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Jüdische Rundschau · 1928-06-15 · Heft 47 (15.6.1928) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 47 (15.6.1928)
Date
1928-06-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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J 0\ Bintrlnummer 0,23 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Redaktion and Verlag Berlin W 15, Meinekestraße 10. Erscheint jeden Dienstag und Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 1,85 Goldmark, vierteljährlich 5,25 Goldmark. Auslaodtabomwmaats werden in der Währung der •!meinen Linder berechnet. Anzeigen -Verwaltung Jüdische Rundschau G. mb. H., Berlin W15, Meinekestr. 10 Telephon: Amt Bismarck 7165—70, Anf*igenpr«in;8g«spalt.Nonp«reilleäeileO,50G.*M.StelJeoge1ache0^5 G.״M. Anzeigenschluß: Dienstag und frastsg nach»! ttftgs 4 Ul» r. Telephon: Bismarck 7165—70. Postscheckkonto! Berlin Nr. 17392 F0r Ocitcrrnkh: Poataparkaaaanamt Wien, Konto Nr. 156030. Für T•cheehoilowikei ל PoatiparkaMenamt Prag, Konto Nr. 59410. Für Polen: Poitaparkaaacnamt Warschau, Konto Nr. J90 708. Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. Nummer 47 | Berlin, 19. VI. 1928 1 כ״ז סיה׳ תרס״ח xxxm. jahrg. Der Zionismus erstrebt fUr das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstltte ln Palästina. ״Baseler Programm.“ Das Budget der Palästina Regierung Das Defizit Von unserem Korrespondenten. AG, Jerusalem, 7. Juni. Der Finanzbericht der palästinensischen Regierung für die Periode der letzten neun Monate des Jahres 1027 ist jetzt erschienen und weist ein Defizit von £ 205 017 auf. (Von uns bereits kurz gemeldet — A. d. R.) Die Ein- und Ausgaben gliedern sich wie folgt: Einnahmen: Zoll £ 560935; Konzessionen und Steuern £ 547027; Eisenbahnen £ 265174 (£ 50000 weniger als im Voranschlag); Gerichte £ 162668; Post und Telegraph £ 120896 (gegen £ 7000 weniger als veranschlagt). Ausgaben: Pensionen £ 13055; Oeffentliehe Schuld und Anleihe £ 45021; Oberkommissär £ 5377; Sekretariat des Oberkommissärs £ 13 749; Distriktsverwaltung £ 75 692; Gerichtsverwaltung £ 79786; Finanzabteilung £ 12458; Kontrollkammer £ 6022; Zoll- und Handelsabteilung £ 41 520; Gesundheitswesen £ 73 857; Erziehungswesen. £ 100 030; Landwirtschaft- und Forstabteilung £ 52400; Altertümer £ 6400; Bodeuverwaltung £ 46485; Polizei- und Gefängniswesen £ 251 871; Grenzgendarmerie Transjordanien £ 127 537; Post und Telegraph £ 97672; Verwaltung öffentlicher Arbeiten £ 23856; Oeffentliehe Arbeiten £ 132 312; Eisenbahnen £ 220999; Verschiedenes £ 87 301. Bel einem Teil der Ausgabeposten sind gegenüber dem Voranschlag des Budgets Kürzungen vorgenomen worden. Dagegen hat die Regierung außerordentliche Ausgaben, vor allem für öffentliche Arbeiten gehabt, die zusammen mit den geringen Eingängen z. B. für Eisenbahnen und Post ein Defizit verursachen. Zu dem Budget äußert sich ״Haarez“ in einem Leitartikel. Das Blatt gibt eine kurze Analyse der Ein- und Ausgaben und zieht daraus Schlüsse, wie sich die Finanzpolitik der Regierung in nächster Zeit zu bewegen habe. Besonderer Nachdruck wird darauf gelegt, daß die Regierung verpflichtet sei, ihren Apparat den Landesverhältnissen anzupassen, besonders da er durch das Stocken der Einwanderung schneller gewachsen sei als die ökonomischen Kräfte des Landes. So weit ״Haarez“. Im allgemeinen kann man aber feststeilen, daß sich die jüdische Presse nur sporadisch und ungenügend mit diesen allgemeinen Fragen Palästinas beschäftigt. Zum Teil deswegen, weil heute der palästinensische Bürger keinerlei Einfluß auf solche Dinge wie die Budgefgestaltung besitzt, denn das Regime ist in dieser Beziehung absolut autokratisch und andererseits, weil im allgemeinen in Palästina das öffentliche Interesse kaum über das, was im engen jüdisehen Kreise geschieht oder unmittelbar auf ihn Bezug hat, hinausreicht Dies ist ein entschiedener Mangel, auf dessen Beseitigung man hinarbeiten müßte. Es darf nicht verkannt werden, wie innig insbesondere die Budgetfragen der Regierung unmittelbar mit dem zionistischen Interesse verbunden sind. Wenn wir auch einer engherzig fiskalischen Budgetpolitik oppoliieren müssen und die Budgetpolitik im Zusammenhang mit der künftigen Entwicklung des Landes beurteilen, so ist doch die Beschränkung materieller Bewegungsfreiheit der Regierung auch für uns von Nachteil. Zwischen diesen widerstreitenden Interessen den vernünftigen Ausgleich zu finden, ist die Aufgabe jeder denkenden jüdischen Realpolitik. Jerusalem, 11. Juni. (J.T.A.) Im Hinblick auf das Defizit von 205 000 Pfund, das sich im Budget der Palästlr.a-negierung in der Periode April-Dezember 1927 ergeben hat, hat die Regierung eine Kommission eingesetzt, mit dem Aufträge, den Beamtenstab In einer Weise zu reduzieren, daß sich eine Ersparnis von 150(00 Pfund ergibt, sowie die Steuererträgnisse um 150 000 Pfund zu erhöhen. Von unserem Genfer Korrespondenten. Die 13. Session der Permanenten Mandatskommission des Völkerbundes, die am 12. Juni d. J. in Genf begonnen •hat, wird sich u. a. mit dem Bericht der Palästina-Regier u n g über die Verwaltung des Landes L J. 1927 zu befassen haben. Eine arab ische Petition liegt diesmal nicht vor. Die Agudas Jisroel hat dem Völkerbund eine Petition überreicht, die in dieser Session der Mandatskommission behandelt werden wird. Die Zionistische Organisation hat wie gewöhnlich durch die Palästina- Regierung ihren eigenen Bericht unterbreitet Die britische Regierung wird durch den früheren Chefsekretär der Palästina-Regierung, Colonel Symes, vertreten sein. Die Ergebnisse der Arbeiten der Mandatskommission, deren Beratungen vertraulich sind, werden aus Anlaß der im September d. J. stattfindenden Plenarversammlung des Völkerbundes bekanntgegeben werden. An Stelle der verstorbenen Frau B 11 g g e - W i c ks e 11 wurde Frl. Valentine Dannevig, Leiterin der höheren Mädchenschule in Westheim (Norwegen), zum Mitglied der Mandatskommission bestimmt In seiner Eröffnungsrede begrüßte der Präsident der Kornmission Marquis Theodoü die neuen Mitglieder, und zwar Herrn Nobumiki Sakenobc, der an Stelle des früheren japanischen Mitgliedes Jamanaka in die Kommission eingetreten ist, sowie Fräulein Dannevig. Sodann hält er dem verstorbenen Mitglied Frau Bugge-Wicksell einen warmen Nachruf und verliest die der Mandatskommission zugekommeneu Kondolenz* schreiben, darunter das des Vertreters der Zionistischen Organisation (Dr. Viktor Jacobson namens der Zionistischen Exekutive). Das englische Mitglied Sir Frederic L u g a r d ist seit der letzten Tagung in den Lordstand erhoben worden. Das portu- Ricsische .Mitglied d’Andrade, der ernstlich krank gewesen ist, und das belgische Mitglied Orts, der sich auf einer Reise befindet, nehmen an der Sitzung nicht teil. Ferner erwähnt der Vorsitzende in seiner Rede die zwei Vorlesungen, die Professor R a p p a r d in Berlin über die Probleme des Mandatsystems gehalten hat, sowie die Teilnahme von Mr. Orimshaw an der Missionskonferenz in Jerusalem, über die der Genannte im Verlauf der Tagung einen Bericht geben wird. Schließlich dankt Theodoü den Mandatsregierungen für Entsendung ihrer Berichterstatter. Auf der Tagesordnung stand zunächst die Wahl des Vorsitzenden und Vizepräsidenten für 1928, wobei Theodoli und Van Rees wieaergewählt wurden. Als nächster Punkt steht auf der Tagesordnung die Prüfung des Jahresberichtes der Mandatarmacht für Palästina und sodann die Berichte über Syrien und Libanon, es folgen die Berichte über eine Reihe anderer Mandatsländer. Zum Berichterstatter über die Petition der Agudas Jisroel, die einen Protest gegen die jüdische Gemeindeordnung enthält, wurde das spanische Mitglied Prof. Palacios bestellt. Vandervelde in Berlin Wie wir erfahren, wird der ehemalige belgische Außenminist״:• Vandervelde am 24. Juni im Rahmen einer Veranstaltung des Pro Paiästina-Komitees in Berlin im ehemaligen Preußischen Herrenhaus über seine Reiseeindrücke in Palästina sprechen. Die Jewish Agency - Besprechungen ־ Southampton, 9. Juni. (J. T. AL) Louis M a r s h a 11, Dr. Lee K. Franke! und Gattin und der Sekretär der araerikanischen Abteilung der unparteiischen Palästina-Kommission Dr. Maurice׳ B. Hext er sind soeben an Bord des Dampfers ״Majestic“ aus New York hier eingetroffen, um an den Beratungen der Jewish Agency-Kommission teilzunehmen. Auf Einladung von Sir Alfred Mond begaben sich die amerikanischen Gäste in sein in der Nähe von Southampton gelegenes Landhaus Melchet Court in Romsey, Hampshire, wo die Mitglieder der Jewish Agency-Kommission eine Bespreehung abhielten. Auch Dr. Weizmann weilt in Melchet Court Er ist der einzige zionistische Führer, der der Konferenz beiwohnt ln einem Gespräch mit dem J. T. A.-Vertreter sagte Louis Marshall: Auch wenn ich kein Zionist bin, werde ich mein Bestes tun, um den Juden Palästinas wie den Juden in den anderen Ländern zu helfen. Dazu bin ich hier. Felix M. Warburg sagte dem J. T. A.-Vertreter, daß alle bisher an die Verhandlungen der Jewish Agency-Kommission geknüpften Mutmaßungen den Tatsachen vora u s e i I e n. London, 12 Juni. (j. T. A.) Nach Beendigung der ersten offiziellen Sitzung der Jewish Agency-Kommission erklärte Prof. Dr. Weizmann dem Vertreter der J. T. A., daß sich sämtliche Kommissionsmitglieder hinsichtlich des Verlaufs der Beratungen zu absolutem Stillschweigen verpflichtet haben. Jede Mitteilung über den Inhalt der Beratungen sei deshalb als verfrüht anzusehen. Inzwischen sind alle Persönlichkeiten, die zu dieser Beratung eingeladen waren, am Sitzungstisch erschienen. Die nächste offizielle Sitzung der Kommission wird am kommenden Freitag stattfinden. Inzwischen wird das vorliegende Material von den einzelnen Kommissionsmitgliedern einem systematischen und gründlichem Studium unterzogen. Dienstag, den 13. Juni, gab Sir Alfred Mond zu Ehren der Mitglieder der Jewish Agency-Kommission ein Essen. Der Kampf am die Sabbatrahe in Tel-Awiw Appellation an den Londoner Kronrat Jerusalem, 8. Juni. (J.T. A.) Der Stadlrat von Tel- Awiw hat beschlossen, gegen die Entscheidung des obersten Gerichtes von Jerusalem, wonach die Sabbatrulie-Verordnung des Tel-Awiwer Magistrats in Widerspruch zu Artikel 15 des Palästina-Mandats stehe und darum nicht aufrechtzuerhalten sei, an den Krön rät in London, den höchsten Gerichtshof des britischen Reiches, zu appellieren. Die Eingänge des Keren Ha{essod im Mai Wie der Ziko aus Jerusalem unter dem 13. d. M. telegraphiert wird, betrugen die M a i - E i n g ä n g e des Keren Hajessod £ 58 541. Davon stammen aus Amerika 30 651, Süd־ afrika (Kampagne Col. Kisch) 10000, England (inkl. 5000 von Bernhard Baron) 5650, Großrumänien 3099, Argentinien 2000, Deutschland 1551. Unsere Arbeit für Palästina und im Galuth Bemerkungen zum Breslauer Delegiertentag Von Dr. Alfred Landsberg, Wiesbaden. I. Wenn viele von uns die Breslauer Tagung, trotz ihres harmonischen Verlaufs, unbefriedigt verlassen haben, so lag es daran, daß es der Aussprache dort nicht gelang, die im Augenblick wichtigsten Fragen der zionistischen Arbeit in Deutschland zu klären. Wir haben eine hohe Meinung von unseren Tagungen, wir betrachten sie als Ausdruck dessen, was zionistische Bewegung für einen bestimmten Zeitabschnitt bedeutet, und wir verlangen von ihr mehr als einen glatten Verlauf, und wenn wir deshalb Kritik üben, so geschieht es, um die in Breslau begonnene Aussprache fortzuknüpfen und aus dem, was dort nach unserer Ueberzeugung unzulänglich blieb, für unsere Arbeit Nutzen zu ziehen. Ehe wir zu den prinzipiellen Fragen der deutschen Arbeit Stellung nehmen, wollen wir noch unter dem frischen Eindruck dieser Tagung zugestehen, daß ein Delegiertentag, wenn er nach allen Regeln eines Partaments gestaltet wird, schon seiner äußeren Form wegen die inneren Fragen der Bewegung nur unvoilkommen zur Klärung bringen kann. Die Einwendungen, die wir gegen den Parlamentsbetrieb auf dem Kongreß erheben, gelten in erhöhtem Maße für die Tagung der deutschen Zionisten, die nur selten Entscheidungen fordern, bei denen die im Weltzionismus legitimierten Oruppen sich als solche äußern und Geltung verschaffen müssen. Zum mindesten während des Teils der Tagung, der der Arbeit in Deutschland gewidmet ist, gebührt der Gemeinschaft der Ortsgruppenarbeiter in erster ' יי 'r. die routinierten Führer der Parteien als solche keinen Platz haben. Die einleitenden Referate zur deutschen Arbeit sollten an diese Vorbesprechung anknüpfen und in möglichster Kürze die im Augenblick wichtigsten Fragen anschneiden. Der Leitung der Tagung aber sollten über gewöhnliche parlamentarische Befugnisse hinaus Machtmittel in die Hand gegeben werden, in die Diskussion gestaltend einzugreifen und nötigenfalls Reden, wenn sie zwecklos in die Länge gehen, abzukürzen. Die Breslauer Tagung litt ganz besonders darunter, daß nach zu ausführlichen Referaten die ersten Diskussionsredner sich nicht die Beschränkung auferlegten, die dringend erforderlich ist, soll nicht gleich zu Anfang eine müde und lahme Stimmung entstehen, in der dann die wirklich brennenden Fragen nicht mehr mit der nötigen Klarheit erkannt und dargetan werden können. Die Oeffentlichkeit unserer Tagungen, die notwendig ist und nicht beseitigt werden soll, darf nicht dazu führen, daß vielleicht doch Hemmungen bestehen, sei es auch in ungewandtester Rede das zu sagen, wessen das Herz voll ist, unbekümmert um die Konsequenzen nach innen und nach außen. Wir haben oft darüber Klage geführt, daß auf dem Kongreß die inneren Kräfte der Bewegung durch den parlamentarischen Betrieb verdrängt werden und nicht zum Ausdruck kommen können. Wir müssen, ehe es zu spät ist, verhindern, daß das gleiche auf unseren Delegiertentagen cintritt. Noch immer ist für uns die Zionistische Organisation auch die Trägerin der zionistisehen Bewegung und ihre organisatorischen Formen müssen sich dieser anpassen. Wir glauben daran, daß der deutsche Zionismus einig und stark genug ist, um die Gestaltung der Idee in äußere Form immer wieder neu vorzunehmen und damit auch in der Weltbewegung eine Funktion zu erfüllen, zu der sich leider heute nur noch wenige Verbände verpflichtet fühlen. II. Im Anfang einer Aussprache über die zionistische Arbeit in Deutschland sollten nicht Fragen der Propaganda stehen. Leider standen sie auf der Breslauer Tagung nicht nur am Anfang, sondern beherrschten die ganze Aussprache, und es hatte zuweilen den Anschein, als ob Propaganda und Technik der Propaganda im Zionismus das Entscheidende sei. Die Frage z. B., ob Zionismus in ״kollektiver“ oder in ״Einzel“- Propaganda der jüdischen Welt nahegebracht werden müsse, ist von untergeordneter Bedeutung. Entscheidend für jede Propaganda ist, daß sie aus einer zionistischen Atmosphäre erwächst und ehe man von Methoden der Propaganda spricht, muß man feststellen, ob eine zionistische Atmosphäre besteht oder wie sie geschaffen | und ■erneuert werden soll. 1' I 'H;

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