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Jüdische Rundschau · 1928-06-15 · Heft 47 (15.6.1928) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 47 (15.6.1928)
Date
1928-06-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 342 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 47, 15. Vl. 1928 SItzong von ״Hias-ka-Emigdirect“ Am 7. Juni begann in Berlin unter dem Vorsitz von Dr. James Simon eine Beratung der Exekutive des Verbandes der Emigrationsgesellschaften ״Hias-I ca-Emigdirect“. Anwesend waren die Direktoren von ״Hias-Ica-Emigdirekt“ Dr. Edouard Oungre und Dr. James Bernstein, die Herren Joachimsohn, Dr. Jacob Lestschinski, Professor Mittwoch, Qeheimrat Dr. Julius Stem, ferner die Mitglieder des Rates Israel Bernstein und Dr. Gribeschock, die Mitglieder des Sekretariates und Herr Dr. L. BTamson als Gast ln den Hjcem-Büros der Auswanderungs-!ander haben sich 9787 Auswanderungswillige in die Listen eintragen lassen, davon in Polen 6554, in Frankreich 1118, in Rumänien _851, in Belgien 304, in Lettland 219, in Holland 209, in Danzig 532. Die Zahl der Besuche betrag 28 848. In 6565 Fällen wurde juristische Hilfe gewährt, so in Angelegenheiten der Paß- und Visumbeschaffung, Interventionen bei den *Behörden und Konsulaten usw. Durch Vermittlung der Hjcem- Büros wurden den Emigranten Schiffskarten zu ermäßigten Preisen im Gesamtbeträge von rund 100000 Dollar beschafft. In Polen wird die berufliche Vorbereitung der Emigranten für Landwirtschaft und Industrie wcitergcführt. In Argentinien wurden drei neue Arbeitsvermittlungsbüros für Einwanderer eingerichtet, ln Brasilien wurden außer in Rio de Janeiro auch in Machtos und Porto-AIegro Komitees zur Betreuung der Ein- Wanderer gegründet. In Uruguay haben sich in den ersten zwei Monaten dieses Jahres 155 Einwanderer in die Listen eintragen lassen. Auf den Geschäftsbericht folgte ein Reterat von Dr. L. Bramson über Südafrika als Einwanderungsland für Juden. Israel Bernstein berichtete über seine Inspektionsreise durch Rumänien. Karl Kraus ist Katholik! München, 12. Juni. (J. T. A.) Wegen Beleidigung des Wiener Schriftstellers Karl Kraus, des Herausgebers der ״Fackel“, wurde der verantwortliche Redakteur des ״Völkischen Beobachters“, Weiß, zu 200 Mark Geldstrafe verurteilt. Das Hitlerblatt nannte Kraus ״Judenliterat“ und rief die National- Sozialisten zur Störung der Münchener Aufführung des Dramas von Kraus, ״Traumstück“, auf. In der heutigen Verhandlung machte der Vorsitzende die überraschende Mitteilung, daß der ״Judenliterat“ Kraus nach Mitteilung der Wiener Polizeidirektion der katholischen Konfession angehört. Kleine Nachrichten Wiener Zeitungen veröffentlichen ein Interview mit dem österreichischen Generalkonsul in Jerusalem, Walter Haas, über die Möglichkeiten des österreichischen Exports für Palästina. Generalkonsul Haas sagte, das Abklingen der palästinensischen Wirtschaftskrise ist für die allernächste Zeit als sicher zu erwarten, demgemäß sei mit einer immer wachsenden Exportmöglichkeit zu rechnen. Wie die arabische Presse mitteilt, befaßt sich der bekannte arabische Führer Emir Michel Lutfall ah mit der Gründung einer Aktiengesellschaft, für den Bau einer Eisenbahn- 1 i n i e zwischen Akko und Beirut. Die Presse teilt weiter mit, daß der Emir auch Hypothekenbanken in Palästina und Syrien zwecks Förderung arabischer Unternehmungen gründen wird. Dr. C h a i m Yasskv ist zum Direktor-Stellvertreter des Gesundheitswesens der Haaassah in Palästina ernannt worden. Man nimmt hier an, daß Dr. Yassky zum Nachfolger des Hadassah-Direktors Dr. Bluestone ausersehen sei, der im Oktober d. J. seinen Posten zu verlassen gedenkt. Demnächst wird in T i b e r i a s eine neue Klinik errichtet werden, die den Namen Norvin Lindheims, des verstorbenen Gatten der Hadassah-Präsidentin Frau Irma Lindheim, tragen wird. Das Grundstück für die Klinik ist von der Pica bereits zur Verfügung gestellt worden. Warschau, 11. Juni. (J. T. A.) Bei der Beratung des Budgets für Handel und Industrie im polnischen Sejm hielt der jüdische Deputierte Heller eine großangelegte Rede, in der er die Position der Juden im polnischen Wirtschaftsleben kennzeichnete und eine Reihe von Forderungen der Juden begründete. Oesterreich zählt im ganzen 32 jüdische Kultusgemeinden. Die Wiener Kultusgemeinde zählt ungefähr 210 000 jüdische Seelen, während die 31 Kultusgemeinden in den österreichischen Bundesländern insgesamt nicht mehr als 25 000 Seelen zählen. Niederösterreich hat 14, das Burgenland 10, Oberösterreich 2, Salzburg, Steiermark, Tirol, Kärnten und Vorarlberg je eine jüdische Gemeinde. Die Londoner Universitätssitzung• In dom Bericht über die Londoner Sitzung der Universität Jerusalem in der vorigen Nummer, unserer Zeitung fehlt versehentlich in der Liste der Teilnehtner Prof. Otto War bürg, der Leiter des naturwissenschaftlichen Instituts der Universität, der gleichfalls an der Londoner Sitzung teilgenommen hat. Eine Dybuk-Austretbung in Jerusalem, ln der Jemeniten- Synagoge in Jerusalem fand in diesen Tagen die Zeremonie einer Dybuk-Austreibung statt. Zehn Jemeniten-Rabbiner bemühten sich um eine Frau, namens Matzli, die irr redete und fortwährend rief, der Geist des vor kurzem verstorbenen Juden Yehezkiel sei in sie gefahren, ein Dybuk habe Besitz von ihrem Körper genommen. Nach einem langen Zeremoniell und Verkündung des Banns verkündeten die Rabbiner, daß die Frau geheilt sei. Frau Matzli erfreut sich jetzt besten Wohlseins. Die Schriftleiter der Gemeindeblätter in Köln. Am 4. Juni traten Vertreter der au den jüdischen Gemeindeblättern interessierten Kreise anläßlich der Pressa in Köln zu einer Besprcchung der die Gemeindeblätter betreffenden Fragen zusammen. Vertreten waren die in Aachen, Anhalt (Dessau), Dresden, Frankfurt 3. M., Hamburg, Hessen, Mainz, Leipzig, Mannheim erscheinenden Gemeindeblälter, sowie die in Brabnschwoig, Chemnitz, Erfurt, Halle, Hannover, Kassel, Magdeburg und Wiesbaden erscheinenden jüdischen Blätter. In der Aussprache wurde dann eine Reihe von praktischen Anregungen gegeben, die darauf hinausliefen, ein stärkeres Zusammengehen der einzelnen Gemeindehlätter sowohl hinsichtlich des Inhalts, als auch in der wirtschaftlichen Fundierung durch Beschaffung der Inserate herbeizuführen. Beschlossen wurde ein viergliedriger Ausschuß, der sich mit der Frage einer solchen Interessengemeinschaft zur Erreichung eines Artikelaustausches, Be- Schaffung von Bildmaterial, Zusammenstellung von Bibliographien usw. befassen soll, ln den Ausschuß wurden gewählt die Herren Rabbiner Dr. G. Cohn!Leipzig), Rabbiner Dr. S. Levi!Mainz), Syndikus Dr. Meyer (Frankfurt a. M.) und Jacob Sternlicht (Dresden). Am 24. d. M. findet in Berlin eine der Frage der Arbeit in den jüdischen Gemeinden gewidmete Tagung statt, an der die Mitglieder des G. A., des Landesvorstandes der Z. V. t. D. und die in der Gemeindepolitik tätigen Gesinnungsgenossen teilnehmen OIE DRITTE BÜCHSENEEERUN© BEGINNT AM 20. JUNI UND S OLL BIS MITTE JÜLI BEENDET SEIN! Briefe an die Redaktion Professor Friedrich Kraus Des genialen Arztes und Forschers 70. Geburtstag wird seiner wissenschaftlichen und menschlichen Bedeutung entsprechend gefeiert. Was kann für uns Anlaß sein, dieses Nichtjuden an seinem Jubiläum zu gedenken? Kraus ist nicht ״Philosemit“ in dem von Assimilantcn so geschätzten Sinn, aber er ist ein Mensch von einer weltunispannenden Weite, dem kleinliche Haß- und Rassenfragen und -phrasen fremd sind. In seiner Umgebung weht darum ein Hauch jener Freiheit, die wir im akademischen Leben nur allzu sehr vermissen mußten. Mehr solche Männer vom Geiste Friedrich Kraus’ —, und wir würden unser Otluthschicksal leichter ertragen können! In einer Zeit des bis in die Hörsäle vorgedrungenen politischen Rowdietums geschah dies: Kraus demonstrierte in seiner klinischen Vorlesung einen Fall einer seltenen, nach dem berühmten Kliniker Recklinghausen benannten Krankheit. Der im Kolleg praktizierende junge Mediziner, von Kraus nach dem Namen der Erkrankung befragt, antwortet in betont preußisch-strammer Weise: ״von Recklinghausensche Krankheit!“ Darauf Kraus: ״Das ,von‘ hätten Sic sich schenken können“, und zum Auditorium gewandt: ״Ich will Ihnen eine Geschichte erzählen: Als der alte Recklinghausen einst Rektor der Universität Straßburg wurde, gab ihm zu Ehren der Statthalter ein Fest. Bei diesem Fest sagte der Statthalter zu Recklinghausen: ,Herr von Recklinghausen, ich freue mich, daß wieder einmal einer von unseren Leuten Rektor dieser Universität ist!‘ Da antwortete Recklinghausen: ,Herr Statthalter, ich selber lege auf meinen Adel gar keinen Wert; ich habe eine Frau, die noch von viel älterem Adel ist als Sie und ich, sie stammt von Adam und Eva ab, sie ist nämlich eine Jüdin!“ Daß das Vortragen einer solchen Anekdote bei Kraus mehr war als eine schöne Geste, zeigte sich, als Kraus kürzlich bei dem ihm zu Ehren veranstalteten Kommers der Berliner Aerzteschaff in seiner Dankrede keinen geringeren zu zitieren wußte als unseren Martin Buber. Berlin. Dr. med. Hermann Abraham. * Das schlechte Gedächtnis Für den Neuling im internen Kongreßbetriebe war auch auf dem letzten Kongreß einer der aufschlußreichsten Eindrücke die Haltung der Amerikaner und die Kiuft, die man oft in Fragen zionistischer Grundauffassung zwischen amerikanischen und anderen Zionisten spürte. Besonders plastisch wirkte in dieser Hinsicht die nonchalante Art des Herrn Rosensohn, der in seinem Referat über Kehillath Zion vor der Anleihekommission ganz ruhig im Ton der Selbstverständlichkeit mitteilte, man hätte leider, um Schlimmeres für das Ansehen der Zionislischen Organisation Amerikas zu verhüten, U. P. A.-Gelder für die Sanierung der Kehillath Zion verwenden müssen. Und heute, noch kein Jahr ist vorüber, liest man mit Staunen, daß derselbe Rosensohn, dir ähf dem Kongreß i1f der verantwortliche und zuständige Mann über Kehillath Zion und ihre Sanierung referiert hat, gerade in diesem Punkte dem Träger der allgemeinen Verantwortung, Lipsky, Vorwürfe macht! Man liest und staunt, wie man auch gestaunt hat, als gerade der Mann — nach Zeitungsnachrichten —׳ für die Kehillath Zion zu Verhandlungen rrfit der Flexner-Gnippe nach Amerika gereist ist, deren Geschäftsführung nach seiner Demission von der zuständigen Instanz aufs schärfste desavouiert worden war. Aber s o schlecht, wie Herr Rosensohn offenbar annimmt, ist unsere Erinnerung doch noch nicht, und Morris Rothenberg schärft ja auch im ״New Palestine“ Herrn Rosensohn etwas das Gedächtnis. Die Sache ist mehr als nur eine pikante Einzelheit. Dieser Mann war auf dem letzten Kongreß Vorsitzender der Budgetkommission. Rathenau hat einmal gesagt, das deutsche Volk hätte den Kaiser gehabt, den es verdiente. Und die Zionisten verdienen es nicht besser, wenn sie weiterhin (wer denkt etwa heute noch an die Wahl des Vorsitzenden des Permanenzaussehusses des vorletzten Kongresses?) alle diese Erfahrungen in den Wind schlagen. Dr. Heinrich Strauß. *' Das neue Goldene Buch. Professor Boris Schatz, der Leiter der Bezalelschnle in Jerusalem, sendet uns eins Zuschrift, in welcher er sich darüber beschwert, daß das Hauptbüro des Jüdischen Nationalfonds einen {fffentliehen Wettbewerb für den Entwurf des vierten Bandes des Goldenen Buches des Jüdisehen Nationalfonds ausgeschrieben hat. Prof. Schatz ist der Meinung, daß die Erfahrungen des ersten und dritten Bandes be- Bialik zum 20. Tamus Eine Sammlung von Beiträgen *u den Feiern von Herzls Todestag, die vom Hauptbüro des Keren Kajemeth herausgegeben wurde, enthält interessante Beiträge von Bialik, Cohen, Schimonowitz, Frischmann u. a. Eine Reihe von Orten in Deutschland hat bereits mit den Vorbereitungen für die Herzl- Feier begonnen, in Berlin wird voraussichtlich eine große Veranstaltung im Zusammenhang mit der Aktionskomitee- Sitzung siatlfinden. Di^ traditionelle Sammlung von Baumspenden für den Herzlwald ist in diesem Jahr angesichts des Rückganges der Nalionalfonds-Einnahmen in Deutschland von besonderer Wichtigkeit. FÜR DAS BERLINER STADTBÜRO DES KEREN KAJEMETH LEJISRAEL suchen wir zum 1. Juli dieses Jahres einen SEKRETÄR Zionistische Bewerber, die über gute organisatorische und propagandistische Erfahrungen verfügen und nach Möglichkeit mit den Berliner Verhältnissen vertraut sind, wollen schriftliche Gesuche richten an den Keren Kajemetb Lejisrael für Deutschland, Berlin W15, Meinekestrafie 10 weisen, daß dieser Weg nicht der richtige ist, während der zweite Band des Goldenen Buches, der ün Bezalel hergestellt wurde, den Anforderangen entspricht. Da sich der Bezalel in- *wischen technisch vervollkommnet habe, so erhebe er den Anspruch, daß ihm diese Arbeit übertragen werde. * Vor Beginn der Reisezeit. Wir erhalten folgende Zuschrift zur Veröffentlichung: Die Frühlingssonne kommt endlieh henor und weckt in jedem Wünsche und Pläne für den kommenden Sommer. Auch unser jüdisches Publikum rüstet und überdenkt die Stätten der Erholung, aber der Baedeker allein kann ihm nicht genügend Wegweiser sein. Eino wahre Erholung gibt es nur, wenn man unlcr Freunden, unter Menschen seinesgleichen weilt, wenn die neue Welt, in die man tritt, Verbitterung und Gefühle der Zurücksetznng erspart. Man muß den jüdischen Baedeker zur Hand nehmen, wenn man den Wanderstab ergreift, muß fragen: Wo haben jüdische Wirte die Möglichkeit eröffnet, in der Fremde ein jüdisches Haus zu finden? Wo werden uns strahlende Sabbatlichter entgegenleuchten? Das jüdische Hotel ist der Kristallisationspunkt, 11m den herum sich eine jüdische Gesellschaft sammmelt, der ein neues Zuhause gibt, wenn man scino eigenen vier Wände verlassen hat. Die jüdische Oeffentlichkeit betrachtet heute die Frage der jüdischen Hotels als die ihre. Der Landesverband preußischer Gemeinder! h3t aus öffentlichen Mitteln schon eine größere Summe bereitgestellt, um die Bestrebungen in dieser Richtung zu unterstützen, der Verein zur Förderung ritueller Speisehäuser hat mit wachsender Kraft seine Ziele zu verwirklichen gewußt, und der Verein jüdischer Hotelbesitzer und Restaurateure ist energisch am Werk, diesem Lebensbedürfnis jüdischer Menschen seine Befriedigung za verschaffen. Verbandstag der Jüdischen Handwerker Dentschlands Der 8. Verbandstag des Zentralverbandes jüdischer Handwerker Deutschlands, Sitz Berlin, wurde vom a. bis 5. Juni in Hannover abgehallen. Eingeleitet wurde die Tagung durch einen Festakt, den der Verbandsvorsitzende, Glasermeister Wilhelm Marcus (Berlin), eröffnete. Der Vorsitzende des Berliner Händwerkervcreins, Tapezierermeister Louis Wolff, wies auf die Bedeutung eines starken jüdischen Handwerkerstandes für das gesamte Wirtschaftsleben hin. Senator Lutz sprach einen Willkommensgruß im Namen der Stadt Hannover. Es sprachen noch der Präsident des deutschen Handwerks- und Gcwerbekammertages, Ehrenobermeister Plate, Landrabbiner Dr. Freund für den allgemeinen Rabbinerverband, Kommerzienrat Berliner als Vorsitzender der Synagogengemeinde Hannover, Fürst für die Zentralstelle für Woblfahrlspflege, Sanitätsrat Dr. Katzenstein für die Großloge, Walter Fürst für den Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, Rudolf Herzberg für den Central-Verein und für die Vereinigung für das liberale Judentum, Dr. Katz für die Zionistische Vereinigung für Deutschland, Lehrer Lewinsohn für den Lehrerverband, Begierungsbaurat Rosenfeld für die Zions-Loge, Frau Hilde Jacobsohn für die jüdischen Frauenorganisationen, Präsident Ch. Rasner für den Zentralverband jüdischer Handwerker Polens, Dr. Rose für den Kartell-Convent und Seligmann für die vereinigte jüdische Turnerschaft. Im Mittelpunkt der am Montag begonnenen Arbeitssitztinge« standen die Referate des Vorsitzende« der Ortsgruppe Hannover Paul Goldmann über ״Der jüdische Mittelstand‘‘ und des Leiters des Arbeiterfürsorgeamt» der jüdischen Organisationen Deutschlands S. Adler-Rudel (Berlin) über ״Jüdische Berufswahl und jüdische Arbeitsnachweise". Ira An- Schluß an das Referat Adler-Rudels wurde beschlossen: Der Verbandstag hält es für notwendig, darauf hinzuweisen, daß der gegenwärtige Zeitpunkt für eine Normalisierung der jüdisehen Berufsgliederung durch eine Förderung des handwerklichen Nachwuchses besonders geeignet ist. Die verantwortlichen Körperschaften des deutschen Judentums werden aufgefordert, auf eine sinnvolle Umgestaltung der Berufsglicdorung auf dem Wege einer systematischen Berufsberatung hinzuwirken. Der Verbandslag fordert von den Gemeinde- und Landesverbänden die Einsetzung von Etatmitteln zur Förderung jener Kreise der jüdischen Jugend, die sich den handwerklichen Berufen zuwenden. Betreff* der jüdischen Mittelstandsfrage wurde beschlossen: Der Verbandstag sieht in der Schaffung jüdischer Darlehenskassen und Kreditgenossenschaften eines der Mittel, dom Verelendungsprozeß des Mittelstandes enlgegenzuwirken. Der Verbandstag fordert von den jüdischen Gemeinden und Landesverbänden die Gründung von Darlehens- und Kreditkassen. Der Vgrbandstag protestiert gegen die Ausschaltung jüdischer Handwerker und die Verdrängung jüdischer Arbeitnehmer von den Arbeitsplatzen. Er fordert von den Gemeinde- und Landesverbänden, sowie von allen jüdischen Organisationen, daß sie der Frage des Ausbau» der jüdischen Arbeitsnachweise größte Aufmerksamkeit widmen. Vermischtes Jüd. Arbeiter-Kultur-Verein ״Perez“. Sonnabend, den 16. Juni, spricht im Jüd. Arbeiter-Kultur-Verein ״Perez”, Gr. Präsidentenstr. 2, direkt am Bhf. Börse, Hackescher Markt, pünkllieh 1/20 Uhr abends, der Stadtrat von Tel-Awiw J. Abramowitz über aas Thema: ״Ehe territoriaüstischen •Strömungen in der Jewsekzia“. Eintritt frei. ״Techeleth-Lawan“. Die Adresse der ״Ilanhalalh Techeleth- Lawan" lautet ab 15. Juni: Praha II, Ruzova 24/111. Alle Zu- Schriften und Briefe sind bis auf weiteres an diese Anschrift zu senden. Hechaluz. W ir erhalten folgende Zuschrift: Die schwierige, finanzielle Lage des deutschen Ilechaluz macht es uns unmöglich, unseren Arbeitsgruppen auf dem Land« auch nur die notwendigste zionistische Literatur zu verschaffen. Wir benötigen mindestens 15 Exemplare der nachstehend angeführten Bücher und bitten zionistische Ortsgruppen und auch einzelne Zionisten, uns durch Einsendung von Büchern zu helfen: Heß: Rom und Jerusalem, Heß: Jüdische Schriften, Pinskcr: Autoeinanzipation, Herzl: Juden- Staat, Herzl: Zionistische Schriften, Sokolow: Geschichte des Zionismus, Böhm: Die zionistische Bewegung, Die Protokolle der verschicdenen zionistischen Kongresse, Nawratzki: Das neue jüdische Palästina, Ruppin: Die Juden der Gegenwart, Der Aufbau des Landes Israel, Syrien als Wirtschaftsgebiet, Uranowsky: Probleme der Bodenpolitik in Palästina, Kaplansky: Probleme der Palästinakolonisation, Pinner: Das neue Palästina, Rubaschoff: Privatwirtschaftliche und genossenschaftliche Kolonisation in Palästina, Arlosoroff: Die Kolonisationsfinanzen der Jewish Agency, Trictsch: Jüdische Emigration und Kolonisation, Kaplun-Kogan: Die jüdischen Wanderbewogungen in der neuesten Zeit. Wir sind beroit, bei größeren Sendungen die Portospesen evtl, auf uns zu nehmen. Merkas Hechaluz, Berlin W 15, Meinekestr. 10.

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