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Jüdische Rundschau · 1929-02-08 · Heft 11 (8.2.1929) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 11 (8.2.1929)
Date
1929-02-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 68 JUEDfSCHE RUNDSCHAU Nr. 11, 8.11.1029 Thoraireuer und liberaler Zionismus Von Dr. Jesaja Leibowitz und Jakob van Cleef, Köln. Am Kreisen des J un/j~M israchi erhalten wir nachstehende Zuschrift, mit der wir uns nicht identifizieren können, deren Ernst aber unstreitig kt. Wir werden auf die Probleme selbst noch zurückkommen. Red. Im Zusammenhang mit der Ncuaufrollung der Frage der zionistischen Gcmclndcpolitik (neues Gemelnoeprogramm, Be- Ziehung der Z. V. f. D. zur Jüdischen Volkspartei) sowie anläßlich der Beunruhigung weiter zionistischer Kreise wegen des volksparteilich-liberafen Uebereinkommens in Berlin sei die Beziehung von Zionismus und Liberalismus vom Standpunkt der tboratreuen jungzionistischen Bewegung־ aus betrachtet. Diese Bewegung fühlt sich mit dem Oesamtzionismus aufs engste verknüpft und setzt sich nachdrücküchst für die Er* Haltung auch der organisatorischen Einheit des Zionismus ein. Gerade von diesem Standpunkt aus selten wir in der letzten Entwicklung große Gefahren. Wir haben immer im Zionismus die gegenwärtige Manifestation des durch die Zeiten fortexistierenden Gesamtjudentums erblickt• In diesem Sinne haben wir die ״Neutralität‘‘ gegenüber der entscheidenden jüdischen Frage, der Frage der Tradition, zwar nicht billigen, aber doch anerkennen können: Auch wir verlangen den Zusammenschluß aller Juden, "die das jüdische Volk durch den Aufbau des jüdisehen Landes regenerieren wollen, in welchem Sinne es auch sei, da_ uns dabei unbenommen bleibt, überzeugt zu sein, daß eine jüdische Volksgemeinschaft durch die immanente Logik der Tatsachen die durch Thora und Tradition gegebene Form annehmen muß und wird. Wir sahen und sehen keine Brücke zwischen Zionismus und dem als Liberalismus auftretenden Reformjudentum als solchem, was natürlich niema's ausschließt, daß der Zionismus auf Grund der von ihm proklarierten Neutralität und Gewissensfreiheit sowohl liberale als auch traditionelle Juden zu gewinnen sucht. Dementsprechend haben wir etwaige zentrifugale Tendenzen innerhalb des thoratreuen Zionismus stets aufs schärfste bekämpft. Mit großer Besorgnis glauben wir in der letzten Zelt wahrnehmen zu müssen, daß in der Z.V. f. D. sich die Tendenz eiaer Annäherung zwischen Zionismus und Liberal! sm us bemerkbar macht. Wir verkennen nicht, daß sich die Situation objektiv insofern geändert hat, als religiös liberal gesinnte Zionisten, die von der zionistischen Ideologie bisher nur als Möglichkeit vorausgesetzt und daher prak* tisch unberücksichtigt geblieben waren, nun auch wirklich in Erscheinung treten. Es zeigt sich aber, daß der Zionismus hiermit in einen schweren inneren Zwiespalt gerät: Einerseits müßte als Konsequenz der von der Zionistischen < rganisatbn proklamierten religiösen Neutralität die Gleichberech Tgung der liberalen und der traditionstreuen Richtung, beispielsweise in der Gemeindepolitik, anerkannt werden, andererseits muß die praktische Durchführung dieses Prinzips den Zionismus notwendlgerweisc seines Charakters als Manifestation des K!al Jisrael, der mit dem Begriff der Tradition stellt und fällt, entkleiden. Die letzten Erwägungen haben tatsächlich den deutschen Zionismus bisher immer veranlaßt, in der Gemeindepolitik den traditionellen Standpunkt zu vertreten. Ein Bruch mit dem historischen Judentum würde dem Zionismus großen Ideellen Schaden zufügen, der durch einen etwaigen (dazu noch sehr unsicheren) quantitativen Zuwachs aus aem liberalen Lager nicht aufgewogen würde. Während der Zio* nismus bisher die Frage der Tradition offen ließ, würde er sie durch eine Einstellung, wie sie andeutungsweise in dem neuen ״Gemeindeprogramm der Z V. f. D.“*) zutage tritt, zu einer Angelegenheit sekundärer Bedeutung stempeln, was für thoratreue Zionisten untragbar wäre. Auch würde mit einer solchen Neuorientierung die Gefahr einer völligen Entfremdung des deutschen Zionismus den ostjüdischen Massen gegenüber herauf beschworen, die unbeschadet der religiösen Einstellung des Einzelnen keinerlei Beziehung zu dem spezifisch westjüdischeu Liberalismus haben. Der Oesamtzionismus war bisher in der glücklichen Situation, sich in der Rcligions- und Traditionsfrage nicht entscheiden zu müssen. Es ist vielleicht ein Symptom der Reifung und Vertiefung des zionistischen Gedankens, daß er nicht mehr an der geistigen Peripherie verharren kann, sondern sich nun mit aem jüdischen Kardinaiprob’.era auseinandersetzen müß. Dazu nötigt einerseits das oben erwähnte Auftreten eines liberalen Zionismus, andererseits aber auch die beginnende Neuorientierung des thoratreuen Z onismus in Ge- Staat der jungmisrachistischen Bewegung, ln Nr. 2 der ״Jüd. Rundschau“ hat Dr. Kanowitz über clen Hambumer Bundestag des ״Zeire Misrachi“ berichtet und auf die Entschiedenheit seiner politischen und sozialen Forderungen sowie auf sein inniges Verbundensein mit der Zionistischen Organisation hin- ׳־ewiesen. In dem Bericht kam aber nicht zum Ausdruck, daß;ie radikalen nationalen und sozialen Forderungen des tnoratreuen Jungzionismus aus demselben Geiste geboren sind, in dem er gewillt ist, dem Standpunkt der Thoratreue im 410nismus viel größeren Nachdruck zu verleihen und sich nicht mit der manchmal leisetreterischen Haltung des Misrachi zufrieden zu geben. Sehr charakteristisch für die beginnende geistige Auseinandersetzung im Zionismus ist die Situation .n Palästina, wo der areligiöse, rein weltliche Charakter des Aufbaus früher fast als selbstverständlich galt, während gegen• wlrtig die Einstellung zur Tradition (besonders im Schul• und Erziehungswesen > zu einer zentralen Frage geworden ist. Es ist an der Zeit, daß die Zionisten sich der Schwere und Tragweite der unvermeidlichen geistigen Krise bewußt werden. I I Der Verein ehemaliger Schüler der Gartenbaaschule Ahlem veröffentlicht zu seinem 25. Stiftung*- fest eine kleine Jubiläumsschrift, die für alle Freunde einer landwirtschaftlichen Berufsausbildung von Juden von großem Interesse ist. Die Schrift zeigt uns, daß Ahlemer Schüler in der ganzen Welt zerstreut sind und beträchtliche Erfolge im Gartenbau erzielt haben, was zweifellos der vorbildlichen Ausbildung in der Anstalt zu danken ist. Außer aus verschiedenen Teilen Deutschlands haben Schüler aus Amerika, Kalifornien, Italien, Polen und Palästina Berichte über ihre Tätigkeit eingesandt. Für uns Leser wird besonders ein Aufsatz von S. Weinberg, gegenwärtiger Betriebsleiter im Ciartenheim der Mädchenfarm Nahalal, von Interesse sein. Weinberg schildert die Möglichkeiten, die sich für Ahlemer im Gartenbau in Palästina ergeben. Ein zweiter Aufsatz berichtet über die Tätigkeit in H e r z 1 i a in Palästina. Das gut ausgestattete und mit zahlreichen schönen Photographien geschmückte Heft wird beschlossen von einem Aufsatz des Direktors Silberberg, der an das Interesse der Oeffentlichkeif für den Ausbau der Anstalt appelliert. *) Nr. 8 der ״Jüd. Rundschau“. So sehr die offenere Betonung der zionistischen Prinzipien in der Gemcindepoiiik zu beg rußen ist, so ist doch aufs schärfste zu mißbilligen, daß Entscheidungen von so weittragender Bedeutung der zionistischen Öffentlichkeit monatelang vorentkatien werden. Es sieht dies fast wie ein Rückfall in die von m: Z'onisten steis bekämpfte Notabeinpolitik aus. Letzteres!.ti“ ■auch für das volksparteilich-Iiberale Abkommen in Berlin. Kleine Nachrichien Die in der vergangenen Woche aus Europa In Palästina eingetragenen Einwanderer konnten In den letzten Tagen sämtlich Ihren Arbeitsstellen zugetcllt werden. (Zlko.) Im Dezember 1928 wanderten nach der soeben bekanntgegebenen offiziellen Mitteilung 187 Juden (unter der allgemeinen Zahl von 261 Einwanderern) in Palästina ein und 99 (unter insgesamt 178 Auswanderern) aus. Der Lehrerstreik, der am 25. Januar von der jüdischen Ichrerorganisation in Palästina wegen der Gchaltsriickstände ausgesprochen wurde, wurde noch am gleichen Tage auf Grund der inzwischen erfolgten Verständigung mit der Zionistischen Exekutive widerrufen. (Ziko.) Emil Vändervclde und seine Gattin haben die Einladung der Rottcrdamer Zionisten angenommen, iu Rotterdam vor zionistischen Kreisen über ihre Eindrücke aus Palästina und den Zionismus zu referieren. — Der Vortragsabend wird am 19. Februar stattfinden und mit einem Bankett, das Herr Hertzberger zu Ehren der Gäste geben wird, abschließen. (Ziko.) Nach einer Mitteilung des Zionistischen Touristenbüros in Jerusalem trafen mit dem Hapag-Dampfer ״Resolute“ 63 j ü - disebe Touristen, größtenteils aus Amerika, ein. Unter den Touristen befindet sich Herr Abraham G. Elkus, der früher Botschafter der Vereinigten Staaten in Konstantinopel war. Unter dem Vorsitz des Herrn Oskar Cohn fand am 28. Januar in Berlin die ordentliche Sitzung der Exekutive der Emigrationsvereinigung Hias-Ica-Emigdirekt statt. Nach einer Aufstellung des Hauptbüros des Keren K a j e m e t h betrugen die Einnahmen des Keren Kajemeth im ersten Viertel des Jahres 5689 31 287 Pfund. (Ziko) Am 28. Jan. wurde das ״Neujahrsfestder Bäume“ (״Chamischah-Assar Besclnvat“) in ganz Palästina in der übliehen Weise von den jüdischen Schulen begangen. Die Kinder zogen mit ihren Fahnen in langen Zügen zu den Plätzen, wo die Vorbereitungen für die Auspflanzung von Bäumen getroffen waren, ln Jerusalem wurden von 4000, in Tel-Awiw von 5000 Kindern Baume gepflanzt. (Ziko.) Die feierliche Eröffnung des Nathan und Lina Strauß-Hauses (״Gesundheitszentrums“) soll zu Peßach 1920 in Anwesenheit führender jüdischen Persönlichkeiten aus Europa und Amerika stattfinden. Reverend John Haynes Holmes, einer der Führer der amerikanischen Friedensbewegung, hat die Einladung von Nathan Strauß angenommen, an der Eröffnungsfeier des Nathan Strauß-Iiauses in Jerusalem teilzunehmen. (Ziko.) Wie der ״Dawar“ im Zusammenhang mit einem Besuch von Mr. Campbell in der Stadt Akkaba berichtet, soll Akkaba künftig in drei Regionen geteilt werden, von denen je eine Palästina, dem Hedjas und Transjordanien zufallen soll.(?) Der kommunistische ״Emess" teilt mit, daß die Verwendüng der Biro-Bidsdian-Pioniere in der Forstarbeit sich als ein Mißgriff erwiesen hat. Von 300 Neusiedlern, die sich dieser Arbeit gewidmet haben, blieben nur 70 dabei. Aus dem Bericht des Direktors des Herzlgvnmasiums von Tel-Awiw geht hervor, daß das Gymnasium gegenwärtig von 673 Schülern besucht wird. Die Palestine Electric Corporation hat in Haifa in der Nähe des Technikums Grundstücke für die Errichtung von Beamtenwohnungen erworben. Der bekannte englische Schriftsteller Rudyard Kipling wird Anfang Marz dieses Jahres von Aegypten aus Palästina besuchen. Der Waad Hapoel (Exekutive) der Arbeiterorganisation beschloß in seiner letzten Sitzung, das 25jährige Jubiläum der zweiten Alijah am Gedenktage von Tel Chaj in Petach Tikwah durch eine Feier zu begehen. Die ״C.-V.-Zeitung“ weist auf einen Bericht der nationalsozialistischen deutschen Arbeiterpartei über die Werbetätigkeit im Jahre 1928 hin, in welchem es heißt, daß rund zwanzigtausend Werbeversammlungcn stattgefunden haben. Herr S. Blum, der den Bau des Schriftstellerhauses ,phcl Sehern“ in Tel-Awiw mitfinanziert hat, hat laut ״Doar Hajom“ 4000 Dunam Boden in der Nähe von Tu! Kercm bei der neuen Siedlung ״Natanja“ erworben. Die Palästina-Regierung hat beschlassen, zur Fortsetzung der Aufforstungsarbeiten bei Tiberias, Bab el Wad und anderen Orten mehrere hunderttausend Setzlinge aus den jüdischen Arbeiterinnen-Wirtschaften anzukaufen. (Ziko.) Die Postverbindung mit dem Irak, die früher über Damaskus ging, wird nun über Rabbat Ammon und Jerusalem geleitet. Jeder Posttransport wird von vier Militär-Kraftwagen begleitet. In den Hauptverkehrsstraßen Jerusalems sowie zwischen Stadt und Vororten verkehren jetzt insgesamt 75 Autoomnibussc, von denen 60 in jüdischem und 15 in arabischem Besitz sind. Versuche, das Auionetz zu erweitern, scheiterten an dem Widerstand der Polizei, die eine Vermehrung der Autobusse auf den schmalen Straßen Jerusalems nicht für ratsam hält. (Ziko.) Dr. I. A■ Kastclianski hat sein Amt als wirtschaftlicher Berater der Zionistischen Exekutive, das er seit!926 inne hatte, niedergelegt Unter dem Titel ״DieFragedesKercnKajemcth“ ist eine neue Broschüre in Jerusalem erschienen, die die heute aktuelle Diskussion über die Prinzipien und das System des nationalen Bodenbesitzes besonders berücksichtigt. Dr. Eckener sagte in einem Interview, daß das Luftschiff ״Grat Zeppelin“ im März 1929 über das Mittelmeer nach Aegypten und Palästina fliegen werde. Die jugoslawische Presse stellt fest, daß König Alexander den Juden und dem Z i 0 n i s m u s starke Sympathien cntgegenbringt und daß die Juden gleich den anderen Minderheiten in Jugoslawien gegen das Diktatur-Regime keine Einwendungen erhoben haben. Am Sonntag, dem 10. Februar, vormittags a9 Uhr, veransfaltet der Märkische Stenographenbund Stolze Sehre-, Pc irk Groß-Berlin, im Könlgstädtiscnen Gymnasium, Elisahc.h ir. 57, ein stenographisches Wettschreiben, bei dem auch in hebräischcr Sprache geschrieben werden soll. ״Grolle )Mische NaJtonalbiograptoe“ Von der großen jüdischen Natlonalbiograpliie, die S. W i - ninger in Czernowitz herausgibt, ist soeben der dritte Band erschienen. Dieses Werk von erstaunlichem Ausmaß ist auf fünf Bände berechnet und wird über achttausend Biographien jüdischer Männer und Frauen aller Zeiten und Länder enthalten. Der Herausgeber hat einen überaus großen Sammeleifer entwickelt und es ist ihm gelungen, viel Material zu beschaffen. Er selbst betrachtet sich als Sammler, d. h. er verwendet vor allem die Ihm zur Verfügung stehenden Quellen ohne persönlich wesentliches zu ändern. Auf diese Weise entsteht natürlich eine gewisse Ungleichmäßigkeit, die aber der Lesbarkeit des Werkes keinen Abbruch tut. Es ist zu bedauern, daß der Herausgeber bei jüdisch interessierten Kreisen und Institutionen nicht stärkere Unterstützung findet. Sein Werk zeigt nicht nur die bedeutende Kulturleistung der Juden auf allen Gebieten, sondern ist auch als ein Handbuch und Nachschiagebuch sehr nützlich für alle, die mit jüdischen Dingen zu tun haben. Der dritte Band weist f' י’ י ״ ' ... ' mit den Buchstaben H bis zum Buclistabeti La. Viele große' jüdische Familien sind darin enthalten, bei denen mehrere Träger des Namens anz«führen waren, beginnend mit der Gelehrten- (amilie Harkavv über die Heller, ilcnriquez, die Heiraanns, Hildesheimers, "Kirschs und Hirscht'elds, dann die große Gruppe der Holländer, Horovitz, Isaacs, Israel und Josef, dann die vieles Kahn, Kolm, Kraus, Kohcn und Landau usw. Es Ist natürlich unmöglich, im Rahmen dieser Anzeige einzelne Persönlichkeiten hervorzuheben, etwa Baron Hirsch oder Samson Raphael Hirsch oder Sir Ruins isaacs, die in diesem Sammelnamen enthalten sind. Von Einzelartikcl erwähnen wir Heine, Krochmal, Lassalle, Moritz Lazarus; besonderes Interesse verdient der Artikel H e r z 1, der in aller Gedrängtheit die wichtigsten Informationen über den Zionismus enthalt, sowie der ausführliche Artikel über den ersten europäischen Zionisten Moses Heß. Der Originalität halber sei auch erwähnt, daß Jesus, der Be• ründer des Christentums, als bedeutender Jude mit Recht in ieser N’atioualbiographie einen ausführlichen Artikel erhalten hat — Auch die von uns bereits bei früheren Anlässen gerügten Fehler sind bestehen geblieben. Der peinlichste dieser Fehler ist die Aufnahme von Nichtjuden, besonders häufig bei zeitgenössischen Persönlichkeiten, wo eine Information doch leicht zu erreichen wäre. So ist z. B. Max K1 i ס g e r zum Juden gestempelt, oder der Schriftsteller Max Herrnann-Nelsse. im vorausgehenden Band war Kasimir Edschmid enthalten und Stefan George. Es wäre doch zumindest erforderlich, daß der Herausgeber, wenn er auf solche schwere Irrtümer aufmerksam gemacht wird, der nächsten Lieferung seines Werkes eine Berichtigungstafe! mitgibt, denn er selbst wird doch wohl nicht die Absicht haben, sein Werk dadurch praktisch fast unbenutzbar zu machen, daß es wegen notorischer Irrtümer a!• unzuverlässig angesehen werden muß. Ebenso wäre es notwendig, bei Juden, die aus dem Judentum ausgetreten oder bereits als Christen geboren sind, dies zu vermerken. Es geht z. B. nicht, den Dichter Hofmanasthal und dessen Bruder einfach als Juden in die Nationalbiographie aufzunehmen. Eben• so unzulässig ist z. B. das Verschweigen der Tatsache, daß die Nachkommen des berühmten Oberrabbiners Jellinek keine Juden mehr waren usw. Die Beispiele lassen sich vermehren. Einen annehmbaren Ausweg hat der Herausgeber bei dem Artikel Kolumbus gewählt, indem er in einer Fußnote die Utastrittenheit der Frage, ob Kolumbus Jude war, anführt Unseres Erachtens wäre aber auch dieser Artikel besser ganz weggeblieben. Der Herausgeber muß im Interesse der Sache einen weg suchen, um die Fehler, die die Benutzung des Werke» beeinträchtigen, richtig zu stellen und ähnliche in Zukunft zu vermelden. Briefe an die Redaktion Brlth-Trumpcldor. Berlin W15, den 5. Februar 1929. Redaktion der Jüdischen Rundschau Berlin W15, Auf das In Nr. 8 ihres geschätzten Blattes veröffentlichte jlj Schreiben des Herrn Schlomoh Katzenstein aus Düsseldorf er» t klären wir folgendes: Der Tel-Chal-Gruß ist auf unserer letzten WeUktmferenz in Warschau zum offiziellen Bundes'gruß bestimmt worden. Er erscheint uns auch als Symbol kämpfender Verteidigung iü« d(sehen Bodens und jüdischer Ehre in Verbindung mit der Erinnerung an die Heldenfigur Trtmipeldors als zionistische Begrüßung durchaus geeignet , , 1 Was nun die Behauptung des Herrn Katzenstein an belangt» daß Jabotiusky zum Verlassen und zur Nichtverteidigung von Tel-Chai aufgefordert hat, weisen wir auf folgende Tat! Sachen hin: Im Waad Hazirim, der im Monat Adar 56S0 in Jerusalem tagte, schlug Ussischkin, der damalige Vertreter der Zionist!■» sehen Exekutive in Palästina, vor, nach Tel-Chai zur . Unter- Stützung Trumpcldors eine Hilfsexnedition zu entsenden. Jato• tinsky trat diesem Vorschlag Ussaschkins, der auch von dem Arbcitcrflügel unterstützt wurde, entgegen und bewies, daß es militärisch und strategisch unmöglich sei, auch nur die kleinste Hilfstruppe nach Tel-Chai durchzubringen. Da die Entsendung einer größeren Expedition infolge der unüberwindbaren Schwie• rigkeit, eine rückwärtige Verbindungslinie hcrzustellen und die Verproviantierung zu sichern, undurchführbar war, for* dertc Jaootinsky die Vertreter der Arbeiterschaft auf, Trurapel• dor und seine Chawerim unverzüglich in die englische Zone zu• rückzurufen. Unser Führer wies bei dieser Gelegenheit darauf hin, daß es zu diesem hilflosen Zustand nicht gekommen wäre! wenn die Exekutive und die zionistische Oeffentlichkeit Im Jahre 1915 Trumpetdor bei der Bildung jüdischer Regimenter unterstützt hätte und wenn die Reste der jüdischen Legionen nicht demobilisiert worden wären. Der Waad Hazirim beschloß darauf, eine Kommission nach Ajeleth Haschachar zu schicken, welche die Möglichkeit, Hilfstruppen nach Tel-Chai durchzU» bringen, untersuchen sollte. Als die Kommission in Alejetb Haschachar ankam, war aber das Schicksal Trumpeldors und seiner Chawerim entschieden! Ebenso, wie wir den Entschluß Trumpeidors, eine jüdische Orenzposition nicht kampflos aufzugeben, achten und bewun* dem, verstehen wir andererseits den Standpunkt unseres Führers Jabotiusky, der die Aufgabe einer so exponierten und isolierten Kolonie wie Tel-Chai empfohlen hatte, um dadurch das Leben Trumpeldors und seiner Chawerim zu retten. Wir bitten, mit dieser unserer Antwort noch folgende Mitteilung verknüpfen zu dürfen: Nach den uns zugegangenen Berichten befanden sich seinerzeit unter den 63 Angreifern auf das Heim des Klubs der ״Linken Poale Zion“ in Tel-Awiw nur 6 organisierte Mitgiieder des Brith-Trumpeidor! Die von der Stadtverwaltung Tel-Awiw geplante Untersuchungskommission ist nicht zustände gekommen. Unsere Chawerim haben darum der Zeugen- Vorladung seitens einer Gruppe von Abgeordneten der Stadt- Verwaltung, die sich als Untersuchungskommission proklamierte, nicht Folge geleistet Erst jetzt wird auf Anregung des Brith- Trumpeldor in Palästina ein Schiedsgericht eingesetzt werden, dem von unserer Seite Herr Rosoff, und seitens der Linken Herr Mereminsky angeboren. Beide Herren werden »׳ermutlieb Herrn Ussischkin als Vorsitzenden wählen. Wir sind davon überzeugt, daß dieses Gremium den wahren Tatbestand feststellen wird, und hoffen, daß Ihr geschätzte» Blatt es alsdann vermeiden wird, uns auf ein Niveau ml» den Hlflrr-Oarriisfen zu stellen. Mit Tel-Chai-Gruß l'rilh-Trumpeldor Berlin Hans Werner, Gruppenführer, V w׳r werden auf die Angelegenheit noch zurückkommet!,

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