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Jüdische Rundschau · 1928-11-20 · Heft 92 (20.11.1928) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 92 (20.11.1928)
Date
1928-11-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 92, 20. XI. 1928 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 647 Der große Rat des Landesverbandes Der Große Rat des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden beschäftigte sich in seiner letzten Berliner Tagung mit der Frage der Reichsorganisation. Hierüber wird uns noch mitgeteilt: Gegen den vorliegenden Verfassungsentwurf wandte sich Rechtsanwalt Dr. Klee als Vertreter der Volkspartei mit der Erklärung, daß er ihn für völlig undemokratisch halte, daß aber darüber hinaus der Reichsverband als Kostgänger der Landesverbände zu einem Scheindasein verurteilt sei. In einer Zeit, in der bei den Ländern in Deutsch• land verheißungsvolle Unifikationsbestrebungen im Gange seien, erscheine es viel zweckmäßiger, mit der Begründung des Reichs• verbandes noch zu warten, als schon jetzt ein unzweckmäßiges Scheingebilde zu schaffen. Dieser Auffassung schlossen sich Dr. Sandler und Ministerialdirektor Dr. Badt an. Die Annähme der Verfassung der Reichsorganisation in der vorliegen• den Form erfolgte gegen die Stimmen der Jüdischen Volkspartei, Dr. Freunds und des Konservativen Fromm- Frankfurt a. M. Der Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge wurde zur Gründung einer jüdischen Arbeiterkolonie ein Betrag von 30 000 Mark bewilligt, weiter auf Befürwortung Direktor Kareskis dem Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten für Siedlungszwecke ein Betrag von 5000 Mark. Aus den weiteren Bewilligungen sind interessant die folgenden Posten, die bereits den Wohlfahrtsausschuß beschäftigt hatten: Zentralwohlfahrtsstelle 15 000 M., Hauptstelle für Wanderfürsorge 15 000 M., Tuberkulosenfürsorge 15 000 M., Hechaluz 3000 M., für Vorarbeiten auf aem Gebiete der Bevölkerungspolitik 5000 M., an Stipendien für soziale Ausbildung 5000 M., für Gefangenenfüvsorge 3000 M. u. a. Es wurde auch die Frage der Unterstützung der statistischen Sektion der Akademie für die Wissenschaft des Judentums behandelt. Bei dieser Gelegenheit wies Professor Türk darauf hin, daß demnächst bei der Berliner Gemeinde ein statistisches Büro errichtet werden würde, das die Mitvertretung der Interessen des Preußischen Landesverbandes, wenn das möglich wäre, übernehmen sollte. Im übrigen müsse eine größere Vereinheitlichung der statistischen Aufnahmen erzielt werden, die Bearbeitung eines einheitlichen Fragebogens, der allen jüdischen größeren Gemeinden für statistische Zwecke, zugehen werde, sei in Vorbereitung. Eine besondere Schwierigkeit bildete die Frage des Kölner Lehrerseminars. Da in Berlin ein liberal gerichtetes Institut für Lehrerausbildung existiert, wünschen die Konservativen in Preußen, das Kölner Seminar als konservatives Seminar zu erhalten. Auf der anderen Seite verpflichten die neuen Bindungen mit den süddeutschen Verbänden zur Erhaltung des konservativenWiirzburgerSeminars. Es wird weiterer Erörterungen darüber bedürfen, ob der preu- Bische Verband das konservative Seminar in Köln erhalten kann, wenn er auch die Verpflichtung übernimmt, den Großteil zur Erhaltung des Würzburger Seminars beizusteuern. Auf einen ,Antrag Dr. Freunds hin wurde eine Kommission eingesetzt, die die Fragen der Religionslehrer-, der Schächter-, der Kantoren-Ausbildung und ihre Unterbringung in organischem Zusammenhang studieren und prüfen soll. Die Frage der Einberufung einer Konferenz, die die Mischehe-Frage behandeln soll, wurde vertagt. Vor Eintritt in die eigentliche Tagesordnung hielt der Vorsitzende dem verstorbenen ersten Vorsteher der Königsberger Gemeinde, Justizrat Holz, einen Nachruf. Jüdische Dichtung in der ersten Morgenfeier der Jugend (Veranstaltet vom Verband Deutscher Erzähler.) Diese Morgenfeier im Plenarsaal des Herrenhauses, vom Verband Deutscher Erzähler dem begabten Nachwuchs gewidmet, war entschieden etwas sehr Bemerkenswertes, Zwei jüdische Dichter standen auf dem Programm: der Breslauer Walter Meckauer, der für seinen Roman: ״Die Bücher des Kaisers Wutai“ kürzlich den Jugendpreis des Verbandes zugesproehen erhielt, und die weit jüngere bisher so gut wie unbekannte Dichterin Gertrud Epstein, deren Debüt mit der Erzählung ״Hiob“ die Ueberraschung dieser durch den Rundfunk auch nach Breslau und Gleiwitz, übertragenen Morgenfeier wurde. Nicht dies ist das Bemerkenswerte, daß Gertrud Epstein entschieden eine Begabung ist, eine echte Dichternatur mit fast männlicher Kraft, sondern daß sie ein Beispiel ist für die Kraft, der jüdischen Renaissance, die selbst die hartgesottenste Assimilation durchbricht. Georg Engel rechtfertigte in den ganz ausgezeichneten einführenden Worten die Wahl gerade dieser Erzählung, die auch im Werk der Autorin ein Einzelwerk sei ohne Vorganger und ohne Brücke zur vorherigen Produktion. Die Kraft und Tiefe des Empfindens und die außergewöhnliche Einfühlung, die so nur das Erbgut des alten Bibelvolkes nachschaften könnte, sei der Grund der Aufnahme und der Veröffentlichung als Volksbuch. In ״Hiob“ erzählt Gertrud Epstein das Schicksal des russischen Juden Freudheim. Von der Cholera sind ihm Frau und fünf Kinder weggerafft worden. Man riß sie von ihm weg und warf sie ins Massengrab. Das Vermögen verlor er auch. Mit dem jüngsten Kind, dem kleinen Jacob, wandert er aus. Die furchtbare Erinnerung an das Massengrab in Rußland läßt ihn aber keine Ruhe finden. In der fremden Stadt ist ihm nur der Friedhof heimatlich, die Gräber geben ihm Trost. In sechs fremde Gräber bettet er in Gedanken seine geliebten Toten. Das allein gibt ihm Ruhe, jetzt liegt jedes seiner Kinder in seinem eigenen sauberen kleinen Grabe. Der kleine Jacob, dies ist wunderbar zart erzählt, sieht in den Gräbern nur etwas Helles, Freundliches, er hört, wie der Vater sie als etwas Gutes preist. Der schwächliche Kleine stirbt darüber weg. Hier setzt nun das eigentliche Geschehen ein. Das wirkliche, reale Grab tröstet nicht mehr. Bisher war das Grab, das Massengrab das Schreckliche. Jetzt erst erkennt er den kalten, nackten Tod. Der primitive Holzschnitt in der biblischen Geschichte vom Leid und Glück des Hiob wird nun für ihn schicksalhaft. Auch die Glücksverheißung soll sein werden. Der erste Weg zur Sparkasse ist der erste Stein des neuen Hauses. Auch die neue Familie stellt sich ein. Aber die Toten, seine Toten, die er hatte vergessen wollen, ergreifen Besitz von ihm. Die lebensnahe neue Frau sagt: ״Ziind die Lichter, du wirst trotzdem noch Zeit glnug finden, dich an den Lebenden zu freuen.“ Sehr begabt, sehr einfach und schlicht und voller Kraft der Intuition. Etwas aber darf nicht ungesagt sein: Gertrud Epstein versucht ein angenähertes Jiddisch. Das macht den Dialog ganz unmöglich. Umgestelltes Deutsch ist weder jüdisch-deutsch noch jiddisch. Auch an der objektiven Richtigkeit der Ostjudentypen hat der kritische Betrachter manches auszusetzen. Das ändert aber nichts an der symptomatischen Bedeutung dieses Werkes. —־ Theodor Loos war ergreifend als Interpret gerade durch die Schlichtheit seines Vortrags. Walter Meckaucrs Novelle: Junge Menschen, Geschichte einer Wanderung, gestaltet das Schicksalhaft-Unbegreifliche, Mystik inmitten des scheinbar realsten Alltags. Dem iüdlschen Erbgut, von dem Georg Engel sprach, kann sich auch Meckauer nicht entziehen. Der Schauspieler Walter Franck las: ,,Die jungen Menschen“ mit suggestivem, konzentrierendem Stimmklang, Ruth Morold. Berliner Kalender Büro: Berliner Zionistische Vereinigung, Berlin W 15, Meinekestr. 10. Telephon: Bismarck 7165—70. Postscheck* konto Nr. 37 830 Berlin NW 7. Kassenverwaltung der B.Z.V. Dienstag, den 20. November abends 8 Uhr Berliner Zionistische Vereinigung, Schwechten-Saal, Lützowstr. 76. Konzert Alice Jacob-Loewenson (Klavier) ״Neue jüdische Musik“. Mitwirkende: Rahcl Kaufmann, Leo Riasanzew (Gesang). Erstaufführungen von Weprik, Sandberg (Jerusalem), Krein, Achron und Werke von Castelnuovo-Tedesco, Milhaud. Mittwoch, den 21. November abends 8(4' Uhr Gruppe West der B.Z.V. im Sitzungssaal der Z. V. f. D., Meinekestr. 10. Generalversammlung. Anschließend um 0 Uhr Gruppe West und Charlottenburg der B.Z.V. im Sitzungssaal der Z. V. f. D., Meinekestr. 10. Palästinazyklus 1. Vortrag. J. Braslawski, Jerusalem: ״Leben und Kultur der Araber in Palästina“, a) Die Beduinen. Donnerstag, den 22. November abends 8(4 Uhr Gruppe Ost der B. Z. V., in den Räumen der Agudas Achim, Jostystr. 4. Braslawski, Jerusalem: ״Jüdische Landwirtschaft in Palästina in den letzten 800 Jahren“. Sonnabend, den 24. November nachm. *43 Uhr Zeire Misrschi, Berlin, im Volksheim, Dragonerstr. 22. ״Oneg Schabbath". Midraschvortrag, Rezitationen, Chor, Mincha, Seudah schlischith Maariw, Hawdalah. Gäste willkommen. ביום השלישי ב־27 בנובמבר ב־8 בערב, ב״ (Johann-Georgstr. 19 (Ecke Kurfürstendamm נשו® עברי גדול לכבוד יום־השנה של,העבריה" כרטיסים להשיג בקר! הקימת לעברב ההצגה ע״י הקפה. »/•50 לטובת קרן־הקימת!! Mittwoch, den 28. November abends 8(4 Uhr Berliner Zionist. Vereinigung, im großen Saal der Loge, Kleiststr. 10. 1. Jugendveranstaltung. Vortrag: Kurt Blumenfeld; Thema: ״Jüdische Entwicklungen (Individuum und Gesamtheit)“. Der neue große Kulturfilm: ״FRÜHLING IN PALÄSTINA“. Uraufführung Anfang Dezember. gg 13. Dezember 1928 Bei Kroll §§ Der große | CHANVKKAH - BALL § des Keren Kajemeth Lejisrael ״Die jüdische Familie in der Kunst“. Herr Dr. Karl Schwarz ersucht uns im Anschluß an den Bericht (in Nr. 90 der ״J. R.“) über sein Referat in der Gesellschaft für jüdische Familienforschung um Berichtigung einiger Mißverständnisse. Er habe nicht Bilder , seit dem Beginn der christlichen Kunst in Malerei und Plastik“ gezeigt, ferner sei von Budko nicht ein Holzschnitt, sondern ein Schabkunstblatt vorgeführt worden. In der Hauptsache habe der Vortragende mittelalterliche Miniaturen und andere Dokumente mit Darstellungen jüdischen Familienlebens, wie Ehe-Kontrakte, Memorbiicner der Gemeinden, verschiedene Ritualgeräte und Grabmäler, vorgeführt. Darauf folgten dann die Familienmotive in den Werken jüdischer Künstler seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts. — Montag, den 19. d. M., wurde derselbe Vortrag von Dr. Schwarz im Verein für jüdische Geschichte und Literatur in Bamberg gehalten. Rabbiner Dr. Wiener wurde als offizieller Vertreter der jüdischen Bevölkerung in das Komitee zur Vorbereitung der ״Weltausstellung Antwerpen 1930“, die aus Anlaß der hundertjährigen belgischen staatlichen Selbständigkeit veranstaltet wird, berufen. Geplant wird die Herüberschaffung des Pavillons der jüdischen Sonderschau der ״Press a“ von Köln nach Antwerpen. iiiiiniiiiiiniiiiiniiiiuiiiiiuiuiiuiiuiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiuiuiiiiiiiiimiiiuiiiiiiiniuiHiiiiiiiiiiiuiiiiiuiiiiiiiiiuiiiiiniiiiiiitiiiiHiti העבריד־ז" יום־השנה לקיומה. Johann - Georg - Str. 7. אבא׳אמא מאת שליונסקי דקלום ע״י הח׳ בן־יהודה. 8. ר אי r ע הי עיי הה׳ הדרמטי. 9. #ירים עברים (סולו) עיי הה׳ רחל קאופמן- 10. אשירה גא לידידי . דקלום מאת ישעיהו בן אמוץ עיי הה׳ דניה לוין. 11. לרועים אנו.. -ע״יהחוג הדרמטי קטע מחיי ההלוצים בארץ־ ישראל. 12. רקודי ההורה. אגוידרת " תכנית הנשף לכבוד 27. לנובמבר ב־ 19 1. פתיחה עיי הה׳ נחום לוין. 2. מקהלה עב ריח של ה׳.j.w.b 3. מאחר שלש טעודות-קטע מחיי החסידים על ידי החוג הדרמטי של "העבריה"• 4. משירי החרף של ביאליק דקלום ע״י הח׳ מתילדה ברום• 5. משחך בובות — סטירה על המשרד הציוני — עיי החוג הדרמטי. 6. "הממזרי מאת שליונסקי. דקלום עיי הזד «*יי«. Der Waffenstlllstandstag in Palästina Jerusalem, 13. November. (J. T. A.) Am II. November fand eine Feier des Waffeiistillstaudstagcs statt. Jabot insky beteiligte sieh an der Spitze von 200 ehemaligen Angehörigen der jüdischen Bataillone und ehemaliger jüdischer Soldaten anderer Formationen der britischen Armee alt der Parade auf dem Exerzierplatz auf Russian Square. Die ehemaligen jüdischen Soldaten aus Jaffa und Tel-Awiw wurden in einem Extrazug nach Jerusalem zur Parade gebracht. Der stellvertretende Oberkommissar von Palästina, FL C. Luke, nahm die Parade ab und richtete eine Ansprache an die jüdischen Soldaten, in der er erklärte, die jüdischen Soldaten widmen sich jetzt dem friedlichen Aufbau Palästinas mit der gleichen Begeisterung, mit der sie früher für Palästina fochten. Die Legionäre marschierten dann, von der in den beflaggten Straßen sic flankierenden Menge warm begrüßt, zum britischen Militärfriedhof auf den! Skopus-Berge. Nach einem kurzen Gedächtnisgottesdienst wurden Kränze des Klubs der jüdischen Legionäre, der Zionistischen Exekutive und der jüdischen Gemeinde auf dem Kriegerdenkmal niedergelegt. Nach Rückkehr zum Exerzierplatz hielt Oberst F. II. Kis n, der Präsident des Klubs der ehemaligen jüdischen Soldaten und Mitglied der Zionistischen Exekutive, eine Anspräche, in der er die Rolle der jüdischen Bataillone in der Befreiung Palästinas unter der organisatorischen Führerschaft von Jabotinsky skizzierte und die ehemaligen Soldaten aufforderte, ihren Dienst für Zion Schulter an Schulter mit allen Juden weiter zu leisten. Genau II Uhr ertönte ein Kanonenschuß, worauf in ganz Palästina zwei Minuten lang zum Gedächtnis der toten Kämpfer jede Arbeit ruhte. Jagend and Arbelts> Zionismus Die Berliner Ortsgruppe des Hapocl-Hazair veralt stattete kürzlich im Gemeindehaus, Rosenstraße, einen Ausspracheabend über das Thema: Jugend und ArbeitS * Z i on 1 s m u s. Der sehr zahlreiche Besuch der Versammlung aus allen Kreisen der Berliner zionistischen Jugend und das rege Interesse, das in der Versammlung selbst zu spüren war, zeigte die Notwendigkeit, derartige politische Aussprachen im Kreise der Jugend durchzuführen und dadurch die politische Stellungnahme in ihr zu fördern und zu vertiefen. Als erster Referent sprach Kurt Loewensteiu über die Grundlagen der arbeitszionistischen Bewc gütig und die augenblickliche Situation der sozialistisch-zionistischen Jugend in Deutschland. Ausgehend von der Identität beider Bewegungen ihrer Idee nach wurde die Möglichkeit vor» Differenzen und Abirrungen aufgezeigt. Der Arbeits-Zionismus als Zionismus, basiert auf der nationalen Erkenntnis, so daß sich der nationalen Forderung alles andere untemiordnen hat. Im Konfliktsfalle gibt es für ihn nur den national gebotenen. Weg. Der Weg der gesamten palästinensischen Arbeiter- Schaft ohne Unterschied der Partei ist durch diesen Grundsatz bestimmt worden. Nur fern von der Realität, d. h. in der Oahith, sind andere Doktrinen möglich. Die Verwirklichung des Arbeits-Zionismus erfolgt durch kulturelle und wirtschaftliche Arbeit. Dies bedeutet den Uebergaiig zur hebräischen Kultur und den Uebergang zur eigenen produktiven Arbeit. Die Chaluzbewegung ist somit seine Konsequenz, die aus nationalen Gründen gezogen wird. Auch die kollektivistische Bewegung im Lande und der Gedanke der autonomen Arbeiterwirtschaft sind national bedingt. Zugleich mit dieser nationalen Verwirklichung wird — untrennbar damit verknüpft — ein sozialer Zweck verfolgt und die Grundlage einer neuen Gesellschaft gelegt. Am Anfang all dieser praktischen Handlungen in Palästina steht nicht die Doktrin, sondern das praktische Erfordernis. Aus dieser Grundlage der arbeits-zionistischen Bewegung ergeben sich bestimmte Aufgaben für die Erziehung der Jugend. Jedes Abirren zum Dogmatismus ist zu verwerfen. Diese große Gefahr besteht bei der heutigen sozialistisch-zionistischen Jugend in Deutschland, die z.״B. das Schlagworf der Er- Ziehung zum Klassenkampf in manchen Kreisen anwendet. Es handelt sich nicht um eine Ablehnung des Klassenkampfes, der in der Wirklichkeit des Lebens ganz von selbst kommt, sondern um die Notwendigkeit der Erzieh««״ zur nationalen Arbeit. Weiter besteht in der heutigen■ Jugend die Gefahr der ״sozialistischen Minderwertigkeitskomplexe“. Diese müssen überwunden werden, indem man den Eigenwert der arbeits-zionistischen Bewegung aufzeigt. Auch für die zionistische Gesamtbewegung muß ein größeres Selbstbewußtsein verlangt werden. Allerdings kann die Jugend all dies nur dann erlangen, wenn sie sich nicht separiert, sondern sich gänzlich in die organisierte zionistische Gesamtheit eingliedert. Als zweiter Referent sprach Paul S c h n u r m a c 11 e r und kritisierfc von der arbeits-zionistischen Grundhaltung aus die gegenwärtige Stellung der akademischzionistischen Jugend, insbesondere des K. J.V, Er stellte den Zionismus als persönliche Aufgabe dar. Nachdem im Zionismus die persönliche Verwirklichung in den Vordergrund getreten ist, müssen für die nationale Sache Opfer der Persönlichkeit gebracht werden. Der Weg des Chaluz in Pakistina oder des seinen Mann-Stehens für die Bewegung in der Galuth sind hier zu fordern. Das Primat des zionistischen Ethos für die persönliche Lebensgestaltung ist aufzustellen. Gegenüber jedem Kniturhiimanismus ist auch hier die politische Haltung des jungen Menschen zu fordern. An der Aussprache beteiligten sich Sehe r e s e h e w s k v und Brumm. Nach kurzen Schlußworten der Referenten mußte die Versammlung wegen der vorgerückten Stunde geschlossen werden, nachdem der Beschluß gefaßt worden war, die A 11 s s p r a c 11 c m ö glichst bald f o r t z u - setzen. Bei dieser Gelegenheit sollen einleitend auch Gäste aus anderen Lagern der Jugend zu Worte kommen. n. Ortsgruppen Emden, ln einer namentlich von Jugendlichen gut besuchten Wsanimlun״ sprach lfm׳ Lazarus ffarlli aus Berlin am ar). Oktober über das Thema ,.!,ns v״m Zioinstims oder hin zu ihm". Redner skizzierte in gewohnt meisterhafter Weise die Entwicklung der zionistischen Bewegung von Ilcr/Is Auftreten und dem 1. Baseler KongrefS bis zur Balfour-Deklaration und der heutigen Lage in Firer-Israel imd setzte sieh sodann hauptsächlich mit dem Standpunkte des G.-Y. und dem Verhallen der Agudas-Jisroel auseinander. Den überzeugenden Ausführungen und eindringlichen Mahnrufen lauschte die Versammlung länger als eine Stunde mit, gaspannte!• Aufmerksamkeit und warmem Danke, ln der Diskussion, an der sich die Herren Kahn aus Kitzingon, Lunclrabblner Dr. Blum, Wolf Yalk und Max de I’.eer I, etoiligten, wurden (irgenargumcnlc nicht geltend gemacht, aber verschiedene Fragen prinzipieller und aktueller Art aufgeworfen, die der Referent in einem Schlußwort eingehend und einleuchtend beantwortete. Mit herzlichen Dankes- Worten schloß der Vorsitzende! Herr l)r, Kretschmer die gutgetungeno Veranstaltung, die einen vhlveispmlieiidoli Anfang unserer Wiiiterarbeit bedeutete. Mil dem gi üßleii Teil eh r Ortsgruppe und d«! in nächster Zeit von liier nach Ercz.■Israel gellenden Chaluiim fand sodann noch ein gemütliches Beisammensein und eine privat» Aussprache statt. » 5300020101010053232323535353485353484848234848234889235332532301000200010153534853230101020248010002 C.^^::/^^:..++//^^^/.++.74++/:/:79+/+^^

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