, sowie Uebersetzur.gcn wichtiger zionistischer Werke, die bisher in deutscher Sprache nicht zugänglieh sind. Der Mitgliedsbeitrag von 18 M. jährlich berechtigt zum Bezug von vier Bänden im Jahre, außerdem werden den Mitgliedern eine Reihe anderer Vorteile geboten und bei Erreichung eines bestimmten Mitgliedstandes ist auch die Herausgäbe einer Zeitschrift in Aussicht genommen. Anmeldungen sind zu richten: An die Geschäftsstelle des Z. B. B. (Jüdischer Verlag), Berlin W 50, Budapcster Sri11 .־, wo auch alle Auskünfte erteilt werden. Die Verwaltung der Staatsoper hat such für da. Jahr 102g/3o einen Vertrag mit Iso Golland (Bariton! geschlossen. Während der Sommerferien folgt Ieo Gotland einer Aufforderung der ״Baltischem Konzerldireklion" nach Riga und Kowno. Darauf begibt sich der Sänger zu einer Reihe von Konzerten nach P al ä 81 i n a und Aegypten. Schaljapin in Palästina. Der Direktor der reorganisierten Palestine Opera Company Qolinkin hat, wie die J. T. A. erfährt, den berühmten Sänger Schaljapin eingeladen, im kommenden Herbst die Titelrolle in der Oper ״Boris Godunov“ zu singen. Schaljapin hat die Einladung angenommen und hat, damit ihm der Besuch Palästinas ermöglicht wird, gleichzeitig ein Gast-Engagement in Aegypten angenommen.