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Jüdische Rundschau · 1928-10-30 · Heft 86 (30.10.1928) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 86 (30.10.1928)
Date
1928-10-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 80, 30. X. 1928 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 005 Das neue Statut von Tel-Awiw Die ״Officiai Gazette“ der palästinensischen Regierung vom 16. Oktober veröffentlicht für die bevorstehenden Neuwählen zur Stadtverwaltung von Tel-Awiw eine neue Wahl- Ordnung, die die bisher in Geltung befindliche außer Kraft setzt. Die neue Wahlordnung, die gegenüber dem bisherigen Zustande erhebliche Veränderungen aufweist, trifft im wesentliehen folgende Bestimmungen: Das aktive Wahlrecht erhalten alle Einwohner Tel-Awiws im Mindestalter von 21 Jahren, die wenigstens 12 Monate in der Stadt wohnen, entweder Grundbesitz in der Stadt haben oder wenigstens ein Jahr lang an die Stadt Steuern im Mindestbetrag von 500 Milliem bezahlt haben. Das passive Wahlrecht ist an das Alter von 25 Jahren gebunden und wird allen denjenigen verliehen, die an die Stadt an Steuern den Mindestbetrag von 1 Pfund jährlich abführen. Ein Unterschied der Geschlechter wird bezüglich des aktiven und passiven Wahlrechts nicht gemacht. Durch den Bezirksgouverneur wird eine Wahlkommission eingesetzt, die ihrerseits gemeinsam mit dem Bezirksgouverneur einen Wahlausschuß aus 10 bis 15 Mitgliedern für die Leitung der Wahlen einsetzt. Außer diesem Wahlausschuß wird von dem Bezirksgouverneur ein Wahlkommissar ernannt, der die Leitung der Wahlen übernimmt. Die Stadtverwaltung hat die Vorwahlen inzwischen auf den 18. Dezember festgesetzt. * Dazu schreibt uns unser palästinensischer Korrespondent: Während der Stadtrat von Tel-Awiw seit Monaten damit beschäftigt ist, sein Statut auszuarbeiten, ohne bisher die Arbeit zu Ende zu bringen, hat die Regierung einen Vorschlag veröffentlicht, der im Verhältnis zu der bisherigen Ordnung einschneidende Veränderungen birgt. Die Zahl der Mitglieder des Stadtrats wird stark heruntergesetzt werden. Sie beträgt zur Zeit 41; vor kurzer Zeit ist ein Antrag innerhalb des Stadtrats, die Zahl erheblich zu vermindern, niedergestimmt worden. Nach dem Regierungsvorschlag soll die Zahl der Stadträte nicht weniger als 10 und nicht mehr als 15 betragen. Das entspricht ungefähr den Verhältnissen in Jerusalem, wo die Munizipalität 12 Mitglieder umfaßt. Die Wahlen sind geheim und nach dem Proportional- System. Zur Leitung des Wahlaktes setzt die Regierung eine \Vahlkommission ein, bestimmt einen Beamten zur Üeberwachung der Urnen, der sich selbst seine Gehilfen auswählt. Der Regierungsvorschlag bedeutet eine starke Beschnei düng der Autonomie von Tel-Awiw. Die Durchführung der Wahlen durch von der Regierung bestimmte Organe ist ein Novum, durch die Erhöhung <1 Zensus wird die Wählerzahl erheblich eingeschränkt. Gegenüber den übrigen palästinensischen Städten verbleiben der Munizipalität noch eine Anzahl von Privilegien: Das Frauenwahlrecnt und das Proportionalsystem bleiben erhalten. Wahlberechtigt sind alle Bürger von Tel-Awiw, auch nichtpalästinensische Untertanen. Der Bürgermeister wird durch die Stadtverwaltung gewählt und nicht von der Regierung eingesetzt. Auch hat die Regierung kein Recht, einen Stadtverordneten, im Falle sie es für nötig findet, zur Demission zu zwingen, wie es sonst im Lande möglich ist. Diesen Privilegien, die auch nach dem Regierungsvorschlag bestehen bleiben, gegenüber steht vor allem der Be- Schluß, daß die Stadt sich nicht iur eigenes Gesetz ausarbeiten soll und daß ein Regierungsrepräsentant die Wahlen leitet. Der Stadtrat, der seit Monaten mit der Ausarbeitung eines Statuts beschäftigt ist, aber nicht über die zweite Lesung hinauskam, ist durch di« Bestimmung der Regierung, die in der ״Official Gazette“ vom 15. Oktober erschien, alarmiert worden. Zum ersten Male seit langer Zeit haben sich alle Fraktionen zu gemeinsamen Beschlüssen zusammengefunden. Das Statut soll ohne dritte Lesung dem Distriktsgouvcrncur übergeben werden. Die Resolutionen geben dem Willen des Stadtrats Ausdruck, seine Rechte zu verteidigen. Um die Haltung der Stadt zu symbolisieren, ist eine Wahlkommission von zehn Mitgliedern vom Stadtrat* eingesetzt und der Wahltag auf den 18. Dezember festgesetzt worden. Die Beschlüsse werden dem Gouverneur übermittelt. Beschlösse der Krakauer Konferenz der Hilachduth 1. Die Konferenz erkennt als Gebot der Stunde besondere Anstrengungen zur Erneuerung der zionistischen Bewegung sowie eine großzügige Arbeit im Volke zur Gewinnung aller Teile der Nation für den Aufbau Palästinas und damit für die Ausnutzung der gegebenen Möglichkeit zur Verwirklichung des Zionismus. 2. Die Konferenz begrüßt die von der allgemeinen Arbeiterorganisation in Palästina unternommenen Schritte, eine erneute Bewegung im Galuth zu entfachen und um das Werk der Arbeitsbewegung neue Kräfte für den Zionismus und den Aufbau des arbeitenden Palästina zu konzentrieren. Die Konferenz sieht als einen der Wege zur Erfüllung der Anforderungen, die das arbeitende Palästina an die Bewegung im Galuth stellt, die Stärkung des geistigen Gehalts und der Aktivität der Arbeit der zionistischen Arbeiterpartei im Galuth. Die Konferenz fordert von der Hitachduth-Bewegung in allen Ländern die Anwendung aller Kräfte, um diese Bemühungen der allgemeinen Arbeiterorganisation zum Erfolg zu führen. 3. Die Konferenz betont die Notwendigkeit der Konzentrierting aller organisierten Kräfte im Galuth, die am Aufbau des arbeitenden Palästina interessiert sind. Diese Konzentricrimg auf den Gebieten der gemeinsamen Arbeit muß auf der Grundlage gegenseitigen Vertrauens und gegenseitiger Achtung erfolgen. 4. Die Konferenz stellt mit besonderer Befriedigung die Entwicklung der Bewegung ״Gordonia“ als eine volkstümliche chaluzische Jugendbewegung fest. Die Konferenz sieht in der Entwicklung der ״Gordonia“ den Weg zur Erfüllung der Bestrebungen der Hapoel Hazair- und Hitachduth-Bewegung in der Vorbereitung der jüdischen Jugend im Galuth für ihre Aufgabe in Erez-Israel. 5. Die Konferenz betont erneut die Notwendigkeit der Verwirklichung des Gedankens der Kooperation aller zionistisehen Kräfte im Gahith für die Gesundung der Zionistischen Organisation und für die Stärkung ihres Einflusses in allen Kreisen des Volkes. 6. Die Konferenz erachtet es für notwendig, dieses Jahr eine Weltkonferenz der Hitachduth einzuberufen, die die Grundlage der Bewegung zu festigen, die Arbeit für die Zukunft zu bestimmen und die organisatorischen Faktoren der Bewegung im Einklang mit den Aufgaben des gegenwärtigen Momentes zu stärken hat. 7. Für die Vorbereitung der Weltkonferenz, sowie für die Zusammenfassung aller Kräfte der Bewegung zur Erfüllung der an sie gestellten Aufgaben akzeptiert die Konferenz den Vorschlag der letzten Sitzung des Waad Hapoel der Partei und beschließt die Wahl eines Kollegiums von 3 Chawerim, dessen Sitz in Berlin sein soll und das gemeinsam mit den Mitgliedern des Misrad Raschi die Angelegenheiten der Bewegung bis zur Weltkonferenz der Hitachduth zu leiten hat. Berliner Veranstaltungen Jubiläumsleier des Bar Kochba ln der Aula der Technischen Hochschule feierte der Bar Kochba mit einer gediegenen, glänzend verlaufenen Veranstaltung sein 30jänriges Bestehen. Vor dem zahlreichen, den großen Saal füllenden, festlich gestimmten Publikum hielt, umrahmt von einem ausgezeichneten musikalischen Programm, das die Jüdische Orchestervereinigung unter Leo Kopf und Manfred Lewandowski bestritt, Dr. Israel Auerbach eine großangelegte, in Form und Vortrag glänzende Festrede, deren ausführlichere Wiedergabe wir uns Vorbehalten. Die Begrüßungsrede hielt Dr. Leie w e r. Großen Eindruck machte auf alle Anwesenden die lange Reihe der von jüdischen und sportlicheil Instanzen entsandten Begrüßungsredner, Es mag unter dem Eindruck dieser Reden manchem erst die Bedeutung zu Bewußtsein gekommen sein, zu der sich Bar Kochba als Faktor des jüdischen Lebens durchgekämpft hat. Es sprachen: für die Jüdische Gemeinde Berlin Dir. Kares ki, für die Z. V. f. I). R.-A. Salli Hirsch, ferner Vertreter des Brandenburgischen Athletenverbandes, der Vorsitzende des Hockeyverbandes, Minister a. D. Südckunt für den S, C. Charlottenburg, für die Jüdische Volkspartei Ministerialrat Goslar, für den Deutschen Kreis Makkabi Ing. N. Kaminski, für das Jugendamt der Jüdischen Gemeinde Dr. L a m m, Amtsgerichtsrat Tuchler für das K. J. V., ein Vertreter des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten und zum Schluß Dr. Georg Lubinski für die im Landesausschuß Berlin der jüdischen Jugendverbände zusammengeschlossenen Jugendgruppen. Ein ausführlicher Bericht über die ganze Veranstaltung folgt. Jellin Uber Knesseth Jisracl Am letzten Dongcrstag sprach in einer Veranstaltung der B. Z. V. der verdiente Präsident des Waad Leumi, David Jellin, vor mehr als 10!) Zuhörern über die ״Knesseth Jisrael“. ״Knesseth Jisrael“ ist der Name der neuen, staatsrechtlich anerkannten Gesamtorganisation des palästinensischen Judentums, der Träger seiner Autonomie. Man weiß aus den zahlreichen Presseberichten gerade der letzten Zeit, daß der Weg zu dieser so selbstverständlich scheinenden Organisation kein gerader ist. Partikularistische Interessen und der Unwille mancher Gruppe, sich dem Kial Jisrael verantwörtlich einzuordnen, auch wenn diese Einordnung nicht mit der Hegemonie gleichbedeutend ist, haben es schwer gemacht, das Ziel zu erreichen, und verhindern auch jetzt, daß die neue Organisation wirklich die Gesamtheit des Jischuw umfaßt. Praktisch setzte sich der Gedanke einer Gesamtorganisation des Jischuw in dem Jahre der äußeren Gefahren 1921 durch. Nachdem es in Jerusalem zu den bekannten Zwischenfällen gekommen war, empfand man die Notwendigkeit, eine autoritative Körperschaft des Jischuw zu schaffen; die Assefath haniweharim, die provisorische Konstinante, welche aus 'ihrer Mitte als höchste Behörde der Autonomie zu wählen hatte, wurde damals mit mehr als 80״״iger Wahlbeteiligung gewählt. Seit damals ging der Kampf um die gesetzliche Anerkennung der Autonomieinstitutionen; die Assefath haniwcharim sollte das Bestelle rungsrecht erhalten, um auch wirklieh tätig in die Gestaltung der Institutionen des Jischuw eingreifen zu können. Mit ' allen Mitteln versuchten die trennungsorthodoxen Gegner der Gesamtorganisation die gesetzliche Anerkennung des vom Waad Leumi vorgeschlagenen Entwurfes der ״Knesseth Jisrael“ zu verhindern. Man erinnert sich an aie häßlichen Episoden, die sich im Verlaufe dieses Kampfes abspielten. Der hauptsächliche Streitpunkt war der: Der Waad Leumi hatte einen Gesetzentwurf empfohlen, demzufolge die Knesseth Jisrael als Zwangsorganisation zu errichten wäre, mit der für den Einzelnen vorbehaltenen Möglichkeit, seinen Austritt zu erklären. Aehnlich also, wie es etwa bei den jüdischen Gemeinden in Deutschland ist. Die Austrittsmöglichkeit sollte gewahrt bleiben, um keinen Gewissenszwang auf die Trennungsortliodoxen auszuüben, nachdem die Knesseth Jisrael auch die religiösen Angelegenheiten zu betreuen hat. Dem stellten die Agudah-Kreise ihren Entwurf entgegen, demzufolge die Zugehörigkeit zur Knesseth Jisrael durch freiwilligen Eintritt erworben werden sollte. Damit wäre sie zu einem Verein degradiert, der jedes seiner Mitglieder werben muß, es gäbe dann keine zentrale Instanz des autonomen Jischuw. Die nun erfolgte gesetzliehe Bestimmung nimmt die Vorschläge des Waad Leumi zur Grundlage. Die Knesseth Jisrael wird eine Zwangsorganisation mit Austrittsmöglichkeit und es steht schon jetzt fest, daß sie mehr als 80 % des Jischuw umfassen wird. Jellin geht dann auf den Zwischenfall bei der Klagemauer und damit auf die Araberfrage überhaupt ein. Er bcdauert den Zwischenfall, der das ganze Judentum schwer beleidigt hat, sehr; auch deshalb, weil er mit seinen Folgen die guten Beziehungen vorübergehend zu stören geeignet ist, die sich in den letzten Jahren zwischen Juden und Arabern angebahnt haben. Er ist in der Frage des künftigen Verhältnisses zwischen den beiden Völkern sehr optimistisch. Natürlich gibt es Interessenkonflikte, aber immer breitere Kreise der Araber ziehen aus dem jüdischen Aufbau Nutzen und erkennen das. Auch die gespannte Stimmung der letzten Wochen wird sich im Laufe einiger Monate legen und es werden wieder ruhige Verhältnisse eintreten. Die Frage muß auch yon unserer Seite mit Takt und Vernunft behandelt werden. Betrieb und Eileki im indischen Leben Ueber dieses Thema sprach im Rahmen der B. Z. V. (Gruppe Ost) Moses Waldtnann am 25. d. M. Der Referent gab einen Ueberblick über die vielfältigen mit großem Kräfte- und Geldaufwand betriebenen Bemühungen der verschiedensten jüdischen Organisationen der Welt, dem Judenproblem, das allerorten und stets akut ist, an den Leib zu rücken. Trotz des ungeheuerlichen Aufwandes an Organisationen, Tagungen und Publikationen verschiedenster Art gelingt cs höchstens die bestehende Judennot nicht größer werden zu lassen. Sie auf lange Frist einzudämmen oder gar zu heilen gelingt leider nicht. Die Zersplitterung und Entnationalisierung des jüdischen Volkes schreitet trotz aller Anstrengungen vorwärts. Der von allen Organisationen gewünschte Umschichtungs- und Produktivierungsprozcß gelingt mir zum Teile und ist in den meisten Fällen, wo er gelingt, mit einer Einbuße an lebendigem jüdischen Bewußtsein verbunden. Die Erfolge der großen Wandergesellschaften sind bestenfalls eine weitere Atomisierung der jüdischen Gesamtheit und die Schaffung neuer Golusländer, wie z. B. Uruguay, Paraguay und Bolivien. Die Lage der Judenheiten in den Östländern hat sich trotz der in den Friedensverträgen verbrieften nationalen Minderheitenrechte nicht verbessert. Es scheint, al> ob diese nationale ״Gleichberechtigung“ der Juden in eben demselben Maße eine papierene Gleichberechtigung ist wie die bürgerliche Gleichberechtigung im 19. Jahrhundert. Redner analysierte die durchaus verdienstlichen Arbeiten der größten jüdischen Weltorganisationen und kam zum Schlüsse, daß sich all diese Körperschaften durch die Ungunst der gesumtjiU'isihen Situ;»- tian gezwungen sehen, an Syptomen herumzudoktern, anstatt das Uehcl an der Wurzel zu fassen. Dieses Uebel ist, was man leider oft in der Tagesarbeit zu übersehen geneigt ist, die jüdische Zerstreuung. Zureichend zu lösen versucht einzig und * allein der Zionismus die Judettfrage. Die praktische Durchführung dieser zureicbenden Theorie ist aber mit großen Schwierigkeiten und Widerständen verknüpft. Diese gilt es zu meistern. Bei aller Anerkennung der Notwendigkeit der vcrschiedenfältigsteii Hilfsarbeiten sollte die jüdische Gesamtiieit ihre Hauptenergien der Schäftung des jüdischen Nationalheims zuwenden, um dort einen Angelpunkt zu schaffen, von dem aus die gesamte liilfsarbeit in der Diaspora zusammengefaßt, koordiniert und rationalisiert werden kann. e. j. Natürlich: Die Juden Die ״Welt am Montag“ läßt sich aus Köln berichten: Wie wir soeben erfahren, ist der unter verantwortlicher Leitung des nationalsozialistischen Abgeordneten Dr. I.ey stehende völkisclie ״Westdeutsche Beobachter“ polizeilich beschlagnahmt worden. Diese Beschlagnahme erfolgte, wie uns amtlich mitgeteilt wird, auf Grund eines Erlasses des Amtsgerichts, nach dem bereits die Donnerstag erschienene Nummer zu bcschlagnahmen war. Da die Tags darauf erschienene Ersatznummer den gleichen Inhalt hatte, wie die vorhergehende, konnte die Polizei ohne weiteres auch zur Beschlagnahme dieser Nummer schreiten. Die in Frage stehende Nummer enthielt einen Leitartikel mit der Ucberschrift: ״Daube von Juden geschachtet“. Weiterhin brachte sie auf der Titelseite eine Zeichnung ״Ein Ritualmord‘׳. Beide Darstellungen mit ihren groben Lügen gaben mehr als Grund zum Verbot des eine Pogromstimmung vorbereitenden Blattes. Es gibt also keine noch so weitabliegende Sache, die nicht zum Anlaß dümmster Judenhetz.e genommen würde. In diesem Zusammenhänge erwähnen wir folgenden Unsinn: ״Der Völkische Beobachter“ Adolf Hitlers weiß aus Wien zu berichten, daß der liberale ungarische Abgeordnete Dr. Emil Nagy und der Publizist Eugen Rakosi Prof. Dr. Chajim Weizmann die ungarische Stefauskronc angeboten haben in der Hoffnung, ״daß seine Thron-Kandidatur die Unterstützung des nationalen Judentums i:1 der Weltbörse finden und daß es seinem Einfluß gelingen werde, eine Revision des Vertrages von Trianon herbeizuführen. In Ungarn, besagt die Meldung weiter, glaubte man zuerst, daß Nagy und Rakosi Lord Rothe r- 111 ere als Thronkandidaten Vorschlägen würden. Nunmehr sei es aber gewiß, daß der neue Thronkandidat dieser Gruppe Chajim Weizmann heißt.“ Wenn Hitler und seine Leute nur Narren waren, könnte inan ja lachen. Aber sie sind leider gewalttätige Bösewichtcr und haben bei den letzten Reichsratswahlen in verschiedenen Parteisplittern 1 200 000 Stimmen in Deutschland auf sich vereinigt. Lachen allein genügt also gegenüber dieser Gesellschaft nicht. Das tschechoslowakische StaatsjubilSam Die Judenheit der Tschechoslowakei begeht die Feier des zehnjährigen Bestehens der Republik durch verschieden« Festakte und Kundgebungen. Der Oberste Rat des Verbandes der Jüdischen Kultusgemeinden Böhmens, Mährens und Schlesiens hat ein Manifest herausgegeben, in welchem es heißt: ,,Der Oberste Rat der Jüdischen Kultusgemeinden in Böhmen, Mähren und Schlesien hat in der im Festsaale des Jüdischen Rathauses zu Prag abgehaltenen Festsitzung den 10jährigen Bestand der Tschechoslowakischen Republik zum Anlaß genommen, die Anhänglichkeit der durch ihn vertretenen Judenheit au die Republik und an die Person ihres ersten Präsidenten T. G. M a s a r y k zum Ausdruck zu bringen. Der Oberste Rat benutzt gerne die Gelegenheit, um auf die gerechte Haltung der Republik und ihrer Regierung der Judenschaft gegenüber hinzuweisen und daran die Hoffnung zu knüpfen, daß im Verhältnis des Staates zu uns fortschreitend die Würdigung des hohen kulturellen Wertes der Judenschaft, ihrer Ziele und Aufgaben Platz greifen wird.“ Sämtliche jüdischen Zeitungen der Tschechoslowakei veranstalteten in dieser Woche Jubiläumsausgaben. Die Festnummer der ״S e I'b s t w e h r“ enthält 11. a. die folgenden Beiträge: ״Vor 10 Jahren — eine Bilanz“ vorn Vorsitzenden des Jüdischen Nationalrates Dr. Ludwig Singer. ״Von der jüdischen Minderheit“ von Dr. Emil Margit lies. Ferner eine ״Jüdische Chronik 1918 -1928“, Berichte über den Keren Hajessod in der Tschechoslowakei, die Entwicklung der jüdischen Ciemeindeorganisationen im letzten Jahrzehnt, ״Zehn Jahre Geschichte eines neuen Judentums“ u. v. a. Der Verband der Jüdischen Fraueuvereine in der Tschechoslowakei Wizo, der soeben in Preßburg eine Tagung abgehalten hat, sandte an Prof. Masaryk aus Anlaß des zehnjährigen Bestehens der Republik ein Hüldigungst e I e g r a m in. Die Studuvten-Unruhen in Budapest, Debrec/.in und Szegedin haben nun auf die vierte ungarische Universitätsstadt Fünfkirehen übergegriffen. Am 21. Oktober kam es dort zu schweren Ruhestörungen und zu grausamen Mißhandlungen jüdischer Hörer. Daraufhin wurde die Universität geschlossen. Sie galt bisher als die liberalste aller ungarischen Universitäten. New York, 21. Oktober. (J.T. A.) ln Chicago verstarb im Alter von 78 Jahren der langjährige Präsident der Internationalen Loge des Unabhängigen Ordens Bnei Brith und jetzige Ehrenpräsident der Weltloge Adolph Kraus. Der Verstorbene wurde am 20. Februar 1850 in einem Orte der heutigen Tschechoslowakei geboren. Berliner Zionistische Vereinigung Am Dienstag, dein 6. November d. J., abends SO Uhr, findet im großen Sitzungssaal der Z. V. f. D. die Vertreter- Versammlung der B. Z. V. statt. Tagesordnung^ 1. Antrag des Hauptvorstandes auf Acnderung des § 17 der Satzungen (betr. die Zahl der Mitglieder der zukünftigen Vertreterversammlung). 2. Mitteilung des Hauptvorstandes über die Ausschreibung der Neuwahlen und über die Bestrebungen zwecks Schaffung einer Einheitsliste für die Neuwahlen. 3. Feststellung der Wahlperiode der neuen Vertretervcrsaminlung. 4. Mitteilungen des Vorstandes. 5. Wahl von Kassenrevisoren. 6. Anträge betr. einer Kundgebung der B. Z. V. zu den Vorfällen an der Klagemauer. 7. Bericht über die Veranstaltung der Ortsgruppenvertreter. Die Mitglieder der B. Z. V haben Zutritt zu der Versammlung. Es wird ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, daß 1) Stunde nayh dem festgesetzten Versammlungsbeginn die Sitzung eröffnet wird. Die Zionistischen Gruppenverbändc Linksrheinland und Rechtsrheinland-Westfalen veranstalten am 1 i. November in I) it s s e 1 d o r f einen g e m eins p men Grnppenverb a u d s t a g. Wir bitten schon heute‘alle Gesinnungsgenossen dieser Bezirke, sich diesen Tag frei zu halten. Tagesordnung usw. wird noch bekanntgegeben.

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