Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 53 (6.7.1928)
- Date
- 1928-07-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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-CK(M H\^i h uU/m’CA Einzelnummer 0,23 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Redaktion und Verlag Berlin W 15, Meinekettraße 10. Erscheint jeden Dienstag und Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldmark. A״»isnd«abonnem*nt« werdet) in der Währung der einxelneo Linder berechnet. Nummer 53 Berlin, 6. VII. 1928 Anzeigen -Verwaltung Jüdische Rundschau G.m.b.H״ Berlin W15, Meinekestr. 10 Telephon: Amt Bismarck 7165—70, Atucigcnprnia: 8 geiptH.NoapftreiHezcile 0,50 G.-M. Stellengeiuche 0,25 G.-M. Aozvigcnichlufi: Dienstag und Freitag nachmittag* 4 Uhr. Telephon: Bismarck 7165—70. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392 Für Oe»t*rreieh: Posttpirkassenamt Wien, Konto Kr. 156030, Für Tfcheeboilowakei: ]\uUparkt*1«namt Frag, Konto Nr. 59410. Für Polen: Postsparkaisen&mt Warschau, Konto Nr. 190708. Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. י״ה תבוז, תרפ״ח | xxxm. Jahrg« per Zionismus ersircbt für da» JUdUche Volk die Sch«Hung •»»«»’ •ff milcH - rechtlich gezlcherf 1t Heimstme ln Palästina. ״Baseler Programm.♦« Sieg Lipskys in Pittsburgh Mit großer Mehrheit wiedergewähli Mit überwältigender Mehrheit ist Louis Lipsky jn Pittsburgh zum Präsidenten der Zionistischen Organisation Amerikas und zum Leiter der Administration wiedergewählt worden. Zu Vizepräsidenten wurden gewählt Morris Rothenberg, Richter William N. Lewis und Max Schulmann. Schon vor der Wahl hatte sich, wie J.T.A. telegraphiert, die Convention in einer Resolution mit 398 gegen 159 Stimmen für die Beibehaltung der bisherigen von Louis Lipsky als Präsidenten der Organisation geführten Administration ausgesprochen. Nach dieser Abstimmung wurden Verhandlungen mit der von Richter Julian W. Mack geführten oppositionellen Gruppe eingeleitet, auf der Grundlage, daß Lipsky bewogen werden soll, seinen vor einigen Tagen ausgesprochenen Verzicht auf die Annahme der Präsidentenwürde oder einer anderen Funktion der amerikanischen zionistischen Administration zurückzunchmen und weiterhin Präsident der Organisation zu bleiben. Mack erklärte jedoch im Namen seiner Gruppe, daß diese auf der Fernhaltung Lipskys von der Führung beharre. Ueber den Verlauf der Convention berichtet die J. T. A. ■ferner: Schon bei der Eröffnung der Convention zeigte es sich, daß •für eine friedliche Verständigung zwischen der Adminiministration und der Opposition sehr wenig Aussicht vorhanden ist. Die erste Abstimmung über die Wahl eines Präsidiums der Convention machte klar, daß die Administration eine starke und festgefügte Mehrheit hat, doch zögerte die Lipsky-Gruppe, diese Mehrheit rücksichtslos auszunützen; ,®an wollte,.:.׳s. der Opposition entgegenkommen, um zu verhindern, daß der innere Kampf auch nach der Convention fortdauert. Die erste Kraftprobe wurde bei der Präsidiumswahl geliefert. Statt einen ersten Präsidenten zu wählen, wurde beschlossen, mehrere Herren in das Präsidium der Convention zu entsenden und Lipsky zum Ehrenpräsidenten der Convention zu wählen. ln das Präsidium wurden entsandt: Richter William M. Lewis, Eli hu Stone, Morris Rothenberg, Max Schulman, Frau Archibald Silverman und als Vizepräsident Rabbiner Max Heller. Dem Bericht des Mandatsprüfungskomitees war zu entnehmen, daß von den anwesenden Delegierten 385 die Zionistische Organisation Amerikas, 281 die Zionistische Frauenorganisation Hadassah und den Orden ״Bn ei Zion“ vertreten. Als Lipsky im Saale erschien, wurde ihm von der Mehrheit eine 15 Minuten dauernde Ovation bereitet. Lipsky lud Dr. Stephen S. Wise und den Führer der Opposition Richter Julian W. Mack ein, auf der Tribüne neben ihm Platz zu nehmen. Seitens der Mehrheit wurde die Wahl von Louis Lipsky zum Ehrenpräsidenten der Convention vorgeschlagen. Diesen Vorschlag beantwortete die Opposition mit stürmischem Protest. Robert Szold schlug Dr. Stephen S. Wise als Ehrenpräsidenten vor. Dieser lehnte ab und warf der Administration ״Parteilichkeit“ vor. Die Mehrheit unterbrach den Redner durch Proteste, und als dann Dr. Wise den Ausdruck ״Rowdies“ gebrauchte, erhob sich ein lauter Tumult. Rufe ״Sie müssen sich entschuldigen!“ wurden laut. Dr. Wise verließ mit den Worten ״Die Convention will mich nicht anhören“ die Tribüne. Eine Gruppe rief fortwährend: ״Wir wollen Wise hören!“. Richter Lewis, der das Präsidium innehatte, gelang es, die Ordnung wieder herzusteilen und Dr. Wise zu ermöglichen, seine Rede zu beenden. Louis Lipsky erstattete den Jahresbericht der Leitung. Er ging nicht auf die Kämpfe innerhalb der amerikanischen Organisation ein, sondern schilderte ausführlich die gebesserte Lage in Palästina. Sodann besprach er zustimmend die Politik Dr. Weizmanns in der Frage der lewish Agency und ihre Erfolge. Uebergehend auf außenpolitische Fragen, sagte Lipsky: ״Englands Wohlwollen und guter Wille ist uns unentbehrlich. Eine intransigente Haltung gegenüber Großbritannien mag geiitige^nltteöulg'wlre eine solche Litransigenz ungerecht und kurzsichtig.“ Der Bericht des Administrativ*Komitees über die Tätigkeit im letzten Jahre wurde nach einer fünfstündigen sehr bewegten Debatte mit einer überwältigenden Mehrheit von 398 gegen 159 Stimmen zur Kenntnis genommen. (Fortsetzung des Berichtes im Inneren des Blattes.) Berliner Tagung der WIZO Versuch einer Klärung Mitten in dem Kampf der politischen Leidenschaften, den die Veröffentlichung des Berichtes der Jewish Agency-Kotnmission in der Zionistischen Organisation entfacht hat, muß der Versuch gemacht werden, die wirkliche sachliche Funktion dieses Berichtes zu erfassen und sich über die entstandene (i e s a m t s i 111 - a t i 0 n Rechenschaft abzulegen. Gewiß ist vielen Zionisten schon lange nicht eine Entscheidung: so schwer gefallen wie diesmal. Gerade wer — wie Schreiber dieser Zeilen — mit vielen Formulierungen und Forderungen des Berichtes nicht einverstanden ist, muß sich klar werden über die bestehende Alternative. Nicht eine bloß gefühlsmäßige Reaktion, sondern volle Verantwortung im Bewußtsein der Tragweite ist gefordert, ln diesem Sinne wollen die folgenden persönlichen Ausführungen gewertet sein. Es wird die Untersuchung fördern, wenn wir zunächst die Sache so betrachten, als ob cs gar keine Verhandlungen wegen Erweiterung der Jewish Agency gäbe. Die Zionistische Organisation hat sieben Jahre lang kolonisatorische Arbeit in Palästina geleistet, deren Kosten im wesentlichen durch den Keren Hajessod gedeckt wurden. Es hat sich gezeigt, daß das Budget nicht ausreicht, die Kolonisation geriet ins Stocken, und mit Mühe konnten die begonnenen Siedlungen über Wasser gehalten werden, ohne daß es bis heute möglich war, ihnen ihr volles Gründungsbudget auszuzahlen. Wenn wir sagen: die Mittel reichten nicht aus, so kann man diesen Satz auch urnkehren: gemessen an den vorhandenen Mitteln wurde zuviel in Angriff genommen. Die Stagnation, vorübergehend verdeckt durch die Scheinblüte der vierten Alijah, erregt die Unzufriedenheit^alJer^Ziojiisten, die wissen, daß der Sinn des zio- "mstisclicn Patäsfinawerkes nur in stetem Wachstum liegen kann, d. h. aber: in Steigerung der wirklichen Aufnahmstähigkeit des Landes für eine entsprechende jüdische Immigration. Die Kritik innerhalb der zionistisehen Reihen setzte ein, und zwar in allen zionistisehen Lagern. Man verwies darauf, daß die bisherige Methode der Ueberspannung der eigenen Kräfte erstens zu kostspielig ist und zweitens die Aufnahmefähigkeit des Landes nicht vergrößert, sondern eher verringert. Man erhob die Forderung nach Konsolidierung der kolonisatorischen Positionen, um eine Kontrolle ihrer wirtschaftlichen Lebensfähigkeit und eine Basis für die Weiterarbeit zu haben. Man forderte eine Sach- und Zweckrevision und Aufstellung eines Planes für die Zukunft. Wir erhalten folgendes Kommunique: Die zweite Counciltagung der Weltorganisation Zionistischer Frauen wurde am 3. Juli in Berlin eröffnet. Von der Exekutive sind erschienen die Damen Dr. Weizmann, Goodman, Sieff, Ir well und Marks (sämtlich London), ferner Hadassah Samuel und Ada Fishman (Palästina), Rosa Pomeranz-Melzer (Lemberg) und Hanna Steiner (Prag). Als Delegierte sind anwesend: Bukowina: Frl. Dr. Lachs; Tschechoslowakei: Dr. Mirjam Scheuer (mußte vorzeitig abreisen); Deutschland: Frau Jenny Blumenfeld und für den Kulturverband Frau Dr. Meyer; England: Miß Eppstein; Finnland: Frau Jakobson; Hoiland: Frau Poliack van Cleeve; Jugoslavien: Frl. Weinert; Oesterreich: Dr. Martha Hoffmann; Polen: Frau Levite; Rumänien: Frau Margulies; Schweiz: Frau Ditisheim; Westgalizien: Frau Zimmermann; ferner nimmt aus Palästina als Vertreterin der Arbeiterinnen-Wirtschäften Golda Meyerson teil. ln das Präsidium wurden die Damen Blumenfeid (Deutschland), Levite (Polen) und Margulies (Rumänien) gewählt Namens der Zionistischen Vereinigung für Deutschland begrüßte Herr Kurt Blumenfeld die Versammlung. Er beglückwünschte die ״Wizo“ zu ihren bisherigen Leiriungen, die durch Konzentration auf ein bestimmtes Arbeitsgebiet zustande gebracht wurden und wesentlich zur Lösung der Frauenprobleme des Aufbaus beitragen werden. — Von den verlesenen Begrüßungstelegrammen wurde das von Henrietta Szold, Mitglied der Zionistischen Exekutive in Palästina, und von der Histadruth Hanaschim (Frauenverband) in Palästina besonders akklamiert. Aus dem Bericht der Londoner Exekutive, den Frau Good• man, London, erstattete, sind besonders Vorschläge zur Ausgestaltung der Organisation, Propaganda und Kulturarbeit unter den jüdischen Frauen des Galuth hervorzuheben; sie nahm ferner Stellung zur Frage des Kontinentalverbandes, der im Januar dieses Jahres in Prag gegründet wurde, um die Zusammenarbeit der mitteleuropäischen Landesverbände zu verstärken. Für die Palästina-Exekutive sprach Frau Hadassah Samuel (Jerusalern); sie berichtete über die Tätigkeit der seit der Baseler Konferenz (1927) geschaffenen Palästina-Exekutive der ״Wizo“ und erörterte die Frage der Zusammenarbeit mit andern palästinensiseben Frauenorganisafionen. Frau H. Irwell (London) sprach ergänzend über die ״städtische Arbeit“ in Palästina. Die Nachmittagsitzung wurde durch ein Referat von Frau Steiner (Tschechoslowakei) über die Piäne des Kontinentalverbandes eröffnet. Nach der darauffolgenden Generaldebatte, in welcher Frau Sieff (London) in einer Schlußrede die Meinung der Exekutive zum Ausdruck brachte, trat eine Kommission zusammen, welche sich einerseits gemeinsam mit Vertreterinnen der Moazath Hapoaloth mit dem Projekt der Gründüng einer Mädchenlehrfarm in Ness Zionah befaßte. In einer geschlossenen Exekutivsitzung wurden die Richtlinien des Kontinentalverbandes sowie der Zusammenarbeit mit andern palästinensischen Frauenorganisationen festgelegt Diese Frauen sowie das Ness Zionah-Projekt bildeten den Hauptgegenstand der Mittwoch-Verhandlungen. Die Verhandlungen der Exekutive der Wizo mit der rumänischen Föderation haben zu dem Resultat geführt, daß die jüdischen Frauen Rumäniens sich zur vollständigen Finanzierung des Ness Zionah-Projektes, Schaffung einer großen Mädchenfarm auf Nationalfonds-Boden, verpflichtet haben. Die Summe von £ 21 000,— wird der Exekutive im Laufe von sechs Jahren zur Verfügung gestellt werden. * Zur Zeit des Redaktionsschlusses dauert die Tagung noch fort. Großes Balfour ״Bankett in London 16000 Pfundfür den Balfour-Wald des Keren Kajemeth London, 4. Juli. (Eigener Drahtbericht.) Das vom Komitee zur Errichtung eines Balfour-Waldes in Palästina veranstaltete große Dinner zu Ehren Balfours in dem Festsaal des Londoner Rathauses (Guiid-Hall) gestaltete sich zu einer außerordentlich eindrucksvollen Demonstration für den Aufbau des Jüdischen Nationalheims in Palästina. Es ist zum erstenmal, daß der altberühmte historische Saal für eine jüdische Veranstaitung zur Verfügung gestellt wurde. Den Vorsitz führte Major Nathan. Die Reihe der Redner eröffnete Lord Melchett (Alfred Mond). Für die Regierung sprach Lord Birkenhead, aus dem linken Lager Mrs. Ethel Snowden, die Gattin des Finanzministers der Arbeiterregierung. Sodann sprach der frühere Vizekönig von Indien Marquess Reading, es folgte der Chiefrabbi des britischen Reiches Dr. Hertz, dann James de Rothschild (der Sohn des Pariser Barons Edmond). Zum Schluß hielt der Lordmayor (Oberbürgermeister) von London eine Begrüßungsrede. Die Sammiung zugunsten des Balfour-Waldes des Jüdischen Nationalfonds, der bekanntlich im Februar d. J. in Palästina unter Teilnahme Lord Plumers eingeweiht wurde, brachte ein Ergebnis von £ 16.000.—. (Lord Balfour wird am 25. d. M. achtzig Jahre alt) Es ist selbstverständlich, daß eine ohne Erfahrungen begonnene Arbeit dieses Ausmaßes nach fünf oder sieben Jahren eine Nachprüfung im Liebte der ervvorbenen Erfahrungen erfordert. Innerhalb des Zionismus war die Reformbedürftigkeit der Palästinaarbeit längst anerkannt. Ueber einzelne sachliche Fragen konnte man sich schwer einigen, weil sie immer wieder mit politischen Fragen verknüpft wurden. Ein Beispiel bietet etwa die Frage der Verträge zwischen kolonisierender Instanz und Siedlern. Es ist für jeden Kolonisationsfachmann, der die Eigenart und Geschichte der zionistisehen Kolonisation nicht genau kennt, schlechthin unverständlich, daß bis heute keine derartigen Verträge existieren. In den letzten Jahren wurde ihr Abschluß dadurch verzögert, daß die Arbeiterschaft die Einschaltung der Landarbeiter-Kooperative ״Nir“ forderte, was die Exekutive, gestützt auf ihre juristischen Berater, nicht akzeptieren wollte. Dies ist eine Streitfrage wie viele andere, die endlich einmal entschieden werden müssen. Man kann natürlich dieser oder jener Meinung sein. Es wurde aber daraus bei uns eine große politische Frage gemacht, die auf dem letzten Baseler Kongreß sogar zu turbulenten Szenen geführt hat. Nach den Gesetzen der im Zionismus geltenden Demokratie wäre die Entscheidung der Mehrheit anzunehmen, trotzdem erzwang man einen Aufschub des Beschlusses. Dies ist nur ein Beispiel für viele für die Art und Weise, wie ,durch die politische Behandlungsweise die Ent- Scheidung praktischer Fragen erschwert wird. Die diesen politischen Kämpfen zugrunde liegende Stimmung er- Schwert für alle Gruppen die nüchterne Betrachtungsweise. Ohne ein Gegner der sozialen Formen der Kwuzoth zu sein, ja sogar als Bewunderer und Anhänger der Kwuzah-Idee, konnte man doch zu der Ansicht kommen, daß in mehreren der empirischen Kwuzoth in Palästina, eine wirtschaftliche Rationalisierung unumgänglich notwendig ist, wenn sich diese Siedlungen wirtschaftlich behaupten wollen. Viele prominente Arbeiterführer, auch führende Menschen der Kwuzoth, waren dieser Ansicht. Statt aber gerade im Interesse der Kwuzoth nach innen für Oekonomie und damit für den Erfolg zu sorgen, gab man sich dem politischen