Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 66 (21.8.1928)
- Date
- 1928-08-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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4 Mit UnterhaUungs-Beilage - - . 1 r 11 Einzelnummer 0,25 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Redaktion und Verlag Berlin W 15, Meinekestraße 10. Erscheint jeden Dienstag und Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldmark. AutlaadsaboftotmtiiU werden in der Wahrung der einzelnes Linder berechnet, Anzeigen -Verwaltung Jüdische Rundschau G.m.b. H., Berlin W15, Meinekestr. 10 Telephon: Amt Bismarck 7165—70. Telephon: Bismarck 7165—70. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392 Ffir Ocstarreieh: Poatsparktsieniint Wien, Konto Nr. 156030. Für Tschechoslowakei: Poitiparkassenamt Prag. Konto Nr, 59410, Ffir Polen; Peitsparkassenftntt Warschau, Konto Nr. 19010%, Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. Nummer 66 1 Berlin, 21. VIII. 1928 AttxelgenpretasSgiapaH.KonpareillexeÜeO.SOG.-M.StelleageneheO.tS G.-M. Anseigcnschlafi: Dienstag u!td Freitag aaehmittags 4 Uhr. ה׳ אלול׳ תרס״ח | xxxm. Jak-g. Der Zionismus erstrebt för «fas Jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm." Der zionistische Sozialismus in Brüssel Die liberale Weltkonferenz Die Konferenz des Weltverbandes für religiös-liberales Judentum begann Sonnabend, den 18. August mit einem Festgottesdienst in der Neuen Synagoge, Oranienburger Straße. Die Festpredigt hielt der Vorsitzende der Vereinigung liberaler Rabbiner in Deutschland, Dr. S e 1 i g m a n n aus Frankfurt, der auf die rein religiösen Aufgaben des Weltverbandes hinwies, denen er sich unter Ausschaltung aller jüdisch-politischen Fragen auf der gegenwärtigen Berliner Tagung widmen wolle. Um die Mittagszeit waren die Delegierten und Gäste der Konferenz zu einem Empfange im Kaiserhof versammelt. Der Vorstand der Berliner J ü - dischen Gemeinde hatte es sich diesmal nicht nehmen lassen, eine in Berlin von Delegierten aus verschiedenen Ländern beschickte Konferenz zu begrüßen. Die eigentliche Eröffnung fand um 8 Uhr abends im Plenarsaale des ehemaligen Herrenhauses statt. Der Andrang der Delegierten und Gäste aus dem Auslande und aus ganz Deutschland war außerordentlich groß. Mehr als tausend Personen in festlicher Kleidung füllten Saal und Galerien bis auf das letzte Plätzchen. Den Vorsitz auf dem Eröffnungsabend führte Claude Montefiore, eine soignierte, ehrfurchtgebietende Erscheinung, die von den Versammelten bejubelt wurde. Montefiore begrüßte die Vertreter der Reichs- und Staatsregierung, der Stadt Berlin, der Arbeitsgemeinschaft des Reichsverbandes der Deutschen Juden, des Landesverbandes Jüdischer Gemeinden in Preußen, der Jüdischen Gemeinde Berlin und aller eingeladenen Organisationen. Nach einem stehend angehörten Gebet des Rabbiners Blumenthal hielt Rechtsanwalt Heinrich Stern in englischer und deutscher Sprache eine" mit großem Beifall aufgenommene Begriißungsansprache, in der er insbesondere den Vorsitzenden Montefiore, der vor kurzem den siebzigsten Geburtstag begangen hatte, und Miß Lily M o n t a g u, die Ehrensekretärin des Welt verbandes, feierte. Heinrich Stern wies auf die Entwickfütrg dis' jfiiisöheit LöidralsMus "Ttiw, der’Vön' DeitsCi-!and ausgehend, in allen Ländern, wo Juden leben, Anhänger gewonnen habe. Nach einer Begrüßung des Regierungs- Vertreters überreichte Rabbiner Seligmann dem Vorsitzenden Montefiore eine zu dessen Ehren erschienene Sammlung von Aufsätzen. Claude Montefiore dankte für alle Begrüßungsansprachen, wobei er sich der deutschen Sprache, und zwar in meisterhafter Form, bediente. Hierauf folgten die Berichte aus den einzelnen Ländern. Es sprachen ein Vertreter Amerikas, Deutschlands, Englands, Frankreichs, Schwedens, Canadas, Polens usw. Den Delegierten und Teilnehmern überreichte das Bureau des Weltkongresses eine Mappe mit Materialien, in denen die Berichte; aus den einzelnen Ländern im Druck Vorlagen. Desgleichen enthielt diese Mappe Dispositionen der für die Tagung vorgesehenen Referate. Die Organisation der Konferenz macht einen sehr gelungenen Eindruck. Die Tatsache, daß sich auf der Konferenz Vertreter aus allen Ländern zusammenfanden, stellte das am stärksten ins Auge fallende Erlebnis dar. In den letzten Jahrzehnten ist es, nachdem der Zionistenkongreß in dieser Beziehung bahnbrechend gewesen ist, allgemein üblich geworden, daß sich Vertreter jüdischer Organisationen aus der gesamten Welt zusammenfinden. Jede derartige Begegnung der zerstreuten Glieder unsers Volkes zu gemeinsamen Beratungen ist ein Zeichen des alle jüdisch interessierten Juden im größeren oder geringeren Maße beherrschenden Strebens, die Gemeinschaft der Judenheit zu betonen und zu stärken. In dieser Hinsicht ist auch die gegenwärtig in Berlin tagende Weltkonferenz der liberalen Juden im Grunde eigentlich eine Manifestation jüdischer Einheit. Die Beratungen am Sonntag begannen mit einem Festgottesdieust in der Synagoge der Reformgcmeinde. Um 11 Uhr vormittags fand eine Plenarversammlung statt, in der Herr Leo Weil aus Pittsbourgh U. S. A. den Vorsitz führte. Das Generalreferat ״Die Botschaft des liberalen Judentums an den Juden von heute“ hielt Rabbiner Dr. Baeck. In Die Misrachi-Konferenz io Danzig Danzig, 16. August. (J.T. A.) Im Zusammenhang mit der Weltkonferenz des Misrachi, die am 19. August im Danziger Schützenhaus eröffnet wurde und die sowohl in jüdischen gesellschaftliehen als auch in diplomatischen Kreisen des Freistaates Danzig großes Interesse hervorruft, hat eine Abordnung des vorbereitenden Komitees der Misrachi-Weltkonferenz, bestehend aus Rabbiner Segalowitsch und dem Präsidenten der Danziger Zionistischen Organisation Dr. S e g a 11, dem Oberkommissar des Völkerbundes in Danzig, Van Hammel, einen Besuch abgestattet und mit ihm eine längere Unterhaltung über die Ziele des Misrachi und des Zionismus gepflogen. Es wurden die Fragen des Palästina-Mandates der zionistischen Aufbauarbeit in Palästina und der speziellen Misrachi-Aufgaben eingehend besprochen. Der Oberkommissar bezeugte für alle diese Fragen lebhaftes Interesse und erklärte zum Schluß, er werde den Verhandlungen der Weltkonferenz des Misrachi gern persönlieh beiwohnen. Danzig, 16. August. (J.T. A.) Der Weltkonferenz des Misrachi ging eine Konferenz der Misrachi-Jugend der verschiedenen Länder voran. Es nahmen an ihr mehr als 30 Delegierte aus Palästina, Polen, Galizien, England, Belgien, Griechenland, Deutschland usw. teil. Die Delegierten setzten sich aus einsfündiger, inhaltlich und oratorisch meisterhafter Rede entwickelte er seine Auffassung vom Sinn und der Aufgabe des religiösen Liberalismus. Auf diese bedeutungsvollen Ausführungen werden wir noch zurückkommen. Hierauf sprachen Claude Montefiore über die Bedeutung des liberalen Judentums für das religiöse Leben, sowie Dr. David Phillips o 11 n aus Cincinnati über religiöses Leben des Einzelnen und der Gemeinschaft und schließlich Rabbiner Dr. Lehmann, Prediger der jüdischen Reformgemeindc in Berlin, über den Einfluß des liberalen Judentums auf die soziale Arbeit. Montag Vormittag wurde unter dem Vorsitz von Justizrat Blau (Frankfurt) die Diskussion über die Referate durchgeführt. Bei Schluß des Blattes dauert die Konferenz noch an. * Die der Liberalen Konferenz gewidmete Nummer der ״J ü* dischen Rundschau“ hat in den Kreisen der Konferenz großes Interesse gefunden. Der Weltverband für Liberales Judentumiist in der Frage des Zionismus prinzipiell neutral, was eigentlich selbstverständlich ist, da es sich um eine rein religi- Ösen Zwecken dienende Organisation handelt, aber dennoch mit Rücksicht auf unsere deutschen Verhältnisse einer Erwähnung verdient, da in Deutschland bekanntlich zwar eine große Reihe der geistigen Führer des Liberalismus entweder im zionistischen Lager stehen oder dem Zionismus sympathisches Verständnis entgegenbringen, die Liberale O r g a n i - sation jedoch, die ״Vereinigung für das Liberale Judentum“, als jüdisch -politische Partei bezeichnet werden muß, und sich auch als solche antizionistisch gebärdet. Dementsprechend führt auch die ״Jüdisch-Liberale Zeitung“, das Organ der Liberalen Vereinigung, eine scharf-antizionistische Sprache. Diese rein lokale Angelegenheit kann uns natürlich nicht veranlassen, der Idee des religiösen Liberalismus als geistiger Erscheinung der jüdischen Geschichte nicht mit Voller Aufpobtiglmt -11*1.4.Ohf|kM»itit....g#^1riiher1׳(Ktehen. Vom Standpunfct des Liberalismus aus, sofern er wirklich eine 'reWgrose Richtung vertritt und nicht politisch Assimilation treibt, müßte der künstlich erzeugte Gegensatz zwischen Liberalen und Zionisten nur bedauert werden. Die Weltkonferenz hat sich prinzipiell mit Fragen, die dem engeren Interessengebiet des Zionismus angehören, nicht beschäftigt, doch hat der Vorsitzende der Sonntag-Sitzung, Dr. Weil (Pittsbourgh), in seiner Einleitungsrede mitgeteilt, daß eine Anzahl von Delegierten, die selbst zionistisch eingestellt sind, ihren Unwillen darüber geäußert haben, daß auf der Konferenz assimilatorisches Propagandamaterial (sc. der deutschen Liberalen) verteilt worden ist; daraufhin habe das Präsidium beschlossen seine Zustimmung zu geben, daß auch von zionistischer Seite Material verteilt wird, und zwar die ״Jüdische Rundschau“. Dadurch soll die Neutralität des Verbandes bekräftigt werden, die schon während der ersten Weltkonferenz von dem damaligen Vorsitzenden, Rabbi Dr. Mattuck feierlich proklamiert worden ist. Diese Erklärung des Vorsitzenden würde von Professor Ellbogen ins Deutsche übersetzt und fand allgemeinen Beifall. Leider hat sich später ein Zwischenfall ereignet, indem der Sekretär der Deutschen Vereinigung, Herr Goetz, die Verteilung der ״Jüdischen Rundschau“ zu verhindern suchte, was den energischen Protest insbesondere der englischen Delegation zur Folge hatte. Für uns in Deutschland ist es besonders interessant, zu sehen, daß auch diejenigen englischen Liberalen, die persönlich Antizionisten sind, es als unerträgliche Illoyalität betrachten würden, den Weltverband mit diesen ihren persönlichen Anschauungen zu belasten. Dieses Gefühl für fairness ist leider in Deutschland noch sehr mangelhaft ausgebildet. Am peinlichsten berührt die Tatsache, daß der Sekretär gegen den klaren Bescheid des Präsidenten der Liberalen Vereinigung gehandelt hat, da der Präsident, Rechtsanwalt Stern, als Mitglied des Präsidiums der Konferenz, seine Zustimmung zur Verteilung der ״Jüdischen Rundschau“ außerhalb des Saales gegeben hatte. Vertretern der Organisationen ״Hapoel Hamisrachi“, ״Zeire Misrachi“ und ״Hechaluz Hamisrachi“ zusammen. Die erste Sitzung der Misrachi-Jugendkonferenz war dem Andenken des in Palästina verstorbenen Misrachi-Führers Landau gewidmet. Gedenkreden hielten Rabbi Meir Berlin, Dr. Federbusch (Lemberg), Rabbi Jechiel Schapiro (Palästina), Gentchowski (Antwerpen), Grünberg (Warschau) und Rabbiner Gold (New York). Die Konferenz beschloß, eine neue Kolonie des Hapoel Hamisrachi in Palästina auf den Namen des Verstorbenen zu begründen. Die Sel.u!anionomie in Palästina Jerusalem, 15. August. (J.T.A.) Vertreter der Zionistischen Organisation, des Waad Leumi und der hebräischen Lehrerschaft besuchten den Leiter des Erziehungsdepartements der Regierung und gaben ihrer Forderung nach einer Umgestaltung der Erziehungsverordnung im Sinne einer Autonomie des jüdischen Schulwesens Ausdruck. Auch moslemitische und christliche Organisationen überreichten Memoranden mit Autonomie-Forderungen für ihre Schulen. Von Dr. M. Beilinson (Tcl-Awiw, dzt. Brüssel.) Juden saßen in der sozialistischen Internationale seit ihrer Begründung. Mehr noch — sic waren, von den ersten Augenblickeii an, die Mitbegründer und die geistigen Führer der internationalen sozialistischen Arbeiterbewegung. In den letzten Jahren scheint ihre Bedeutung etwas im Abnehmen zu sein. Das Wachstum des anglo-sächsischen Sozialismus, das Auftreten einer Reihe von kleinen Nationen scheint einen gewissen ״Entjudungsprozeß“ einzuleiten. Immerhin stehen auch heute — und gerade auf dem dritten Kongresse der Internationale ist dies ziemlich scharf zutage getreten — viele Juden in den ersten Reihen der sozialistischen Arbeiterbewegung. Die Sache hatte aber nichts mit dem jüdischen Volke zu tun. Das jüdische Volk war bis zum Kriege in der Arbeiterinternationale nicht vertreten. Man kann doch den ״Bund“ nicht als berufenen Repräsentanten der jüdischen nationalen und sozialen Volksbestrebungen ansehen, und übrigens hatte auch der ״Bund“ seine organisatorischen Schwierigkeiten (im Zusammenhang mit ״panrußländischen“ Tendenzen der russisehen Sozialdemokratie). Das Verdienst, die jüdische Fahne, unsere jüdische Fahne — und das heißt doch: die zionistische Fahne — in das Lager der für die soziale Gerechtigkeit Kämpfenden hineinzutragen, gebührt der jüdischen sozialistisehen Partei Poale Zion. Die Sache ging nicht einfach und glatt vor sich. Auch nach dem Zusammenbruch der II. Internationale, als diejenigen, die ihr treu zu bleiben versuchten und sich naturgemäß williger zeigten, jeden Gefährten aufzunehmen, waren große ideologische und organisatorische Schwierigkeiten zu überwinden. Ideologisch — denn manchen, vielleicht der Mehrheit der Sozialisten, die klassenkämpferisch und international eingestellt waren, schien doch diese Bewegung, die sich kolonisatorische und nationale Aufgaben gestellt hatte, in die Arbeiterinternationale schlecht zu passen, um so mehr als es sich um eine jüdische Bewegung handelte. Hatte denn die Arbeiterbewegung wenig Juden in ihren Reihen? Wissen diese Juden, ״unsere“ Juden, wollen sie etwas von diesen -pailMiitettsiWt« ׳ TliulBitif• •׳ ״nationaler Reaktion“ frei? lind sind «Jie Juden überiäupt ein Volk, das das Recht auf nationale Freiheit besitzt? Die Besten, die Theoretiker der Bewegung — ein Kautsky, ein Bauer — hatten diese Zweifel. Und dazu kamen die organisatorischen Schwierigkeiten. Ein Land kann in der Internationale vertreten sein, aber ein Volk, eine Organisation, die auf nationalem, extra-territorialem Prinzip aufgebaut ist und ihre Mitglieder in Rußland und in Oesterreich und in Amerika und auch in Palästina hat? ״Splitter-Verband“, wie tnan jetzt sagt, der die Einheit des Proletariats in jedem einzelnen Lande stört, der die Bewegung zu zerbröckeln droht. Ein vollständiges Novum, vielleicht auch eine bedenkliches Novum in einer Organisation, die auf dem Landesprinzip aufgebaut war, in der schwere — und bis zum Kriege unentschiedene — Kämpfe darüber geführt wurden, ob z. B. der tschechische Arbeiter das Recht auf eigene Vertretung hat. Deshalb ging die Sache nicht leicht und nicht einfach vor sich. 1916 wurde die Poale Zion zu einer Zusammenkunft von den ״neutralen“ Resten der II. Internationale, als ״Gastdelegierte“ eingeladcn. 1917 wurde sie, da die Saloniki- Organisation aufgelöst wurde und somit ein Halbplatz der türkischen Untersektion frei wurde, als solche eine Hälfte der türkischen Untersektion mit Zustimmung der zweiten, armenischen, Hälfte, anerkannt. 1921 sind sie in die Wiener Internationale eingetreten und haben am Hamburger Vereinigungskongresse (1923) als ״Palästina“ teilgenommen. Erst jetzt in Brüssel beteiligten sie sich in ihrer wahren organisatorischen Gestalt als Weltverband, der allerdings in Palästina seine stärkste und zentrale Truppe hat, aber ״Splitter“ in mehreren Ländern mit dichter jüdischer Bevölkerung besitzt, am internationalen Kongresse. Hand in Hand mit diesem organisatorischen Eindringen, das selbstverständlich nur durch unermüdliche Aufklärungsarbeit möglich wurde, ging der ideologische Fortschritt. Und der Brüsseler Kongreß zeigte, wie weit man gekommen ist. Das internationale Problem Palästina besitzt verschiedene Gesichter, und eines von diesen Gesichtern kann auch ״imperialistische Eroberung“, ״die Rechte der Eingeborenen auf volle Unabhängigkeit“ usw. heißen. Wir haben uns immer dagegen gesträubt, Palästina als eine englische Kolonie betrachten zu lassen, indem wir behaupteten, daß ein eigenartiges Schicksal diesem Lande auferlegt ist יdas Schicksal, die jüdische Heimstätte in sich zu bergen —- und daß deshalb das Problem eine eigenartige Behandlung verlangt, welche sich mit Begriffen wie ״Imperialismus" und ״Eingeborenenbefreiung“ nicht deckt. Eine dogmatische Anwendung von sozialistischen und demokratischen Grundsätzen in diesem Lande könnte mit der größten Ungerechtigkeit dem jüdischen Volke gegenüber verbunden sein, und da für einen Sozialisten der Sozialismus der Inbegriff der Gerechtigkeit ist, war das sozialistische Gewissen —dieser Forderung der eigenartigen, einzig dastehenden Palästinapolitik gegenüber — vollständig ruhig. Lange Zeit hindurch schien es aber ausgeschlossen, den ganzen Komplex vor der sozialistischen Internationale auseinanderzusetzen — gibt es doch auch viele Juden, die ihn nicht begreifen können oder wollen? Manchen schien es deshalb ratsamer, wenn schon die sozialistischen Zionisten in der Internationale sitzen, daß sie sich ״still“ verhalten und lieber das Palästinaproblem verschweigen sollten als eine klare und bindende Antwort zu verlangen. Es ist sehr fraglich, wie lange man diese Vogel-Strauß-Politik treiben könnte,