Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 101 (21.12.1928)
- Date
- 1928-12-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2651273-2652971-2653060--20464-2678448- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Einreinammer 0,39 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Redaktion and Verlag Berlin W 15, MeiaekestraGe 10. Erscheint jeden Dienstag and Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,־» Goldmark, ▼ierteljährlich 5,75 Goldmark. At.t1׳andn«bonnem«nts werde« t« der Wlfcrtt«{ 4«r «mx«l««« L&sder tattek&el Nummer 101 | Berlin, 2L XII. 1928 Anzeigen -Verwaltung Jüdische Rundschau G.m.b.H״ Berlin W15, Meinekestr. 10 Telephon! Amt Bismarck 7165—70. A»j!«!(«1pr»U18<««p»)LNoop1rMllM«il«a,50G.־M.St«II«Je*«ei1eO,25G.־M, Anxtige«se!1]«8: Di ««•tag ««d Freit«{ BieimiU«(• 4 Ufer. Telephon: Bismarck 7165—70, Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392 Für Otitefreicb: Postspurkasseoemt Wie«, Konto Nr. 156030. Für Tschechoslowakei: ronttparkasftefUüit Prag, Konto Nr. 59410־ Für Pole«! PosUparkaticamat Wtrtcb•«, Konto Nr. 190708. RedaktionsachluO Sonntag und Mittwoch nachmittag. m ,תרסי׳ט rot: ,ח | xxxm. Jaürg. P«r Zionismus •rstrob* für das Ktdlache Volk dlo Schaffuna •Insr 6ffantllch - nächtlich aaslchartan Heimstätte In Palästina. ״Baseler Proqramm." Die Erweiterung der Jewish Agency Marshalls Antwort an das A.-C. Beginn der A.״ G~ Sitzung Berlin, 20. Dezember 1928. Die Sitzung des Zionistischen Aktions-Comites, die beute in Berlin begonnen hat, brachte zunächst den allgemein mit Spannung erwarteten Bericht Dr. Weizmanns über die Ergebnisse seiner Unterhandlungen mit Marshall. Die Antwort der Marshall-Gruppe auf die Berliner Be- Schlüsse des A.-C. vom Juli d. J. betreffend die Empfehlungen der Joint Palestine Survey Commission ist in einem von Marshall gezeichneten Memorandum niedergelegt, das die Ergebnisse der Unterhandlungen zwischen der von der New Yorker nichtzionistischen Konferenz eingesetzten Siebenerkommission und den Vertretern der Zionistischen Organisation zusammenfaßt. Das A.-C. wird nun seinerseits zu entscheiden haben, ob es die Voraussetzungen für die sofortige Bildung der Jewish Agency für gegeben erachtet, d. h. ob Marshalls Memorandum eine das A.-C. befriedigende Antwort auf die zionistischen Vorbehalte enthält. Obwohl die Debatte im A.-C. noch nicht begonnen hat, während diese Zeilen in Druck gehen, kann man doch wohl sagen, daß die große Mehrheit des A.-C. das Memorandum Marshalls als eine geeignete Grundlage für die Bildung der Agency betrachtet Uns scheint der entscheidende Gesichtspunkt dabei der zu sein, daß — wie aus dem Memorandum klar hervorgeht — der Bericht der Joiat Palestine Survey . Möiiiitiscliek Agehcf-Pittb'er nicht anders, betrachtet wird als seitens der Zionisten, nämlich als ein wertvolles M a - f er i a 1 für die Gestaltung der künftigen Palästinaarbeit, keineswegs aber als eine Sammlung von unabänderlichen Vorschriften. Es wird klar ausgesprochen, daß die Empfehlungen der Kommission nur eine Basis bilden, auf der der künftige Kolonisationsplan aufgebaut ist, und daß durchaus die durch die Realitäten der Siedlungsarbeit geforderten Modifikationen eintreten können. Mit anderen Worten: erst die Praxis der gemeinsamen Arbeit wird definitive Richtlinien schaffen. Wenn durch die Erweiterung der Agency ein Zustand geschaffen wird, der eine planmäßige Kolonisation ermöglicht, d. h. wenn anstelle der bis heute üblichen Unsicherheit über die zur Verfügung stehenden Mittel der Zustand geordneter Verfügung über ein gesichertes Budget tritt, dann wird zum ersten Male eigentlich die Möglichkeit gegeben sein, eindeutige und zuverlässige Erfahrungen auf dem Gebiete der Palästina-Kolonisation zu machen. Was die einzelnen Punkte der Berliner Resolutionen betrifft, so scheint uns, daß die Besorgnisse der zionistisehen Welt bezüglich der künftigen Bodenpolitik der Jewish Agency und der künftigen Rolle des Jüdischen Nationalfonds durch Marshalls Antwort in der Hauptsache behoben werden sind. Es wird in der Antwort festgestellt, daß die durch die Agency aus öffentlichen Mitteln gekauften Böden auf den Namen des JüdischenNation a 1 f o n d s eingetragen werden sollen, so daß sie unveräußerliches Eigentum des jüdischen Volkes bleiben. Daneben wird der Jewish Agency das Recht gewahrt, sich in geeigneter Form auch an privaten Bodeiientwicklungsgesellschaften zu beteiligen, ein Recht, das bisher auch die Zionistische Organisation in Anspruch nahm, die ja z. B. die P. L. D. C. zumindest als halboffizielles Institut betrachtete. Wir glauben also, daß durch Absatz II des Memorandums in der Tat die Differenzen zwischen der zionistischen Anschauung und Praxis und der auf dem Bericht der Suryey Commission fußenden Anschauung der Nichfzionisten in der Frage der Bodenpolitik verschwunden sind. Etwas unbestimmter äußert sich das. Memorandum in der Frage der Siedlungsform,, wo die vom A.-C. gewünschte ausdrückliche Anerkennung der Freiheit des Siedlers in sozialen Fragen nicht ausgesprochen wird. Dagegen stimmt dieser Punkt in dem w׳esentlichen Inhalt mit der Berliner Resolution überein, indem nämlich betont wird, daß die künftige Agency als Kolonisationsinstanz übei die wirtschaftliche Eignung jedes' vorgeschlagenen Siedlungsplanes zu entscheiden haben wird, d. h. also n u r über die wirtschaftliche Eignung. Dennoch kann man sich nicht verhehlen, daß unter dieser Formel natürlich ז uch Einwendungen gegen bestimmte soziale Systeme gemacht werden können, es gibt aber, wohl keine zureichende formelle Fassung, die solche Möglichkeiten ausschließt. Die anderen Punkte des’ Marsln'i-Mernoratidums betreffen nur allgemein unbestritten: Dinge. Das Memorandum äußert sich dann noch zur Frage des Provisoriums. Es wird die Frage erörtert, was einzutreten hat, wenn die erweiterte Agency mißglückt. Das Memorandum sieht vor, daß für diesen Fall die Zionistische Organisation in ihre alten Rechte wieder eingesetzt werden soll. Wenn dieser Weg gangbar ist, dann ist wohl der vom Kongreß gewünschte Zweck hinreichend erfüllt. In welcher Form sich diese Sicherung verankern läßt, darüber werden noch Untersuchungen angestellt werden müssen, insbesondere im Einvernehmen mit der Mandatarmacht und dem Völkerbund. Man muß also diese Frage noch einem weiteren Studium Vorbehalten. Es scheint nun, daß die Berliner Sitzung diesmal wirklieh einen entscheidenden Abschluß der von den letzten Kongressen beschlossenen Politik, die Dr.־ Weizmann unter ungeheuren Schwierigkeiten und mit dem Aufgebot fast übermenschlicher Kräfte fünf Jahre lang geführt hat, bringen wird. Damit wäre ein neuer Abschnitt in der Geschichte der Entwicklung des Jüdischen Nationalen Heims begonnen. In einem Zeitpunkt, wo in Palästina selbst das Gefühl herrscht, daß ein neuer Aufschwung sich vorbereitet, wäre durch Konzentration der Kräfte der jüdischen Diaspora eine große Chance gegeben, die jüdischen Positionen in dem Lande, das als Ort der jüdischen Heimstatte völkerrechtlich anerkannt ist, merklich zu vergroßem. Und dies wäre eine Tatsache, deren Bedeutung wahrscheinlich erst in künftigen feiten in ihrem vollen Ausmaß .,gf würdigt• weyl.ef linnte. ■ ■ - Der Verhandlungsbericht (Offizielles Bulletin.) Donnerstag, 101/3 Uhr vorm., eröffnet Präsident Motzkin die Sitzung mit einer hebräischen Ansprache und teilt mit, daß das Präsidium des A.-C. eine Tagesordnung von acht Punkten vorschlage. Die Tagung ist auf Wun-cfi der Exekutive einberufen worden und soll sich hauptslch'ich mit der Frage der Erweiterung der Jewish Agency befassen. Die übrigen Punkte der ^Tagesordnung werden, wofern die Zeit reichen wird, allerdings besch'eunigt behandelt werden müssen. Die Tagung muß am Montag, den 2t. Dezember schließen, weil eine ganze Reihe von A.-C.-Mitg’iedern am Dienstag verreisen wird. Motzkin gedenkt der während der Zwischenzeit seit der A.-C.-Tagung im Ju'i 1923 verstorbenen führenden Zionisten: Samuel Pineies (Jassy), Leo Keiln e r s, des Mitarbeiters Herzls in Wien, des Mitgliedes des A.-C. Idel Schwarz, (Südafrika! und des verdienst, ob הי Herausgebers der ZiKO und der Sitzungsbulletins der A.-C.• Tagung, Dr. Markus Sussmann. An der Sitzung nehmen teil; Von der Exe!:_־flve: Welzmann, Sokolow, Brodctsky, Lipsky, RosenblQth, Sacher, Miß Szold; von den Mitgliedern und Ersatzmitgliedem des A.-C•: Dr. Feiwel-London, Dr. Bileski-Berlin, Blumen feId- Berlin, Koralnlk-New York, Motzkin-Paris, Rabbi Meir Berlin- Jerusalem, Dr. H a 1 p e r n - London, Dr. Wahrha f ti g- Krakau, Dr. Federbusch• Lemberg■, Abgeordneter Nu rock-Riga, Sp rin zak- Jerusalem, Twerski* Palästina, Rubaschow - Palästina, Dr. 01i c k s o n - Palästina, J, G r ü n b a u m-Warschau, Dr. Saloweitschik- Berlin, Sam Cohen- Palästina, Dr. Alexander G o I d s t e! n - Palästina, Moscheh K a h a n - Kowno, J. Skwirski (Ruminien), Dr. Nahum Gold mann -Berlin, Dr. Alfred Landsb e r g Wiesbaden. Dr. R o s e n b I a 11 - Lodz, Garfunkel- Kowno, Leib J a f f e-Jerusalem, B a r a t z - Pa’ästina, Fishman-New York, Dr. R e i c h - Lemberg, M. Scnapira (Misrachi), M. G ro ss tn a n n-London, Remes- Jerusalem. Lichtheim-Berün, La/.. Barth-Berlin, Dr. Tartakower-Lodz, Prof. Hermann Pick• Berlin, Lewite- Warschau, Farbstein - Warschau, Dr. H i n d e s ־ Warschau, Lewi n-Eps t ein-Warschau, Dr. M e 1 z e r - Lemberg, Dr. A. Hantke - Jerusalem, I. A. N-aiditch-Paris, S. Schokk e n - Berlin, (aie letzten drei Herren als Vertreter des Keren Kajemeth und der Anleihe-Kommission). Als Kongreß-Juristen: S. Gronemann-Berlin, Dr. A. Barth- Berlin, Dr. Moses-Zwickau. Um 11 Uhr Vormittag begann Dr. Weizmann mit seinem Bericht über 'die gemeinsam mit Harry Sacher in Amerika geführten Verhandlungen mit den Nichtzionisten. Er schildert ausführlich die Vorgänge auf der Tagung der amerikanischen Nichtzionisten sowie die sich daran knüpfenden Verhandlungen mit dem von der Nichtzionistenkonferenz gewählten Siebener-Komitee betreffend die vom A.-C. im Juli 1928 beschlossenen Resolutionen. Als Ergebnis der Verhandhingen ist ein Memorandum des Herrn Louis M a r s h a 11 zu betrachten, das Dr. Weizmann dem A.-C. vorlegt Dr. Weizmann erörtert die einzelnen Punkte des Memoran dums und erklärt, daß nach seiner Meinung das Ergebnis der . Verhandlungen befriedigend ist. Er verliest auch einen Brief von Ussischkin, der ihn zu dem Resultat beglückwünscht und die Aeußerungen Marshalls bezüg’ich des K. K l_. als befriedigend erklärt. Dr. Weizmann schlägt vor, nunmehr die andern Voraussetzungen für die Bildung der Agency zu schaffen, vor allem die Beteiligung von sechs Ländern zu sichern. Er ist der Meinung, daß der Zionistenkongreß in diesem Jahre schon im Juli zusammentreten soll, damit sich an den Kongreß die erste Tagung des Councils der Jewish Agency anschließen kann. Zum Schluß führt Dr. Weizmann aus, welche Bedeutung die Schaffung der erweiterten Agency haben wird. Außer der zu erwartenden Steigerung des Keren Hajessod ist die Schaffung einer neuen Kolönisationsbank geplant, von der in der Oeffentlichkeit in der letzten Zeit auch schon die Rede war. Die größte Bedeutung der Agency sieht aber Dr. Weizmann in der fortschreitenden Einigung des Judentums für Palästina, der Bildung einer wirklichen Knesseth Israel, die im Grunde stets das Ziel des Zionismus gewesen ist. Die Zionistische Organisation wird auch in Zukunft die treibende Kraft der Palästina-Bewegung bleiben müssen. Dr. Weizmann empfiehlt dem A.-C. die Annahme des Marshall- Memorandums, damit sofort weitere Schritte zur Bildung der Agency gemacht werden können. Nach Dr. Weizmann ergreift der Präsident der Exekutive, Sokolow, das Wort, der über die Bedeutung der Jewish Agency spricht. :. Nach einer Interpellation von Grossmann (Revisionist), auf die Dr. Weizmann sofort antwortet, wird die Debatte eröffnet. Als erster Redner spricht in der Vormittags- Sitzung Abg. Grünbaum (Radikaler). — Bei Schluß des Blattes dauert die Sitzung fort. Die Tagesordnung Die in der ersten Sitzung des A.-C. angenommene Tages- Ordnung lautet: I. Die Resultate der Jewish Agency-Verhandlungen in Amerika. a) Bericht des Präsidenten Dr. Weizmann; b) Bericht des Präsidenten Sokolow; IL Festsetzung der Grundsätze für die Jewish Agency-Vertretungen in den anderen Lindern außer Amerika• Hi. Festsetzung der inneren Verfassung der Jewish Agency. IV. Die politische Situation in Palästina und die Frage des Kotei Maarabi. V. Interpellationen und Vorschläge a) Fragen des Chinucb (Vorschlag M. Berlin); b) Fragen der Alijah; c) Fragen der Bodenpolitik (Herzfeld); d) Interpel'ationen an den K. K. L. und das Direktorium des i. C. T. (Großmann); e) Vorschläge des K. K. L. in bezug auf Versicherung. V!• Frage der Ueberführung der Gebeine Herzls nach Erez- Israel. י Zeit und Ort des nächsten Kongresses. El. Genaue Zeitbestimmung der nächsten A.-C.-Sitzung. Marshalls Memorandum 1. Der Bericht der J oint Palestine Survey Comraission vom 18. Juni 1928 und die in ihm enthaltenen Empfehlungen sind dem Aktions-Comlte der Zionistischen Organisatlon vorgelegt und von ihm in seiner Berliner Sitzung vom 19. bis 31. Juli 1928 beraten worden. Das A.-C. hat im Hinblick aut diese Empfehlungen eine Rgihe von Resolutionen angenommen. Der Bericht hat ebenfalls der nichtzionistisehen Konferenz amerikanischer Juden, abgehalten in New York am 20. und 21. Oktober 1928, Vorgelegen, auf welcher Resolutionen über den Report und die beabsichtigte Erweiterung der Jewish Agency angenommen wurden. In Verfolg dieser Resolutionen wurde ein Organisationskomitee eingesetzt, das u. a. bevollmächtigt wurde — in der Annahme, daß die Erweiterung der Jewish Agency durchgeführt werden würde —, zusammen mit bevollmächtigten Vertretern der Zionistischen Weltorganisation alle Differenzen auszugleichen, die hinsichtlich der Interpretation, der Wirkung oder Ausführung irgendwelcher Empfehlungen der Joint Palestine Survey Commission entstanden sind oder in Zukunft entstehen mögen. Das Komitee hat mit den bevollmächtigten Vertretern der Zionistischen Weltorganisation konferiert, und es ist das folgende Einverständnis erzielt worden: 1. Es wird anerkannt, daß die verschiedenen Empfehlungen der Joint Palestine Survey Commission lediglich als eine Basis für zukünftige Aktionen zu betrachten sind. Es wird als wahrscheinllch angesehen, daß von Zeit zu Zeit Umstände hervortreten werden, die Modifikationen als ratsam erscheinen lassen. Es wird naturgemäß erwartet, daß nach Gründung der erweiterten Jewish Agency diese Körperschaft die ihrer Kompetenz unterliegenden Angelegenheiten ln einer Weise behandeln wird, die geeignet ist, der Entwicklung Palästinas in Wirtschaft- Ücher, geistiger und kultureller Beziehung bestens zu dienen. 2. Der E r w e rbvonBödenln Palästina aus Mitteln der Jewish Agency wird als eine grundsätzlich gesunde Politik bctrachtet. Jedoch wl־d hiermit ausdrücklich fesfgestelit. daß die Böden, nach Weisung der Jewish Agency, durch den Jüdischen Nationalfonds (Keren Kajemeth Lejisrael) angekauft und daß die Eigentumstitel der erworbenen Böden auf den Namen des Jüdischen Nationalfonds eingetragen werden sollen, damit sie unveräußerliches Eigentum des jüdischen Volkes werden. Hierbei wird davon ausgegangen, daß die Bedingungen, unter denen das somit im Eigentum des Jüdischen Nationalfonds befindliche Land verwendet, besetzt, verpachtet