Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1928-11-27 · Heft 94 (27.11.1928) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 94 (27.11.1928)
Date
1928-11-27
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2651273-2652971-2653053--20409-2678386
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Nr. 94, 27. XI. 1928 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 66t Ein Rechtsschotzkomllet der rassisch ■jüdischen Emigration Wir erhalten nachstehenden Bericht: Aus Initiative der bekannten Finanziers Dob ry und N ai * d i t s c h und des ehemaligen Petersburger Advokaten M. Goldstein fanden im Hause Dobry am 10. und 17. November zwei intime Versammlungen statt, in denen die Lage der jüdischen Minderheiten vfln Ost- und Südosteuropa und die Frage der Beteiligung der russisch-jüdischen Emigration an diesem Rechtskämpf behandelt wurde. M. Goldstein, der in beiden Versammlungen den Vorsitz führte, betonte die Wichtigkeit der historisehen Errungenschaften des Komitees der jüdischen Delegationen. Als Referent der beiden Abende gab Leo Motzkin ein eingehendes Bild der Arbeiten vor der Friedenskonferenz, vor dem Völkerbund, vor den internationalen Organisationen und auf dem Wege zahlreicher Interventionen bei einer Reihe von Regierungen. Der im Jahre 1919 eingeleitete Rechtskampf des Komitees der Jüdischen Delegationen, der die Durchsetzung ‘ der bekannten Minderheitsklausefn in den Verträgen und eines gewissen Minderheitenschutzes durch den Völkerbund zur Folge hatte, war nur die starke Basis für die weiteren Aktionen auf diesem Gebiete. In über einem Dutzend Ländern seien diese Kämpfe in verschiedenen Nuancen zur Geltung gekommen, wobei es sich bald um primitivere Dinge, wie Abwehr von Massen- •uswelsungen, wie Durchführung der Einbürgerung; im Sinne der Verträge, wie Kampf gegen Pogrome und Antisemitismus, Kampf gegen Numerus clausus und wirtschaftliche Entrechtung, Regelung der Staatenlosenfrage usw., bald um feinere Fragen, wie Anerkennung der Nationalität der jüdischen Minderheit, Anerkennung nationaler Zentralorgane, Budgetierung des Schul- Wesens, gesetzliche Rücksichtnahme auf die Sabbatruhe, wie Anerkennung der hebräischen und jiddischen Sprache, wie Unter- Stützung jüdischer Kulturinstitute seitens des Staates und noch andere wichtige Angelegenheiten gehandelt hat. Dieser Kampf sei sowohl in den Ländern selbst als im internationalen Leben ausgefochten worden, ln Anbetracht cler zunehmenden Entwicklung der Minderheitenbewegung, an der 40 Millionen in Europa interessiert sind und infolge des Aufkommens des beständigen Instituts der Kongresse der nationalen Minderheiten stehe das Judentum von Ost- und Südosteuropa vor dem entscheidenden Problem, ob es im internationalen Leben einen gemeinsamen Weg mit anderen Minderheiten gehen will, soweit es sich um Verteidigung der Rechte auf der Grundlage des bestehenden Staates und um kulturell - nationale Entwicklungsmöglichkeit handelt. Gerade wegen dieses schweren Problems und im Hinblick auf die Schwäche des Judentums müsse eine wenigstens für gewisse Teile der Aktionen geeinigte Front der jüdischen Rechtsschutzorganisationen und damit eine möglichst umfassende jüdische Vertretung geschaffen werden. Die Diskussion über die aufgestellten Probleme und über die Frage der Möglichkeit einer Beteiligung der russischjüdischen Emigration war außerordentlich lebhaft und ernst. Insbesondere wehrte sich Advokat Sliosberg dagegen, daß die Judenheiten von Ost- und Südosteuropa als nationale Minderheiten ihre Rechte vertreten, da er ein Gegner des Prinzips eines solchen Rechtsschutzes sei. Die Rechtsschutzarbeit müsse sich im Lande selbst abspielen, während das Auftreten im internationalen Leben zu vermeiden sei. Gegen die Ausführungen Sliosbergs traten die Herren Naiditsch, Jefroykin, Kreinin und Gold st ein sehr scharf auf, indem sie die Dringlichkeit der Mitarbeit der russisch-jüdischen Emigration an den internationalen Rechtsschutzkämpfen begründeten. Zum Schluß wurde der Antrag Naiditsch wegen Schaffung eines Komitees innerhalb der russisch-jüdischen Emigration in Paris zur Mitarbeit mit dem Rat zum Schutze der Jüdischen Minderheiten (Komitee der Jüdischen Delegationen) gegen die einzige Stimme des Herrn Sliosberg einmütig angenommen, nachdem sein Antrag wegen Bildung eines russisch-jüdischen Komitees zum Kampf gegen den Antisemitismus als unzweckmäßig abgelehnt worden war. Die Versammlung wählte sodann ein fünfgliedriges Präsidium, bestehend aus den Herren Dobry׳, Gurewitsch, Kreinin und Naiditsch, das sich durch weitere fünf Mitglieder ergänzen und schon in den nächsten Tagen in Aktion treten soll. Es wird allgemein erwartet, daß dieses Komitee für den Rechtskampf sowohl moralische als materielle Ergebnisse zeitigen wird. landwirtschaftliche Kredite (Von einem palästinensischen Korrespondenten.) Vor einiger Zeit wurde viel über die Notwendigkeit dis- Kuriert, Palästina mit Krediten aufzubauen, für die Sicherheiten geboten werden könnten. Insbesondere mit Hinblick auf unsere landwirtschaftlichen Siedlungen wurde die Ansicht entwickelt, daß ein gesundes Kreditwesen die Basis für das Kolonisationswerk bilden muß. Für manche Leute wurde es jedoch zu einem Folgesatz der Unentbehrlichkeit geschäftlicher Kredite, daß Spendenfonds sich in dem wirtschaftlichen Unternehmen des Wiederaufbaus Palästinas überlebt haben. Es sollen daher einige Zahlen über den landwirtschaftlichen Kredit in Nahalal veröffentlicht werden, ein Dorf, das zweifellos zu einem Musterbeispiel jüdisch-nationaler Kolonisation geworden ist und Voraussichtlieh als Typ für unsere zukünftige Kolonisation dienen wird, ln Nahalal besteht seit zwei Jahren eine landwirtschaftliche Leihkasse (im Hebräischen ״Aschrai Hachaklai“ genannt). Sie zählte im letzten Jahre 128 Mitglieder, davon 80 Siedler, 7 Angestellte der nahegelegenen landwirtschaftlichen Versuchsstation, der Rest verschiedene Handwerker aus der Siedlung. Diese Mitglieder zahlten an Mitgliedsbeiträgen 369 Pfund ein. Die Gesellschaft gewährt ihren Mitgliedern Anleihen unter folgenden Bedingungen: a) Darlehen im Höchstbetrage von je 30 Pfund, rückzahlbar in monatlichen Raten gegen garantierte Wechsel. b) Darlehen für Futterankauf, rückzahlbar in wöchentlichen Raten aus dem Ertrag des Milch Verkaufs des Mitglieds. c) Darlehen auf 3 Jahre für den Ankauf von Vieh, rückzahlbar in Vierteljahresraten, unter Einräumung eines Pfandrechtes auf das Vieh an die Gesellschaft. Abgesehen von dem Kredit der obigen Kategorien gab die Kasse 939 Pfund an die landwirtschaftliche Produkten-Abteilüng des Dorfes, 500 Pfund für die Einrichtung einer kooperativen Milchwirtschaft und 600 Pfund an 17 Einzelpersonen für den Kauf von künstlichen Düngemitteln. Insgesamt wurden 385 Anleihen mit einem Gesamtbetrag von 7192 Pfund gewährt. Von dieser Summe standen am Ende des Jahres noch 4625 Pfund aus. Die Rückzahlungen gehen prompt ein. D * fiedlung Nahalal wurde von den beiden Finanz-!•idi uten der Zionistischen Organisation gegründet, indem der Kr en Hajessod das Geld für die Bauten und die Aus- »ö i ng und der Keren Kajemeth für das Land und die Ameliora.i 1; sau «eiten beisteuerte. Sie besteht jetzt seit 7 Jahren und erhalt. 1 u» dem Budget der Zionistischen Exekutive keine Beiträge 1ehr, nicht einmal für die Schulen, welche sie, ab* gesehen von einem kleinen Zuschuß der Regierung, selbst erhält. Das Geld, welches der Keren Hajessod für die erste Einrichtung der Farmen vorstreckt, ist im Verlaufs einer tä11|cr«1, Periode rückzahlbar, und besondere Erleichterungen gelt‘ 11 hier für die ersten Jahre. Aber die Siedler brauchen, überall in der Welt, häufig kurzfristige Anleihen für Aus- Berliner Kalender Büro: Berliner Zionistische Vereinigung, Berlin W 15, Meinekestr. 10. Telephon: Bismarck 7165—70. Postscheckkonto Nr. 37 830 Berlin NW 7. Kassenverwaltung der B. Z. V. Dienstag, den 27. November abends 8 Uhr Berliner Misrachi-Gruppe, - im Hackeschen Hof, Rosenthaler Str. 41 ,» Mitgliederversammlung Tagesordnung: 1. Bericht über den Frankfurter Delegiertentag. 2. Aussprache. Mittwoch, den 28. November abends 8!/s Uhr Berliner Zionist. Vereinigung, 1m großen Saal der Loge, Kleiststr. 10. 1. Jugendveranstaltung. Vortrag Kurt Blumenfeld Thema: ,Jüdische Entwicklungen“ Individuum und Gesamtheit. Donnerstag, den 29. November abends 8ג/י Uhr Zeire Misrachi, Berlin, im Gemeindehaus, Rosenstr. 2/4. ״Zur Ideologie des Zeire Misrachi“. Referenten: Dr. O. Wolfsberg, Dr. Schereschewsky, A. Koppenheim. Gäste willkommen. Montag, den 3. Dezember abends 8'4 Uhr Berliner Zionistische Vereinigung, im Sitzungssaal der Z. V. f. D., Meinekestr. 10. Ausspracheabende über Erziehungsfragen. 1. Abend: Frau Dr. Recha Freier: ״Jüdische Erziehung im Elternhaus“. Veranstaltungen der Frauenarbeitsgemeinschaft für Palästina. Monatsversammlungen der Bezirksgruppen: Bezirksgruppe des Westens. Dienstag, den 4. Dezember nachm. 4»/* Uhr im K. J. V.-Haus, Bleibtreustr. 50. Kurt Blumenfeld: Outsider und Einsame (Ein Beitrag zum jüdischen Persönlichkeitsproblem). Gäste willkommen. Bezirksgruppe Lichterfelde. Donnerstag, den 6. Dezember abends 8 Uhr 1m Hause von Frau Hans Herrmann, Lichterfelde, Wilhelmstr. 29. Chanukkah-Abend. Rabbiner Dr. Emil Cohn: Der Freiheitsgedanke im Judentum. Anschließend musikalische Darbietungen, Tanz und Tombola. — Eintritt l M. Zusammenkünfte der Studiengruppen: 1.StudiengruppeWest. Dienstag, den 27. November nachm. 41/8 Uhr Leiti^g Frau Jenny Blumenfeld, Brandenburgische Str. 46. 2. Jugendgruppe f. Mittwoch, den 28. November abends 81/י Uhr Leitung Else Nathan, Uhlandstr. 194, Pension Schmelz. 3. Studiengruppe Lichterfelde. Mittwoch, den 28. November nachm. 4»/» Uhr Leitung Frau Boschwitz, Steglitz, Schloßstr. 67, bei Frau Kreschower. gaben, für die der Keren Hajessod nicht aufkommt oder nicht zur Zeit seine Zahlungen leistet. Daher die Notwendigkeit der landwirtschaftlichen Leihkasse. Ihre Tätigkeit wurde ihr durch die Zentralbank der kooperativen Institutionen ermöglichi die ihr leihweise Gelder zur Verfügung stellte. Es ist dies nicht die erste Verbindung einer amerikanischen wirtschaftlichen Institution mit dem nationalen Kolcmisationswerk. Die ״Bau-, Leih- und Spargesellschaft“, welche ebenfalls mit amerikanischem Kapital finanziert wurde, arbeitet mit dem Keren Kajemeth für den Bau eines neuen Viertels auf seinem Boden nördlich von Tel-Awiw zusammen. Es muß hervorgehoben werden, daß amerikanische Institutionen, deren geschäftliche Tüchtigkeit bekannt ist, eine Verbindung eingehen mit unserer kolonisatorischen Tätigkeit auf K, K. L.•Boden, einem Boden, der nicht privates Eigentum, sondern im Besitze des gesamten jüdischen Volkes ist. Welche Theorien auch immer sich auf den mächtigen Antrieb, der aus dem privaten Besitz stammt, stützen mögen, die angeführten Tatsachen beweisen, daß die Wirklichkeit größer ist als das Dogma, und daß der praktischen Anwendung aer K. K. L.-Prinzipien, wenn wir nur Vertrauensvoll zu ihnen stehen, keine Hindernisse im Wege sind. PaltsÜnp Oraogenexport Während die für die Zeit von Oktober 1927 bis März 1928 veröffentlichten Berichte einen nur geringen Rückgang des palästinensischen Orangenexports gegenüber dem Vor- Jahre feststellten (2 022 892 Kisten für £ 606 962, also gegen 7 0/0 weniger als im Vorjahre), ergeben die nun veröffentlichten Zahlen für die ganze Exportsaison einen Rückgang um 19 0/0. Und zw׳ar wurden insgesamt im Jahre 5688 (1. Oktober 1927 bis 1. Oktober 1928) 2 178 057 Kisten für £ 652158 versandt gegen 2 669 443 Kisten für £ 808 316 im Jahre 5687. Bezüglich der Einschätzung derAussichtenderdiesjährige» Onngeuerute sind die Meinungen in Paiästina sich nicht ganz einig:. Gegenüber der ursprünglichen optimistischen Einschätzung wird jetzt vielfach behauptet, daß die Pflanzungen in Judäa infolge einiger kühler Nächte am Ende des Winters starken Schaden erlitten hätten. Dagegen sind die Ernteaussichten in Samaria sehr gut. Der Preis der noch auf dem Baume verkauften Früchte ist in den letzten Wochen gestiegen. Die Agenten und die Vertreter der verschiedenen Gesellschaften, die sich nach Europa begeben haben, berichten, daß gute Aussicht für eine große Nachfrage nach Pallstinaorangen besteht. Eine Sonderausgabe der ״Officiai Gazette“ vom 1. Noveinber veröffentlicht den Text des neuen־Zolivezlragcs zwischen Pa{istiQ& ajt-d Aegyptes. Landes vor slandssitzang der l. V. f. D. Der Geschäftsführende Ausschuß der Z. V. f. D. hat beschlossen, die nächste Sitzung des Landesvorstandes für Sonntag, den 9. Dezember nach Berlin eitizuberufen. Auf der Tagesordnung werden folgende Fragen stehen: 1. Propagandaarbeit der Z. V. f.!>.. 2, Mitarbeit von Zionisten in allgemeinen jüdischen Jugendorganisationen, 3. Konstituierung der Jewish Agency in Deutschland. Mitteilung des HauptvorsUndes der B. L V. Die Einreichungsfrist für die Listen zu den Wahlen zur Vertreterversammlung der B. Z. V. ist bis zum Donnerstag, dem 6. Dezember, verlängert worden. Eine nochmalige Mitteilung über die Wahlordnung wird noch bekanntgegeben. Kleine Nachrichten Im Verlaufe des Oktober d. J. sind beim Hauptbüro des Keren Hajessod in Jerusalem im ganzen £ 21661 gegen £ 31 231 im September d. J. eingegangen. Anläßlich des Besuches G. Krichewskys, des Delegierten des Keren Hajessod und Keren Kajemeth, im Fernen Osten wurde in Kobe eine ״Palestine Restoration Association of Japan“ gegründet, die sich die Unterstützung der Zionistisehen Institutionen zur Aufgabe setzte. Jerusalem, 21. November. (J.T. A.) Nach einer offizicllen Mitteilung der Regierung wird Sir John Chancellor, der neue High Commissioner, am 6. Dezember in Jerusalem eintreffen. Jerusalem, 21. November. (J. T. A) Die Regierung ernannte Herrn Joseph B c n t w i c 11, einen Bruder des Ober- Staatsanwalts Öentwicli, zum Inspektor der hebräischen Schulen in Palästina. Der katholische Patriarch veröffentlichte Daten über die Zahl der Katholiken im Lande, aus denen hervorgeht, daß in Palästina 31 000 Katholiken leben, in Transjordanieu 7347. Die Hamburg-Amerika-Linie, die in diesem Jahre zwei Touristenschiffe ״Ozean a“ und ״St. Louis“ nach Pa- Iästina senden wird, hat in ihr Programm neu Besuche von. Tel-Awiw׳ und der jüdischen Kolonien aufgenommen. Dem ״Haare/.“ zufolge u׳ird in Kairo demnächst ein Unternehmen für den Vertrieb palästinensischer Industrie- Produkte eröffnet werden. Wahlreform in der Münchener KuMnsgemeinde Anfang dieses Monats wurde in der Münchener Kultusgemeinde eine wichtige Reform des Wahlrechtes beschlossen, die zwar noch nicht allen Anforderungen eines allgemeinen demokratischen Wahlrechtes entspricht, aber doch gegenüber dem früheren reaktionären Zustand manche Verbesserung bringt. Die Beschlüsse sind ein Ergebnis der unermüdlichen Arbeit der Zionisten in der Gemeinde, deren Forderungen sich auch die liberale Mehrheit auf die Dauer nicht widersetzen konnte. Die Verhandlungen, die sich jahrelang hinzogen, wurden mit einem Kompromiß beendet, das zunächst gewisse wichtige Zwischenergebnisse festlegt. In der Geineindesitzung gab namens der Zionisten Herr L i c 111 e 11 a u e r die Erklärung ab, daß die Zionisten natürlich auch in Zukunft für die volle Durchsetzung eines demokratischen Systems und insbesondere für die volle Gleichstellung aller Juden ohne Unterschied der Staatszugehörigkeit kämpfen werden. Die durchgeführte Reform ist besonders dadurch bemerkenswert, daß sie den Nichtreichsangehörigen das passive Wahlrecht verleiht, das diese bisher nicht besaßen. Zwar ist für die Wählbarkeit ein Aufenthalt von drei Jahren im Gemeindebezirk als Voraussetzung gefordert, doch handelt es sich hier nicht um eine Ausnahmebestimmung gegen Ostjuden, sondern die Be- Stimmung trifft auch Reichsangehörige. Dagegen wird bezüglieh des aktiven Wahlrechtes fcsfgestellt, daß bei Nichtreichsangehörigen außer der einjährigen Mitgliedschaft in der Gemeinde — die für alle gilt — auch dreijähriger ununterbrochener Aufenthalt im Deutschen Reich gefordert wird, in bezug auf das aktive Wahlrecht sind also die Ostjuden w׳eiter benachteiligt, und es wird Aufgabe unserer Gesinnungsgenossen sein, für die Beseitigung dieser Diskrimination Sorge zu tragen. Praktisch ist diese Einschränkung freilich nicht von Bedeutung, da die in München ansässigen Ostjuden so gut wie ausnahmslos bereits drei Jahre am Platze wohnen. Sonach wird auf Grund des Kompromisses nunmehr allen Ostjuden das aktive und passive Wahlrecht zuteil. Es wird Sache dieser Wähler sein, nun auch durch Unterstützung der für bedingungslose Gleichberechtigung aller luden eiritretenden zionistischen Vertreter dafür zu sorgen, daß auch der letzte Rest ungleichmäßiger Behandlung aus dem Statut beseitigt werden kann. Jugendpflege -Ausschuß der jfldiseben Gemeinde Der Jugendpflege-Ausschuß (lei■ jüd'schcn Gemeinde, Berlin, Büsenslr. 2—4, Ziimner 21, ist die Zentralstelle für all« Bostrebimgen, die sich auf die Forderung der gesunden Jugend, und zwar insbesondere der Jugend über 14 Jahren, beziehen. Die Arbeit, die einstweilen, bis zur Yerabschiedum׳ der Salzungen durch das Gcmeindeparlarnent, »och immer um einem vorläufigen Ausschuß geleistet wird, gliedert sich in drei Gruppen; in die Sorga für das körperliche Wohl der Jugend durch Turne» und Sport (Sport- Dezernat), in die Sorge für die geistige Jugendpflege und für die Jugendbewegung (Dezernat für geistige Jugendpflege) und in die Sorge für diejenige» Jugcudlichon, die in den eigenen Jugendgruppen der Gemeinde ziisammenget'aßt sind (Jugondpl'lcgcgruppen- Dezernat). Allo drei (.iruppen stehen »!1■ der lnaiigril'tnnhme wichtiger Arheilen auf ihrem Arbeitsgebiete: das Sport-Dezernat stobt וסי• dem Abschluß »uasichttmeher Verhandlungen, der einen eigenen großen Sportplatz für längere Zeit sichert. Das Dezernat für geistige Jugendpflege! hat die Arbeiten zur Schaffung der ״Schule der jüdischen Jugend״ soweit gefördert, daß die ersten Kurse schon seit einigen Wochen laufen. 111 der Schule der Jugend wird zum ersten Male ein großzügiger Versuch der Bildung und Weiterbildong auf jüdischem Gebiete gemacht, der dadurch besonders interessant ist, daß die Auswahl des Stoffes, die Methode der Stoff- Behandlung, von der Jugend selbst bestimmt sind, und daß ein Teil dar Dozenten der Jugendbewegung entweder noch angehört oder ihr entstammt. Dabei wendet sich die Schul© durchaus nicht nur an die in den Jugend- und Sportverhänden organisierten Jugendlichen, sondern auch an alle diejenigen, die Jugendorganisationen nicht angehören. Das dritte große Projekt des Jugendpflege;! usschusses ist die Schaffung des für Berlin schon lange erstrebten Jugend- und Gemeindehauses, dessen Verwirklichung nunmehr auch in nahesto Sicht gerückt ist. Fügt man endlich noch hinzu, daß inan eine jüdisch« KrCassung aller von den Schulen abgehenden Jugend dadurch versuchen will, daß inan an sie eine Ueborsicht der für sie i» Frage kommenden Jiigi-iideiuriclitungen gelangen läßt, so erkennt mau deutlich, welche Fortschritte auf dein Gebiete der Jugendpflegearbeit gerade in letzter Zeit zu verzeichnen sind.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.