Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1929-03-01 · Heft 17 (1.3.1929) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 17 (1.3.1929)
Date
1929-03-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2651273-2653062-2653080--20604-2678605
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

[C^ Minzclnammer 0,25 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Redaktion und Verlag Berlin W 15, Meinekestraße 10. Erscheint jeden Dienstag und Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldmark. Aastandc«Hoan«1rum»» w#r<f«a m Ser WSbrun* der einaeln«־» Llnd«r heradja««. Anzeigen-Verwaltung Jüdische Rundschau G.m.b.H., BerlinW15, Mainekaetr. 10 Telephon: Amt Bismarck 7165-70. Telephon:Bismarck7165 -70. Postscheckkonto:BerlinNr. 17392 Für 0«&f«rrefdhz Pcwt#p*rk etmenamt Wi«n, ICranto Nr 156030k Für T*rHech0AtnwaVni: Peu»rsparkas&4marm Pr•*, Konto Nr. 59410. Für Pdftm P0A»p«rk4»«namt W*r*cb*t1, Konto Nr. 14010% Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. Nummer 17 | Berlin, 1. III. 1929 Aatw(ffezipr«ia18 &1&p. Ö,$Ö €L~M-$t«lkngect1cb« 0,25 G.AC AiUMrispnudb'afi! Dien•(•« and Frai t * 81chmitt«R• 4 Uhr י״ט אדר יאשרו׳ תרס״ט | xxxiv.ja*«?. Pot Zionismus erstrebt tQr da» indische Voll« dl« Schaltung einer OHentllch«rechtlich gesicherten Helmslatte In Palästina. ״Baseler Programm.»* Deulsüies Komitee Ko Palästina Die diesjährige Mitgliederversammlung des Deutschen Komitees Pro Palästina zur Förderung der jüdischen Palästicasiedlung {and am 27. Februar unter Vorsitz von Graf Bernstorff b Berlin (im Hotel ״Der Kaser hof“) statt. Etwa 50 Mitglieder nahmen an ihr teil, darunter Prof. D. Dr. Bredt, M. d. R., Dr, A. Grabowsky, Regierungspräsident Dr. Haussmann-Stra'sund, Regierungspräsident Dr. Herbst-Lüneburg, Polizeipräsident Dr. Hohenstein-Kassel, Prof. Dr. Kraus-Göttingen, Fritz Nanhtali, Mitglied des Reichswirtscha ftsrates, Regierungspräsident Dr. Poeschel-Liegnitz, Freiherr von Rechenberg, Baron von Ricbthofen (Auswärtiges Amt), Geheimrat Prof. Dr. Sellin, Legationsrat Prof. Dr. Sobernheim (Auswärtiges Amt), Direktor Oscar Wassermann, Legationsrat Ziemke (Auswärtiges Amt). Graf Bernstorff eröffnete die Versammlung, begrüßte besonders die auswirt:gen Mitglieder des Komitees und sprach namens der Versammlung der zur Zeit krankheitshalber in Aegypten weilenden Schriftführerin Frau von Kardorff- Oh ei m b die besten Wünsche für baldige Genesung aus. Graf Bernstorff verlas sodann folgendes Schreiben des Staatssekretärs im Auswärtigen Amt Dr. von Schubert: Zu meinem lebhaften Bedauern ist cs mir nicht möglich, an dar heuigen General,erssmmlung des Pro Palästina-Kom.tees!eilxunehmen. Ich möchte ater nicht verfehlen, hei dieser Gelegenheit dem Komitee erneut rum Ausdruck ru bringen, mit wie großem Interesse ich die Arbeiten in Palästina verfolge. Cs ist mir daher auch eine besondere Freude gewesen, tu hören, daß im vergangenen Jahre auf allen Gebieten große Fortschritte erzielt worden sind. Sio sind nicht zum wenigsten der Opferfreudigkeit deutscher Juden ru verdanken. Sicherlich 1131 hierbei auch die aufklärende und wertendo Tätigkeil des Pro Palästina-Komitees ihre Früchte getragen. Ich schließe daher mit dem Wunsche, daß die Arbeiten des Komitees unter der Leitung seines bewährten bishe! igen Präsidenten auch in Zukunft von Erfolg begleitet sein mögen. Schubert. Im Rechenschaftsbericht des Präsidiums wird die politische und wirtschaftliche Entwicklung in Palästina behandelt und darauf hingewiesen, daß nach einer wirtschaftlich kri.is.hcn Zur Agency ״Frage In Deutschland Die Diskussionen, die seit einiger?eit!in deutschen nichtzionistischen Judentum über die Frage der Jewish Agency geführt werden und an denen sich vor allem die Kreise der ״Liberalen Vereinigung“ beteiligten, haben sich nun auch zu einer formellen Stellungnahme der ״Liberalen Vereinigung“ verdichtet. Diese ist, wie nicht anders zu erwarten war, ablehnend ausgefallen. Wer die Acußerungen der ״Jüdisch-liberalen Zeitung“ und der einzelnen dort zu Worte gekommenen liberalen Führer verfo'gt hat, der wußte bereits, daß die Grundeinstellung, mit der diese Kreise an das ganze Problem herangehen, eine völlig falsche und verstandnisiose ist Die Herren von der Liberalen Vereinigung meinen offenbar, daß die Bildung der Jewish Agency, die bestimmte, ihr im Palästina-Mandat vorgesdiriebene Funktionen zu erfüllen hat, eine Gelegenheit ist, um die ganze Frage des Paläsiina-Mandates und der jüdischen Nationalen Heimstätte von neuem aufzurollen. Die Erweiterung der Jewish Agency kann natürlich nur durch solche Elemente erfolgen, die geschaffen« politische Ta fsachen anerkennen und aus positivem jüdischen Gefühl am Werke des jüdischen Palästina-Aufbaues teilnehmcn wallen. Wer das nicht wi|l, wer blind ist für diese historische Aufgabe unserer jüdischen Generation, an den ist die Einladung zur Teilnahme nicht gerichtet. Die Beschüsse der Libcralen Vereinigung sind in ihrer naiven Ahnungslosigkeit politische Anachronismen. Es besteht nicht der geringste Anlaß, mit diesen Herren jetzt zu polemisieren über die Frage, ob die Bekenner des Judentums ״zu den verschiedensten Völkern gehören“, oder ob Palästina in der jüdischen Zukunft ebenso wie in der jüdischen Vergangenheit eine Sonderstellung zukommt. Es ist gut, daß die Stellungnahme der Liberalen mit so unmißverständlicher Deutlichkeit erfolgt ist. Daß der ganzen Angelegenheit keine allzu große Bedeutung beizumessen ist, geht schon daraus hervor, daß prominente Führer des Liberalismus wie Dr. Baeck es gar nicht für nötig gehalten haben, an dieser Sitzung teilzu'nehmcn. Die ״Liberale Vereinigung“ ist in keiner Weise repräsentativ für die geistige Bewegung des jüdischen Liberalismus in Deutschland. Die ״Liberale Vereinigung“ ist in ihrer Mehrheit ein Verein jenes selbstzufiiedenen Bürgertums, von dem gerade liberal-religiöse Persönlichkeiten gesagt haben, daß es Träger einer religiösen Bewegung überhaupt nicht sein kann. Der organisatorische Gesichtspunkt der Vereinigung ist denn auch kein religiöser, sondern ein rein opportunistischer. Nicht alle Liberalen machen diese Politik mit. Wir wissen, daß es auch in liberalen Kreisen eine ganze Reihe" von Menschen gibt, die zugänglich sind für nette Gedanken und deren jüdisches Gefühl noch nicht in hoffnungslosem Dogmatismus erstarrt ist Die jüdische Rege- «erafionsbewegung findet auch dort Freunde, und unter his'.orisehem Aspekt ist die Ablehnung des Palästina-Gedankens durch die ״Liberale Vereinigung“ weniger interessant als die Tat- Sache, daß immerhin eine Minorität jenes Kreises versucht hat, die ״Liberale Vereinigung“ zu einer Bereitschaft zur Teilnahme an der Jewish Agencv zu bewegen, und daß diese Minorität die Frage dort auf die Tagesordnung gesetzt hat Es gibt in Deutschland eine große und wachsende Zahl Periode in den Jahren 1926 und 1927 nn letzten Jahr eine Konsoltiierung auf allen Wirtschaftsgebielen ein״etrcfen ist, und daß Anzeichen für eine neue Expansion des Kofonisationswerkes in großer Anzahl vorliegen. Erwähnt wird das große Elektrizitätsvverk am Jordan, das jetzt s-dner Vollendung enlgegengelit, der Ausbau des Hafens von Haifa, den die paJästincnsrche Regierung demnächst in Angriff nimmt, die außerordentliche Entwicklung des Pflanzungsbaus an der Küstenebene von Haifa bis Jaffa. Es wird betont, daß die Palästina-Orange (Jaffa- Orange) sich immer mehr den Weltmarkt erobert und jetzt auch in Deutschla n d gut eingeführt ist. Mit dem neuen Oberkom־׳ issär Sir John Chanccl.or, früherer Gouverneur von Südrhodesia, ist zum erstenmal ein Mann mit kolonisatorischer Erfahrung an die Spitze getrelen. Es sei mit Sicherheit zu er warten, daß die Entwicklung des Kolonisa ionswerkes in diesem Jahr bedeutende Fortscbri te machen wird. Das Deutsche Komitee Pro Paläs.ina hat im abgelaufenen Jahr drei öffentliche Kundgebungen veranstaltet: in Berlin mit dem früheren belgischen Außenminister Herrn Emile Vanderveide als Hau’-trcferenten, in Breslau (unter Vorsitz von Herrn Obcrpräsi lenten l.üdemann) mit dem ehemaligen britischen Minister Cot. Wedgwood als Hauptredner, in Dresden (unter Vorsitz von Regierungspräsident Dr, Haussmann) mit Herrn Kalium S o k o I o w als Referenten. Ausführliche Berichte über diese Kundgebungen sind als Publi- Kationen des Komitees im Druck erschienen. Aehr.'hhe Pro Palästina-Komitees gibt es in England unter Vorsitz von Lord Robert Cecil, in Frankreich, Italien, Oesterreich und Belgien. Auf Antrag des Frci'ierrn von Rechenberg wurde das bisherige PräsrJium wiedergewählt;' neu hiazujewählt wurden die Herren Ministerialdirektor Dr. H. B a d t und Regierungs- Präsident Dr. Haussmann und als Schriftführer Dr. Mar ,in Rosenbiüth. In einem aut die Mitgliederversammlung folgenden zwanglosen Beisammensein wurde der neue Film ״Frühling in Paläslina“ vorgeführt. Die sehr lebendige und anschauliche Dar- Stellung des Lebens der jüdischen Kolonisten auf dem Lande und ln der Stadt erregte größtes Interesse und fand reichen Beifall. von Freunden des jüdischen Palästina-Aufbaus, die nicht der. Zionistischen Orgarisa ion angehören. Von diesen Männern ist ein erheblicher. Teil im geistigen Sinn dem jüdischen Liberalismus zuzurechnen. Dieselben Persön'ichVeilen stehen auch in den Reihen des Central-Vereins, und wir haben die seitsamc Erscheinung, daß wir gegen Organisationen zu kämpfen gezwungen sind, in denen einzelne prominente Mitglieder mit uns zusammenzuarbeiten bereit sind. Auch im Central-Verein, der ja, objektiv gesehen, als Organisation für das deutsche Judentum ungleich wesentlicher ist als etwa die ״Liberale Vereinigung“, sind seit Jahren eine ganze Reihe führender Persönlichkeiten, darunter auch Mitglieder des Hauptvor- Standes, aktive Freunde des Palästina-Werkes uni Mitarbeiter des Keren Hajessod. Wir sind uns darüber klar, daß der ideologische Kampf um die geistige Auseinandersetzung im deutschen Judentum weitergehen wird, solange hier Leben und Regsamkeit vorhanden ist Wir wollen auch in Zukunft keine Verschleierung der wirklich vorhandenen Gegensätze, aber wir wünschen, daß der Kreis jener Juden wichst, die ein aufrichtiges Interesse daran haben, die aktive und begeisterte Mitarbeit an der Schaffung der jüdischen Na'ionalen Heimstätte in Palästina für eine selbstverständliche Pflicht aller Juden zu erklären. Es muß die Zeit kommen, in der kein Jude mehr durch Beschlüsse einer jüdisehen Organisation daran gehindert wird, den Anschluß an das von der Jewish Agency verantwortete Werk zu finden. Es wird auf die Dauer nicht zu verhindern sein, daß auch Nichtzionisten die Paläs'.inafrage unter neuen weltpolitischen und völkerrechtlichen Aspekten betrachten. ״Times“ filier öle Rulhenterg-Arlieitea Die Londoner ״Time s“ bringt in ihrer Ausgabe vom 25. Februar eine ausführliche Darstellung der Arbeiten am Jordan-Stauwerk der Ruthenberg-üesellschaft, die in acht Monaten beendet sein soll. Die Tatsachen sind unseren Lesern bekannt, da die ״Jüdische Rundschau“ am 15. Januar ausführlich darüber berichtet hat. interessant ist, daß der Berichterstatfer der ״Times“ sich außerordentlich lobend über die Organisation des Lagers äußert. Es wird auch hervorgehoben, daß, obwohl jüdische Zuwanderung nach Transjordanien von der dortigen Regierung verhindert wird, tatsächlich 630 jüdische Arbeiter auf transjordanischem Boden arbeiten, ohne daß cs zu den geringsten Zwischenfällen käme. Der Berichterstatfer rühmt die sanitären Einrichtungen, die die Malaria- Erkrankung, die in den arabischen Dörfern der Umgebung 90 0/0 beträgt, bis zu 1,1 ••י herabdrückten. Er schildert die enthusiastische Stimmung der Arbeiter; man könne oft beobachfen, wie das ״jüdische Temperament“ den Wunsch habe, schneller zu arbeiten als die Maschine es kann, so daß die Arbeiter z. B. vor der kleinen Lokomotive herlaufen. Es sei auch den Arbeitern nicht gestattet, aus Ersparnisgründen vveniger zu essen, die Mahlzeiten sind obligatorisch. Die Kantine, so meldet der Bei i:ht erstatt er, ist vollständig alkoholfrei, nicht etwa, weil ein Alkokoiverbot bestünde, sondern weil keine Nachfrage vorhanden ist. Die palästinensische Elsenbahnverwaltung geht jetzt daran, die Eisenbahnen des Landes zu elektrifizieren. Das Budget der Palästina ~ Regierung Von Gerda Arlosoroff-Goldberg, Te!-Awiw. Die Palästinaregierung hat in der vorigen Woche einen Briefwechsel zwischen London und Jerusalem ver• öffentlicht, in dem Luke, im vorigen Sommer Stellver* treter des High Comniissioners für Palästina, jetzt sein erster Sekretär, und Am ery, der Minister für die Ko• lonicn in London, ihre Ansichten über die Gestaltung des Budgets von 1929 und die Finanzpolitik der Palästina• regierung austauschen. (S. die kurze Meldung in Nr. 13 der ״Jüdischen Rundschau“, zu der wir bereits in kri* tischen Bemerkungen Stellung genommen haben. Anm. d. Red.) Es ist das das erste Mal, daß dieser Meinungsaustausch, der Jahr für Jahr stattfindet, nicht einfach in den Archiven verschwindet, sondern der Öffentlichkeit zur Einsichtnahme übergeben wird. Es scheint jetzt in der Linie der Regierungspolitik zu liegen, einen gewissen Kontakt mit der Bevölkerung zu schaffen. Dieses Jahr brachte den ersten offiziellen Presseempfang im ReglerungsgeMude, der neue High Com miss ion er bemüht sich von Anbeginn an, sich durch zahlreiche verschiedenartige Delegationen mit den verschiedenen Schichten der Ein• wohner in Verbindung zu setzen, und jetzt ist man auch dazu geschritten, einen gewissen Einblick in das bisher streng verschlossene Buch der diplomatischen Korrespondenz des Landes zu gewähren. Es ist interessant, daß Luke in seiner Note an Amery die Erlaubnis zur Publikation ausdrücklich erbittet und zwar mit. der Begründung, daß in einem Land, das keinerlei parlamentarische Vertretung kennt, andere Wege beschritlen werden müssen, um für eine gewisse Information zu sorgen. Leider enthält dieser Briefwechsel in der Tat nur eine ״gewisse“ Information. Es fehlt in diesen Dokumenten die Hauptsache, nämlich ela detailliertes Budget, das ..4llei,n .Imstande 4sir einen exakten UebeöH®"Ib||־ dif fiskalische Politik des Oberkommissariats zu gewähren und, wa$ vielleicht noch wichtiger ist wir erfahren wenig oder nichts über die Motive, die der Leitung des Landes gerade diese und keine andere Politik vorschriebcn. Der Leser hat gegen die Finsternis ein Halbdunkel eingetauscht in dem es durchaus nicht leicht ist, den Weg zu finden. Es ist nachträglich noch Zahlenmaterial veröffentlicht worden, das einen gewissen Ueberblick über das Budget von 1929 gestattet, jedoch ebenfalls nicht vollständig ist Trotz alledem läßt es sich nicht leugnen, daß die Tatsache, daß die Regierung überhaupt daran geht, einen kleinen Teil ihrer Dokumente zu veröffentlichen, einen gewissen Fortschritt bedeutet Die wirtschaftlichen Komplikationen, die Palästina während der letzten beiden Jahre durchmachte, haben die finanzielle Lage der Regierung selbstverständ ich erschwert. Man wird sich erinnern, daß unter Lofd Plumer im vorigen Sommer eine Sparkommission eingo• setzt wurde, die Vorschläge für eine Balancierung des Budgets machen sollte. Der Grund dafür war der Ab- Schluß des Jahres 1927 mit einem Defizit von gegen £ 250 000 und die mißlichen Aussichten des Jahres 1928. Beide Perioden standen unter dem Druck der durch die Unterbrechung der Einwanderung herrschenden Wirtschaftskrlse und außerdem kamen noch eine ganze Reihe von Naturschäden dazu: Erdbeben, Heuschrecken, Dürre und Rinderpest. Bis heute ist von den Vorschlägen der Sparkommission nichts bekannt geworden. Je'zt geht aus dem Brief von Luke hervor, daß sie Kürzungen vorgeschlagen hat, und zwar deshalb, weil sie eine Erhöhung der Einnahmen (das heißt wohl ein Anziehen der Steuerschraube) für das Land schädlich erachtete. Angesichts dieser Lage hätte man damit rechnen müssen, daß die Regierung jede Abgabe nach außen vermeiden und alles daran halte setzen müssen, das Budget zu balancieren. Um so überraschender kommt die Bekanntmachung, daß gerade im Jahre 1928, das bereits ein Defizit des Vorjahres mitschleppte und selber keinen Ueberschuö besaß, große Beträge (über eine Million Pfund) zur Deckung von Schulden und Verp f li ch tu ngen der Regierungskasse entnommen worden sind. Wir haben dieses Jahr £ 650003 als die letzte Rate der ottomanischen Staatsschuld abgegeben und zirka £ 200 030 nach London für die Kosten der Okkupation des Süddistriktes gezahlt Dazu kommen spezielle Ausgaben in Palästina, wie die Uebernahme der Wasserversorgung von Jerusalem durch den Staat (£ 84 000) und Ausgaben für Bodenvermessung usw׳,; so daß insgesamt über eine Million Pfund außerhalb des regulären Budgets aufgebracht worden ist Es zeigt sich, daß die Jahre der großen Einwanderung einen Ueberschuß von ungefähr einundeinviertel Million bei der Regierung aufgestaut haben, der aber nicht nur dazu benutzt wurde, die Defizite der Jahre 1927 und 1928 auszugleichen und ־'^|t ן ך■-*3

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.