Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 44 (7.6.1929)
- Date
- 1929-06-07
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 44, 7. VI. 1929 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite m DieWeltkonferenz jüdischer Frauen Als Auftakt zum Weltkongreß der jüdischen Frauen, der vom 4. bis 6. Juni in Hamburg stattfindet, fand am Montag, dem 3, Juni, abends, im Uhlenhorster Fährhaus ein vom Hamburger Israelitischen Humanitären Frauenverein veran* stalteter großer Empfang statt. Nach verschiedenen Begrüßungsreden ergriff die Kongreßpräsidentin Frau Rebekkah Kon u t (Amerikat das Wort. Es wurde ihr eine minutenlange stürmische Ovation bereitet. Frau Kohut umriß aie Ziele des Kongresses und des zu schaffenden Weltverbandes. Es folgten Begrüßungen durch die Vertreterinnen der verschiedenen Länder. Die Führerin der englischen Frauendelefation überbrachte die Grüße von Lady Samuel, der Gattin es früheren Oberkommissars für Palästina Sir Herbert Sarauel, die es bedauert, an der persönlichen Teilnahme verhindert zu sein. Dem offizielien Teil folgte ein Festessen. Herr Alfred Lisser, der Vorsitzende der Repräsentantenversammlung der Deutsch-Israelitischen Gemeinde Hamburg, toastierte auf die Kongreßpräsidentin Frau Rebekkah Kohut, die Mutter der modernen jüdischen Frauenbewegung. Frau Bettina Brenner (Leipzig), die Vorsitzende des Jüdischen Frauenbundes in Deutschland, gab ihrer großen Genugtuung darüber Ausdruck, daß der Kongreß in Deutschland stattfindet. Im Namen des Bundes der deutschen Frauenvereine gab Frau Emma E n d e r ihrer Sympathie für die Arbeitsziele der jüdischen Frauen Ausdruck. Dienstag, den 4. Juni, begann im Curiohaus die e i g e n t - liehe Tagung. Zunächst kamen Begrüßungsreden, so seitens des Hamburger Senats, der Gemeinde, der Hamburger Frauenvereine, des Oberrabbinats usw. Dann begann die erste Arbeits Sitzung mit einem Referat von Miß Lizzie Hands (England! über ״Die jüdischen Heirats- und Scheidungsgesetze: Gegensätze zu dem Zivilrecht“. Sie führte aus, die Schließung von Ehen und die Durchführung von Scheidungszeremonien einzig und allein nach dem Ritual, ohne die zivilrechtlichen Einrichtungen in Anspruch zu nehmen, bedeute eine schwere Schädigung für die jüdischen Frauen, da der Staat solche Eheschließungen und -Scheidungen nicht anerkennt. Sic appellierte an die Rabbiner, die Mißstände der staatlich nicht anerkannten Eheschließung und -Scheidung überall zu beseitigen und Maßnahmen zu treffen, daß solche Zeremonien unmöglich gemacht werden. Frau Reichen stein (Polen) ergänzte das Referat von Miß Hands, indem sie es durch zahlreiche Beispiele aus dem jüdischen Leben in Polen iilustrierte. Es begann die Erörterung über Erziehungsfragen. Frau Siddy Wronsky (Deutschland) hielt ein großangelegtes Referat über ״Bevölkerungspolitische Aufgaben der jüdischen Frau“. Sie ging ausführlich auf die Fragen der Erhaltung der Familie, der Konflikte der Generationen ein und gab Richtlinien zur Lösung der Frage der jüdischen Erziehung, besonders der Berufserziehung, und zur wirtschaftlichen Kräfflgung junger jüdischer Männer und Frauen. Sie schlug Maßnahmen zur Besserung der schwierigen Lebensbedingungen der jüdischen Jugend vor. Die schwachen wirtschaftlichen Aspekte, die heute für jüdische junge Leute bestehen, haben zu einer Verminderung der Eheschließungen und zu einem Geburten• rückgang geführt, der für das Judentum von schwerwiegender Bedeutung ist Zum Schluß der Vormittagssitzung wurde ein Begrüßungstelegramm von Louis Marshall in New York verlesen. Marshall spricht die Hoffnung aus, daß die jüdischen Frauen- Bünde teilnehmen werden an der Jewisn Agency und mitarbeiten werden an dem Aufbau Palästinas durch jüdische Arbeit ■■ ,.,.'י Am Dienstag, 4. Jldf; haÄMtÄ, ein Empfang statt, den der Senat der Freien Stadt Hamburg den Delegierten der Weltkonferenz gab. Der erste Bürgermeister von Hamburg, Dr. Petersen, begrüßte die Gäste und betonte, daß die Probleme, denen die Tagung der jüdi־ sehen Frauenbünde gilt, für alle Völker und alle Menschen bedeutend seien. Es erwachse den Frauen die Aufgabe, der neuen Jugend den Weg in die Zukunft zu bahnen. Die Präsidentin des Kongresses, Frau Rebekkah Kohut, dankte Dr. Petersen für seine freundlichen Worte. In der Naehmrttagssitzung vom 4. Juni berichtete Mrs. Basil Q. Henriques, England, über ״Settlementsarbeit, Jufendpflege und Jugendbewegung“. Sie gab ein Bild von der ettlementstätigkeit in England, der Mutter- und Kinderpflege, Schulfürsorge und Berufsberatung und führte aus, daß diese Tätigkeit auf interkonfessionellem Boden geführt werde. Die Klubarbeit hingegen beruhe auf religiöser Basis. In der an das Referat sich anschließenden Diskussion wurde von mehreren Rednerinnen die Notwendigkeit der interkonfessionellen Zusammenarbeit auf dem Boden der sozialen Arbeit betont. Auf dem Gebiete der Erziehung aber müsse jüdische Arbeit getan werden. Frau Ethel Baraczs (Ungarn) sprach über ״Berufsberatung und Berufsschichtung“. Ein Frledensbnnd der Konfessionen Eine Arbeitsgemeinschaft der Konfessionen für den Frieden ist soeben für Deutschland gegründet worden. Von evangelischer Seite gehört ihr die Deutsche Vereinigung des Weltbundes für Freundschaftsarbeit der Kirchen, von katholischer Seite der Friedensbund deutscher Katholiken, von jüdischer Seite der ״J ü d i s c h e F r i e d e n s b u n d“ an. ln einem Aufruf wird betont, daß alle materiellen Sicherungen ohne Mit- Wirkung ideeller Faktoren unwirksam bleiben müßten. Bei voller Anerkennung der Pflicht zur Wahrung der nationalen Eigenart der einzelnen Völker seien die Bekenntnisse sich ihrer Friedensaufgabe längst bewußt geworden. Der Aufruf hebt hervor, daß der dauernde Friede auf Grund sittlicher Forderungen angestrebt werde, ״nicht als Verewigung alles Geschehenen, als ein Freibrief für alles künftige Unrecht, sondern als Verpflichtung zur Gerechtigkeit und zum gegenseitigen Vertrauen, als Ausdruck der Freundschaft und Bruderschaft der Völker“. Der Aufruf ist unterzeichnet von evangelischer Seite von Professor Sigmund Schulfze, Direktor Dr. von Strauß, Berlin, Prof. Dr. Heyde, Kiel; von katholischer Seite von Prinz Max zu Sachsen und Stadtbaurat Dr. Adler, ferner von jüdischerSeite von dem Vorsitzenden des Deutschen Rabbinerverbandes Dr. B a e c k, Prof. Einstein und Oskar Wassermann. An der Spitze des ״Weltbundes“ stehen der Erzbischof von Canterbury, Erzbischof Ssoederblom von Upsala, In Deutschland Reichsgerichtepräsident a. D. Dr. Simons, Konsistorialrat Dr. Schreiber, Dr. theol. h. c. Spiecker und viele führende Theologen. Die Sowjetregiernng verweigert Paüstiua-Pässe Moskau, 30. Mai. (J.T. A.) Die Sowjetregierung hat die Bitte der Mitglieder der Chaluz-Kolotiie ״MiSditnar“ auf der Krim, ihnen Pässe für die Reise nach Palästina auszufolgen, abgewiesen und die Kolonisten aufgefordert, die lahdwirtschattiiehe Arbeit auf dem Boden der Kolonie fort zusetzen. Die Mischmar-Chaluzim hatten, nachdem gegen ihren Willen nichtchaluzische Elemente ihnen als Mitglieder des Kollektivs aufgezwungen wurden, beschlossen, die Kolonie zu Jiquidieren und nach Palästina zu gehen. Zehs Jahre Akademie Am Sonntag, dem 2. Juni, fand im Logenhaus zu Berlin die stark .besuchte 10. Jahresversammlung der Akademie für die Wissenschaft de• Judentums statt. An Stelle des unpäßlichen ersten Vorsitzenden Herrn Aron Hirsch eröffnete der zweite Vorsitzende Herr Oskar Wassermann die Versammlung. Er begrüßte die Erschienenen, insbesonere die auswärtigen Mitglieder, die Vertreter der Orjanisationen und der allgemeinen und jüdischen Presse. Nach curzen Worten des Gedenkens für den im Berichtsjahre heimgegangenen Gründer der Akademie Dr. Gustav Bradt machte er Mitteilung von der Zuwahl des Herrn Professor Dr. Carl Lewin zum ersten Schriftführer des Verwaltungsvorstandes. Hierauf erstattete Herr Professor Dr.Julius Öuttmann den Bericht des Forschungs-Instituts. Der Akademie, führt er aus, wurde das Ziel gesetzt, die jüdische Wissenschaft und zugleich den jüdischen Gelehrtenstand zu verjüngen. Bis dahin waren die Träger dieser Wissenschaft fast ausschließlich die Rabbiner und Lehrer, jetzt wurden Kräfte aus allen Fakultäten in ihren Dienst gestellt. Mittelpunkt für sie wurde das Forschungsinstitut, das in den ersten Jahren vier, im letzten über zwanzig Mitarbeiter zählte. Daß sie sich in diesem kurzen Zeitraum wissenschaftliche Geltung erwarben, beweisen die zahlreichen Berufungen junger Akademie-Gelehrter an wissenschaftliche Institute in der ganzen Welt. Namens des Verwaltungsvorstandes erstattete der Generalsekretär Dr. Israel Auerbach den Rechenschaftsbericht. — Die Ausgaben mit 124 000 M. überstiegen weit die des Vorjahres, ebenso aber auch die Einnahmen, so daß ein früheres Defizit und der neue Bedarf gedeckt werden konnten, indes konnte das Grundvermögen keine Vermehrung erfahren. Als neuer Bestandteil desselben ist ein Brad t-Fonds gegründet worden. Die Publikationen des Jahres waren Bacrs ״Die Juden im christlichen Spanien“, Tykocinskis ״Gaonäische Verordnungen“, die abschließenden Lieferungen von Albecks Edition ״Midrasch Berschit Rabba“, der erste Halbband der Wilenskischcn Edition des ״Sefer 11a Rikma“ und in der Hermann Cohen-Stiftung ״Cohens Schriften zur Philo- Sophie und Zeitgeschichte“ nebst Gordins ״Zur Theorie des unendlichen Urteils“. Die großen Aufgaben des neuen Jahres sind bezeichnet mit Selma Stern-Tüublers ״Jud Süss“, dem gro- Ben statistischen Werke Silbergleits ״Ueber die Bevölkerungs- und Berufsverhältnisse der Juden in Deutschland“ und mit der Mendelssohn-Jubiläumsausgabe (letztere in Gemeinschaft mit der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums), deren erste drei Bände von im ganzen sechzehn am Mendelssohn-Jubiläumstage, dem 6. September 1929, erscheinen. Dem Verwaltungsvorstandc wurde nach dem Bericht der Revisoren einstimmig Entlastung erteilt, der Etat für 1929 mit Einnahmen und Ausgaben im Betrage von 160000 Mark genehmigt und in den Ausschuß die Herren Dr. Fritz Mannneimer (Amsterdam), Rabbiner Dr. Baerwald (München), Rabbiner Dr. Freudenthal (Nürnberg), Kommerzienrat Dr. Albert Moos und Kommerzienrat Max Wölf (Stuttgart) und Dr. James Loeb (Murnau) hinzugewähif. Den Teilnehmern der Jahresversammlung der Akademie wurde als Festgabe eine Druckschrift mit Beiträgen von Mitfliedern des wissenschaftlichen Vorstandes überreicht. Prof, ulius Guttmann schreibt über ״Die Akademie für die Wissenschaft des Judentums, zu ihrem zehnjährigen Bestehen“ Dr. Leo Baeck über ״Gustav Bradt“, Prof. Ernst Cassirer über ״Die Idee der Religion bei Lessing und Mendelssohn“. Es folgt ״Ein ungedruckter Vortrag Hermann Cohens“ über ״Spinozas Verhältnis zum Judentum“, eingeleitet von Dr. Franz Rosenzweig, Prof. Elbogen gibt eine Abhandlung ״Zum Pro* blem der jüdischen Literaturgeschichte“, und Dr. Heinemann über ״Ursprung und׳ Weset! des Antisemitismus im Altertum“. ■ •Die ־, Veransteltfitff:'*'lcM»ß־;*::ft1r,eitfelr״ Trwertt’Wivd - rebting für Gustav Bradt' ihren Gründer. Näcft einem Harmoniumvorspiel des Herrn Janowski brachte Oberkantor Albeck einen hebräischen Psalm zu Gehör. Hierauf hielt Herr Rabbiner Dr. Leo Baeck die Gedenkrede. Nene Bücher Soeben erschien in Tel-Awiw im Verlag ״Dwir“ ein neues englisch-hebräisches Wörterbuch, redifiert von Dr. Juda Kaut mann unter Mitwirkung anderer ervorragender Gelehrter. Das Wörterbuch umfaßt 750 Seiten Lexikonformat und eine 20 Seiten lange Einleitung des Herausgebers sowie ein Vorwort von Dr. Schmarja Lewin, der aie Entstehung des Gedankens dieses Wörterbuches während seiner Tätigkeit in Amerika schildert. Das Buch, das sehr gut gedruckt und zur Verdeutlichung mancher konkreter Gegenstänae auch mit Illustrationen versehen ist, wird der Verbreitung der hebräischen Sprache in englisch sprechenden Ländern zweifellos große Dienste leisten. Int Verlag von Ernest Benn, London, erschien ein neues Buch des Professors der Hebräischen Universität Jerusalem, Leon Roth, über Spinoza. Roth, der früher Dozent an der Universität Manchester war, ist jetzt der Inhaber des nach Achad Haam benannten Lehrstuhls der Philosophie in Jerusalem. Sein Werk erschien in einer Bücherreihe des genannten Verlags, die führende Persönlichkeiten der Philosophie der Welt behandelt. Das Buch zerfällt in drei Teile: 1. Der Mann und sein Werk, 2. Spinozas Philosophie und 3. Spinozas Platz in der Geschichte. In der Sammlung Vieweg (Verlag Friedrich Vieweg 8: Sohn, Braunschweig) erschien eine Schrift des Dozenten der Philosophie an der Universität Jerusalem, Hugo Bergmann, ״Der Kampf um das Kausalgesetz in der jüngsten Physik“. Der Schrift, die eine auch die größere Öffentlichkeit der Gebildeten interessierende wissenschaftliche Streitfrage erörtert, enthält auch ein Geleitwort von Prof. Einstein, worin es heißt: יןEs ist wohlbekannt, daß die Physik unserer Tage unter dem Einfluß der Tatsachen der Atomphysik an der Durchführbarkeit einer strengen Kausalität ernsthaft zweifelt. Da ist es wohl berechtigt, wenn ein Fachphilosoph, dem man in seitenem Maße Beherrschung der philosophischen Literatur, Selbstlndigkeit des Denkens und Kenntnis der wesentlichen einschlägigen physikalischen Tatsachen und Erklärungsversuche nachrünmen darf, das Problem analysiert.“ Fiir das arbeitende Erez-Israel. Soeben erschien als Broschüre das Protokoll der Gründungskonferenz der Liga für das arbeitende Palästina in Deutschland. Neben viel Materialien enthält das Heft Referate von Martin Bub er über: Warum muß der Aufbau Palästinas ein sozialistischer sein? — Fritz Naphtali: Die Wirtschaftspolitik des sozialistischen Zionismus, Joseph Sprinzak: Begrüßungsworte im Namen der Histadruth (allgemeine jüdische Arbeiterorganisation in Palästina), Josef Baraz: Kwuzah-Probleme, — DavidRemes: Die Arbeiterwirtschaft in Palästina, — Salman Rubaschow: Der Weltkongreß für das arbeitende Palästina und die Aufgaben der Liga in Deutschland. —^ Aus der Reihe der Diskussionsredner erwähnen wir u. a.: S. Adler-Rudel, 1. N. Steinberg, Dr. Robert Weltsch, Wilfried Israel, Arnold Zweig. Das gut ausgestattete Heft ist zum Preise von 0,75 M. durch alle Zweigstellen und Vertrauensleute der Liga für das arbeitende Palästina zu beziehen, sowie durch das Sekretariat: Berlin N24, Auguststraße 17. Streiflidit auf ״Streiflichter“ In Nr. 23 der ״Jüdisch-liberalen Zeitung“ vom 5. Juni befaßt sich B. W. (Bruno Woyda) unter dem Titel ״Streif* lichter zur Berliner Gemeindepolitik“ mit einigen Beschlüssen und Maßnahmen der Berliner Gemeinde- Verwaltung in der letzten Zeit. Besonders ausfällig wird Wovda wegen der Subventionierung der hebräischen Scbulorganisation ״Tarbuth“ in Polen mit dem Betrage von 1000 M. und wegen einer Zuwendung des Landesverbandes preußischer Gemeinden in der Höhe von 2000 M. an den Deutschen Verband zur Förderung der Universität Jerusalem für die Zwecke der Universitätsbibliothek. Schließlich führt er im dritten Abschnitt seiner Streiflichter drei Fälle von Anstellung bzw. Beschäftigung von Zionisten in der Gemeinde an, aus denen angeblich der Mißbrauch der Zionisten in der Personalpolitik hervorgeht. Was die ersten zwei Vorwürfe anbeiangt, so verlohnt es sich kaum, mit Bruno Woyda zu polemisieren. Er hat während der lnflation nicht dagegen protestiert, daß man von den in Amerika lebenden russischen und polnischen Juden reichliche Unter- Stützungen für die Erhaltung der jüdischen Institutionen in Deutschland entgegennahm. Er ist still geblieben, als auch mit den Stimmen der Liberalen vor wenigen Monaten die jiddische Schulorganisation in Polen ebenfalls mit einem Betrage von 1000 M. durch die Gemeinde Berlin unterstützt wurde. Allerdings ist die jiddische Schulorganisation antizionistisch. Somit ist die Ablehnung Woydas von Subventionen an ausländische jüdische Institutionen durch die Berliner Geineindc nicht aus dem Grundsatz zu erklären, daß deutschjüdisches Geld unter allen Umständen nur für deutsch-jüdische Institutionen zu verwenden sei, sondern aus seinem kindischen Haß gegen den Zionismus und gegen die hebräische Sprachbewegung. Damit muß man sich schließlich abfinden. Trotz Woyda und seinen Gesinnungsfreunden erobert der zionistische Gedanke die besten Geister der jüdischen Gemeinschaft, die Massen des jüdischen Volkes und die Anerkennung aller wirklich fortschrittlichen Persönlichkeiten der gesitteten Menschheit. Was aber Woydas Behauptungen und Zahlenangaben betreffen, die sich auf die erfolgte Anstellung und Beschäftigung von Zionisten in der Berliner Gemeinde beziehen, so sind diese Behauptungen durchaus unsachlich, geben den wahren Tatbestand entstellt wieder und operieren mit Zahlenangaben, die absolut falsch sind. Es ist nicht wahr, daß dem angestellten zionistischen Lehrer aus Palästina (Rosenthal, Bruder des Predigers der Reformgemeindc Dr. Rosenthal) Umzugskosten in Höhe von 2500 M. vergütet wurden. Bei dem ״anderen Herrn, selbstverständlich auch Zionist, der mit etwa 12 000 M. Jahresgehalt in der Gemeinde beschäftigt wird, ohne daß jemals seine Beschäftigung von der Repräsentantenversammlung beschlossen worden i$r% handelt es sich (und das sollte Bruno Woyda genau wissen! um eine selbstverständliche Verpflichtung bei der Uebernahme einer Synagoge durch die Verwaltung der Jüdischen Gemeinde. Diese Uebernähme ist unter der Bedingung erfolgt und konnte nicht anders bewerkstelligt werden, als daß man diese Verpflichtung übernahm. Im Falle des Predigers, der mit zehn gegen zehn Stimmen angestcllt wurde, wobei der zionistische Vorsitzende dirimierte, handelt es sich um einen verdienstvollen Mann, f' ... Gemeindeverwaltung Berlin sehr gut qualifizierte Menschen, die sich in öffentlicher jüdischer Betätigung durch viele Jahre bewährt haben, nur darum ablehnen, weil sie nicht jüdischliberal sind? Keineswegs handelt es sich in allen Fällen um Bevorzugung von Menschen, trotz mangelnder Eignung, wegen ihrer zionistischen Gesinnung. Bruno Woyda wird zugeben müssen, daß der in der letzten Zeit hinzugekomtnene Nachwuchs von Beamten und Angestellten der Jüdischen Gemeinde sich ruhig neben den vielen Personen sehen lassen kann, die während der liberalen Allein-Herrschaft in den Dienst der Gemeinde eingestellt wurden, oft unter Nachsicht ihrer jüdisehen und fachlichen Qualifikation. Auf all diese Dinge soll noch bei anderer Gelegenheit eingegangen werden. Heute sei nur gesagt, daß die Vcrdächtigungen Bruno Woydas in den Tatsachen nicht die geringste Begründung finden. Sie sind das Ergebnis seines Zionmenhasses und sollen vor der Wählerschaft den Popanz eines Zionistenschrecks errichten. Die jüdische Oeffentlichkeit wird aber nach den vollbrachten Leistungen und nicht nach gehässigen Verdächtigungen ihr Urteil über die Tätigkeit der Zionisten in der Gemeinde fällen. s. n. Trauerfeier für Adolf Weißmann Unter starker Beteiligung der Berliner Musik- und Presse- Prominenz fand im Bechsteinsaal eine sehr eindrucksvolle Trauerfeier für den kürzlich in Palästina verstorbenen Berliner Musikkritiker Adolf Weidmann statt. Den musikalischen Teil der Feier, der Werke von Brahms, Verdi und Schumann enthielt, bestritten die hervorragenden Interpreten Lotte Leonhard, Hermann Schey, Franz Osborti, Michael Taube und das Havemann- Quartett. Redner von hohem Rang würdigten die Persönlichkeit Weißmanns. Sie beleuchteten in geistvoller und eindringenderWeise seine Liebe zur Jugend, zu allem Anfangenden. Werdenden; seinen weitausschauenden Blick, seine nie ermüdende, vielseitige, optimistische Geistigkeit und internationale Gesinnung und seinen temperamentvollen Haß gegen alles Akademische, Vertrocknete, Philologenhafte und gegen alle Fachsimpelei. Es sprachen Georg Bernhard und Dr. Ernst Wallenberg (für das Haus Ullstein), Dr. Emil Faktor (für den Verband der Berliner Theaterkritiker), Dr. Rudolf Kästner (für die ״Internationale Gesellschaft für neue Musik“) und Dr. Kurt Singer. Kürze, wesentliche Worte sagte Dr. Hugo Leichtentritt für das ״Komitee zur Förderung des Musikwesens in Palästina“, dessen Präsident Weißmann bekanntlich war und in dessen Rahmen er einen seiner letzten Vorfrage (über ״Neue jüdische Musik“) gehalten hat Leichtentritt sprach von der Intensität, die Weißmann in den letzten Jahren diesem jungen Gebiet entgegengebracht und aktiv durch Förderung der Musikangelegenhciten in Palästina betätigt hat. Wie es ihn zu guter Letzt gedrängt habe, alles an Ort und Stelle zu erleben und welche Anregungen er sich von dieser Palästina- Reise erhofft habe. Weißmann werde in der Geschichte der jüdischen Musik immer als einer der ersten Pioniere genannt werden. Alice Jacob-Loewenson. Der Kunstsalon Henri Brendlö, Zürich, Bahnhofstr. 57 a, teilt uns mit, daß der während der Kongreßzeit vom 20. Juli bis 20. August eine Ausstellung jüdischer Künstler durchführen will. Er ersucht diejenigen jüdischen Künstler, Maler und Bildhauer, welche beabsichtigen, sich an dieser Ausstellung zu beteiligen, sofort dem Kunstsalon davon Mitteilung zu machen und gleichzeitig anzugeben, welche Werke sie ausgcstellt wissen möchten. Der Kunstsalon Henri Brendle liegt" in nächster Nähe des Kongreßgebäudes, so daß in dieser Hinsicht mit einem zahlreichen Besuch der Kongreßgäste zu rechnen sein wird. Die zionistische Presse in andern Lindem wird um freundlichen Nachdruck dieser Mitteilung ersucht.