Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 1 (4.1.1929)
- Date
- 1929-01-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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!ff. I, 4. i $929 J010ISCHH 1UMBSCHÄÜ —M Ml oettc 5 Die l1A<Je der American Zson Commonwealth Die Bodenkau fsgesellstiheft American Zw% Cemmmweeltk" erhielt kSrzlieh, me wir gemeldet hohen, «wie« Betrag man 240000 Dollar von .einer amerikanischen Gruppe zw Verfügung gestellt, um die akute Notlage der GesclUrhaft zu beheben und den Rückfall gekaufter Büicn an die Araber zu verhindern. Die Schwierigkeiten der A.Z. C. drücken seit Jahren mf dem Keren lltifmtod, da der amenkonische ״United Palestine Appeaf immer wieder Vorschüsse leisten mußte, um die Gesellschaft über Werner m hallen, wodurch das regulär» PoMslinahodgei verkürzt wurde. Daher hi die -nachfolgende Erklärung, im dm Jerusalemer Büro der A. Z.G. der ZMto ibergebtn hat, um aUgemetmm zionistisch»* Interesse■ £Me American Ziem Commonwealth, lac., die pemifl den Oesetz«) des Staates New York U. S. A. registriert ist, ihr Zentral׳ btt» in New York und eine Filiale io Jerusalem unterhält, geriet in letzter Zeit bei der Einlösung ihr» Verpflichtungen in Schwierigkeiten. . Nach ■rin« eingehenden Untersuchung, die durch eine (kuppe der Gründer der Gesellschaft «ad andere interessierte Kreise — in Amerika unter dem Namen ״Arazfc-Corooration" orgaaisiert — durchgeführt wurde, und auf Grund der Untersuchung einer durch di« Zionistische Exekutive in Jerusalem eingesetzten Koinmissioti hat es sich herausgestdit. daß die Schwierigkeiten der Aperkan Zion Commonwealth nicht Infolge Zahluugs- Unfähigkeit der Gesellschaft entstanden sind, sondern lediglich infolge Mangels an flüssigen Mitteln. Di״ Flüssigmachung der Aktiven der Gesellschaft, d. h. vor allem die Veräußerung de* Bodens und Eintreibung der Außenstände für den verkauften Boden müßte auf eine längere Zeit ausgedehnt werden, als für die Einlösung der Verpflichtungen der American Zion Commonwealth vorgesehen war. Die Einlösung der oben erwähnten Aktiven wurde aus technischen Gründen verzögert, da die Durchführung der verschiedenen Formalitäten, die mit der Parzellerung, Registrierung im Tabu zwecks Erlangung des Rechtes der freien Verfügung über die Kuschane verbunden waren, längere Zeit beanspruchten. Die erwähnten Kommissionen nahm«! eine sehr vorsichtige Schätzung der Aktiven vor und berechneten ebenso vorsichtig die Zeit, die für das Inkasso der Außenstände erforderlich sein wird. Es ist festgestellt worden, daß die American Zion Commonwealth in der Lage sein wird, ihren Gläubigern 100 *fa ihrer Forderungen auszuzahlen, wenn genügend Zeit für die Erfüllung der Formalitäten und das Inkasso der Außenstände gelassen wird. Nach Berechnung der erwähnten Kommission wird ein Zeitraum von drei Jahren für die Flüssigmachung der Aktiven genügen, damit die Kreditoren bezahlt werden können. Es ist jedoch erforderlich, daß gewisse Bodenhypotheken früher bezahlt werden, um eine freie Verfügung über solche Grundstöcke zwecks Flüssigmachung der zur Etnlosung der Verpflichtungen erforderlichen Mittel zu ermöglichen. Zur Erreichung dieses Zieles hat die oben erwähnte Gruppe «Amzic-Corporatlon“ eine Summe von 240000 Dollar an die American Zion Commonwealth als Anleihe vorgeschossen, damit die fälligen Hypothekenzahlungen geleistet werden und der Verlust dieser wertvollen Aktiven vermieden werden kann. Diese Anleihe, die zur Verfügung der Zionistischen Exekutive in Jerusalem gestellt worden ist, wurde der American Zion Commonwealth unter der klaren Bedingung erteilt, daß sie damit Ihre Verpflichtungen ordnungsgemäß etelösen kann, wobei die Amzie־ Corporation nachdrücklich darauf hingewiesen hat, daß eine weitere finanzielle Hilfe weder von dieser noch vpn anderer Seite zu erwarten mL Zur beschleunigten Erledipmf der Ansprüche der anderen Kreditoren beschlossen die größten Kreditoren — nämlich die M«i»t Hajesspd — sowie huch di« »wen Geldgeber, den anderen Kreditoren das Vorrecht auf die Aktiven zu überlasse», obwohl ihre eigenen Forderungen mehr als 50»/« der Gesaratverpflichtungen der American Zion Commonwealth ausmachen. Die oben erwähnten Kommissionen sind nach eingehender Untersuchung zu der Ueberzeugung gekommen, daß sie ohne Gefahr zustimmen können, daß die anderen Kreditoren der American Zion Commonwealth zuerst mit 100«/» ihrer Forderungen befriedigt werden und erst dann die Forderungen der erstgenannten Gruppen erfüllt werden. Die finanzielle Unterstützung durch die Amzic-Corporation und die freiwilligen Opfer der erwähnten Institutionen zugunsten der anderen Kreditoren erfolgen nur unter der Bedingung vollkommenen Zusammenwirkens aller Kreditoren, weil ohne diese Kooperation die vorgeschlagenen Maßnahmen undurchführbar sind. Es soll ferner betont werden, daß der gesamte Liquidierungsplan durchaus im Interesse der kleineren Kredftoren liegt. Im Falle einer zwangsweisen Liquidation der Gesellschaft würden diese nur einen geringen Prozentsatz ihrer Forderungen erhalten, da eine solche Liquidation die Beschlagnähme der Böden und große Verluste beim Verkauf der Aktiven zur Folge haben würde. Außerdem würden in diesem Falle die erwähnten Institutionen bei der Vertretung ihrer Ansprüche auf die Gleichberechtigung mit den anderen Kreditoren bestehen. Die Amzie Administration wird durch ein starkes und wirksames Revisionskomitee, das von der Amzie Corporation und der Palestine Zionist Executive gemeinsam eingesetzt wurde, unterstützt. Die Liquidierung der Aktiven und Passiven soll im Interesse aller Kreditoren ohne Bevorzugung und mit voller Unparteilichkeit durchgeführt werden. Unter der Voraussetzung, daß die Kreditoren ihren gemeinsamen Interessen gemäß handeln werden, kann mit Zuversicht erwartet werden, daß innerhalb des für die Flüssigmachung der Aktiven erforderlichen Zeitraums alle Kreditoren volle Befriedigung ihrer Ansprüche erhalten werden. Die American Zion Commonwealth hegt die Hoffnung, daß sie bei genügendem Vertrauen ihrer Kreditoren die Möglichkeit haben wird, die schwere Periode der Iliiquid'.tät zu überwinden und ein wichtiger Faktor In der Entwicklung des Landes zu werden. 20, Dezember 1928. American Zion Commonwealth. Vom Minderheitenschutz-Komitee. Unter dem Vorsitz von Prof. S. Dubnew trat die von der Züricher Konferenz für den Schutz der jüdischen Minoritäten Osteuropas gewählte Ex«־ kutive zu Berlin zu einer mehrstündigen Sitzung zusammen. A» der Sitzung nahmen tefl: der Vorsitzende uni der geschifftführende Vorsitzende der Exekutive, Sokolow und Motddn, weiter der Sejmabgeordnete J. GrQnbaum, Warschau, der Redakteur von ״The Day“ Coralnik, New York, der im Begriff ist, nach Rumänien zu reisen, Rechtsanwalt Pr. Alfred Klee, Berlin, und der Abgeordnete de* lettlSndischen Sejm Rabbiner Nurok, Riga. Motzkfn erstattete einen Bericht über die Aktionen des Pariser Büros, es wurden Propaganda- und Finanzfragen und eine Reihe von Fragen, die einzelne Linder betreffen, behandelt Die Zuwahl der Herren Kreiain, Dobra und Gurewitsch in das Pariser Consultativ-Comite wurde ratifiziert. Der städtische Arbeiterrat von Jerusalem wird demnächst ein Buch über Arbeitsrecht in P«lä*tina herawsgeben; der Autor ist Herr J. Barscbira. Erleig 4er ״Orr-AnssiellHBt Oie Beitiner Ausstellung des Verbandes der Gesellschaften zur Förderung des Handwerks und der Landwirtschaft unter den Juden ״Ort“, die vom 18. bis 27. Dezember in den Prachträumen der Berliner Sezession gezeigt worden war, hat nicht allein eine große Zahl Besucher angezogen, sondern nach tiefen Eindruck gemacht, was in zahlreichen Artikeln und Notizen der großen Presse Berlins und des übrigen Deutschland seinen Niederschlag gefcindai bat. Die feierliche Eröffnung der ״Qrt“-A»steBung am 18. Dezember war zugleich der Auftakt m obrer Reihe von aufklärenden und Werbeveranstaltangen des Verbandes ״Ort“, die unter der Marke ״Ort-Woche“ zusnmmengefaßt waren. Am 19. Dezember, nachmittags, fand ein vielbesuchter ״Damen-Tce“ statt, bei dem Fra« Rabbiner Or. Eschefbaeher über ״Oie jüdische Fra« und die ,Orti-Bewegung“ und Dr. M. Traub zum Thema ״In der Werkstatt und auf der Scholle“ (mit Lichtbildern) sprachen. Am 20. Dezember hielt Dr. M. Trailb vor zahlreichen Zuhörern einen Lichtbildervortrag: ״Vom Lufhnenschenturn zu produktiven Wirtschaftsformen“. Am 19. Dezember fand ferner ein Tee- Abend statt, hei dem Or. Singalowsky über das Thema ״Vom Ghetto-Dasein zu modernen Lebensform«.'' sprach. Justizrat Dr. Brodnitz wie» in seiner Ansprache auf den vorbildlichen Wert des Umsehicbtying'sprozesses der osteuropäischen Jude« für das deutsche Judentum hin. Die ״Qrt“-Wocfee fand am 23. Dezember, nachmittags, durch eine Veranstaltung für das russisch sprechende Publikum ihren Abschluß. Der ״Ort“־Präsident Dr. L. Bramson, Dr. Julius Brutzkus, Redakteucr J. Trotzky, Herr Dridze, Redakteur Swesditsda und Dr. A. Singalowsky zeichneten die geschichtliche Aufgabe von ״Ort“ und farderten die in Deutschland lebenden rassischen Juden zur Mitarbeit an der Verwirklichung dieser Aufgaben auf. Soziale Woche des Reichsansschnsses der jüdischen Jugendverbände Die soziale Jugendwocbe in dem vom Rekhsausscbuß der jüdischen Jugendverbände unterhaltenen Jacobsohnheim in Seesen vom 23. bis 31. Dezember 1928 vereinigte etwa 40 junge Meuschau aller jüdischen Richtungen im eigenen Helm der jüdjsehen Jugend Deutschlands zu gemeinsamer Arbeit und Erhdung. Die Selbstverständlichkeit des Gemeinschaltilebens, die restlose Freude am Zusammensein im Heim und in der Natur f aben der Tagung ihre besondere Färbung. Durchdachte Kritik, ie sich auf guter Sachkenntnis aufbaute, zagte konkrete jüdische Aufgaben- Dr, Ollendorff und Or. Kreuzberger behandelten in Referat und Korreferat die Frage der Eraeuentngsbestrebungen in der allgemeinen und jüctischen Wohlfahrtspflege, während Or. Oiendorff überwiegend von der Verankerung der jüdischen Wohlfahrtspflege im Bewußtsein der jüdischen Gesellschaft sprach und Maßnahmen vorschlug, die dieses Ziel erreichen lassen sollen, wies Dr. Kreuzberger die Zusammenhänge zwischen Wohlfahrtspflege una Wirtschaftsordnung auf. Ab besondere jüdische Forderung hob er hervor, den durch die Verschiebung im Altnf saufbau der Bevölkerung bzw.de■ Geburteaausfall in den Kriegs Jahren entstehenden Lehrüflgsausfai! in den Jahren 1930 Ms 1934 für eine Jüdische Berufspolitik auszunutzen. Hierfür sei die Schuiung und Bereitstellung besonders qualifizierter Berufsberater für GroSgemeinden und Bezirke notwendig. Die Frage der jüdischen geschlossenen Fürsorge (Wabenbäuser, Lehrüngshetme, Fürsorgeerziehungsanstalten, Psycho- Pathenheime) wurden von Dr, Hanna Eisfelder und Dr. aula Kroaielmer behandelt. An Harri langjähriger praktfeetaer SrfahiwigeB berichtete Hüde HochwaId über Er- •i»11»r^p1be*ebg«^»-|»der..jiitehe« kaStoSman-J’-Üaertta,■ Sie beklagte den Mangel ausreichender Einrichtungen für aas jüdische Kleinkind, insbesondere von Tagesheimen für Säuglinge und Laufkinder. — Das verhältnismäßig junge Gebiet der Jugendpflegearbeit an der bisher unorganisierten Jugend fand in einem Referat von Dr. Georg Lubinski seine Benandlung. Bei der prinzipiellen Ueberzeugung ven der Wichtigkeit gerade dieser Arbeit bestand dennoch keine Einstimmigkdt über ihre letzte Durchführbarkeit An Hand einer Reihe von Erfahrungen aus der praktischen Arbeit, die Insbesondere in der Diskussion hervortraten, wurde die Forderung nach Freiheit des Erziehers, besonders auch in bezug auf Stellungnahme zu gesellschaftlichen Fragen und auf die Gestaltung der Arbeitsmethoden erhoben. Im Anschluß hieran wurde über Ansatzpunkte der ehrenamtlichen Mitarbeit von Jugendlichen in Wohlfahrtskommissionen gesprochen. Diese Mitarbeit soll von der Möglichkeit der tatsächlichen Mitbestimmung und Einflußnahme abhängig gemacht werden, wie auch von der Mitgliedschaft der Jugendliehen in den leitenden Gremien. Abschließend sprach Martin Sobotker über Tatsachen aus dem Leben der jüdischen Großstadtjugend, An Hand von statistischem Material und eigenen Beobachtungen ging er hauptsächlich auf die wirtschaftliche und berufliche Lage der jüdisehen Jugend ein. Er wies auf die schwierigen Probleme der Berufsumschichtung und Berufsberatung hin. Während der Tagung fand eine Sonderarbeitsgemeinschaft über die Zusammenhänge von Wohlfahrtspflege und Sozialismus statt, ferner wurden Berichte über die Arbeit der neu errichteten Pflegeämter und des jüdischen Kinderhauses in Kowno gegeben, außerdem besprach man Ausbildung*- und Berufsfragen der jüdischen Sozialarbeiter. Zur Auswertung der Ergebnisse der Tagung und zur Durchführung der für die praktische Arbeit gefaßten Resolutionen wurde ein Ausschuß gewählt, der aus den folgenden Personen besteht: Edith Cohn, Dr. Paula Kronheimer, Dr. Hanna Eisfelder, Hilde Hochwald, vom Vorstande des Reichsaus- Schusses Dr. Ludwig Tietz und Dr. Georg Lubinski. Reichskonferenz des Verbandes ostlfidlscher Organisationeu, An» 13. und 14. Januar findet die vierte Reichskonferenz des Verbandes ostjüdlscher Organisationen in Berlin, im Reprfi- *entantensitzungssaa! der Berliner Jüdischen Gemeinde (N 24, Oranienburger 5tr. 30), statt. Das Programm der Konferenz ist folgendes: I. Sonntag, fö Uhr: 1. Eröffnung und Begrüßungen. 2. Die allgemeine Lage der Qsfuden (Referent Dr. I. Taubes). II. Sonntag, 15 Uhr: 1. Tätigkeitsbericht (Referent Samuel Haarpuder), 2. Unsere nächsten Aufgaben (Referent Benzion Fett), 3. Generaldebatte. HL Montag, 10 Uhr: 1. Ostjudentum und jüdische Gemeinde, bzw, Landesverbände der jüdischen Gemeinden; (Referent Dir. Georg Kareskl, Vorsteher der jüdischen Gemeinde Berlin), (Markus Hornstein, Mitglied der Keerisentsntenversammlung), 2. Diskussion. IV, Montag, 16 Uhrj!. Kulturarbeit, a) Jugendarbeit und Erziehung (Referent Dr, Wilhelm Levy), b) Kulturelle Institutionen (Referent Josef Un), Z Diskussion, 3. Anträge und Resolutionen, 4. Wahlen, An der Schriftsteller• und Joumalisten-Konferenz, die am 10. Dezember In Jerusalem stattfand, nahmen ungefähr 70 Personen teil. Es wurde beschlossen, die Schriftsteller- und Journalisten-Organis*iion neu zu gründen. Das neue Zentralko mit ec besteht aus den Herren Ch. N. Bialik als Ehren- Vorsitzenden und Berkowitx, Lachower, Dizendruk, Zepach, urujanow, Rabbi Benjamin und Tschernowitz, * * Theater ״Dreimal Hochzeit“. Was tut ein junger jüdischer Mann aus dem New Yorker Ghetto, äußerlich assimiliert und von wcftmlonisdietn Chiqtre, innerlidi aber durch F amrtiengefühl tmd Mirtiouaistefe ans Judentum gebunden, wenn er ela ״kerniges“ Mondes Mädel ans Kalifornien ׳heiraten will? Sehr einfach: da weder der jüdische noch der arische Vater die Zustimmung geben würde, heiratet man zuerst auf dem Standesamt und dann für die Bedürfnisse Jodes Vaters noch vor dem Rabbiner und dem katholischen Pfarrer. Die Väter, durch eine urtüberbriiekbare Kluft getrennt, sind untröstlich, aber im dritten Akt versöhnen sie sich unter dem Weihnachtsbaum im Angesicht der Zwil!ingscnkel. Es ist kaum glaublich, daß man mit dieser ״Handlung“ drei Akte füllen kann; und da keine wohltätige Kegicliand für Kürzungen sorgt, empfindet man (im ״Berliner Theater“) die Längen oft recht peinlich. Der Humor der Sache reicht nicht aus für drei Stunden. Jede noch so primitive Pointe wird durch Wiederholungen zu Tode gewalzt. Immer wieder, wenn der Sohn dem Vater die Lage erklären will, kommt dieser mit der Bemerkung zuvor, wie sehr er sich darüber freue, daß die Braut (die ihm statt Rosie Christine Abel als Rosi Abeies vorgestellt wird) ein so prächtiges jüdisches Mädel sei. Immer wieder beginnt Frau Colicn-Werhczirk von ihrer Blinddarm- Operation zu erzählen, und was bei dreimaliger Wiederholung noch witzig sein kann, wird beim sechstenroal langweilig. Man staunt wirklich über die Genügsamkeit eines Publikums, das sich au einem an Humor und Ödst recht armen, mit sent'.mentalen Humanitäts-Banalitäten durchsetzten (Rabbi und Pfarrer sinken einander gerührt in die Arme) Dhiog amiWert, nur weil in unnatürlichem Singsang gejüdeit wird. Wenn jemand ״Galloch“ oder ״Rebbeteben“ sagt, lacht das ganze Haus. Diese Witze sind 'zu. ׳billig. Man mißverstehe 1ms nickt: Wir haben fegen Verspottung 'jüdischen Milieus und gegen jüdische Kali- Kafureti ebenso wenig einz.mvenden wie gegen irgendeine Miere lustige Satire, aber es muß eia biSclien Schwung und Geist ׳in dem Ganzen sein, nicht gar so primitive Drartik, die die Naivitit eines Voratsdt-Scluniereapubtikwns voraussetzt. Die (tettMg des Abends kämmt von dem genialen Koamkerpaar Moser- Werbezirkah Herr uni Frau Cohen. Köstlich ist dies«׳ ־verschüchterte Eirekrüppel, der dem Leben kaum zuzuzwinkgrn wagt, .da ■das wachsame Auge der Gattin Min im Bau« Kitt. Und diese Gattin» jüdische Ehefrau von massigem Vätassan, souveräner Geschwätzigkeit und drastischer Kom!kf isf Gisela Werbezirk, ■eine wirklich« Künstlerin, die eitie jüdasebe Figur von überwältigender Urwüchsigkeit hinstellt. Fra» Werbeaik bat jüngst dem Korrespondenten einer gahziseben Zeitung erklärt, sie — die aus einem frommen Lembergcr Hause stammt —• sei eine begeisterte Jüdin, sie bezeichnet sich sogar als ■Sbnistin. Sie ist jedenfalls die einzige, die naturwahre Laute jüiischer Provenienz an diesem Abend vernehmen läßt. Das ist feine keifende und schwätzende Jidinne, die wirklich der Charakterdlchtung eines der großen jüdischen Humoristen entsprungen «ein könnte — jener groteske Typus, dessen Komik durch den Zusawmenstoß der Ghetto-Enge mit der europäischen Umwelt In einer Generation des Ueberganges bedingt ist. Man •würde wttsehen, «laß die Leistungen von Moser und Werbeztrk durch ein strafferes Tempo des Ganzen (!>esonders die ersten zwei Akte sind viel zu lang) zu besserer Geltung kirnen. 1. , ״Das große ABC“ (im Renaissance-Theater) ist ein Iranzösiscjjer Schwank, in dem ein armer täppischer Vcfraschrtlehrer sich plötzlich zum Großschieber wandelt Diese Flgwrwird von Klopfer mit wirklich menschlichen Akzenten und mit Humor dargesteltt. Auf derselben Böhne gab es fcürz&di ״November in Oesterreich“, auch ein Schiebers»*, wodurch wenigsten» die lnternationalitlt dieses Totos geneigt wird. Die gleichen VerMlWsse laben hinter beiden Selten der Front #e gleichen Wirklingen auch auf die Maral der Gesellschaft gehabt. Bei DusfeMnsley ,gibt es «ter dpt fcbwlBiÄieo und steh Konmaereidriten ww, ׳ »ad! ■einige galizische Juden, im Frankreich Paiüots sind die Juden aus dem Spiel gelassen, hier sind es nur Minister, Stadt rate, Kokotten usw., denen sich schließlich der Lehrer zugesellt. Aber diese Jixfenreiaheit ist nicht ׳das einzige erfreuliche an dem glänzend gespielten Stück. s. Dietzeuschmidt: Hinterhaus-Lebende. Der Jude liebte es bis in die letzten Jahrzehnte des vorigen Jahrhunderts — und populär gesprochen ist es heut noch nicht viel anders י— niemals, daß׳' min seiner Person ein übermäßiges Interesse entgegenbrachte, war es doch meist von üblen Folgen begleitet. Die letzten Jahre brachten auf diesem Gebiet gerade» «inen Umsturz. Fast jedes neue Werk bringt eine Auseinandersetzung mit jüdischen Fragen oder die Ausdeutung der so rätselvolle« Welt des jüdischen Menschen. Neben Dreiser tut es gut, an das noch gespielte Werk des Legendendichters Dietiensduuidt zu erinnern. Dietzeuschmidt. den Lesern der ״Jüd. Rundschau“ noch vom ,,lieben Augustin“ in Erinnerung, schuf in der Juden- . ist der Jude der inbrünstig Gläubige, der Mensch der direkten Beziehung zu Gort und als solcher beschützt er einen jungen in den Mord getaumelten Menschen vor der rächenden Justiz, weil der Gang in die Strafe nichts hilft, wenn sie nicht durch Reue freiwillig aufgenommen whd als Weg in den verschlungenen Wegen dieses Lebens. Ein schlicht mensrhlirhes Geschelien, dem die Regie im Sehiüertiieater den folgerichtigen Ablauf leider verbiegt. Der noch nicht ganz bewältigte, tastend Fragment gebliebene Stoff verlangte zartere Behandlung. Gran ach ist durch seine Zurückhaltung in der Inbrunst der schlichten Gläubigkeit doppelt stark und glaubhaft als moderner Menschlichkeitspröphct und tief erfaßtes Symbol. R. M. Die Juden in der Berliner Gesellschaft. Die Veränderung, die die Berliner Gesellschaft gegenüber der Vorkriegszeit erfahren hat, bildet ein dankbares Thema für einen Schriftsteiler, der Charakter und Persönlichkeiten der alten und der neuen Gesellschaft gut kennt. Für uns wäre es von besonderen! Interesse, einmal von dieser Seite etwas über die Rolle der Juden in der Berliner Gesellschaft und über die inneren Zusammenhänge ihrer veränderten Stellung zu erfahren. Leider erfüllt das Buch ״Gestalten rings um Hindenburg“. Führende Köpfe der Republik und die Berliner Gesellschaft von heute. (Verlag Carl Reißner, Dreien 1923. 223 S., brosete 4,50 M., geb. 6 M.) diese Erwartungen nur in bescheidenem Umfange. Der sehr bekannte Verfasser (oder vielmehr Verfasserin, wie eine Stelle des Buches verrät), dessen Name so viel genannt wird, daß er hier ungenannt sein will, trägt eine Menge von Namen zusammen, die in der Berliner Gesellschaff eine Rolle spielen oder gesnjeU haben. Auch die jädldis eben Namen der großen Gesellschaft wenden genannt Den Ooldscbmidt-Rothschi'ds ist ein ganzes Kapi'el gewidmet. Gerade dieses zeigt den Wert des Buches, das über eine Art republikanischen Hofaimanach kaum hinausgelangt. Man erfährt die FamiMenzüsammenhSnge, hört, wo die einzelnen Mitglieder wohnen und bekommt schließlich einen flüchtigen Einblick in die bedeutsame Rolle der Mischehe nicht nur in dieser Familie. Die Schilderung der Vorkriegsgeseilschaft nimmt einen merkwürdig breiten Raum ein, ohne daß der Ver. lasser über die flüchtige Aufzeichnung der Oberflächenerscheinungen hinaus den Gründen des Erscheinungswandels nachgegangen wäre. Wer wissen will, welche Berliner Juden zur Gesellschaft gerechnet werden, mag das Namensregister nachschlagen. Immerhin bringt das Buch manches Anschauung*• material sw Soziologie der Juden in Berlin. R. L.