Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 66 (21.8.1928)
- Date
- 1928-08-21
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 66, 21. VIII. 1928 JUEDISCHE RUNDSCHAU Sehe 475 Brief aus Braunschwei# Die Braunschweiger jüdische Gemeinde, ehemals nicht ohne Bedeutung für das deutsche Judentum, setzt neuerdings scheinbar ihren Ehrgeiz darein, sich auf dem Gebiete der Verwaltung von keiner anderen Gemeinde an Rückschrittlichkeit tibertreffen zu lassen. Sie umfaßt zirka 1100 Seelen, darunter zirka 40«» Ostjuden. Selbstverständlich haben diese Gemeindemitglieder 2. Klasse erst das Wahlrecht nach einer zehnjährigen Karenzzeit, aber auch die-!'eiligen, die durch Seßhaftigkeit und treue Anhänglichkeit würdig geworden sind zu wählen, müssen sich die Einschränkung gefallen lassen, nie mehr als gleichzeitig zwei Ostjuden in die Repräsentanz entsenden zu dürfen. Wünsche des hiesigen ostjüdischen Vereins, das Statut endlich einmal zu demokratisieren, werden vom Vorstand der Gemeinde mit der Bemerkung, Statutenänderungen seien außerordentlieh schwierig, durch Zukunftshoffnungen vertröst t. Dem Vorstand genehme Satzungsänderungen scheinen allerdings leichter durchführbar zu sein. In einer der letzten Repräsentantensitzungen wurde ein Steuerausschud gebildet; die dazu notwendige Statutenänderung war merkwürdigerweise möglich. Dabei sei noch als Kuriosum vermerkt, daß auch die Wahl zu diesem Ausschuß an die Karenzzeit gebunden ist, während die Pflicht des Steucrzahlens ohne Frist vom ersten Tage des Aufenthaltes in der Gemeinde an geübt werden darf. In anderer Beziehung ist der Vorstand allerdings zu loben: Er ist z. B. außerordentlich sparsam. Mehr als 450 M» jährlich wird den Ostjuden für die Aufrechterhaltung ihres Kultus nicht bewilligt. Die übrigen Verwaltungskosten darf der ostjüdische Steuerzahler aus eigener Tasche noch extra zahlen. Durch diesen finanziellen Druck ist cs vielleicht möglich, daß die schöne leerstehende Orgelsynagoge auch an einem gewöhnlichen Schabbath einmal gefüllt sein wird. Allerdings, an den hohen Feiertagen, wenn auch die übrige Gemeinde zur Synagoge kommen wird, wird für die Östjuden kein Sitzplatz übrig sein, aber, da sie sehr andächtig und bescheiden sind, wird ihnen das Stehen nicht schwer fallen. Eigenartig ist die Motivierung, rflit der der Vorstand eine Erhöhung des Zuschusses für den orthodoxen Kultus ablehnt: Die Gemeinde tue schon genug für die Östjuden, da die Wohlfahrtsstelle zu 90 »e von den Östjuden in Ansprach genommen werde. Lieber den Geschmack, der ein solches Argument beliebt, ist nicht zu streiten, wohl aber seien die Tatsachen vermerkt, daß erstens die Ausgaben der Wohlfahrtsstellc geheim sein sollen, und daß zweitens die Wohlfahrtsstelle von sieben verschiedenen Organisationen und vielen einzelnen Gemeindemitgliedern subventioniert wird, so daß sich der Vorstand ein Verdienst zuachreibt, das ihm nur zu einem Teil gebührt, ganz abgesehen davon, daß wir die Richtigkeit des angegebenen Prozentsatzes bezweifeln. Braunschweig ist das einzige Land, das sich bisher noch nicht zu einem Landesverband aufgeschwungen hat. Platonisches Interesse für einen Zusammenschluß der deutschen luden wird allerdings dadurch bekundet, daß man andauernd zu vorbereitenden Tagungen des Reichsverbandes fährt. So war Braunschweig auch auf der letzten Tagung in Köln durch einige Herren vertreten. Leider hat man bis heute vom Vorstand noch nicht gehört, welche Stellung die Herren dort zu den wichtigsten Fragen eingenommen haben. Ja, es ist nicht einmal klar, wer die Herren eigentlich delegiert hat und wen sie vertreten haben. Von der Repräsentanz sind sie nicht bevollmächtigt worden. Auf eine nachträgliche Anfrage gab der Vorstand nur die Antwort, daß das Mitglied düs Vorstandes auf eigene Kosten gefahren sei. Eine durchaus zeitgemäße Auffassung von Demokratie: Wer gerade Geld hat, vertritt die Gemeinde. Unter solchen Umständen darf man gespannt sein, wie die Initiative ausselien wird, die der Vorstand zur Gründung des Braunschweigischen Landesverbandes wird notgedrungen ergreifen müssen. Ob wir auf Urwahlen hoffen dürfen? Zum Schluß noch eine Bemerkung: Alle diese Informationen verdanken wir keinem üemeindevertreter, sondern einem glücklichen Zufall. Es ist notwendig, dies zu konstatieren, denn die Repräsentantensitzungen in Braunschweig sind so geheim, wie die Beratungen einer Femeorganisation. Jeder Repräsentant wird bei seinem Eintritt in dieses Kollegium feierlich zur Verschwiegenheit verpflichtet. In den Statuten der Gemeinde steht zwar nichts davon, daß die Sitzungen der Gemeindevertretung geheime sein sollen, aber der juristisch gebildete Vorstand argumentiert: Es steht auch nichts darin, daß sie öffentlich sind, also sind sic geheim. Da der Vorstand statutengemäß aber außerdem noch das Recht hat, alle ihm nicht gemäßen Beschlüsse abzulehnen und zur gemeinsamen Beratung neu einzubringen, ist eine Unheilvolle Autokratie gewährleistet, die es verdient, daß einzelne ihrer Früchte einmal einer größeren Oeffentiichkeit vorgelegt werden, damit die sogenannten Stützen der staatlichen Demokratie einmal bei Lichte sehen, wie reaktionär und unzeitgemäß sie sich im eigenen Hause benehmen. —i. Ein studentisches Pro Palästina-Komitee Brüssel, 15. August (J. T. A.) Unter dem Vorsitz von Emile Vandervelde wurde in Brüssel im Anschluß an den Kongreß der zweiten Internationale ein internationaler Kongreß sozialistischer Studenten abgehalten, welche:! u. a. Delegierte des zionistisch-sozialistisehen Studenten verbandes beiwohnten. Fm Rahmen der Behandlung der Ko'onialfragen wurde das Palästina- Problem einer besonderen Betrachtung unterzogen. Einer der Delegierten, ein Jude, forderte, daß die Palästina-Frage aus den Erörterungen des internationalen sozialistischen Studentenkongresses ausgeschaltet werde, da der Zionismus national und chauvinistisch eingestellt sei und darauf ausgehe, die Araber aus ihren Positionen zu verdrängen. An diese Ausführungen knüpfte sich eine sehr erregte Debatte. Die Anbänger der Palästina-Idee, hauptsächlich der bulgarische Delegierte Welf, ein Nichtjude, heben die großen Verdienste der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina hervor, die ein ödes Land zu großer Entwicklung bringt und unproduktive Eiemente in produktive Schaffende verwandelt hat, während die Araber Generationen hindurch das Land in einem Zustand der Primitivität und Vernachlässigung gehalten haben. Der Kongreß beschloß, aus seiner Mitte eine Kommission zur Unterstützung und Förderung der jüdischen Arbeiterschaft und des jüdischen Arbeiterwerks in Palästina zu schaffen und die internationale sozialistische studentische Jugend aufzufordern, das jüdische Arbeiterwerk in Palästina zu unterstützen. Propagandsreise Meir Berlins Berlin, 16. August. (J. t. A.) Der Präsident des Weltverbandes des Misrachi, Rabbi Meir B e r 1 i n, hat in den letzten Wochen eine Reise durch verschiedene große Städte in Deutschland, Oesterreich und der Tschechoslowakei unternommen, um Organisationsarbeit für den Misrachi zu leisten und für den Keren Erez-Israel schel Hamisrachi zu werben. Die in Preßburg, Wien, dann in Breslau, Köln, Frankfurt a. M. usw. abgehaltenen Versammlungen waren überaus stark besucht und standen überall im Mittelpunkt des Interesses. Auch weite Kreise der Agudas Jisroel besuchten die Versammlungen und beteiügten sich an den Diskussionen, ln Frankfurt a. sprach Rabbi Meir Berlin vor mehr als 1200 Zuhörern. JMiscfce WMderlttrsorge Am 13. d. M. fand unter dem Vorsitz von Dr, Oskar Cohn eine Sitzung der Exekutive von Hias-Ica-Emigdirect statt, an der sich die Mitglieder der Exekutive Dr. James Bernstein, Direktor Joachimsohn, Dr. M. K r e i n i n , Jacob Lestschinskv, Dr. Edouard Oungrc und Geheimrat Dr. J. Stern beteiligten. Dr. James Simon und Leo M o t z k i n hatten ihr Fernbleiben entschuldigt. Als Gäste wohnten der Sitzung bei der Vizepräsident der Hias of America Adolph C 0 n e 1 a n d, Generaldirektor der Ica Dr. Louis O u n g r e, Mitglied des Board of Directors der Hias of America Lew in- Epstein sowie die Mitglieder des Verwaltungsrates von Hias-Ica-Emigdirect Latzky- Bertholdi, Dr. Gribeschok (Riga) und M. Schallt (Wilna). Es wurde der Tätigkeitsbericht von Hias-Ica-Emigdirect für das erste Halbjahr 1928 erstattet, aus dem zu ersehen ist, daß sich in den Büros d r Hias-lea-Emigdirect in Polen, Danzig, Lettland, Litauen. Rum 1!: •n, Frankreich und Belgien 13 512 neue Emigranten haben registrieren lassen. Auch in den Einwanderungsländern wurde eine rege Tätigkeit entfaltet. Sowohl in den Aus- sowie in den Einwanderungsländern wird die landwirtschaftliche, sprachliche und professionelle Ausbildung der jüdischen Wanderer forigeführt. Den Hauptpunkt der Tagesordnung bildete der Bericht der Delegation von Hias-Ica-Emigdirect über ihre Tätigkeit in Süd-Amerika. Der Bericht wurde von Dr. M. K r e 1 n i n erstattet und von Louis Oungrc ergänzt. Es lag auch ein schriftlicher Bericht des dritten Mitgliedes der Delegation, A. Benjamin aus New York, vor. Die Mitglieder der Delegation konnten eine erfreuliche Entwicklung des Südamerikanischen ludcntums feststellen, sie hohen die große Aufnahmefähigkeit insbesondere Argentiniens und Brasiliens für neue Einwanderer hervor. Gewiß ist in Süd-Amerika nicht für alle jene Platz vorhanden, die sich einbilden, dort in kurzer Zeit ein Vermögen erwerben zu können, aber — unJ das steht fest — für Handwerker, sowie gelernte und ungelernte Arbeiter ist in diesen beiden Ländern stets Arbeit vorhanden, besonders wenn sie nicht in den Hauptstädten bleiben, sondern sich sofort nach der Ankunft im Lande in die Provinz begeben. Es versteht sich von selbst, daß landwirtschaftliche Arbeiter besonders erwün seht sind und daß jüdische lau (Wirtschaftliehe Arbeiter in den Kolonien der Ica untergebracht werden können. Appell für die Wolilsohii-Stiftung Die Wolffsohn-Stiftung, die cs übernommen hat, aus dem Nachlaß David Wolffsohns ein Haus für die Nationalbibliothek und Bibliothek der Hebräischen Universität in Jerusalem zu erbauen, erläßt einen Aufruf an die Freunde David Wolffsohns, die zur Vollendung des Baues noch fehlende Summe von 15000 Pfund aus freiwilligen Spenden aufzubringen. Der Aufruf trägt die Unterschriften des Präsidenten der Stiftung Dr. J. H. Kann, des Sekretärs Dr. E. Lcszvnsky, des Kanzlers der Universität Dr. J. L. Magnes und־ des Dr. Max Schlössinger. Das Gebäude soll im Jahre 1929 vollkommen fertiggestellt und zur endgültigen Aufnahme der Bibliothek eingerichtet sein. Es wird unter der Leitung des Ehren-Ingenieurs der Universität, Green, aufgeführt: die Fundamente hat Solei Boneh hergestellt. Das Haus wird den Namen ״Beth David Wolffsohn“ tragen, einzelne Räume werden nach Morris ' Ufld״CM!r syMotfffi;, DE '״N. "KltÄfelson ‘ W(Tl»aerfer1'״V¥fdienten Personen benannt sein. Im Hinblick auf die Erfaltrungen aus dem letzten Erdbeben in Jerusalem stellen sich die Kosten des Baues höher als anfänglich angenommen wurde. Beiträge nehmen Jewish Colonial Trust London und das Bankhaus Messers, Lissa and Kann im Haag entgegen. Die zionistische Opposition tn Amerika New׳ York, 5. August. (J. T. A.) Die Opposition der amerikanischen Zionistischen Organisation, deren Versuch, auf der Pittsburger ordentlichen Convention der amerikanischen Zionistischen Organisation die Leitung in die Hände zu bekommen, gescheitert war, hat sich nun zu einer Gesellschaft für Reorganisation der zionistischen Bewegung in Amerika konstituiert. Ehrenpräsident der neuen Gesellschaft ist Richter Julian W. Mack, Präsident ist Israel B. Brodie, Vizepräsidenten sind Edward Friedman und Jacob de Haas, als Schatzmeister fungiert Robert S z o I d , als Sekretär Isidor Levins o n. Die Gesellschaft erstrebt die Einberufung einer nationalen Convention im Frühherbst dieses Jahres, auf der ein Programm festgesetzt und Beamte gewählt werden sollen. In einer ,Mitteilung der neuen Gesellschaft heißt es, daß sich die Reihen der Opposition seit der Pittsburger Convention sehr verstärkt haben. Die Gesellschaft hat in ihrer konstituierenden Sitzung ein Komitee aus drei Personen eingesetzt, das die Ueberführung der Gebeine Theodor Herzls nach Palästina vorbereiten soll. Die Zionistische Exekutive wird wegen Nichtausführung der diesbezüglichen Beschlüsse des zionistischen Weltkongresses in einer Verlautbarung der Gesellschaft scharf angegriffen. Ernannt wurden Komitees für Programmentwurf, Organisation von Groß-New York, nationale Organisation, Wirtschaftsprobleme Palästinas usw. Das in einer früheren Sitzung bereits eingesetzte Finanzkomitee besteht aus Robert S z o I d , Edward Friedman, David S u r d u t, Oscar Rosner und Michael S a 111. Linke Poale Zion md Kommunistische internationale Moskau, 12. August. (J. T. A.) Die den Kommunisten nahestehende linke Partei Poale Zion, die vor kurzem — wie verlautet, wegen ihrer gegnerischen Haltung zum Kolonisationsplan in Bir-Bidäphan — aufgelöst worden ist, hat an das Exekutivkomitee der Dritten Internationale, die gegenwärtig ihren 6. Weltkongreß in Moskau abhält, ein Memorandum gerichtet, ln welchem dargelegt wird, daß die linke Partei Poale Zion seit Beginn der Revolution in den kommunistischen Reihen für kommunistische Prinzipien gekämpft hat und daß die Auflösung dieser Partei durch die G. P. U. (Politische Polizei) eine durch nichts zu rechtfertigende Gewalttat bedeutet. In dem Memorandum wird die Hoffnung ausgedrückt, daß die Kommunistische Internationale eingreifen und die kommunistische Partei in Rußland auffordern wird, die Partei der Linken Poale Zion als legale Partei anzuerkennen und ihrer öffentlichen Betätigung keine Hindernisse in den Weg zu stellen. Die Krimkolonisalion Moskau, 17. August (J. T. A.) Die offizielle russische Nachrichtenagentur teilt mit, daß das Allrussische Zentrale Exekutiv-Komitee in einer soeben abgehaltenen Konferenz beschlossen hat, 109 000 Hektar Boden in der Krim zur An- Siedlung von etwa 15000 jüdischen Familien zu bewilligen. Sollte in der Krim Boden im Ausmaße von 109 000 Hektar n i c :11 ganz zur Verfügung stehen, so wird der Rest in anderen Teilen des Sowjetreiches gefunden werden müssen. _ Die Keren Ha|essod-Einkünfte int Jnlt Die Keren Hajessod-Einkünfte im Monat Juli d. J. betragen insgesamt 40 686 Pfund. Dazu haben die Vereinigten Staaten mehr als die Hälfte, nämlich 21 000 Pfund, beigetragen. Im Juni d. J. war aus den Vereinigten Staaten kein Beitrag eingegangen. Zehn (Mische Kandidaten In Saloniki Saloniki, 6, August. (J. T. A.) Obwohl nach der neuen Wahlkreiseinteilung nur zwei Juden aus Saloniki ins griechische Parlament entsandt werden können, kandidieren Juden auf vier verschiedenen Listen, und zwar auf der besonderen jüdischen Liste, die von den Zionisten und den führenden Kreisen der jüdischen Gemeinde gestützt wird, der Präsident der Bnei Brith-Loge und Ehren Sekretär der israelitischen Gcmeinde David Matalon, sowie der bisherige jüdische Deputierte Bessanfchi; auf der antvenizelistischcn Liste der bisherige Deputierte Isaac Sciaky und Daniel Allalouf; auf der venizelistisehen Liste Aaron Sciaky und Flic Veissci; auf der kommunistischen Liste Jacques Ventoura und der bisherige Deputierte David Sulam; schließlich auf isolierten Listen Yomtov Yacoel und Isaac Florentin. Weltkongreß der Judenmission H amburg, 5. August. (J. T. A.) In diesen Tagen wurde in Hamburg die zweite Weltkonferenz des Internationalen Bundes der Juden-Christen abgehalten. Anwesend waren Vertreter der judäo-christlichen Bünde in Amerika, Großbritannien, Deutschland, Holland, Ungarn, Polen, Rumänien, Schweden Schw'dz und in anderen Ländern. Außer etwa 300 Juden- Christen beteiligten sich auch zahlreiche Nichtjuden an den Beratungen. Der Präsident des juden-christlichcn Weltverbandes Sir Leon Levison führte den Vorsitz. Referate hielten Rev. Max Reich (Amerika), Rev. E. Bendor Samuel (London), Rev. Peter Smoljar (Riga), Rev. S. Roliold (Palästina), Rev, Nahum Levison, Hugh Schocnfeld, Rev. L. Rosenberg, Dr. A. P. Goldl evison u. a. m. Rev. J. I. Landsman sprach über ״Was ist Judentum?“, Pastor Kunert über ״Was ist Christentum?“ Kleine Nachrichlen New York, 16. August. (J. T. A.) In New York verstarb der Philantrop Nathan Lamport, Präsident des Kuratoriums des den Namen Rabbi Jizchak Elchanans tragenden Rabbinerseminars. Nathan Lamport stiftete größere Summen für jüdische religiöse und Wohlfahrtszwecke und war in der Arbeit für den P a 1 ä s t i n a - A 1! f b a 11 aktiv tätig. Seine beiden Sohne, Samuel Charles Lamport und A. Matthe® Lamport, sind im jüdischen sozialen Leben und im Palästina-Werk hervorragend tätig. Warschau, 15. August (J. T. A.) Im Alter von 85 Jahren verstarb in Warschau der bekannte Gelehrte Chaim Jecbiel Bor ns t ei 11. Der Verstorbene arbeitete sein Leben lang auf verschiedenen Gebieten der jüdischen Wissenschaft und Literatur. Er veröffentlichte vielbeachtete Werke über Astronomie und jüdische Kalenderberechnung. Er übersetzte auch klassische Werke aus der internationalen Literatur ins Hebräische. Schalom Schwarzbart veröffentlicht einen Aufruf an alle einstigen jüdischen Kriegsteilnehmer in allen Ländern, sich zu einer Weltorganisation zusammenzuschließen zum Schutze der angegriffenen Ehre des Judentums und zur Abwehr aiitijürtischer Anschläge.. ,. . . ».«.•. .. ■ .,1׳...׳. •״ Die Jerusalemer Loge des Unabhängigen Ofdens Bnei Brith beging am 30. Juli das Jubiläum ihres 40jährigen Be- Standes. (Die Jerusalemer Bnei Brith-Loge hat 1892 durch die Begründung einer öffentlichen jüdischen Bibliothek den Grundstein zu der Jüdischen Nationai-Bibliothek, die jetzt einen Teil der Hebräischen Universität bildet, gelegt.) Die Z. V. f. D. und die Verfassungsfeier. Die Zionistische Vereinigung für Deutschland war unter den anderen jüdischen Organisationen zu der von der Reichsregierung, der Preußischen Staatsregierung und der Stadt Berlin in der Staatsoper am Platz cRr Republik veranstalteten Verfassungsfeier offiziell eingeladen; sie hat sich durch Dr. Kanowitz bei der Feier vertreten lassen. Ortsgruppen Bamberg. Nach längerer Pause veranstaltete die Zionistisch• Ortsgruppe am 15■ August einen internen, gut besuchten Vereinsabend, in dem Herr Franz Brüll ein Referat über die Jewish Agency hielt. Der Referent schilderte anschaulich und zusammenhängend die Entwicklung der Jewish Agoncy-Polilik von ihren Anfängen bis zur letzten A.-C.-Sitzung und besprach die Stellung der verschiedenen zionistischen Richtungen zu dem Bericht der Sachverständigon-Kommission. Der Referent betonte, daß gerade nach der Konstituierung der Jewish Agencv erhöhte zionistische Arbeit notwendig sei. Im Anschluß an das Referat wurde ein Arbeitsplan für die kommenden Monate aufgeslellt. Es wurden eine energische Durchführung der Rosch Haschanah-Aktion des K.K.L. und regelmäßige Referate über inncrzionistisclie Probleme vorgesehen. Der nächste Abend findet ain 23. August mit dem Thema : .,Zionisten im Gallith" statt. Bochum. Am Dienstag, dem 7. d. M., fand hier von der zionistischen Ortsgruppe im flenieindeziinmer, Wilhelmstr. 16, ein Herzt- Gedenkabend statt. Herr Julius Kaufmann, Düsseldorf, sprach über Theodor Herzls Leben und Wirken. Der .Abend war sehr gut besucht. Hagen. Am <). Juli fand hier eine Herzl-Gedenkfeicr statt (die gut besucht war). Nach dem von Herrn Kantor Neumann vorgetragenen ,,Eil Molei Raclimim" folgte die Gedenkrede, die Herr Dr. Renneber hielt. Anschließend wurde eine Sammlung für Herzl-Bäume vorgenommen. Zionistisches Meeting in Marienbad. Am 1,1. August fand hier im überfüllten Saale des Hotels Walhalla ein großes zionistisches Meeting statt, in dem die Herren David Y e I 1 i 11 , Vi/ebiirgermeister von Jerusalem, Jizchak G r ü n b a n m , Sejmdepulicrter Warschau und Alfred Berger, Berlin, über das Thema Jüdische Sorgen" sprachen. Als erster Redner schilderte Herr Griinbamn in jiddischer Sprache die Not der Juden in sozialer, wirtschaftlicher, kultureller und politischer Hinsicht speziell in Osteuropa. Do zweite Redner, Herr Berger, sprach über die .Notlage der jüdischen Angestellten und Arbeiter besonders in Deutschland. Er wies darauf hin, daß, während die Arbeiterschaft anderer Völker heule für höhere Entlohnung kämpft, die jüdischen Angestellten, die früher einen hohen Prozentsatz unter der Angestelltenschaft großer industrieller Werke einnahmen, heute kämpfen müssen um ihre Arbeitsplätze und daß heule in fast keinem großen industriellen Betrieb jüdische Arbeiter und Angestellte mehr unlergebracht werden können. Enter Hinweis auf den Aufbau Ercz-Israols ersuchte er um finanzielle Förderung des Palästinawerks. In der darauffolgenden Pause wurde eine Sammlung für den K.K.L. vorgenommen, die einige tausend Kronen brachte. Als letzter Redner sprach Herr Yellin in hebräischer Sprache über Ercz-Israel. Sein ausgezeichnetes Referat wurde von Herrn Dr. Landau ins Deutsche übertragen. Unsere zur Kur ir. Marienbild weilenden Freunde werden an dieser Stelle nochmals ersucht, die regelmäßig am Montag um 20 Ihr st all findenden zinnisiisehen Vbende im Hotel ..Walhalla" zu besuchen. Am 27. August findet voraussichtlich eilt zweites Meeting statt, bei dein L'übrcude /Cionisleu aus Palästina und Deutschland sprechen werden. Albert Salzer, Nürnberg,