Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1929-04-12 · Heft 29 (12.4.1929) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 29 (12.4.1929)
Date
1929-04-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2651273-2653062-2653090--20690-2678701
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Einzelnummer 0£$ Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Redaktion und Verlag Berlin W 15, Meinekestraße 10. Erscheint jeden Ehenstag und Freitag. Bezugspreis bei dar Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldmark. Au*f»B!i*aK^Euw״flr1#«t* wmdem fei dar WÜirtmc dm *feizalm«* Lin<J«r faraehsat. Anzeigen *Verwaltung Jüdische Rundschau G.u».l».HL,BerliB׳W15,Mei11eke*tr.lO Telephone Amt Bismarck 7165 -701 Telephon: Bismarck7165— 70. Postscheckkonto: Berlin Nr.17392 Für FcMt^pvkaesämami Wiea, Nr!560301 Für tFcb«eho&lr>51rel(«t; Foastparkmageoaipt Prag« Konto Nr. 59410t, Für Pctan: P«M,*»parluM׳Mfuu3j! Warschau, Koato Nr. IOO TOS. Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. Nummer 29 | Berlin, 12. IV. 1929 Aoz<iggttyrcl« 8 tg&rp. Q^O Ct-M StseUwigweidad (X25 Ck-M. A—itgw■ rVaBt Dl«aet«c and nachts Jttaf» 4 Uhr ב׳ ניסו׳ תרס״ט | xxxiv. Jahr*. Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer dtfentllch - rechtlich gesicherte! t Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm.** Die Mitgliederzahl der Knesseih Israel ln der letzten Sitzung der Leitung des Waad Leunu gab der Vorsitzende, Dr. Thon, folgende Einzelheiten über die endgültige Mitglied erzähl der Knesseth Israel bekannt: Die Gesamtzahl der in den Listen eingetragenen Mitglieder beträgt heute im ganzen Lande 80 9S5. Die Eintragungen im letzten Sommer hatten ein Ergebnis von?8 938 Mitgliedern. Während der letzten Eintragungsperiode wurden 18 382 Beitrjttserklirungen neu abgegeben, von denen 2 738 doppelt ausgestellt waren, so daß eine Neuzutiahme von 15 674 zu verzeichnen ist. Aus den Listen waren jedoch I 675 Namen zu streichen, für die Austriftserklärungen Vorlagen, so daß sich schließlich eine Gesamtzahl von 89 935 erwachse־e1־ Mitglied:»! ergab. Die definitiven Zahlen sind in den größeren Städten und Siedlungsbezirken folgende: Jerusalem 23 945; Tel-Awiw und Jaffa 23 336; Haifa 9816; Siedlungen im Süden7 946; Tiber las 2 823; Safed 1004; Petach Tikwah 3900; Sied- Jungen im Norden 8 661. ln der Sitzung der Leitung des Waad Leunu kam auch das Verhältnis der Knesseth Israel zur Agudath Israel zur Sprache. Dr. Thon und Rabbiner Ostrowsky teilten Einzelheiten über die Verhandlungen des Waad Leumi mit der Agudath Israel und dem Oberraobiaat mit. Der Waad Leumi war in den Verhandlungen bereit, der Agudath Israel so weit wie möglich entgegenzukommen, um den Abschluß eines Abkommens zu ermöglichen und hat daher der Agudah in allen religiösen Angelegenheiten innerhalb der Knesseth Israel weife Autonomie zugestanden. Von der Agudab wurde jedoch von Anfang an die besondere Stellung der Agudah betont und Sonderrechte für diese Gruppe gefordert Da die Leitung des Waad Leumi nicht auf die Teilnahme des alten Jischuw in Jerusalem und der orthodoxen, nicht in der Agudab organisierten Kreise verzichten wollte, hat sie mit dem Rabbinat weitere Verhandlungen gepflogen, die für den Waad Leumi von dem Rabbiner Ostrowsky in entgegenkommendem Geiste geführt wurden! Es handelte sich •dabei vor allem um ■die Frage der religiösen Autorität der Rabbiner, die Ausdehnung der Kompetenzen der Schächtkörumissionen auf alle relilösen Angelegenheiten, die Stärkung des Einflusses der orthooxen Elemente auf die Wahl der Rabbiner und um die Verpfüchtung, aus den Mitteln der Knesseth Israel keine Institution zu unterstützen, die öffentliche Gesetzesentweihungen begeht. Die Frage des Wahlrechtes der Frau wurde aus den Verhandlungen ausgc s.c haltet Es wurde jedoch vorfeschlagen, in den vier Städten Jerusalem, Hebron, iberias und Safed den Status quo hinsicht'ich der Gemeindewahlen zu belassen. Die Leitung des Waad Leumi verflichtetc sich, diese Forderungen vor den Waad Leumi zu ringen und sie zu unterstützen. Während die Oberrabbiner zu Anfang eine positive Haltung dazu einnahmen, wurde die Lage später dadurch kompliziert, daß zwei Mitglieder des Oberrabbinats austraten und dadurch dem Oberrabbiner Kuk die Möglichkeit eines offenen Vorgehens gegen seine Kollegen nahmen. (Ziko.) Von palästinensischer Warte Wiedersehen nach vier Jahren — Neue Eindrücke — Das moderne Jerusalem — Politische Vorgänge. RW, Jerusalem, 31. März 192*5. Wenn man, nach wenigen Tagen Aufenthalts in diesem Lande, nachdem man, wieder und wieder von seinem Zauber ergriffen, von seinem Geheimnis erschüttert, von seiner einzigartigen Mischung herber Hoheit und reizvoller Lieblichkeit verwirrt, sich seiner Wirklichkeit und der seltsamen,' vermessenen Aufgabe eines junggewordenen Volkes bewußt geworden i#t, — wenn man dann den nüchternen Dingen des Alltags, eben dieser Aufgabe, sich zuwendet, so hat man schon nach dieser kürzen Zeit den untrüglichen Eindruck, daß — vorsichtig ■gesprochen — in den letzten Jahren ein erheblicher Fortschritt zu verzeichnen, ist. Die in allen zionistischen Reden und Berichten der letzten Zeit enthaltene Behauptung, daß die Zeit der ״Krise“ und des Klagens über die Krise vorbei ist und ein neuer Aufschwung sich ankündigt, ist keine bloße Propaganda- Phrase, sondern ist eine Tatsache. Dieser Moment ist um. so wichtiger, als er der zionistischen Bewegung besondere Verantwortung auferlegt und nicht der Verpflichtung enthebt, de« Ursachen der Ereignisse der letzten Jahre — von ״Verschulden“ soll nicht gesprochen werden — nachzugehen und für die Zukunft Konsequenzen in Praxis und Theorie zu ziehen, um die neue Periode wirklich zu einer Periode wesentlichen Vorwärtskommens zu machen. Denn die zionistische Bewegung Ist der heimliche Motor, der alles, was hier getan wird, irgendwie treibt, auch wenn es nicht direkt von der Zionistischen Organisation abhängt. Erdffmuig der Messe in Tel Awiw Tel-Awiw, 9. April. (J. T. A.) In Anwesenheit des Oberkommissars Sir.John Chancellor, der Konsuln auswärtiger Mächte, einer Abordnung der syrischen Regierung, zahlracher Wirtschaftsvertreter und Touristen ays vielen Lindern und Gäste aus ganz Palästina wurde die Palästina- und Orient-Messe. in Tel-Awiw eröffnet Der Bürgermeister von Tel-Awiw, Dizengöff,. betonte in seiner Begrüßungsanspräche, daß die Ausstellung, ein Meilenstein isf,.der die über w. u«4fü * V׳i t■׳,*ä.111 ״ י''.. a?fHfe:f2־Dfe'if5 dem 2Ö. Jahrestag 40־ . egründung der Stadt tlsl-Awiw ztjsamtnen ■und .sie 'beweist, ׳Jüuiejp' in .der Industrie,, in der Landwirtschaft', in der. Erziehung und in der allgemeinen Kulturentwicklung in einer, so verhältnismäßig kurzen Periode zu leisten imstande sind. Sir John Chancellor, der den Weiheakt vornahm, führte in seiner Ansprache aus: Was Tel-Awiw und was die Judenheit von ganz Palästina geleistet haben, findet in der Tel- Awiwer Ausstellung einen wunderbaren Ausdruck. Dje ־ fcfliji '1# ■yürWf und zahlreich. Jetzt aber müßt Ihr auch die Kunst, Eure Produkte auf den Markt zu bringen, 1erneu. fch bin erfreut, unter den Ausstellern viele Engländer zu sehen, so daß die Ausstellung auch die Pflege der Handelsbeziehungen mit England in einer schönen Weise dokumentiert Ihr werdet die Methoden lernen, wie man die Weltmarkte erobert. Die verbilligte elektrische Kraft, die dank der Arbeit Ruthenbergs in kurzer Zeit verfügbar sein wird, wird die industrielle Entwicklung des Landes stark fördern. Chancellor schloß mit dem Appell an die anwesenden Touristen, soviel Kapital als möglich in Palästina zu investieren, wo es gute Früchte tragen wird. Palslioa-Hesse In London London, 9. April. (J.T.A.) Feldmarschall Lord PIuraer, der frühere Oberkommissar von Palästina, wird am Montag, dem 13. Mai, die Palästina-Ausstellung und •Messe in London eröffnen. Am 14. April wird Lord Cecit die Gäste in die Ausstellung einführen. Die Messe wird eine Kunstabteilung enthalten, die von Frau Dulde Sassoon, Vorsitzende der Exekutive der Palästina-Messe. zusamrnen׳,es‘ellt wird. In dieser Abteilung werden u. a. auch Photographien und Zelchnungen der historischen Stätten Palästinas zu sehen sein, so z-B. eine in natürlicher Größe hergestelite ReToduktian des vor kurzem entdeckten Mosaikfußbodens der alten Synagoge in Beth-Alpha. Keren Hajessod Eingänge Im Mär? Jerusalem, 8. April, fJ.T.A.) Die Eingänge beim Hauptbüro des Keren Hajessod in Jerusalem im Verlauf des Märj 1929 weisen ein abermaliges beträchtliches Ansteigen gegenüber den früheren Monaten, insbesondere gegenüber aem Durchschnitt des zweiten Halbjahres 1928, auf. Im Verlauf des Monats März sind beim Hauptbüro in Jerusalem 44 700 Pfund eingegangen, fm Februar dieses Jahres gingen 37.358 Pfund ein. Im Januar betrugen die Eingänge 35.990 Pfund Im Dezember v. J. gingen 34.100, im November 27.682, im Oktober 21.661 Pfund ein. Eine 25000 Dollar-Spende ifir den Keren Hslessod Die ״Ziko“ erhielt ein Telegramm aus Ottawa in Kanada, dem zufolge Mr. A. Free man,, der President der Zionistisehen Organisation in Kanada, anläßlich seiner Silbernen Hochzeit 8 25 00Ö für den Keren Hajessod gespendet fiat. Die Bebnntmachung dieser Spende erfolgte auf der Konferenz des United Palestine Appeal in Montreal, an welcher auch Co!. Kisch, der Chairman der Zionistischen Exekutive in Palästina, kurz vor seiner Abreise nach Europa teilnahm. Herr Dr. Julius Mose» in Mannheim hat einen Be'rag von zirka 2500 M., den ihm Freunde und Verehrer anläßlich seine« 60. Geburtslage« zur freien Verfügung gestellt haben, durch den Deutschen Ke.en Ilajcssod dem niikiol.i! bgisehen Institut der Hebrä- ■sehen Universität in Jerusalem zugewandt. Der Hafenbau io flaifa Der diplomatische Mitarbeiter des ״Daily Herald“ führt aus, daß die Arbeit am Hafenbau in Half* darum nicht vorwirtskommt, weil eine endgültige Entscheidung über die Mündung der Oelröbren aas Mosul noch nicht getroffen wurde. Der Autor deutet an, daß englische Kreise nunmehr dafür sind, daß die Röhren nicht nach einem Mittelmeerhafen, sondern nach einem Hafen im Persischen Golf ge führt ״werden .»Uen; 4ie^|' Das Verhältnis von Palästina-Aufbau und ZionIsmus bedarf eines neuen Durchdenkens — wir reden hier nicht von Gesinnungsfragen, nicht von jenem Problem, das im Galuth in letzter Zeit gewöhnlich behandelt wurde, nämlich die durch neutralen Keren Hajessod und erweiterte Agency bedingte Loslösung des Palästinawerkes von der politischen Organisation; sondern von dem Gegensatz *wischen natüruhaTransjbrdaplens auf der einen Seite und den Regierungen Syriens und de# pbanons auf der anderen Seile zwecks Senatfuhg eitler Einheitsfront gegen alle nationalistischen Bewegungen herbeigeführt. So z. B.׳ wurde die Aufhebung der Syrisehen Konstituante nach vorangegangener Beratung mit den britischen Behörden beschlossen; andererseits hat sich Herr Ponsot, der französische Oberkommissar in Syrien, bereit erklärt, die syrische konstituierende Versammlung nicht wieder einzuberufen, als bis nicht die Irak-Krisis in einer für Großbritannien befriedenden Weise gelöst worden ist Während also die britischen und die französischen Mandäfarregierungcn politisch Zusammengehen, sind sie w 1 r t - schaftlich uneinig. Den größeren Zankapfel bildet die Leitung der Mosulröhren. Die Franzosen wünschen deren Mündüng in Alexandrette, die Briten wünschen sie in Haifa. Ein Kompromißvorschlag, eine doppelte Röhrenlinie zu legen mit einem nördlichen Ausgang nach Tripolis und einem südlichen nae1, Hrifa wurde aus Sparsamkeitsgründen nicht akzeptiert. Die ElnwandenmgsmSgl'dikeiteii Die Palästina-Exekutive nimmt z. Zt eine eingehende Untersuchung des Arbeitsmarktes und der Eimvanderungsmöglidikeiten in den nächsten Monaten vor. Da die Exekutive demnächst bei der Regierung die Gewährung neuer Einreise-Erlaubnisse (Zertifikate) für das kommende Jahr beantragen wird, kommt den Ergebni|sen der Untersuchung für die Zahl der anzulordernden Zertifikate erhebliche Bedeutung zu. Die von der Zionistischen Exekutive unabhängig davon vor kurzer Zeit angeforderten weiteren 300 Zertifikale sollen zur Hälfte für Arbeiterinnen in den Arbeiterinnen- Gruppen und -Wirtschaften und für Arbeiter in den Pflanzungsfebierten verwendet werden. Die früher ausgegebenen 6D0 ertifikate sind bereits sämtlich zur Verteilung gekommen. (Ziko). Daokbriel Wieners an den K. B. Dar Führer das Luftschiff* ״Graf Zoppelin“, Dr. ing. e. h. Hugo Eck euer, hat nach der Rückkehr von der Orienlfabrt des ״Graf Zeppelin“ an den "Vorsitzenden des Deutschen Keren 11ajassod nachstehende* Schreiben gerichtet: ״Sehr verehrter Herr Präsident I Für die in so liebenswürdig« Weise den Teilnehmern an der Orientfahrt gestifteten Flaschen edlen, palästinensischen Weins m» h e ich nicht verfehlen, zugleich im Namen der Passagiere meinen her*- liebsten Dank auszuspreches. Wir haben den Wein getrunken, als wir in höchst eindrucksvollem Fluge vom Toten Meer uns wieder über Jerusalem erhoben und, von dem merkwürdigen Erlebnis im Innersten ergriffen, wieder über der hell strahlenden Hauptstadt dos Landes standen und den Jubel der Bevölkerung in uns heraufschallen hörten. Es war eine feierliche Stunde, die ihr# Weihe mit Recht in einem so edlen Tnrnfen finden durfte. Mit vorzüglicher Hochachtung Ihr sehr ergebener ges. Dr. H, Ecken er. Organisation als solche nach dem Krifege ‘«■!יס gr<§Bzttgf|es Kefonfsätiönswe'rk׳ begonnen hat, das fttgar zuweilen ihr« Kräfte überstieg,' hat man ach d3ran gewöhnt, diesen von der Zionistischen Exekutive direkt beherrschten Sektor des paläst!- nensisch'en Lebens schlechthin mit dem Zionismus zu identi• tizieren. Es schien, als sei ״der Zionismus“ koordiniert anderen KolonisationskörperscJiaften. ln Palästina wird Wert und Einfluß des Zionismus meist gemessen an den materiellen Leistungen der Zionistischen Exekutive. Und da es hier um Geld geht, das immer in höherem Maße benötigt wird, als es vorhanden ist, da immer aus abgelehnten Geldforderuhgen Mißstimmung entspringt, da ein Verwaltungsmechanismus und bürokratischer Apparat Mängel hat und Widerstände weckt, so ist leicht zu verstehen, daß das Ansehen der Exekutive im Lande sinkt, sofern man sie nicht als Repräsentantin der Ge- Samtbewegung, sondern als eine Verwalturtgsinstahz betrachtet, die die an sie gerichteten Wünsche nicht zu befriedigen vermag. Darin liegt eine Ungerechtigkeit, die behoben werden muß, wenn nicht die das Wachstum der Nationalen Heimstatte beflügelnde Bewegung fühlbaren Schaden leiden soll Denn die Emanzipation der Wirtschaft von der Zionistischen Exekutive ist ein ganz natürlicher und gesunder Prozeß, der keineswegs als ein Symptom der Bedeutungslosigkeit der Exekutive gedeutet werden darf. Die Wirtschaftskrise, die ja nur eine Eingewanderfenkrise war, hat für Palästina den großen Wert gehabt, daß die Menschen nüchterner und realer denken gelernt haben: die Vorstellung, die Zionistische Organisation müsse in Palästina jedem Menschen, der in einem anderen Lande kaum etwas anzufangen vermöchte, eine Existenz schaffen, ist heute kaum mehr zu finden. Man weiß, daß man auch hier sich selbst emporarbeiten muß, daß auch hier Kapital, Fachkenntnisse, persönliche Tüchtigkeit imentbehr* liehe Voraussetzungen des Fortkommens sind. Viele einzelne unbesonnene Einwanderer haben ihr Geld verloren, mußten wieder abfahren; aber das Land und das Volk haben daraus gewonnen. Was man heute Neues im Lande sieht, sind im ganzen großen die Resultate der Vierten Alijah, die in den letzten vier Jahren teils wieder ausgeschieden, teils absorbiert wurde. Dieser Prozeß der Absorption scheint jetzt beendet zu sein. Es ist eine große zionistische Leistung, eine neue verheißungsvolle Phase des notwendigerweise in rhythmischen Wellen vor sich gehenden Aufbauwerkes. Die Frage der direkten Beteiligung der Zionistischen Exekutive und ihrer Institutionen an dieser Entwicklung ist dabei von untergeordneter Bedeutung (obwohl auch sie nicht gering ist); daß sich eine starke Tendenz zur wirtschaftlichen Selbständigkeit und Unabhängigkeit bemerkbar macht, ist sicherlich zu begrüßen. Ueber die spezielle kolonisatorische Tätigkeit der Zionistischen Organisation und die damit zusammenhängenden Probleme wird — besonders angesichts des herannahenden Kongresses — noch zu sprechen sein. Eins soll hier vorweggenommen werden, weil es sich spontan und unmittelbar jedem Betrachter der Lage im Lande aufdrängen muß: Die gewaltige Steigerung der Pflanzungs- Wirtschaft muß die Arbeiterfrage zu einer zentralen Sorge der Zionistischen Organisation (bzw. Jewish Agency) tnacheu. Riesige Flächen neuer Orangenplantagen sind von Juden in den letzten vier Jahren bebaut worden, und in der Pfanzungs-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.