Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 51 (2.7.1929)
- Date
- 1929-07-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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JtatrtZC&WJfWI€TQ**5 \iQlGffU3fltK JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jeden Dienstag u. Freitag. Bezugspreis bei d«7Expeditio1f monatlich 2»— Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldmark. Aual»jxds* *bo*mcmeatt werdet! in der WSlirung der einreltien Lander berechnet. Anzeigenpreia: 8 g«9*p, Nonpereillereile ©.50 G.-M. Stellengesuch« 0.25 G.*M. Nummer 51 | Berlin, 2. VII. 1929 Redaktion Verlag und Anzeigen-Verwaltung; Jüdische Rundschau G. tn.'b.H., BerlinW15, Meinekestr.IO Telephon: J1 Bismarck 7165-70. Anzeigenschluß: Dienstag «1 nd Freitag nscHmittsgs 4 Uht Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. Postscheck-Kenten: Berlin 173 92, Basel V 9355, Belgrad 680 32 Brüssel 39433, Budapest 59693, Danzig 1973, Haag 140 470, Prag 59410 Sfirassbtirg 164 30, Warschau 190*708. Wen 156 030. Bank-Konten: Parmetidter und Nationalbank, Depositen• Kasse Berlin, Kurfürstendamm 52; Baoca de Est, Cernaud (Rumänien); Angio Palestine Co. in Haifa, Jerusalem, Tal -Aviv. כ״ד סיו4 תרס״ט I xxxiv. Jahrg. Per Zlonlsmua erstrebt für da« Ifldlicha Volk die Schaffung elnar flftentllch-rechtlich gesicherten Halmatatte In Palflatlna, ״Baseler Programm.«« Berliner Jüdische Gemeinde and Jewish Agency Die Repräsentantenvcrsammlung bestätigt die Vertretung des Vorstandes im deutschen Agency-Komltee. — Opposition der Liberalen. Die Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde Berlin nahm in ihrer Sitzung am 26. Juni die Beratung über die Mitteilung des Gcmcindevorstandes, daß dieser zwei Vertreter in das deutsche Initiativ-Komitee für die Jewish Agency entsandt hat, wieder auf. Die Vertreter des Gemeindevorstandes im Agency-Komitee sind Herr Kommerzienrat Qersort Simon und Dr. Ismar F re und. Dr. Fleischer (liberal) eröffnet die Aussprache: Die Jewish Agency ist festgelegt auf ein politisches Programm: Errichtung des Jewish National Home gemäß Balfour-Deklaration und Völkerhundsmandat. Wer in die Agency eintritt, ■ muß, will er ehrlich sein, an der Verwirklichung dieses Zieles mitarbeiten. Die Liberalen aber gehen an die Palästina-Aufbaufrage heran unter religiösen und rein siedlungspolitischen Gesichtspunkten. Sic wären zur Mitarbeit bereit, falls dieses Prinzip anerkannt und die Wahrung ihrer Grundsätze ihnen garantiert sein würden. Das aber hat der Zionismus abgelehnt. Der Redner glaubt nicht, daß von Palästina eine religiöse, nationale oder kulturelle Renaissance ausgehen könnte. Die Idee des Judentums ist eine religiöse; diese Idee zu pflegen, sehen auch die Liberalen als ihre Aufgabe an. Dr. Fleischer tarnt vor den Gefahren, die aus dem Schritt des Vorstandes er Einheit der Gemeinde drohen. Prof. Heinrich Loewe (Jiid. Volkspartei): Führende Liberale beteiligen sich an der Agency: Baeck, Justizrat Blau, Rahb. Baerwaid, Oberlandesgerichtsrat Neumever, sowie Gemeinden wie Köln, Frankfurt und München, die Hochburgen des Liberalismus sind. Der jüdische Nationalismus gründet sich nicht auf Kanonen, sondern auf die Kultur der Bibel. Was vor 40 Jahren ein Traum war — die Herrschaft der hebräischen Sprache im Lande der Väter — ist heute zur Tat geworden. Der jüdische Name in der Welt kommt zu Ehren durch die beispiellose Leistung materieller und kultureller Natur in Palästina. _ Auch der nichtnationale Jude muß dort mitarbeiten, wie er ja auch ein nationales Aufbauwerk selbst fremder Völker unterstützt, und damit beitragen zu dem Kiddusch Laschem des Aufbauwerkes, das der ganzen Welt und Menschheit dient. M. A.' Loeb (konservativ): Der nichtzionistische Jude mag ruhig in der Agencv mitarbeiten, durch deren Gründung der Zionismus ,alte Ideologien aufgegeben hat. Nun ist die Bahr ־ tret-fnT ־;die ״eetangpnBT aes Itretrt nattemar ־ -gennuHreneir jüdisch-religiösen Aufbau-Gedankens. Nach Bemerkungen von Prof. Türk und Loewe über die Entwickj •״g der zionistischen Ideologie begründet Landgerichtsrat tM! uL i 1 i e n t h a 1 die ablehnende Haltung der liberalen itUnderheit im Gemeindevorstand: Wir lehnen nicht eine Zusammenarbeit für Palästina ab. Palästina׳ hedeutet auch uns viel für Vergangenheit. Gegenwart und Zukunft des Judentums. Entscheidend ist aber die konkrete Zweckbestimmung der Agency: National Home. National ist auch für uns nur Vorstufe zu International. Für uns ist dann aber der Standort das deutsche Nationale. Palästina ist heute für viele Juden der Halt in ihrer jüdischen Unsicherheit. Befriedigt cJLse einmal die eng - palästinazentrische Stellung des Zionismus nicht mehr, hat sich der Zionismus, der geboren ist aus Ressentiment und Romantik, totgelaufen, dann werden wir für diese Enttäuschten das Aufnalimebecken bilden, dem Judentum in den ihm dann drohenden Gefahren des Verfalls und Abfalls den Rückhalt bieten. So wird uns die jüdische Geschichte einst Dank wissen für unsere unpopuläre Entscheidung. Der Vorsitzende des Vorstandes K a r e s k i appelliert nochmals an den Liberalismus, der historischen Bedeutung der Stunde gerecht zu werden und in der Agencv an dem zukunffsträchtigen jüdischen Aufbauwerke mitzuarbeiten. Der Antrag der Liberalen, der dahin geht, die Versammhing halte die Beteiligung an der Agencv nicht für erwünscht und ersucht den Vorstand, seine Delegierten im Initiativkomitee wieder abzuberufen, wird mit 11 Stimmen (Volkspartei, Mittelpartei, Konservative und Poale Zionist) gegen 0 Stimmen (Liberale) a b g e 1 e h n 1 Dieser Beratung ging die Verabschiedung des Etats für 1929 voraus. Die Positionen ,,Kleiderkammer" und ״Arbeitstiachweis“ wurden um 25 000 hzw. 5001) RM. erhöht. Ein Antrag der Volkspartei auf Unterstützung der Tarbuth- Schulen in Litauen und des Repräsentanten Hornstein auf Unterstützung der Beth Jakob-Schulen wurden abgelehnt. Angenommen wurde ein Antrag auf Errichtung eines Büros zur Bekämpfung der Indifferenz und Propagierung der Gemeindearbeit, ebenso ein Antrag auf Gründung eines jüdischen Tuberkulosenheims und eines Nervenkrankenheims bei Berlin. Der Chewra Kadischa wurde eine Subvention von 4000 RM. bewilligt. — Der Vorsitzende entläßt die Versammlung mit den besten Wünschen in die Sommerferien. 11t aller Kürze Auf dem Iahresdiner der England-Loge Bnei-Brith in London hielt der Minister Emanuel Shinwell eine Anspräche, in welcher er unter anderem sagte, er könne bezüglieh der Haltung der gegenwärtigen Regierung zur jüdischen Palästina-Sache die beruhigendsten Versicherungen abgeben. * Bei einer Sondertagung der English Zionist Federation wurde eine Resolution angenommen, die die Initiative des Board of Deputies zur Wahl englischer nichtzionistischer Vertreter für die Jewish Agencv begrüßt wird. Prof. Brodetzki setzte in einem Referate die Anschauungen der Exekutive auseinander. # In Detroit fand am 31. Juni die Convention der amerikanischen Zionisten unter Teilnahme von Sokolow statt. Weizmanns Kongreftprogramm Der XVI. Kongreß Eine Kundgebung Von Dr. Weizmann. Zionisten, Gesinnungsgenossen! Am Sonntag, dem 28. Juli, wird der XVI. Zionisten-Kongreß in Zürich zusammentreten, — am 20. Tammus, dem 25. Todestag des Schöpfers der Zionistischen Organisation, , Theodor Herzl. Per Kongreß wird Fragen zu entscheiden haben, die von größter Tragweite für Erez-Israel und das Jüdische Nationale Heim sind. Ich appelliere an alle Gesinnungsgenossen, die ernsten Probleme, die jetzt vor uns stehen, nicht nur mit größter Sorgfalt zu prüfen, sondern auch mit dem Geiste treuer Ergebenheit für die Ziele der zionistischen Bewegung an sie heranzugehen. Als Präsident der Zionistischen Organisation halte ich es für richtig, am Vorabend des Kongresses meine Anschauungen über die aktuellen Hauptfragen des Zionismus mitzuteilen. Ich lege Ihnen also eine Zusammenfassung der Schlußfolgerungen vor, zu denen ich nach gründlicher Ueberlegung gekommen bin; zugleich will ich die Politik, die nach meiner Meinung der Kongreß befolgen sollte, kurz umreißen. Die Lage in Palästina. Als der XV. Zionisten-Kongreß in Basel 1927 zusammentrat, machte Palästina eine schwere ökonomische Depression durch. Ihre Folgen lasteten mit besonderer Schwere aut den jüdischen Arbeitern, deren entschlossene Ausdauer und Tapferkeit in dieser widrigen Lage allgemein Bewunderung erregte. Das beträchtliche Sinken der Nachfrage nach Arbeitskräften in Palästina bürdete der Exekutive große finanzielle Verpflichtungen auf; da außerdem die Einnahmen der zionistischen Fonds zurückgingen, waren wir gezwungen, mit unseren Mitteln hauszuhalten und uns mit einer Politik der Konsolidierung des Be• stehenden zu begnügen. Kolonisation, Immigration, konstruktive Arbeit jeder Art mußten vorübergehend auf ein Minimum reduziert werden, um den dringendsten Anforderungen der Situation gerecht zu werden. .-':־׳* dieses Jahr zusammentreten. -Wir habe'n d» Stürme überstanden. Die Zionistische Organisation w#r adf eine harte Probe gestellt worden, aber sie ist stärker und' zuversichtlicher als zuvor daraus h'ervorgcgangcn. Die finanzielle Lage der Palästina-Exekutive hat sich wesentlich gebessert und nach den vorliegenden Schätzungen wird die Schuld der Palästina-Exekutive und des Keren Häjessod zusammen in der Zeit der Amtsführung dieser Exekutive, also von Oktober 1027 bis September 1929, sich um annähernd £ 150 000 verringert haben. In Landwirtschaft und Industrie ist eine deutliche Ausdehnung der jüdischen Tätigkeit in Palästina zu merken. Die Arbeitslosigkeit wurde auf ein völlig bedeutungsloses Maß eingeschränkt. Die Tatsache, daß die Regierung für zwei auteinandcrfolgendc Halbjahre zuerst 600 und dann 2400 Einwanderer-Zertifikate für Einwanderer der Arbeiter-Kategorie bewilligt hat, ist an und für sich bereits ein Beweis, daß das Blatt sich gewendet hat und eine neue Epoche des Vorwärtsschreitens anbricht. Eine zuversichtliche und hoflnungsvolle Stimmung herrscht in Palästina, die Ucberzeugung, dal ein beständiger und sogar schneller Fortschritt jetzt möglich ist. Wieder einmal ist das Neue Palästina im Anmarsch. Die Jewish Agency für Palästina. Unter diesen ermutigenden Umständen erreichen wir jetzt das letzte Stadium der Verhandlungen, die zur Erweiterung der Jewish Agency führen sollen. Die wirtschaftlichen Möglichkeiten Palästinas und seine Zukunft als jüdisches Kolonisationsgebiet stehen heute über jeden Zweifel fest. Das Jüdische Nationalheim ist kein Traum mehr. Es ist im Aulbau, und es wird auf unerschütterlichen Grundlagen erbaut. Nun ist die Zeit gekommen für eine vereinigte jüdische Anstrengung, um die einzigartige Möglichkeit, die uns geboten ist, voll auszunützen. In der ganzen jüdischen Welt — in den Vereinigten Staaten, in Großbritannien, in Deutschland und in vielen anderen Ländern — beginnen eine große Zahl von Juden, die bisher nicht aktiv mit der zionistischen Bewegung verbunden waren, auf den Ruf Palästinas zu hören, unter der Führung und unter dem Einfluß von Männern, deren staatsmännischer Weitblick und tiefgehendes Verständnis an dieser Stelle rühmende Hervorhebung verdient. Manche fragen, ob die Zusammenarbeit, die jeder wünscht, nicht durch andere Mittel als die Erweiterung der Jewish Agency erreicht werden kann; aber eine Zusammenarbeit, die sich wahrhaft auswirken soll, muß die Formen echter Partnerschaft haben, bei der beide Teile eine gemeinsame Verantwortung für die Erreichung des gemeinsamen Zieles tragen. Halbheiten können für Palästina und das Jüdische Nationalheim nicht das bewirken, was durch die rückhaltlose Vereinigung jüdischer aufbauender Kräfte erreicht wird, deren Symbol und Instrument die erweiterte Jewish Agency ist. Die Konstitution der Jewish Agency. Die vorgeschlagene Konstitution der erweiterten Jewish Agency wird dem Kongreß zur Bestätigung vorgelegt werden. Sie verkörpert die Ergebnisse eines lange dauernden Meinungsaustausches zwischen der Zionistischen Organisation und denjenigen nichtzionistischen Gruppen, welche bisher ihren Wunsch, in die Agency einzutreten, zum Ausdruck gebracht haben. Die Verhandlungen waren langwierig und mühevoll, aber sie wurden im Geiste der Aufrichtigkeit und des Entgegenkommens geführt und deren Ergebnis ist, eine Vereinbarung, welche, wie wir hoffen, sich dem Kongreß als vernünftige und annehmbare Lösung der verschiedenen darin enthaltenen Probleme darbieten wird. Unfer den Hauptpunkten der Vereinbarung sind folgende hervorzuheben: 1. der Zweck, der der Vereinbarung zugrunde liegt, ist die ■ Förderung der Errichtung des Jüdisch-nationalen Heims in Pa- I lästina in Uebereinstimmtuig mit den Bestimmungen der Baifour-Deklaration und des Mandates, wobei die im Mandat ausgesprochene Anerkennung der historischen Verbundenheit des jüdischen Volkes mit Palästina erwähnt wird, 2. Die Agency hat die Funktionen der Jewish Agency, wie sie im Artikel 4 des Mandates definiert sind, zu erfüllen, und sie hat alle Anstrengungen zu machen, um die folgenden Ziele, die als grundlegend anerkannt werden, zu verwirklichen: a) die Ermutigung und, Förderung der jüdischen Einwanderung, wobei die Ansprüche der Arbeiter ebenso zu berücksichtigen sind, wie die vön Personen mit eigenen Mitteln; b) die Förderung der hebräischen Sprache und jüdischen Kultur; c) die Erwerbung von Boden als Natronaleigentum des jüdi- * sehen Volkes; d) die Verwendung jüdischer Arbeit bei allen unter den Auspizien der Agencv durch geführten Unternehmungen, und das Betreiben einer auf jüdischer Arbeit beruhenden landwirtschaftlichen Kolonisation, wobei, solange die Erfordernisse der Wirtschaftlichkeit erfüllt werden, die Siedler Freiheit der Entscheidung bezüglich der sozialen Form der Siedlung haben sollen. 3. ln den leitenden Körperschaften der Agency verfügt die Zionistische Organisation über. 50 «0 der Sitze. Der Präsident der Zionistischen Organisation wird Präsident der Agency sein, außer wenn ein ausdrücklicher gegenteiliger Beschluß mit einer %-Mehrheit vom Agency-Coimcil gefaßt wird, dessen eine Hälfte aus Vertretern der Zionistischen Organisation besteht. 4. Die Einnahmen des Keren Häjessod werden zur Verfügung der Agency gestellt werden. Der Keren Häjessod wird seine gegenwärtige Rechtsform beibehalten, aber seine Direktoren werden auf Grund des Vorschlages des Agency- Council ernannt werden. Der Keren Kajemeth wird weiter seine Sonderexistenz führen und seine Beziehungen zur Zionistischen Organisation bleiben unverändert. Die Vereinbarung legt den Grundsatz fest, daß Böden, die mit Geldern der Agency ׳er*, worben werden, als unvfr|uBt|rtl?b® •׳itenÄM׳־ Volkes getroffen WfWKjtt... maß dem Mandat wieder eingeSefzIwiba, fal ,._ Umstände jemals die• Auflösung der erweiterten .Äjiricy'lBÄIführen sollten. Dieser unwahrscheinliche Fall wird hoffentlich! niemals cintreten, aber unsere nichtzionistischen Partner sehen ein, daß auch für eine solche Möglichkeit Vorsorge getroffen sein muß. Aus der vorstehenden kurzen Zusammenfassung einiger der wichtigsten Punkte der Vereinbarung ist zu ersehen, dab alle Anstrengungen gemacht wurden, eine Konstitution zu entwerfen, welche allen Beteiligten gegenüber gerecht ist und welche gleichzeitig die Resolutionen des Baseler und Wiener Kongresses sowie des Aktions-Comites voll berücksichtigt. Ein genaues Studium der Vereinbarung wird zeigen, daß tfle vom Kongreß und Aktions-Comite gestellten Bedingungen von der Exekutive bei ihren langen Verhandlungen bis zu deren befriedigendem Abschluß genau beachtet worden sind. Niemand soll glauben, daß die Erweiterung der Agency eine Beeinträchtigung der Stärke der Zionistischen Organisation oder der Verantwortlichkeit des Kongresses bedeutet. Die Rolle, welche die Zionistische Organisation innerhalb der erweiterten Agency zu spielen berufen ist, darf nicht nur nach der — immerhin wichtigen —■ Tatsache ermessen werden, daß die Hälfte der Mitglieder der leitenden Körperschaften aus ihren direkten Vertretern bestehen wird. Dies wäre eine zu mechanische Auffassung der Agency. Wichtig ist nicht so sehr das zahlenmäßige Gleichgewicht als die Tatsache, daß nach der ganzen Natur der Dinge der Zionistischen Organisation auf Grund ihrer Tradition und Erfah* rung. der Begeisterung und Ueberzeugungstreue. welche sie in die Gemeinschaft einbringt, die Rolle zufällt, die Triebkraft und Schrittmacherin der Entwicklung zu sein. Das ist es auch, was die nichtzionistischen Partner von uns verlangen. Die Zionistische Organisation, und besonders ihr oberstes Organ, der Kongreß, wird also eine Rolle von größter Bedeutung zu spielen haben. Eilt Programm auf lange Sicht. Indem wir also die rückhaltlose Zusammenarbeit beim Aulbau mit Menschen, di« bisher keinen aktiven Anteil an unserer Arbeit genommen haben, auf das wärmste begrüßen, müssen wir jetzt genau überlegen, wie die vergrößerten Kräfte an Menschen und Geld, die wir erwarten können, am vorteilhaftesten zugunsten Palästinas und des Jüdischen Nationalheims ausgenützt werden können. Wir können annehmen, daß wir in Kürze erheblieh weiter kommen, und wir müssen daher die Frage prüfen, in welcher Richtung wir vorwärtsgehen werden. Die Zeit ist gekommen, wo wir auf Grund der erworbenen Erfahrung und gestützt auf den sachverständigen Rat, der uns als Ergebnis der Arbeit der Joint Palestine Survcy Commission zur Verfiigung steht, ein Programm autbauender Arbeit aufiangeSi cht vorbereiten müßten, dessen Verwirklichung einen deutlich erkennbaren Fortschritt auf dem Weg zu unserem Ziel bedeuten würde. Ein systematischer Arbeitsplan, beruhend auf der Zusammenarbeit von Zionisten und Nichtzionisten, von Arbeit und Kapital, von Jischmv und Galuth, von Jewish Agency und Mandatarmacht, — das ist es, was der Kongreß im gegenwärtigen Stadium erneuter Hoffnungen in Palästina und in der jüdischen Welt ins Auge fassen muß. Drei wesentliche Aufgaben. In einem derartigen Programm müssen drei Aufgaben einen hervorragenden Platz einnehmen, welche unmittelbare Aufmerk־ samkeit beanspruchen und während der nächsten Jahre ettergisch in Angriff genommen werden müssen: a) Die erste Aufgabe ist die Schaffung einer Bodenreserve, die groß genug ist, um eine systematische und ungestörte Fort- Setzung unserer Kolonisatioristätigkeit zu sichern. Es wird die Pflicht der Agency, sein, alles in ihrer Macht Stehende zu tun,