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Jüdische Rundschau · 1928-11-16 · Heft 91 (16.11.1928) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 91 (16.11.1928)
Date
1928-11-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 91, 16. XI. 192S JUEDISCH E RUNDSCHAU Seite 629 Um die Autonomie Td*״Awiws Von unserem Korrespondenten. AO, Tel-Awiw, 25. Oktober 1928. Seit ungefähr einem halben Jahre verlangte die Regierung vom Stadtrat Tel-Awiw die Ausarbeitung ihres Statuts. Als dieses nicht fertig wurde, veröffentlichte die Regierung von sich aus am 15. Oktober ein Statut für Tel-Awiw. Seitdem gibt es in der Stadt fortlaufende Proteste gegen diesen Eingriff in die jüdische Autonomie und ru gleicher Zeit Konferenzen mit dem Distriktsgouverneur und Verhandlungen zwischen den einzelnen politischen Strömungen innerhalb der Stadt. Gestern ist die Frage auch vor den Waad Leumi gebracht worden, der eine Protestresolution gegen die Beschneidung der Autonomie gefaßt hat. Um richtig zu verstehen, worum es hier geht, muß man die besondere Stellung Tel-Awiws unter den pallstinensischen Städten berücksichtigen. Konstitutionell ist Tel-Awiw keine ״Munizipalität“, wie zum Beispiel Jerusalem, sondern es hat die Kompetenzen eines Stadtviertels bzw. eines Dorfes. Dieser Zustand stammt noch aus der Zeit, als Tel-Awiw eine Vorstadt von Jaffa war. Innerhalb dieses bescheidenen Rahmens hatte die Stadt jedoch volle autonome Rechte in einem Umfang, wie sie keine andere Munizipalität in Palästina besaß: gleiches geheimes und proportionales Wahlrecht, Frauenwahlrecht, Freiheit in ihren geschäftlichen Transaktionen usw. Gewisse Einschränkungen sind vor zwei Jahren eingeführt worden, als die Regierung als Kompensation für die finanzielle Hilfe, die sie der verschuldeten Stadtverwaltung leistete, eine strengere budgetäre Ueberwachung einführte. Außerdem beschloß der Stadtrat von sich aus gegen die Stimmen der Arbeiter einen niedrigen Wahlzensus, wodurch zum ersten Male das Prinzip durchbrochen wurde, daß jeder Bürger der Stadt, ganz abgesehen von seinen Steuerbeiträgen, wahlberechtigt sei. Seit den letzten Wahlen vor ungefähr einem Jahre sind die inneren Beziehungen innerhalb der Stadtverwaltung schlechter und schlechter geworden. Die Proportion zwischen den ״Bürgerlichen“ und den ״Linken“ war so unglücklich verteilt, daß die bürgerliche Mehrheit niemals richtig gesichert war, das Fehlen von einem oder zweien ihrer Mitglieder in einer Sitzung spielte der Gegenpartei die Entscheidung in die Hände. Dazu kam eine offenbare Unfähigkeit, mit der praktischen Arbeit fertig zu werden, politische Meinungsvcrschiedenheiten spielten eine große Rolle und die Sitzungen des Stadtrats, der mit seinen 41 Mitgliedern einem kleinen Parlament glich, wurden zu Ereignissen Tel-Awiws, bei denen die Sensationslust befriedigt werden konnte. Diesen schwlerigen Verhältnissen war es zuzuschreiben, daß das Statut vom Stadtrat nicht zur Zelt ausgearbeitet und der Regierung übergeben wurde, so daß diese selbst ihre Verordnung veröffentlichte. Die Diskussion, die gegenwärtig geführt wird, dreht sich um zwei Punkte. Um die Beschneidung der Autonotnie und um die Brauchbarkeitdes Regierungs- Vorschlages. Zum ersten Punkt muß hinzugefügt •werden, daß der Gouverneur bei der Ausarbeitung des Statuts Vorschläge und Forderungen gewisser ״bürgerlicher“ Kreise in Betracht zog, die sich nicht damit begnügt hatten, ihre Prinzipien innerhalb des jüdischen autonomen Instituts durchzukämpfen, sondern sich direkt an die Regierung gewandt hatten. So war von vornherein jeder Protest gegen die Be» schneidung der Autonomie stark gelähmt, Denn es war offensichtlich, daß es sich dieses Mal nicht einfach um Unverstandnis oder schlechte Absichten der Regierung handelte, besonders da der Gouverneur Campbell sich immer stark für die jüdischen Bestrebungen interessiert hat. Nach seiner Dar- Steilung hat die Regierung Tel-Awiw vor den anderen Munizipaiitäten Vorrechte gegeben, weil sie mit der poIitischen Erziehung ihrer Bürger rechnete. Die Versuche des letzten Jahres habep gezeigt, daß das übereilt war und die Regierung sieht sich zu ihrem jetzigen Vorgehen gegen ihren Willen gezwungen. Ueberall werden die Mängel der bisherigen Verwaltung anerkannt, aber es wird zugleich betont, daß wir auch allein das Recht haben müssen, sie zu bessern, ohne daß die Aenderungen durch die Behörden aufoktroyiert werden. Der Waad Leumi hat sich in einer Resolution den Protesten gegen die Verkürzung der Autonomie angesehiossen, obwohl die ״Hitachduth Esrachith Leumlth“, die an der Wahlordnung der Regierung interessiert ist, gegen sein Eingreifen Protest erhoben hat. Jedoch scheint nicht sehr viel Aussicht tu sein, den Regierungsvorschlag rückgängig zu machen. Der Vorschlag seihst enthält einige Punkte, die für die praktische Arbeit günstig sind. Dahin gehört die Ver* minderung der Zahl der Stadträte auf 12-15. Am heftigsten umstritten ist die Frage der Wahlberechtigung. Bisher konnte in Tel-Awiw jeder wählen, der 10 PT. pro Jahr Steuern zahlte, jetzt soll der Zensus auf 50 für aktives, auf 100 für passives Wahlrecht heraufgesetzt werden. Da noch die Bestimmung _dazukommt, daß das Geld wirklich bezahlt sein muß und die Steuerveranlagung nicht genügt, wird die Wfihicrzahl vermindert, was zu schärfsten Protesten der Arbeiter führt. Man muß in diesem Zusammenhang zwei Dinge unterscheiden: die theoretische und die praktische Bedeutung der Bestimmung. Zuerst einmal entspricht es nicht den demokratischen Grundsätzen, das Wahlrecht von irgendwelchen Geldleistungen abhängig zu machen. Davon abgesehen, hätte die Einführung eines Zensus auch von 50 Piaster die Wählerzahl nur um ein Geringes verkleinert, wenn wir in Tel- Awiw normale Verhältnisse hätten. Die letzten Jahre hindurch jedoch sind die Bürger große Summen schuldig geblieben, vor allem, weil die Arbeitslosigkeit finanziell schwer drückte. Außerdem ist die Steuererhebung so geordnet, daß die Einnehmer das Geld bei jedem Einzelnen holen, weil sonst nicht bezahlt wird. So ist es, aus wirtschaftlicher Not und administrativen Fehlern, dazu gekommen, daß ein großer Teil derer, die der Einschätzung nach dem Zensus entsprechen, kein Wahlrecht haben, wenn sie nicht ihre Schulden wenigstens teilweise decken. Und das ist vielen unmöglich. Unter diesen Umständen wird ein Zensus von 50 PT., der unter normalen Verhältnissen fast allen Bürgern das Wahlrecht sichern würde, heute für viele zu einem Hindernis, sich an den Wahlen zu beteiligen. Der Distriktsgouverneur hat sich bereit erklärt, eine Liste derer entgegenzunehmen, die durch die Bestimmung vom Wahlrecht ausgeschlossen werden, um für Erleichterungen zu sorgen, so daß Aussicht besteht, den durch den Zensus verursachten Schaden etwas zu bessern. Die ״Reihte“ steht ן diesen Bemühungen feindlich gegenüber. Diese Tatsache fett Aufruf Die jüdische Arbeiterschaft In Palästina arbeitet und kämpft filrdenAufbauelnerneuenGesellschatt. Getrieben von dem GelUhl der Unerträglichkeit der bisherigen Lage ihres Volkes, ringt die jetzt auf 30 #0 Köpfe angewachsene jüdische Arbeiterschatt in Palästina um nationale und soziale Regeneration. Es gilt für sie aus einem unter Jahrhunderte langen Ghettoleben leidenden, der Verbindung mit dem Boden entfremdeten Volke eine freie Gemeinschaft arbeitender, dem Boden verbundener Menschen zu schaffen und diese Gemeinschaft mit sozialem Geist zu durchdringen. Die Arbeiter Palästinas fühlen sich als die, die Zukunft tragenden, Repräsentanten des jüdischen Volkes und fühlen sich ebenso verbunden dem internationalen Kampf um die Befreiung des arbeitenden Menschen durch den Sozialismus. Sie stehen in diesem Kampf auf einem eigenartigen Felde und haben mit besonderen Problemen zu ringen. Einerseits muß die Heimstätte des jüdischen Volkes in Palästina als nationales Ziel in kolonisatorischen Formen verwirklicht werden, ohne den Geist eines der Vergangenheit zugehörigen Chauvinismus aufkommen zu lassen; die Rechte des eigenen Volks zu sichern ohne fremde Rechte zu verletzen. Andererseits gilt es, die Ideen des Sozialismus zur praktischen Anwendung zu bringen bei der Durchführung des kolonisatorischen Aufbaus der neuen jüdischen Gemeinschaft in Palästina. Bei diesem Werk, das mit einer Fülle von materiellen und geistigen Schwierigkeiten zu kämpfen hat, das mit Gegnerschaft von vielen Seiten zu rechnen hat, leiten die jüdischen Arbeiter Palästinas die Kraft zu den geforderten Anstrengungen außerordentlicher Art aus dem Bewußtsein ab, nicht für sich selbst, sondern für ihr Volk und für eine große Weltidee auf einem Vorposten zu stehen. Zur Stärkung dieses Bewußtseins bedarf es der inneren Anteilnahme der jüdischen Oeffentlicbkett an der Aufbauarbeit in Palästina. Es bedarf im besonderen der tätigen Hilfe aller Juden, die sich auch in den sozialen Idealen einig wissen mit der Arbeiterschaft Palästinas. Die letzten zehn Jahre haben bewiesen, daß große Mßglichkeiten in Palästina vorhanden sind. Die Aufgabe der näcfisten Zeit ist, diese Möglichkeiten auszuwerten. In diesem Augenblick kommt die palästinensische Arbeiterorganisation zu uns mit dem Ruf. alle Kräfte zu sammeln, die innerhalb des jüdischen Volkes den Palästinaaufbau im Geiste der jüdischen Arbeiterschaft bejahen. Wir nehmen diesen Ruf auf. Wir wollen alle Freunde dieses Werks ohne kleinliche Abgrenzung zusammenbringen. Wir wollen die Solidarität mit der palästinensischen Arbeiterschaft bekunden, ohne uns mit allen Einzelheiten des Programms oder der täglichen Arbeit Ihrer Organisation «u Identifizieren. Wir rufen die Gleichgestimmten auf, zur Klärung der besonderen Probleme beizutragen, mit denen die jüdische Arbeiterschaft in Palästina zu ringen hat. Wir fordern sie auf, mit Rat und Tat der palästinensischen Arbeiterschaft zur Seite zu atehen. Zur Anbahnung dieser Gemeinschaftsarbeit wird ein Weitkongreß der Freunde des arbeitenden PalSstfna geplant, der durch Konferenzen in einzelnen Ländern vorbereitet werden soll. Auf den Konferenzen wird Uber die Probleme des Werkes und Uber die organisatorische Zusammenfassung der zur Mitarbeit Bereiten zu sprechen sein. Wir rufen alle Freunde des Aufbaus eines neuen jüdischen Lebens der Arbeit und Freiheit und des sozialistischen Geistes zur Teilnahme an der geplanten Konferenz in Deutschland auf. Die Antwort, die die jüdische Oeffent- Hchkelt auf den Ruf der Arbiter Palästinas gibt, muß würdig sein der Größe der Sache, um die es geht. S. Adler-Rudel, Hermann Badt, Alfred Berger, Siegfried Bernfeld, Eduard Bernstein, Josef Bloch, Martin Buber, Oskar Cohn, Simon Dubnow. Lion Feuchtwanger, Rabb. Grünewald-Mannhelm, Emst Kahn-Frankfurt a.lW., Julius Kaliski, Georg Landauer, Georg Lubinski, Fritz Naphtali, Werner Senator, Robert Weltsch, Arnold Zweig. * Die deutsche Konferenz wird am Sonnabend, dem 29. Dezember, abends, in Berlin zusammentreten und am Sonntag, dem 30. Dezember, tagen. Sie soll zu* sammengesetzt sein aus Delegierten der Freunde des arbeitenden Palästina in jüdischen Organisationen und aus Persönlich* keiten, die ohne vorherige Bindung im einzelnen das in dem vorstehenden Aufruf dargelegte Sei grundsätzlich bejahen. Zuschriften sind erbrten an das ״Sekretariat für die Konferenz der Freunde des arbeitenden Palästina“, Berlin-Charlottenburg, Joachimsthaier Str. 38. wieder ein Beweis dafür, daß die Regierung sich In ihren Maßnahmen gegenüber Tel-Awiw immer auf irgendeinen Teil der Bevölkerung stützen kann, der seine Ziele mit allen Mitteln zu erreichen sucht. Durch den ״Fall Tel-Awiw“ ist die Frage der Autonomie zum Tagesgespräch geworden. Das Experiment, das hier gemacht wurde, zeigt, daß Verwaltung gelernt werden muß, Wenn sie richtig gemacht werden soll. Man darf freilich nicht vergessen, daß Tel-Awiw aus den verschiedensten Elementen zusammengewürfelt ist, daß hier Leute an der Arbeit sind, die keinerlei administrative Erfahrungen besitzen und daß es für den Juden eben nicht leicht ist, im Interesse praktischer Leistungsfähigkeit die politischen Prinzipienstreitigkeiten zurüekzustellen. Wenn die Verhältnisse heute schlecht sind, so bedeutet das nur, daß sie g e ändert werden müssen. Und daß dazu Zeit und sehr viel Geduld gehört, beginnt man in Palästina langsam zu verstehen. Führer der AgndUi bet Chancellor London, 12.November. (J.T.A.) Der neue High Comnjiasioner für Palästina, Sir John Robert Chancellor, empfing heute im Colonial Office eine von Mr. Harry Goodman geführte Delegation der Weltorganisation Agtidas Jlsroel, an der aus Palästina Rabbi Mosche Blau teilnahm. Es fand ®ine Aussprache über die zur Zeit schwebenden politischen Fragen, insbesondere die an das Gemeindegesetz sieh anknüpfenden Entwicklungen und über die Kothel Maarawi-Angelegenheit statt. Der üeberfall ad den Tel-Awiwer Poale Zion •Klub Jerusalem, 9. November. (J.T. A.) Das Gericht in Tel-Awiw hat soeben das Urteil gegen Jene jungen Leute gesprochen, die am Abend des Simchath Thora einen Angriff auf eine Versammlung des Klubs Poale Zion, wo gerade das Jubiläum der Czernowitzer Jiddisch-Konferenz begangen wurde, ausgeführt haben. Vier der Angeklagten wurden freigesprochen, während 15 zu je 15 Tagen Qefängn i a mit Aussetzung dar Strafhaft für eia Jahr bei Leistung einer Bürgschaft von IQ Pfund verurteilt wotäea sind. Frieda Borchardt In Hamburg starb vor einigen Tagen nach langem schweren Leiden Frieda Burehardt. Aus diesem traurigen Anlaß wird uns geschrieben: Mit dem Namen Frieda Burehardt ist für eine Reihe älterer Zionisten eine starke und teuere Erinnerung verknüpft. Frieda Burehardt, die als bereits reller Mensch aus einem vollkommen unjüdischen Milieu zu uns kam, ist eine Zionistin geworden, so unbedingt, aus solch warmem Herzen und so klarer Erkenntnis, wie es wohl ein Mensch dieser Veranlagung werden muß, hat er erst einmal diese Entwicklung genommen. Es war bei ihr selbstverständliche Konsequenz, ihres Judentums bewußt geworden, es voll zu bejahen, sich ihren Weg zu suchen und ilm unbeirrt einzuschlagen. Sic machte sich alle jüdischen Wissensquellen zugänglich; sie lernte hebräisch mit der Energie und Zähigkeit eines ganz jungen Menschen. Sic ging dann nach Litauen an eine jüdische Schule, einmal um Hebräisch als Unterrichtssprache zu erlernen und dann, um ostjüdisches Leben in der Nähe mitzuerleben. So vorbereitet, ging sic nach Palästina, wohin man sic dringend berufen hatte, *Sie verließ als Mensch von über 40Jahren Heimat, Familie, einen sie ganz erfüllenden Posten, einen sie außerordentlich schätzenden Kreis hochstehender Mitarbeiter in der modernen Aufbauschulbewegung. Sie ging nach Erez Israel, weil sie ein Mensch war, der einen Weg zu Ende gehen muß und nicht stehen bleiben kann, solange er noch Kraft in sieh fühlt. So brachte sie dem Lande ihre ganze Schaffenskraft und ihren reinen starken Willen. Eine selten schöpferische Gabe befähigte sie, drüben allen Schwierigkeiten der Verhältnisse zum Trotz Neues und Eigenes zu leisten. Ihre Arbeit beglückte diejenigen, denen sie galt, und strahlte ebenso auf sie selbst zurück. Frieda Burehardt ist, so sehr man sie auch anerkannte, immer derselbe schlichte vorwärtsstrebende Mensch geblieben; dieselbe Vornehmheit ihres inneren wirkte sich bei ihr nach außen in einer Selbstverstündlichen Bescheidenheit und erfrischenden Einfachheit aus. Sic stellte an sich selbst die allerhöchsten Ansprüche. Bis in die letzten Jahre ihrer abnehmenden Kraft blieb sie allem Neuen aufgeschlossen und fähig, sich dem Wertvollen und Schönen hinzugeben. Denen, die das Glück hatten, ihre Freunde zu sein, hat sie unendlich viel gegeben; wir «״ollen versuchen, es ihr in ihrem Sinne zu danken. Käthe Weigert. Aas den Gemeinden Rabbi n erwählen in Berlin Die Berliner Jüdische Gemeinde hat beschlossen, den Oberrabbiner von Posen, Dr. Jacob Frei* mann, als Gemeinderabbiner nach Berlin zu berufen. Weiter werden zu Qemeinderabbinern ernannt Dr. Freier und Dr. Levi-Mainz. Ferner hat die Gemeinde Rabbiner Dr. Emil Cohn zum Oemelnderabbiner gewählt. Weiters wurde mit der Betreuung und Organisation sozialer Institutionen Dr. Martin Saiomonski, früher Rabbiner in Frankfurt a. O., zur Zeit akademischer Religionslehrer der Berliner Gemeinde, betraut und zum Gemeinderabbiner gewählt. Schließlich wurde für die neu zu errichtende Synagoge im Hansaviertel, deren Fertigstellung noch im Jahre 1920 erwartet wird, Oberrabbiner Dr. Carlebach aus Altona als Gemeinderabbiner gewählt. Außerdem ist die Wahl eines der mittelparteilichen Richtung angehörigen Rabbiners in Aussicht .genommen, die demnächst erfolgen wird. Eingesandt Tel-Awiw, den 8. November 1928. Redaktion der ״Jüdischen Rundschau“ Berlin. In der ״Rundschau“ vom 26. Oktober (Nr. 85) bringen Sie eine Nachricht der J.T. A., daß Jabotinsky nach seiner Ueber- Siedlung nach Palästina in einer ״von Tausenden besuchten Ver- Sammlung“ in Tel-Awiw gesprochen hat. Die gatae Mitteilung ist falsch. Jabotinsky ist, abgesehen von der Rede im Waad Leumi, noch nicht öffentlich aufgetreten. Er hat eine ״Parade“ des ״Brith Trumpeklor“ in Tel-Awiw abgenommen und bei dieser Gelegenheit vor dem Brith gesprochen , aber nicht öffentlieh. Danach fand ein Aufmarsch des Brith durch die Stadt statt, und Jabotinsky versuchte von der Veranda des Revisionistenklubs aus, eine Ansprache zu halten, was ihm aber wegen der tobenden Pfui- und Bravo-Rufe nicht gelang. Er konnte nur die später viel belachten Worte äußern: Sehalom lach, Tel-Awiw, Tcheicth Lawan! Weiter kam er nicht. Ei gab also keine ״von Tausenden besuchte jüdische Versammlung“, kein Eintreten für hebräische Sprache und Jüdische Arbeit. So unwichtig die Sache ist, so zeigt sie doch, wie tendenziös unsere Berichterstattung ist Vielleicht hat labotinskv seine Rede, die er nachher nicht halten konnte, vorher der J.T. A. übergeben. X. Y. (Wir bringen die vorstehende Zuschrift zum Abdruck, weil wir der Meinung sind, daß durch die reklamehafte Art der Beriehterstattung, die die palästinensische J.T. A. in bezug auf Jabotinsky praktiziert, diesem selbst ein schlechter Dienst erwiesen wird. Es darf nicht verwundern, wenn man in Zukunft solchen tta-Meldungen, die hier nicht immer gleich nachprüfbar sind, mit Mißtrauen begegnen wird. — A. d. Red.) * Da! polnische (ienenilkonsulal fordert alle 111 hiesigem Bezirk wohnenden, im Jahr« lp08 geborenen polnischen Staatsangehörigen männlichen Geschlechts auf, sich persönlich Ins spätestens 30. Novembar 1958 im Generalkonsulat *weck« Eintragung in die Keimttionmgsliiten «1 melden. Bis rurn obigen Termin müssen sich auch diejenigen melden, die in den Jahren 1907, ipoft, 11)05, 1905 und 1f)03 geboren *hui und bis heute die Meldepflicht versäumt haben bziv. nicht vor einer Itekrutierungskommissior» erschienen sind. Falls ein persönliches Erscheinen nicht möglich ist, kttnn die Meldung mit gl8le.hreit.iger Angabe des Verhinderung*gründe*, mittels Einschrnib- Brief erfolgen. Die Meldepflichtigen haben folgende Papier» bei- »bringen: r. Identitätszeugnis; 2. Nachweis betreffs Bildung und Bcicblftiguny: 3. Geburtsurkunde; /!. Bescheinigung über evtl, früher® Registrierung. Zionistischer Groppenverband Kessen •Nissan Am Sonntag dem 18. November 1928, vormittags 10 Uhr, findet in Frankfurt a. M., Synagogensaal, Unterlindau 21, ein Gru’perverbandstag statt. — Tagesordnung: Vormittagssitzung: 1. Zionistische Propaganda (Referent: Kurt Blumenf eld- Berlin); 2. Ausspräche; 3. Gruppenverbandsarbeit (Referent: Dr. Arthur Ros e nbI att-Frankfurt); 4. Aussprache. — Nachmittags- 6it־ung 3 Uhr: 1. Die augenblickliche Lage in Palästina (Referent: Adolf Polia k- Berlin); 2. Aussprache. Am Sonnabend, dem 17. November 1928, abends 8V2 Uhr, findet im Synagogensaal, Unterlindau 21, eine Jugendveranstaltung statt. Thema: Jüdische Ent- Wicklungen (Individuum und Gesamtheit) (Referent; Kurt Bl um enfe Id• Berlin).

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