Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 68 (28.8.1928)
- Date
- 1928-08-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2651273-2652971-2653033--20207-2678164- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 68, 28. VIII. 1928 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 489 Der Fall des Raw Jakob Meir Von unserem palästinensischen Korrespondenten. AG. Tel-Awiw, den 11. August 1928. In den Gemeinden Palästinas werden seit einigen Wochen die Listen für die Wahlen zur Gesamtorganisation palästinensicher Juden ״Knesseth Jisrael“ angefertigt. Man bereitet sich darauf vor, die Wahlen zur Nationalversammlung, ״Assefath Haniwcharim“, vorzunehmen, die aus sich heraus die rechtmäßig gewählten und vom Qesetz bestätigten Organe des Jischuw bilden soll. Es war ein langer und schwerer Weg bis zu der Etappe, an der wir heute stehen, und es sind alle Versuche gemacht worden, um möglichst weite Kreise in die Organisation der palästinensischen Judenheit hineinzuziehen. Es war von vornherein klar, daß bestimmte Gruppen sich absondern würden, wozu die gesetzliche Freiheit gegeben war. Und eben deswegen hat der Waad Leumi (Nationalrat) m mehreren Fällen — zum Beispiel gegenüber den Sephardim und den Jemeniten — bedeutende Zugeständnisse gemacht, die eine größere Einigkeit garantieren sollten. Unterdessen hat ein sehr peinlicher Zwischenfall wieder einmal gezeigt, daß noch große Schwierigkeiten zu überwinden sind. Das Auftreten des Oberrabbiners Jakob Meir gegen die ״Knesseth Jisrael“ beim Abschied von Lord Piumer ist ein neuer Beweis für die Gefahren des Gesetzes, das jedem Juden freistellt, sich der nationalen Organisation anzuschließen oder nicht. Da der Akt des Raw Meir weitere Folgen nach sich zieht und eine neue Kampfesphase in den Streitigkeiten um die ״Knesseth Jisrael“ bedeutet, ist es wichtig, die Situation näher zu beleuchten. Vor der Abreise Lord Plumers aus Palästina statteten ihm die offiziellen Repräsentanten des Jischuw gemeinsam ihren Abschiedsbesuch ab. Es waren vertreten: die Zionistische Exekutive, das Oberrabbinat und der Waad Leumi. Die Begrüßungsreden der Exekutive und des Waad Leumi, in denen die Bestätigung des Gemeindegesetzes und die Schaffung der ״Knesseth Jisrael“ erwähnt wurde, wurden von Oberrabbiner Jakob Meir zweimal unterbrochen, indem er erklärte, er befände sich dort nicht in der Eigenschaft eines Vertreters der ״Knesseth Jisrael“, sondern als Repräsentant der sephardischen Gemeinde. Er und seine Gemeinde erkennen die ״Knesseth Jisrael“ nicht an und würden ihr nicht beitreten, weil ihre Statuten Paragraphen enthalten, die den jüdischen Religionsbestimmungen zuwiderlaufen. Es gelang mit großer Mühe, einen offenen Eklat zu vermeiden. Der Waad Leumi wandte sich am nächsten Tage mit einem Brief an Jakob Meir, mit der Forderung, den Zwischenfall dadurch aus der Welt zu schaffen oder zu mildem, daß er dem Oberkommissär eine entsprechende Erklärung abgäbe. Der Brief wurde von Raw Meir nicht beantwortet, dagegen erhielt der Oberkommissär am Tage nach der Audienz von ihm ein Schreiben, in dem er seinen Protest gegen die Statuten des Gemeindegesetzes und seine Erklärung, daß er und die sephardische Gemeinde der ״Knesseth Jisrael“ nicht beitreten würden, wiederholte. Der Brief war unterzeichnet von Raw Meir im Namen der sephardischen Gemeinde iri Jerusalem, von Raw Sonnenfeld und der ״Agudath Jisrael“. Der Brief wurde zu gleicher Zeit der Presse übergeben. Damit konnte kein Zweifel mehr daran bestehen, daß es sich bei dem Zwischenfall bei der Audienz nicht um eine private oder gar zufällige Aeußerung handele, sondern um eine politische, vorbereitete Aktion. Der Waad Leumi hat darauf eine ausführliche De־ k 1 a r a t j o n veröffentlicht, in der er die Entwicklung der Affäre schildert. Darin wird festgestellt, daß durch die Statuten der ״Knesseth Jisrael“ die bestehenden Organe des Jischuw — die Gemeinderäte, das Oberrabbinat und der Waad Leumi — als gesetzliche Körperschaften anerkannt sind, die bis zu den Wahlen der ״Assefath Haniwcharim“ die juristischen Vertreter des Jischuw darstellen. Dabei wird darauf hingewiesen, daß es eine ״logische und juristische Unmöglichkeit“ sei, daß unter diesen Umständen ein Mitglied einer dieser Körperschaften, nämlich des Oberrabbinats, öffentlieh erkläre, die ״Knesseth Jisrael“ nicht anzuerkennen. Offensichtlich stelle sich Raw Meir mit dieser Tat außerhalb des Rahmens der ״Knesset!! Jisrael“ und könne deshalb nicht mehr in einem ihrer Aemter fungieren, das heißt nicht mehr das Oberrabbinat bekleiden. So stehen gegenwärtig die Dinge, deren Entwicklung hauptsächlich von der Stellungnahme der Sephardim abhängig ist. Raw Jakob Meir hat zusammen mit dem Waad Leumi sich an den Verhandlungen mit der Regierung über das Statut der ״Knesseth Jisrael“ beteiligt und war Ehrenvorsitzender der ersten ״Assefath Haniwcharim“. Wenn er behauptet, daß das Statut Paragraphen enthält, die gegen die Religion verstoßen, so ist damit vor allem das Frauenwahlrecht gemeint, das bekanntlich in den Kämpfen um die ״Assefath Haniwcharim“ eine entscheidende Rolle gespielt hat. Jakob Meir hat seinerzeit als Vorsitzender der ״Assefath Haniwcharim“ in diesem Punkte eine durchaus versöhnliehe Stellung eingenommen und den Vorschlag gemacht, das ganze leidige Problem dadurch aus der Welt zu schaffen, daß man den Frauen im Sitzungssaal einen besonderen Raum zuweist.... Es ist nur natürlich, daß der Waad Leumi an diese frühere Steilung des Raw Meir erinnert und in seiner Deklaration auch ein Teil der Eröffnungsrede des Raw aus der ״Assefath Haniwcharim“ bringt. Der Akt des Raw Meir ist ein offener Uebergang in die Reihen der ״Agudath Jisrael“. Ein solches Uebcrschwenken in das andere Lager wäre nicht von so entscheidender Bedeutung, wenn nicht zugleich der Versuch gemacht würde, zugleich einen wichtigen Teil der jüdischen Gemeinschaft, die Sephardim, mit in die ״Austrittsbewegung“ hineinzuziehen. Was die Geister im Lande besonders erregt hat, war die Tatsache, daß der Brief des Raw nicht nur in seinem Namen und im Namen Sonnenfelds und der ״Agudath Jisrael4*, sondern auch im Namen der Sephardim unterzeichnet war. Denn dadurch muß der Eindruck entstehen, daß ein bedeutender Teil der palästinensischen Juden nichts mit der ,;Knesseth Jisrael“ zu tun haben will. Daß die Gelegenheit zu einer Attacke auf die gesetzlichen Vertreter des Jischuw recht unglücklich und taktlos gewählt war יman braucht schließlich nicht innere jüdische Konflikte beim Abschiedsbesuch des scheidenden Oberkommissärs auszutragen — spielt eine relativ geringere Rolle. Es fragt sich nun, wie sich die sephardische Gemeinde zu der so plötzlich,entstandenen Situation stellen wird. In einem hat sich Raw Meir höchstwahrscheinlich verrechnet: Es ist durchaus nicht zu erwarten, daß die Sephardim in ihrer Gesamt״ heit sein Vorgehen decken werden. Nach langen Verhandliyigen hat sich bereits ein Teil zum Beitritt zur ״Knesseth Jisrael“ verpflichtet, nachdem der Waad Leumi seine — recht hohen — Forderungen erfüllt hat. Dieser Teil ist also gebunden und kann Raw Meir auf seinem Weg nicht folgen, ohne ein klares Abkommen zu. verletzen. Weiter kann man mit großer Wahrscheinlichkeit behaupten, daß ein bedeutender Teil der sephardische יו Jugend hinter dem Waad Leumi und nicht hinter der Politik der ״Agudath Jisrael“ steht, wie sich bereits in den früheren Auseinandersetzungen über dieses Thema gezeigt hat. Wie sich die übrigen Teile der Sephardim stellen werden, bleibt abzuwarten. Jedenfalls kann von einer geschlossenen Stellungnahme der Sephardim für eine Ausfrittsbewegung, wie sie d? Brief des Raw Meir an den Oberkommissär vermuten!־ißt, durchaus keine Rede sein. Und sicher ist weiter, daß die ungeschickte und brüske Form der Aktion keine besonderen Sympathien erwecken kann. Der Waad Leumi hat diesmal klug und rasch gehandelt. In dem Kampf, der von neuem einsetzt, haben die Anhänger der nationalen Einheitsorganisation keinen schlechten Start. Aber es läßt sich nicht leugnen, daß der ZwischenfalLan sich eine Kompromittierung der Juden und ihrer Fähigkeit zu innerer Einigung bedeutet. Sie zu kompensieren, ist eine Desavouicrung des Mannes nötig, der sie ins Werk gesetzt hat. Ob das gelingt, bleibt abzuwarten. Sicher ist, daß alle im Waad Leumi vereinigten Oruppen trotz Partei- und Interessenunterschieden diesen Kampf in voller Einmütigkeit führen werden. An unsere Abonnenten! Die Post verlangt von uns die Anmeldung der vom 1. Oktober 1928 ob zu liefernden Exemplare bis zum 15. September. Wir sind daher gezwungen, die Abonnementsgebühren von denjenigen Abonnenten, die die ״Jüdische Rundschau" direkt bei uns abonnieren, in den ersten Septembertagen zu erheben, und zwar werden wir ihnen zu diesem Zwed Nachnahmen zugehen lassen. Wir bitten darum, im eigenen Interesse dafür Sorge zu tragen, dafe diese Nachnahmen prompt eingelöst werden, da sonst Unregelmlbigkeiten in der Zustellung der ״Jüdischen Rundschau" nicht zu vermeiden sein dürften. Berlin, im August 1928. Verlas ״ÜUdische Rundschau“ Berlin W15, MelnekestraBe 10 Eine benerkenswerte Demonstration Der Kampf um da« Bodenprinzip Seit vielen Monaten, schon vor dem letzten Kongreß, mehrten sich die Angriffe gegen den Keren Kajemeth. Der Keren Kajemeth ist veraltet — so sagte man schon im Jahre 1920. Seine Statuten seien unmodern. Sein Prinzip des unveräußerlichen Eigentums sei unelastisch. Sein Boden sei unverkäuflich. Aber die Diskussionen wurden beschwichtigt, und es blieb den Nichtzionisten Vorbehalten, die unter der Oberfläche sich ausbreitende Kritik laut auszusprechen. Mit der Veröffentlichung des Berichtes der Joint Survev Commission, der nur in Eile als ein roher Entwurf geschrieben wurde, brach der Sturm los. Den Mittelpunkt bildete natiirlicher- und logischerweise fjas Prinzip, das man für den nationalen Bodenbesitz gefordert hatte. Der Bericht enthält viele Reformvorschläge, viele kritische Bemerkungen, aber fast alle geforderten Aenderungen wurden durch diejenige in den Schatten gestellt, weiche die Integrität des Keren Kajemeth zu bedrohen schien. Die Reaktion der zionistischen Welt auf diesen Angriff war bemerkenswert und hat kaum ein Beispiel in der Geschichte des K. K, L. Durch die ganze Front des zionistischen Lagers ging ein Ruf zur Sammlung und ein Erwachen, was um so eindrucksvoller war, ais es keine Antwort auf einen Aufruf, keine vorbereitete Manifestation war, sondern ganz spontan vor sich ging. Ein schnelles Schließen der Reihen zur Verteidigung des Voiksfonds war in drei Richtungen wahrnehmbar. Zuerst einmal bei den zionistischen Führern selbst. In der kurzen Zeit zwischen der Veröffentlichung des Berichtes und der Sitzung des großen A.-C. verfaßte die Exekutive eine Modifikation der Vorschläge der Unters!;, :uingskommission in bezug auf den K. K. L. Ehe dieser Seht :rt der Exekutive bekannt wurde, hatten schon andere Führer erklärt, daß sie eine Schwächung des Fonds nicht zulassen würden, Radikale wie Sozialisten, Revisionisten wie allgemeine Zionisten und Misrachisten. Dann war es die Presse, welche in die Diskussion■ eingriff, und zwar nicht allein und nicht in der Hauptsache die zionistische Presse. Jüdische Vochenschriften in Amerika und Europa, die dem Aufbau Pa'.riinas frei und unvoreintenommen gegenüberstehen und die manchmal an zionistischen kten Zweifel ausgesprochen hatten, wiesen darauf hin, wie unklug es sei, an den K. K. L. zu rühren. Wenn einmal alle Artikel gesammelt werden, die in den letzten paar Wochen zur Stärkung des K. K. L. geschrieben wurden, so wird man feststellen, daß auch hierbei eine geschlossene Front der jüdischen Presse hinter dem K. K. L. steht. Und schließlich wurde der Entschluß, die 26jährige Politik der nationalen ״Erlösung des Rodens“ aufrechtzuerhalten, durch Resolutionen bekundet, weiche die Föderationen in ihren Konferenzen annahmen. Die amerikanische Zionistische Organisation, die bekanntlich am stärksten von allen die Agency und den Kommissionsbericht begünstigt, verlangte auf ihrer Convention in Pittsburgh, daß die vier Bürgschaften, die die Beschlüsse des 14. und 15. Kongresses verlangen, unter ihnen auch die des nationalen Bodens, aufrechterhalten bleiben. Andere Körperschaften faßten Resolutionen, die Not- Wendigkeit unterstrichen, den K. K. i... nicht anzutasten. Führer, Presse Organisation — durch sie alle wurde des Volkes Wille zum Ausdruck gebracht. Es ist nicht schwer, diese wundervolle Manifestation der l:ini!>':e't, die hinter dem K. K. L. steht, zu erklären. Es ist nicht «׳' i;! der Name, der seine Anhänger bindet, sondern die konkrete Tatsache, daß das Land, in das die Pfennige und Pfunde seiner Spender verwandelt werden, der Besitz des gesamten Volkes bleiben muß. So ist zum Schluß des jüdischen Jahres dem K. K. L. eine Anerkennung zuteil geworden, die ihm für seine Arbeit im kommenden Jahre große Hoffnung gibt. Beschlüsse der Misradü -WeHkoDfereBz D a 11 z i g , 23. August. (J. T. A.) Ke Weltkonferenz des Misrachi ist am 23. August zu Ende gegangen, ln der Schluß- Sitzung wurde das Budget angenommen. Die Einnahmen, die die Organisation selbst aufzubringen hat, betragen pro Jahr 29000 Pfund. Das Ausgabcn-Budget ist bei Einschluß der von der Zionistischen Exekutive zu leistenden Zuschüsse insgesamt 65000 Pfund hoch. Rabbi Meir Berlin wurde zum Präsidenten der Welt- Organisation wiedergcwäldt. In den Merkas Olami wurden ferner gewählt: für Palästina Rabbi Fi sh man und Daniel Sir küss, für Amerika Rabbiner Teitelbaum. Rabbi Berlin erklärte nach einer begeisternden Ansprache die Weltkonferenz für geschlossen. Die Misrachi-Weitkonferenz hat einen Beschluß gefaßt, in dem festgestellt wird, es sei die Aufgabe des Weltverbandes Poel Hamisrachi, die Jugend nach dem Prinzip von Thora Waawoda zu organisieren, wobei aber auch andere Jug'endgruppen, die mit dem erwähnten Prinzip nicht einverstanden sind, Existenzreelit innerhalb der Misrachi-Welt- Organisation haben. Diese Resolution ermöglicht es den pa- Iäslinensischen Delegierten des Misrachi Hazair, zur Konferenz zuriiekzukehren. Nach Annahme dieser Resolution verließen 25 Delegierte des Poel Hamisrachi unter Protest die Konferenz, woraufhin die Plenarsitzung unterbrochen wurde. In der Schlußsitzung erklärten die Vertreter des Weltvcrbandes des Poel Hamisrachi, aus Protest gegen alle Resolutionen zu stimmen. Daraufhin wurden die folgenden Beschlüsse betreffend Erziehungswesen und religiöse Arbeit angenommen: Die Konferenz, verpflichtet den Ueberwachungsausschuß, die Initiative zur Schaffung einer Jugendorganisation der Schüler der Misrachi-Schulen zu ergreifen, um diese Schüler fremden Einflüssen fernzuhalten. Der Merkas Oiantf soll von Zeit zu Zeit Sammelschriften für Misrachi-Erziehuitgsfragen herausgeben. Die Konferenz erhebt einstimmigen Protest gegen die Bestrebungen, die Autonomie des Misrachi-Schulwesens zu beschränken und die seitens der Zionistischen Exekutive dem Misrachi zu leistenden Zuschüsse zu kürzen. Die Konferenz verpflichtet alle Landeszentralen, spezielle Büros für Organisierung des Schulwesens in den Galuthländera zu schaffen. Die Konferenz verpflichtet den Merkas Olami, einen Erziehungsspezialisten zur Inspizierung der Misrachi״ Schulen in den Gaiuthländern zu entsenden. Die Konferenz verpflichtet den Merkas Olami, der Herausgabe religiöser Literatur ein Augenmerk zuzuwenden; zu diesem Zwecke soll eine Aktien-Gesellschaft mit einem Kapital von 5000 Pfund gegründet werden. Die Kommission für religiöse Arbeit hat die folgenden Resolutionen unterbreitet, die angenommen wurden: Die Konferenz anerkennt mit besonderer Zufriedenheit die Arbeit der Mjsrachi-Rabbiner in den Kolonien und verpflichtet den Merkas Olami, den Rabbinern die Möglichkeit zur Fort- Setzung dieser Arbeit zu geben. Die Konferenz erklärt es als die Pflicht der Zionistischen Exekutive und des Keren Kajemeth, alle Siedlungen mit den nötigen religiösen Anstalten, wie Schulen, Ritualbäder usw. zu versorgen. Die Haltung des Misrachi in der letzten Sitzung des Zionistischen Aktions-Comites wird gebilligt und der Merkas Olami ersucht, die Interessen des orthodoxen Judentums bei der Erweiterung der Jewish Agency wahrzunehmen und an das palästinensische Judentum zu appel- Heren, innerhalb der Organisation der Knesset Israel zu verbleiben. * Die jüdische Gemeinde Danzigs gab zu Ehren der Delegierten der Misraehi-Weltkonferenz ein Bankett, dem die führenden Persönlichkeiten der Judenheit des Freistaates und die Delegierten der Weltkonferenz sowie der Misrachi-jugendkonferenzen beiwohnten. Der Vorsitzende der Repräsentantenver- Sammlung der Danziger Jüdischen Gemeinde begrüßte die Delegierten. Im Namen der Delegierten dankte Hermann Struck der Gemeinde für ihre Gastfreundschaft. Sejmdeputierter Farbstein sprach über die Bedeutung der Jüdischen Gemeinde im Leben der Juden, Senator Rabbiner Rubinstein führte aus, der Freistaat Danzig, der Staat ohne Waffen, reprä* sentiert jenes Staatsideal, nach welchem die Zionisten streben. Dr. Brodt toastete auf die anwesenden misrachistischen Frauen. Im Namen der Jugend sprach Neufeld. Es sprachen noch Zwebner u, a. m. Gesangsdarbietungen zweier Danziger Kantoren rahmten die Veranstaltung ein. Nach einem Schlußwort von Rabbi Berlin sprach Rabbiner Fajans aus Bialystok den Tischsegen. In gehobener Stimmung gingen Delegierte und Gäste auseinander. * In Verbindung mit der Misraehi-Weltkonferenz schreiben die ״Danziger Neueste Nachrichten“: Die Freie Stadt Danzigund Palästina haben in ihrer internationalen völkerrechtlichen Stellung insofern Parallelen, als beide Länder auf den Völkerbund und seine Sanktionen angewiesen sind. Auch in wirtschaftlicher Hinsicht besteht eine Aehnlichkeit zwischen Danzig und Palästina: Während Danzig der Hauptausfuhrhafen für einen wesentlichen Teil Osteuropas ist. entwickelt sich Palästina zu einem Hauptausfallstor des Nahen Orients. Dadurch ist die Möglichkeit gegeben, daß Danzig und Palästina durch gegenseitigen Warenaustausch die Handelsbeziehungen zwischen Osteuropa und dem Nahen Orient fördern helfen. Versuche in dieser Richtung hat bereits der bei der Danziger Handelskammer bestehende Danzig-Palästina- Wirtschaftsdienst unternommen, der in Verbindung mit der palästinensischen Handels- und Industriegesellschaft ״Mischar wtaasia“, Tel-Awiw, in Danzig eine Europa-Orient-Ausstellungs- und Handels-A.-G. gegründet hat. Der Wirtschaftsdienst wird von prominenten Wirtschaftlern, wie Senator a. D. Dr. Unger, Handelskammer-Vizepräsidenten Leiding, Syndikus Heinenunn, Max Löwenstein u. a. geleistet. Die Anluahmebedingnngen der Jerusalemer Universität Das Sekretariat der Jerusalemer Universität hat ein Kornmunique über die Bedingungen der Aufnahme für von auswärts stammende Hörer der Jerusalemer Hebräischen Universität veröffentlicht. Aufgenommen werden Studenten ohne Unterschied der Religion und Nationalität, die ein achtktassiges Gymnasium mit einem Reife- Zeugnis beendet haben. Die Universität erkennt die Zeugnisse der privaten hebräischen höheren Schulen außerhalb Palästinas an, jedoch müssen diese Schüler an der Universität sich einer Zusatzprüfung unterziehen. Das Studium an der Universität ist gratis. Die Vorlesungen beginnen gegen den 15; Oktober. Nach Aufnahme an der Universität kann diese für die von auswärts stammenden Studenten sich um ein Einreisevisum bemühen. Gemäß den Einwandcrinigsbesiiinmungcn ist eine Garantie für einen Betrag von £ 180 erforderlich, die für drei Jahre Unterhalt in Palasti na nötig sind. (Ziko.)