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Jüdische Rundschau · 1928-08-10 · Heft 63 (10.8.1928) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 63 (10.8.1928)
Date
1928-08-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Einzelnummer 0,25 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Redaktion und Verlag Berlin W 15, MeiaekeatraBe 10. Erachtint jeden Dienetag und Freitag. Bemgapreia bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldmark. AailindtahonncmuU ward«■ In dar Wikraa! dar ainzalnan Linder bartelmet Nummer 63 | Berlin, 10. VW. 1928 Anzeigen -Verwaltung Jidieche Rundachaa G.m. b. H., Berlin W15.Meinekestr.10 Telephon: Amt Bismarck 7165—70. Aasatf anprai«! S gaapaitNonparailleiaile 0,50 G.-M. StaHaagerachaO.15 G.-M. Anaatgaaaeilal! Dlanata! und Freitag nachmittag• 4 Uhr. Telephon: Bismarck 7165—70. Pottacheekkonto: Berlin Nr. 17392 Für Oaatarrcich 1 Poitaparkaaienacnt Wien, Konto Nr. 156030, Für Tachechoilowakei: Poataparkaiamamt Frag, Konto Nr, 50410. F#r Polen: PotUparkaaienamt Warachan, Konto Nr. 190708. RedaktionsschluQ Sonntag und Mittwoch nachmittag. per «oBlamua eralrebt für das jücHeche Volk die Schaffung einer gffawtlich - rechtlich geiUhwlM Heitwatatie In PaMitliu. ״Bawler Programm.«« internationale und Palästina Von der Brüsseler Sozialistenkonferenz Streit um eine spezielle Palästina* 19. bis 22. August 1928 Brüssel, 7. August. (J.T.A.) Auf dem gegenwärtig in Brüssel tagenden Kongreß der Zweiten Internationale der Arbeiterschaft kam es bei der Beratung des auf Anregung von Emile Vandervelde und der Poale Zion gestellten Anträges auf Errichtung einer speziellen Palästina-Kommission der Arbeiter-Internationale zu einem erregten Meimmgsaustausch zwischen den prominentesten Führern der Arbeiterschaft. G e g e n die Errichtung der Palästina-Kommission wandten sich besonders sozialistische Führer, die jüdischer Abstammung sind. Der Führer der österreichischen Arbeiterschaft und Mitglied des Präsidiums der Internationale, Dr. Friedrich 1 Adler, griff sehr heftig die Führer der Poale Zion an und I erhob gegen sie den Vorwurf, daß sie — indem sie sich 1 bemühen, das palästinensische Problem dem Kreis der Probleme der Arbeiter-Internationale anzugliedern — die internationale Arbeiterbewegung hemmen und ein Chaos in die Bewegung der jüdischen Arbeiterschaft bringen. Der bekannte österreichische sozialistische Theoretiker Otto Bauer und der Führer der Russischen Sozialdemokratischen Partei (Mensche, wiki), Abramowitsch, unterstützten Adlers Opposition gegen die Einsetzung einer Palästina-Kommission. Der Führer der britischen Arbeiterschaft und frühere Minister Henderson setzte sich mit großer Wärme für eine spezielle Palästina-Arbeit der Zweiten Internationale zwecks Förderung der Aufbauarbeit der jüdischen Arbeiterschaft ein und wies die Kritik von Adler, Bauer und Abramowitsch zurück. Er drohte mit der Niederlegung der Präsidentschaft der Internationale, wenn die Palästina-Arbeit aus dem Programm der Internationale ausgeschaltet werden bzw. eine solche Arbeit einem Sozialisten verwelwt sein sollte. Misrachi«Weli~K011fere11z in Danzig 19. bis 22. August 1928 Das Büro der Misrachi-Weit-Konferenz ist in Danzig zur Vorbereitung der Konferenz eröffnet worden. In Danzig wurden verschiedene Kommissionen aus einflußreichen Persönlichkeiten der dortigen und der Zoppoter jüdischen Oemeinde zwecks Empfang der erwarteten Gäste und Ausgestaltung der Konferenz gebildet. Dem Hauptausschuß gehören u. a. an: Rabbiner Sagalowitsch, Danzig, Rabbiner Chain, Zoppot, der Vorsitzende der Danziger Gemeinde, Justizrat Fabian, der Direktor der Danziger Filiale der Disconto-Geselischaft, Herr Heidenfeld, Dr. Segall, Danzig, die aktiven Anteil an den vorbereitenden Arbeiten nehmen. Die Konferenz wird in den großen Räumlichkeiten des Schützenhauses in Danzig abgehalten werden, woselbst auch für die Zeitdauer derselben ein Koscher-Restaurant für die Delegierten und Gäste eingerichtet wird. Die feierliche Eröffnungssitzung wird am 19. August, abends um 7y» Uhr, im großen Saal des Schützenhauses als öffentliche Sitzung stattfinden; zu ihr sind die Danziger Behörden, die Konsulate sowie die Gemeinde und Synagogen Danzigs eingeladen. — Die übrigen Sitzungen, die der kommenden Arbeit des Misrachi gewidmet sind, werden nicht öffentlichen Charakter tragen, bis auf die Schluß- Sitzung, zu der Eintrittskarten in beschränkter Anzahl ausgegeben werden. Am zweiten Tag der Konferenz wird in einer Danziger Synagoge eine öffentliche Gedenkfeier für das verstorbene Mitglied des Merkas in Jerusalem, Raw S. Ch. Landau s. A. abgehalten werden. Die Tagesordnung der Konferenz lautet: Sonntag, den 19. August, abends 7ys Uhr, öffentliche Eröffnungssitzung: Eröffnung der Konferenz, Begrüßungen durch Vertreter von Behörden und Gemeinden, Eröffnungsansprache, Wahl des Präsidiums. (i. Sitzung, Montag, den 20. August, 9 Uhr vormittags; Bericht der Misrachi-Welt-Zentrale, Aussprache über den Bericht, Wahl des Permanenzausschusses. 1. Sitzung, nachmittags 3 Uhr; Fortsetzung der Aussprache, Vorschläge des Permanenzausschusses zur Wahl anderer Kommissionen. 7 Uhr abends in der Synagoge von Mattenbuden Gedenkfeier zu Ehren des verstorbenen Mitglieds der Welt-Zentrale, Raw S. Ch. Landaus. A. IV. Sitzung, 9 Uhr abends; Referat über Organisations- und Propagandaarbeit; Ausspräche. V. Sitzung, Dienstag, den 21. August, vorm. 9 Uhr; Referat über Erziehungswesen des Misrachi in Erez-Israei, Referat über die Finanzinstitutionen, Referat über K o i 0 n i s a t i 0׳ n. 3 Uhr nachmittags, Sitzung der Kommissionen. /I. Sitzung, Mittwoch, den 22. August, 9 Uhr vorm.; Vorschläge der Kommissionen, Beschlüsse und Resolutionen. VII. Sitzung, 3 Uhr nachmittags; Fortsetzung der Vorschläge der Kommissionen, Beschlüsse und Resolutionen. Schließlich einigte man sich dahin, die Erörterung der Palästina-Frage vorläufig zu vertagen, bis die für Donnerstag, den 9. August, angesetzte spezielle Palästina-Konferenz der Führer der Internationale stattgefunden haben wird. Diese Palästina-Sonderkonferenz, der etwa 100 Führer der Zweiten Internationale beiwohnen werden, soll bekanntlich über Mittel und Wege beraten, wie das jüdische Arbeiterwerk in Palästina an Ort und Stelle, und wie die Idee des Jüdischen Nationalheims auf internationalem Boden zu fördem sei. * Die Sitzung der Internationale beschäftigte sich u. a. auch noch mit den Problemen des polnischen und des jüdischen Sozialismus in Polen. Der Führer der jüdischen sozialistischen Partei ״Bund“, Dr. Kruk , führte Klage gegen die Führer der polnischen Sozialisten, die es zulassen, daß der Antisemitismus unter der polnischen Arbeiterschaft und sogar unter der Führerschaft überhandnehme. Als Beispiel führte er die 1. Mai-Konflikte der letzten Jahre an, wo die polnischen Sozialisten sich weigerten, zusammen mit den jüdischen Arbeitern zu demonstrieren und diese jüdische Arbeiterschaft ihrem Schicksal überließen, als sie einerseits von der Polizei, andererseits von den Kommunisten angegriffen und brutal mißhandelt wurde. Der polnische Sozialist Niedzialkowski erwiderte auf die Anklagen von Dr. Kruk und beteuerte, daß die Führer der polnischen Sozialisten die Schaffung engerer Beziehungen zum ״Bund“ erstreben. Der Kongreß der Internationale nahm schließlich die von Dr. Krug unterbreitete Resolution an, wonach in Polen eine einheitliche sozialistische Partei, die die Arbeiterschaft aller in diesem Lande wohnenden Nationen einschließt, also eine Einheit des arbeitenden Polen, bi schaffen sei. Oeffentliche Schlußsitzung, abends 7 Uhr; Vorlage des Budgets, Wahlen zum Merkas und Waad Haroschi, Feierliche Schließung der Weltkonferenz. Der Prager ffldtsche Friedbo! Die durch das tschechoslowakische Pressebüro vor kurzem verbreitete Nachricht, daß der weltberühmte Prager Judenfriedhof in Verbindung mit dem Assanierungswerk der Stadt Prag verschwinden muß, da die Denkmalskommission ihn nicht in den Denkmalsschutz mit einbezogen hat, entspricht nicht den Tatsachen. Die Stadtregulieningskommission hat in dem der Oeffentiichkeit übergebenen Dekret einen Auslassungsfehler begangen, der, wie verlautet, Inzwischen gut gemacht wurde. Der Friedhof steht danach unter Denkmalsschütz und wird erhalten bleiben (woran wir nich«‘ gezweifelt haben, wie wir bereits in unserer Nummer 61 bei der ersten Besprechung der aufgebauschten Alarmnachrichten festgestellt haben. — A. d. R.) Ban einer Petroleum-Raffinerie ln Haifa? Nach einer Meldung aus Haifa will die Royal Dutch, nachdem der projektierte Ausbau des Hafens durchgeführt werden soll, dort eine große Petroleum-Raffinerie errichten. Die Gesellschaft hat bereits umfangreiches Gelände in unmittelbarer Nähe des Hafens angekauft. ״B. Z. am Mittag“ schreibt dazu: ״Für den Royal Dutch wird es sich darum handeln, in Haifa Mossul-Petroleum zu verarbeiten. Voraussetzung hierfür ist der Bau einer Röhrenleitung vom Mossulgebiet bis zum Hafen, von einer Länge von etwa 500 bis 600 Kilometer. Die Franzosen, die auf die Mossul-Konzessionen große Pläne setzten, werden durch den Beschluß der Royal Dutch in den Hintergrund gedrängt.“ Am Sonntagmorgen 5 Uhr 45 Minuten wurde in J e r u - salem ein leichtes Erdbeben verspürt. Es entstand keinerlei Schaden, die Bevölkerung ist ruhig. Anläßlich der welihonierenz iup das liberale Judentum die vom 18.—21. d. M. in Berlin stailiindet, erscheint am 17. d. M. eine Doppelmammer der ״J&dischen Rundschau“, die dem Thema ״Jüdischer Liberalismus und jüdische Nationalbewegung" gewidmet ist. Die Dienstag-Nummer vom 14. d. M. fä 111 ans. Palästina und die Aa-C.-Sitzung Von unserem Korrespondenten. AG. Tel-Awiw, den 2. August 1928. Die letzten zwei Wochen waren für Palästina eine Zeit, in der man sozusagen von Telegrammen lebte. Es gibt jedes Jahr die ״tote Saison“ im Lande, wo die führenden Leute des Jischuw im Auslande sind, auf den Kongressen oder Jahreskonferenzen oder A.-C.-Sitzungen. Und in diesen Wochen, wo der Schwerpunkt des Interesses aus dem Lande verlegt ist, verlieren alle lokalen Ereignisse an Interesse und Spannung, und die Berichte aus dem Ausland werden mit Begierde erwartet. Dieses Jahr war jedoch diese alte Erscheiming sehr viel ausgeprägter als sonst. Denn die Entscheidüng über die Rektifizierung des Agency-Berichtes hat mehr innerste Anteilnahme erweckt und mehr Hoffnungen und Aengste entstehen lassen, als die größte ״Kongreß-Sensation“. Die meisten Menschen im Lande haben von der A.-C.- Sitzung in Berlin einen Wendepunkt erwartet. Ein Teil zum Guten, ein Teil zum Bösen. Fast alle aber glaubten an eine Entscheidung, die in Berlin fallen sollte. Daß dem so war, beruhte zu einem großen Teil darauf, daß man den Bericht der Expertenkommission allgemein als ein ״Ultimatum“ einer feindlichen Partei hinstellte und vom Aktions-Comite daher seine ״Annahme“ oder seine ״Ablehnung“ erwartete. Die täglichen Telegramme der Tagesblätter wurden mit ungewöhnlicher Spannung erwartet und mit dem in Palästina üblichen Eifer diskutiert. Und es gab um so mehr Stoff zu Diskussionen, als jeder Tag neben den telegraphischen Mitteilungen über die Sitzungen auch Absätze aus dem Berieht der Kommission brachte, so daß die breitere Oeffentlichkeit nach und nach in den Stand gesetzt wurde, auf Grund des Materials über den wirklichen Inhalt des Berichtes sich ein Bild zu machen. Bei der Veröffentlichung verschiedener Teile des Berichtes hat der ״Dawar“, getreu der ablehnenden Haltung der Arbeiterparteien, besonderes Gewicht auf die Stellen des Berichtes gelegt, die geeignet waren, die Gegner- Schaft der Arbeiter zu verstärken, sowohl durch die Auswahl des Stoffes wie durch die beigegebenen Uebersehriften. Im allgemeinen muß man beklag«!, daß bis in die Tage der A.-C.- Sfauiig keine Möglichkeit war, den Originalbericht in Ruhe durchzuarbeiten. Erst nachdem die Verhandlungen in Berlin begonnen hatten, gelangte der Bericht in einigen Exemplaren nach Palästina. Es darf behauptet werden, daß diese Unmöglichkeit, den Bericht zu studieren, viel dazu beigetragen hat, eine objektive Beurteilung der Sachlage zu verhindern. Es ist durchaus möglich, daß die Dinge überlegter und ruhiger aufgenommen worden wären, hätte man weiteren Kreisen vor der A.-C.-Sitzung die Möglichkeit einer Uebersicht über die Darstellung der Experten geben können. In der ״Masse“ Palästinas, bei dem ״man ln the Street“, ist das gesamte Problem, das auf der A.-C.-Sitzung zur Sprache kam, von der praktischen Seite angesehen worden. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die schwere Zeit der letzten Jahre in Palästina den Sinn für die tatsächliche Einschätzung der verschiedenen Möglichkeiten geschärft hat. Ideologie spielt in der täglichen Arbeit im Lande heute eine viel geringere Rolle als noch vor vier Jahren. Man kann das beklagen oder nicht, jedenfalls ist es so. Und es war daher nicht überraschend, daß eben der ״man in the Street“ die Agency-Frage praktisch wertete, die bevorstehenden Aenderungen als eine Möglichkeit zur Erleichterung der wirtschaftlichen Situation betrachtete. Gerade dieser Standpunkt jedoch kam in den politischen Diskussionen nicht zu seinem gebührenden Ausdruck. Denn diese Diskussionen standen, soweit sie in der Oeffentiichkeit stattfanden, im Zeichen der Parteien, sahen also ähnlich aus wie die Verhandlungen in Berlin. Es ist jedoch sicher, daß die Parteien nicht mehr die entscheidende Rolle im Lande spielen wie früher und daher kein genaues Bild der Meinungen des lebenden und arbeitenden Palästina liefern. Vom Gesichtspunkt der praktischen Arbeit im Lande hofft man, daß die Agency nun ohne weitere Schwierigkeiten mit Beschleunigung Zustandekommen wird. Man wünscht keine neuen Erschwerungen der Verhandlungen von zionistischer Seite und keine weitere Verschleppung. Freilich weiß man noch nicht recht, wie man die Berliner Beschlüsse zu verstehen hat, und manche fürchten, daß sie erschwerend wirken könnten. Dieser Standpunkt der ״stummen“ Masse Palästinas kommt aber in der Presse kaum zum Ausdruck, da man dort die Dinge meist unter parteipolitischem Gesichtswinkel sieht und darstellt Unter der Arbeiterschaft, soweit ihre Meinung bisher ausgesprochen wurde, besteht die Neigung, den Verlauf der Tagung als einen großen Sieg der Linken hinzustelien. ״Weizmann und viele seiner Anhänger, die auf die entschlossene geeinte Gegnerschaft der gesamten Arbeiterschaft und die Gefahr eines schweren Kampfes im zionistischen Lager stießen, wichen zurück.... die Arbeiterschaft rettete mit ihrer offenen und mutigen Gegnerschaft die Zionistische Organisation....“ Das ist der Tenor des ersten Artikels, in dem sich der ״Dawar“ mit der A.-C.-Sitzung beschäftigt. Der zweite Faktor, der die Wertung der Berliner Sitzung in Palästina beeinflussen muß, ist die B u d g e t f r a g e. Man hat zwar in Berlin einen Finanzplan akzeptiert, der keine Kürzungen befürchten läßt, wenn er eingehalten wird. Ob das aber möglich sein wird, kann man heute nicht sagen, und im Lande ist man gegenüber diesen Fragen recht skeptisch und vorsichtig geworden. Es gibt jedoch noch keine umfassende Würdigung der Berliner Verhandlungen in Palästina. Erst nach der Rückkehr der A.-C.-Mitglieder wird die eigentliehe Diskussion beginnen. Schon heute jedoch beginnt man sich von neuem auf die Arbeit hier zu konzentrieren. Und zwar mit dem Bewußtsein, "V *

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