Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 53 (6.7.1928)
- Date
- 1928-07-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 53, 6. VII. 1928 JUEDISCHE RUNFSCHAUT Säte 383 gebaut war11), mußte er doch zugeben, daß Newünski durch sie dem Zionismus große Dienste geleistet hatte. Wenn auch ein türkischer Diplomat Herzl gegenüber Newünski als ״sale Canaille“ hczeichnetc1־), so darf man nicht außer acht lassen, daß den Aussagen damaliger türkischer Staatsmänner nicht viel Glauben zu schenken ist. Personen, die Newünski kannten, hielten ihn für einen seriösen Menschen. Für den Zionismus trat Newlinski wohl aus rein geschäftsmäßigen Gründen als ausgesprochener diplomatischer" Agent“ ein. Mit der Zeit brachte er aber doch der zionistischen Sache tiefere Sympathie entgegen. Allerdings war Newlinski überzeugt, daß Ihm die Juden im Falle der Erlangung des Charters mit seiner Hilfe eine grolle Belohnung werde zukommen lassen. Er war sicherlich jener Typus eines Adeligen, der oft die Diplomatie und Politik zu einem Handels- und Geschäftsobjekt gestaltet. Als solcher war Newünski der geheime diplomatische Agent der zionistischen Bewegung, der, wenn er auch für Geld arbeitete, trotzdem lebhaftes Interesse für die Sache an den Tag legte. Herzl konnte nie den Beweis haben, daß Newlinski in Konstantinopel für die zionistische Sache tatsächlich etwas Konkretes ausgerichtet hatte. Dieses Geheimnis nahm Newlinski mit sich ins Grab; er wäre aber, wie Herzl selbst betont, immer in der Lage gewesen, mit einem einzigen ״Entrefiiet“ in seiner ״Correspondance“ den Zionismus als gefährlichen Feind der Türkei hinzustellen. Seine Bemühungen zugunsten des Zionismus hatten somit die Bewegung in der Türkei , hoffähig“ gemacht. Trotz all seiner Ferner und Makel zählt Newlinski sicherlich zu den eigenartigsten und interessantesten Figuren aus der romantischen Epoche des politischen Zionismus. Abschließungs-Politik Tel-Awiws? Von unserem palästinensischen Korrespondenten. AG., Tel-Awiw, 26. Juni. Vor zwei Tagen fand in Jerusalem eine Konferenz der Bürgermeister der palästinensischen Städte statt. Sie war vom Bürgermeister von Haifa zusammenberufen worden. Die Ursache dafür ist in einem neuen Gesetzesvorschlag der Regierung zu suchen, der die städtisehe Jurisdiktion betrifft. Außerdem bestand die Absicht, ein einheitliches Vorgehen der Munzipalitäten in finanziellen Fragen zu besprechen, da die finanziell komplizierte Lage der Regierung und die Erklärungen des Oberkommissärs in den Stadträten eine Minderung der Subventionen für die Städte befürchten lassen. Es war ein schwerer Fehler, daß die Munizipalität Tel-Awiw — aus absolut ungenügenden formalen Gründen — dieser Konferenz fernblicb. Tel-Awiw hatte von« dem Haifaer Bürgermeister die Zu- Ziehung der übrigen Munzipalitäten (z, B. Petach-Tikwah, Sichren usw.) verlangt und eine Verschiebung der Zusammenkunft erbeten, um sich mit den übrigen jüdischen Munzipalitäten ״zu beraten“. Allem Anschein nach w׳ar der Haifaer Bürgermeister sogar bereit, der ersten Forderung durch eine nachträgliche telephonische Einladung nachzukommen. Trotzdem ist Tel-Awiw der Zusammenkunft in Jerusalem ferngeblieben. Es wird immer klarer, daß der A b s c h 1 u ß T e 1 - A w i w s von der allgemeinen Landespolitik und die Beschränkung auf rein lokaljüdische Interessen einen unheilvollen Einfluß auf den Geist der Stadtverwaltung aüsiibt. Man könnte sich durchaus vorstellen, daß eine rein jüdische Stadt ihre volle Autonomie besitzt und dennoch an allem, was im Lande vorgeht — auch über die jüdischen Grenzen hinaus — ein lebhaftes Interesse hat und die Gelegenheiten ergreift, um mit der ״Außenwelt“ in Berührung zu kommen und gemeinsame Interessen gemeinsam zu beraten und zu vertreten. Aber wir erleben in letzter Zeit immer wieder Beweise des Gegenteils, und dieser letzte Vorfall, die Nichtbeschickung der Jerusalemer Zusammenkunft, ist ein bedenküches Symptom. Es ist erfreulich, daß der ״Dawar“ בals einziger bisher — diese unpolitische, engherzige Handlungsweise kritisiert hat. Bedenkliche Tendenzen Von unserm Korrespondenten. AG, Tel-Awiw, 26. Juni. In dem Tel-Awiwcr Wohnviertel Tel-Nordau hat ein Haus- besitzer einen Laden an einen Araber vermietet. Es ist das der erste Fall in dieser Gegend, denn die wenigen arabisehen Läden in Tel-Awiw liegen außerhalb der eigentlichen Wohnviertel. Gegen den Hausbesitzer begann eine Aktion, die auch einen Widerhall in der Presse fand, der bei jedem überlegenden und objektiven Beobachter schwere Bedenken erregen mußte. Denn hier war von diesem Einzug eines Arabers nach Tel-Nordau in einem Sinne die Rede, als ob das gesamte kulturelle und zivilisatorische Milieu der Gegend durch diesen Araber und seine Familie bedroht sei. ״Haarez“ wendet sich in einer Notiz gegen das Eindringen eines ״Fremden“, der nach sich ״seine Familie und seine Verwandten mit ihren Eseln und Kamelen“ ziehen und so zu einer Störung der Ruhe und Siel,erheit werden würde. Gegen diese Abart eines von Juden ausgehenden antiarabischen Antisemitismus wendet sich in einem im ״Haarez“ veröffentlichten offenen Brief Dr. Hugo Bergmann. Er schreibt unter anderem: ״Ich weiß nicht, wie unsere Oeffentlichkeit es aufgenommen hätte, wenn eine solche Nachricht in eirer arabischen Zeitung in Nablus erschienen wäre und man dort in dieser Form über den Einzug eines jüdischen Kaufmanns in eines der Stadtviertel berichtet hätte.“ Dieser Zwischenfall, so gering er auch ist, erscheint als eines der vielen bedrohlichen Symptome der herrschenden Stimmung unter den Juden, die neben einer durchaus unbere chtigten Ueberheblichkeit einen schweren Mangel anpolitischem Verständnis für die Folgen solcher ״kleinen“ Komplikationen aufweist. Leider gibt es heute in Palästina nur wenige, die für die Ungerechtigkeit und die Gefahren dieser ״Politik“ wirkliches Verständnis besitzen. Das Granowsky-Theaier gepfändet! Moskau, 3. Juli (J.T.A.). Gemäß einem Antrag der Moskauer Kasse für soziale Fürsorge, der das jüdische akademische Theater von Qranowsky 45000 Rubel an Sozial- «bgaben schuldig geblieben ist, hat das Moskauer Außenmmisteriurn die Sowjet-Botschaft in Berlin beauftragt, die Kasse des Theaters mit Beschlag zu belegen. (Granowskys Ensemble gibt gegenwärtig mit ungewöhnlichem rriolg Gastspiele in Paris.) ״) Nach dem Tode Newiinskis suchte Herzl die ״Corre- ־־pondance“ zu veranlassen, nicht gegen den Zionismus zu schreiben, ln der Tat hatte die ״Correspondance“, deren letzte Nummer am 30. Mai 1899 erschien, auch weiterhin Zionistenfreundliche Artikel publiziert VJ) Tagebücher Band III, S. 315. Die jüdische Parlamentsvertretung Kämpfe um das Budgetvotum. — Abg. GrUnbaum Klub- Präsident. — Gefahr einer Spaltung. Von unserem polnischen Korrespondenten. g. Warschau, Ende Juni. Die soeben beendete erste Session des polnischen Pariaments wäre ein Anlaß, um die Tätigkeit des jüdischen Sejmklubs in der vergangenen Bcriclitsperiode einer Betrachtung zu unterziehen. Leider aber müssen wir cs diesmal unterlassen, da wir sonst ein wenig erbauliches Bild bekämen. Wenig produktive Arbeit, größtenteils innere Kämpfe und Streitigkeiten — das war der Inhalt dieser drei Monate. Der jüdische Klub war ohne Leitung und ohne eine verantwortlichc und arbeitsfähige Mehrheit. Die Aenderungen, welche ganz zuletzt eintraten, klären zwar formell die Lage, faktisch aber verschärfen sie die Situation innerhalb der jüdischen Parlamentsvcrtretung. Die wichtigste Aufgabe der ersten Session des polnischen Sejm war die Verabschiedung des normalen Jahresbudgets. Wie hat sich nun die jüdische Repräsentanz dazu zu stellen? ln der Beurteilung des vorgelcgten Regierungsbudgets für die jüdische Bevölkerung waren sämtliche jüdische Abgeordnete einig. Die jüdische Bevölkerung, welche 3 Millionen ausmacht nnd hauptsächlich aus kleinen Handelstreibenden besteht, trägt die größte Steuerlast im Staate mit einer Bevölkerung von 28 Millionen! Für ihre kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Bedürfnisse bekommen die Juden gar nichts. Es geschieht ihnen also ein schreiendes Unrecht. Ernste und scharfe Meinungsverschiedenheiten tauchten im jüdischen Klub erst auf, nachdem man sich die Frage vorlegte, wie man darauf parlamentarisch reagieren soll. Es bildeten sich hierbei zwei Lager: Die Grünbaum- Gruppe forderte, daß die jüdischen Vertreter gegen das Budget stimmen, die R e i c h - G r u p p c , daß sie sich der Abstimmung enthalten sollen. Die letzten brachten vor, daß in der Budgetfrage keine Spitze gegen die Juden als solche enthalten sei, daß cs sich um Sünden der vormaligen polnischen Regierung handle, im übrigen entscheide hier der Kampf zwischen Stadt und Dorf. Gegenwärtig bevorzugt das Steuersystem das Dorf und lastet schwer auf der Stadt, wo die Juden das wirtschaftlich stärkste Element sind. Ferner argumentieren die jüdischen Deputierten aus Kleinpolen: gegen das Budget stimmen, hieße der Regierung Marschall Piisudskis Mißtrauen aussprechen. Eine solche Opposition aber dieser — für die Juden bis nun in Polen allerbesten — Regierung gegenüber, entspräche nicht den objektiven Tatsachen und Stimmungen der jüdischen Bevölkerung. Darauf antwortete Abg. Grünbaum mit einer Formel, die parlamentarisch allerdings neu ist, das Votum des jüdischen Klubs gegen das Budget sei nicht gleichbedeutend mit einem Mißtrauen gegen die Regierung: es solle nur unser starker Unwille über das vorgclegte Budget zum Ausdruck gebracht werden. Und dies könne nur geschehen, indem man gegen das Budget stimmt. Beide Gruppen sind im jüdischen ,,Kolo“ gleich stark. Zu Beginn dieser Debatten, gelegentlich der Behandlung des Budgets in den Kommissionen, hatte Abg. Färb st ein (״Misrachi“) sich der Reich-Gruppe angeschlossen, dann aber seine Meinung geändert und im Namen des Misrachi erklärt, gegen das Budget stimmen zu wollen. Abg. Heller (״Hitachduth“) hatte während der ganzen Zeit " ein Votum gegen das Budget verlangt. . ” Nun mischt sich leider dieser sachliche Kampf mit Persönlichem, und oftmals ist es schwer zu unterscheiden, welche Momente ausschlaggebend sind. Nach langwierigen und leidenschaftlichen Debatten — während derer es zum bekannten Ehrenkonflikt zwischen Grünbaum lind Reich kam — wurde als Generalredner in der Budgetdebatte im Plenum Abg. Reich gewählt. Seine Rede enthielt sämtliche Gravamina der ji'idisehen Bevölkerung und endete mit der Forderung, den Juden in der Republik kulturelle Autonomie zu gewähren. Dr. Reich erwähnte dabei das Projekt der preußischen Regierung lür die polnische Minderheit in Preußen. In der Spezialdebatte kritisierte Abg. Wigodski scharf die Schulpolitik der Regierung gegenüber den Juden, Abg. Hartglas das ungerechte Steuersystem, Abg. Eisenstein brachte die Handelspostuiate der Juden vor. Abg. Heller entwickelte in einer groß angelegten Rede beim Budget des Ministeriums für Arbeit und sozialen Schutz das Produkt!'- vierungsprogramm des Zionismus, sprach über die bisherigen Leistungen in Palästina und Möglichkeiten auf diesem Gebiete in Polen, verlangte von der Regierung tätigste Mithilfe dabei durch Subventionen des ״Hechaluz“, der jüdischen landwirtschaftlichen Gesellschaften, der jüdischen Fachschulen. Kurz vor der Generalabstimmung im Parlament kam cs im jüdischen Klub zu stürmischen Debatten, welche unerwartet mit einer Wahl des Klubpräsidenten endeten. Nachdem beschlossen wurde (mit einer kleinen Mehrheit), gegen das Budget zu stimmen, wurde auf Antrag des Agb. Rosmarin zum Vorsitzenden der jüdischeil Parlamentsvertretung Abg. Grünbaum gewählt. Wäre dieser Beschluß ein Resultat ruhiger Ueberlegung und getragen von einer arbeitsfähigen, numerisch starken Mehrheit, wäre er zu begrüßen, da ein Parlamentsklub ohne Vorsitzenden doch nicht auf die Dauer existieren kann. Was aber jetzt geschah, war eine Zufallsabstimmung; und was das wichtigste ist: die Minderheit, ja sogar Abgeordnete der Mehrheit handeln jetzt auf eigene Faust. Das zeigte Tags nachher die Abstimmung im Plenum. Nur vier Abgeordnete stimmten laut Beschluß gegen das Budget, die anderen waren teils abwesend, teils enthielten sie sich der Abstimmung. Die allgemeinzionistischen Abgeordneten aus Ostgaüzien hielten es nach der Wahl Grünbaums für angebracht, sich als besondere parlamentarische Gruppe zu konstituieren, noch ohne den letzten verhängnisvollen Schritt, aus dem Klub auszutreten, zu wagen. In einem Aufruf an ihre Wähler besprechen sie ausführlich die neugeschaffene Lage in der jüdischen Repräsentanz und erklären, die Ent- Scheidung der jüdischen Wählerschaft abwarten zu wollen. Eine maßgebende zionistische Instanz, welche derartige prinzipielle Streitfragen schlichten sollte und könnte, gibt es leider in Polen nicht. Es sei noch erwähnt, daß Abg. Dr. Thon all diesen Sitzungen und Debatten im Kolo ferngeblieben ist, in Presseäußerungen die Politik Grünbaums verurteilt, sich aber kategorisch trotz den letzten Beschlüssen für die unbedingte Erhaltung eines einheitlichen Parlamentsklubs aussprach. Man erwartet, daß nach den Sommerferien doch die Atmosphäre gereinigt und eine Koordination aller Kräfte möglich sein wird. Das ist sicher der heiße Wunsch der jüdischen Wählerschaft, welche all diese Kämpfe mit tiefem Schmerz und größten Unwillen begleitet. Die Geschichte des russischen Zionismus soll geschrieben werden. Von einer Anzahl aus Rußland eingewanderter Palästinenser ist ein Aufruf erschienen, um alles Materialüber die zionistische Bewegung in Rußland vom Jahre 1896 an zu sammeln. Das Ziel der Sammlung ist die Verfassung einer Geschichte des russischen Zionismus bis in die neueste Zeit hinein und eine Rettung des sehr wertvollen, bis heute überall verstreuten Materials über die Bewegung in Rußland. Begrßßnngsabetii tür die WIZO Der Council-Tagung der Wizo ging am 2. Juli ein Empfang in den gastlichen Räumen von Frau Berger, Nikolassce, voraus. Es hatten sich außer den (an anderer Stelle angeführten) Teilnehmern der Tagung «Ine große Zahl zio• ftistischer Frauen Berlins eingefunden. Eiye liebenswürdige Ansprache der Gastgeberin, Liedervorträge «kr trefflichen Sangerin Frau Hussiatyno sowie eine hebräisch« Ansprache von Mrs. Hadassah S a in 11 c 1, der Schwiegertochter von Sir Herbert Samuel, des ehemaligen Oberkommissars von Pllästina, leiteten den Abend ein. Frau Wagner-Tauber, Präsidentin der Frauengruppe der Berliner Zionisten, erklärte es als bedeutungsvolle Fraucnaufgabe, sich der kulturellen und sozialen Seite der zionistischen Arbeit anzunehmen, und schilderte die Ziele der Organisation: Produktivierung der Frauen in Palästina, vor allem ihre Schulung zu landwirtschaftlicher Arbeit, Unter- Stützung der Frauensiedlungen und Frauenlelirfarmen. Frau Nadja Stein appellierte namens des Jüdischen Nationalfonds an die Frauen, anläßlich des Herzl-Tages zur Aufforstung Palästinas beizutragen. Die Sammlung ergab einen ansehnlichen Erfolg. Auch eine Vertreterin des Jüdischen Frauenbundes begrüßte die Versammelten. Das gesellige Zusammensein in dem schönen Garten bildete einen angenehmen Auftakt zur Tagung und gute Gelegenheit zu ungezwungener Aussprache. ״Die Schule der Jugend“ Wir erhalten folgende Mitteilung: ln der Erkenntnis, daß das gegenwärtige jüdische Leben vorwiegend an einer inneren Fremdheit zu den Werten des Judentums und der Judenheit krankt, hatte sich vor einiger Zeit aus einer Zusammenkunft der jüdischen Jugendb ii 11 d e aller Richtungen heraus eine Kommission gebildet, die einen Plan für eine ״Schule der Jugend“ ausarbeiten sollte. Iin Aufträge dieser Kommission, zu der außer^ den Führern der Bünde auch einzelne Fachleute der älteren Generation gehörten, hatten Dr. Georg L u b i n s k i, Dr. Max Mayer, Dr. E. H. Seligsohn und Dr. Ludwig Tietz am 28. Juni in der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums eine zweite Zusammenkunft cinbcrufcn, in der über die bisherige Tätigkeit berichtet wurde. Nachdem Dr. Georg Lubinski kurz den äußeren Verlauf der Kommissionssitzungen berichtete, folgten die Referate der einzelnen Sachbearbeiter. Dr. Max Mayer betonte, daß es sich bei diesem Plan um eine Sache handle, die in ihren Aus- Wirkungen regenerierend auf das jüdische Leben wirken müsse. Das Uehermaß an organisatorischer und politisch-taktischer Arbeit innerhalb des deutschen Judentums habe es mit sich gebracht, daß der allgemein-jüdische Kontakt zwischen den einzehren jüdischen Gruppen und Menschen zu schwinden drohe. Zwar sei der unmittelbare Zweck der Schule darauf gerichtet, der Unzulänglichkeit der jüdischen Bildung zu steuern, doch sei als weiteres Ziel zu erhoffen, daß durch die Schule wieder eine neue, reinere jüdische Atmosphäre entstehe. Der Referent ging dann auf die Einzelheiten der Methode des Hebräischlcrr.cns ein. (Jeher die Erarbeitung und Neubelebung jüdischer Musik berichtete Frau Alice Jacob-Löwenson. Es folgte ein Referat über die Art der Beschäftigung mit jüdischer Geschichte von Dr. Joachim Prinz, ferner von Dr. Martin G 0 1 du er über Judentumskunde. Als letzter Referent ging Erwin L ö w c n s o n auf die erweiterten Aufgaben der Schule ein. Er hält es für notwendig, zur Schaffung eines sinnhaften, wertvollen, von jüdischem Wollen getragenen jüdischen Milieus auch die — scheinbar — äußeren Vorbedingungen zu schaffen. Daher fordert er die Errichtung eines Gebäudes für die Jugendbünde, für die Schule sowie für die jüdischen Menschen, die noch von keinem de^ beiden Organe erfaßt sind. Der Redner schilderte dann an Hand von Beispielen, wie auf diese Weise ein neuer geisti ger Mittelpunkt jüdischen Lebens zu schaffen sei. An die Referate, die eine erschöpfende Dar- Stellung des Planes brachten, schloß sich eine Diskussion, die erkennen ließ, daß bei den einzelnen Bünden, Gruppen und Menschen ein ernster Wille zur Beteiligung an dieser neuen Bewegung vorhanden ist. Denn eine Bewegung ist es, keine auf rein wisseusmäßige Bereicherung gerichtete Schule. Der prinzipielle Unterschied dieser Schule zu allen anderen bisherigen Institutionen besteht darin, daß sie einerseits nicht akademisch etwa wie Seminare arbeitet, andererseits durch einen festen, innerlich verbundenen Stamm der ״Schüler“ eine Gewähr für eine Systematik und besondere Fruchtbarkeit bietet. Hier wird ein Haus errichtet, das der Einzelne nicht nur als unbeteiligter Zuhörer dann und wann betritt, sondern in dem jeder Einzelne mit seiner ganzen ihm zu Gebote stehenden Kraft an seiner und der jüdischen Entwicklung arbeitet. Ohne LJebertreibung kann es gesagt werden: eine wirkliche, lebensvolle ״Schule der Jugend“ trägt Keime zu einer Entwicklung in sich, die das gesamtc jüdische Leben auf eine neue, gesunde Basis stellen kann. Palästina-Chronik Von unscrin Korrespondenten. ״Haare z“ veranstaltete zur Feier seines zehnjährigen Bestehens ein Bankett, an dem eine Reihe bekannter Personlichkeiten, besonders aus Schriftsteller- und Journalistenkreisen, teilnahmen. Der Rektor der Jerusalemer Universität, Dr. M a g n e s, hielt nach seiner Rückkehr aus dem Auslande vor geladenen Gästen und Pressevertretern einen Vortrag über die gegenwärtige Lage der Universität und ihre Entwicklungsaussichten nach der Sitzung des Kuratoriums in London. Die Landarbeiterzentrale der Arbeiterorganisation bereitet eine Zusammenkunft von Vertretern der Kwuzoth vor, um die Lage und Bedürfnisse der Kwuzoth zu beraten. In der großen Synagoge in Tel-Awiw fand eine öffentliche Versammlung statt, die sich mit der gerichtlich festgestellten formellen Ungültigkeit des Gesetzes über die Sabbat ruhe beschäftigte. Sie richtete einen Appell an die Bevölkerung der Stadt, auch ohne äußeren Zwang die Sabbatruhe zu wahren und wandte sich an die Munizipalität mit der Forderung, die nötigen Schritte zu tun, eine gesetzliche Sicherung des Sabbats von neuem zu gewährleisten. Nach verschiedenen Interventionen des Waad Leumi und der Exekutive hat der Oberkommissär vor wenigen Tagen das Einwanderungsamt desavouiert, indem er einem brasilianischen vermögenden Einwanderer, der vom Immigrationsdepartement an der Landung verhindert worden war, nachträglich die Ein- Wanderungserlaubnis erteilte. Rabbiner-Akademiker an der hebräischen Universität Jerusalem, 29. Juni. (J.T. A.) Der gegenwärtig hier weilende Oberrabbiner von Aegypten Chaim Nahum hat während eines Banketts, das die sephardische Gemeinde Jerusalems ihm zu Ehren gegeben hat, die Forderung aufgcstellt, daß man an der Hebräischen Universität zu Jerusalem einen nostakademischen Kurs für diejenigen Rabbiner, die außerhalb Palästinas ihre Studien beendet haben, einrichtef. Die Rabbiner, die in der Diaspora wirken wollen, sollen mindestens ein JahranderrfochschulevonErez-Israellernen, um dann, wenn sie in ihre Länder zurückkehren, von Liebe zu Palästina und dem Judentum durchdrungen zu sein.