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Jüdische Rundschau · 1928-06-29 · Heft 51 (29.6.1928) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 51 (29.6.1928)
Date
1928-06-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Einzelnummer 0,25 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Redaktion und Verlag Berlin W 15, Meinekestraß# 10. Erscheint jeden Dienstag und Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldmark. /V1*l»nd5abonnem«nts werden In der Wlhrung der einzelnen Länder berechnet Nummer St | Berlin, 29. VI. 1928 Anzeigen -Verwaltung Jüdische Rundschau G. m. b. H., Berlin W15, Meinekeslr. 10 Telephon: Amt Bismarck 7165—70. Anxnigftnprci•: 8 geepalt.Noopereillezcile 0,50 G-M. S teileogeiüche 0,25 G.-M. Aj1z«igen*chlt1fl: Dienstag und F reit» g nachmittag» 4 Uhr. Telephon; Bismarck 7165—70. Postscheckkonto: Berlin Nr, 17392 Für Oesterreich: Poilsparkfttsenaat Wien, Konto Nr. 156030, Für Tschechoslowakei: rostsperkassenamt Prag, Konto Nr. 59410. Für Polens Postsparkassenamt Warschau, Konto Nr. 190708. Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. Dar Zionismus erstrebt für das Jüdlxch« Volk die Schaftuwa «Inw a>»enttkh « rechtlitH gaslcherlen Holnutltta In PalSillm. ״Baseler Programm.11 Lipsky zurückgetreten Erklärung an das Friedenskomltee New York, 26. Juni. (J. T. A.) Der Präsident der Amerikanischen Zionistischen Organisation, Louis Lipsky, hat gegenüber dem vom Parteigerkht eingesetzten Komitee von neun Persönlichkeiten zur Herstellung des Friedens in der amerikanischen zionistischen Bewegung, die Erklärung abgegeben, daß er seine Kandidatur auf die Präsidentschaft der Amerikanischen Zionistischen Organisation zurückzieht und eine Wiederwahl nicht annehmen werde; auch werde er kein anderes Amt in der amerikanischen Administration bekleiden. Das Friedenskomitee hat sich bereits über eine der am 1. Juli zusammentretenden zionistischen Convention vorzuschlagende Kandidatenliste geeinigt. Es soll ein neues Administrativ-Komitee gewählt werden, sowie ein Direktorenausschuß bestehend aus neun und ein Landeskomitee bestehend aus 40 Personen. Ueber die Zusammen- Setzung dieser Körperschaften wird vorläufig noch Stillschweigen bewahrt. Lipsky erklärte, er habe sich deshalb zur Zurückziehung seiner Kandidatur entschlossen, weil die Kontroverse den Lord Plnmers Rücktritt Die englischen Zeitungen veröffentlichen folgende Mitteilung: Lord Plumer im kommendin Herbst von seinem Posten als High Commissioner für Palästina und Transjordanien zurücktreten wird, nachdem die Periode von drei Jahren, für welche er im Sommer 1925 als Nachfolger von Sir Herbert Samuel sein Amt übernommen hat, abgelaufen ist. Lord Plumer wird Ende Juli Palästina verlassen, um einen dreimonatlichen Urlaub anzutreten. Mr. H. C. Luke, der bisherige Kolonialsekretär von Sierra Leone, der kürzlich zum Chefsekretär von Palästina als Nachfolger von Sir Stewart Symes (früher Colonel Symes), der zum britischen Gouverneur von Aden ernannt worden ist, berufen wurde, ist von Westafrika nach London zurückgekehrt und wird Anfang Juli sich nach Palästina Der arabische Kongreß in Palästina Nach Ueberwindung der unübersteiglich scheinenden Schwierigkeiten, die insbesondere durch die scharfen Parteigegensätze sowie durch die Feindschaft zwischen Christen und Mohammedanern hervorgerufen waren, ist nunmehr doch am 20. Juni in Jerusalem der 7. palästinensisch-arabische Kongreß zusammengetreten. Anwesend waren 210 Delegierte, unter ihnen 42 Christen. Einen großen Raum in den Verhandlungen nahm die Frage der Schaffung einer Gesetzgebenden Körperschaft (Legislative Council) ein. Es wurde beschlossen, an den Völkerbund, an das britische Kolonialamt und an führende Zeitungen Englands je zwei Telegramme zu senden: In dem ersten wird festgcstellt, daß Palästina seit der britischen Okkupation ohne Parlament und ohne Selbstbestimmungsrecht ist und darum sehr zu leiden hat. In dem zweiten Telegramm wird gegen die Fest- Stellung von Colonel Symes vor der Mandatskommission des Völkerbundes, daß sich die Lage Palästinas gebessert und das Land sich auf dem Wege zur Selbstregierung entwickelt, protestiert. Der Kongreß sandte telegraphische Glückwünsche an die Konstituierende Versammlung Syriens. Der Kongreß befaßte sich auch mit Schulfragen und anderen Problemen. Nach der Wahl einer Exekutive, in der alle an dem Kongreß beteiligt gewesenen Parteien vertreten sind, wurden die öffentlichen Verhandlungen unterbrochen. Das an den Völkerbund entsandte Telegramm lautet: ״In einer einstimmigen Resolution hat der in Jerusalem tagende Araberkongreß, auf dem alle arabischen Parteien, die Araber mohammedanischer und christlicher Konfession vertreten sind, beschlossen, hiermit sein Recht auf Errichlung eines demokratisch-parlamentarischen Regierungssystems verlangen. Es ist die Pflicht des Völkerbundes, dafür ta sorgen, daß Palästina nach zehn Jahren einer absolutlsti- *Chen Kolonlalverwaltung in Uebereinstimmung mit dem Völkerbundstatut und den Versprechungen, die die alliierten Mächte den Arabern gegeben haben, ein solches Regierungs- 5)'Stern bewilligt erhalte. Palästina steht auf gleichem Fuße mit den arabischen Nachbarländern, die sich einer parlamentarischen Regierung erfreuen. Das ',olk Palästinas, das die absolutistische Kolonialverwaltung *icht länger dulden will und kann, besteht mit allem Nachdruck auf der Forderung, daß eine verfassunggebende Charakter einer persönlichen Auseinander- Setzung angenommen hat. Er habe nicht den Wunsch, dem sich anbahnenden Frieden ein persönliches Hindernis zu sein, noch sich weiteren persönlichen Attacken auszusetzen. Wie die J.T. A. erfährt, hat Lipsky noch am Montag der vorigen Woche seinen Kandidaturverzicht dem Administrativ-Komitee bekanntgegeben. Das Administrativ- Komitee hat jedoch Lipskys Erklärung zurückgewiesen und Ihn ersucht, die Kandidatur aufrechtzuerhalten. Lipsky erklärte aber, daß er unbeschadet der Haltung des Komitees entschlossen sei, eine Wiederwahl nicht anzunehmen. Viele Mitglieder des Administrativ-Komitees bemühten sich, Lipsky umzustimmen, doch dieser blieb bei seinem Entschluß und teilte schließlich seinen Verzicht auf eine Kandidatur dem Friedenskomitee mit. * Wir nehmen zu dieser Meldung, die inzwischen auch von anderer Seite bestätigt wird, im Leitartikel Stellung. begeben, so daß er unmittelbar vor der Abreise des High Commissloners sein Amt antreten wird. Bekanntlich obliegt dem Chefsekretär als dem zweit- ׳«׳Litftieis -dfo Vk-rtv<etu»g des Öberkbmfttissärs während dessen Abwesenheit. Mr. Luke wird daher gleich nach seiner Ankunft die Regierung selbst zu!eiten haben. Es ergibt sich hier die dringende Notwendigkeit, dafür zu sorgen, daß in dieser Zeit des Regierungswechsels die zionistische Palästina- Exekutive auf dem Posten ist. Trotz der Sitzung des Aktions-Comitls muß gefordert werden, daß mindestens ein Mitglied der Exekutive in Palästina bleibt (am besten wohl Col. Kisch, der eben aus Südafrika zurückgekehrt, das politische Ressort in Jerusalem wieder übernehmen wird). Ueber die Frage, wer der neue Oberkommissär sein wird, werden in den letzten Wochen die verschiedenartigsten Vermutungen in der palästinensischen Presse angestellt, doch besteht darüber noch völliges Dunkel. Versammlung einberufen werde, die aus eigenem Recht tagt, um so die Errichtung einer demokratisch-parlamentarlschen Regierung zu gewährleisten." Der Kongreß hat ferner einstimmig eine Resolution gefaßt, in der verlangt wird, daß die Ausbeutung der Kali■ schätze des Toten Meeres durch die Regierung erfolgen solle; unter keinen Umständen dürfe eine Konzession an Zionisten oder zionistische Organisationen gegeben werden. Dies wird in der Resolution mit der Behauptung begründet, das Schicksal der Ruthenberg-Konzession habe gezeigt, daß die Zionisten auch alle wirtschaftlichen Unternehmungen zu politischen Zwecken mißbrauchten. Die anfizionistische Londoner Zeitung ״Daily Express“ spricht angesichts der Teilnahme christlicher Araber an dem palästinensisch-arabischen Kongreß von einer arabisehen Einheitsfront gegen Großbritanniens prozionistische Politik und erklärt, es sei töricht für die Engländer, den Eindruck bestehen zu lassen, daß man die Juden gegen die Moslems stützt. Der Kongreß gespalten? Jerusalem, 25. Juni. (J.T. A.) Mehrere Teilnehmer an dem palästinensich-arabischen Kongreß verließen unter Protest die Beratung, weil die Exekutive nicht durch Geheimabstimmung gewählt worden war, sondern auf Grund einer Abmachung zwischen einigen Gruppen. Die Sczessionisten haben nun eine Erklärung veröffentlicht, in der gesagt wird, daß die neue Exekutive nicht als eine Vertretung des Volkes angesehen werden kann. 102000 Pfand aas Süd-Afrika Jerusalem, 25. Juni. (J.T. A.) Colonel Kisch, Mitglied der Zionistischen Exekutive, der gegenwärtig die Keren Hajessod-Kampagne in Südafrika leitet, hat dem Hauptbüro des Keren Hajessod In Jerusalem mitgeteilt, daß diese Kampagne mit einem Erträgnis von 102000 Pfund zugunsten des Palästinawerkes abgeschlossen worden ist. Colonel Kisch hat bereits seine Rückreise nach Palästina angetreten. Pittsburgh und Agency In diesen Tagen tritt die Landeskonferenz der amerikanischen Zionisten in Pittsburgh zusammen. Wohl seiten ,׳׳% in der Geschichte des Zionismus ist die Tagung einer einzelnen Landesorganisation mit so viel Spannung und Anteilnahme von der gesamten zionistischen Welt erwartet worden. Allgemein ist das Gefühl, daß es in Amerika um große Entscheidungen geht, nicht nur wegen der materiellen Abhängigkeit Palästinas vom amerikanischen Zionismus, sondern auch weil die Ge- Samtbewegung in Amerika nur den krassesten Fall der inneren Zerfahrenheit sieht, die sich auch in andern Teilen der Bewegung bemerkbar macht. Angesichts der großen Verantwortungen, die auf der Zionistischen Organisation ruhen, ist aber ihre innere Befriedung, Stärkung, geistige Wiederbelebung eine Schicksalsfrage. Jeder Mechanismus, an den zu große Anforderungen gestellt werden, zehrt von der Substanz und nützt sich ab; dies gilt auch von sozialen Bewegungen, denn auch die Seelenkraft der Menschen, die diese Bewegungen tragen, ist nicht unerschöpflich. Alle Parteien unterliegen bestimmten soziologischen Gesetzen, gemäß deren nach Ablauf einer gewissen Zeit Ermüdungserscheinungen eintreten, die sich in inneren Konflikten, Ueberspitzung der Gruppen- und Personengegensätze, Ersetzung der wirklichen Triebkräfte durch mechanische bürokratische Hilfsmittel kennzeichnen. Das einzige Mittel, diesen Ent- Wicklungen zu entrinnen, ist klare Erkenntnis und bewußte Gegenwirkung. Der Zionismus muß die Sachlage in sein Bewußtsein aufnehmen. Darum sind die internen Probleme, die in Amerika aufgerollt wurden, von größter Bedeutung für die Gesamtbewegung. Die psychologisehen Hintergründe sind typisch. Viel stärker als politische oder wirtschaftliche Meinungsverschiedenheiten wirken die Geltungstriebe, die Abneigung gegen die Beamtenschaft, der Verdacht des Cliquenwesens usw. Wer die Polemik verfolgt, wird stets auf beiden Seiten eine Mischung von Richtigem und Falschem finden; so daß schließlich der Eindruck entsteht, daß nicht durch Kompromisse der Anschauungen die Krise gelöst werden kann, sondern nur durch den Willen der Zusammenarbeit aller verantwortlichen Personen, und durch das Bewußtsein innerer Solidarität. Der amerikanische Zionismus war stets ein besonders schwieriges Gebilde, weil er durch den Krieg und den Zusammenbruch Rußlands mit einem Schlage aus einer höchstens mittelmäßigen Landesorganisation zu der wichtigsten und führenden Gruppe des Zionismus wurde. Plötzlich vor die Aufgabe außerordentlicher Geldbe- Schaffung gestellt, konnte er sich keine Zeit gönnen, die Herzen der schon rein geographisch, aber auch in ihrer sozialen Struktur ungeheuren amerikanischen Judenheit zu erfassen, mußte er versuchen, mit den starken Mitteln einer äußerlichen Reklame und Schlagwortpropaganda schnell zu wirken. Am deutlichsten wurde dies zur Zeit der vierten Alijah, wo man bereits davon sprach, daß Palästina als Massen-Immigrationsland Amerika abgelöst habe. Die Enttäuschung konnte dann nicht ausbleiben. Dazu kommt, daß der amerikanische Zionismus nur in einer bestimmten Mittelschicht des amerikanischen Judentums Fuß zu fassen vermochte. Die Mehrzahl der amerikanischen Zionisten brachten ihren Zionismus aus Europa mit. So hingebungsvoll auch Teile dieser Schicht für Palästina arbeiteten, es war doch klar, daß die Möglichkciten der Unterstützung des Palästina-Aufbaus mit Hilfe dieser Kreise allein beschränkt waren. Dies mag der entscheidende innere Grund gewesen sein, warum Weizmann, erfüllt von der Notwendigkeit schnelleren materiellen Fortschritts in Palästina, vor fünf Jahren auf den Plan verfiel, andere Kreise, die vom Palästinagedanken berührt, aber zionistisch nicht organisiert waren, zur aktiven Teilnahme am Palästina-Aufbau heranzuziehen. Ohne Berücksichtigung der Gegebenheiten des amerikanischen Zionismus wird man weder die Entstehung des Agency-Gedankens, noch die heutige Situation gerecht beurteilen können. Amerika ist nun einmal das für den Palästina-Aufbau unentbehrlichste Land. Wenn wir uns nicht mit Kleinkolonisation zufrieden geben wollen, müssen wir die aufbauenden Kräfte vergrößern. Aber dieser notwendige Versuch ist ein Wagnis, und er kann — wie hier immer gesagt wurde — nur gelingen, wenn die zionistische Bewegung stark ist; ohne eine der Sache ergebene, von der zionistischen Idee erfüllte Kerntruppe ist jede Palästina- Arbeit natürlich sinnlos. Auch die Nichtzionisten wissen das sehr gut. Ihr Interesse an Palästina, wie immer sie es formulieren mögen, besteht doch auf keinen Fall darin, daß irgendwo in der Welt noch ein paar Orangenbäume gepflanzt oder Milchkühe gezüchtet werden, sondern darin, daß hier eine zentrale jüdische Leistung Regierungswechsel in Palästina

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