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Jüdische Rundschau · 1929-05-31 · Heft 42 (31.5.1929) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 42 (31.5.1929)
Date
1929-05-31
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Xinzclrmmmcr 0,2$ Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jeden Dienstag u. Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5,75 Golrlmark. Auslandsabmtnements werde» in der WUuuag de! einzelnen Linder berechne«. Anzeigenpreis: 8 geep. Nemptredlereüe OJO G.-M Stellengeaurhe 0.25 G. M. Redaktion Vorlag und Anzeigen -Verwaltung: Jüdische Rundschau G.m.b.LL, BerlinW15, Meinekestr.IO Telephon: Jl Bismarck 7165—70. AnzelgenachluS: Di e net a g und Freileg nachmittag• 4 Uhr Redaktionsschiu& Sonntag und Mittwoch nachmittag. P ° e techeck-Kon ,e n 1 Berlin 17392, Beeel V 9355, Belgrad 680 32, Bruaaet 394 33, Budapeet 596 93. Danzig 1973, Haag 140 470, Prag 59410, _ , ״ Straaabnrg 164JO, Warschau 190708, Wien 156030. Bmk.KeBtin! Darmstädter und National bank, Dep.-Kasa« Barlin, Kurturstrndaznm 52; Bane* d* Eft. Cernauti (Rumänien); Arsgle Palestine Co. in Haifa, Jerusalftm, Tel-Avtv. Nummer 42 | Berlin, 31. V. 1929 כ״א אייר׳ תרס״ט | xxxiv. jabrg. D*r Zionismus erstrebt fOr das Jüdische Volk die Schaffung einer Öffentlich - rechtlich gesicherte! A.-C.-Süzung ohne Weizmann Agency und Budget — Bodenfrage und Kolonisation — Streit um Nationalismus — Kongreß• Präludien und Wahlkampf Heute beginnt in Berlin die Sitzung des Zionistischen Aktions-Comitös, die im wesentlichen einer einzigen Frage gewidmet sein wird: der Einberufung des Councils der Jewish Agency für den kommenden August. Die Exekutive ist der Meinung, daß auf Grund der Verhandluhgen mit den jüdischen Gruppen mehrerer Länder die Situation bis zum Sommer bereits für die Konstituierung der erweiterten Agency reif sein wird, sie kann aber ohne Ermächtigung durch das A.-C. keine formellen Schritte zur Vorbereitung der Council-Tagurtgrtun. Leider kann Dr. Weizmann an der Sitzung nicht teilnehmen. Er muß sich nach seiner Rückkehr aus Palästina auf strenges ärztliches Gebot einer neuerlichen Ruhe-Kur unterziehen. So sehr die Abwesenheit Dr. Weizmanns, der die Last der Agency-Verhandlungen durch fünf Jahre fast allein getragen hat, gerade bei dieser Sitzung, die in gewissem Sinne einen Abschluß dieser Entwicklung darstellt, zu bedauern ist, so müssen doch alle Zionisten wünschen, daß Weizmann zunächst einmal unter Zurück- Stellung aller Geschäfte an die Wiederherstellung seiner Gesundheit denkt. Jeder weiß, wie schwer es ihm fällt, seinen unermüdlichen Aktivitätsdrang zu bezwingen, und wir hoffen, daß die gegenwärtige Ruhepause es ihm ermöglichen wird, am Züricher Kongreß und der folgenden Agency-Tagung wieder mit vollen Kräften teilzunehmen. Dr. Weizmann ist von seiner Palästina-Reise Hii; gekehrt,׳ und’ esJ'llt Äset־, '#eh& er während der gegenwärtigen, doch mehr vorbereitenden Arbeiten sich zurückhalt, um dann bei der Durchführung des erwarteten neuen Programms wieder tätig sein zu können. Die zionistisehe Oeffentlichkeit begleitet die Entwicklung seines Ge- Rundheitszustandes mit warmer Sympathie und herzliehen Wünschen für eine schnelle Genesung. Die Abwesenheit des Führers — auch Sokoiow, der in Amerika mitten in aufreibender Arbeit steht, konnte nicht kommen — legt dem A.-C. noch schwerere Verantwortung auf. Denn die Beschlüsse des A.-C. werden von weittragender Bedeutung sein. •Zwar hat erst der kommende Kongreß das abschließende Wort zur Frage der Agency zu sprechen, aber bei realistischer Betrachtung der Dinge muß man zugeben, daß ein Nein des Kongresses, nachdem durch das A.-C. bereits die konstituierende Versammlung der Agency, wenn auch mit Vorbehalt, einberufen ist, die ganze Bewegung und Palästina schweren Erschütterungen aussetzen, vielleicht in ein Choas stürzen müßte. Daher isi es wahrscheinlich, daß die Entscheidung des A.-C. vom Kongreß bestätigt werden muß. Das A.-C. hat also in dieser Sache die Verantwortung eines Kongresses. Es darf aber vor dieser Verantwortung nicht zurückschrecken. Denn wenn auch vielleicht ein Teil des Kongresses dem A.-C. übelnehmen wird, daß es sich so weitgehende Kompetenzen angemaßt hat, so würde zweifellos ein anderer Teil des Kongresses, unseres Erachtens die große Mehrheit, das A.-C. einer weit schwereren Pflichtverletzung zeihen, wenn es verabsäumte, rechtzeitig die Vorbereitungen zu treffen, die für die Gestaltung des ganzen nächsten Arbeitsjahres erforderlich sind. Denn wenn der Kongreß, wie anzunehmen ist — auch die Opposition nimmt dies ja an —, den Agency-PIan bestätigt, ohne daß der Council Zusammentritt, dann bedeutet dies eine weitere Ver- Schiebung für ein ganzes Jahr und die Unmöglichkeit, die Pläne für die Palästina-Arbeit des Jahres 5690 auf die Kooperation in der Agency zu basieren. * Nur noch zwei Monate trennen uns vom Züricher Kongreß, und bisher kommt die Diskussion nur recht schleppend in Fluß. Denn die für die Probleme des Kongresses wichtigsten Tatsachen liegen im Dunkel, solange nicht über die Agency-Frage Klarheit herrscht Auch aus diesem Grunde ist die A.-C.-Sitzung wichtig, denn sie wird der Oeffentlichkeit neue Anhaltspunkte geben, die Chancen des Abschlusses der Agency-Verhandlungen und damit die Möglichkeiten für das nächste Jahr zu beurteilen. Vor allem werden Fragen wie Palästina-Budget und Palästina-Exekutive von dem Kongreß verschieden behandelt werden, je nachdem ob man mit der erweiterten Agency rechnet oder nicht. Allgemein ist im Zionismus der Wunsch, daß der XVI. Kongreß ein Ende der Stagnation bedeutet und eine neue energische Aktion beginnt, die, an das bereits Erreichte anknüpfend, eine Vergrößerung, Er- Weiterung und Erneuerung der kolonisatorischen Arbeit darstellt. Man spricht von einem Budget von 750 000 Pfund oder einer Million, was eine bedeutende Steigerung gegenüber dem Vorjahre darstellt. Mit der Parole der jüdischen Einheitsfront für Palästina wird man, so erklären die zuständigen Persönlichkeiten der wichtigsten Länder, bedeutende Mittel für Palästina bekommen. Ein Budget von einer Million Pfund würde der Agency ermöglichen, Aufgaben zu erfüllen, die gerade in diesem Moment unaufschiebbar sind. Dazu gehört in erster Reihe die Sicherung von Boden für das nationale Kolonisationswerk in der am meisten begehrten Pflanzungszone. In den letzten Jahren, seitdem der Orangenbau sich als gutes Geschäft erwiesen hat, ist ein großer Teil dieser Böden in feste Hände übergegangen. Vor allem kaufen Juden und jüdische Gesellschaften, aber auch andere Interessenten erscheinen auf dem Plan, Araber, Syrer, Aegypter, und in einem gewissen Maß kündigt sich auch ein Interesse europäischen Kapitals an. Lord Melchett, der es wissen muß, hat gelegentlich seiner Eröffnungsrede bei der Londoner Palästina־Ausstellung darauf. tufmprksptii .gemackt daß.: dii lirtwiÄBg ^•äistioai^Jtitr 'ifn־,'£iltefip1rw’*ll«Ä''; geht, und wenn die Juden sich nicht anstrengen, um mitzukommen, werden andere ihn$n zuvorkommen und das Land für sich nehmen. Vielleicht um diese Gefahr sinnfällig zu demonstrieren und dadurch die schlafende jüdische Energie aufzurütteln, steht Lord Melchett selbst an der Spitze einer Gesellschaft, die den riesigen Komplex von 27000 Duttam in der Küstenebene erworben hat, wovon 8000 Dunam guter Orangenboden sein sollen. Die Gesellschaft ist zum Teil in der Londoner City finanziert worden, auch von Nichtjuden. Solche Unternehmungen sind national nicht unbedenklich; denn obwohl Melchett und seine Vertreter zweifellos das Interesse des jüdisehen Nationalheims nicht aus dem Auge verlieren werden, so kann man doch nicht wissen, wie sich die Dinge in Zukunft gestalten, sobald andere Faktoren, die vielleicht weniger sentimental veranlagt sind, in der Ge- Seilschaft maßgebend werden. Lord Melchett ist aber der richtigen Ansicht, daß derartige Unternehmungen nicht durch moralische Vorhaltungen oder papierene Resolutionen verhindert werden können, sondern einzig und allein dadurch, daß die zionistische Welt rechtzeitig durch ihre Institute die Entwicklung zu beherrsehen trachtet. Dazu sind ausreichende öffentliehe Mittel erforderlich, und zur Vermeidung von Spekulation, zur Regulierung des Bodentnarktes und planmäßiger Beeinflussung des ganzen Aufbaus bedarf die Zionistische Organisation vor allem einer geeigneten Bodenreserve. Soviel wir wissen —• die letzte A.-C.-Sitzung hat dies bestätigt — besteht zwischen Zionistischer Organisation und den präsumtiven Agency- Partnern Einigkeit darüber, daß das Instrument des Bodenkaufs der Keren K a j e m e t h ist Große Bodenkaufe des Keren Kajemeth zu ermöglichen, die dann auch die Basis des Kolonisationsprogramms sein werden, ist also eine der ersten Aufgaben der Agency. Ob dies im Rahmen des Eine-Million-Budgets oder auf andere Weise — vielleicht durch eine ad hoc geschaffene, mit Krediten ausgestattete Gesellschaft — durchzuführen ist, ist eine praktische Frage, in deren Erörterung wir hier nicht mehr eintreten können. So sehr wir aber eine zielbewußte Politik der Vergrößerung des nationalen Bodenbesitzes befürworten, so müssen wir doch vor der in manchen Kreisen bestehenden Auffassung auf der Hut sein, es komme nur darauf an, den Boden zu erwerben, ohne daß der Nationalfonds auch wirklich über die erforderlichen Mittel verfügt. Solange alle Einkünfte des N.-F. in Verpflichtungen festgelegt sind, darf man nicht riskieren, ihn durch Uebernähme neuer Lasten schweren geschäftlichen Verlegenheiten auszusetzen. Wenn die Palästina-Exekutive angesichts der Finanzlage des N.-F. in letzter Zeit gegen beabsichtigte Bodenkäufe Einspruch erhoben hat, so kann man darin nicht Gegnerschaft gegen die N.-F.- Idee sehen, sonders maßgebend war sicherlich die wohlbegründete Furcht, durch Ueberlastung den N.-F. in eine Krise zu treiben, die ein noch schwereres Uebel für unser Aufbauwerk wäre, als der momentane Verzicht auf noch so wichtige Bodenstrecken. Die nationale Bodenkaufspolitik muß großzügig auf lange Sicht festgelegt werden, indem man zuerst die erforderlichen Mittel sichert und dann erst in die geschäftlichen Transaktionen eintritt, die eine Verfügung über solche Mittel voraussetzen. * Eine andere Frage ist die des Kolonisation! גמרgramms innerhalb des neuen Budgets. Die Exekutiv hat schon in den letzten Jahren vielfach auf Rechnung der künftigen größeren Einnahmen gelebt, so daß divsc bereits belastet sind. Dies darf nicht übersehen werden. In der zionistischen Welt besteht die Neigung, mit übertriebenen Programmen der neuen Situation entgegenzutreten. Der Kongreß wird sich aber weniger von Stimmungen, als von klaren und nüchternen Ueberlegungen leiten lassen müssen. Zunächst muß man die bereits bestehenden Verpflichtungen berücksichtigen. Dazu gehören nicht nur buchstäbliche Schulden, nicht nur die aus der Liquidation der Bodengesellschaft American Zion Commonwealth notwendig gewordenen Zahlungen, sondern ׳*»uch,׳d|e> Schgridp, ׳*#:*0־.!*®totlye;ye^Biber leb pjäktjjtitäyi, SSi^dliii^en hatj ׳denen die ihnen zustehenden Investitionskredite noch nicht ausgezahlt worden sind. Die Forderung, daß keine neue Kolonisation vor Konsolidierung der alten gemacht werden soll, bedeutet im Grunde nichts anderes als die Forderung, daß die Exekutive kein Geld ausgeben soll, das ihr nicht gehört; denn solange die begonnenen Siedlungen nicht Ihr volles Budget erhalten haben, ist ihr Anspruch eine Art Hypothek auf dem Kolonisafionsbudget. Auch im künftigen Jahre, mit einem erhöhten Budget der Jewish Agency, müssen zunächst diese bestehenden Siedlungen voll ausgestattet werden, damit sie auf eigenen Füßen stehen können. Erst wenn dieser Prozeß beendet ist, werden größere Mittel für Neukolonisation vorhanden sein. In der letzten Zeit wurde vielfach die Erfahrung gemacht, daß Ansiedlungskandidaten, auch Arbeiter, ein gewisses Eigenkapital mitbringen, das sie sich entweder erarbeitet haben oder von Verwandten erhielten, und daß dann durch eine Kombination mit Kreditmöglichkeiten und mit Hilfe nationaler Institutionen ihre Ansiedlung durchgefühft werden konnte. Solche sehr wünschenswerte Fälle werden sich wohl auch in Zukunft in steigendem Maße ergeben, besonders in der Orangenzone. Aber ein eigenes großes Kolonisationssystem wird erst wieder in Kraft treten können, wenn die Konsolidierung des alten beendet ist. * Die Struktur der palästinensischen Wirtschaft ist heute komplizierter als im Anfangsstadium; neue Faktoren sind auf den Plan getreten, und während früher nur das Verhältnis des Siedlers zur Zionistischen Exekutive beachtet wurde, stehen wir heute schon einem dichteren Netz von Beziehungen gegenüber. Die anfangs aus nationalen Mitteln gegründeten Unternehmungen können, je weiter ihre Entwicklung fortschreitet, normale Kredite in Anspruch nehmen, und man hört manchmal die Meinung, daß sie bei anderen Stellen mehr Entgegenkommen finden als bei der Exekutive. Dies ist begreiflich, wenn man bedenkt, daß die Exekutive infolge ihres chronischen Geldmangels niemals in der Lage war, rechtzeitig und planmäßig die Budgets auszuzahlen. Die Berechtigten konnten nur mit großer Mühe durch fortwährende Verhandlungen zu ihrem Geld kommen, und haben nun, wenn sie mit anderen Institutionen arbeiten, das Gefühl, es gehe dort viel leichter. Dabei wird nicht immer bedacht, daß die Funktion eines Kreditgebers, der erst in einem späten Stadium der Entwicklung einem Kolonisten aushilft, eine ganz andere ist, als die des Kolonisators, der alles aus dem Nichts zu schaffen hat Diese ungerechte Einschätzung, die dem Ansehen der Exekutive nicht nützt, wäre aber unmöglich, wenn immer im Einklang mit den vorhandenen Mitteln gearbeitet worden wäre. Noch andere Umstände, so z. B. die Fortschritte des privaten Plantagenbaues, verleiten leicht zu einer Bagatellisierung der

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