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Jüdische Rundschau · 1928-05-16 · Heft 38-39 (16.5.1928) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 38-39 (16.5.1928)
Date
1928-05-16
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 282 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 38/39, 16. V. 1928 Eine Jugend - Ausspradie Die Jugend gegen Karenzzeit Aus Duisburg wird uns berichtet: Am Sonntag, dem 29. April, fand in Duisburg eine Ausspräche sämtlicher. jüdischer Jugendorganisationen Rheinland/ Westfalen statt, die von dem jugendressort des Aktionsausschusses der Zionistischer! Organisation Rechtsrheinland/Westfaleri einberufen war. Die Tagung nahm einen außerordentlich guten Verlauf. Es waren zirka 140 Jugendliche anwesend, und zwar waren die folgenden Organisationen vertreten: Verband Jüdischer Jugend vereine Deutschlands und der ihm angeschlossene Bund Jüdischer Schüler, Kameraden, Kadimah, Esra, Bar Kochba, Zcire Misraehi, Hechaluz, Jung-Jüdischer Wanderbund, K. J. V. Herr Studienrat Lew Wolf (Köln) sprach über Jüdis che Erziehung. Zionismus und Jugendbewegung, führte er aus, haben vieles gemeinsam: die Ablehnung der jüdischen verbürgerlichten Gesellschaft, der Versuch "ihrer Erneuerung. Der Zionismus will eine Entscheidung herbeiführen. Er will den Zustand der jüdischen Unzulänglichkeit beenden. Auch die Jugend ringt um Entscheidungen. Was die Erziehung anbetrifft, so ist in ihr seit Ende des vorigen Jahrhunderts eine allgemeine Umwertung eingetreten und in der Jugendbewegung eine Abwendung vom Intellektualismus. Das bedeutet auch eine Abwendung von der üblichen Methode der Schulerziehung. Der Referent spricht dann im Anschluß an Siegfried Bernfelds ״Sisvphus“ über die Grenzen der Erziehung und kommt zu dem Schluß, daß es auch für uns kein allgemein gültiges Erziehungsziel gibt. Die heutige Jugend fordere im Gegensatz zu früher eine Hinwendung zum Alltag. Diese selbe Krise hat auch die jüdische Jugendbewegung durchgemacht. Wir müssen unsere Jugend verantwortlich machen für die jüdische Zukunft. Der jüdische junge Mensch wird mit Minderwertigkeitskomplexen groß gezogen. Der Mangel jeglicher Eigenwerte beschleunigt diese verhängnisvolle Entwicklung. Heilmittel gibt es nur eines: die Beseitigung von diesen Komplexen durch Schaffung von Eigenwerten. Als Hauptfaktor der jüdischen Erziehung muß die jüdische Schule gelten, die allerdings bei Volksschulen nicht stehenbleiben dürfe, sondern auch zur höheren jüdisehen Schule führen müsse. Besonders empfehlen würde sich die Errichtung von Landerziehungsheimen. Solange man jedoch nicht in der Lage ist, solche Lebensgemeinschaften zu schaffen, fällt diese Erziehungsaufgabe hauptsächlich!! den Jugendbünden zu. Ein wichtiger Faktor ist dabei die Vermittlung jüdischer Kulturgüter. Um in die jüdische Kultur eindringen zu können, muß die Pflege der hebräischen Sprache im Vordergrund stehen. Zur weiteren jüdischen Erziehung gehört die Vermittlung der Kenntnis des jüdischen Lebens in Palästina. Der Redner betont, er könne sich nicht vorstellen, daß es einen wahrhaft jugendlichen Menschen gibt, der sich mit dieser Wirklichkeit in Palästina nicht auseinandersetzt. Er faßt sein Referat dahin zusammen, daß jüdische Erziehung nur möglichh sei durch Schaffung einer jüdischen Atmosphäre. Er lehnt eine neutrale Erziehung ab und sagt, daß es Erziehungsziel sei, Menschen zu jüdischen Entscheidungen zu bringen und im Judentum zu verwurzeln. Hier müssen alle Richtungen gemeinsam Vorgehen. Die Diskussion, an der sich die Herren Markus, Essen (Kadimah), Hermann, Düsseldorf (Zionist), Dr. Max Mayer, Aribert de Jonge (neutraler Jugendverein), Arthur Herrmann (neutraler Jugendverein) und andere beteiligten, gab den Rednern Gelegenheit, zu den Ausführungen des Referenten Stellung zu nehmen. Im allgemeinen wurden die Gedankengänge des Referenten begrüßt. Einzelne irrige Ansichten über die Tendenzen zionistischer Erziehung konnten richtig gestellt werden. In seinem Schlußwort betonte Levy Wolf, daß diese Aussprache gezeigt hat, wie notwendig solche Diskussionen sind. Es genüge eben nicht, Referate zu halten und Beschlüsse zu fassen, sondern Taten müßten folgen. Arbeit im Galuth sei notwendig, aber die wahre Zukunft des Judentums liege nicht im Galuth, sondern in Palästina. Das zweite Referat hielt Herr Dr. Epstein, Duisburg, über ״Jugend und Gemeind e“. Er betonte besonders die Wichtigkeit der Mitarbeit der Jugend in der Gemeinde. Er kommt dann auf den Judengesetzentwurf und weist darauf hin, wie die Bestimmungen über Karenzzeit auch die Rechte der Jugend beeinträchtigen. In der Aussprache ergab sich eine vollständige Uebereinstimmung der Vertreter samt- Iicher Richtungen. Alle waren sich darüber einig, daß die Jugend gegen diese, ihre Rechte beschränkende Bestimmung auftreten müßte. Mitglieder der (neutralen) jüdischen Jugendvereine erklärten, auf der Tagung ihres Verbandes in Dresden würde diese Frage eingehend behandelt werden. Die Diskussion endete mit der Gründung eines vorbereitenden Ausschusses, der sämtliche jüdischen Jugendorganisationen umfassen und versuchen soll, für gewisse gemeinschaftliche Interessen eine Zusammenarbeit zu ermöglichen. Es wurde ferner folgende Resolution angenommen: ״Die auf einer Jugendtagung, veranstaltet vom Jugendressort des Aktionsausschusses der Zionistischen Organisation Rechtsrheinland/Westfalen am 29. April 1928 im Duisburger Hof in Duisburg versammelten Mitglieder folgender jüdischer Jugendbiinde: Verband Jüdischer Jugendvereine Deutschlands, Bund Jüdischer Schüler, Kameraden, Kadimah, Esra, Zeire Misraehi, Jung-Jüdischer Wanderbund, Makkabi-Weltverband, Hechaluz, K. J. V. fordern von sämtlichen Parteien des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden die Abschaffung jeglieber Karenzzeit, verlangen insbesondere, daß der dem preußisehen Landtag vorzulegende Entwurf in diesem Punkte revidiert wird.“ Gegen zionistische Sondersamminngen in Großramänien Aus Bukarest wird uns mitgeteilt: Die Tatsache, daß sich in der letzten Zeit die Fälle mehren, daß für verschiedene palästinensische oder zionistische Zwecke Sonder Sammlungen veranstaltet werden und dabei die Mithilfe der zionistischen Landesorganisationen beansprucht wird, hat hat dem Obersten Rat aller zionistischen Landes- Organisationen Großrumäniens veranlaßt, zu dieser Frage Sfelking zu nehmen; denn da alle Geldaktionen sich immer wieder an denselben engen Kreis wenden, besteht die Gefahr, daß die ordentlichen Geldaktionen, wie die Kampagne für den Keren Hajessod, die Sammlungen für den Keren Kajemeth, die Aktion für den Hachscharahfonds des Chaluz und die Durchführung der Schekelsammlung durch die Häufung von Geldsammelaktionen leiden. Der Oberste Zionistische Rat für Großrumänien hat nun im Einvernehmen mit den einzelnen Landesorganisationen den Beschluß gefaßt, in Zukunft nur solche außerordentliche Geldaktionen zu unterstützen, welche durch die Zionistische Exekutive ausdrücklich anempfohlen werden. Aber auch dann wird künftighin die Zeit von Oktober bis Mai für die Durchführung der ordentliehen Aktionen reserviert bleiben und werden außerordentliche Aktionen, auch wenn sie von der Zionistischen Exekutive anempfohlen sind, nur in der restlichen Zeit, also in den Monaten Mai bis Oktober, durchgeführt werden können. Der Oberste Zionistische Rat Großrumäniens setzt hiermit die intcressierten Institutionen von diesen Beschlüssen in Kenntnis und ersucht dieselben, diese Beschlüsse in Zukunft zu beachten. Der Prozeß Ottokar Czernln Der Prozeß des ehemaligen österreichischen Außenministers Graf Ottokar Czernin gegen die Wiener ״Neue Welf, über den wir bereits mehrfach berichtet haben, fand dieser Tage in Wien seinen Abschluß. Der angeklagte Redakteur Julius L o e w y wurde wegen Vernachlässigung der pflichtgemäßen Obsorge zu einer Geldstrafe von 30 Schilling verurteilt. Im Laufe des Prozesses kamen eine Reihe von interessanten Fakten zutage. Die beklagte Redaktion hat für ihre Behauptung, daß Czernin, der in seinem Buch antisemitische Ausfälle sich zu Schulden kommen läßt, im Kriege und nachher mit Juden Geschäfte gemacht hat, den Wahrheitsbeweis angetreten. Dabei wurde ein Brief des Grafen Czernin an den jüdischen Kaufmann Nathan Eidinger verlesen, worin dieser ihm bestätigt, daß er während der Amtstätigkeit Czernins in Bukarest ihm wertvolle Dienste geleistet hat, sowohl in bezug auf Versorgung der Mittelmächte mit Nahrungsmitteln als auch durch Unterstützung der Bemühungen, die Neutralität Rumäniens zu verlängern. In demselben Brief von Czernin heißt es, daß Eidinger die ihm angebotene allerhöchste Auszeichnung abgelehnt hat; sein einziger vorgebrachter Wunsch war, daß der Minister des Aeußern gelegentlich des Friedensschlusses, ins-; besondere mit Rumänien, die Rechte der Juden inter-; national verbriefen lasse. Ebenso habe Eidinger beirr. Grafen Czernin durchzusetzen gesucht, daß er dem Rechte der Juden auf Palästina zum Siege verhelfe. Daraufhin hat Czernin damals Dr. Hantke empfangen, was sogar eine Trübung der Beziehungen zur alliierten Türkei zur Felge gehabt hat. Graf Czernin hat von Herrn Eidinger ein Geschenk von £ 3000 erhalten, die aus geschäftlicher, Transaktionen hervorgegangen sein sollen, die Czertiic mit Eidinger in den Jahren 1922/1923 zusammen durchgeführt habe. Das Urteil in diesem Prozeß betrifft nur einen formalen Punkt. Der Graf Czernin, der noch im Jahre 1919 bei den Wahlen im Wiener jüdisches Quai-Viertel sich auf seine Verdienste um die Juden berief, geht aus diesem Prozeß, der auch sonst auf die jüdische Zeitgeschichte ziemlich interessantes Licht wirft, sehr kompromittiert hervor. 3er zionistische Sommer Von Dr. Koliner-Karlsbad. Es ist eine eigene Sache um das zionistische Gemein• schaftsgefühl. Von vornherein wäre anzunehmen, daß Menschen, die gemeinsam einer großen Idee anhängen, die wissen, daß Menschen gleicher Anschauung, gleicher Interessen überall existieren, das Bedürfnis hätten, einander kennen zu lernen. Aber dieses Bedürfnis existiert nur bei sehr wenigen Zionisten. Der Sommer ist ein Prüfstein dafür und wir in den Kurorten sind es, die mit schmerzlichen Bedauern von Jahr zu Jahr neu konstatieren müssen, daß die Gelegenheiten nicht benützt werden, die geboten werden, um Zionisten aus aller Herren Länder einander näher zu bringen. Die Ortsgruppen in den Weltbädem Karlsbad und Marienbad veranstalten allwöchentlich Zusammenkünfte, bei denen Vorträge, Diskussionsmöglichkeiten, Pressereferate geboten werden, bei denen sich Gesinnungsgenossen aus der ganzen Welt treffen, können, wenn sie nur wollten. Aber nur wenige machen davon Gebrauch und diese wenigen sind gerade die, denen ein Zionistenurlaub wohl zu gönnen wäre. Und doch ist es sicher, daß nichts stärkender, festigender wirkt, als das Gefühl überall Freunde, überall Mitkämpfer zu finden. Wie gut wäre es für so viele unserer ״Zionisten“ einen oder den anderen übrigens kurgemäß bald schließenden, anregenden Abend in zionistischer Gesellschaft zu verbringen. In Karlsbad werden auch dieses Jahr wieder jeden Donnerstag, abends 8 Uhr im Hotel ״Glattauer“ Zusammenkünfte abgehalten. Eine Reihe bedeutender Zionisten aus Palästina werden dieses Jahr hier weilen und vieles berichten können, jeder Abend wird eingeleitet mit einem Referat über die letzten Ereignisse im Zionismus. Aehnlich ist es in Marienbad, wo im letzten Jahre 10000 Berliner Juden weilten, wo aber kaum eine zionistische Zusammenkunft zustände kam! In diesem Jahr wird die Ortsgruppe in Marienbad ab 1. Juni jeden Dienstag in dem rituellen Restaurant Walhalla regelmäßige Zusammenkünfte veranstalten. Darum bitten wir alle Freunde und Gesinnungsgenossen, die in der nun einsetzenden Saison einen Kurort aufsuchen wollen, daran zu denken, daß es überall Gelegenheit gibt, eine Gesellschaft zu finden, in der sie mit offenen Armen aufgenommen werden. Die Ortsgruppen werden dafür sorgen, daß die Suchenden finden werden, was sie wünschen. Die tote Saison im Zionismus, der Sommer, kann zu einer neuen Kraftquelle werden, wenn alle Ortsgruppen ihre Mitglieder auffordern, sich in den Kurorten den anderen dort weilenden Zionisten zu zeigen. 4c Im Anschluß an die wichtig» Anregung Dr. Kohners wird die ״Jüd. Rundschau“ eine ständige Rubrik ״Kurortekalender“ schaffen, in welcher die Daten und Lokale, eventuell auch die Auskunftsstellen bekanntgegeben werden, wo Zionisten in den einzelnen Kurorten Zusammenkommen. Wir bitten heute schon um diesbezügliche Mitteilungen der in den Kurorten domizilierenden Gesinnungsgenossen. Preisausschreiben. Der Wohlfahrtsausschuß des Preußisehen Landesverbandes erläßt durch seinen Unterausschuß für Bevölkerungspolitik ein Preisausschreiben, ״Das großstädtische Wohnungsproblem und sein Einfluß auf die jüdische Bevölkerung“. Als Preise werden ein erster von 1000 und ein zweiter von 500 RM. ausgesetzt. Das Preisrichteramt haben übernommen: Prof. Dr. Erich Seligmann (Berlin), Prof. Dr. Moritz Türk (Berlin), Frau Wronsky (Berlin). Die Arbeiten sollen bis zum 31. März 1929 mit Kennwort und ohne Verfassernamen, jedoch unter Beifügung eines verschlossenen, den Namen enthaltenden und außen mit den/Kennwort versehenen Umschlags an das Büro des Landesverbandes Berlin N 24, Oranienburger Str. 29, eingesandt werden. Nähere Auskunft erteilt ebenfalls das Büro. IHRE BUCHSE BEREITS GELEERT WORDEN? Zenfralwohttahrtsstelle der dentschen Joden Unter Vorsitz von Herrn Rabbiner Dr. Baock, fand arr. Sonntag, den 29. April, die diesjährige Gesamtvorstandssitzung der Z.W.St. im Repräsentantensitzungssaal der Jüdischen Gemeinde zu Berlin statt. Ü. a. waren vertreten die Landesverbände in Preußen (Prof. Türk und M. A. Loeb), Bayern (Rudolf Schick, Leipzig!, Baden (Prof. Dr. Stein, Karlsruhe), Mecklenburg-Schwerin (Dr. Rubonsohn, Rostock); die Provinzialverbände: Brandenburg (Rabbiner Dr. Salomonski, Berlin), Niederschlesien (Frau Paula Ollendorf, Breslau), Rheinprovinz (Frau Szilard, Köln), Sachsen- Anhalt (Rabbiner Dr. Wilde, Magdeburg), ferner die Vorstände der Jüdischen Gemeinde Berlin (Kommemcnrat Gerson Simon) und der Deutsch-Israelitischen Gemeind« Hamburg (Jacob Heckscher, Hamburg), sowie das Wohlfahrt«- und Jugendamt der Berliner Jüdischen Gemeinde (Buges Caspary). Außerdem hatten folgende Organisationen Vertrat« entsandt: der Deutsch-Israelitisch» Gemeinde-Bund (Legalionarat Sobernheim), die Großlogo für Deutschland li.O.Ii.B. (Sanitätsrat Dr. Seeligsohn), die Hauptstelle für jüdisch« Wanderfürsorge und Arbeitsnachweise (Adler- Rudel), der Hilfsverein der deutschen Juden (Dr. Wischnitzer). da? Jüdische Frauenbund (Frau Bettina Brenner, Leipzig und Frau Dr. Edith Hirsch), der Reichsausschuß der Jüdischen Jugendverbände (Dr. Tielz), die Sozialen Ausschüsse des Allgemeinen deutschen Rabbinfrverbandes und des Reichsverbandes der jüdischen Lehrervereine (Rahh. Dr. Emil Levy und Georg Sawadv), der Verein der Leiter und Leiterinnen jüdischer Erziehungsanstalten Deutschlands (Direktor Dr. Feist) und die Zionistische Vereinigung für Deutschland (Alfred Berger und Dr. Lubinski). Nach einer Begrüßungsansprache des Vorsitzenden wurde vom Geschäftsführer Dr. Ollendorff der Tätigkeitsbericht über die Arbeit der Zentralwohlfahrtsstelle erstattet. Dem gesrhäft«führenden Vorstand wurde Entlastung erteilt. Sodann folgto ein Referat von Bankdirektor Wilhelm Kleemann, Berlin, über: ,,Gesichtspunkte, welche für die Errichtung der seit einiger Zeit in Berlin bestehenden jüdischen Kreditgenossenschaft maßgebend gewesen sind“. Daran und an die Berichte schloß sich eine eingehende Diskussion unter lebhafter Beteiligung besonders auch der auswärtigen Vertreter. Die Aussprache ergab eine große Reihe von Anregungen für die künftige Ausgestaltung der verschiedenen Arbeitsgebiete, insbesondere des Kreditwesens, der Gesundheitsfürsorge (vor allem der Tuberkulosefürsorge und der Fürsorge für Nerven- und Geisteskranke) sowie der Gefährdetenförsorgo (Frage der Bewahrungsheime). Schließlich wurde eine von Herrn Dr. Tietz (Reichssausschuß der jüdischen Jugendverbände) vorgelegte Ent- Schließung zur tatkräftigen Förderung der jüdischen Gemeinde- und Jugendheime einstimmig angenommen. Ortsgroppen Bochum. Am 8. Mai fand hier eine ordentliche Generalver- Sammlung statt, und gleichzeitig Delegiertenwahl zum Delegiertentag in Breslau. Zur Tagesordnung gelangte: 1. Tätigkeitsbericht, 2. Kassenbericht, 3. Bericht über den K.K.L., K.H., Schekel und Zionistensteuer-Arbeit, 4• Vorstandswahl und 5. Delegierlenwahl. Als 1. Vorsitzender wurde gewählt; Herr Isaak Klausner, Kassierer: Herr Fritz Frisch, Schriftführerin: Frl. Laura I n s 1 e r. Die Leitung des Nationalfonds übernahm Herr Bernhard Lampel. Als Delegierter zum Delegiertentag in Breslau wurde Herr Isaak Klausner gewählt. Dortmund. (Kulturwoche Dr. Max Meyer.) Die Zionistische Ortsgruppe Dortmund veranstaltete in der Zeit vom 16. bis 24. April einen Vortragszyklus über ״Neuhebräische Literatur", zu dem sie Herrn Dr. Max Mayer, Zwickau gewonnen hatte. Der Inhalt dieser Vorträge ist den Lesern der Rundschau bereits bekannt. Eis hat sich hier, wie an allen anderen Orten gezeigt, daß für derartige Veranstaltungen großes Interesse vorhanden ist, das sich durch die Form und den Inhalt der VortrSgo von Abend zu Abend steigert. Während der erste Vortrag lediglich einen Besuch von 65 Personen aufwies, waren die letzten Vorträge von etwa 90 bis 100 Personen besucht. Der Veranstaltung wohnten im Ganzen etwa 110 Personen bei, eine Zahl, die für Dortmunder Verhältnisse als außerordentlich hoch zu bezeichnen ist, und die der beste Beweis für das Gelingen der Veranstaltung ist. Herr Dr. Meyer hat es glänzend verstanden die Abende außerordentlich lehrreich zu gestalten und es wird keinen Besucher des Zvkluses geben, der nicht sehr viele Anregungen erhalten hat. Schon heute ist der Wunsch laut, Herrn Dr. Meyer recht bald wieder in Dortmund begrüßen zu können zu seinem Vortrag über die jüdische Literatur der Gegenwart. Magdeburg. In einer gut besuchten Versammlung, die gemeinsam von der Zionistischen Ortsgruppe und dem Barkoehba einberufen war, sprach M. W a I d m a n n , Berlin, über das Thema : ״Ueberwundene Krisen“. Der Redner zeichnete eine ganze Reihe von Krisen innerhalb des Judentums auf, die überwunden sind. So zeigte er, daß z. B. das Mindorwertigkeitshewußtsein, das vielen Juden das Leben erschwerte, heute immer mehr im Schwinden ist, er sprach von der drohenden Krisis, zu der die stetig abnehmende Bovölkorungszahl der Juden für das Judentum führen muß und wies darauf hin, daß man auch in Palästina beginne, Ideenkrisen zu überwinden, aus denen falsche Beurteilung der Aufbauarbeit und ihrer Methoden flössen. Nach einer kurzen Aussprache über das Gehörte, schritt die Ortsgr. zur Wahl ihres Delegierten für den Breslauer Delegiertentag und wählte einstimmig den 2. Vorsitzenden K. Karger, der vor Annahme der Wahl in eindringlicher Form seine Wünsche und Forderungen an den Delegiertentag formulierte. Kulturwochen im Rheinland. Herr Dr. Max Mayer hielt in den zionistischen Ortsgruppen Dortmund, Essen, Duisburg und Düsseldorf Vortragszyklen über ״Neuhebräische Literatur“, und zwar vier Abende in jeder Gruppe. Dr. Mayer gab in seiner temperamentvollen Weise eine lebendige Darstellung des Stoffes. Die Vorträge erregten das größte Interesse bei allen Beteiligten. Die Zahl der Hörer wuchs in jeder Stadt bei jedem Vortrag. Wir sind Herrn Dr. Maver zu großem Dank verpflichtet, ueberall wurde der Wunsch ausgesprochen, Herrn Dr. Mayer möglichst bald wieder zu hören bei Behandlung der hebräischen Literatur der jüngsten Zeit. Wir sind auch davon überzeugt, daß die Vorträge die hebräische Bewegung unseres Bezirks stark fördern werden. Vermischtes Musik. Am 18. Mai, abends 8 Uhr, veranstaltet die Berliner Ortsgruppe der ״Internationalen Gesellschaft für neue Musik“ ein Konzert im Grammophonsaa], in dem Erich-Walter Sternbergs Ballade ״Aus Krähwinkels Schreckenstagen“ für Baß mit Begleitung des Kontrabaß zur Uraufführung gelangt. Solisten: Dr. Heinrich Hermanns, Kurt W a 11 n e r. — Das A in a r - Quartett (dio Herren Licco A m ar, Walter Gas per, Paul Hindemith, Maurits Frank) führt im Rahmen des Schweriner Musikfestes am 21. Mai, vormittags 11 Uhr, das 3. Streichquartett von Erich-Walter Sternberg auf. Die Soneino-Gesellschaft der Freunde des Jüdischen Buches veranstaltet am Sonntag, dem 20. Mai 1928 zu Berlin ihre dritte ordentliche Jahresversammlung. Die Geschäftssitzung findet um jot/s Uhr vormittag? im Sitzungssaale der Repräsentanten- Versammlung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Oranienburger Straße 28 statt. Im Anschluß an die Sitzung wird am gleichen Orte um 12 Uhr eia Festvortrag gehalten werden. Herr Professor Dr. El bogen spricht über: ״Eine neue Fundgrube hebräischer Handschriften“, wobei er die Erfahrungen seiner kürzlich b•׳- endeten Studienreise durch englische Bibliotheken zugrundeiegi, öästo sind zu de» Feetvortrage willkommen.

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