Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 80-81 (12.10.1928)
- Date
- 1928-10-12
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 570 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 80/81, 12 X. 1928 tiefung und Entfaltung Ihrer künstlerischen und geistigen Kräfte erhofft. Einer der besten russischen Regisseure, ein Schüler Stanislawskys und Mitarbeiter von Wacntangoff, kommt nach Pa• stina, um die Neueinstudierungen zu leiten, wodurch die Kontimiität des künstlerischen Schaffens der ״Habimah“ gewährleistet wird. Außerdem wird vielleicht Chagall aus Paris für die Dekorationskunst gewonnen werden. Das Budget für das Jahr 1928 beträgt etwa £ 5000. Ein Drittel des Budgets bringt Palästina auf. Zwei Drittel hat der europäische ״Kreis der Freunde der Habimah“ aufzubringen übernommen. * Professor Max Reinhardt hat an das Berliner Sekretariat der ״Habimah“ das folgende Schreiben gerichtet: ״Mit großem Vergnügen bin ich bereit, dem Ehrenpräsidium für die Jubiläumsveranstaltungen der ,Habimah‘ beizutreten, deren künstlerische Leistungen ich besonders hoch schätze. Mit verbindlichsten Grüßen Max Reinhardt.“ Satirisches Theater in Palästina Von M. Y. Ben-Gavriel, Jerusalem. Die Entwicklung des Theaters in Palästina geht merk• würdige Wege. Es ist eine, wenn man so sagen darf, stoßweise Entwicklung. Es entsteht ein ernstes Sprechtheater — Operette existiert glücklicherweise noch nicht —, das Interesse des Publikums flammt auf, hält sich zwei Monate, dann hat das Theaterkomitee und das Publikum wieder das Interesse verloren und das Theater geht ein. Das heißt: macht einer neuen Oründtmg, einem neuen Theater mit den gleichen Schauspielern, mit demselben Regisseur und mit dem gleichen Publikum Platz. Man hat hier künstlerische Höhepunkte von außerordentlicher Qualität erlebt, wie die Hebbelsche ״Judith“ oder den ״Dybuk“ oder ״Hoffmmg auf Segen“ von Heycrmans; aber alles in allem hat Palästina in den letzten Jahren mehr Theater gefressen, als man es füglich von einem derartig kleinen Land erwarten dürfte, ln dieser Atmosphäre von Mutlosigkeit und Verbitterung entstand, von dem wahrscheinlich besten hebräischen Dichter Avigdor H a m e 1 r i gegründet, ein kleines satirisches Theater, das, unter dem Namen ״Hakumkum“ (Der Teekessel), nichts anderes wollte, als die Gesellschaft und ihre politischen und sozialen Manifestationen zu verulken. Der Versuch schlug, wie jeder Versuch ln Palästina, ein, aber dann geschah das Unerwartete, Unvorhergesehene: das Interesse blieb wach und Hameiri konnte jeden Monat ein neues Programm zusammendichten, das, zumeist wirklich histig und treffend, das Publikum in allen Städten des Landes die Kassen stürmen ließ. Plötzlich aber fühlte Hameiri die unbedingte Notwendigkeit in sich, sich uneingeschränkt einer politischen Partei zu verschreiben. Und zwar jener, die in der großen Masse beinahe keinen Anhang besitzt. Die Folge davon war, daß die Schauspieler ihn verließen. Da sie aber auf den Geschmack gekommen waren, taten sie, was in Palästina landesüblich ist: sie gründeten ein neues Theater. Sie übernahmen die junge Tradition des ״Kumkum“, nannten sich ״Matate“ (der Besen) und haben einen noch größeren Erfolg als dieser. Die Leute, die sich ihre Stücke selbst dichten, haben nämlich das sehr einfache Geheimnis des Erfolges entdeckt. Sie sprechen das aus, was der überwiegende Teil des Publikums denkt, sie glossieren die englische Verwaltung und unterstreichen in immer neuen grotesken Bildern die Kardinalforderung ihres Publikums: die unbeschränkte Einwänderung; wobei sie in keinem Profrärnm vergessen, den Chaluz, den Arbeitspionier, der das Land aufbaut, zu verherrlichen. Daneben wissen sie natürlich die wechselnden Tagesereignisse richtig zu erfassen, und wenn es ihnen gelingt, die Zensur zum Verbot irgendeines der kleinen Stückchen zu bewegen, so, wenn sie ein reichlich unbeliebtes Mitglied der Zionistischen Exekutive oder den Einwanderungskommissär verulken, dann sind sie eines gewaltigen Kassenerfolges sicher. Es sind sieben oder acht Leute, die, wenn der Vorhang aufgeht, die Hymne vom Besen intonieren (die man natürlich schon 1m ganzen Land singt), sieben oder acht Leute, die ein sehr merkwürdiges Ensemble darstellen. Da ist eine, die man vom Gymnasium in Tel-Awiw wegfing, kaum daß sie die Matura hatte, einer, der am nächsten Tag George Dandin mit derselben Leichtigkeit spielt, und vorher das Publikum von Havanna er* freute, ein Dritter, der nicht nur als Komiker, sondern auch als Heldendarsteller gut und nebenbei als psychisches Phänomen bemerkenswert ist. Er stottert für gewöhnlich, und zwar derart, daß er sich mitunter in der aufs Stottern durchaus nicht eingerichteten hebräischen Sprache kaum verständlich machen kann, ln dem Moment aber, da er die Bühne betritt, spricht er und singt er mit ebensolcher Sicherheit und Geläufigkeit wie irgendein Schauspieler, der zufällig seine Rolle gelernt hat. Der Conferencier wieder, übrigens einer der besten und lustigsten, die ich je gehört habe, ein dicker, behäbiger Herr in der Maske einer bekannten Figur von Scholem Alechem, ist im Nebenberuf — Schutzmann. Es ist kein Witz: An jedem Morgen, vor der Probe, kann man ihn in Tel-Awiw am Strand patroullieren sehen, wo er Ertrinkende herauszieht und wo er gegebenenfalls seinen Gummiknüppel in Aktion zu setzen berechtigt ist. Aber durch seine abendliche Tätigkeit verdient er fünfmal soviel. Man mag vielleicht diesen Erfolg des unbestritten geschickt gemachten politischen Possentheaters als Symptom für eine Ge- Seilschaft werten, die, der großen Probleme überdrüssig, sich selbst, wenigstens für einen Abend, zum Helden, und wäre es auch zum passiven, lächerlich gemachten Helden erhoben sehen will. Vielleicht. Aber es ist wichtig, zu bemerken, daß diese Ge-’ Seilschaft keine Zote und keine Schlüpfrigkeit von der Bühne herab hören will, so daß in dieser Lust zu Scherz und Satire vielleicht ein gewisses Aequivalent für das mangelnde Interesse an einem ernsten Sprechtheater zu suchen ist. Aber morgen gibt's ja schon wieder ein neues Theater in Jerusalem oder in Te!-Awi\v. Oder vielleicht zwei zugleich. Der englische Verlag Routledge 8: Sons hat das Uebersetzungsrecht für Hans K o h n s Werk ״Geschichte der natioaalen Bewegung im Orient“ (Verlag Vowinckel, Berlin-Grunewald) erworben. Das Buch erscheint im nächsten Frühjahr in englischer Sprache. Humor. Im ״Montag-Morgen“ lesen wir unter dem Titel ״Berliner Mäzene“ nachstehende Feststellung: Es gibt drei Sorten Mäzene in Berlin. Die erste hat gerne Künstlerverkehr, um sagen zu können: ״Gott, man muß ihm doch ein Bild abkaufen.“ Dafür gibt sie üppige Feste. Die zweite handelt aus denselben Motiven, läßt sic aber nur diskret durchschimmern. Die dritte interessiert sich aufrichtig für Kunst. Sie ist ■aber nicht vorhanden. Die erste Sorte ist jüdisch, die zweite Sorte ist Jüdisch, die dritte dagegen wäre jüdisch. Veranstaltungen der Franenarbeitsgemelnscbatt für Palästina am 25. and 29. Oktober 192« Die Frauenarbeitsgemeinschaft für Palästina (die Verbindüng des Verbandes Jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina und •des Bundes Zionistischer Frauen) beginnt in diesem Jahre ihre Arbeit mit zwei großen Veranstaltungen: Am 23. Oktober wird Richard Beer -Hofmann in der Sezession den 1. Akt seines Dramas ״Der Junge David“ lesen. Am Montag, den 29. Oktober wird in der Kunstbibliothek eine kulturelle Kundgebung stattfinden, bei welcher Dr. Elisabeth Rotten, die Vorsitzende der deutschen Sektion des ״Weltbundes für Erneuerung der Erziehung“, Rabbiner Dr. Baeck, Dr. Alexander Goldstein und Colonel Wedgwood über ״Kind und Jugend im neuen Judentum“ sprechen. Richard Beer-Hofmann war zum letztenmal anläßlich der Aufführung von ״Jaacobs Traum“ im Deutschen Theater für längere Zeit in Berlin (das Werk wurde unterdes in hebräischer Uebersetzung bei Habimah aufgeführt). In dem Vorwort zu ״Jaaeobs Traum“ vom Jahre 1915 kündigt Beer- Hofmann seinen ״Der Junge David“ als ersten Teil einer Trilogie ״Die Historie von König David“ an. In diesem Frühjahr soll ״Der Junge David“ der Oeffentlichkeit übergeben werden. Die Reise von Beer-Hofmann nach Berlin und die Vorlesung von Tellen des neuen Dramas vor seiner Veröffentlichung bedeutet nicht nur Außerordentliches für das Palästinawerk der Frauen, sondern auch ein künstlerisches Ereignis ersten Ranges für Berlin. Beer-Hofmanns Vorlesung und die folgende kulturelle Kundgebung bilden eine Einheit. Nur äußere Zufälligkeiten haben zu der Auseinanderreißung der Termine gezwungen. Beide Veranstaltungen bedeuten den Beginn einer tiefer- und weitergreifenden Werbearbeit der Frauen. Es gibt kein Problem, das Art und Wert des neuen Palästinas so deutlich macht, wie das Problem seiner Jugend, und es gibt auch kein Gebiet des gesamt-jüdischen Lebens, auf dem sich der Einfluß des palästinensischen Geschehens so entscheidend zeigt, wie in der Wandlung der Jugend im neuen Judentum. Jede Galuth-Arbeit für Palästina heißt Hilfsarbeit, Unterstützungsarbeit. Die Frauen haben es übernommen, die Arbeit unter den Frauen und Kindern in Palästina zu fördern. Sie müssen weite Kreise neuer Menschen erfassen, die die Bedeutung ihres Hilfswerkes verstehen und ihnen die Mittel zum Ausbau ihrer Arbeit geben. Mehr als bei der Männerarbeit gilt es bei den Frauen Lücken auszufüllen, Notstände zu beseitigen. Darum sprechen sie viel von Elend, Krankheit, Verwahrlosung. Sie müssen davon sprechen, müssen ״Hilfs“- arbeit tun. Aber nur wenn sie das Wesen des Aufb a u s erfassen, wenn ihnen das Glück des Wachsenden, die Größe des Lebendigen bewußt ist, werden sie richtig und im großen helfen. Die Vorlesung von Beer-Hofmann wird durch Persönlichkeit und Werk des Dichters eine tiefere jüdische Verknüpftheit bringen. Die Vorträge über das jüdische Jugendwerk werden das in Palästina Erreichte, seine Tendenzen, seinen Wert und seine Bedeutung für das Gesamtjudentum deutlich machen. Aus dem Bewußtsein des Gewordenen wird die Erkenntnis des noch Notwendigen und der Wille zur Mithilfe stärker entstehen. Die Waiden in Lettland Rijta, 9. Oktober. (J. T. A.) Bei den letzten Wahlen zum lettllndischen Parlament konnten die Juden f ü ״ f M a n d a t e erringen. Auch das vorige iettländjsche Parlament hatte fünf jüdische Abgeordnete, davon zwei Agudisten, einen Misrachisten, einen Vertreter der Zeire Zion-Hitachduth und einen Vertreter der jüdischen Arbeiterpartei ״Bund“, in dem neuen Par- Um ent hat unter der jüdischen Vertretung eine Verschiebung in der Weise staftgefunden, daß die Misrachisten minmehr über zwei Sitze (die Brüder Rabbiner Nurok und Dr. Nurok) verfügen, die Agudisten statt der bisherigen zwei nur einen Sitz (Rabbiner Du b!'n) wieder erringen, die Zeire Zion ihren Sitz (Professor Lasersohn) und die Bundisten den ihren (Dr. M e i s e 1) behaupten konnten. — fm Anschluß an eine Wahlversammlung der Zeire Zion-Hitachduth in der Stadt Reschitza kam es zu einem schweren Zusammenstoß zwischen der Polizei und Kommunisten, als die Polizei den jugendlichen jüdischen Kommunisten Kukla verhaften wollte. Die Anhänger Kuklas durchbrachen den Polizeikordon und befreiten Kukla. Bei dem Zusammenstoß wurden mehrere Personen verwundet, mehrere andere verhaftet. Kleine Nachrichten J a b o 11 n s k y ist am 5. Oktober in Palästina eingetroffen, wo er seinen dauernden Wohnsitz nehmen wird. Der Präsident der Jerusalemer Jüdischen Gemeinde, Herr Meyuehas, gab in seiner Sukkah (Laubhütte) zu Ehren des stellvertretenden Oberkommissars für Palästina, Herrn H. C. Luke, einen Empfang, dem führende Persönlichkeiten Palästinas beiwohnten. Colonel Herbert Lehmann, Vizevorsitzender des Joint Distribution Committee und Vizepräsident der Palestine Economie Corporation, Ist von der Convention der Demokratisehen Partei zum demokratischen Kandidaten für den Posten eines Vizegouverneurs des Staates New York nominiert worden. Am 29. September wurde in Czernowitz, der Hauptstadt der Bukowina, wo vor 20 Jahren die erste jiddische Sprachkonferenz unter der Leitung des Dichters J. L. Perez sfattgefunden hat, das Jubiläum dieser Konferenz festlich begangen. Die Jüdische National- und Universitätsbibliothek Jerusalem erhielt von der Gesellschaft der Freunde der Jerus.alern-Bibliothek in Berlin 17 Kisten mit Büchern aus allen Bereichen des Wissens. Hervorzuheben ist besonders, daß der soeben verstorbene Sanitätsrat Dr. Gustav Bradt in Erfülhmg eines seit vielen Jahren gehegten Planes, in der Bibliothek eine Stiftung einzurichten, eine große Schenkung für die Abfeihing Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten gemacht hat. Dr. Bradt hat besonderen Wert darauf gelegt, die großen Archive und Zeitschriften aus diesem Gebiete zusammenzutragen, und es ist ihm gelungen, eine Reihe geschlossener Serien zusammenzubringen, von denen er nunmehr die folgenden der Bibliothek! gespendet hat: 1. ,.Archiv für Laryngologie“ (1894—1921), 2. ״Verhandlungen der deutschen otologischen Gesellschaft“ (1895—1914), 3. ״Verhandlungen des Vereins süddeutscher Laryngologen“ (1894—1903), 4. ,.Internationales Centralblatt für Laryngologie‘ ‘(1884—1922), 5. ״Zeitschrift für Ohrenheilkunde“ (1882—1918). Zugleich mit diesen Serien snendete Dr. Bradt eine Anzahl von Spezialwerken aus diese n Gebiete. Die Sendüng ejithWt ferner zwei Kisten neuest *זו Literatur aus dem Gebiete der Physik, we'־׳he Professor Albert Einstein überwiesen hat, sowie wertvolle Bücher aus dem Gebiete der Chemie von Professor Carl Oppenb״~:'׳er und viele einzelne Werke, Oeschenke verschiedener Stüter. Grnppenverband Sachsen-Anhalt Der Gruppen verbandstag findet am Sonntag, den 21. Oktober 1928, vormittags pünktlich 11 Uhr, in Halperstadt in den Räumen der Loge (Cafd Vaterland, früher Kasino), Walther- Rathenau-Straße 65, statt. Tagesordnung: 1. Die zionistische Lage (Referent: Dr. Sally Hirsch, Berlin); 2. Aussprache; 3. Unsere Kulturaufgaben (Referent: Dr. Max Soloweitschik); 4. Aussprariie; 5. verschiedenes. — Es findet ein gemeinsames Mittagessen in den Räumen der Loge statt (Gedeck 2 Mark). — Alle Teilnehmer werden gebeten, sich rechtzeitig bei dem Vorstand der Ortsgruppe, Herrn Hermann Lewin, Lindenweg 12, zu melden. Zionistischer Gruppenverband Oberschlesien. Sonntag, den 28. Oktober, findet in Beuthen (O.-S.) eine Tagung des Gruppenverbandes statt, in deren Mittelpunkt ein Referat des Herrn Dr. Max Mayer (Berlin) über K ul - turarbeit stehen wird. Die genaue Tagesordnung wird noch bekanntgegeben. Die oberschlesischen Öesinnungsgenossen werden schon jetzt gebeten, sich für den angegebenen Tag freizuhalten. Gruppenverband Thüringen. Der Gruppenv erbandstag findet am Sonntag, den 28. Oktober 1928, in Gotha, Gesellschaftsbaus St. Gotthard, Siebleberstraße 28, pünktlich 10 Uhr vorm., statt. — Tagesordnung: 1. Referat Dr. Kollenscher, Berlin: ״Zionistische Gemeitidearbeit“; 2. Aussprache; 3. Berichte der Gruppen; 4. Aussprache; 5. Wahlen 6. Anträge. Die Landeskonferenz der deutschen Poale-Zion Aus poale-zionistischen Kreisen wird uns geschrieben: Die Landeskonferenz der deutschen Poale-Zion, die am 13. und 14. Oktober in Berlin stattfindet, wird sich in der Hauptsache mit den Problemen der poale-zionistischen Politik innerhalb Deutschlands befassen. In dieser Hinsicht fehlt es zu einem großen Teile noch an Richtlinien, die festzulegen die Aufgabe der diesjährigen Konferenz, sein wird. Im folgenden seien verschiedene Fragen herausgegriffen, mit deren Lösung sich die Konferenz voraussichtlich hauptsächlich beschäftigen wird. 1. Die deutsche Poale-Zion hatte bisher darauf verzichtet, eine eigene Jugendorganisation zu g ״!den. Es fehlte daher die Möglichkeit, unmittelbar auf die Hc.anbildung eines eigenen Nachwuchses einzuwirken. Es ist nun in der Partei selbst und auch an ihrer Peripherie eine große Anzahl junger Menschen vorhanden, bei denen ein starkes Bedürfnis besteht, sich in besonderen!ugendgpuppen der Partei zu organisieren. Es ist daher zu prüfen, ob die Voraussetzungen und Möglichkeiten einer eigenen Jugendpartei gegeben sind. Es sind dann, die Wege zu zeigen, die eine solche Jugendorganisation zu beschreiten hat. . 2. In den letzten Jahren ist es der Poale-Zion in den verschiedensten Städten gelungen, Erfolge bei den Gemeindewählen zu erringen. In der Gemeindearbeit selbst wurde von den Chawerim manches Ersprießliche geleistet. Bis jetzt fehlte es aber nicht nur an einem Gemeindeprogramm, sondern auch überhaupt an irgendwelchen Richtlinien, nach denen sich die Gemeindevertreter der Partei richten konnten. Eine Klärung unserer Forderungen, die wir in der Gemeindepoiitik zu stellen haben, wird unsere Stellung in den bevorstehenden Gemeindewählen außerordentlich stärken. 3. Eine wichtige Rolle wird der organisatorische Ausbau der Partei spielen. Es muß unbedingt erreicht werden, daß ein festes und vertrauensvolles Zusammenarbeiten zwischen dem Zentralkomitee und den einzelnen Ortsgruppen zustande kommt. 5, Dazu wird!es notwendig sein, wieder eigene Mitteilungen. heräus'zti'geben ■ und dem Zentralkomitee einet! Parteirat an die Seite zu stellen, in dem vor allem auch führende Chawerim aus den Ortsgruppen außerhalb Berlins vertreten sind. 4. Die Stellung zu den verschiedenen zionistischen Gruppen vor allem zur Z. V. f. D. muß jetzt endgültig festgeiegt werden. Die Forderung nach einem Territorialverband, die auf der letzten Konferenz den Hauptstreitpunkt bildete, wird kaum mehr erhoben. Es ist aber unbedingt notwendig, den Beschlüssen des letzten Zionistenkongresses nachzukommen und auf dieser Basis an eine Bildung der territorialen Arbeitsgemeinschaft zu gehen. 5. Von besonderer Eedeutung ist die Schaffung einer Liga für das arbeitende Palästina. Es handelt sich darum, alle Kräfte, die bereit sind, das Werk der palästinensischen Arbeiterschaft zu unterstützen, zusammenzufassen, um auf diese Weise eine erfolgreiche Arbeit für das Arbeiterwerk in Palästina zu garantieren. Des weiteren wird sich die diesjährige Konferenz mit den Problemen der Weltbewegung befassen. Vermag es die Konferenz, alle diese Fragen einer Lösung näher zu bringen, so darf man die Hoffnung. haben, daß damit ein Grundstein zu einer günstigen Fortentwicklung der Partei gelegt ist. Walter Friedmann. * Die sechste Landeskonferenz der jüdisch-sozialdcmokratisehen Arbeiterorganisation Poale-Zion in Deutschland hat toigende Tagesordnung: Sonnabend, den 13. Oktober, in den Sophiensälen, Sophienstraße 17/18, Vormittagssitzung 11 bis 2 Uhr: 1. Eröffnung (Wahl des Präsidiums und der Kommissionen); 2. Begrüßungen; 3. Saiman Rubaschow: Die Probleme der Weltbewegung; 4. F. Rabinowitsch: Bericht des Zentralkomitees. — Nachmittagssitzung 3 bis 8 Uhr, Auguststraße 17: 5. Josef Wahl: Organisatorischer Ausbau der Partei; 6. Diskussion. — Abends 9 Uhr im Gemeindehaus, Rosenstraße 2—4: Kundgebung (Referenten: Oskar Cohn, Naftaii, Rubaschow); Referat Liebenstein (En Charod): Die Lage der. Arbeiterwirtschaft in Palästina. — Sonntag, den 14. Oktob€r, im Gemeindehaus, Rosenstr. 2/4: Vormittagssitzung 10 bis 2 Uhr: 1. S. Rudel: Unsere politischen Aufgaben in Deutschland: a) Landespolitik; b) Wirtschaftsaufgaben; c) Gemeindeprogramm; 2. Boris Eisenstadt: Unsere zionistischen Aufgaben in Deutschland: a) Palästinaarbeit; b) Zionistische Organisation; c) Jugend und Hechaluz; 3. Dr. Georg Lubinski: Liga für das arbeitende Palästina. Schlußsitzung 5 bis 9 Uhr. Coi. Wedgwood hat sein Erscheinen zugesagt. Konferenz der jüdischen Kreditgenossenschalten Warschau, 9. Oktober. (J. T. A.) In diesen Tagen wurde in Warschau eine Konferenz von Delegierten der 108 jüdischen Kreditgenossenschaften des Warschauer Ravons abgehalten. Im Namen der Joint-Ica-Foundation begrüßte Herr Dr. Werner Senator, im Namen des jüdischen Parlamentklubs Abg. Hartglas die Konferenz. Die auf der Konferenz vertretenen 108 Genossenschaften repräsentieren 35 000 Mitglieder, davon 12000 Handwerker, 15 000 Kleinhändler, 4000 Kaufleute, 1000 Angehörige freier Berufe, 300 Landwirte und 2500 Angehörige verschiedener Berufe. Diese Institutionen verfügen über 2 500 000 Zloty eigenes Kapital, 4 Millionen Zloty Depositen, 2500 000 Zloty Kredite der zentralen Oenossenschaftsbank und 1 Million Zloty Regierungskredite. Im ersten Halbjahr 1928 haben diese 108 Genossenschaften Kredite an Darlehenswerber in Höhe von 30 Millionen Zloty gewährt. Die staatliche Wirtschaftsbank tut nichts für die jüdischen Genossenschaften.