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Jüdische Rundschau · 1929-01-22 · Heft 6 (22.1.1929) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 6 (22.1.1929)
Date
1929-01-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr 6. 32. L 1929 JUCDISCHC RUNDSCHAU Scitt 97 Ein Jüdisches Stück und ein christlidics Publikum Zar Uraufführung der ״Pest“ von Anskl-Nadol, ״Die Pest“ von Anskl-Nade’. ist, wie die Leser der .,Jüdi- *hen Rundschau“ wissen, am 8. Dezember im Nationaltneater in Mannheim zur Uraufführung gekommen und auch an dieser Stelle schon besprochen worden. Der Kritik, die hier ein ge* legcnthcher Mitarbeiter veröffentlichen konnte, möchte Ich ein Nachwort widmen, nicht uro dem zu widersprechen, was der Verfasser Ober den literarischen Wert des Stuckes gesagt hat, sondern was er darüber als Jude ln einer jüdischen Zeitung jüdischen Lesern sagen zu müssen glaubte. Und das lief daraut ninaus, daß aus dem Stück weder eine Beurteilung des Chassldis* mus noch des Judentums gewonnen werden kann, daß das Stück lerner Dinge enthält, wie ״das häßliche Herumzerren einer Thora rolle", wo es doch unmöglich wäre, ein ähnliches Oebaren mit einer Monstranz auf die Bühne zu bringen. Schon des* wegen scheint es dem Verfasser unmöglich, dieses Stück als deutsches Theaterstück gelten zu lassen. Eine Kritik irgendeines einzelnen Einwurfes ist unfruchtbar. denn es ist leicht, jedem Wort ein Qegenwort entgegenzustcllen, und die Streitenden wissen dann doch nicht, wie die Leser darüber denken. So möchte ich mich denn damit begnügen, hier fcstzusteücn, daß leider die Kritik gerade in der ״Jüdischen Rundschau“ zu den etwa drei oder vier ablehnenden Kritiken über das Stück gehört, während mehrala70glänzende Kritiken darüber vorllegen und daß gerade bei der christlichsten Presse Deutschlands, nämlich beider Zentrumspresse, das Werk eine außergewöhnlich tietgehende Beachtung gefunden hat, — eben well es ein religiöses Werk Ist. Zunächst ist es aber auch schon vom jüdischen Standpunkt aus sehr bedeutsam, daß überhaupt ein deutsches Theater, noch dazu in der deutschen Provinz, es gewagt hat, eine Dichtung aus dem chassidlachen Qeisteakreis in deutscher Sprache ohne Hinzufügung irgendeines Jargonwortes herauszubringen und dazu unter der Leitung eines christlichen Regisseurs (Kenter) mit einem überwiegend nichtiüdi* sehen Personal (nur zwei Juden verzeichnete der Theater* zettel)! Das Theater rühmte sich dessen in dem Programmlieft sogar besonders und wies darauf hin, daß zum erstenmal mit rein deutschen Mitteln an eine rein jüdische Dichtung herangetreten würde. Nur die deutsche Aufführung des ״Dybuk“ unter einem jüdischen Regisseur (Vierten lag als Prlzcdenz* fall vor. Eine große Anzahl der vorliegenden 70 Theaterkritiken be* beschäftigte sich daher auch mit der Frage, ob es Oberhaupt richtig ist, ein derart jüdisches Stück auf die deutsche Bühne zu bringen. Ob es nicht richtiger ist, solche Aufführungen der Ha bim ah zu überlassen. Das Ergebnis dieser Frage ist ver* sehledenartig. Aber das für das Judentum Erfreuliche ist, daß die überwiegende Mehrheit feststellt, daß, wenn das Stück auch eigentlich eher von der Habimah hätte gespielt werden sollen, es trotzdem von Schauspielern, die, wie mehrfach geschrieben wurde, ״westlicher Kultur“ angehören, hervor* ragend und echt dargestellt wurde. Es l*t selbstverständlich, daß der Einwatid, so ein Stück sollte von nationalen Theatern gespielt werden und nicht von deutschem, konventionellem Denken entspringt, Nur weil jüdische Stücke solcher Art zuerst von den Wilnaern und der Habimah nach Deutschland gebracht wurden, zu meinen, sie müßten nun immer nur von jüdischen Theatern gespielt werden, ist genau so unsinnig wie etwa die Forderung, Shake* speare dürfte nur von englischen Theatern gespielt werden, ",eil ihn zuerst englische Komödianten nach Deutschland gebracht haben. In Wahrheit stellt die Aufführung eines solchen Stückes durch das Mannheimer Nationaltheater einen außerordentlichen Fortschritt jüdischer, aber such deutscher Kultur vor. Jüdischer Kultur: weil damit aner* kannt wird, daß sie Werte enthält, deren Vermittlung auch für den deutschen Zuhörer etwas bedeutet: deutscher Kultur: weil sic damit das nur sie selbst schändende Vorurteil gegen das Ghettojudentum aufgibt und sich zur Annahme der dort geschaffenen Werte entschließt. Das Sonderbarste war aber nun, daß diese christliche Aufführung eines jüdischen Stückes ganz hervorragend war und es christlichen Bühnenkünstlern und vor allem dem wirklich deutschblütigen Kenter (man muß nur diesen blonden Germanen sehen!) gelang, nicht nur das ethnographische, sondern auch das religiös-mystische Milieu so wiederzugeben, daß eine außerordentliche Dramen- und Bühnenwirkung entstand. Das be- ®tätigte auch der Kritiker der ״Jüdischen Rundschau״, indem er zum Schluß ״einen unbestreitbaren starken Erfolg“ registriert. ln Wirklichkeit war es auch für jüdische Zuhörer einfach ergreifend, welche geradezu unglaubliche Wirkung von der jüdischen Religiosität des Werkes ausging. ״Schweigender Ergriffenheit für die bannende Wirkung folgte stürmischer Beifall“ (״Hamburger Fremdenblatt“) oder ״Uneingeschränkter Beifall dankte für die Bekanntschaft mit einer erschlitternden Dichtung“ (״Hamburgischer Correspondent“). Oder ״als nach langem ergriffenen Schweigen der Beifall losbrach, mußte der Vorhang dreißigmal hochgehen4‘ (״Mägde* burgische Zeitung“). Die kommunistische Mannheimer Arbeiterzeitung schreibt: ״Es raste die Tribüne, der Olymp“ (da saßen bestimmt nur deutsche Arbeiter und Kleinbürger!). Das sozialdemokratische Mannheimer Blatt nennt die Eindrücke ״tief und nachhaltig“. Und so weiter durch 70 Zeitungen! Und man muß sich nun vergegenwärtigen, daß hier eben nicht nur das Werk, sondern doch vor allem ein jüdisches Werk so ungeheuer gewirkt hat und daß noch vordem Kriege die Aufführung eines solchen Stückes mit Synagogengesängen auf der Bühne bei dem latenten deutschen Antisemitismus einfach unmöglich gewesen wäre! Aber auch die jüdische Geistigkeit im allerletzten binne Irrt durch nur gewonnen. Es ist fast unglaublich, daß die nationale Presse und die Zentrumspresse in Aachen, Bremen, Chemnitz, Baden-Baden, Frankfurt am Main, Heidelberg, Köln, München die tiefgehenden Wirkungen de« ehaaaidiacnen Geistes in zum Teil sehr *elbständigen Kritiken analysiert hat. In manchen Zeitungen steht dieses geistige An* erkennen des Judentums unter dem Strich in nicht geringem Kontrast zur politischen Haltung des betreffenden Blattes über dem Strich. Hunderttausende Leser haben durch diese Kritiken die Geistigkeit der jüdischen Welt kennen gelernt, von der sie ira allgemeinen kaum eine Ahnung haben. Zentrumsblitter wie die ״Badische Volkszeitung“. ״Rheln*Mainische Zeitung44 oder die ״Kölnische Volkazeitung“ sprechen mit kaum zu überbietendem Respekt nicht nur von der Dichtung mit ihren ״apokalyptischen Hintergründen“, sondern auch von der ostjüdischen Erömmigkeit una Mystik. Eine kommunistische Zeitung spricht von einem jüdischen Tolstoi, wie überhaupt die dramatische Wirkung des Werkes am ehesten mit ״Ueber die Kraft44 oder ״Das Licht scheint In der Finsternis“ zu vergleichen ist. Demgegenüber spielt die Tatsache, daß auf der Bühne eine Thora versöhnt und zu Boden geworfen wird, überhaupt keine Rolle — geschieht dies doch in einem Wahnsinnstat, und der es tut, erhängt sich zuletzt. Eine Fülle ritueller Gebräuche wird dagegen auf der Bühne mit größter Feierlichkeit agiert, und wer gehört hat, ln welche Stille hebräischer Psalmen gesang verhallte, der wird wohl sagen dürfen, daß mit dieser Uraufführung eines rein jüdischen Werkes in einem rein christlichen Theater ein neues Kapitel vollkommenster Gleichstellung des Judentums und vollkommenster Achtung vor seinen geistigen werten in Deutschland beginnt. Daß diese Wirkung aber keine Zufallswirkung einer Premiere war, zeigen erfreulicherweise die Berichte über die Wiederholungen des Stückes vor einem ganz christlichen Publikum, das in ausverkauften Häusern mit einem in Mannheim bei Aufführungen moderner Stücke noch nie gehörten Beifallsgeschrei sich jedesmal von den wuchtigen Eindrücken dieser Tragödie befreite. Das bestätigt nur, wie recht eine große Anzahl von Zeitungen aller Richtungen haben, die schreiben, daß diese rein jüdisch mystische Welt hier zu einem Drama geworden ist, dessen Eindruck denkwürdig und bleibend ist. — r. Oedipus im Staatstheater. Das Problem des (unverdienten) Leidens ist in zwei überlebensgroßen religiösen Dichtungen der Weltliteratur zu *einer gültigen, unvergänglichen künstlerischen Gestalt gekommen: Ira Oeaipm-Draioa des Sophoeies und ira Buche Hiob. In beiden wird die Incomraeniurapllitlt der göttliehen und menschlichen Welt offenbar. Aber im Hiob ist der Gedanke reiner, unmittelbarer, weil der sich •ufbäumende Held keine erkennbare Schuld trägt; im Oedipus führt die unab* Inderliche, durch keinen Menscheneingriff zu ändernde Wqjtord* nung den Menschen, der vor dem uebel flieht, in eben das Verbrechen, das er nicht begehen will. Kein Verschulden trifft ihn, denn er wollte nicht aas Böse, und doch ist er beladen mit tragischer Schuld. Der Fluch wirkt durch alle menschliehen Ordnungen, auch die der Ethik, hindurch; so wie, um wieder ein jüdisches Beispiel zu nennen, der Segen, der auf Jakob rulit, sich Bahn bricht, ohne des Menschen Isaak Willen und menschlicher Sittengesetze zu achten (was In Beer Hof* manns ״Jaakobs Traum“ so schön verdeutlicht wird). Die Tiefe dieses Fluches und dieser Schuld, die jenseits der weit des menschlichen Bewußtseins ihr eigenes Dasein führt, hat in ira* «er«« Zeitalter ein großer Jude erkannt und seinen Sinn «1» dem Bereich der Metsphyeik tar die Realität hezüberzoholen begonnen, wsa freilich niemals ganz gelingen kann. Denn es bleibt der unauflösbare Rest, der uns schauern macht, wenn wir die griechische Tragödie erleben. Der Dichter selbst hat Im zweiten Drama eine Verklärung und Versöhnung gesucht; der schwergeprüfte Mann, der unbewußte Verbrecher, wird eine Art Heiliger, noch im Tode ausgestattet mit übermenschlichen Kräften, und entrückt in die Ewigkeit. Die Größe dieser Tra* gödie ergreift, auch wenn wir heute über adäquate Mittel, sie im mythischen Sinne aufleben zu lassen, nicht verfügen. Die Auf* führung Ira Staatstheater ist die Schöpfung zweier Juden: Jessner und Kortner. Jessner hat durch die Zusammen* Ziehung der beiden Dramen, des ״Tyrannos“ und des ״Kolo* nos“, eine weitere Perspektive ermöglicht; es ist etwa so wie wenn man beide Teile des Faust zusammenzieht, so daß der Abend nicht mit Heinrichs Schuld, sondern mit seiner Begnadüng endet Gegen Einzelheiten der Inszenierung, die hier zu erörtern nicht der Ort ist, kann man Einwände erheben; aber das Ganze ist getragen von einer einheitlichen Auffassung und gestaltet von dem willen einer starken Persönlichkeit, Und Kortner als Oedipus, der den Versen seine herrliche melo* diöse Stimme leiht, ist zu Beginn nicht die — später gebrochene — Siegfried-Gestalt des Sphinx-Bezwingers, sondern von Anfang an nervöser Gezeichneter. Er hat wenig von der antiken Hoheit, aber er ist ein Mensch, der den Jammer des Menschenschicksals dieses Unglücklichen ins Gestammel eines Heutigen übersetzt. Die anderen Rollen sind fast durchwegs mit erstklassigen Sprechern besetzt (von denen Ida R0* Iand besonders zu nennen ist). So wird der ״Oedipus“ zweifei• los einer der Abende dieser Saison bleiben, die zeigen, daß in Berlin nicht nur blöde Judenstücke gehen, sondern daß — gerade unter führender jüdischer Mitwirkung — auch ernstes Theater möglich ist. ______ MiW«. Leasings kleines Lustspiel ״Die Juden“, das Werk des Zwanzigjährigen, wurde anläßlich der Lessingfeier in der Volks* bühne am letzten Sonntag aufgeführt Es hat wohl nur noch historische Bedeutung, literarhistorische so gut wie kulturgeschichtliche. Denn so wenig die primitive Technik und der preziösc Dialog uns heute fesseln, so frappant wirkt die Aktuaiität des Juaenmotlvs; was hier über Antisemitismus gesagt wird und die Art, wie jeder Spitzbube, um sich reinzuwaschen, mit sicherem Instinkt für das von den Zeitgenossen gern Oeglaubte den Verdacht auf die Juden lenkt, das ist auch nach!80 Jahren durchaus zeitgemäß. Die von Günther Stark geleitete Aufführung ging flott vonstatten, die Herren Qnas, Manz, Schweizer und Staudte entledigten sich mit Grazie und Geschick ihrer anspruchslosen Aufgaben. — Vor der Aufführung feierte Ministerialrat Grimme in einem volkstümlichen, warm empfundenen Vortrag Leasings Bedeutung für unsere Zeit. — t. IUI 1nM11ur11n11nnH1111111111M1!1Min11>n1nM1ui1nn1111111M1M111M111n1111n11u111111M11111111M1M111111u111e:1111M11111111Mi1m1U11mtMtmM11(u!n11111M1M111n1t1111111i11111r11111110111H1MMU111111M111u11t11itHni1n111111111111111iht171t1‘1M111111111tM111»u111M11nn'1f1n11ii1rM Bai die Getreldewirlsclialt Pallsttaas eine Mault? Der Handels-Zeitschrift ״Mis'ehar Wetaassijah“ (Tel-Awiw) wird berichtet, daß das Regierungskomitee für Industrie und Handel zu einer Sitzung einberufen hatte, um die »rage zu klären, ob auch weiterhin auf Weizen ein Im* Port zoll erhoben werden soll. Die Sitzung gelangte noch zu keinem Ergebnis. ״Mis’char Wetaassijah“ fordern die Aufhebung dieses Zolls mit folgender Begründung: Die natür* »che Entwicklung der palästinensischen Landwirtschaft gehe 1״ die Richtung zunehmender Intensivierung, insbeson* dere durch Ff.ege der Plantagen und des Gemüsebaus. Auf dem Gebiete der Industrie könne man nicht davon ausgehen, daß diese gerade auf der Verwendung einheimischer Produkte aufgebaut sein müsse. Somit sei der Plan der Re* gierung, den nohen Getreidezoll aufzuheben, der heute 105 Mil auf too kg Getreide betrage, sehr zu begrüßen, da dieser Zoll heute nur dazu diene, die palästinensische Getreidewirt* schaft künstlich zu ehützen, für die bei den netürliehen Bedingungen Palästinas doch keine Zukunft sei. Die jüdischen Siedlungen seien sieh darüber längst klar, und verkleinerten systematisch die Anbaufläche für Getreide. Auch für die Mehl, und Mazzothindustrie würde eine Aufhebung der Oetreidezölle wünschenswert sein, da diese Industrien nicht ausschließlich palästinensisches Getreide verwenden könnten. Endlich aber würde die Aufhebung der Oetreidezölle zu einer Verbilligung des Brotes und wahrscheinlich zu einer allgemeinen Verbilligung der Lebenshaltung führen. Schutzzölle seien grundsätzlich zu begrüßen; aber sie müßten dem Sdn!:« von Wirtschaftszweigen dienen, denen eine Zukunft im Lande bevorstehe, nicht zum Schutze primitiver und nicht förderungswerter Wirtschaftszweigs. Zn Julius Htm' secMptam Wmrtelag Persönliche Erinnerungen. Von Julius Simon, New York. leb bin einer der Vielen, die nicht fehlen wollen, um Julius Moses anläßlich seines sechzigsten Geburtstags öffeotlieb ihre Anhänglichkeit zu bezeugen. Ist doch mein ganzer Werdegang als Zionist in einem bedeutenden Umfang von Ihm beeinflußt worden. Ich hatte das Glück, ihn in den entsehei* elenden Jahren meine* Lebens zum Freund und Berater zu haben. Da war in Mannheim, unter der Leitung de* verdien*♦• vollen Klausrabbiners Dr. Unna, ein kleiner Diskussionsklub entstanden, wo man wirklich freien Meimmesauitausch halten konnte, denn dieser kluge Lehrer und Führer hat Achtung vor Jeder ehrlichen Ueberzeugung und ist von solch tiefem Wissen erfüllt und dsbei in seinen Lebensüberzeugungen so fest verankert, daß er sich gestatten kann, jeden noch so ketzerischen Meinungsaustausch zuzulassen. Dort diskutiert* man auch mal, als eine der jüdischen Zeitfragen, den Zianls* mus, und ich erinnere mich noch, wie ich versuchte, dabei als Oppisitonsredner zu brillieren. Kurz darauf erschien eines Abends ein unbekanntes Trio in unserem Klub: drei Mann* heinier Aerzte, die gerade vom dritten Baseler Kongreß kamen, der auf sie einen tiefen Eindruck gemacht hatte. Einer von ihnen war Dr. Moses. Die Begeisterung dieses geborenen Redners, dessen Worte aus echtem Empfinden kommen, riß mich mit, und von diesem Augenblick an war ich der Ide* verfallen. An seiner Seite erlebte ich die Entwicklungen der Bewegung der Herzischen Zeit. Er war es. der den jungen, unbekannten Zionisten mit dem Auf und Ab der Herzischen Diplomatie vertraut machte, der ihn das El Ariseh.Projekt ln all seinen Phasen miterleben ließ, von der geheimen Unter* suchungskommission bis zum Plan der neuen Hafenstadt Port Zion, gegenüber von Port Said, der ihn mit dem Einfluß ver* traut machte, den der badische Großherzog auf dje Bewegung ausübte und wie er in einer Audienz deutscher Zionisten, an der Dr, Moses teilnahm, alle durch seine viel Intimere Kenntnis gerade akuter zionistischer Ereignisse ln Verlegenheit brachte, der ihn mitzittern ließ wäbrencf Herds Krankheit, die er, der erfahrene Arzt, mit wachsender Besorgnis verfolgte, Ws zu jenem schweren Tag, da er mir, durch das Telephon schlurf!* zend, den Tod des Führers raittellte, den ihm, dem Mitglied des Aktions-Comitäs, ein Telegramm aus Wien gemeldet hatte. Die Jahre, die folgten, brachten ihn. den überzeugten Anhänger Wo!ffsohns und mich, den Russen“, etwa* in der zionistischen Arbeit auseinander, aber wir beide waren unter den wenigen (leider!), deren persönliche Beziehungen, trotz aller politischer Gegensätze, ungetrübt blieben, ja, »Ich In der Zeit jener Meinungsverschiedenheiten, wie im Feuer erprobt, noch tiefer gestalteten. Dann kam der Krieg und die räumliche Trennung. Aber unverändert lebt in mir die Erinnerung an unsere, lei; sage, trotz des Altersunterschieds, gemeiniame Jugend und die Dankbarkeit für das, was Julius Mose« mir gegeben Hst. Stephen Wise und di« Agency. Di« amerikanisch« 110• nistische Wochenschrift ״The New Palestine“ veröffentlicht anläßlich des. Auftretens von Stephen Wise im A**C. *eine Rede vom 17. Januar 1927, die er anläßlich des Abschlusses der Vereinbarung zwischen Weizraann und Marshall in New York gehalten hat. ln dieser Rede tritt Dr. Wise mit großem Nachdruck für Weizmanne Politik der Erweite* rang der Agency ein, ohne von den Bedenken, die er Jet« ira A.-C. verbrachte und die damals ebenso bestand«! haben mußten, auch nur eto Wort zu erwähn««, ״Th« Nm tf* ieiifne“ stellt dies« R*dt »einer letzten Berfner A.*G4Mt gegenüber. Die vom Internationalen Studentendfeaat einbenifene Kon* feren* von nichtjüdischen und jüdischen Studenten zur Be* ratung des Kampfe* gegen den Antisemitismus an den Universitäten der verschiedenen Länder ist am 9. Januar in B i e r v i 11 e in der Nahe von Paris zusaramengetreten. Unter den 48 Delegierten der Konferenz sind 25 Niemjuden und ö Juden. Die Verhandlungen werden von MeKen (England) ge* feitet. Dfe Konferenz befaßte sich mit allen Erscheinungen des Antisemitismus an den Universitäten und mit Maßnahmen *u deren Abwehr. Einen besonderen Raum ln der Aussprache nahm die Frage der Bekämpfung des Numerus clausus ein. Sitzung du ICA-Rates. Der Conseil der Jewish Coionl* sation Association trat in diesen Tagen in Pari* ZU einer Sitzung zusammen. Den Vorsitz führte Herr Franz Philippson-Brijssel. Von den Conseilmitgliedern waren anwesend die Herren Leonard Cohen*London, Justizrat Blau-Frankfurt a. M״ Pro* fessor Salomon Relnach.paris, Rechtsanwalt Dr. Klee-Berhn, Professor Dr. Necker-Parls, Professor Dr. Wahl-Paris, Dr. James Simon-Berlin, L. Montefiore-London und d’Avigdor Gold* smid-London. Die Sitzung befaßte sich im wesentlichen mit der Festsetzung der Budgets der verschiedenen kolonisatorischen Unternehmungen der lea. Die Ausgrabungen bei Atllth. Die Ausgrabungen, die von der Regierung bei Atllth vorgenommen werden, haben weiterhin eine Reihe von interessanten Funden, darunter TiemkeJtite, Schmuckstücke und Mörser aus prähistorischer Zeit, zutage ge* bracht. Das Department für Antiquitäten nimmt gegenwärtig eine umfassende wissenschaftliche Untersuchung der gesamten Funde vor. Es läßt sich jedenfalls schon jetzt feststellen, daß der Fundort einer der wichtigsten bis jetzt entdeckten prähistorischen Siedlungspiitze in Palästina gewesen ist. Die Nähe des Meeres, die geschützte Lage, die zahlreichen Wasscrquellen und natürlichen Höhlen deuten darauf hin, daß die Ansiedler den günstigen Siedlungsplatz mit Vorbedacht wählten. , Auf dem Boden der Siedlung Beth Alpha im Eraek Jesreel wurde ein alter Mosaik-Fußboden entdeckt, der alte hebräische Inschriften und Figuren aus den ersten Jahrhunderten n, Chr. trägt. Prof. Sukenik von der Hebräischen Universität wurde beauftragt, sich mit der Erfor* schling des Fundes zu befassen. (Ziko.) Für Förderung der Palästina-Archäologie. Feldmarschall Lord AUenby, der Eroberer Palästinas, fordert in einer Zuschrift an die ״Time s“ zur Schaffung eines Fonds für die britische Archäologenschule in Jerusalem auf und schreibt dazu: Großbritannien ist mit dem Mandat für Palästina betraut worden, ihm als Mandatarmacht ist auch die Aufgabe zuge* fallen, dafür zu *orgen, daß die archäologische Erforschung des Landes systematisch und wissenschaftlich vor sich gehe. Dsr Orangsn-Export. Nach dem ״Palestine Citrograph“ be* trägt die Gesamtzahl der bis zum 18. Dezember 1928 zur Verschiffung gelangten Orangen*Kisten 386 013 Stück. Davon f־ י" *’־־־־ ׳'■" ־־־־•־־־־" ' ־ ־־־ * ‘ minien, 3766 nach Holland, 2706 naclt Dänemark, 1834 nach Indien und 1550 nach der Tschechoslowakei. Bemerkenswert ist die Zunahme der Sendungen nach Deutschland. Ein Fonds für das Haifa-Technikum, Eine Gruppe von Freunden des Haifaer Technikums in Boston beabsichtigt die Gründung eines Fond*, dessen Einkünfte den Bedürfnissen des Haifaer Technikums gewidmet sein sollen. Der erste Beitrag in Höhe von $ 10,000 wurde von Herrn Max Schulmaa zur Verfügung gestellt. Auch Herr Grand in Boston zeichnete einen Betrag von $ 10,000. (Ziko.)

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