Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 95 (30.11.1928)
- Date
- 1928-11-30
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 606 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 05, 30. XI 1928 Nahalal und Haifa, günstig beeinflussen. Das Wasser der Kurdaniqueüe und aus dem Quellgebiet des Naamenflusses wird eine wichtige Rolle in der Bewässerung größerer Bezirke spielen. Der Keren Kajemcth hat eine neue große Aufgabe übernommen. Wir dürfen uns nicht verhehlen, daß dadurch der K. K. L. neue finanzielle Anforderungen auf sich genommen hat. Ich bin aber überzeugt, daß der mit Recht so populäre Keren Kajemeth durch die Haifa Bay-Unternehmung viele neue Freunde gewinnen wird. Die rechte Perspektive für die Haifa Bay-Unternehmung hat man erst, wenn man über Jahrzehnte und über Generationen hinweg in die Zukunft schaut. Man sieht da neben den günstigen Vorbedingungen für die Entwicklung Groß-Haifas eine große Einnahmequelle für den jüdischen nationalen Bodenfonds. Das junge jüdische Oemeinwesen in Palästina verfügt im Gegensatz zu allen anderen Gemeinschaften über keinerlei Pfründen. Hier kann wertvoller Volksbesitz m einer regelmäßigen Einnahmequelle werden. Die in Aussicht genommene Zusammenarbeit mit der P. E. C. erscheint als ein besonders erfreuliches Vorzeichen für die Zukunft, wenn man bedenkt, daß hier die künftige Jewlsh-Agency gewissermaßen vorweg genommen ist. Sind doch leitende Persönlichkeiten der P. E. C. die Männer, die den nichtzionistischen Kreis der Agency-Freunde in den Vereinigten Staaten führen. Es wird sich also hier die Zusammenarbeit an einem konkreten Unternehmen zu bewähren haben. Ich habe schon erwähnt, daß ein entscheidender Anteil an dem Zustandekommen der Verträge unserem Freunde Julius Simon gebührt. Ich möchte auch die wertvollen Dienste hervorheben, die Herr M o h 1, der Vertreter der P. E. C. ln Palästina, bei den Verhandlungen in Palästina der Sache geleistet hat. Aus dem Verlauf der Verhandlungen, sc schließt Herr Schocken seine Darlegungen, kann man die begründete Hoffnung schöpfen, daß dieser Versuch einer Kooperation sich bewähren wird. Und damit wäre nicht nur für unsere spezielle Haifa Bay-Unternehmung, sondern für die ganze zionistische Sache ein entscheidender und verheißungsvoller Schritt getan." Tournee Dr. Adolf Frledemanns im Rheinland Herr Dr. Adolf F r i e d e m a n n hat auf Ersuchen des Präsidiums des deutschen Keren Hajessod eine Tournee im Rheinland unternommen, deren Zweck es war, nicht nur Augenblickserfolge zu erzielen, sondern auch den Nachweis dafür zu liefern, daß auch in den mittleren und kleineren Städten eine breitere Bewegung für den Keren Hajessod ins Leben gerufen werden kann, wenn der Redner selbst und Helfer unmittelbar nach seinem Vortrag eine große Anzahl von Hausbesuchen vornehmen. Es darf gesagt werden, daß dieser Versuch vollkommen geglückt er״ scheint. Sogar in schwierigen Orten hat sich ein kaum vorauszusehender Erfolg ergeben. Nachdem Dr. Friedemann schon vor den Sommerferien erfolgreich in Wiesbaden, Nauheim, Limpurg, Wetzlar und Gießen gearbeitet hatte, hat er nach den Feiertagen unter Assistenz des Keren Hajessod Sekretärs Herrn Max Tischler die Arbeit in diesem Bezirk wieder aufgenommen und nach der entsprechenden Vorbereitungsarbeit Veranstaltungen in Mannheim, Mainz, Darmstadt, Pforzheim und Fulda arrangieren können. Bei einer Reihe der genannten Orte ist es schon als ein großer Erfolg zu verzeichnen, daß es dort überhaupt gelungen ist, dem Palästina-Aufbau gewidmete Veranstaltungen zustandezubringen, an denen über den engen Kreis der Zionisten hinaus alle jüdischen Kreise teilnahmen. In Mannheim, wo Herr Generaldirektor Hecht sein Haus für einen Zirkel großen Stiles zur Verfügung gestellt hatte, sprachen Frau von Kardorff und Dr. Friedemann mit dem Erfolg, daß trotz eifriger Opposition seitens einiger führender Persönlichkeiten des dortigen C.-V., ein außerordentlich günstiges materielles Ergebnis erzielt wurde. Ein neuer und umfangreicher Kreis ist dort für den Palästina- Aufbau interessiert und gewonnen worden. In Mainz wo nicht oljnc Mühe vom Vorstand der Jüdisehen Gemeinde die Hergabe des Oemeindesaales für die Veranstaltung erreicht wurde, sprachen neben Herrn Dr. Friedem a n n die Herren Rabbiner Dr. L e v y und Rechtsanwalt Paul Simon. Der Erfolg war auch infolge der sorgfältigen Vorbereitung durch Herrn und Frau Dr. Drey — ganz außerordentlich. Hunderte drängten sich in dem überfüllten Saal, die Begeisterung für den Aufbaugedanken erfaßte weite Kreise, die Veranstaltung bildete in den folgenden Tagen das Stadtgespräch und das materielle Ergebnis der danach durchgeführten Besuchsaktion kann als recht günstig bezeichnet werden. Auch in Darm stadt, wo bisher wie in Mainz öffentliehe Veranstaltungen des Keren Hajessod noch nicht stattgefunden haben, und in Pforzheim machte das Auftreten von Dr. Friedemarin tiefen Eindruck auf die jüdische Bevölkerung. Sowohl in Pforzheim wie in Darmstadt ist das Ergebnis auch finanziell gesehen recht erfreulich. Es ist Herrn Dr. Friedemann leider infolge von Zeitmangcl nicht möglich gewesen, länger als zwei oder drei Tage in jeder Stadt nach einem Vortrage zu verweilen. Aber auch so darf gesagt werden, daß in allen besuchten Stiften für weitere Arbeit eine sehr angeregte und in vielen Kreisen bcgeisterte Stimmung geschaffen worden ist. Selbst in dem letzten von Dr. Fricacniann besuchten Ort, dem stark von der Agudah beeinflußten Fulda, ist eine große Anzahl von Zeichnungen zustande gekommen; und nach der Lage der Dinge war dort der in Frage kommende Kreis für die Palästinaarbeit verhältnismäßig klein. Das Präsidium des deutschen Palästinawerkes Keren Hajessod hat Herrn Dr. Friedemann den wärmsten Dank für seine aufopfernde und erfolgreiche Arbeit ausgesprochen. Sir Eric ßrmnioond über Palästina Krakau, 26. November. (j.T. A.) Die Woj\v־odschaft Westgaliziens gab zu Ehren des hier anwesenden Oeneralsekretiirs des Völkerbundes Sir Eric Drummond einen Empfang, an dem von jüdischer Seite Oberrabbiner Dr. Thon und der Präsident der Jüdischen Oemeinde Landau teilnahmen. Dr. Thon begrüßte den Gast im Namen der Judenschaft Westgaliziens. In seiner Erwiderung erklärte Sir Eric Drummond, der Völkerbund anerkenne das historische Recht der Juden auf Palästina. In dem tuchfolgenden Gespräch berührte Dr. Thon die Zwischenfälle an der Klagern au er von Jerusalem. Sir Eric Drummond bemerkte, die Mandatskommission werde eine günstige Erledigung herbeif&hren. Aus den Gemeinden Die Volksschule Rykesfrafje von der Gemeinde übernommen Der Schulvorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde be» schloß die Uebcrnahme der vom Schulverein begründeten und bisher erhaltenen jüdischen Volksschule in der Rykestraße in die Gemeindeverwaltung, Der Uebernähme vorausgegangen war eine durch die Herren Dr. Baeck, Professor Türk, Dr. Levy, Dr. Klee, Direktor Dr. Spanier u. a. vorgenommene Inspektion, die ein besonders erfreuliches Ergebnis in bezug auf die Leistungen der Schule ergaben. Damit ist eine von den Zionisten geschaffene Institution, die sich bewährt hat, in die Verwaltung der Gemeinde übernommen; sie wird in ihrer charakteristischen Eigenart erhalten bleiben, so wird Insbesondere das Hebräische wie bisher besondere Pflege erfahren. Die Wahlen in UegnUz Liegnitz. Am 2. Dezember finden hier die Ergänzung*- wählen zur Repräsentantenvcrsammlung statt. Es sind sieben Repräsentanten und die entsprechende Zahl von Stellvertretern zu wählen. Während es ln den früheren Jahren nie zu einem Wahlkampf gekommen ist, und die Anzahl der Sitze im Wege eines Kompromisses verteilt wurden, ist diesmal der Wahlkampf uns aufgezwungen worden. Die liberale Partei verlangte eine größere Anzahl von Sitzen, als ihr nach der Anzahl ihrer Wähler zu steht, und obwohl wir zu weitestgehenden Konzessionen bereit waren, zerschlugen sich die Verhandlungen. Zwei Listen mit zwei verschiedenen Wahlvorschlägen sind zu dem bevorstehenden Wahltermin eingereicht worden: die eine mit dem Kennwort ״Liberale Partei", die andere mit dem Kennwort ״Jüdisch-Konservative Mittelstands- und Volksparfei". Die Wahlpropaganda hat auf unserer Seite rechtzeitig und gut vorbereitet eingesetzt Am 21. November fand, nachdem das Wahlkomitee im engeren Kreise schon des öfteren getagt hatte, die erste öffentliche Wahlversammlung vor unseren Wählern statt. An diesem Abend entwickelten unsere Kandidaten ihr Programm und fanden mit ihren Ausführungen reichen Beifall und allgemeine Zustimmung. Den Höhepunkt unserer Wahlvorbereitung bildete unsere zweite öffentliche Wahlversammlung, für die Herr Dr. Alfred Klee (Berlin) als Redner gewonnen wurde und die am 26. November stattfand. Zu dieser Veranstaltung waren sämtliche Gemeindemitglieder eingeladen, und sie brachte für uns einen außerordentlich großen Erfolg. Die Versammlung war sehr stark besucht und auch die Oegner hatten sich an diesem Abend, wenn auch nicht gerade sehr zahlreich, eingefunden. Dr. Klee verstand cs, in einer meisterhaft aufgebauten Rede die Zuhörer zu fesseln. Lautlos folgten sie seinen Ausführungen. Diese Rede war mehr als eine Wahlpropagandarede, sie führte in tiefschürfender Weise in die Probleme ein, die das heutige Judentum bewegen. Der Redner begann seine Ausführungen damit, daß er darauf hinwies, ein wie großes Unrecht es sei, in der jüdischen Gemeinde, in der man nur jüdische Politik führen dürfe, einen Unterschied zwischen zugezogenen und ansässigen Juden, Ost- und Westjuden zu machen. Er kam dann auf den Zionismus zu sprechen und wies mit Schärfe alle die unwahren Vorwürfe zurück, die gegen diese Bewegung immer und immer wieder von seinen Gegnern erhoben werden. Als die Aufgaben, die in einer jüdischen Gemeinde zu lösen sind, bezeichnete er die Beschäftigung und Bereitstellung von Mitteln für alle die Aufgaben, die zur Zeit im deutschen Judentum und in der Oesamtiudenheit dringend der Lösung bedürfen. Palästina-Aufbau, Fühlungnahme mit den großen jüdischen Wohltätigkeitsorganisationen, das sind die Dinge, die heute von der Tagesordnung einer jüdischen Gemeinde nicht verschwinden können. Die Frage der jüdischen Volksschule wurde ebenfalls berührt. Zum Schluß der Ausführungen kam die Abrechnung mit dem Liberalismus. Sie war vielleicht das Treffendste und Wirksamste in den Ausführungen Dr. Klees. Er wies nach, daß der Liberalismus in seiner etwa hundertjährigen Entwicklung zum allergrößten Teil zerstörend gewirkt hat und daß all die unerfreulichen Erscheinungen, die wir jetzt im Judentum erblicken, zurrt größten Teil als Fo’gecrscheinung der liberalen Reformbewegung anzusehen sind. Diesen Dingen gelte daher unser Kampf im allgemeinen und dieser Wahlkampf im besonderen. Einmütiger und reicher Beifall folgte den Ausführungen des Redners. Zu einer Diskussion kam cs nicht, obwohl eine solche vorgesehen war, anscheinend wußten die Gegner, unter denen sieh auch der Führer der hiesigen liberalen Partei befand, nichts auf die Ausführungen des Herrn Dr. Klee zu erwidern. Der Vortrag wird zweifellos am Wahltage seine guten Früchte zeitigen. Bochum. Im Jüdischen Frauenbund sprach in einer Versammlung, zu der al’e Gemeindemltglleder eingeladen waren, Frau R.-A, Dr. Schöne wald über das Frauenwahlreclit in der Gemeinde. Die Herren Soottheim, Klausner, Dr. Meversberg und Stonoer zeigten, daß die Vortragende sich g• :en einen unsichtbaren Gegner gewandt habe, da ieder ein Freund des Frauenwahlrechts sd, vor allem die Zionisten, die es als erste jüdische Organisation seit Beginn des Zionismus eingefiihrt hätten. Wollten die Frauen das Wahlrecht reformieren, so möchten sie auch für das Verhältniswahlrecht eintreten, das die Alleinherrschaft einer Riehtung unmöglich mache und das die Gemeinde Bochum trotz des neuen Judengesetz-Entwurfs nicht einführe. Es wunde erwidert, das Verhältniswahlrecht stehe nicht auf der Tages- Ordnung, cs sei nicht Sache der Frauen, sich für alle gerechten Fordeningen, deren es sehr viele gäbe, einzusetzen. Der Gemeindevorsteher R.-A. Dr. Schöncwald hielt die Durchführung des Vcrhällniswahlrechts i!1 Bochum für schwierig, es berge die Gefahr der Zcrsnfittcrung in sich. Unsere Freunde werden bald eine Versammlung einberufen, um Gelegenheit zu haben, die Frage des Verhäifniswahirechfs öffentlich zu erörtern. Das , Hablmah“-Jublläum. In den Chanukkah-Tagen 5689 (S. bis 15. Dezember 1928) finden die Jubiläumsfeiern aus Anlaß des zehnjährigen Bestehens des hebräischen Theaters ״Habimah“ statt. Der Festakt am 15. Dezember wird durch eine Rede Bialiks eingeleitet, von Darbietungen des .,Habimah"- Ensembles ausgefüllt und von einem Bankett zu Ehren der ״Habimah“ abgeschlossen werden. Für die anderen Ta!׳e sind Vorlesungen über das hebräische Theater und die Schicksale von ,.Habimah", Vorträge ln Schulen, Theatern und Kinosälen vorgesehen. Zum Jubiläum erscheint ein Almanach, der der Geschichte und der Zukunft der ״Hahimah" gewidmet ist. Dem Ehrenpräsidium des lubiUtumskonritees gehören an: Bialik, Bentwich, Stanislawski, Henrietta Szold, Max Reinhardt, Ussischkin, Weizmann. Im Unterhaus fragte Wedgwood den Koionienminister, warum das Gepäck und die Korrespondenz des Leutnants 1 a» bot ins ky bei seiner Ankunft in Palästina von der Polizei untersucht worden ist und ob dies auf eine besondere Order aus Jerusalem hin erfolgt war. Minister Amery erwiderte, er habe Bericht von der Palästina-Regierung hierüber einge- : fordert Briefe an die Redaktion Berlin, den 26. November 1928. An die Redaktion der ״Jüdischen Rundschau". In Nr. 92 der ,Jüdischen Rundschau" hat Herr Gerhard Scho lern seinen Standpunkt und den seiner Gesinnungs enossen im ״Brith-Schalora" in bezug auf die Araberfrage argeiegt. Gestatten Sie nun auch einem in Erez-israel geborenen und aufgewachsenen Sohn des Jischuw, einige Einwände vorzubringen. Wer die letzten Vorgänge und die Ent- Wicklung der jüdisch-arabischen Gegensätze in letzter Zeit aufmerksam verfolgt hat, wird sich wohl klar sein, daß der Vorfall an der Klagemauer nur eine Frucht der erneut auflodernden Hetze seitens der arabischen Presse ist, nachdem die Hoffnung der Araber auf ein mit legislativer Gewalt ausgerüstetes Parlament sich, vorläufig wenigstens, als unerfüll- Bar erwies. Einen guten Teil hat auch der Jischuw dazu beigetragen, indem er auch nur den Gedanken an ein solches Parlament mit einer machtlosen jüdischen Minderheit heftig abwehrte. In der Tat würden in einem solchen Parlament schon die ersten Beschlüsse dahin zielen, unsere nationale Aufbauarbeit für immer zu paralysieren. Daß eine Zustimmung zu dessen Konstituierung nationalen Selbstmord bedeuten würde, war allen Parteien von rechts bis links klar, nur nicht dem ״Brith-Schalom", der es sogar wagte, ln unverantwortlicher Weise dafür Propaganda zu machen! (Siehe den ״Offenen Brief an den Waad Leumi“ von A. Elmalech im ״Doar Hajom“ Nr. 273 vom 23. August 1928.) Aus einem Interview׳, das um diese Zeit der Journalist Ben-Baruch mit Mussa Kazim Pascha hatte, geht deutlich hervor, wie man sich im arabischen Lager die Durchführung der Balfour-Deklaration, mit der der Aufbau ja steht und fällt, dachte. In Wirklichkeit würde es wahrscheinlich noch viel schlimmer werden, denn was Zusicherungen bedeuten, wissen wir nicht nur von Polen und Rumänien her, sondern auch von den letzten Jerusalemer Munizipalitätswahlen in denen die jüdischen Wähler den arabischen Bürgermeister Rag’ab unterstützten, nachdem er feierliche Zusicherungen gegeben hatte. Kaum aber war das Ziel erreicht, als auch schon die beiden arabischen Parteien allen Hader vergaßen und sich gemeinsam gegen die Jerusaleraer Judenheit wandten. Es erübrigt sich wohl, noch weiter nachzuweisen, wie die führenden Araber im Lande unseren nationalen Bestrebungen gegenüberstehen. Es muß also offen ausgesprochen werden, daß, wie die Dinge zur Zeit liegen, wir In den Arabern unsere Oegner sehen müssen und jede Verbrüderungstendenz eine höchst gefährliche Schimäre ist, wenigstens vorläufig. Wenn die Araber als unsere Gegner bezeichnet werden, so ist damit nicht die Masse des Volkes gemeint״ mit der man im Alltag Im besten Einvernehmen lebt, sondern der Adel und die Handvoll Intellektueller And Journalisten, die in dem Eindringen der Kultur in das Land mit Recht eine Gefährdung Ihrer Feudalherrschaft sehen. Insofern lag es also auch im Interesse des arabischen ״Volkes", wenn ihm zur Zeit ein Parlament vorenthalten wurde, in dem seine Versklavung nur legalisiert worden wäre. Nachdem nun die Lage schematisch Umrissen ist, fragt man sich mit Staunen, wie der ״Brith-Schalom“ für das Parlament werben konnte?! Und wenn er nun zur Verbrüderung ruft, so wird es ihm doch wohl klar sein, daß diese nur um den Preis unserer Zu- Stimmung zu diesem Parlament zu erkaufen wäre, also unter Aufgabe aller nationalen Bestrebungen! Aber das scheint Herrn Scholem wenig Sorge zu machen, wenn wir nur ״Triumphe der Selbstbeherrschung und der moralischen Ueberlegetthelt“ feiern können. An die zwei Jahrtausende haben unsere Vorfahren solche ״Triumphe“ gefeiert und mit ihrem Blute schwer bezahlt. In Erez-Israel aber wächst eine Generation heran, die sich mit diesen ״Triumphen" nicht abspeisen läßt, und die nicht daran denkt, die Hand, die schlägt, auch noch zu küssen. Der nationale Prestigewillen, der Herrn Scholem soviel Unbehagen bereitet, ist das erste Zeichen dieser Generation, die nicht demütig gebeugten, sondern ruhig und aufrechten Hauptes dahinschreitet. Nicht mit Feuer und Schwert wollen wir das Land unserer Väter zurückerlangen und aufbauen, aber wir werden uns durch beides auch nicht daran hindern lassen, und vor allem werden wir nicht öffentlich nachzuweisen suchen, daß unsere Gegner ״juristisch" eigentlich im Recht sind und wir ihnen, wenn es nach Herrn Scholem und Genossen ginge, für die uns zugefügte Kränkung noch Abbitte zu leisten hatten! Dr. med. Gerschon Barag, Tel-Awlw (zur Zeit Berlin). # ״ Die vorstehende Zuschrift vertritt die in Palästina gangbare Auffassung, die wohl im Zionismus als allgemein bekannt vorausgesetzt werden kann. Wir glauben freilich, daß das Problem nicht so einfach liegt wie es hier erscheint, und wir haben bei verschiedenen Anlässen versucht, die Diskussion m aridere, weniger schablonenhafte Bahnen zu leiten. Wir werden auf diesen Gegenstand noch öfter zurückzukommen haben. Für heute möchten wir nur mitteilen, daß der Brith Scha- 10m, dessen Absichten von der Presse vielfach entstellt worden sind, eine Erklärung über seine Ziele ankündigt, deren Veröffentlichung Gelegenheit zu neuer Betrachtung der Dinge bieten wird. Die Gesellschaftsreisen des Keren Hajessod Schon jetzt stellt sich heraus, daß das Interesse für die beiden Palästinareisen, die der Deutsche Keren Hajessod 1m Frühjahr nächsten Jahres veranstaltet, außerordentlich groß Ist. Die erste Reise, die Luxusreise, beginnt am 19. März in Marseille und führt über Alexandrien nach Palästina. Der Aufenthalt in Palästina beträgt 14 Tage. Die Rückfahrt erfolgt wieder über Aegypten. . Die Studienreise beginnt am 28. März in Triest und führt direkt nach Palästina, wo ein Aufenthalt von neun Tagen vorgesehen ist, der ausschließlich der Besichtigung Palästinas dient. Die Rückreise erfolgt für die Mehrzahl der Teilnehmer in der gleichen Form, nur einige werden es vorziehen, noch einen Abstecher nach Aegypten zu machen und von dort aus nach Italien zurückzufahren. Beide Reisen werden nur in der ersten Schiffsklasse durch• geführt. Die Unterbringung in Palästina erfo’gt in den besten Hotels, die Fahrten in modernen Privatautos usw. Durch Mitarbeit aller in Frage kommenden Kreise ist dafür gesorgt, daß den Teilnehmern der Reise Gelegenheit zu wirklichem Studium der palästinensischen Verhältnisse gegeben wird. Diese Reise des Deutschen Keren Hajessod ist der erste Versuch einer geschlossenen Reise von Freunden der Palästinaarbeit aus Deutschland und eigentlich die erste Palastinareise aus Deutschland überhaupt, wenn man von der Jugendreise im Herbst dieses Jahres absieht. Prospekte, die alle Einzelheiten enthalten, werden vom Büro des Keren Hajessod, Berlin W15, Meinekestraße 10, und vom Palestlne Lloyd <3. m. b. H., Berlin-Charlottenburg 2, Joachimsthaler Straße 38, versandt. In der Nacht vom 20. zum 21. November setzte der erste starke Regen dieses Winters in Jerusalem ein.