Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 82 (16.10.1928)
- Date
- 1928-10-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 577 Nr. 82, 16. X. 1028 Der schulfreie Sabbat Gerichtsurteil gegen den Leipziger Gemeinderabbiner Noch in aller Erinnerung ist der vor etwa acht Jahren von dem damaligen sozialistischen Kultusminister Sachsens, Dr. F I e i ß n e r, herausgegebene Erlaß, wonach jüdische Schulkinder nicht einmal an den höchsten jüdischen Feiertagen, Rosch Haschanah und Jom Kippur, von der Schule forlblcihen dürfen und auch an diesen Tagen vom Schreiben nicht zu dispensieren sind. Die Reichsregierung war damals eingeschritten und hatte die Aufhebung dieses Erlasses durch• gesetzt. Es folgte die sächsische Minjsterialverordmmg vom 9. März 1923, wonach die jüdischen Kinder zwar am Rosch Haschanah und Jom Kippur vom Unterricht befreit, dagegen an den sonstigen Feiertagen und an den Sabbat-Tagen lediglich vom Schreiben, Zeichnen und von Handarbeiten zu dispensieren sind. Zu bemerken ist, daß die ״Adventisten“ (Angehörige einer christlichen Sekte, die den Sonnabend statt des Sonntags feiert) im Freistaat Sachsen auf Orund einer besonderen Ministerialverordnung ihre Kinder an den Sonnabenden nicht zur Schule schicken. Der Leipziger Gemeinderabbiner Dr. Felix Goldmann, selbst Vorkämpfer für das Recht auf den schulfreien Sabbat in Sachsen, ist nun zur Selbsthilfe geschritten und hat seinen Sohn vom Besuch der öffentlichen Grundschule an den Sabbat- Tagen ferngehalten. Er erhielt daraufhin ein Straf mand a 't des Leipziger Stadtrates auf Zahlung von 25 M, wegen Ueberfrctung des § 5 des sächsischen Schulgesetzes. Dr. Goldmann beantragte richterliche Entscheidung. Der Termin fand am 8. Oktober vor dem Leipziger Amtsgericht statt. Dr. Goldmann verteidigte das Recht der jüdischen F.ltcrn, mit ihren Kindern gemeinsam den Sabbat zu begehen und dem Gottesdienst beizuwohnen. Er wies nach, daß das sächzische Ministerium ein Gutachten des Berliner Rabbiners Pr. Esra Munk vollkommen sinnwidrig ausgdegt hat. Sein Verteidiger, Dr. J 0 s k e, wies’ nach, daß der Standpunkt des sächsischen Unterrichtsministeriums gegen Artikel 135 der Reichsverfassung, der die freie Religionsübung garantiert, verstoße, ln Preußen sei der schulfreie Sabbat der jüdischen Kinder schon seit 1859 eingeführt. Der Einzelrichter, Amtsgerichtsrat Weis, helegte Dr. Goldmann wegen Ueberlretung des Schulgesetzes mit 25 M. Geldstrafe (im Nichteinbringungsfalle mit einem Tag Hab) und erklärte zur Begründung, daß durch Artikel 135 der Reichsverfassung die Pflicht des Schulbesuches auf Grund des sächsischen Staatsgesetzes nicht berührt werde. Dr. Goldmann ist entschlossen, gegen das Urteil Revis i o n einzulegen und die Sache vor das Oberlandesgericht in Dresden zu bringen. Die Angelegenheit, die die jüdische Öffentlichkeit aufgerüttelt hat, wird auch vor den Landtag׳ gebracht werden. Der Vorfall zeigt deutlich die Notwendigheit jüdischer Schulen, die eine derartige Schikanierung von religiösen Eltern und Kindern aussehliefien. Der C.-V. and die Wenden In Nr. 78,79 der ״Jüdischen Rundschau“ haben wir auf eine Notiz der C. - V. - Z e'i t u n g aufmerksam gemacht, die sich gegen die national-kulturellen Bestrebungen der Wenden in Preußen wandte, und haben gefragt, was eine jüdische Organisation zu einer solchen Stellungnahme veranlassen kann. Nun erfahren wir aut der ״Jüdischen Zeitung für Ostdeutschland“, daß auch den Wenden sefhit dieser Angriff nicht entgangen ist und daß die ״Serbske Nqwipy“ in Bautzen in einem Artikel darauf erwidern, der die Ueberjchrift trägt ״Juda wird gegen uns des Teufels". Darin heißt es: ,.Wir waren in Skopio! Wir erwarteten ruhig die Angriffe der uns nicht geneigten Presse, die automatisch nach jedem Ausflug der Wenden in das slawische Ausland beginnen. Die deutsche Presse bewahrt diesmal kaltes Blut, bat sich anständig verhalten und damit ihrem Volke einen großen Dienst erwiesen. Es gibt eine Nation auf der Welt, der es nicht anstellt, daß Friede und Harmonie unter den Nationen herrscht. Das sind die Juden! Bisher haben sie uns in Ruhe ge'assen. Jetzt, wo die deutsche Presse schweigt, hält es irgendein Jüdchen für seine heilige Pflicht, in der jüdischen Zeitschrift ,C.-V.-Zeitung‘ öffentlich darauf hinzuweisen, vva* für eine Gefahr dem Deutschen Reiche von seiten der 290000 Lausitzer Wenden droht. Er hält es für Hochverrat, daß ein Serbe in Mazedonien gesagt hat, daß das wendische Lied das Wendentum erhalten hat. Er teilt der erstaunten Welt mit, daß in Bautzen die ,Serbske Nowiny‘ erscheinen (letzt, nach 87 fahren, wird das erst ausgegraben!). Ich will mich nicht weiter mit dem Inhalt des Hetzartikcls beschäftigen. Der Artikel kann uns faktisch nicht schaden, denn das ist nur angehäufter Unsinn und lächerliche Verrücktheit. Jeder Mensch, der noch bei gesundem Verstände ist, wird mit dem Kopfe schütteln, Aus diesen Gründen brauchen wir nicht erst die hebrätsehen Angriffe abzuweisen, Aber uns interessiert nur die neue Tatsache, daß auch ,das auserwählte Geschlecht' sieh jetzt unseren Feinden zugeseilt hat. Der Antisemitismus war bisher beiuns ein unbekanntes Ding. Aber das Begeifern von seiten Judas, wie wir es in der hebräischen Zeitschrift ,C.-V.-Zeitung' angetroffen haben, kann auch in unserem Volke die Bewegung gegen die Juden entfesseln. Mögen die Hebräischen nicht mit dem Feuer spielen!...“ Ob wohl die im C.-V. organisierten Juden ein Interesse daran haben, derartige Enunziationen zu provozieren? Es wäre eine schlechte Politik, wenn der C.-V. diesen Angriff der Wenden vielleicht als l egitimation für sein kompromißloses, auch Anti• semitismus nicht scheuendes Eintreten fürs Deutschtum verwenden wpllte. Dies wird bei unhysterischen Deutschen nur Kopfschiitfeln fiervorrufen. Wir haben bereits in der varer* wähnten Notiz festgestellt, daß der C.-V. in dieser Sache — wie in vielen andern keineswegs die Anschauung allerdeutschen Juden zum Ausdruck gebracht hat, wahrscheinlich auch nicht die Anschauung der Mehrheit seiner eigenen Mitglieder. Konferenzen in Palästina, In diesen Tagen findet in Tel• Awiw die Landeskonferenz der Hitacbduth EsrachiÜi l.eumit (National-bürgerliche Vereinigung) statt. — Die AU gemeinen Zionisten im Lande machen Anstrengungen, die verschiedenen Strömungen im allgemeinen Zionismus (die meist auf feinen Nuancen der Auffassungen beruhen) zu vereinen tind eine Konferenz der allgemeinen Zionlsfen im Lande zu Chanukkah einzuberufen. Es hat eine Besprechung stattgefunden, die ein vorbereitendes Komitee gewählt hat. Die Allgemeinen Zionisten eröffnen in Tel-Awiw ein Touristen- und Informations• büro. In dieser Woche traten in Tel-Awiw die Agronomen des ganzen Landes zu ihrer Konferenz zusammen. — Der Arbeitersports uh 11״ a p 0 5 1“ hielt in diesen Tagen in Tel-Awiw eine Zusammenkunft aller Abteilungen des Landes ab. — Die Jahreskonferenz der Kindergärtnerinnen fand kürzlich in Tel-Awiw statt. Der Jade ist schuldig Danzig, 10. Oktober. (J. T. A.) Die sozialistische ״V o 1 k s 81 i m m e“ berichtet über einen Ueberfall hakenkreuzlerlscher Studenten auf jüdische Studierende der Tech• nischen Hochschule, der ein gerichtliches Nachspiel hatte mit dem Resultat, daß die überfallenen jüdischen Studenten als ״Ruhestörer“ bestraft worden sind. Die Zeitung greift das Urteil der deutsch national gesinnten Richter heftig an. An der Danziger Technischen Hochschule zählte man im vergangenen Semester unter 1600 Studierenden 80 Juden, d. s. 5 ׳״n der allgemeinen Sfudcntcnzah! und 1 0,0 der mehr als 8000 Seelen zählenden Judenschaft des Freistaates. Dem als Antisemiten bekannten Professor der National- Ökonomie an der Dan ziger Technischen Hochschule, Dr. Lembke, der einen jüdischen Studenten aus dem Lehrsaal hinauswarf, wurde nach durchgeführter Disziplinaruntersuchung seitens des Rektorates des akademisehen Senates die Lehrbefähigung für die Dauer eines Semesters abgesprochen. Kurl Blumenfeld tn SUddealschland Am 20. September sprach der Vorsitzende der Z. V. f, D. in München und am 26. September in Nürnberg über das Thema ״Jüdische Entwicklung und zionistische Aussichte n“. Herr Blumenfeld stellte ln seinem Vortrag die tiefgreifende Wandlung dar, die in den letzten Jahren in der jüdischen Welt erfolgt ist. Er glaubt, daß die mit der Emanzipation beginnende Periode der jüdischen Entwicklung schon vor dem Krieg ihren Abschluß gefunden hat, daß wir heute den Beginn einer neuen Phase erleben, und er zeigte in seinen durch umfangreiches Tatsachenmaterial und zahlreiche Beispiele unterstützten Ausführungen, in welcher Farm die zionistische Idee ihre Wahrheit mit Erfolg durchzusetzen vermag. Neben neuen Schwierigkeiten gäbe es außerordentlich große neue Chancen. Die Vorträge hinterließen einen starken und nachhaltigen Eindruck. Herr Blumenfeld wird am 3. November in Berlin im Saal des Reichswirtschaftsrates über das gleiche Thema sprechen. Wir werden dann über den Vortrag, der einen wichtigen Beitrag zur Frage der zionistischen Ideologie und Propaganda darstellt, ausführlich berichten. Znm Beginn der hebräischen Winterarbeit! DAVID JOSEF HOHNSTEI! EINFÜHRUNG IN DAS ÜEIKItÄlSClI PER GEGENWART METHODISCHE TEXTE UND EHLXETERENGEN Bornsteins ״Einführung“ ist keine Grammatik und auch kein Konrersationshuch. Durch didaktisch angeordnete Texte, denen die nötigen sprachlichen und grammatischen Erläuterungen jeweils heigegeben sind, dringt der Benutzer in das Gesamtgebiet des Hebräiseben ein. Die wohlüberlegte Systematik des Buches gewährleistet wesentliche und bemerkbare Fortschritte von Lektion zu Lektion. Wer die 46 Lektionen des Buches aufmerksam durcharbeitet, verschafft sich eine ausgezeichnete und umfangreiche Grundlage des Ilebritischen. HORNSTEINS ״EINFÜHRUNG״ zeichnet sich sachlich vor den üblichen Lehrbüchern dadurch aus, daß sie eine sorgfältig gewählte, in Wortschatz und Phraseologie vollwertige hebräische Sprache lehrt. Broschiert RM. 7.50, in Ganzleinen RM. 9.— (znziigl. RM. 0.50 für Porto n. Verpackung; Ausland RM. 0.70). Kur vom Verlag direkt gegen Voreinsendung des Betrages oder per Nachnahme zu beziehen. TEHLAG DER JÜDISCHEN RUNDSCHAU Berlin W15, Heinekestr. 10 ✓ Postscheck Berlin 17392 Kleine Nachrichten Dr. M. Glücksohn, der Chefredakteur der Tcl-Awiwer Tageszeitung ״Haare*“, wurde in diesen Tagen fünfzig- Jahre alt. Zu seinen Ehren wurde unter Teilnahme seiner Freunde ein Bankett veranstaltet. Glücksohn ist einer der bedeutendsten hebräischen Publizisten, der sich auch durch wichtige Ueber- Setzungen philosophischer Werke ins Hebräische hervorgetan hat. Wir gratulieren ihm herzlich. Ein Führer der südafrikanischen Zionisten gestorben. Das Zentralbüro der Zionistischen Organisation in London erhielt soeben eine telegraphische Mitteilung aus Kapstadt, daß dort der Ftihrer der südafrikanischen Zionisten Idel S c h w a r t z, Mitglied des Aktians-Comites, plötzlich verstorben ist. Idel Sehwartz wohnte mehreren Zionistcnkongressen, zuletzt dem Baseler Kongreß im Jahre 1927, bei. Vor einigen Jahren stiftete er für die Hebräische Universität 5000 Pfund. Die,Straße Jaffa—Tel-Awiw. Vor kurzem fand die feier liehe Eröffnung dar neureparierten Chaussee Jaffa —Tel- Awiw statt. Die Arbeiten dauerten einige Monate und zwangen zu einer zeitraubenden Umlenkung des Automobilverkehrs zwischen den erwähnten Städten und den Siedlungen, Namens der Arbeiter gab Milstein der Hoffnung Ausdruck, daß das Regierungsdepartement für öffentliche Arbeiten auch weiter den jüdischen Arbeitern Beschäftigung geben wird. Der Regierungs- Vertreter dankte den Arbeitern für ihre verantwortungsvolle und aufopfernde Arbeit während der ganzen Zeit des Baues. Er hoffe, daß sie bei weiteren Straßenbauten einen viel frößeren Verdienst herausholen werden, als es hier der all war. (Ziko.) Gründung einer Nathan Straus-Kolonie. In der Nähe der Kolonie Herzliah wurden 3000 Dunam Boden zur Gründung einer neuen Kolonie, die den Namen ״N a t h a n i a“ nach dem großen jüdisch-amerikanischen Phüantropen Nathan Siraus führen soll, erworben. Es wird dies die erste jüdische Kolonie unmittelbar an der Meeresküste sein. Es wurden bereits 70 000 Pfund in der Kolonie investiert. In kurzem werden die ersten 50 jüdischen Bauern auf diesem Boden angesicdelt werden. Eine neue Poliklinik der Berliner Jüdischen Gemeinde. Die Repräsentantenversammlung ■ der Berliner Jüdischen Ge• meinde hewilligte in ihrer letzten Sitzung aut Antrag der Fraktion der Jüdischen Volkspartei einen Beitrag von 3000 M. für die Gesellschaft für Gesundheitsschutz der Juden ״OSE“. Ferner gelangte ein Antrag der Volksparte! auf Errichtung einer Poliklinik in der inneren Stadt zur Annahme, die zunächst mit einer chirurgischen Station und einer Station für innere Krankheiten ausgestatiet werden sali. Zur Begründung führte Dr. Klee als Fratrtionsredner aus, daß für die große Masse der Berliner Juden, die int Norden, im Osten und im Zentrum der Stadt ansässig seien, eine der• artige Institution dringendes Bedürfnis sei. 13. Dezember 1928 Bei Kroll g: Der 'große CHANUKKAH-BAILj des Keren Kajemetfc Lejisrael §| milHIlilllliiM Gruppenverband Sachsen-Anhalt Der Gruppenverbandstag findet am Sonntag, den 21. Oktober 1928, vormittags pünktlich 11 Uhr, in Halberstadt In den Räumen der Loge (Cafe Vaterland, früher Kasino), Walther- Rathenau-Straße 65, statt. Tagesordnung: 1. Die zionistische Lage (Referent: Dr. Saliy Hirsch, Berlin); 2. Aussprache; 3. Unsere Kulturaufgaben (Referent: Dr. Max Solo weitschik); 4. Aussprache; 5. verschiedenes. — Es findet ein gemeinsames Mittagessen in den Räumen der Loge statt (Gedeck 2 Mark). — Alle Teilnehmer werden gebeten, sich rechtzeitig bei dem Vorstand der Ortsgruppe, Herrn Hermann Lewin, Lindenweg 12, zu melden. _ Rubaschow in Hamburg Am Dienstag, dem 2. Oktober, sprach Salman Rubaschow, Mitglied des Aktions-Comites und Führer der Achduth Haawodah, in öffentlicher Versammlung in Hamburg. Die Veranstaltung, an der sich gemeinsam die Hamburger Zionistische Vereinigung, die Ostjüdische Vereinigung und die Zionistisch-Sozialistische Gruppe beteiligt hatten, war gut besucht. In seinem Referat: ״Das arbeitende Palästina: Ageneybericht und Brüsseler Sozialisten-Kongreß“ ging Rubaschow von der Feststellung aus, daß Werk und Bewegung, palästinensischer Aufbau und zionistische Galuthwirkliehkeit nicht mehr Dinge sind, die sich voll decken. Die zionistische Bewegung in der Oaluth vermag nicht allein das Werk zu stützen. Der Einfluß, den Palästina ausströmt, erfaßt größere Massen des jüdischen Volkes, als in der zionistischen Bewegung organisiert sind. Diese Diskrepanz gilt es zu beseitigen. Unter Achtung, Ausbau und Intensivierung unserer Funktionen als Zionisten, ist die Aufgabe, die wir jetzt zu erfüllen haben: Die Erweiterung der Palästinabewegung in der Galuth, die Organisierung derjenigen, die sich um Palästina scharen. Dieser Aufgabenbezeichnung und Feststellung reihte er eine zweite an: Zionistisches Programm in der Theorie und For־ derung als Ergebnis des Aufbaus in Palästina sind nicht mehr ganz identisch- Bezeichnet das Programm als Aufgabe die Schaffung der öffentlich-rechtlich gesicherten Helmstitte in Erez-israel allein, so über dies hinaus die palästinensische Arbeit noch zusätzlich: Die neue Wirtschaftsordnung und das Recht auf Arbeit und Gerechtigkeit. Die letzte Aktions-Comite-Sitzung stand vor der histortsehen Entscheidung, ob die Erweiterung des Kreises der an Palästina Interessierten mit oder ohne Aufgabe dieses palästinensischen ״Zusatzes“ erfolgen solle oder nicht. Die Bedeutung dieser Sitzung liegt darin, daß sie dieses Problem positiv gelöst hat. Auch die zionistische und außerzionistische Bourgeoisie hat anerkannt, daß das jüdische Palästina nicht allein in jüdischer, sondern auch in sozialer Beziehung anders zu sein hat als die Galuth. Dienten die Agencvverhandlungen der Erweiterung im bürgerlichen Lager, so die der Brüsseler Tagung der II. Internationale der im sozialistischen. Auch hier ward unseren Bemühungen und unserem Ringen der Erfolg zuteil. Waren die Juden bisher, seit Jahrzehnten, verstreut Tn den einzelnen sozialistischen Delegationen, waren sie bisher gleichsam verkleidet als Deutsche, Russen, Italiener usw., so gab es in Brüssel zum erstenmal eine Delegation von Juden, gleichbereehtigt denen der anderen Völker. Auf dem Tisch dieser Delegäfion das Plakat: ״Erez-Israel“, Der zweite Erfolg: Die Bildung der sozialistischen Liga der Freunde des arbeitenden Palästina, Dieser Liga haben sich die Besten der sozialistischen Internationale angeschlossen. Hatte es sieh in der Agencyfrage darum gehandelt, die soziale Komponente zu verteidigen, um ihre Anerkennung zu ringen, so ging es hier um den Kampf um die nationale Komponente des jüdischen Sozial!«• mus. Und hier standen wir altverwurzelter Gegnerschaft gegenüber. Aber auch diese Hemmnisse wurden überwunden. An den begeistert aufgenommenen Vortrag schloß sich eine rege Aussprache in kleinem Kreise, die sich bis tief in die Nacht hinzog. _ Marcel Lew. Breslauer Tagung des Jüdischen Franenbnndes Vom ai. bis a3. Oktober findet in Breslau ein® Tagring des Jüdischen Frauenbundes statt. Die Bundesleitung hat zu einer erweiterten Vorstand«jitimng ringelnden, ra der zahlreich!) Frauen aus allen Teilet. Deutschlands ihr Erscheinen zitgesagt haben. Auch aus Litauen, Lettland, Polen, Ungarn und der Tschechoslowakei sind Teilnehmerinnen angemeldet. Im Anschluß an diese Sitzung findet die Hauptversammlung des Provinzialverbandes des Jüdischen Frauenbundes für Nieder- und Obcrscldesicn statt. Auf der Tagesordnung der Arlteilssitzungen Hohen Fragen des Kinder-, Mädchen- und Frauensc.hutJ.f8, dor Berufiau«- bildung, der Verbesserung der Lage der eheverlassenen und der geschiedenen Frauen, sowie die Fragen der ilberpartajbchen, innerjüdischen und der Beteiligung an interkonfessioneller Und mtornalionaiar Frauenarbeit. Den besonderen Anlaß zur Veranstaltung dieser Tagung ln Breslau bietet das zwanzigjährige Bestehen der hiesigen Ortsgruppe des Jüdischeo Frauenbundes. Dieses Jubiläum wird durch einen Festakt, im großen Saale des Koniorthaoscs am Sonntag, dem 31. Oktober, abends, feierlich begangen, und bildet so den würdigen Auftakt zu der gesamten Veranstaltung. Die Ortsgruppe hat in einer geiehmar.kvoll "ausgestattoton Festschrift einen Uoborblick «l>er ihro vielseitige Tätigkeit in diesen zwei Jahnelmlen gegeben und Bewährt damit einen Einblick in die Fülle der Aufgaben und Probleme sozialer jüdischer Frauenarbeit. Die verschiedenen Gebiete, auf denen der Jüdischo Frauenbund seine erspricßlicho Tätigkeit übte, werden in einzelnen Kapiteln vor Augen geführt. Vor allem galt die Sorge des Bundes der Kinderhilfe. Daneben beschäftigte er sich auch mit der Jugendfürsorge im allgemeinen und insbesondere mit der Hilfeleistung für erholungsbedürftige und erwerbstätige Frauen und Mäddien. Einen besonderen Zweig bildet die AltersliilCo des Bundes, der besonders Beninerinnen zugute kommt. Dia Schrift wird allen Teil* nehraern das verdienstvolle Wirken des Bundes lebendig vor Augen führen.