Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1928-05-16 · Heft 38-39 (16.5.1928) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 38-39 (16.5.1928)
Date
1928-05-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2651273-2652971-2653007--19962-2677893
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Doppclnammer 0,40 Goldmark Mit Unterhaltung»-Beilage JÜDISCHE RUNDSCHAU um* 11"—Bm>1 .— - Redaktion und Verlag Berlin W 15, Meinekestraße 10. Erscheint jeden Dienstag und Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 1,85 Goldmark, vierteljährlich 5,25 Goldmark. Anst«odsabonnren«nt* werden io der Wahrtniß der einzelnen Länder berechnet Wammer38/39 | Berlin, 16. V. 1928 Anzeigen -Verwaltung Jüdische Rundschau G.m.b.H., Berlin W15, Meinekestr. 10 Telephon: Amt Bismarck 7165—70. Aaz9ig«mpreis:8 geapa!tNoop»reiliezeile 0,50 G.-M. Stellen g«*ttche0,25 G.-M. AoseigenschlttS; Dieoatag und Freitag nachmittags 4 Uhr, Telephon: Bismarck 7165—70. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392 Für Oe»terreici>: Post»n8rk*ssen«mt Wiea, Konto Nr. 156030. Für Tschechoslowakei: PotUparkusenunt Prag, Konto Nr. 50410. Für Polen: Postaparkaaaeoamt Warschau. Konto Nr. 190708. Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. כ״ו אייר׳ תרס״ח j XXXIII. Jahrg. oc» Zionismus erstrebt für das jüdische Volk «Ile Schaffung einer öffentlich . rechtlich go1lchorlan HelmslSHe Iw Palästina. ״Baseler Programm. *t Zum Fall Jakubowski In Mecklenburg-Strelitz ist im Jahre 1025 der russische Kriegsgefangene Jakubowski unter der Beschuldigung, seinen vier Jahre alten unehelichen Sohn Ewald Nogens ermordet zu haben, verurteilt und hingerichtet worden. Es stellt sich nunmehr heraus, daß dieses Urteil ein furchtbarer, nicht wieder gützumachender Justizirrtum war. Die gesamte Oeffentlichkeit ist über den Fall entsetzt, und die Organe der öffentliehen Meinung stellen Untersuchungen an, wie es möglich war, daß Staatsanwalt und Richter ein derartiges Fehlurteil fällen konnten. In der ״Vossischen Zeitung“ bespricht Julius El bau den Fall und schreibt darüber: ״Der einzige Mensch in dieser Umwelt des Grauens und des Elends (das Milieu, in dem der Fall sich abspielte ~ A. d. R.) scheint der Unglückliche gewesen zu sein, der von den Wellen des Krieges in die fremde Stadt geführt wurde, und dort fremd blieb, fremd, verdächtig, der Sprache nicht mächtig, dem Apparat des Rechtes und seinen zermalmenden Zähnen hilflos ■usgeliefert, ohne Freund, ohne Helfer, ganz auf sich gestellt. Der Prozeß war zu ungleich, der Unglückliehe war verlöre n.“ Im weiteren Verlauf des Aufsatzes erinnert Eibau an den Fall Haas in Magdeburg, In dem auch formales Recht gegen das natürliche des Einzelmenschen stand. Abgesehen von dem menschlichen Mitleiden, das dieser Fall Jakubowski erregt, gibt er besonders uns Juden zu denken. Denn seit jeher sind in unverhältnismäßig großer Zahl jüdische Menschen Vorkämpfer für Recht und Gerechtigkeit gewesen und zuliefst gefühltes Judentum ist geradezu ein Seismograph für alle Fragen der Gerechtigkeit. Nahezu dreitausendjähriger ununterbrochener Kampf um Gerechtigkeit wird schließlich zum Instinkt und zu blutbedingter Eigenschaft. Ist doch die Gerechtigkeit die einzige Waffe des Schwachen und desjenigen, Zionismus und Central ״Verein Duisburger Brief o Duisburg, 11. Mai. Viele halten den Kampf des C.-V. gegen den Zionismus für die Sache weniger Berliner Scharfmacher; die liebe Provinz — meint man — folge nicht, mit ihr könne man in Frieden und Freundschaft leben. Es lohnt sich, diese Ansicht an dem Beispiel jüdischer Tatsachen einer Provinzstadt nachzuprüfen. Seit mehr als einem Vierteljahrhundert war hier den deutschen Juden kein Mittel zu verwerflich bei der Verfolgung von Zionisten und Ostjuden, den Störern ihres Dämmerzustandes. Denunziationen aller Art bei den Behörden, Drohungen, Beschuldigungen, gesellschaftliche Aechtung, dauernder Versammlungsboykott, Vertrags- und Rechtsbruch, vor nichts schreckte man zurück. Das geht so seit 25 Jahren bis auf den heutigen Tag. Nur um der Außenwelt, die man nicht kennt und vor der man sich fürchtet, zu beweisen: ״Das von den Zionisten behauptete oder angestrebte jüdische Volk ist nicht das der auf den Central-Vereins-Standpunkt stehenden deutschen Juden, da diese in nationaler und kultureller Hinsicht ausschließlich dem deutschen Volke angehören“ (aber sicherlich nicht der deutschen Sprachgemeinschaft, wie aus diesem Satze der neuesten Central-Vereins-Resolution hervorgeht). Führer dieser Streiter für Religion und Demokratie dürfen Menschen sein, die es über sich gebracht haben, in Eingaben sich der Regierung als ״deutschfühlende Männer“ zu empfehlen in ihrem Kampf gegen die Zionisten, ״die über Konfession und Religion hinweg danach trachten, unter Rückbildung der Weltgeschichte ein nationales Judentum wieder aufzurichten und cjie daher, wenngleich sie es wollen mögen, an dem wahren deutschen Volksempfinden, an seinem Denken, Fühlen und Streben nicht teilnehmen können“. Mit ihren, der Antizionisten, ״höheren Idealen“, so schrieben sie, sei unverträglich ״die Teilnahme der Fremden niederer Kultur und ihrer Führer, deren Herz nicht ungeteilt für Deutschland schlagen kann“. Mit dem schriftlichen Schlachtruf ״Hie Deutsch, Hie Galizisch-zionistisch!“ stürmten sie auf den armen christlichen Regierungs- Präsidenten ein und suchten ihn zu änptigen. Im Jahre 1926 schreiben sie dem Oberbürgermeister, die Gründung der städtisehen jüdischen Volksschule erfolge auf Betreiben nationaljüdischer Kreise, ״während die liberalen Kreise nicht haben wollen, daß ihre Kinder zu Nationaljuden, sondern (wir zitieren und sind für das Deutsch dieser Deutschen nicht verantwortlich) zu aufrechten und guten Deutschen erzogen werden“. Solchen gilt doch — meinen sie — die Liebe des Herrn Dr. Jarres, und nicht niedrigen und schlechten Deutsehen! Dauernd wird bei Behörden antichambriert, um ihnen vor Zionisten und Ostjuden bange zu machen. Man läuft zu einflußreichen Nichtjuden, damit sie helfen, Deutschland zu retten. Man bricht schriftliche feierliche Vereinbarungen, die man mit den Gegnern getroffen hat. Man richtet hinter dem Rücken der jüdischen Gemeinde unwahre Eingaben an die Behörden, um die zionistischen Gemeindevertreter vorzeitig aus ihrem Amt zu entfernen. Solange es hier Zionisten gibt, droht man dauernd mit dem Austritt aus der Gemeinde. Wollen die Ostjuden sich nicht Widerstandslos entrechten lassen, wird den Orthodoxen ein kleiner Zuschuß zu ihren Kultusausgaben bewilligt, wird die Gründung der die Gewalt in jeder Form ablehnt. Gerade in den letzten Monaten sind es zwei Juden im deutschen Sprachgebiet gewesen, denen die Frage gebeugten Rechts zum Vorwurf für Schöpfungen gedient hat, die das größte literarische Aufsehen erregt haben. Arnold Zweigs ״Der Streit um den Sergeanten Grischa“ und Jacob Wassermanns ״Der Fall Maurizius“ sind großartige Dokumente jüdischen Empfindens für Gerechtigkeit. Um so packender wirkt darum auf Juden der Fall des Kriegsgefangenen Jakubowski, der eine reale Illustration zu den gedanklichen und gefühlsmäßigen Konstruktionen der genannten jüdischen Autoren ist. Der Fall Jakubowski ist ein Schulbeispiel, wie eine fremde Welt ohne bösen Vorsatz, nur wegen des Nichtverstehens des in die Fänge des staatlichen Apparates geratenen Opfers, Unrecht übt. Im Falle Jakubowski war das Hauptmoment das Fehlen eines Dolmetschers. Der Angeklagte verstand die Richter nicht, die Richter verstanden den Angeklagten nicht Hat sich dieser Fall in der Geschichte unserer Zerstreuung nicht millionenfach wiederholt? Durch die Wellen des Schicksals sind jüdische Volkssplitter, sind einzelne Juden in fremde Länder geführt worden, dort fremd geblieben, verdächtig, ohne Freund, ohne Helfer, ganz auf sich gestellt. Und es fehlte in den meisten Fällen der Dolmetscher, und so wurden sie in vielen Fällen mit — und in einer ebenso großen Anzahl von Fällen ohne bösen Willen, nur aus Un- Verständnis, verurteilt Sie blieben und sind bis auf den heutigen Tag der Umwelt verdächtig. Sie sind nur auf sich gestellt und in diesem ungleichen Kampfe werden sie zermalmt Der arme Russe, der hingerichtet wurde, wirkt darum besonders auf Juden als Symbol, wie man unschuldig angeklagt und vernichtet werden kann, nur weil ein selbstsicheres System starr und verständnislos dem Andersgearteten und als fremd Empfundenen bleiben muß. einer jüdischen Schule beschlossen, erhalten Arbeiterfürsorgestelle oder hebräische Kurse einen Beitrag, befürchtet man bei Gemeindewahlen zu unterliegen, stets droht man mit dem Austritt aus der Gemeinde und ihrer finanziellen Vernichtung. Alles Lebendige im Judentum wird bekämpft: ein einziger Chillul Haschern. Der fortgesetzt und bewußt Recht und Gesetz verletzende Gemeindevorstand darf in öffentlicher Sitzung im Kampfe gegen Judentum und Geographie Ha bim a h als ״polnische Theatertruppe“ beschimpfen. Jeder offcnen Auseinandersetzung mit dem Zionismus geht man aus dem Wege. Seit Jahrzehnten ist der strengste Boykott über zionistische Versammlungen verhängt. Noch zur letzten Ver- Sammlung der zionistischen Ortsgruppe, die vor kurzer Zeit stattfand, und zu der alle C.-Ver und der Vorstand des C.-V. nochmals besonders zu einem Vortrag von Kurt Blumenfe 1 d über Zionismus und Central-Verein, der am 8. Mai stattfand, eingeladen worden waren, versandten sie eine gedruckte Mahnung: ״Wir bitten, Disziplin zu wahren und die Blumenfeld-Versammlung nicht zu besuchen.“ Begründung: ״Die Einigkeit des deutschen Judentums gegenüber seinen Feinden.“ Als einmal ein hiesiger C.-Ver die Hilfe des Hauptvorstandes des C.-V. angerufen hatte gegen diejenigen Kämpfer für Deutschtum und Judentum, Glaube und Heimat, die vor der nichtjüdischen Oeffentlichkeit und den deutschen Behörden sich skrupellos an Zionisten, Ostjuden und der Einheit des Judentums vergangen hatten, lehnte der C.-V. ein Einschreiten ab, mit genau der gleichen Begründung: ״Ein Verein wie der unsrige muß die Juden einen und stets bemüht sein, alles Trennende innerhalb des Judentums zu beseitigen, um nach außen hin energisch dazustehen.“ ״Wir scheuen keine Auseinandersetzung mit den Zionisten und werden uns nach den Wahlen gern dazu zur Verfügung stellen,“ so heißt es in dem unwahrhaftigen Flugblatt. Seit 25 Jahren haben sie sich gescheut, n i e haben sie sich gestellt. Die Leute, die vor kurzem mit der Resolution Mecklenburg durch Verdächtigung der staatsbürgerlichen Gesinnung der Zionisten ihren Patriotismus den Nichtjuden beweisen wollten, verkriechen sich jetzt hinter der faulen Ausrede der Reichs tags wählen, die sie nicht gehindert hatten, für den Abend nach der Blumenfeld-Versammlung eine eigene einzuberufen, um die Zionisten in absentia zu erledigen. Der Boykott nützte ihnen nichts, wohl aber uns. Die Blumenfeld- Versammlung war überfüllt. Blumenfeld sprach in populärer Weise mit begreiflichem Sarkasmus, oft in zorniger Rede. Er enthüllte die Haltlosigkeit der Situation des offiziellen deutsehen Judentums, das vor dem Außerordentlichen erschrickt und deshalb versucht, es herabzusetzen und auf sein Niveau herabzuziehen. Der Abend war ein großer Erfolg. Dreißig neue Mitglieder traten der zionistischen Ortsgruppe bei. Diejenigen aber, die glauben, wenn gewisse Teile des deutschen Judentums einige Seiten unseres Vokabulariums übernommen hätten, sei unsere Aufgabe hier erfüllt, mögen aus diesen Vorgängen lernen. Allred Mond bei Mussolini Sir Alfred Mond ist von M u s s o 1 i n 1 in längerer Audienz empfangen worden. Mussolini befragte seinen Gast über die einzelnen Phasen der jüdischen Kolonisation und die jüdische kulturelle und kolonisatorische Tätigkeit. Rundschau Wahlen mt IlWisdie Politik Am nächsten Sonntag werden die Wähler in Deutschland den Reichstag und auch einige Landtage durch ihre Stimmzettel neu gestalten. Es ist auffallend, daß das Interesse für die Wahl gegenüber dem Jahre 1924 erheblich nachgelassen hat. Man kann das vielleicht mit dem Prozesse der fortschreitenden Konsolidierung der Verhältnisse in Deutschland oder aber auch mit der sich durchsetzenden Erkenntnis erklären, daß die wesentlichen Grundlinien der Politik nicht von den gesetzgebenden Körperschaften, sondern von den großen Wirtschaftsverbänden bestimmt werden. Festzustellcn ist ferner, daß im gegenwärtigen Wahlkampfe die radauantisemitischen Parolen in erheblich geringerem Maße zur Anwendung gelangen als in den früheren Jahren. Es hat augenscheinlich eine Normalisierung in der Richtung stattgefunden, daß das jüdische Element im politischen Leben seit der Revolution stark zurückgedrängt wurde, und daß die Scheidung zwischen Nichtjuden und Juden einen Grad erreicht hat wie in den Zeiten vor dem Kriege, so daß die Reibungsflächen vermindert sind. Es wäre aber falsch, den Schluß zu ziehen, daß nunmehr die jüdische Situation in Deutschland sich grundsätzlich gebessert habe. Es ist, wie wir bereits ausführlich dargelegt haben, selbstverständlich, daß die Juden als deutsche Staatsbürger ihren ganzen Einfluß aufwenden müssen, damit der Prozeß der Gesundung der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse in Deutschland gekräftigt werde. Dabei ist festzuhalten, daß die jüdische Gemeinschaft als solche im Wahlkampf keine deutsche Partei repräsentiert und auch nicht repräsentieren darf. Die Juden differenzieren sich politisch ebenso wie alle anderen Staatsbürger. Das lächerliche antisemitische Geschwätz, die Juden erstrebten als solche eine besondere Macht im Staate oder Einfluß auf die deutsche Politik, ist natürlich sinnlos. Als Juden haben wir kollektiv nur unsere jüdischen Interessen, die in diesen Parlamentswahlen naturgemäß nicht parteibildend sind. Wir haben keine jüdische .׳,P«t«i., und- :n#lür||;bK ..gpfa;,Jrein«®.ir.|fldidd׳h ett■ W a W f od i s. iSt' bedäa'Sflfli.Ttrefihrend, und *bietet י dir’ antisemitischen Agitation völlig überflüssigen Nährstoff, wenn der Central-Verein sich gebärdet, als ob er die ״Partei der Juden“ mit einem eigenen Wahlfonds vertrete. Die letzten Nummern der C.-V.-Zeitung machen in einer geradezu geschmacklosen Art für diesen Wahlfonds Propaganda. Neben den Büchsen der deutschnationalen und völkischen Parteien, die als wahlwerbend selbst auftreten, erscheint da die Büchse des C.-V. Es scheint, als ob bei dieser ganzen Wahlpropaganda der Wahlfonds die Hauptsache wäre . . . Der C.-V. arrogiert sich die Rolle einer wahlwerbenden (offenbar jüdischen!) Partei, obwohl er doch in der Theorie eine solche jüdische Absonderung ablehnt! Es ist die Büchse, die durch Aufrichtung des Antisemitenschrecks für sich Propaganda macht. Diese Nutznießung des Antisemitismus als Um und Auf politischer Weisheit wirkt, um ein mildes Wort zu gebrauchen, unangenehm. Die Agitation unter den Juden gegen den Judenhaß ist ziemlich überflüssig. Die Fälle, daß einzelne Juden für antisemitische Parteien stimmen, dürften, wenn sie überhaupt Vorkommen, nur sehr sporadisch sein. Die nichtjüdische bzw. antisemitische Oeffentlichkeit aber nimmt entweder die C.-V.-Propaganda nicht zur Kenntnis, oder aber sie wird durch sie in ihren antisemitischen Vorurteilen bestärkt. Die wenigen Nichtjuden, die positiv auf die C.-V.-Werbung reagieren, waren ohnedies keine Antisemiten und haben spezielle Umwerbung nicht nötig. Infolgedessen ist der ganze Tarn Tarn, den der Central-Verein anläßlich der Wahlen schlägt, in gewissem Sinne eine Spiegelfechterei. Er will gegenüber seinen Mitgliedern und gegenüber dem deutschen Judentum den Anschein von Unentbehrlichkeit und segenbringenden Tätigkeit erwecken. Wenn einzelne Juden das Bedürfnis haben, irgendeine Partei, die im Wahlkampf auftritt, zu fördern oder wenn irgendeine dieser Parteien Wert auf jüdische Unterstützung legt, so werden die einzelnen Juden sowie die betreffenden Parteien schon den Weg zueinander finden, und es bedarf nicht der über* flüssigen Vermittlung des Central-Vereins, der durch sein Gehaben, den Eindruck erweckt, als ob die Juden tatsächlich kollektiven Einfluß als einheitliche Partei auf die politischen Geschehnisse in Deutschland ausüben wollten. * Die Ereipisse in Rumänien In Rumänien bereiten sich entscheidende Dinge vor. Die Bauernschaft ist mit dem Regime unzufrieden und fordert ihr Recht. Zwar hieß es, daß nach dem Kriege in Rumänien eine Agrarreform durchgeführt wurde; aber diese blieb im großen und ganzen nur auf dem Papier. Lediglich in der Bukowina, wo während der österreichischen Herrschaft Juden Großgrundbesitz erwerben durften, sind einige jüdische Güter parzelliert und unter die Bauern verteilt worden, ln Altrumänien, Siebenbürgen und Beßarabien blieb alles, wie es war. Darum die Unruhe unter der Bauernschaft, darum das Schwelen einer agrarrevolutionären Bewegung, von der die gegenwärtige Regierung als Vertretung des Großgrundbesitzes arg bedroht ist. Hält man sich diese Lage in Rumänien vor Aitgen, so wird es begreiflich, warum Rumänien Schauplatz dauernden anti jüdischer Ausschreitungen ist. Es ist das altgewohnte Ablenkungsmanöver, das seit Jahrhunderten noch von allen Regierungen provoziert oder

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.