Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 28 (9.4.1929)
- Date
- 1929-04-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Eimchmmmcr OßS Qoldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Redaktion und Verlag Berlin 5V 15, Meinekesura&a 10. Erscheint Jeden Dienstag und Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5.75 Goldmark. A«״l«r!d.׳iA^ot1n״*mM3ta in der Währung der dnzthea Lander berechnet. Anzeigeu-Verwaitung Jüdische Rundschau G. m. b. IL, Berlin W15, Meinekeaar. 10 Telephon! Amt Bismarck 7165-70. Anzeigenpreis! 8 gtwp. NoopareÜiezefl« 030 G. •Mütelkognache 0,25 G-M. Aasetfeasdhtafii Dion seng uod Fr«itag nachmittag« 4 Uhr Telephon: Bismarck 7165—70. Postscheckkonto: Berlin Nr.17392 Für OcstoiT&kht P0*t*rpark«a&©ju1mi Wien, Konto Nr. 156030. FürIschechofdcwakni: PcMMpmrkammzmmt Prag, Kobl3 Nr. 59410. Für Polen; Post*pariu»s««u1tm Warschau» Roato Nr. 190*7061 Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag• ב«ה אדר שני' תרפ״ם | xxxiv. jahrg. per Zionismus erstrebt fPr das jOdlsche Volk «Ha Schaltung einar Öffentlich - rechtlich gesicherten Halmstatte In Palästina. ״Baseler Programm.«« Paläsflna im Urteil von Nldiljnden Mr. J. Hoftneyr, der Administrator von Transvaal und eins der hervorragendsten Mitglieder des südafrikanischen öffentlichen und politischen Lebens, traf vor einigen Tagen in Begleitung seiner Mutter für einen, kurten Aufenthalt in Palästina ein. Er wurde von Harry Sacher in Ludd erwartet und nach T e I A w i w und durch die jüdischen Kolonien sodann nach Jerusalem geleitet In Jerusalem empfing ־ Mr. Hofmeyr im Büro der Exekutive eine Delefätion südafrikanischer, in Palästina wohnhafter ionisten. Die Abordnung drückte Herrn Hofmeyr namens der südafrikanischen Juden in Palästina ihren Dank für sein starkes Eintreten für die zionistische Sache aus und gab der Hoffnung Ausdruck, daß sein Aufenthalt in Palästina ihn in seiner Gesinnung und seinen Bemühungen zur tatkräftigen Unterstützung des jüdischen Nationalheims weiter bestärken werde. Mr. Hofmeyr hob in seiner Erwiderung die Bedeutung der Juden für das wirtschaftliche und öffentliche Leben. Südafrikas hervor und betonte seine Sympathie, die er von jeher für die zionistische Idee gehegt habe. Das wenige, das er bereits gesehen habe, und alles, was er noch zu sehen hoffe, würde sicher zu einer Vertiefung dieser Gesinnung beitragen. T e 1 - A wi w sei eine bemerkenswerte Leistung — das Tempo seines Wachstums bewunderungswürdig. Besolideres Interesse habe die Wiederbelebung der hebräischen Sprache in ihm hervorgerufen. Als Philologe hätte er dies als ein unmögliches Beginnen bezeichnet —- hier sei es möglich geworden. Ebenso habe ihn als chemaligen Kanzler der Universität in Jöhannisburg die Hebrätsche Universität sehr interessiert, und er könne sich die Schwierigkeiten dieser jungen fnstitution gut vorstellen. —- Mr. Hofmeyr versprach, den südafrikanischen Juden bei der ersten Gelegenheit die Botschaft der Abordnung zu überbringen, daß alle, die nicht selbst nach Palästina kommen können, durch finanzielle Unterstützung, Investierungen usw. den Wiederaufbau nach Kräften fördern sollen. — Mr. Hofmevr wies darauf hin. daß in mancher Hinsicht die Probleme in Südafrika und Palästina ähnlich lägen. Die Existenz verschieden er Völker nebeneinander biete Schwierigkeiten —• zur Ent- Wicklung beider Länder sei jedoch eine Durchsetzung der Bevölkerung mit europäischen Immigranten unerläßlich. — Im An- Die Jewish Agency and die nuniiiisehen Jaden Bukarest, 4. April (J..T.A.) In Bukarest wurde.eine zepträle Verhandlungskommission gebildet, die sich aus den rumänischen Mitgliedern und Stellvertretern im zionistischen Ajctkms-Comitö sowie aus Vertretern der zionistischen Landes- Organisationen und der zionistischen Sonderverbände aller vier Provinzen zusammensetzt Diese Kommission hat die Aufgabe, mit den in Betracht kommenden Körperschaften alle notwendig erscheinenden Verhandlungen über die Wahl der nichtzionistischen Jewish Agency-Mitglleder aus Rumänien zu führen. In der am 24. März abgehaltenen konstituierenden Sitzung wurde fcstgesteiP, daß Delegiertenversamm'ungen aus Vertretern der jüdischen Kultusgemeinden in jeder Provinz, an denen auch Vertreter der neutralen Keren Hajessod-Komitees teilnehmen sollen, das geeignete Forum für die Wahl der oichtzionistischen Mitglieder in der Jewish Agency darstellen würden. Es wurde daher beschlossen, sich an die jüdischen Kultusgemeinden des ganzen Landes zu wenden und dieselben zu ersuchen, zu dieser Frage Stellung zu nehmen und von sich aus die Initiative zur Einberufung des vorgeschlagenen Forums zu ergreifen. Die Mitglieder der Verhand'ungskommissjön in den vier Provinzen werden die Vollmacht erhalten, die Verhandlungen zwecks Festsetzung aller Einzelheiten im Namen der Verhandlungskommission zu führen. — Vorsitzender der zentralen Verhandlungskommission ist Herr Ad. Bernhar dt, Schriftführer ist Professor Julian Siiberb lisch. Die Agency ned Apfeh London, 5. April (J. T. A.) Die Agulas Jisroel in England hat beschlossen, zwei Delegierte zu der in kurzem in London zusammentretenden Konferenz der engtischen Juden, die eine Vertretung der englischen Juden im nichtzionistisehen Teil der Jewish Agency wählen soll, so entsenden. Wie die J. T. A. erfährt, hat die Zentralleitung der Welt- Organisation der Agudas Jisroel der Londoner Agudah die Weisung erteilt, der Einladung zur Teilnahme an der Agency- Konferenz der britischen Juden Folge zu leisten. Von der Tonrisi?nsaison Das Zionistische Informationsbüro veranstaltete am Mittwoch Abend für die österreichische Taurjstengruppe und eine Reihe anderer Touristen einen Emofang im Hotel Warschawsky. Die Herren Dr. Hantke, Direktor des Keren Hajessod, und Dr. van Vrieshnd. Mitglied der Exekutive, begrüßten die Gäste, von denen die Herren Robert Stricker, Wien, Rechtsanwalt Gronemann, Berlin, und Dr. Hausmann, Lemberg, erwiderten. Am 20. März landete in Haifa der deutsche Dampfer ״Lützow“ mit 300 Touristen aus Deutschland, darunter etwa 80 Juden, ln dem Reiseprogramm für die Besichtigung des Landes ist auch ein Besuch Tel-Awtws vorgesehen. Für eine Gruppe der Touristen wurde eine Sondertournee zusammengestdlt, die ein au!fül r i־hes R iseprop-aifim vorsieht. Die Teilnehmer werden das Schiff erst wieder in Aegypten erreichen, während die Mehrzahl der Passagiere das Schiff m Jaffa besteigt (Ziko.) Schluß an die Unterhaltung mit der südafrikanischen Delegation, an der auch Harry Sacher teilnahm, hatte Mr. Hofmeyr eine Unterredung mit Sacher, Miss Szold und van Vrie'sland. Mr. J. Hofmeyr war während seines Aufenthaltes in Pa* lästina Gast des High Commissioners. Der Attorney General der palästinensischen Regierung, Mr. B e n t w i c h , veranstaltete ihm zu Ehren ein Diner, an dem eine Reihe hoher Regie* rungsbeamten, sowie die Mitglieder der Zionistischen Exekutive teilnahmen. — Mr. Hofmeyr fuhr von Jerusalem durch das Emek nach Haifa, von wo aus er sich nach Kairo begab. * New York, 3. April (J. T. A.) Rev. Dr. John Haynes Holmes, der Hauptgeistiiche der Gemeindekirche von New York, der im Aufträge von Nathan Straus zur Einweihung des Nathan- und Lina-Straus-Gesundheitszentrums in Palästina geweilt hat, äußerte sich gegenüber einem Vertreter der /. T. A. dahin, er habe den Eindruck, daß die Palästina- Regierung Interessen der Araber in Palästina in erster Reihe in Erwägung zieht und zu der jüdischen Bewegung eine gewisse Distanz hält, weil sie von der Zukunft der jüdischen Arbeit anscheinend noch nicht voll überzeugt ist Das ernsteste Problem in Palästina ist eben das Problem der Beziehungen zwischen Juden und Arabern. Trotz der Klagen der Araber ist die jüdi sehe Bevölkerung überzeugt, daß die Araber aus der jüdisehen Arbeit großen Nutzen ziehen. Dr. Holmes äußerte sich im weiteren Verlauf der Unterredung sehr begeistert über das zionistische Werk in Palästina, das für ihn eines der erhabensten Dinge ist, die er je gesehen hat Gewisse Schwierigkeiten haben ihre Ursache darin, daß das Land Tausende von Jahren vernachlässigt worden ist Diese Schwierigkeiten werden aber überwunden sein, sobald die Juden in der Welt, insbesondere die amerikanischen Juden, weiterhin zu den Aufbaufonds beitragen. Aber auch die liberal gesinnten Nicht- Juden, die an sozialen Experimenten interessiert sind, sollten dieses ,'VfA «niefstfttie«,' ׳- . ... - Einstein an Usslschkln In Nr. ».3 der ״Jütischen Rundschau" haben wir den Glückwunschbrief Ussiachkin« an Prof. Einstein zu dessen 50. Geburtslag verftffen'licht Narhs'ehond übergeben wir Einsteins Antwort an Usrischkin der Ooffenllichkeil: 10. März WS. Lieber Herr Ussiscbkin! Ich kannte Sie schon als den unbeugsamen, Charakter* starken, stiernackigen Führer unseres sonst so anuassungsgewohnten Volkes. Aber ich wußte nicht, daß Sie mit solcher Kraft auch soviel Zartheit und poetischen Schwung zu vorbinden vermögen, wie Ihr Brief zeigt. Neben diesem ver* blaßt nämlich alles, was die Menschen mir sagten, und das waren viele und weiß Gott nicht die gewöhnlichsten! So meisterhaft es nun gesagt war, zu so geringem Teil war es In Wahrheit verdient. Es mag sein, daß mein Verhalten Wirkung auf Juden und andere gehabt hat, aber es lag kein Verdienst darin. Ich wurde 35 Jahre alt, sozusagen ohne es zu wissen, daß ich ein Jude war. Nur rückschauend sehe ich, daß — obwohl ich in eiper ganz christ'ichen Umgebung lebte und mit einer griechisch-katholischen Frau verheiratet war — meine intimsten Freunde Juden waren. Es war der Berliner Umwelt Vorbehalten, mich über meine Zugehörigkeit zum jüdischen Volke aufzuklären; ist es ein Wunder, daß ich ihre Lehre verstand? Auch tauchten überzeugte und kluge Männer auf, die mich ln dieser Wandlung unterstützten, besonders Weizmann und Blumenfeld. Hierauf leistete ich eigentlieh ricbls für die jüdische Sache, a's daß ich mich aufrichtigen und frohen Sinnes vor allen zu ihr bekannt, wie cs mir ums Herz war und ist und zeitlebens sein wird. Also bedient Euch meiner, wie es zum Frommen der gemeinsamen Sache eben möglich ist (nicht zu viel, damit die Wirksamkeit nicht verloren gehe!); ferner aber wisset, daß ich mir des Umstandes wohl bewußt bin, daß ich hierbei mehr Sache als Person bin. Wie dem auch sei, nehmen Sie meinen herzlichen Dank entgegen und auch die herzlichsten Grüße und Wünsche. Ihr gez. A. Einstein. Einstein Ehrenmitglied der Knesseth Israel Jerusalem, 3. April. (J.T.A.) Der Waad Leumi als das ausführende Organ der Knesseth Israel ernannte Professor Einstein in Anerkennung seiner Verdienste um das Palästinawerk zum Ehrenmitglied der Knesseth Isr a e 1. Einstein-Ausstellung in Jerusalem Jerusalem,!. April (J. T. A.) Aus Anlaß des 50. Geburtstags Albert Einsteins veranstaltete die jüdische Natioeal- und Universitäts-Bibliothek eine Ausstellung aller Werke des großen Gelehrten sowie der über die Relativitäts-Theorie bisher erschienenen Literatur. Unter den Ausstellungsobjekten ist Einsteins handschriftliches Manuskript der Relativität«* Theorie zu sehen, das der Gelehrte vor einigen Jahren der Bibliothek zum Geschenk gemacht hat. Jerusalem, 5. April (J.T.AJ Die Gesundheitssektion ies Völkerbundes hat dem Malaria-Forschungswerk der Heöräischen Universität zu Jerusalem eine finaneiclle Unterstützung zugewendet. ׳ New York, 3. ApriL (1. T. A.) Colonel F. H. K i sc b, der seit Januar d. J. in den Vereinigten Staaten geweilt und für den United Palesfine Appeal gewirkt hat, hat an Bord der ״Berengaria" die Rückreise nach Palästina angetreten. Die jüdische Schule in Polen (Von unserem Korrespondenten.) Warschau, Ende März. Immer mehr Anzeichen sprechen dafür, daß das polnische Judentum, bis nun der letzte Hort des jüdischen volkstjittliehen Lebens und jüdischen׳ Geistes in der Galuth, einem Assimilationsprozeß verfällt, welcher tausendfache ׳ Gefahren nicht nur für die polnische, sondern auch für die Weltjudenheit in sich birgt. Kein Wunder also, daß das jüdische Schul- Problem in ,Polen zu den akutesten gehört Die fremdsprachige und fremdnationale Schule bewirkt in erster Lijiie die vorwärtsschreitende Assimilation der jungen Generation. Und als solche sind die Volksschulen .der Regierung zii, betrachten, wo drei Viertel sämtlicher schulpflichtiger jüdischer Kinder, 300 000, ihre Erziehung und Bildung in fremdem Geiste, meist in unverständlicher Sprache, nicht selten ln einer mit Haß erfüllten Atmosphäre genießen. Kaum 100 003 Kinder besuchen jüdische Volksschulen verschiedenster Typen (religiöse, hebräische und jiddische). Die überwältigende Mehrheit der polnischen Judenheit, ist gegen die fremde Schule, obzwar die Meinungen über Sprache und Inhalt der eigenen jüdischen Schule geteilt sind. ’ Doch ist die jüdische Gesellschaft unter dem Zwange der rechtlichen und materiellen Verhältnisse nicht imstande, sogar der Hälfte ihrer Jugend eine jüdische Schulerziehung zu geben. ־ Die finanzielle Lage der Schulen ist mit der rechtlichen Situation der jüdischen Minderheit in Polen eng verbunden. Solange der Staat sich nicht verpflichtet, jeder nationalen Minderheit und auch der jüdischen, auf eigene und auf Kosten der Selbstverwaltungen, Schulen mit nationaler Unterrichts- Sprache zu sichern, solange ist es unmöglich, ein großes, allumfassendes Netz jüdischer Schulen zu schaffen. Die jetzt bestehenden Schulen haben nämlich privaten Charakter und müssen von der jüdischen Bevölkerung selbst ausgehalten werden. Die polnischen Juden sind aber, sowohl als Einzelne sowie als Gesamtheit zu arm, um solche Lasten tragen zu können. Der Schlüssel also zur Lösung des jüdischen Schulprobleips, somit des Kulturprobleras in Polen, liegt im Kampf um die staatliche Anerkennung und Finanzierung des iüdisdien, Schulwesens, was den Hauptteii unserer «*tional-kulturelle» f!6f* detunge|yia. Stjple iasmacht. Bis aber dieser Kampf zu un- Schulwesen vom Untergang zu retten. ' lir derspeben ,geschlossenen Session du#• p«)tois«:l\*f Jp־!aments sprach m#n viel über die Schulforderungen der nationälen Minderheiten, in 'der BiW.ungskbmmission des ßejm haben nicht nur sämtliche Minderheiten entsprechende Gesetz- Projekte eingebracht, es geschah auch zum erstenmal, daß eine polnische Partei, und zwar die sozialdemokratische, ein Gesetz betreffend die Organisation des Schulwesens' der nationalen Minderheiten auf der Grundlage der Muttersprache als Unterrichtssprache ausgearbeitet uüd dem Parlament vorgelegt hat Diese Vorlage, welche im großen und ganzen die Schulforderungen der Minderheiten berücksichtigt, bezieht sich aber nur auf die Ukrainer, Weißrussen, Litauer (territoriale Minoritäten) und Deutsche. Bezüglich der Juden, erklären die polnischen Sozialisten, ist die Lösung viel schwieriger, da der innerjüdische Sprachenkampf eine Regelung der Frage erschwert. Die polnischen Sozialisten wollen darüber die Meinungen der jüdischen Parteien vernehmen, bevor sie ein Gesetz über das jüdische Schulwesen einbringen. Nun passierte etwas Eigenartiges, was kaum bei irgendeinem anderen Volke mög'ich wäre. Die jüdischen Sozialisten, in erster Reihe der ,,Bund“, von ihren polnischen ,Go nossen zu Rate gezogen, verlangten, daß das einzubringende Gesetz nur Schulen mit jiddischer Unterricht?- spräche berücksichtigen soll, d. 11. mit Hilfe auswärtiger Faktoren soll der innerjüdische Sprachenkampf entschieden werden. Der ״Bund“ verlange dies im Namen des Fortscjiritts, der proletarischen Solidarität‘' usw. Es half aber nichts. Die polnischen Sozialisten handelten sehr loyal und erklärten nicht willens zu sein, in den innerjüdischen Streit sich einzumengen und den Schiedsrichter zu spielen- Der Standpunkt des jüdischen Parlamentsklubs scheint ihnen viel annehmbarer zu sein. Die jüdische Parlamentsvertretung stellte sich in dem von ihr eingebrachten Gesetzprojekt auf den einzig richtigen Standnunkt, daß es den Eltern frei gestellt werden muß, über die Unterrichtssprache zu entscheiden. Der Staat hat jüdische Schulen sowohl mit hebräischer als auch jiddischer Unterrichtssprache zu erhalten. Freie Entscheidung der Eltern von je 30 Kindern über die Unterrichtssprache muß für alle Faktoren die einzig maßgebende sein. Die Oberaufsicht über die jüdischen Schulen hat die Regierung, die zentrale Leitung liegt in den Händen des SchuTdepartements beim Oberrat des Verbandes der jüdischen Gemeinden. Der ״Bund" verlangt auch diesbezüglich Eliminierung der jüdischen Gemeinden und Schaltung eines speziellen jüdischen Schulver« bandes. Obzwar der Beginn einer konkreten Schuldebatte ira Parlament und in der Oeffentlichkeit von nicht zu unterschätzender Bedeutung ist, ist es jedoch klar, daß es noch lange, sehr lange dauern wird, bis wir zu positiven Resultaten gelangen werden. Inzwischen verschlimmert sich die Lage der jüdisehen Schulen mit jedem Tage. Einen außerordentlich schweren Existenzkampf müssen die Tarbuthschulen führen. Bedrängt von rechts und links, nur deswegen sehr winzig durch die jüdischen Gemeinden und lokale Selbstverwaltungen subsidiert, sind sie hauptsächlich auf private Hilfe angewiesen. Im letzten Jahre ist das Schul werk des ״Tarbuth“ bedeutend gewachsen und umfaßt gegenwärtig 75 Kindergärten, 151 Volksschulen, 15 Mittelschulen, 5 Lehrerseminarien, 196 Abendkurse für Erwachsene. In all diesen Anstalten beträgt die Zahl der Schüler 46 840, die der Lehrer 1353. Das Lehrprogramm der Tarbuthschulen ist der beste Ausdruck der jüdischen Kulturrenaissance. Hebräisch ist selbstverstä'H’I'ch überall die Vortragssprache sämtlicher Lehrfächer. Nur die Tarbuthsrhulen sind frei von dieser Einseitigkeit, welche das Schulwerk der Orthodoxie einerseits und die «kir