Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 14 (19.2.1929)
- Date
- 1929-02-19
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2651273-2653062-2653077--20584-2678582- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 86 JUEDISCHE RUNDSCHAU' Nr.!4,!ML 1029 Licht und Schatten im polnischen Zionismus (Parteikämpte in Kongreilpolen. •־־ Die Keren Ha|e»od־Aktion Jaffes. ־ - Die Hechaluz-Konlerenz. — Konsolidierung der Jugendorganisationen•) —g, Warschau, Anfang Februar. Die Lage in (kr allgemein-zionistischen Organisation Kongrcflpolens hat sich leider in den letzten Wochen bedeutend verscfiHmmert. Die Aufmerksamkeit der Ocffentlichkeit wird durch heftige Auseinandersetzungen, leidcnschaft'khc Polemiken und rücksichtslose Kämpfe in Wort und Schrift, in der Presse und in Versammlungen erregt, mi t mau steht erstaunt und tief bestürzt vor diesem trostlosen Schauspiel. Nie hätte man es für möglich gehalten, daß Brüder im Geiste sich so au* יgreifen würden..'.. Nach der Sezession der G r ü!1 b a 11 iri G r 11 p p e atu dem zionistischen Parteirate kam zwei Wochen später die Sezession efer Reichsgruppe aus dem jüdischen Paria* mentskluh. Der unmittelbare Anlaß — die Ablehnung durch die Mehrheit eines Antrages auf Wahl eines kollegialen Prä« sidiuins — kann üher die wahren Gründe dieses Konflikts nicht hinwcgtäuschen. Ls sind persönliche Ursachen und Meinungsverschiedenheiten in Fragen der Taktik gegenüber der Regierung. Die Ve! Schmelzung dieser Ursachen macht erst den Austritt der ostgalizischen allgemeinen Zionisten verständlich. Abg, Heller, Vertreter der ״Hitachduth“, blieb jedoch im Klub, da er prinzipiell seit Anfang Anhänger einer oppositionellen Taktik ist. Obzwar formell keine Spaltung vorhanden ist, da die Sezesslonisten keinen eigenen Klub begründeten, muß man aber faktisch eine Schwächung der jüdischen Repräsentanz im Seim feststellen. Die Vermittlungsversuche der Misrachigruope zerschellten an der Hartnäckigkeit der ostgalizischen Abgeord- 11 eten. Diese Ereignisse sind eng verbunden mit dem Kampfe in der Organisation. Die Et h l.i w n 01 h -G r u n pe betrachtet sich als Verbündete der Reichsgruppe im Kampfe gegen Grünbaum, und das gemeinsame öffentliche Auftreten dieser Gruppen in Warschau anläßlich der Sitzung des Oberrates führte zu unwürdigen Demonstrationen durch die Anhänger des Abg. Grünbaum. Der Beschluß des Oberrates, eine allgemeine Reichskonferenz für den 31. März einzubenifen, um die Unifikation durchzuführen, scheint unter den gegebenen Verhältnissen illusorisch zu sein, da eine Unifikation ohne *ine einheitliche Organisation in Kongreßpolen undurcltführhar brw. aveck tos ist. Mit Wehmut beobachten alle aufrichtigen Zionisten ln Polen diese bedauernswerten Zustände, Wenn dieser Zustand nicht sofort liquidiert wird, so können sich die Folgen für die Zukunft katastrophal gestalten. Versöhnliche Worte halfen bisher nichts. Ein starker Druck muß auf beide Gruppen ausgeübt werden. Dank der Initiative einiger Redaktions• mffglieder des ״II a j 111“ gründete sich in Warschau eine Gruppe sogenannter ״u nab hängiger Zioniste n“. wdche siel! zum Ziele setzten, einen Frieden herbeizuführen, indem sie ein gemeinsames Programm — für die ervveitertc Jewish Agency, für die Unifikation, für eine radikale Landespolitik — alle neutrale Zionisten, die Qegner des Kampfes sind, vereinigen will. Diese Gruppe hat sogar eine Konferenz nach Warschau einberufen und mit der Provinz Fühlung genommen, aber die Resultate ihrer Anstrengung sind bisher kaum sichtbar. Die im Zentralkomitee herrschende Gruppe des ״Eth Livvnoth“ bekämpft auch diese ,,Neutralen“ und bcecbtildr&t sic de! Einvernehmens mit dem!,Ai Harnisch*■ mar“. Ein versuch der ״Unabhängigen“, zwischen beiden Parteien zu vermitteln, scheiterte vor einigen Tagen. Grünbäum forderte Verschiebung der Landeskonferenz bis nach dem Kongreß und Reorganisierung des Zentralkomitees, das aus beiden Parteien zusammengesetzt werden soll. Diesen Vorschlag erklärte ״Eth Liwnoth“ nicht akzeptieren zu Können, und so ist die Situation wieder hoffnungslos. Aller Augen sind jetzt nach London gerichtet. Die für Ende Februar von der Exekutive einbenifene Beratung mit den führenden Männern sämtlicher Gruppen muß dem Chaos und den beschämenden Zuständen in Polen ein Ende machen. Ein energisches Eingreifen der Exekutive wird von allen begrüßt werden. * Müßte mau nur von solchen Wirrnissen aus Polen berichten, wäre es sehr schlecht um den Zionismus in Polen bestellt. Nun ist es anders, und neben den Schattenseiten kann der Beobachter glücklicherweise auch viele Lichtseiten feststellen. Während die Parteiführer um Unwichtiges streiten, bereist Leib J affe polnische Städte und entfacht für die Palästinasachc den größten Enthusiasmus der jüdischen Massen, konzentriert um sich sämtliche zionistische und auch nichtzionistischc Parteien und es gelingt ihm, überall verhältnismäßig große Summen für der! Keren Hajessod zu sammeln, ln Ausstellungsstreife Das gegenwärtig Sehenswerteste ist die schöne Lieberm a n 1! - A u s s t e i 1 u n g bei Bruno Ca s s i r e r (Derfflingerstraße), geöffnet noch bis Ende Februar. Hier hängen die großen uartenbilder in Farbenfülle, Farbenschönheit lind ausgeglichener Reife, die an den späten Monet denken läßt. Auch die kleineren sind meisterhaft in der gleichen Weite des Luftraums, in der Freiheit des spielenden Lichts, im gedämpften Licht der Rückseite eines Gärtnerhäuschens, in der Ruhe eines beschatteten Rasenfleckens. Besonders schön ist ein Blick aus dem Garten auf die Chaussee mit den Bäumen im Wind und dem hellblauen See dahinter. Audi ijringt diese Ausstellung meisterhafte Porträts. Sehr gutes Niveau hält die Porträiaussfeliung der Kunstgruppe des Lyceumldubs. Hier stellen auch einige Künstlerinnen aus, die den .,Rundschau“-Lesern zum Teil schon aus eigenen Ausstellungen bekannt sind. Die junge begabte Malerin Elli Hcimaim zeigt ein schönes Damenporträt, genannt: .,Porträt eines jungen Mädchens‘‘. Die Rundung des Kopfes, der durikelrote Ton des Kleides, der Samtklang in den Äugen strömen Wärme aus und Hingebung. Lotte Laserstein zeigt liier einen ausgezeichnet gemalten Männerkopf, den bekannten ״Filmmongolen‘‘ aus dem Romanrehen CafC sehr dicht, sehr geschlossen komponiert. Ilona Singers Porträt aus dem Bereich der Kinderstube zeigt in vielen hellen und dekorativ begabt angelegten Farben einen kleinen Jungen, um* geben von viel Licht und Hygiene, es wurde aber nicht mehr als ein Stillcben, und das allein ist hier zu wenig. Ueberragend wie immer, Persönlichkeit mit S״hwert und Leistung, die auf Dauer zielt, so zeigt sich auch diesmal wieder Rahef Szalit. Man spürt die gegensätzlichen Kräfte: abwartendes Beobachten und vorwärts drängende Kraft auch in diesem zufälligen Porträt des modernen jungen Herrn. Von Lene Schneid er-Kainer erinnert das Bildnis eines Persers in violett und braunrot an die große Orientfahrt. Sehr interessant und lebendig wirkt Paula Fischer in den hellen und scharf geprägten' Flächen ihres Porträts der Frau S. S. Die Bjidhauerinnen kommen durch den günstigen Rahmen auch zu ihrem Recht Ausgezeichnet ist wieder der Mädchen¬ R o wuo, Bendzin, So$no wice. Luek, Radon wurde Jaffc mit der größten Begeisterung aufgenommen und hat so den Beweis erbracht, daß trotz der schlechten ökonomischen Lage für unsere Fonds sehr viel geleistet werden kann und überhaupt ein großes Arbeitsfeld für den Zionismus vorhanden ist. Eine starke Organisation könnte Wunder wirken. Die besten Menschen stehen aber abseits. Auch in Warschau und in Lodz, wo infolge bekannter Umstände eine jede Sammlungsaklion auf größere Schwierigkeiten stößt als tu der Provinz, gelang es doch der unertnüa* liehen Tätigkeit Jaffes, neue Kreise zu gewinnen und größere Spenden für den Keren Hajessod zu erreichen. Insgesamt beträgt das ziffernmäßige Resultat der letzten Monate ungefähr 150 000 Dollar, das Zehnfache dessen, was ira Vorfahre in Polen gesammelt wurde. Es ist das ausschließliche Verdienst Jaffes und seiner Mitarbeiter, Leider mußte Schuchowiizki, welcher außer den Hauptstädten Grodno, Bialvstok, Czenstochau und Wilna besuchte und überall starke Wirkung übte, Polen verlassen und Jaffe ist ebenfalls im Begriffe abzureisen, Wenn Jaffe noch einige Monate in Polen verbleiben könnte, ist es gewiß, daß Polen wiederum einen angesehenen Platz unter den Keren Hajessod-Ländern eimichnicn würde. * Ein weiterer Lichtpunkt in den letzten Wochen war die H e c h a I u z k o 11 f e r c n z in Warschau. Man darf nicht am polnischen Zionismus verzweifeln, wenn mau eine solche Jugend sieht wie die mehrere Hundert Delegierten und Gäste, welche aus den entferntesten Hachseharalinunkteii und Jugendgruppen nach Warschau kamen und volle 5 Tage lang mit Ernst und Würde, mit Begeisterung und in Eintracht, mit zu bewundernder Sachkenntnis Paläaiinaprohieme erörterten, konkrete Fragen des Aufbaus behandelten und all dies in hebräischer Sprache, im Geiste vollster persönlicher Verantwortung für das nationale und soziale Werk in Palästina. Die letzte Hechaiuzkonferenz war eine imponierende Manifestation, weiche einen starken Eindruck machte. Es beteiligten sich an ihr auch diejenigen, welche einige Tage nachher die Reise nach Palästina antraten. Sprinzak begrüßte die Tagung im Namen der Histadruth und sprach Worte des Stolzes und der Freude, daß er einen solchen Aufschwung feststellen könne. Diesmal fand kein Sprachenkampf statt, auch keine theoretischen Debatten üher das Verhältnis zum Sozialismus; die Aufmerksamkeit der Konferenz konzentrierte sich um die Fragen der Hachscharah, der Jugendorganisationen im Verhältnis zum Hechaluz und auf die Ziele und Wege der Arbeiterkolonisation in Palästina, Grünbaum gelang es nicht, die Konferenz gegen die Erweiterung der Jewish Agency umzustfmmen. fm Gegenteil: Harzfeld sprach die Meinung aller aus, daß dies keine Hauptfrage sein könne, nur eines der Mittel zum Ziele. * Die Jugend ist also besser als die Alten. Zu verzeichnen ist noch mit Genugtuung, daß die zionistische Jugendbewegung in Polen wächst. Der ״Haschomer Hazair“ und die ״Gordoniah“ verbanden sich stärker mit dem Hechaluz. Und aus Krakau gebt eine Bewegung aus. sämtliche allgemeinzionistische Jugendorganisationen in Polen zu konsolidieren und sie dem Parteigetriebe zu entziehen. Jakob Loeweaberg Vor einigen Tagen verstarb in Hamburg der jüdische Dichter und Literarhistoriker Jakob Loewenberg Im 73, Lebens- Jahre, Loewenberg hat sich durch eine Reihe von Anthologien der deutschen Lyrik bekannt gemacht und auch selbst viele Gedichte und Erzählungen verfaßt, Loewenberg ist ein typischer Vertreter einer vergangenen Generation gewesen, die hi der Assimilation ihr höchstes Ideal sah. Er hat auch gelegentlich seine Ansichten über die Judenfrjige dargelegt, z. 8. in der ״Kunstwart“-Debatfe vor dem Krieg. Loewcnbergs etwas altmodisch anmutende Gedichte zeigen mehr gute Gesinnung als Talent, es ist ihm aber manchmal gelungen, den volkstümlichen 1 on zu treffen. Vielfach widmete er seine Oedichte der Verherrlichung des Deutschtums, und mit derselben gutmütigen Naivität schrieb er begeisterte jüdische Gedichte. Erst kürzlich erhielten wir sein Buch ״Kämpfen und Bauen“ (Verlag M. Glogau jr., Hamburg), eine Sammlung von Gedichten jüdischen Inhalts, die auch der Leser, der an ihrem künstlerischen Wert zweifelt, als Interessante Dokumente einer guten und beschaulichen jüdischen Familientradition würdigen wird. Viele dieser Gedichte sind entrüstete Proteste gegen den Antisemitismus. Dem modernen jüdischen Empfinden ist Loewcnbergs Produktion freilich fern, doch soll nicht verkannt werden, daß sie von menschlicher Lauterkeit und gut jüdischem Gefühl zeugt und für eine bestimmte Epoche des jüdisch-deutschen Bürgertums repräsentativ gewesen ist. Oie Bodenbesteacrang 11 PaUsiina Die meisten Zionisten wissen aus der Presse, daß die OruodsteuerverhäRnisse Ercz-lsraels der jüdischen Kolonisation abträglich sind. Aber nur die Wenigsten wissen, woran tfas liegt und wie dem abgehoben werden kann. Denn die Bodenbesteuerung Palästinas ist eine schwierige Materie. Dr. A. Granovsky gebührt das Verdienst, das übersichtliche Geaetzeamaterial aus zahllosen verstreuten Quellen zusammengetragen und in seiner Schrift ״Die Bodenbe ste« erung in Palästina“ (Jüdischer Verlag, Berlin 1928) außerordeat* lieh klar und auch für Laien verstand ich dargestellt zu haben. Ein Dutzend Textfabcilen gibt in aller Kürze die wichtigsten steuerstatistischen Daten. Aber die Schrift ist mehr als eine Materialsammlung. Sie ist eine sachliche finanzwissenschaftliche Darstellung — und das beißt in diesem Falle eine vernichtende Kritik — der palästinensischen Landwirtschaftsbcstcuerung. Zwei einleitende Kapitel zeigen die Bedeutung der Bodensteuem im Haushalt der Palästinaregierung und die Entwicklung der palästinensischen Steuergesetzgebung in türkischer und englischer Zeit Dann folgt in vier Kapiteln die eingehende Darstellung der vier Steuern, welche die Landwirtschaft belasten: Oscher, Werke, Aghnaro und Rassem. Anschließend werden die Bodensteuern einiger benachbarter Mittelraeerländer verg'eichsweise dargestellt. Auf Grund dieser Untersuchungen kommt Gra* novsky zu einer scharfen Kritik des auf die Formen feudalabsolutistischer Wirtschaftsführung zugeschnittenen palästinensischen Steuersystems mit seiner Rohertragsbelastung und zu praktischen Vorschlägen für die Reform des palästinensischen Steuersystems, vor allem des Oschers. Diese Vorschläge berücksichtigen die besonderen wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen des Landes und dienen so den Interessen aller Bewohner Erez-Israels. Erst das Schlußkapitel weist auf die Notwendigkeit der Steuerreform für die jüdische Kolonisation hin und erhebt besondere Wünsche zugunsten der jüdischen Siedler. Das Buch ist mit ebensoviel Sachkenntnis wie Sachlich- Reit geschrieben, ganz tinpolcmisch. Um so mehr erschüttert es jeden, der die Wirkungen eines unsinnigen Steuersystems auf Bestand und Entwicklung kolonisatorischer IJntemehmungen zu beurteilen vermag. Wenn auch die Palästinarcgienuig sich im Laufe des Jahres 1928 zu einer Reform des Oschers entschlossen hat, welche die schlimmsten Mängel dieser Steuer abstellt, 90 bleibt auch nach dieser Reform Granovskys Urteil noch immer richtig: ״Anstatt die Kolonisationsarbeit der Juden zu fördern ...., wie es seitens der Regierungen 80 vieler anderer Länder neuen Einwanderern gegenüber geschah und auch jetzt noch geschieht, ist das in Palästina geltende Steuersvstem dazu angetan, gerade die neuen tatkräftigen jüdischen Elemente in starkem Maße zu belasten.“ Das in Palästina geltende Steuersystem stammt aus der Zeit Abdul Hamids, fn der türkischen Republik aber, deren politische Entwicklung sieh unter großen inneren und |uße> ren Schwierigkeiten vollzieht, gibt es seit 1925 ein modernes Steuersystem. Und ira Palästinamandat gibt es einen Artikel, der die Mandatsregierung verpflichtet, die Entwicklung nicht nur des Jewish National Home, sondern des ganzen lindes durch gesetzgeberische und Verwaltungsakte zu fördern. Die Oranovskysche Schrift ist also sehr lehrreich, nicht nur für Wirtschaftler und künftige Ansiedler, sondern minde- Stens ebenso sehr für jeden, der sieh aktiv mit zionistischer Politik befaßt. Hubert Pollack. Eia 100000 Dollar-Fon!« tflr ErzlebvngsarDdl New York, lü. Februar, (J, T. A.) Ein ungenannt sein wollender Spender hat eine Summe von 100000 DöWar als ״Nisslm-Behar-Fonds“ zur Erhaltung einer Kaben- und Mädchenschule in Palästina gestiftet und die erste Rate in Höhe von 10000 Dollar bereits zu Händen von Nissim Behar erlegt. Nissim Bchar ist in Palästina geboren und hat sich bis Ende des vorigen Jahrhunderts sehr viel ira Erziehung«* und sozialen Hilfswerk Palästinas hervor, getan; er hat u. a, das Schulwerk der Altianee Israelit« Universeile im Orient begründet. 1931 kam er nach New York. Beth Waad Iwr>. Letzten Sonntag fand die feierliche Ein• Weihung des neuen hebräischen Klubs in Berlin, Grolraann- Straße 36, statt, der eine wichtige Institution de« nationalen jüdischen Berlin zu werden verspricht. Ueber die Gründung des Klubs haben wir bereits berichtet. Die schönen geschmackvoll und zweckmäßig eingerichteten Räume waren überfüllt; man konnte mit Genugtuung feststellen, wie groß die Gemeinde der Hebräischsprechenden in Berlin ist Den Vorsitz bei der Eröffnungsfeier führten Dr. S 01 0 w e i t s e h i k, Nathan und L e w i n. Herr K a r e s k i und Dr. Klee begrüßten im Namen der jüdischen Gemeinde; darauf wurden eine große Zahl von Reden geha'ten, beinahe des Guten zuviel, wie aas bei solchen Anlässen üblich ist. Wir hoffen, noch oft Gelegenheit zu haben, auf die Tätigkeit des Klubs zurückzukommen. köpf von Frau Haim-Wentscher, zart und behutsam gebildet, mit großen ruhigen Flächen. Frau Lippmann Wulf zeigt den interessanten, vielfältig im Ausdruck gegliederten Porträtkopf des Malers Schocken. Die außerordentlich lebendi ge Mundpartie spricht ein Kapitel jüdischer Geschichte. Und da wir beim Porträt sind, gilt es etwas nachzuholen, ein paar Worte über die vortreffliche Ausstellung des Malers Josef Oppenheimer. Er ist im Porträt durch großzügige Linie und weltmännische Auffassung einer der wenigen, den man neben Liebermann nennen darf. Eine Frau im Spitzenkleid, ein junger Engländer, der vortreffliche gespannt-kritische Gelehrtenkopf des Professors Friedemann und das Doppelporträt: Herrmann Struck und Pasternak sind Meisterbi Id er. In der Kunststube Königln-Augusta-StraBe zeigt nur noch wenige Tage Artur Sega! neue Gemälde. Verwöhnt wie wir durch den immer produktiven, immer jugendlich angriffsfreudigen Künder starker Farbe geworden sind, erwarten wir von fast jeder Ausstellung eine neue Technik. Diese gibt es diesmal nicht, aber eine Reihe vortrefflicher Kompositionen. Zu konstatieren ist, daß er seiner l.icbe zur Plastik auch im Gewand der Malerei treu blieb. Die beiden Porträtbildnisse seiner Tochter als ״Lesende“ und als ״Nähende“ zeigen außer der Plastik den verhängten Stil, mit dem Sega! als Meister der Farbe die mit Sicherheit visierte aparte Wirkung erreicht Am schönsten sind aber die hellen Bilder: ein vfergeteiltes in schönem Blau, die großen Rechtecke vielfach und kunstvoll abgetönt bis zu braunen Farbklingen und ein stark farbiges, nicht verhängtes Stilleben; ein weilser Teller mit roten Aepfelo, Orangen. Bananen und Wein. Ausgezeichnet gemalt ist das Selbstbildnis: Plastik: aus dem »unkel ins Lieht Der junge Felix Nußbau m — seine vor wenigen Tagen eröffnete Ausstellung befindet sich in der Galerie Casper, Lützowufer — hat sich seit den letzten zwei Jahren sehr entwickelt ln den ersten Ausstellungen — damals war er 21 und 22 Jahre, fiel er auf durch flott gemalte und gut in Angriff genommene!'1 Ls. Jetzt zeigt er — er ist noch immer Schüler der .,,Lei ■־nie .- bemerkenswerte Vorstoße zur Komposition und reiche künstlerische Phantasie: Lyrik mit einem Zug zum Mirehen, eine vieiveriprcchende Mischung. Da steht z. B. am Verladeplatz in Ostende ein graziöser Spitzenturm mit weicher Innenhöhlimg wie aus einer Spielzeugstadt und es glitzert überall von Rosa und Grün und Perlmutterweiß. Das parallele Nebeneinander von Kai und flachem Boot ist ,ein schwimmendes Oleitenlassen einer fast traumhaften Stimmung־. Die Farbe der Pariser Bilder von Rudolf Jacobi, Utrillo de Vlaminck kehren als Mischung der belgischen Palette sicher unbewußt gebraucht wieder. Im Gedächtnis bleiben neben guten Kompositionen eine kleine Hütte in hügeliger Landschaft, ein Ton wie in Bergeisens Lyrik und ein sehr gutes Stilleben mit einem Messinggefäß. Der Zug zur Romantik, der sich vorläufig jugendlich lyrisch gibt, ist auf dem Wege in tiefere Gcfühlsbcreichc. Ein bemerkenswertes jüdisches Gemälde hängt in Osnabrück, der Heimat des jungen Künstlers, ich sah es nur in einer Photographie. Es zeigt mit dem Blick zum Ausgang der Synagoge einen älteren Mann und einen verträumten jungen, ihn selbst, beide im Talles, von vorn. Schon diese Photographie zeigt, daß — zu gegebe!er Zeit — auch das deutsche Judentum, sofern es als jüdische Gegenwart gefiih't wird, eine der osf|iidisehen Kunst gleichwertige jüdische Kunst hervorbringen kann. Ruth M o r 01 d. Nene Veröffentlicbmttf der ״Akademie“, Soeben ersdbisn ab Publikation der ״Akadomia für die Wissenschaft da« Judentums" 41a kritische Ausgabe «ina* dar jüdisches Rlawikor 4« Mittalalters. E» handelt sieb uradaaSaforbaRiknaa.dw Jona ibn Ganach (erste Hllfta da« וו• Jahrhundart« in Spanien), ein Standard Work der hebräischen Sprachwissenschaft, herausgageben von Dr. Michael VVilensky. Zugrunde liegen die vier Handschriften der hebräischen Ueber- Satzung das J. ibn Turban, sowie das arabische Original. Den kritisch feslgeslellten Text beglei'en aahlreiche Erläuterungen zur Erloichterung de» Verständnisse«. Register und Glossar machen die Edition zum handlichen Nachschlagewerk. Da» Buch wird jedem, der für hebräisehe Sprach» und rationale Bibelexegese Interesse hat, besonders aber den Bibliotheken der jüdischen Gvmnasien, sehr willkommen sein. — Vorläufig erscheint der erste Ijalbband, der zweit« ist im Druck fast fertig.