Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 60 (31.7.1928)
- Date
- 1928-07-31
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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S.^4■' r>. Mit Unterhaltungs-Beilage Einzelnummer 0,25 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Redaktion und Verlag Berlin W 15, MeinekestraQe 10. Erscheint jeden Dienste{( und Freitag, Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldmark. Anelandiebonnemente werden in der Wibntnf der einzelnen Linder berechnet. Anzeigen -Verwaltung Jüdische Rundschau G.m.b.H., Berlin W15, Meinekcstr. 10 Telephon: Amt Bismarck 7165—70. Telephon; Bismarck 7165—70. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392 Für Oeeterreich: Poitiperkueeneoi Wien, Koeta Nr. 15*030. Für Tiebecboiiowekei: Poiteperkeiienemt Prag, Konto Nr. 59410• Für Polen:!'0,t1p«rk«11en»mt Warechtn, Konto Nr. 190708. Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. Nummer 60 | Berlin, 31. VII. 1928 AnsaiganprcitiSgaspaltN onpareillezeile 0,50 G,־M. Sielleogeiuche 0,25 G.-M, Anscige&schhiS: D i e n י t * £ und Freitag nachmittags 4 Uhr. י״ד מג׳ אב׳ חרס״ח | xxxrn. Jahrg. % Dar Zionismus erstrebt für das Jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstifte In Palästina. ״Basaler Programm.«« Große Mehrheit für Agency - Politik Die A.-C.~ Sitzung geht zu Ende — Eine Sacher-Krise Berlin, 30. Juli. Freitag.hatte das Aktions-Comite einen großen Tag. Mit überwältigender Mehrheit ist die von der politischen Kommission ausgearbeitete Resolution für die Weiterführung der Verhandlungen zur Erweiterung der Jewish Agency angenommen worden. Es verdient hervorgehoben zu werden, daß im Verlauf der letzten Jahre noch niemals ein so geschlossener Block für die Agency- Politik eingetreten ist. Nur die beiden Gruppen, die diese Politik seit Jahren prinzipiell ablehnen, nämlich Revisionisten und Radikale, haben auch gegen die Resolution gestimmt. So ergab sich das Verhältnis von 41 zu 4, eine mehr als zehnfache Mehrheit. ,, Leicht ist es nicht gewesen, dieses Resultat herbeizuführen. Durch den bekannten Bericht der Joint Survey Commission ist die zionistische Öffentlichkeit stark irritiert worden, weil man aus den ersten Vcröffentlichungen herauszulesen glaubte, daß hier Bedingungen des präsumtiven nichtzionistischen Teiles der künftigen Agency vorliegen, die sich gegen verschiedene Prinzipien der zionistischen Palästinaarbeit wenden. Man hatte den Eindruck, daß die Kommission über den Rahmen eines wirtschaftlichen Gutachtens hinaus Richtlinien der Pa- Iästina-Arbeit vorschreiben wollte, ohne die durch die besondere Lage unseres Volkes gegebenen Realitäten zu berücksichtigen. Der Aufbau des jüdischen Nationalheims in Palästina hat nur dann einen Sinn, wenn damit ein jüdischer Wert besonderer Art geschaffen wird; eine Betrachtungsweise, die lediglich kolonisatorische und wirtschaftliche Momente berücksichtigt, würde zu keihem praktischen Ergebnis führen. Darum war sich die große Mehrheit der zionistischen Welt darin einig, daß von zionistischer Seite zu dem. Berichte der Kommission eine Reihe von Bemerkungen zu machen sind, die darauf abzielen, die entscheidenden idealen und menschlichen Gesichtspunkte zu betonen und dadurch erst die Grundläge für die Anwendung der wirtschaftlichen Anregungen der Kommission zu schaffen. Die Formulierung dieser Vorbehalte, die zugleich Direktiven für die Exekutive bei ihren weiteren Verhandlungen sind, hat das A.-C. eine Woche lang in Anspruch genommen. Die in der politischen Kommission gegebenen Informationen hatten das Ergebnis, daß die große Bedcutung der in dem Bericht zutage tretenden Annäherung der Nichtzionisten an den Palästina-Gedanken allseits gewürdigt wurde. Und auch innerhalb der zionistischen Bewegung wurde durch diese Aussprache eine Atmo- Sphäre geschaffen, die von günstiger Vorbedeutung für die künftigen Verhandlungen ist. Die Resolution bringt zum Ausdruck, daß es der Wunsch der Zionistisehen Organisation ist, die Agency so schnell wie möglich zustandezubringen. Dr. Weizmann hat nun eine unbezweifelbare Vollmacht für seine weitere Arbeit. Im Zionismus ist eine gemeinsame Front geschaffen, die hoffen läßt, daß die Bewegung aus der durch die Aufnahme des Agency- Berichtes entstandenen Krise gestärkt hervorgeht. Leider scheint es das Schicksal unserer Tagungen zu sein, daß auch nach erzieltem günstigen Resultat das gute Gefühl der Teilnehmer und der zionistischen Öffentlichkeit durch neue Verwicklungen getrübt wird. Nachdem die Agency-Frage geregelt war, trat eine andere Streitfrage in den Vordergrund. Die Arbeiter- Parteien waren zu der Sitzung mit dem Entschluß gekommen, die Palästina-Exekutive und vor allem den Leiter der kolonisatorischen und wirtschaftlichen Ressorts, Sacher, zu stürzen. Da die Gesamt-Exekutive sich mit Sacher solidarisch erklärte, führten die eingebraehten Mißtrauensanträge zu einer neuen Krise, Die Frage, ob das A.-C. zur Abberufung eines einzelnen Exekutivmitgliedes überhaupt berechtigt ist, wurde von den Kongreß-Juristen stark angezweifelt; die Antragsteiler jedoch wollten auf ihr Mißtrauensvotum nicht verzichten und brachten es in der Form einer von 22 A.-C.-Mifgliedern unterschriebenen Deklaration zur Kenntnis. Darauf erklärte Sacher seinen Rücktritt, und die Gesamt-Exekutive, entsprechend ihrer vorher abgegebenen Erklärung, folgte ihm. Das A.-C. blieb in Ratlosigkeit zurück und suchte nach einer Lösung. Zwei Nächte und der ganze Sonntag verstrichen mit fortgesetzten Lösungsversuchen. Die Exekutive forderte, daß die 22 Deklaranten eine neue Leitung bilden. Die Poale Zion nahmen den Auftrag vom Präsidenten des A.-C. entgegen, mußten jedoch Sonntag in später Nachtstunde erklären, daß sie nicht imstande sind, eine Exekutive zu bilden. Darauf wurde der Antrag eingebracht, die alte Exekutive solle im Amt verbleiben; die Forderung der Exekutive, daß auch zumindest ein Teil der Deklaranten für diesen Antrag stimmen müsse, wurde durch das Entgegenkommen des Misrachi erfüllt, der durch diese Tat die Situation gerettet und bewiesen hat, daß er die Gesamtinteressen des Zionismus über Gruppeninteressen zu stellen weiß. Die beiden Arbeiter- Parteien enthielten sich der Stimme. Die Exekutive — natürlich einschließlich Sacher — bleibt also im Amt. Bei Beurteilung dieses Zwischenfalls, der noch einer ausführlicheren Erörterung bedürfen wird, muß man berücksichtigen, daß für alle Gruppen und beteiligten Faktoren eine objektiv äußerst komplizierte Situation geschaffen war, deren Entwirrung ohne Schwierigkeiten nicht erfolgen konnte. Die A.-C.-Sitzung, die an die Kräfte und Nerven aller Teilnehmer außerordentliche Anforderungen stellte, dürfte Montag abend beendet werden, während diese Zeilen in Druck gehen. Sie konnte nicht ihre ganze Tagesordnung erledigen, vor allem die Budgetfestsetzung ist diesmal zu kurz gekommen. Aber das wichtigste Ergebnis, die Agcncy-Rcsolution, wird für die nächste zionistische Arbeit von großer Bedeutung bleiben. * ׳׳ Die Agency-Resolution Die in der Sitzung des A.-C. vom 27. d. M. nachm, mit 41 : 4 Stimmen angenommene Resolution zur Frage der Jewish Agency lautet: A. Das Aktions-Comitö der Zbnidhchen Organisation drückt den Mitgliedern der Joint Pafestine Survey Kornmission für die von ihnen geleistete wertvolle Arbeit seinen besonderen Dank aus und begrüßt den im Bericht zum Ausdruck gekommenen Wunsch zur Zusammenarbeit aller Kreise des jüdischen Volkes beim Aufbau des jüdischen nationalen Heimes in Palästina in der Erwartung, daß eine solche Zusammenarbeit zu der erwünschten Beschleunigung und Stärkung des palästinensischen Aufbauwerkes führen wird. Das A.-C. konstatiert mit Befriedigung, daß die Kommission, in Uebereinstimmung mit der Stellungnähme der Zionistischen Organisation, eine Reihe von politischen Forderungen aufgestellt hat, die sich auf die Verpflichtung der palästinensischen Administration und der Mandatarmacht beziehen, für die Schaffung solcher administrativer und wirtschaftlicher Bedingungen im Lande Sorge zu tragen, die die Errichtung des jüdischen nationalen Heimes sicherstellen. B. Im Hinblick auf die wirtschaftiichen Empfehlungen der Kommission erklärt das A.-C,, daß der Bericht in einigen wesentlichen Punkten der Notwendigkeit, gewisse wirtschaftliche Methoden mit den spezifischen Aufgaben und Bedingungen der Aufbauarbeit ln Pa- Iästina in Uebereinstimmung zu bringen, nicht hinreichend Rechnung trägt. 1. Die Zionistische Organisation anerkennt den K. K. L. als alleiniges Instrument der Bodenpolitik in Palästina. Demgemäß und entsprechend dem von den zionistischen Kongressen wiederholt festgestellten Prinzio der Auslösung des Bodens als Volksbesitz müssen alle aus öffentlichen Geldern der Jewish Agency zu erwerbenden Ländereien ins Gemeineigentum des jiidischen Volkes übergehen und allen Prinzipien des K. K. L., was Eigentum der Böden und ihre Vergebung an die Siedler betrifft, unterworfen werden. Um die Integrität des K. K. L. zu wahren, soll der Erwerb von Böden aus zwei verschiedenen Fonds ausgeschlossen sein. Die Zionistische Organisation hat stets auch den privaten Bodenerwerb und die Förderung der Ansiedlung von Siedlern mit eigenen Mitteln als wichtjg anerkannt. Ein diesem Zwecke dienendes Institut soll indes nicht laufend aus öffentlichen Mitteln unterhalten, sondern lediglich durch einmalige finanzielle Maßnahmen aktionsfähig gemacht werden. 2. Das A.-C. verweist auf das der zionistischen Kolonisationsarbeit zugrunde gelegte Prinzip der Freiheit des Siedlers in der Bestimmung der sozialen Form seiner Wirtschaft und erklärt demgemäß, daß auch in Zukunft den Siedlern das Recht gewahrt werden muß, ihre Wirtschaftsform — Kwuzah, Moschaw oder andere Siedlungsform — zu wählen, wobei verstanden wird, daß jede Siedlungsform den Erfordernissen der Wirtschaftlichkeit und der Möglichkeit ökonomischer Selbsterhaltung genügen muß. ק מ n 3. Gemäß den Kongreßbeschlüssen betreffend dauernde Verstärkung der Einwanderung erklärt das A.-C. als wesentlich, daß die jüdische Einwanderung nach Palästina sowohl durch die Jewish Agency als auch durch die palästinensische Administration verstärkt und gefördert wird, und daß Arbeiter-Einwanderer ebenso wie Einwanderer mit eigenen Mitteln die erforderlichen Möglichkeiten erhalten, ins Land zu kommen und sich dort niederzulassen. 4. Das A.-C. erklärt, daß in allen von der Jewish Agency durchgeführten oder geförderten Arbeiten und Unternehmungen der Grundsatz der jüdischen Arbeit gewahrt bleiben muß. 5. Die genaue Formulierung dieser auf die Sicherung der hebräischen Sprache sich beziehenden Resolution erfolgt später. Das A.-C. erklärt demgemäß, daß die Anerkennung der in den vorstehenden fünf Vorschlägen niedergelegten Grundsätze der jüdischen Arbeit, der hebräischen Sprache, des nationalen Bodens, des Selbstbestimmungsrechtes der Siedler und der ständig wachsenden Einwände..; ,g unabänderliche Grundlage für die Errichtung der Agency und für die Aufstellung ihres Arbeitsplanes ist. Indem das A.-C. auf die vorstehenden Punkte besondere Aufmerksamkeit lenkt, erklärt es, daß der Berieht der Kommission in seinen allgemeinen Umrissen von wesentlicher Bedeutung für die Aufstellung eines Arbeitsprogramms der Jewish Agency ist. Der von der Kommission erwogene Plan der Errichtung eines Instituts für Industrie-Pflanzungs- und Handelskredite mit einem Kapital von 750000 bis 1 Million Pfund sollte mit möglichster Beschleunigung durchgeführt werden. C. Das A.-C. beschließt, daß unter Fortsetzung der begonnenen Verhandlungen zur Erweiterung der Jewish Agency gemäß den Beschlüssen des XIV. und XV. Kongrosses und den vorstehenden Resolutionen unverzüg- Hch die erforderlichen Schritte unternommen werden sollen. Die Exekutive wird aufgefordert, die Verband- Jungen mit den jüdischen Gemeinschaften der verschiedenen Länder energisch fortzusetzen und sobald wie möglich zum Abschluß zu bringen. ♦ Ueber die Vorgeschichte der Agency- Ab- Stimmung und die Verhandlungen der politischen Kommission des A.-C. berichtet die J.T. A.: Donnerstag, den 25. d. M., tagsüber bis spät in die Nacht hinein tagte die politische Kommission, um nach einem Ausweg aus der schwierigen Situation zu suchen. Am Abend erschien Dr. Weizmann in der Sitzung der Kommission und hielt eine Ansprache, die einen großen Eindruck auf die Mehrheit der Kommissionsmitgticdcr machte und eine Besserung der Lage anzukündigen schien. Dr. Weizmann erklärte mit Nachdruck, daß die Meinung, er sei anits- und arbeitsmüde, absolut grundlos sei; in! Gegenteil, er sei nach wie vor beherrscht von der heiligen Unruhe und beseelt von dem Drange, rastlos weiter zu arbeiten, um die gegenwärtige Stagnation in der Bewegung und in dem Aufbau Palästinas überwinden zu helfen. Allein er könne sich nicht mit einer unklaren Resolution begnügen, er wolle ein Dokument vor sich sehen, in welchem er unzweideutig einen Vertrauensausdruck sowie eine Ermutigung zu einer Aussicht versprechenden Fortführung der Verhandlungen mit den Nichtzionisten über die Erweiterung der Jewish Agency und der Palästina-Arbeit erblicken könne. Nach der Rede Weizinanns legten die Fraktionsführer den Standpunkt ihrer Fraktion dar. Es herrschte eine Atmosphäre der M ä fi i g 11 n g und der Vcrständnisbercitschaft. Auch die Erklärungen der Vertreter der Radikalen und der Revisionisten, die bei ihrem unentwegt oppositionellen Standpunkt verharren, waren in gemäßigten) Tone gehalten. Einzig die Haltung der Poale Zionisten (Aehduth Awodah), die zwar ihre Uebereinstimmung mit der vorliegenden Resolution erklärten, aber mit Nachdruck den Rücktritt Dr. Harry Sachers forderten, schien eine neue Krise anzukündigen. Im' allgemeinen aber war die Stimmung hoffnungsvoll. Nachdem zum Zwecke der Weilerfühnmg der Verhandhingen die zuerst für drei Uhr nachmittags und dann für zehn Uhr abends angesetzt gewesene Plenarsitzung abgesagt wurde, trat die politische Kommission am Aberul zusammen und tagte bis spät über Mitternacht hinaus. Auch an dieser Sitzung nahmen die Mitglieder der Exekutive und Dr. Weizmann sowie ferner die meisten Mitglieder des Aktions-Comitces teil, so daß man von einer geschlossenen Sitzung des A.-C.-Plcnums sprechen konnte. Dr. Weizmann ergriff abermals das Wort. Die A.-C.-Mitglieder glaubten, seinen Ausführungen entnehmen zu können, daß er sich mit dem Inhalt einer ihm vorgelegten Rcsolution einverstanden erkläre, wenn ihm auch manche Formtilierungen schwierig erscheinen. Demnach schien die Krise fast i; ־1; ' V'l; 's \ \ ־• '1' r