Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 54 (10.7.1928)
- Date
- 1928-07-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Mit Unierhaliungs-Beilage Einzelnummer 0,23 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Redaktion und Verlag Berlin W 15, Meinekaatrafie 10. Erscheint jeden Dienstag and Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, *ierteljthrlich 5,75 Goldmark- Aasltoditboonemmi(■ werden ig der Wlhranf der elerelnea Lieder bereehoet Nummer 54 | Berlin, 10. VII. 1928 Anzeigen •Verwaltung Jüdische Randachau G. m. b. H., Berlin W15, Meinekestr. 10 Telephon: Amt Bismarck 7165—70, Aaielgeapreis: 8 leepelLNeapareiileieile 0,J0 G.-M. S(eUeaIemeheO,28 G.-M. AsitlgaateMaBi Dlssatsg and Fr e il e ( o eebmlttefe 4 Uhr. Telephon: Bismarck 7165 —70. Postscheckkonto: Berlin Nr, 17392 Flr Oeiterrelcbs Paetnericeeeeeemt Wim, Koste Nr. IS60JO. F8r Tiabeckoilowekei! Posteserlrauessist Pref, Koste Nr. 98410. Flr Polen: Poitiperksseeaeat Wareebss, Konto Nr, 190708. RedaktionsschluQ Sonntag und Mittwoch nachmittag. סב תמוז, חרפ״ח | xxxin, j«hrg. par Zlonlamua aratrabt für da« JUdlath« ¥»111 dl« Schaffung alnar atf»ntli«l1 . rethtllcl» paalchartaw Malmatltta In Palästina. ,,Basalar Programm.*» Der neue High commissioner Das Colonial Office in London gibt bekannt, daß der König die Eraennang von Sir John Robert Chancellor, G. C. M. G., G. C.V.O., D. S. O., zum High Commissioner und Oberbefehlshaber von Palästina sowie High Commissioner für Transjordanien, anstelle des im Herbst ans dem Amte scheidenden Lord Plnmer bestätigt hat. Lt.-Colonel Sir John Robert Chancellor steht im 58. Lebensjahre. Seit 1923 ist er erster Gouverneur nnd Oberbefehlshaber von Süd-Rhodesien. 1890 trat er den Royal Engenoers bei, machte 1896 die Dongola-Expedition, 1897-98 die Tirah- Expedition mit. Er zeichnete sich in den Kämpfen aas, wurde in mehreren Telegrammen erwähnt and mit Orden ausgezeichnet. Er wurde dann Stabskapitän des Nachrichten-Amtes des Kiiegsministerinms, dann Assistent Secretary beim Komitee für Reichsverteidigung, dann Sekretär beim Colonial Deience Committee, 1911 Gouverneur nnd Oberbefehlshaber von Mauritius, 1916 von Trinidad. Schneller als erwartet ist die Ernennung des neuen Ober* kommissärs für Palästina erfolgt. Die in der vorigen Nummer unserer Zeitung wiedergegebene Meldung der J. T. A. spricht von ״Sir John Robert“, da offenbar infolge eines Uebermittlungsfehlers der Zuname des Designaten weggelassen wurde. Alle Vermutungen, die in den letzten Monaten in der jüdischen und arabischen Presse Palästinas aufgetaucht sind, (und von uns als bloße Kombinationen gar nicht wiedergegeben wurden) haben sich als falsch erwiesen. Der Name des neuen Oberkommissärs, der als ein äußerst tüchtiger Administrator geschildert wird, dessen Abgang, wie die ״Times“ feststellt, in Rhodesien sehr bedauert wurde, ist in jüdischen Kreisen ebenso unbekannt, wie es vor drei Jahren Lord Phtmer war. Es wird zweifellos Gelegenheit sein, den neuen Oberkommissär mit der Eigenart des zionistischen Problems bekanntzumachen. Er ist kein Politiker, sondern ein Beamter, der gewohnt Ist, die Intentionen und das Programm der Zentralregierung weisungsgemäß durchruführen. Palästina sieht sehr ungern Lord Plumer scheiden, der es verstanden hat, durch seine ruhige Sachlichkeit und sein warmes Verständnis für die Eigenart der palästinensischen Aufgabe sich in hohem Maße die Sympathie der Bevölkerung zu erwerben. Plumers Amtsführung fällt zusammen mit einer sehr schweren und kritischen Zeit des jüdischen Aufbauwerkes. Er hat dieses Werk und die Sache, der es dient, erst nach seiner Ernennung, im hohen Alter, kennengelernt, aber er zeigte bald großes Verständnis und Hilfsbereitschaft. Plumer erkannte, daß eine solche Unternehmung wie die jüdische Kolonisation Schwankungen ausgesetzt sein muß und daß die Regierung nicht dazu da ist, untätig zuzuschauen und Erfolge sowie Fehlschläge zu konstatieren, sondern aktiv einzugreifen und den Menschen, die das Land aufbauen wollen, zu helfen. Obwohl zugleich mit Plumer auch der zweithöchste Beamte, der Chefsekretär, gewechselt hat, ist anzunehmen, daß in der Kontinuität des eingeschlagenen Regierungskurses keine Aenderungen eintrelen werden. A 18U WK/ft IAI IMf CU 1»4>9L»%7 JT1L0 Die von der Exekutive im Einvernehmen mit dem Präsidium des Aktlons-Comites festgesetzte provisorische Tagesordnung der in Berlin am 19. d. M. beginnenden A.-C.-Sitzung lautet: 1. Bericht der Exekutive Uber die politische Situation. 2. Bericht der Exekutive über die Palästina-Arbeit (Kolonisation, Immigration, Arbeit, Erziehung, Gesundheitswesen). 3. Bericht der Exekutive über die Joint Palestine Survey- Commission (Agency-Commission). 4. Bericht über die Tätigkeit der Zentralinstitute: a) Jewish Colonial Trust, b) Keren Kajemeth Lejisrael, c) Keren Hajessod. 5. Bericht über Anleihefragen. 6. a) Alijah, b) Hachschafah. Die englischen Zionisten zum Agency-Beridit Am 8. d. M. fand in London die Jahreskonferenz der English _ Zionist Federation statt. Der Konferenz wurden eine Reihe von Resolutionen vorgelegt, unter denen für eine weitere Oeffentlichkeit besonders die Stellungnähme zum Bericht der Agency- Kommission interessant ist, weil daraus hervorgeht, daß auch dort die Anschauung besteht, es könne sich bei dem Bericht nicht um ein bedingungsloses Ja oder Nein handeln, sondern man könne zu dem sachlichen Vorschlag der Kommission auch Gegenvorschläge und Abänderungsanträge Einbringen. Die Resolutionen lauten: 1. Die Konferenz begrüßt die Schritte, die zur Durchführung der Beschlüsse des XIV. und XV. Zionistenkongresses betreffend Bildung einer erweiterten Jewish Agency eingeleitet worden sind. 2. Die Konferenz drückt ihre allgemeine Bcfriedigung mit dem Bericht der Joint Palestine Commission aus, da dieser den deutlichen Wunsch nach Zusammenarbeit aller Kreise des jüdischen Volkes beim Aufbau des Jüdischen Nationalheims erkennen läßt. Die Konferenz vertraut darauf, daß dies zu einer gesteigerten Teilnahme aller Juden und zu einem beschleunigten Tempo des jüdischen Wiederaufbaus in Palästina führen wird. 3. Die Konferenz nimmt mit Befriedigung die von der Konmission ausgesprochenen Meinungen über die zionistischen Leistungen in Palästina und die hoffnungsvollen Aussichten mrer Entwicklung zur Kenntnis und begrüßt die konstruktiven technischen Vorschläge, die von der Kommission auf Grund der Expertenberichte gemacht werden. 4. Die Konferenz schließt sich ferner den Ansichten der Kommission in bezug auf die Pflichten der Palästina-Regierung und Mandatarmacht an. 5. Die Konferenz wünscht jedoch die Aufmerksamkeit auf folgende Punkte zu lenken, die für die Interessen des Jüdischen Nationalheims lebenswichtig sind: 7. Beschlußfassung über das Budget (Palästina und London) für das Jahr 5589 (laut § 49 A des Org.-Stat.), 8. Organisation: a) Bericht der Exekutive über Organisation, b) Anträge betreffend Organisation, c) Vorschläge des Präsidiums des Aktions-Comites in bezug auf das Aktions- Comite. 9. Ersatzwahl eines Mitgliedes der Exekutive an Stelle des ausscheidenden Herrn Dr. M. D. E d e r. 10. Ergänzung des Direktoriums des K. K• L. 11. Ausführung des Kongreßbeschlusses betreffend das KontroUamt. 12. Antrag auf Uebertragung des Universitäts-Eigentums. 13. Behandlung der Beschlüsse des 15. Kongresses, die dem Aktions-Comitö zur Ausführung überwiesen worden sind. a) Es ist wesentlich, daß die jüdische Einwanderung nach Palästina vergrößert und sowohl von der Jewish Agency als auch von der Palästina-Regierung ermutigt wird. Den Ein- Wanderern, und zwar sowohl den Arbeitern als auch den Bemittelten, sollen die notwendigen Erleichterungen zur Ein- Wanderung und Niederlassung gewährt werden. Daher ist die Konferenz der Meinung, daß der ln dem von der Kommission vorgeschlagencn Budget für Immigration ausgesetzte Betrag unzureichend ist. b) Die Konferenz glaubt, daß die vorgeschlagenen Ko- Ionisations-Politik sogar als vorübergehende Maßnahme unerwünscht ist, da sie nicht nur die Entwicklung Palästinas hemmen, sondern auch die finanzielle Unterstützung des jüdischen Volkes beeinträchtigen könnte. c) Zu der Ablehnung künftiger Errichtung von Kwuzoth bemerkt die Konferenz nachdrücklich, daß diese Form landwirtschaftlicher Siedlung die Opferbereitschaft und Hingabe der Chaliizim sowie die Bewunderung von jüdischen und nichtjüdischen Freunden der Bewegung hervorgerufen hat, und daß die weitere Errichtung von Kwuzoth, unter den durch ökonomische Erwägungen notwendig erachteten Sicherungen, gestattet und unterstützt werden soll. d) Mit Bezug auf die L a n d r e s e r v e, die von der Jewish Agency gesichert werden soll, abgesehen von den Böden des Jüdischen Nationalfonds, ist die Konferenz der entschiedenen Meinung, daß solcher Boden nur unter Sicherungen weiterverkauft werden darf, die garantieren, daß der Boden in jüdischen Händen bleibt und die Interessen des Nationalheims beachtet werden. e) Die Konferenz ist der Ansicht, daß das Minimum- Budget von £ 1.000.090.— unzureichend ist und weder der Größe der Aufgabe, noch den auf die erweiterte Jewish Agency gesetzten Hoffnungen entspricht. f) Die Konferenz würde auch eine klarere Angabe über die geplanten Maßnahmen begrüßen, die ergriffen werden sollen, um auch nur das in dem Bericht vorgeschlagene Minimum-Budget zu sichern. Der arabische Kongrc$ Von Joseph Friedfeld. Der siebente Kongreß der palästinensischen Araber, der am 20. Juni sich in Jerusalem versammelt hatte, war von den vorhergehenden Kongressen völlig verschieden. Es trennte ihn auch eine Zeitspanne von fünf Jahren von dem letzten arabischen Kongreß Palästinas, der in Jaffa im Jahre 1923 zusammengetreten war. Die sechs vorhergehenden Kongresse standen unter dem Zeichen der Herrschaft der mohammedanisch-christlichen Verein!- gung. Diese Vereinigung war gleich nach der Eroberung des Landes durch die britischen Truppen entstanden und sollte die Einheit des arabischen Volkes ungeachtet der bisher als unüberbrückbar geltenden konfessionellen Gegensätze manifestieren. Es war auch die mohammedanisch-christliche Vereinigung, die den ersten Kongreß zu Beginn des Jahres 1919 einberief. Auf diesem Kongresse wurde neben einer Reihe politischer Forderungen die Gründung von mohammcdanisch-christliehen Zweigvereinigungen in allen Orten Palästinas beschlossen. Dieser Beschluß wurde auch durchgeführt und die folgenden Jahre bezeichnen die Blütezeit dieser mohammedanisch-christlichen Vereinigungen, die in allen Städten und selbst in den größeren Dörfern entstanden und die unter dem Einfluß der Familie Husseini standen. Der zweite Kongreß mußte aus politischen Gründen in Damaskus abgehalten werden, wo er im Februar 1920 von der ״Vereinigung zur Wiedergeburt Palästinas“ einberufen wurde. Diese beiden ersten Kongresse forderten die Vereinigung Palästinas mit Syrien. Erst der dritte Kongreß fand sich mit der Tatsache eines selbständigen Palästina ab und legte die Fundamente ווו einer permanenten Organisation. Er wählte ein Exekutiv• komitee, das mit Churchill anläßlich seines Besuche» ipfc' Vorderen Orient im Jahre 1921 in Verbindung |1«ן Bekanntlich wurde damals auf der von Churchill bl«fenen Konferenz in Kairo über das künftige Sc Ül Transfordaniens w«4 Mesopotamiens entschi«_ Seither betrachtete das Exekutivkomitee des Palästinen• sisch-Arabischen Kongresses es als seine Aufgabe, mit der britischen Regierung und der britischen öffentliche!! Meinung und mit dem Völkerbunde in Fühlung zu treten und sie in dem von den palästinensischen Arabern gewünschten Sinne zu beeinflussen. Der vierte Palast!- nensisch-Arabische Kongreß, der in Jerusalem im Juli 1921 stattfand, wählte zwei Delegationen, von denen die eine sich mit Dschemal Husseini als Sekretär nach London, die andere nach dem Hedschas begab. Es vyar die Zeit einer regen Tätigkeit, zugleich aber auch einer völlig intransigenten Haltung, die die völlige Unab- Bangigkeit Palästinas, die Aufhebung des Mandates und die schärfste Bekämpfung des Jüdischen Nationale» Heimes zu Losungen hatte. Demgemäß scheiterten alle Versuche Sir Herbert Samuels, die arabische Bevölkerung Palästinas zu einer Mitwirkung an der Verwaltung des Landes unter englischem Mandate zu bewegen. Dfer fünfte Palästinensisch-Arabische Kongreß im Juli 1922 beschloß unter großer feierlicher Erregung den Boykott der Wahlen zu dem damals von Großbritannien vorgeschlagenen Legislative Council. Die fünf Jahre, die bis zur Einberufung dieses letzte» Kongresses verstrichen sind, waren Jahre einer tief• gehenden Wandlung im arabischen politischen Lager. Neue Kräfte und neue Klassen stall zum politischen Leben erwacht. Die bisher allein hert*» sehenden mächtigen Familien müssen ihre Vormacht- Stellung teils einbüßen, teils mit anderen zu teilen beginnen. Eine neue Jugend wächst heran, die unter dem Einfluß der vom Westen übernommenen politischen urtd ideologischen Gedankengänge steht. Manche beginnen bereits einzusehen, daß kulturelle und soziale Arbeit der politischen vorangehen muß, und daß es ein vejrkehrter Weg ist, politische Machtpositionen schaffen zu wollen, statt wirtschaftlicher und kultureller, die notwendigerweise auch eine entsprechende politische Stel- Iung mit sich bringen. Unter dem Einfluß der neuen Schulen, durch die engere Berührung mit Europa, aber zu einem großen und entscheidenden Teile auch unter dem vorbildlichen Einfluß der kulturellen und sozialen Arbeit des jüdischen Bevölkerungsteiles Palästinas haben einzelne der jüngeren arabischen Führer die Notwendigkeit einer stärkeren Berücksichtigung einer sozialen konstruktiven Aufbautätigkeit, einer Erziehung ihrer eigenen Massen und einer wirtschaftlichen Befestigung erkannt. So haben eine ganze Reihe von Ursachen zusammengewirkt, um einen Umschwung im Lager der palästinensischen Araber herbeizuführen. (Siehe meine Artikel in der ״Jüdischen Rundschau“ vom 6. Januar und vom 16. März d. J.) Diese neue Haltung der arabischen Bevölkerung Palästinas kommt in einem stärkeren Sinn für die