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Jüdische Rundschau · 1928-06-12 · Heft 46 (12.6.1928) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 46 (12.6.1928)
Date
1928-06-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Mit Unterhaltungs-Beilage Einzelnummer 0£5 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Redaktion und Verlag Berlin W 15, MeinekestraOe 10. Erscheint jeden Dienstag und Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 1,85 Goldmark, vierteljährlich 5,25 Goldmark. 4<1<ti8nH«ahormem«nts werden in der Wlbrung der einzelnen Linder berechnet Nummer 46 Berlin, 12. VI. 1928 Anzeigen •Verwaltung Jüdische Rundschau G.m.b.H.. Berlin W15, Meinekestr. 10 Telephon: Amt Bismarck 7165—70. An*eig*npreit:8gespalt.Nonp®rcillc/ei!c0,50G.־M.Stellengest1che0,25G־M, Anzeigenschluß: Dienstag und hrcitag mebmittigs 4 Uhr. Telephon: Bismarck 7165 — 70. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392 Für Oesterreich: Postsparkassenamt Wien, Konto Nr. 156 030, Für Tschechoslowakei: FosUparkassenamt Prag, Konto Nr, 59410. Für Polen; Postsparkassenamt Warschau, Konto Nr. 190 708. Redak tionsschluO Sonntag und Mittwoch nachmittag. תרס״ח כ״ד כי XXXIII. Jahrg. Oer Zionismus erstrebt für das Jüdisch• Volk die Schaffung einer öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. ״Baseler Programm.“ 1er Ausbau fler Univerfiläl Jerufalein Sie erteilt akademische Grade — Beginn einer philosophischen Fakultät — Neue Professoren Das Kuratorium der Universität Jerusalem gibt über die eben in London abgehaltene Sitzung nachstehendes Kommunique aus: Das Kuratorium und der Akademische Rat der Hebräischen Universität zu Jerusalem haben in ihrer soeben in London beendeten Tagung den Beschluß gefaßt, daß die Universität allmählich in eine Lehrhochschule, die ihren Absolventen akademische Grade verleiht, umgewandelt werde. Den Beratungen wohnten bei Dr. Chaim Weizmann, Dr. J. L. M a g n e s, Prof. S. Alexander von der Universität Manchester, Prof. S. Brodetsky von der Universität Leeds, Dr. M. D. E d e r, Oberrabbiner Dr. J. H. Hertz, Prof. J. H orovitz, Frankfurt a. M., Prof. E. Landau, Göttingen, Prof. L. S. Orenstein, Utrecht, James de Rot hschild, Dr. M. Schlocssingcr, Haag, Nalium Sokolcrw, Felix M. Warburg, der Rektor des Londoner jews’ Cqllege Prof. Dr. Adolph Büchler, der Registrator der Jerusalemer Universität S. G i n s b e r g und der Sekretär der Universität Dr. L. K o 11 n. Professor Albert Einstein konnte wegen Krankheit den Beratungen nicht beiwohnen, teilte aber seine Ansichten über mehrere der wichtigsten Fragen der Versammlung brieflich mit. Seit der letzten Tagung bat das Kuratorium zwei seiner bedeutendsten Mitglieder, Ach ad Ha am und Dr. Chajes, verloren. Die Versammlung befaßte sich eingehend mit der Frage der Einführung eines normalen Universitätsbetriebes, Verleihung von akademischen Graden an die Studierenden und allen hiermit verbundenen anderen Fragen. Nach sorgfältiger Prüfung des Berichtes des vom Direktoren-Ausschuß in seiner Sitzung von August!926 eingesetzten Sonderkamitces,״ ■ötswa—Vewitaeadet- Peof. -BrödetsJty.. fet, wtifde beschlossen, die im Bericht vorgeschlagene Umgestaltung der Universität, die bis jetzt nur Forschungszwecken diente, in eine akademische Grade erteilende Universität zu genehmigen, jedoch Bürgschaften zu schaffen, daß nur solche Studenten aufgenommen werden, die in vollem Sinne zur Pflege eines intensiven Studiums qualifiziert erscheinen, und daß nur für jene Gegenstände Universitätskurse eingeführt werden, für die Professoren und Dozenten von hohem Universitätsrang zur Verfügung stehen und für die auch eine angemessene Hilfsmittelausstattung zur klaglosen Durchführung von Forschung und Studium vorhanden ist. Im Sinne dieser Erwägungen wurde beschlossen, daß mit der Errichtung einer philosophischen oder philologischen Fakultät begonnen werden soll, und zwar sollen das bereits bestehende Institut für judaistischc Studien und die Schule für orientologische Studiert als Abteilungen der neuen Fakultät konstituiert und Kurse für Philosophie, Geschichte und Literatur nett eingerichtet werden. Sobald die wichtigen Themata der Fakultät mit einem vollen Stab und anderen Ausrüstungen versehen sind, wird der Universitätsunterricht an der Fakultät beginnen. Dies soll in naher Zukunft geschehen. Mit Bezug auf die Naturwissenschaften kam man überein, vorläufig noch keinen normalen Universitätsunterricht anzufangen, da gewisse Grundfächer noch nicht angemessen an der Universität vertreten sind. Es wurde jedoch beschlossen, eine Kundgebung zu veröffentlichen, .wonach das liniversitäts- Studium in Mathematik, Physik, Chemie und Biologie im Rahmen der Naturwissenschaftlichen Fakultät spätestens 1932 beginnen wird. Der Einführung von Mathematikunterricht und später, womöglich, in verschiedenen Zweigen der Natur- Wissenschaft wurde unter der Bedingung zugestiinmt, daß diese Kurse nicht als normale Univcrsilätskurse, die Graduierungen im Gefolge haben, angesehen werden. Die Einführung medizinischer Weiterbildu11gskur.se für Graduierte, die von Professoren der Hygiene und der Parasitologie unter Heran- ׳dehnng außerhalb der Universität wirkender Kräfte geleitet werden, wurde genehmigt. In der Sitzung wurde ferner beschlossen, den Ordinarius für Mathematik an der Universität Kiel Professor Fraenkel cinzuhden, den Lehrstuhl für Mathematik an der Universität Jerusalem als Professor zu bekleiden, ebenso Dr. Fekete 'on der Universität Budapest zur Uebernahme einer Dozentur für Mathematik einzuladen. Ein Ausschuß zur Nominierung rincs Professors für Anorganische und Physikalische Chemie wurde eingesetzt. Der gegenwärtige Leiter des Departements Gr Parasitologie an dem Mikrobiologischen Institut der Jerusalemer Universität, Dr. S. Adler, wurde zum Professor wsunnt. Line hervorragende Kraft in der lndustriehygienc..und klimaforschvng soll für das Hygiene-Departement als Forscher gewonnen werden. Dr. F. Bodenheimcr, der Assistent im Institut für Naturgeschichte Palästinas, wurde zum Forscher- Professor der Zoologie mit dem Rang eines Dozenten ernannt. Beschlossen wurde weiter die Ernennung eines Dozenten für Assyriologie an dem Orientologischen Institut und die Ernennung des Philosophie-Dozenten an der Universität Manchester, Dr. Leon Roth, zum Professor für Philosophie an der Universität Jerusalem. Der Philosophie-Lehrstuhl der Universität soll den Namen Achad Haams tragen. Der Leiter der National- und Universitätsbibliothek in Jerusalem, Dr. Bergmann, wurde zum Dozenten für moderne Philosophie, Dr. Schwabe, Jerusalem, zum Dozenten für klassische Philologie ernannt. Dr. T scherikower, Jerusalem, wurde zum Instructor für griechische und römische Geschichte, Dr. Pflaum, Jerusalem, zum Instructor für mittelalterliche Geschichte ernannt. In den Direktoren-Ausschuß kooptiert wurden der Rektor des Londoner Jews’ College, Dr. A. Buechler, M. M. Ussischkin und Charles Rosenbloom (Pittsburg). Das Ausgabenbudget für das Universitätsjahr 1928 29 in Höhe von £ 54 000 als das regelmäßige Ausgabenbudget wurden genehmigt und der Direktoren-Ausschuß aufgefordert, Maßnahmen zur Sicherung dieser Summe zu treffen. Weitere außerordentliche Ausgaben, die mit der Fertigstellung des Bibliotheksgebäudes zusammenhängen, wurden genehmigt. Ein Komitee zur Ausarbeitung eines Planes der akade mischen Administration der Universität wurde eingesetzt mit der Aufgabe, der nächsten Ausschußtagung Vorschläge zu unterbreiten. Der Jerusalemer Universitätsrat wurde ersucht, die Frage der Beziehungen zwischen der Universität und gewissen anderen Unterrichtsinstutionen in Palästina zu prüfen und hierüber Bericht zu erstatten. Ein Gesprich mit Dr. Magnes .. In ep#uj, p«fpricM' der Kanzler'der JerusalehÄL Universität, ׳Dr. J. L. Magnes, aus, die Hebräische Universität habe die ersten drei Jahre hinter sich; es waren dies nur V o r b e r e i t u n g s j a 11 re. Weitere zwei Vorbereitungsjahre werden notwendig sein, bis der äußere Bau einer wirklichen Universität' fertig sein wird. Es herrscht bei allen das Bestreben vor, die Universität zu einer Institution höchsten akademischen Grades zu gestalten. Gegenwärtig gibt es an der Universität rund 200 Studenten aus Palästina und aus vielen anderen Ländern, besonders aus jenen Ländern, in denen Numerus clausus-Einschränkungcn bestehen. Ein großes Bau prograram ist in der Durchführung, allein die Universität bedarf noch finanzieller Unterstützung. Das Bauprogramm wird in zwei Jahren durchgeführt sein. Herr Samuel Untermeyer aus New York plant die Errichtung eines den Namen Minnie Untermeyer führenden Freilufttheaters; mit dem Bau der Bühne soll demnächst begonnen werden. Frau Rosenbloom aus New York hat bereits Pläne für das Rosenbloom-Haus für judaistischc und orientologische Studien unterbreitet; sie wird in ganz kurzer Zeit Vorkehrungen zum Beginn der Bauarbeit treffen. Auch mit dem Bau des Wattenberg-Pbysik-Gebäudes wird in einem Monat begonnen werden. An einem anderen aus den Mitteln des Herrn Wattenberg errichteten Gebäudes wird jetzt die letzte Hand gelegt. Zu den bereits auf dem Scopus-Berge errichteten vier Gebäuden wird jetzt ein neues Gebäude für die Bibliothek mit einem Kostenaufwand von £ 45 000 errichtet, das voraussichtlich im März 1929 fertig sein wird. Dr. Magnes begab sich nach Berlin, wo er mit deutschen Professoren, die an dem Institut für judaistischc Studien interessiert sind, Besprechungen zu pflegen hat. Er wird am 14. Juni die Rückreise nach Palästina antreten. * Die Universität war jetzt in der Lage, ein nach dem katastrophalen Erdbeben zwecks Durchführung von Reparaturen an den Gebäuden und der Inneneinrichtung aufgenommenes Dar- 1 e h e n in der Höhe von 25 00!) Dollar 7, urückzuzahlcn. Das Darlehen ist vom New Yorker jüdischen Gemeindebund aus den MLteln eines von Herrn und Frau Felix M. Warburg geschaffenen Fonds gewährt worden. Im Jahre 1925 hatten Herr und Frau Warburg bei dem Gemeindebund eine den Namen Moritz und Charlotte Warburg, der Eltern des Herrn Felix M. Warburg, tragende Stiftung in Höhe von 500 009 Dollar geschaffen, deren Einkünfte regelmäßig der hebräischen Universität zu Jerusalem zufließen sollen. In Voraussicht etwa eintretender unvorhergesehener Ereignisse haben die Stifter in dem Stiftungsstatut eine Bestimmung getroffen, daß aus den Fonds Darlehensvorschüsse an die Universität gewährt werden können. Nach der Erdbebenkatastrophe bewilligte der Gemeindebund aus den Mitteln der W’arburg-Stiftung einen Darlehens- Vorschuß von 25 000 Dollar. Dieses Darlehen, welches am 13. Oktober 1927 gegeben worden war, ist am 8. Mai 1928 von der LJmversitätsverwaltung zurückgezahlt worden. Defizit der Palästina'Regierung Jerusalem. 5. Juni. (j. T. A ) Das soeben veröffentlichte Budget der Palästina-Regierung für die Zeit von April bis Dezember 1927 weist ein Defizit von 205 000 Pfund auf. Die jetvisit Agency-Kommission Beginn der Beratungen London, 9. Juni. (J.T. A.) Die Mitglieder der Jcwish Agcncy-Kommission versammelten sich heute im Landhause von Lord Alfred Mond, in der Nähe von Southampton, zu einer ersten, vorläufig inoffiziellen Beratung, In der vorerst die Richtlinien und der Arbeitsplan der Konferenz festgelegt werden sollen. Ls heißt, daß die Beratungen nur der Erörterung und der Festsetzung der Prinzipien der neuen Arbeit in Palästina gelten und daß die Fassung endgültiger Be- Schlüsse über die Einzelheiten des Werkes einer folgenden Konferenz Vorbehalten sein sollen. Gegenwärtig ist die Posätion der Konferenz noch völlig unübersichtlich. Es werden von den verschiedenen Teilnehmern allgemeine Vorschläge gemacht, die sich aber noch nicht zu genau umrissenen Plänen kristallisiert haben. Wie cs heißt, lauten die der Kommission vorliegenden Berichte der S a c h verständigen, die seinerzeit die Verhältnisse in Palästina an Ort und Stelle geprüft haben, dahin, daß die nächste Aufgabe in der Konsolidierung des bisherigen Aufbauwerks zu bestehen habe und daß eine freie Einwanderung innerhalb der nächsten zehn Jahre zu vermeiden wäre- 111 zionistischen Kreisen hofft man aber, daß die Kommission ein breiteres Program tu neuer Aufbauarbeit annehmen wird. Direktor Oskar Wasserma nn empfiehlt die Annahme eines feststehenden Budgets für die nächsten zehn Jahre. Wie die ). T. A. erfährt, tritt Lord Mond dafür ein, daß jeder Konferenzteilnehmer es auf sich nimmt, in seinem Lande einen bestimmten Betrag für das Palästina-Aufbaubudget aufzubringen. Mond hat an den auf dem Wege nach London sich beündenden Führer der amerikanischen Nichtzionisten, Louis M a r s h a 11, die telegraphische Einladung gerichtet, sich bei Ankunft des Dampfers direkt nach seinem Landhaus, statt nach London, zu begeben, damit er schon dem Beginn der Beratungen beiwohnen könne. Arthur R u p p 1 n ist am Sonnabend eingetroffen, Willrend Harry Sacher, der infolge Erkrankung nicht rechtzeitig die Reise von Jerusalem nach London antreten konnte, Marquis of Reading, der soeben von seinem Berliner Aufenthalt nach London zurüdegekehrt ist, wird auf Einladung von Lord Alfred Mond an den Jewish Agency-Bera* tungen teilzunehmen. Beratnngen der zionistischen Exekutive Die Zionistische Exekutive hielt noch vor Beginn der Jewish Agency-Sitzung eine Beratung ab, um, wie es heißt, eine genaue Formulierung der von dem 15. Zionisten• kongreß in Basel angenommenen Resolutionen auszuarbeiten. Diese Resolutionen fordern bekanntlich, daß die Arbeit der Jewish Agency auf der folgenden Grundlage vor sich zu gehen habe: Verstärkung der jüdischen Einwanderung nach Palästina, fortdauernde Erwerbung von Boden in Palästina als Eigentum des jüdischen Volkes, Basierung der Kolonisation auf der jüdischen Arbeit und der hebräischen Sprache und Kultur. Eines der Hauptthemen der Beratung der Exekutive gilt, so heißt es, der Frage, ob von den Nichtzionisten, die in die Jewish Agency eintreten wollen, feste finanzielle Garantien gefordert werden sollen. Einige Mitglieder der Exekutive sind der Ansicht, daß eine solche Verpflichtung seitens der Nichtzionisten eine conditio sine qua non des Zusammengehens ist, während andere Exekutivmitglieder zu bedenken geben, daß schon eine Zusammenarbeit der Nicht/ionisten mit den Zionisten bei der Aufbringung der für den Palästina-Aufbau nötigen Fonds eine genügende Basis hiiden könne. Jabotinsky sprich! in London In einer in der Londoner Memorial Hall veranstalteten Ver- Sammlung erklärte Wladimir Jabotinsky die Annahme, daß das Mandat die Zionisten verpflichtet, Nichtzionisten in die Jewish Agency aufzunehmen, beruhe auf einem Mißverständnis. Die Nichtzionisten sind, insofern sie wirtschaftlich an dem Pa- Iästina-Aufbau mitarbeiten wollen, stets willkommen, allein die politische Verantwortung müsse nach wie vor dem 7. ionistenkongreß Vorbehalten bleiben. Jabotinsky schlug die Schaffung einer aus Zionisten und Nichtzionisten. bestehenden Kamracrfiir Finanze!1 und A 11 f b a u w i r t s c h a f t vor und stellte fest, daß im übrigen mir eine zionistische Jewish Agency befugt sei, Mandatsregierung und Völkerbund in Sachen des Aufbaus Palästinas zu beraten. Palestine Economic Corporation and Haifa Ba' Jerusalem, 8. Juni. (J. T. A.) Zwischen Herrn M o h 1, dem palästinensischen Vertreter der von Felix M. Warburg und Bernhard Flexner geführten amerikanischen Palästina- Gruppe (Palestine Economic Corporation) und der Haifa Bay Development Company wurde ein Vertrag abgeschlossen, laut welchem die amerikanische Gruppe von der Haifa Bay Company ein Areal von 25 000 Dunam Boden Im Gebiete der Haifa-Bucht zu Zwecken der Entwicklung käuflich an sich bringt. Bernhard Flexner wird zwecks Finalisierung der Angelegenheit nach London kommen.

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