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Jüdische Rundschau · 1928-06-26 · Heft 50 (26.6.1928) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 50 (26.6.1928)
Date
1928-06-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Einzelnummer 0,25 Goldmark MH Unterhaltung*-Beilage JÜDISCHE RUNDSCHAU Redaktion und Verlag Berlin W 15, Meinekestraße 10. Erscheint jeden Dienstag und Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 1,85 Goldmark, vierteljährlich 5,25 Goldmark. AuiUnduibonntnMnI« wurden in der Währung der einreinen Länder berechnet. Nummer 50 I Berlin, 26. VI. 1928 Anzeigen •V erwaltung Jüdische Rundschau G.m.b.H״ Berlin W15. Meinekestr.10 Telephon: Amt Bismarck 7165 — 70, Telephon: Bismarck 7165—70. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392 Für Oesterreich: Postsparkassenarot Wien, Konto Nr. 156 030 Für T»cbechoil0wakei: ro§tsparka«enamt Prad, Konto Nr. 59410. Für Polen: P08t*parka*senamt Warschau, Konto Nr. 190708. Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. Aöz eigenpreis: S^espali. Nonpareille? eile 0,50 GM. Stellen gesucht 0, '15 G.-M. Anzeigenschluß: Dienstag und 1• r eitag nachmittags 4 Uhr. ——a—BPMrtj ■ חרפ״ח ה׳ תנ-ז. I XXXIII. Jahrg. Der Ilowltwus erstrebt Hlr da» JildUeh« Volk die Schaffung einer öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. ״Baseler Programm.“ Der Bericht der Agency-Kommission Die zur Empfangnahme der Experten-Gutachten im Zusammenhang mit der geplanten Erweiterung der Jewish Agency eingesetzte Kommission (Joint Pafestine Survey Commission) hat nach Abschlufl ihrer in London vom 9. bis 18. Juni abgehaltenen Sitzungen ihren Bericht abgefafit. Die Kommission bestand bekanntlich aus den Herren Lord Melchett (früher Alfred Mond), Lee K. Frankel, Felix M. Warburg und Oscar Wassermann. Der Bericht zerfällt in ein Vorwort und zwei Hauptteile. Das Vorwort behandelt die Geschichte der zionistischen Bewegung bis San Remo. Der erste Hauptteil beschäftigt sich mit dem gegenwärtigen Stand des Palästinawerks und dem Bericht der Sachverständigen. Der zweite Hauptteil enthält die Empfehlungen und Schlußfolgerungen der Kommission. Zwischen dem ersten und zweiten Hauptteil ist ein besonderes Kapitel über die Pflichten der Mandatsregierung eingefügt. Der ganze Bericht wird etwa 200 Druckseiten umfassen. Wir verüifentlichen im Folgenden zunächst den zweiten Hauptteil des Berichtes, der die Empfehlungen und Schlußfolgerungen der Kommission enthält. (Der Text ist, wie wir im letzten Augenblick erfahren, noch nicht völlig authentisch). Der Bericht RW, Berlin, 25. Juni. Der lange mit Spannung erwartete Bericht der Vier-Männer-Kommission liegt vor uns. Vor eineinhalb Jahren wurde diese Kommission durch eine Verein* barung zwischen Dr. Weizmann 1mcl Louis Marshall eingesetzt, um die positiven Grundlagen für die Tätigkeit der erweiterten Jewish Agency vorzubereiten. Waren bis dahin die Verhandlungen zwischen der Zionistischen Organisation und der nichtzionistischen Gruppe nur in dein Sinne geführt worden, daß grundsätzlich eine Zusammenarbeit an der Errichtung der jüdischen nationalen Heimstätte in Palästina gemäß Balfour-Deklaration und Mandat ins Auge gefaßt war, so mußte der nächste Schritt Klarheit über das Prograinm der praktischen Aufbauarbeit selbst bringen. Dies war die Aufgabe der Kommission, die sich dabei der Gutachten einer Reihe von ihr ernannter Experten bediente. Der Bericht faßt das Resultat dieser Bemühungen «zusammen. Die wichtigste Frage, die sich erhebt, ist die: Enthält der Bericht den erwarteten Aufbauplan? Gibt er Richtlinien, praktische Hinweise und Garantien für die Durchführbarkeit des Programms? Iin ganzen großen kann diese Frage bejaht werden, obwohl in dem bisher veröffentlichten Teil ein genau spezialisierter Aufbauplan und eine bindende Garantie der finanziellen Erfordernisse nicht enthalten ist. Aber es ist schwer vorstellbar, in welcher Form die Erfüllung dieser Wünsche durch den Bericht hätte erfolgen sollen. Wesentlich scheint uns der das ganze Dokument unverkennbar und unzweideutig erfüllende Wille, zu einer Sicherung und Vergrößerung der Kolonisation in Palästina zu gelangen. Die Kommission ist sich darüber klar, unter welchen schwierigen Bedingungen die Sicdlungsarbcit bisher vor sich ging, vor allem aber anerkennt sie, daß das bisherige Budget der zionistischen Fonds in keiner Weise für eine Erweiterung der Aufbauarbeit ausreicht. Nach Ansicht der Kommission ist ein Minimalbudget von einer Million Pfund jährlich unerläßlich, wobei sie das Budget des Keren Kajemcth außer Betracht läßt. Es handelt sich also ungefähr um eine Verdoppelung des bisherigen Palästina-Budgets. Die Kommission betont die Notwendigkeit, in den kominenden fünf Jahren mindestens diese keineswegs utopische Summe aufzubringen, und sie appelliert an die gesamte jüdische Welt, als deren Aufgabe sie die Beistellung dieser Mittel betrachtet. In diesem Budget ist in konzentrierter Form auch eine Handhabe für den Aufbauplan selbst enthalten. Es wird noch Gelegenheit sein, auf die Einzelheiten des Berichtes zurückzukouuncn. Wie immer man zu einzelnen Schlußfolgerungen der Kommission stehen mag, man wird gerechterweise anerkennen müssen, daß hier eine ernste Arbeit geleistet wurde, um der Sache des Nationalen Heimes zu helfen. Natürlich konnten die Kommissionsmitglicdcr sich nur so äußern, wie sie die Sache verstehen, und wir wollen gleich hinzufügen, daß nach unserer Meinung in ihren Empfehlungen bezüglich der künftigen landwirtschaftlichen Kolonisation, vor allem was das Prinzip der Selbstarbeit und die gcuossenschaftliche Siedlung (Kwuzoth) betrifft, nicht alle realen Faktoren genügend berücksichtigt sind; denn auf diesem Gebiete sind moralische Prinzipien und soziale ideale Kräfte von ausschlaggebender Bedeutung auch für das wirtschaftliche Gelingen der Kolonisation. Guter dem frischen Eindruck der Rede Vanderveldes wird man besonders verstehen, daß es hier um ein zionistisches Aktivum erster Ordnung geht. Ueber diesen und andere Punkte wird noch gesprochen werden müssen. Aber Meinungsverschiedenheiten solcher Art haben nichts mit dem Zionismus als Kriterium zu tun, denn die Kommission vertritt Anschauungen, die auch innerhalb der Zionistischen Organisation seit Jahren zu starkem Ausdruck gelangt sind. Die von den Gegnern der Erweiterung der Jewish Agency erhobenen Bedenken, die Nichtzionisten könnten innerhalb der Agency gegen das zionistische Ziel arbeiten, werden jedenfalls durch den Bericht schlagend widerlegt. Denn der leitende Gesichtspunkt des Berichtes ist der Wunsch, die Stagnation im Aufbau des nationalen Heims zu überwinden, die Zahl der Juden im Lande zu vermehren, die Tore für die Einwanderung zu öffnen und ein lebensfähiges jüdisches Gemeinwesen schaffen zu helfen. Besonders interessant ist die Art und Weise, wie der Bericht in allen seinen Teilen die Notwendigkeit der Mitwirkung der Regierung betont. Es zeigt sich, daß unsere konkreten?politischen Forderungen an die Regierung, die Kolonisation zu erleichtern, von den Nichtzionisten mit nicht geringerer Energie vertreten werden wie von derZionistischcnOrganisation. Jabotinsky, der noch vor kurzem in einem Brief an die Kommission sich gegen deren Mitwirkung in politischen Dingen wehrte, sollte u. E. nach diesem Bericht gerade die Vanderveldes Palästina-Vortrag Das Deutsche Komitee Pro Palästina veranstaltete am 24. Juni im Sitzungssaale des ehemaligen Preußischen Herrenhauses eine Kundgebung, in der Herr und Frau V a n d e r - v e 1 d e über Ihre Eindrücke von einer Palästinareise bericliteten. Der große Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt und der Präsident des Pro Palästina-Komitees, Gral Bernstorff, konnte in deutscher und französischer Sprache die erschienenen Vertreter der Reichs- und Staatsbehörden, den belgischen Gesandten samt Gattin sowie insbesondere die beiden Vortragenden Gäste begrüßen. Graf Bernstorff betonte, daß seit der letzten öffentlichen Kundgebung des Komitees Pro Palästina Deutschland durch ein ständiges Mitgüed in der Mandatskommission eine Vertretung gefunden habe. In Emile Vandervelde begrüßte Graf Bernstorff den Förderer des Abkommens von Locarno, den warmen Anhänger des Abrüstungsgedankens, sowie insbesondere den Freund des Palästina-Aufbaus, der, getrieben von Interesse für die zionistische Sache, das Land aufgesucht habe, um mit eigenen Augen zu sehen und zu erkennen. Frau Vandervelde gab in einem lebendigen Bericht eine Darstellung der sie als Frau und Medizinerin in Palästina besonders interessierenden Institutionen und Verhältnisse. Sie sprach von dem großen sanitären Werk der Hadassah, von den Krankenhäusern der Arbeiterschaft, von der Erziehung der Kind e r und von der Steilung der jüdischen Frau im Jischuw. Frau Vandervelde betonte, daß das Ideal des Zionismus alle Anstrengungen und Opfer der im Lande tätigen Mediziner und insbesondere der jüdisehen Frau erleichtere. Richard L i c h t h e i m gab eine zusammenfassende Uebersetzung der in französischer Sprache gehaltenen Rede von Madame Vandervelde, die für ihre warmherzige Darstellung begeisterten Beifall erntete. Emile Vanderveldes Vortrag war für die er schienenen Zuhörer ein Erlebnis. Nicht nur durch das, was er zu berichten hatte, sondern durch die hinreißende Beredsamkeit und die begeisterte Art, wie er als ״Sozialist, Internationallst und Nichtjude“ die Sache des Zionismus auffaßt. Vandervelde kam im Bewußtsein, daß Palästina eine wirtschaftliche Krise durchmache, ins Land. Er gab sich die größte Mühe, bei allen Faktoren Erkundigungen einzuziehen und mit eigenen Augen den Stand der Aufbauarbeit abzuschätzen. Zusammenfassend gelangte er zum Ergebnis, daß die Arbeit der zionistischen Idealisten außerordentliche Erfolge gezeitigt habe. Im Aufbau Palästinas erblickt er ein Werk des Friedens, der allmenschlichen Verständigung und eine Großtat der Humanität. Vanderveldes Rede wurde stellenweise von stürmischem Beifall unterbrochen. Am Schluß bereiteten ihm die Zuhörer eine langanhaltende Ovation. Der Vorsitzende, Graf Bernstorff, erklärte, von einer Uebersetzung der Rede Vanderveldes ins Deutsche absehen zu wollen, weil es doch unmöglich sei, den Glanz und die unmittelbare packende Wirkung der Vanderveldeschen Dar- Stellung selbst durch die vorzüglichste Uebersetzung auch nur annähernd wiederzageben. Wir werden einen ausführlichen Bericht über Vanderveldes Ausführungen nachtragen. politische Mitarbeit dieser Kreise begrüßen, denn in vielen Einzelheiten des Berichtes kommt etwas Aehnliches zum Ausdruck wie das, was der Revisionismus die Forderung eines ״Kolonisationsregimes“ genannt hat. Die politische Hauptarbeit, die Organisierung des politischen Willens der zionistischen Massen, wird immer eine Aufgabe der Zionistischen Organisation bleiben; aber daß die Mitarbeit der liier beteiligten nichtzionistischen Kreise eine Verstärkung unseres politischen Einflusses darstellt, kann doch nicht verkannt werden. Der Bericht der Kommission kann eine neue Epoche des Zionismus und der Palästinaarbeit einleiten. Wir haben aus dem Munde einer Gruppe von Männern, die keineswegs parteimäßig voreingenommen sind, nach eingehender Prüfung eine Bestätigung, daß die Grundlagen des Palästinawerkes gut und gesund sind, daß dieses Werk erweiterungsfähig ist und erweitert werden soll, daß bei Vergrößerung der Mittel günstige Resultate erzielt werden können. Auch wir Zionisten wußten, daß an der bisherigen Arbeit manches auszusetzen ist, die Zionistische Organisation mußte ihr als Experiment begonnenes Kolonisationswerk erst allmählich vervollkommnen und Fehler verbessern. Ueber diese techmischen und wirtschaftlichen Fragen muß in einer Atmo- Sphäre kühler Berechnung und sachverständiger Prüfung gesprochen werden. Die Hauptsache aber ist die Erkenntnis, daß eine aktive Mitwirkung der Gesamtjudenheit bei der Aufbringung der Mittel unerläßlich ist und daß der Fortschritt und das Tempo des Aufbaues proportional ist zu der jQröße der Mittel. Es liegt die Befürchtung nahe, daß innerhalb des Zionismus ein erbitterter Streit um Einzelheiten des Berichtes ausbrechen wird, in Verkennung der einzigartigen Situation, die durch den Bericht geschaffen ist. Er ist eine große Chance, deren Auswertung letzten Endes von der Zionistischen Organisation selbst abhängt. Wird sie der Situation mit Würde und konzentrierter Kraft, ungeschwächt durch innere Zerrissenheit, gegenübertreten, dann kann die Krise überwunden werden und die ideelle Macht des Zionismus, ohne die die Palästinaarbeit sinnlos wäre und niemals diese uns einst fernstehenden Kreise in ihren Bann gezogen hätte, kann sich in neuem Aufschwung entfalten. Der Schluß der Beratungen London, 20. Juni. (J. T. A.) Die Joint Palestine Survey Commission hat ihre Beratungen beendet. Der offizielle Bericht wurde der J. T. A. zur Veröffentlichung übergeben. In Erklärungen an die Jüdische Telegraphen-Agentur haben die Teilnehmer an den Verhandlungen ihrer Befriedigung über das Resultat derselben Ausdruck gegeben. Am 19. Juni abends fand im Hause von Dr. Weizmann ein Dinner statt, dem der Staatssekretär für die Kolonien Amcry, Lord Robert C e c il, Major Edward L a s c e II e s , Sir Herbert Samuel. Sir Wyndham Deedes, Philip Carr, Louis Mars ha 11, Felix M. Warburg, Dr. Lee K. Frankel, Nahum Sokolow 11. a. m. beiwohnten. Gleichfalls am 19. Juni gab Sir George Macdonogh zu Ehren von Louis Marshall ein Frühstück. Am 20. Juni war Louis Marshall Gast des Permanenten Unterstaatssekretärs für die Kolonien Sir John Shuckburgh. Marshall bleibt bis zum 29. Juni in England. A11 diesem Tage begibt er sich zu einem Htägigen Aufenthalt nach Paris. Am 13. Juli tritt er an Bord des ,,Leviathan“ von Cherbourg aus die Rückreise nach New York an. Herr Felix M. Warburg begab sich am 20. Juni nach Paris, wo er mit Baron Edmond de Rothschild, dem ״Vater“ der jüdischen Kolonisation in Palästina, Zusammentreffen, ihn ,über die Beschlüsse der Joint Palestine Survey Commission informieren und sich seiner Mitarbeit zu vergewissern suchen wird. Von Paris reist Herr Warburg nach Hamburg zum Besuche seines Bruders, Herrn Max M. Warburg. In Hamburg wird er auch mit dem europäischen Direktor des Joint Distribution Committee, Herrn Dr. Bernhard Kahn, Zusammentreffen. Am 29. Juni tritt Herr Felix M. Warburg an Bord des Dampfers ״Deutschland“ von Hamburg die Rückreise nach den Vereinigten Staaten an.

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