Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1929-05-28 · Heft 41 (28.5.1929) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 41 (28.5.1929)
Date
1929-05-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2651273-2653062-2653099--20777-2678797
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

10 entity mentions

Nr. 41, 28. V. 1920 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 257 Aus den Gemeinden Berliner Reprftientanienversaininlung (Von unserem Berichterstatter.) ln der Repräsentantenversammlung vom 23• d M. führte wegen Abwesenheit des Geheimrats Dr. Stern Dr. Alfred Klee den Vorsitz. Auf der Tagesordnung standen laufende kleinere Angelegenheiten. Die große Stiftung Justizrat Salingers im Betrage von über einer Million Mark wurde nach dem Vorschlag des Vorstandes von der Versammlung genehmigt. Der größte Teil der Stiftung ist durch den Willen des Testators für bestimmte Unterstützungszwecke — für reiehsdeutsche Juden — fcstgelegt. Ein kleinerer Betrag steht zur Verfügung der Gemeinde. Von den Subventionsvorschlägen entfesselte der Antrag des Vorstandes, der Tarbuth-Organlsation 1 n Polen eine Subvention von 3000 M. zu gewähren, eine längere Aussprache. Namens der Liberalen sprach Prof. Türk gegen die Gewährung der Subvention, weil die deutschen Juden nicht imstande sind, ihre eigenen drin• gendsten Bedürfnisse zu befriedigen. Prof. Türk vergaß, daß in der Inflationszeit die deutschen Juden ohne weiteres reichliehe Unterstützungen von den amerikanischen Juden, d. h. von ehemals polnischen und russischen Juden, entgegengenommen haben. Er vergaß ferner, daß noch in den letzten Wochen aus Amerika für Deutschland große Betrage (20000 Dollar für die Jeschiwah in Berlin) gekommen sind. Schließlieh vergaß er, daß mit den Stimmender Liberalen vor kurzer Zeit von der Berliner Gemeinde das jiddische Schulwerk in Polen unterstützt wurde. Der Widerstand der Liberalen hätte aber nicht vermocht, den Antrag des Vor- Standes zu Fall zu bringen, wenn nicht Dr. Oskar Cohn erklärt hätte, daß er nicht in der Lage sei, die Bedeutung der Tarbuth-Organisation im Vergleiche mit der jiddischen Schul- Organisation in Polen abzuschätzen, weswegen er, gemäß seiner Haltung im Ausschuß nur eine Subvention in der Höhe von 1000 M. — demselben Betrag, der den jiddischen Schulen bewilligt worden war —- gutheißen könne. Dieser Antrag wurde denn auch nach einem zu Herzen gehenden Appell von Frau Escheibacher angenommen. Es ist zu wünschen, daß der Antrag des Vorstandes noch einmal eingebracht wird, denn durch die Förderung des hebräischen Schulwesens in Osteuropa sorgt das deutsche Judentum u. a. auch für einen Nachwuchs an seinen Rabbinerseminaren und der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums. Mit dem Untergange der Chedarim in Osteuropa ist die Pflege des Hebräischen, d. h. der Voraussetzung für jede jüdische Wissenschaft, an die Tarbouth-Organisation übergegangen, und es gibt wohl keinen besseren Weg, für einen Nachwuchs auf dem weiten Gebiete jüdischer Wissenschaft zu sorgen, als die Förderung der hebräischen Schulorganisation in Osteuropa. Hebräisch ist nun einmal die alle Juden der Weit verbindende Sprache, und so wertvoll auch die Leistungen der jiddischen Schulorganisationen sein mögen, so sind sie für die Westjuden doch von geringerer direkter Bedeutung als das hebräische Schulwerk. Von wichtigeren Beschlüssen der Repräsentantenversammlung verdienen Erwähnung die Bestellung Dr. Wilhelm Lewys, des Leiters der Schule der Knesseth Israel, zum Prediger der Synagoge in der Kaiserstraße und die Annahme der Vor- Standsvorlage betreffend Errichtung einer Poliklinik der jüdischen Gemeinde in der Linienstraße, sowie die Ernennung Prof. Dr. Carl Lew ins zum dirigierenden Arzte der Inneren Abteilung und des Privatdozenten Dr. Pickardt zum Abteilungsleiter für Chirurgie. s. n. Der Synagogenbau int Hamaviertel. Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde Berlin hat zur Eriangung von Entwürfen für den Bau der neuen Synagoge im Hansaviertel ein Preisausschreiben erlassen und die Herren Professoren Vetterlein, Poelzig und Straumer, Baumeiste!־. Grflnfeld, Baurat Marcuse und Gemeindebaumeister Behr ein geladen, als Preisrichterkollegium zu fungieren. Zur Prüfung standen 62 Entwürfe. Den ersten Preis in Höhe von 6000 RM. erhielten für ihren Entwurf die Architektin Hecht und der Architekt Neumann; der zweite Preis, 4000 RM., wurde Regierungsbaurat Sokolowsky־ für seinen Entwurf zuerkannt; in den dritten Preis, 2000 RM״ teilen sich die Ingenieure Wiener und Jaretzkl. Außerdem entschloß sich der Vorstand auf Empfehiung des Preisrichterkollegiums, weitere zwei Entwürfe, und zwar diejenigen von Ingenieur Nachtlicht und Ingenieur Moritz Ernst Lesser, zum Preise von 1000 RM. anzukaufen. Die preisgekrönten und angekauften Entwürfe werden von der Oemeinde ausgestellt werden. Au* der Breslauer Gemeinde Von unserem Berichterstatter. Die Breslauer jüdische Gemeinde hat einen sehr schweren Verlust zu beklagen: eines der hingebungsvollsten Mitglieder ihres Vorstandes, dessen einer stellvertretender Vorsitzender, Justizrat Felix Hirschberg, ist gestorben. Hirschberg war der Führer der Breslauer Konservativen. Besondere Verdienste hat er sich neben seiner lokalen Gemeindearbeit um den Oemeinde verband der Provinz Niederschlesien erworben. Eine Reihe von Jahren war er der Leiter der Breslauer Ortsgruppe und des niederschlesischen Provinzialverbandes des C.-V., dessen Hauptvorstand ihn noch in seiner letzten Sitzung zum Ehrenmitglied ernannte. Er stellte sich aber auch in den Dienst des lokalen. Keren Hajessod*Komitees, und war ein sehr interessierter Mitarbeiter in der Jüdischen Arbeiterfürsorge“. Mit großem Eifer stand er bedrängten Ostjuden zur Seite, die ihm viel zu danken haben. Ihn zu ersetzen, wird überaus schwer fallen, um so mehr, als es gerade den Breslauer Konservativen sehr an geeignetem Nachwuchs fehlt. Geeignete Minner für Vorstandsämter zu finden, fällt allerdings auch den Breslauer Liberalen nicht leicht. Von zwei durch Tod und Rücktritt frei gewordenen und von ihnen zu besetzenden Stellen haben sie erst nach monatelangem Hin und Her eine besetzt. Sie wählten den Vorsitzenden ihrer Fraktion in der Gemeindevertretung, Justizrat Kalisch, einen Mann radikalster liberaler Art und von scharfer Aggressivität. Man sieht wohl in ihm den künftigen Präsidenten des Vor- Stands, — ein Amt, für das er den Befähigungsnachweis erst noch wird erbringen müssen, besonders als präsumtiver Nachfolger von Männern wie Eduard Sachs und Geheimrat Goldfeld, die bei allem ausgesprochenen Liberalismus in diesem Agit doch objektiv zu sein sichtlich bemüht waren. Die Auswahl der Kandidaten wird besonders erschwert durch die Differenzen innerhalb der liberalen Organisation. Da ist ein radikal-liberaler Hügel, der, wie schon In einem früheren Berieht (vgl. ״J. R.“ Nr. 7} «(»geführt wurde, seinen stärksten Repräsentanten im Oemeinderaobincr Dr. Vogelstein hat, und dem vor allem Männer der älteren Generation doktrinärster und intransigentester Richtung angehören. Auf der anderen Seite ist ein mehr positiv eingestellter Flügel, Minner, die mit ihrer Ablehnung aller radikalen Reformen je nach ihrer traditionstreuen Lebensart eher als gemäßigte Konservative zu rubrizieren wären. Das ist ungefähr die Richtung des früheren Gemeinderabbiners Professor Jacob Outtmann. Aus den Reihen dieser Gruppe ließen sich unschwer für den Vorstand geeignete Männer finden. Aber die sind eben den anderen, wie offen ausgesprochen wird, ״zu konservativ“ oder ״nicht liberal genug“, während die eine Gruppe die Vorschlägenden nach der bisherigen jüdischen Betätigung gewertet wissen will, sucht die andere die Kandidaten nach der sozialen Stellung « aus (Stadtrat, Bankdirektor u. dgl.). Auf den zweiten Mann wird man also wohl warten müssen, bis der eine oder andere Teil abgekämpft oder zur Nachgiebigkeit reif sein wird. Zweifelhaft ist auch noch, wie nun die Besetzung des 2. Vorsitzenden-Stellvertreter-Postens im Vorstande erfolgen wird, den J.-R. Hirschberg bisher innehatte. Dieses Amt ist seinerzeit, wie in der die neuen Satzungen vorbereitenden Kommission ausdrücklich erklärt wurde, geschaffen worden, um auch der Minorität die Möglichkeit zu geben, dem engsten Vorstande anzugehören. Im Vorstande sind neben 8 Liberalen 2 Konservative und 2 Zionisten, die bei den Ur״ wählen einige hundert Stimmen mehr hatten als die Konser• vativen. Wie werden sich nun die Liberalen verhalten? und wie die oder der zurzeit einzige Konservative? Werden die Liberalen so liberal sein, den Anspruch der Minderheit anzuerkennen? Wird der Konservative so konservativ sein, das für sich beanspruchte Recht auch den Zionisten zuzugestehen? Wetterkunaige wittern Sturm . . . Die finanzielle Lage der Gemeinde ist nicht gut. Die in dem früheren Bericht schon angedeutete Notwendigkeit der Erhöhung des Steuersatzes ist von den Gemeindevertretern nicht In dem Maße gebilligt worden, die der Vorstand für notwendig erachtet hatte. Statt 12!/3 ״׳,<׳ der Einkommensteuer wurden nur 11 0״ bewilligt. Alle stillen Reserven, die in dem Etatvoranschlag vom Vorstand vorgesehen waren, sind gestrichen worden und schon kann noch so dringenden Sub- DER XVI. KONGRESS Wie bei den letzten Kongressen wird auch dieses Maf wieder •in vollständiger Verhandlung■ Bericht ln der offiziellen Kongreß-Zeitung erscheinen. Wir legen den größten Wert darauf, daß möglichst alle Leser der ״Jüdischen Rundschau“ die Kongreßzeitung bestellen und dadurch, auch wenn sie nicht persönlich am Kongreß (eilnehmen können, eingehend über den Verlauf der wichtigen Tagung informiert werden. Wir werden demnächst eine direkte Abonnementsauftorderung an alle unsere Abonnenten richten und die Einziehung der Bezugsgebiihren in Höhe von RM. 3,25 für die vorgesehenen 12 Kongreß-Nummern durch Nachnahme ankündigen. Wir rechnen mit Bestimmtheit darauf, daß unserer Abonnementeelntadung Folge geleistet werden wird und bitten unsere Leser, uns darüber hinaus in den ihnen nahestehenden Kreisen bei der Propagierung der Kongreßzeitung zu unterstützen und uns Abonnements aufzugeben. Ferner werden folgende Publikationen des Kongrosses erscheinen: Berichte der Exekutive, des Keren Hajessod und des Keren Kajemeth an den Kongreß (in hebräischer, deutscher und englischer Sprache), kurz nach dem Kongreß das stenographische Protokoll seiner Verhandlungen (in deutscher Sprach*). Ein GcneraUbonnement auf die Kongreß-Zeitung und die obigen Publikationen kostet zusammen 13,15 M. (statt 17,20 M. bei Einzelbezug) und ist ebenfalls direkt bei unserer Expedition zu bestellen. VERLAG ״JÜDISCHE RUNDSCHAU» gmiN WU, MelnekestraD« 10 Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392. ventionsgesuchen nicht mehr stattgegeben werden. Die nachträgliche Bewilligung eines Extra-Ordinariums für solche Zwecke aus einer für Grundstückskäufe, Bauten u. dgl. aufgenommenen Anleihe ist von der Gemeindevertretung abgelehnt worden. Um so mehr ist anzuerkennen, daß trotz der ferade jetzt so schlimmen Finanzlage mit einer Anzahl liberaler timmen neben zionistischen und konservativen gegen die anderen liberalen und die eine vertretene agudistische Stimme zum ersten Male eine Subvention von 500 M. für die hebräische Sprachschule bewilligt wurde, ferner für das misrachistische Lehrgut Rodges 300 M. und ebensoviel für den Deutschen Verein zur Förderung der Universitat Jerusalem. Auch für die Soziale Gruppe für erwerbstätige jüdische Frauen und Mädchen, die unter der Leitung einer bekannten Zionlstin steht und gegen die man immer mit der ganz haltlosen Verdächtigung, sie führe ihre Oelder zionistischen Zwecken zu, Stimmung zu machen gesucht hatte, erhielt zum ersten Male eine nebenbei wohlverdiente Subvention von 50 M.» die allerdings ganz unzureichend ist. Trotz der Finanzlage ist auch der Einbau des lange umstrittenen Almemor für die alte Synagoge Zum Storchen“ bewilligt worden, die jetzt auf ein hundertjähriges Bestehen zurückbückt. Für einen Synagogen-Neubau in der von Juden besonders stark bewohnten Süavorstadt (entsprechend dem Berliner West) ist ein geeignetes Terrain bereits erworben worden. Mit dem Bau wird es allerdings noch gute Weile haben. Schneller dagegen dürfte das lang ersehnte Jugendheim in Erscheinung treten. Ein hierfür geeignetes bebautes Grundstück ist bereite gekauft worden. K...L Die Joden in der Mark Im Verein für Geschichte der Mark Brandenburg machte Studienrat Dr. Jahn interessante Mitteilungen über seine vom Stadtarchiv Berlin angeregten Untersuchungen zur Geschichte der früheren Feldmark Berlins. Dr. Rachel sprach dann über die Lage und Entwicklung der Berliner Judenschaft : in der Zeit von der Wiederaufnahme der Juden in der Mark, 1671, bis zu ihrer staatsbürgerlichen Gleichstellung 1812. Er | beleuchtete die schroffen Gegensätze zwischen zünftiger und jüdischer Wirtschaftsethik, die fiskalische Haltung der Landes- Herrschaft und die Bedeutung der Hof- und Münzjuden als bahnbrechenden Elementes. Der Wohlstand der Juden ist trotz scharfer Einschränkungen sehr rasch gestiegen, sie waren in Edelmetall-, In Geld- und Darlehnsgeschäften überlegen und nahmen auch seit 1740 regeren Anteil an den Manufakturen. Oerade der Ihnen sonst wenig freundliche Friedrich der Große hat zu ihrem Aufstieg durch seine Kriege und seine Münz- und Manufakturpolitik am meisten beigetragen. In der Mitte des 18. Jahrhunderts setzte die kulturelle und soziale Assimilation der Juden ein, und seit 1787 war ihre völlige Emanzipation nur eine Frage der Zeit. Die Wahlen zun XVI. ZionistenkonareB Bekanntmachung Nr. 3. Die Hauptwahlkommission hat in ihrer Sitzung vom 22. Mat beschlossen, zunächst alle Orte Deutschlands zu Wahlorten zu erklären, von denen es feststeht, daß dort mindestens 10 wahlberechtigte Schekelzabler ihren Wohnsitz haben. Darüber hinaus wird die Hauptwahlkommission auf Antrag auch alle diejenigen Orte zu Wahlorten erklären, von denen bei der Hauptwahlkommission der Nachweis erbracht wird, daß dort zumindest 5 wahlberechtigte Schekelzabler ihren festen Wohnsitz haben. Entsprechende Anträge müssen unverzüglich, spätestens aber bis zum 10. Juni an die Hauptwahlkommission gestellt werden. Der oder die Antragsteller müssen in ihren Anträgen mindestens fünf der in ihren Orten wohnhaften Schekelzahler namentlich aufführen (Vor- und Zuname und genaue Adresse) und die Versicherung abgeben, daß die Betreffenden wählberechtigt sind, d. n., daß sie das 18. Lebensjahr erreicht und für dieses Jahr (5689) den Schekel entrichtet haben. Wahlberechtigte Schekelzahler, deren Wohnsitz Orte sind, die n i c h t zu Wahlorten erklärt werden, können ihr Wahlrecht während der Wahltage an einem Wahlort persönlich ausüben. (Schriftliche Wahl ist nicht zulässlg.) Auf Grund dieses Beschlusses der Hauptwahlkommission werden hiermit zunächst folgende Orte zu Wahlorten erklärt: Erster Wahlkreis: Aschersleben, Berlin, Braunschweig, Bremen, Cöthen, Cottbus, Dessau, Emden, Erfurt, Eydtkuhnen, Gotha, Halberstadt, Halle, Hamburg, Hameln, Hannover, Insterburg, Jena, Königsberg, Landsberg, Lübeck, Magdeburg, Nordhausen, Osnabrück, Stettin, Stolp. Zweiter Wahlkreis: Aachen, Augsburg, Bamberg, Beuthen, Bielefeld, Bochum, Bonn, Breslau, Cassel, Chemnitz, Darmstadt, Dortmund, Dresden, Duisburg, Düren, Düsseldorf, Fiberfeld, Eschwege, Essen, Frankfurt a. M., Freiburg, Gießen, Oleiwitz, Görlitz, Gr.-Strehiitz, Hamborn, Hanau, Heidelberg, Hindenburg, Karlsruhe, Köln, Konstanz, Leipzig, Lieimitz, Mainz, Mannheim, Marburg, M.-Oladbaeh, Nürnberg, Oberhausen, Oppeln, Pforzheim, Plauen, Ratibor, Saarbrücken, Waldenburg, Wiesbaden, Würzburg, Zwickau. Die Hauptwahlkommission für die Wahlen zum XVI. Zionistenkongreß in Deutschland. Rosenblüth. e Danzig. Dio Zionistisch«! Organisation für du Gebiet der Freien Stadt Danng gibt hiermit bekannt, rlali die W a h 1 v o r s ch 1 ä g e bis zum 10. Juni beim Vorsitzenden der Hauptwahlkommissjpn, Herrn Dr. Landau eingereicht werden müssen. Verständigung In Ostgalizien Die Tagung in StryJ (Von unserem Korrespondenten.) —g. Warschau, 22, M s Dem Frieden in der allgemein-zionistischen OrganteJImi Kongreßpolens ist nunmehr auch eine Verständigung ln Ostgalmen gefolgt. Die am 19. und 20. d. M. in Stry! abgdultene Landeskonferenz der Allgemeinen Zionisten dieses Reichste!!« endete mit einem Friedensschluß rwischen den sich seit Jahren, nicht ohne Einfluß Kongreßpolens, bekämpfenden Gruppen. Die Differenzen waren hier bei 1weit« nicht so sehr iaeologischer Natur, wie es meistens in Kongreßpolen der Fall war. Die Mehrheitsgrappe unter Anführung des Ate. Dr. Reich ist programmatisch nicht mit der Et Liwnoth-Gruppe identisch, sowie die ostgalizische Opposition, mit Dr. Ringel und Dr. Insler an der Spitze, keine ausgesprochene radikal zionistische Fraktion bildet, wenn auch Abg. Grünbaum hier starken Anhang findet. Insbesondere in der Frage der Agency- Politik ging die ostgalizische Opposition den Weg der Mehrheit. Die Landespolitik war es hauptsächlich und das Problem der Unifikation sämtlicher zionistischer Landesorganisationen Polens, welche die Zionisten Ostgaliziens scharf trennten. Dazu kamen leider auch rein persönliche Momente hinzu. Im jüdischen Parlamentsklub konnte keine einheitliche Taktik festgestellt werden und es kam dazu, daß die ostgalizischeti Abgeordneten faktisch dem ״Kolo“ nicht mehr an- Es schien eine gewisse Zeit, daß das Bündnis des ״Et Liwnoth“ mit der Mehrheit in Ostgalizien zur Vereinigung sämtlicher allgemein-zionistischer Organisationen führen werde, wobei die Grünbaumgruppe in der Minderheit verbliebe. Das ist nicht erfolgt, da Abg. Grünbaum mit seinen Genossen in Kongreßpolen rechtzeitig Frieden schloß, zumal fast sämtliche Zionisten in Kongreßpolen in der Landespolitik die Taktik des Abg. Grünbaum gutheißen. , Nun machte aber die zionistische ״Regierungspartei“ in Ostgalizien Schwierigkeiten in der Frage der Umfikatioo und wurde unnachgiebig auf dem Gebiete der Landespolitik. Der Kampf wurde sehr leidenschaftlich, auch in der Oeffentiichkeit, geführt. Darunter mußte natürlich die zionistische Arbeit m Ostgalizien stark leiden. Dies rief ernste Besorgnisse hervor und der Wille zur Konsolidierung kam immer stärker zum Vorschein, hauptsächlich in den Provinzorganisationen. Und so ist es kein Zufall, daß die Verständigungskonferenz in S t r y j, in einer der besten zionistischen Provinz- Städte Galiziens, zustandekam. Auf etwa 180 Delegierte zählte die Opposition gegen 40, die Revisionisten 18 Mitglieder (die letzten gelierten nicht unbedingt der Opposition an). Zirka 30 Delegierte bildeten eine Zentrumsgruppe, welch« mit der größten Energie die Herbeiführung eines Friedens erstrebte. Der erste Verhandlungstag war rein zionistischen Fragen gewidmet. In einer feierlichen Sitzung, der auch Vertreter der Behörden beiwohnten, wurde das schöne Resultat der zehnjährigen zionistischen Arbeit nach dem Kriege zusammengefaßt und in einem besonderen Referat (Dr. M. Geyers) anläßlich des Jubiläumsjahres die Persönlichkeit Herzls gewürdigt. Der zweite Punkt der Tagesordnung wurde mif einem dreistündigen Expose des Abg. Dr. Reich.über die Grund- Prinzipien der zionistischen Landespolitik, eingeleitet. Dr. Reich zeigte die prinzipiellen Unterschiede in der Auffassung der Gegenwartsarbeit, wie sie vom Abg. Grünbaum und ihm vertreten wird. Nicht darum handelt es sich, erklärte Dr. Reich, ob man für oder gegen die Regierung stimmen soll, sondern wie man am wirksamsten, am erfolgreichsien die Existenz der Juden in Polen verteidigen soll. Auf polnische Parteien, auf andere Minderhelfen kann und soll man sich nicht stützen. Ferner erklärte Abg. Dr. Reich, ein unbedingter Anhänger der Unifikation zu sein. Diese stoße aber gegenwärtig auf Schwierigkeiten gerade in Kongreßpolen. Im Namen der Opposition sprach zu diesen Fragen Dr. Ringel, welcher insbesondere sehr scharf das Verhalten der ostgatizischen Abgeordneten im Sejmklub kritisierte. Redner verlangte, daß auch in Fragen der Landes- und Gemeindepolltik zionistische Prinzipien ln erster Linie maßgebend sein sollen. Die Debatte wurde von beiden Seiten sehr sachlich geführt, und es. kamen zum Worte sowohl Anhänger als auch Aarrnoe ri«1* OrtUfitz• rinr I «mlvamap PvAlnitluA

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.