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Jüdische Rundschau · 1928-05-11 · Heft 37 (11.5.1928) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 37 (11.5.1928)
Date
1928-05-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Telephon: Bismarck 7165—70. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392; Fflr Oesterreich: P&#tspcrk341en4UBt Wies, Konto Nr. 156030. 1 Für Tschechoslowakei! rostsparhassesamt Prag, Konto Nr. 59410. 1 Für Polen: Postipsrkaasenamt Warschau, Konto Nr. 190 708. Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. Nummer 37 | Berlin, 11. V. 1928 Aj1*«tg«ap1׳aiaf8gtipaltNonp1reilla*eile0,50G.־M.St«Uenge»ttche0,25G.«M. AnxeigenschlaD: Dienstag a 0 d Freitag nachmittags 4 Uhr. כ״א אייה תרס״ח | xxxm. jahrg. Der Zionismus erstrebt fUr dai Jüdische Volk dl« Schaffung einer öffentlich - rechtlich aeslchartan Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm.•* Konvention dm 1• Juli ״Palästina hat die Rechnung zu zahlen" New York, 7. Mai. (J.T.A.) Vom Hauptbüro der Zionistischen Organisation Amerikas wird offiziell mitgeteilt, daß die diesjährige Convention (Delegiertentagung) der amerikanischen Zionisten am 1. Juli in Pittsburg eröffnet werden wird. Diese Convention wird wohl eine der bewegtesten Konferenzen der amerikanischen Zionisten sein; in ihr wird die Entscheidung über die künftige Führerschaft im amerikanischen Zionismus fallen. * Dr. Weizmann hielt vor einer Gruppe führender Zionisten New Yorks vor seiner Abreise nach Canada eine Rede, worin er sich mit der Opposition im amerikanischen Zionismus auseinandersetzte. ״The New PaIestine“ vom 20.April bringt Auszüge aus dieser Rede. Dr. Weizmann erklärte, daß in der Kontroverse, die innerhalb der amerikanischen Zionisten ausgebrochen ist, eine Tatsache unleugbar fcststehe: Palästina hat die Rechnung zu zahlen. Da ich nach Amerika gekommen bin, um ein wichtiges Stück Arbeit für Palästina zu tun, lasse ich mich nur mit größtem Widerstreben auf eine Besprechung dieser Situation ein. Der Baseler Kongreß gab der Exekutive eine bestimmte Aufgabe, die sie nur dann durchführen kann, wenn Amerika die Verpflichtungen, die die amerikanische Delegation auf dem Zionistenkongreß übernommen hat, erfüllt. Wenn Amerika uns im Stich läßt, werden wir eine sehr ernste Situation vor uns haben. Die Krise wird um so schwerer sein, als wir gerade im Begriffe sind, die schwersten Klippen zu umschiffen. Ich habe geglaubt, daß jeder Zionist, dem der Zionismus und der Fortschritt des Palästina-Werkes oberstes Ziel seines Lebens ist, gerade in diesem Moment das äußerste tun wird, um standzuhalten, bis wir weiter vorschreiten können. In Europa, das sich allmählich von seiner sdtwtfin PriiJuitg ■ ifhftt»;d|t »:ä§ä; . Kreisen vorherrschend, Dr. Weizmann charakterisierte dann die Situation in Palästina, die Einstellung der Arbeitslosenunterstützung und die neuen wirtschaftlichen. Chancen. Sodann erinnerte er an die Art des Zustandekommens der Wahl der Exekutive auf dem letzten Kongreß, wobei die amerikanische Delegation den entscheidenden Einfluß geltend machte. Zwar gab es über geringere politische Fragen Meinungsverschiedenheiten Innerhalb der Exekutive, aber das gemeinsame Ziel bestand darin, die Exekutive arbeitsfähig zu erhalten. Nachdem die innerzionistische Kontroverse auf dem Kongreß beigelegt wurde, scheint jetzt kein erkennbarer Grund für ihre Erneuerung zu bestehen. Dennoch macht man London den Vorwurf politischer Unfähigkeit, man versucht einen Keil zu treiben zwischen die Exekutive in Palästina und die in London, in allen grundlegenden Fragen sind jedoch die beiden Teile der Exekutive einer Meinung. Dr. Weizmann weist dann die gegen die politische Leitung erhobenen Vorwürfe zurück und erklärt, er könne nur seiner politischen Methode gemäb arbeiten. Wenn es Menschen gibt, die mit schärferen Methoden mehr erreichen können, so möge man diese wählen. Er sei bereit, auf der A.-C.-?itzung seinen Platz zu räumen. Er geht dann über auf die Art und Weise, wie die Kritik geäußert worden ist. Dr. Wise hat es abgelehnt, nach Dr. Weizmanns Ankunft eine Aussprache mit ihm zu haben, obwohl Weizmann die Initiative dazu ergriff. Dr. Wise mag im Recht oder Unrecht sein: — von Menschen in einer so schwierigen Aufgabe, die von soviel Gleichgültigkeit und Feindschaft umgeben sind, hätte jede Anstrengung gemacht werden sol’en, um ein solches Schauspiel eines inneren Kampfes zu vermeiden. Schon aus Gründen aer Gastfreundschaft hatte ich, als ein Gast in diesem Lande, ein Recht darauf, zumindest angehört zu werden von Herren, mit denen ich jahrelang zusammengearbeitet habe. Ein solches Vorgehen Die MavromattskoDzession verkaalt Jerusalem, 8. Mal. (J.T.A.) Der Jaffaer Rechtsanwalt Richardson, der palästinensische Vertreter der London Power Securities Corporation, teilt der J.T. A. mit, daß seine Gesellschaft von dem Griechen Mavromatis die Konzession zur Versorgung Jerusalems mit Elektrizität erworben hat. Die Vorarbeiten zur Verwirklichung der Kon- Zession sollen unverzüglich begonnen werden, so daß die Hauptstadt Palästinas in etwa 15 Monaten genügend mit elektrischem Strom versorgt sein wird. Export des Tiberias-Wassers Jerusalem, 8. Mai. (J.T.AJ Ein Konsortium amerikanischer Juden, an dessen Spitze Rabbiner Jacob Redelheim aus New York steht, hat mit der Stadtverwaltung von Tiberias ein Abkommen getroffen, laut welchem das Wasser der Thermen von Tiberias auf Flaschen gezogen und nach dem Ausland transportiert werden wird. Die Palästina-Regierung hat dem Vertrage bereits ihre Zustimmung erteilt. Rabb. Redelheim erklärte, daß eine Anzahl jüdischer Familien in Tiberias bei Flaschenfüllung und Export eine dauernde Beschäftigung finden wird. (Bekanntlich eignet sich das Wasser der Tiberias-Thermen vorzüglich zur Behandlung von Krankheiten des Darmes, der Nieren, Gallenstein- und Blasenleiden.) zwischen Kampfgenossen entspricht nicht den Formen zivilisierter Gesellschaft und erzeugt Demoralisation. Es wäre auch richtig gewesen, den Bericht der Expertenkommission, der uns die Methoden der Palästina-Arbeit festsetzen helfen soll, abzuwarten. Jeder hat ein volles Recht, gegen das Programm der Jewish Agency zu sein; aber auf zwei aufeinanderfolgenden Kongressen wurde diese Sache beraten und beschlossen. Es Ist daher nicht vereinbar mit zionistischer Loyalität, diesem Projekt einen Dolchstoß in den Rücken zu versetzen. Meine Macht gegenüber dem Colonial Office besteht nur in der Unterstützung der Zionisten. Je stärker die Bewegung, desto stärker kann ich dort auftreten. Wenn der interne, höchst unzeitgemäße Streit fortdauert, muß Amerika versagen. Alles was ich tun kann ist: an Palästina erinnern. Ich bitte Sie, was immer Sie tun, nicht zu vergessen, daß Palästina es ist, das die Rechnung zahlen muß. Die Streitfragen sollen auf der Convention und auf dem Kongreß gelöst werden. Wenn jemand den Kongreß im nächsten Jahr nicht erwarten kann, so werde ich mit Freuden in diesem Sommer einen Kongreß einberufen. Wir bieten heute ein öffentliches Schauspiel. Wenn ein Kongreß in diesem Jahre diesen Szenen ein Ende machen kann, werde ich glücklich sein, ihn einzuberufen in der Hoffnung, daß dies mein letzter offizieller Dienst für die Zionistische Organisation ist. Aber bis zu diesem Zeitpunkt müssen wir weiter Zusammenarbeiten. Die für Palästina schädliche Haitung muß ein Ende haben. Ein Hahnwort Louis Lipskys Louis L i p s k y veröffentlicht in dem offiziellen Organ der Zionisten, ״Dos Yiddische Folk“, ein Mahnwort an die Zionisten Amerikas. Er beklagt cs, dab in die bisher ruhige Atmosphäre des amerikanischen Zionismus Unruhe hineingetrieben wurde. Wir haben, schreibt Lipsky, die Verpflichtung übernommen, der Palästinaexekutive unseren Budget teil rechtzeitig zu übermitteln; von der Erfüllung dieser Pflicht hängt eine normale und erfolgversprechende Entwicklung in RalÄttaa gen gegenüber de» Exekutive in Palä־u״a ois zum Monat Mai ׳1׳«• balanciere«,ciind wfif vvareh dein' Zustand '»®her ־daß' die Arbeitslosigkeit in Palästina vollkommen liquidiert ,werden könne. Gerade in diesem günstiger. Mönfent karten die Störungen. Das AdmlnistrativKomitee wir bemüht, jede aufregende Diskussion zu vermeiden. Die Convention ist allein der Ort, wo die auf der Tagesordnung stehenden Fragen und Probleme zur Auseinandersetzung kommen sollen. Nun aber zwingt die Haltung des Nationafrates der f,Had a s s a h“ die Führerschaft des amerikanischen Zionismus, sich an alle organisierten Zionisten mit einem aufklärenden Aufruf zu wenden, damit ein Bruch in der Zionistisehen Organisation vermieden wird. Die überraschende Diskussion gefährdet den United Palestine-Appeal sowie viele allweltliche zionistische Pläne, darunter auch das Zustandekommen der Agency-Erweiterung. Das Mißtrauensvotum der ״Hadassah", sagt Lipsky weiter, besitzt keinerlei legale Autorität. Die Resolution war den einzelnen Hadassah- Gruppen vor der Einbringung nicht vorgelegt worden. Das bedeutet einen durchaus ungesetzlichen Akt. Lipsky setzt sich auch mit den übrigen onpositionellen Gruppen auseinander und appelliert an alle Zionisten, jede Diskussion, die dem Prestige und dem Arbeitsimpuls der Zionistischen Organisation Amerikas Abbruch tun könnte, zu unterlassen, damit die dringende Arbeit für Palästina ungestört vor sich gehen könne. Er fordert eine neue Mitglieder- Werbea k t i o n und schließt: Zu rechter Zeit und am rechten Ort wird die amerikanische zionistische Administration der ganzen jüdischen Welt über ihre Arbeit in den letzten sieben Jahren Rechenschaft geben. Die jüdische Oeffentlichkeit wird erfahren, was für große und schwere Aufgaben in diesen sieben Jahren verwirklicht worden sind, sie wird einsehen, daß die ganze Kampagne der Opposition hauptsächlich ein Rachefeldzug jener Menschen und Prinzipien ist, die auf der Convention in Cleveland im Jahre 1921 geschlagen worden sind. Der neue Cbelsekretflr Palästinas Wie die englischen Blätter melden, ist der frühere Vize- Gouverneur von Jerusalem, H. C. Luke, zum Chef- Sekretär der Palästina-Regierung an Stelle von Colonel Symes, der als Gouverneur nach Aden geht, ernannt worden. * Luke war 1921 eines der Mitglieder der Haycraft-Commission, weiche die Unruhen vom 1. Mai 1921 und ihre Ursachen zu untersuchen hatte. Er ist an der Abfassung des Berichtes hervorragend beteiligt. Luke war auch mehrfach literarisch tätig; u. a. hat er 1920 ein Palästina-Handbuch herausgegeben. In der kommenden Woche kann die ״Jüdische Rundschau“ wegen des Himmeliahrtstages nur einmal als Dopj el-Natnmer erscheinen, und zwar Mittwoch, am 16. Mai. Naturgewalten Palästina, im vorigen Jahre durch das Erdbeben in’ Schrecken versetzt, ist auch in diesem Jahre von Natur- Ereignissen heimgesucht worden, die, obwohl nicht geradezu den Charakter einer Katastrophe tragend, doch einen schweren Schlag für einen Teil der Bevölkerung;: darunter auch jüdische Siedler und Kolonisten, bedeuten., Menschen, die schwer gearbeitet haben, sehen die Frucht ihrer Arbeit eines ganzen Jahres vernichtet oder bedroht! In einem Teil von Nordpalästina ist infolge Regenmangels und Dürre das Getreide vorschnell gereift, so daß es nur als Heu und Futter Verwendung finden kann. Wir verstehen heute, wo wir mit dem lebendigen Palästina ■wieder verbunden sind, den Sinn jener herbstlichen Gebete um! Regen, die sich durch Jahrtausende in der jüdischen Liturgie der Diaspora erhalten haben. Das Ausbleiben des Regens ist ein Unglück, dem man machtlos gegenübersteht. Es handelt sich hier nicht um Schwierigkeiten des zionistischen Aufbauwerkes, sondern um Ereignisse, die in jedem Land Vorkommen können, um ein außerordentliches Mißgeschick, das diesmal gerade in Palästina eingetreten ist. Betroffen sind vor allem das Jordantal und das östliche Jesreeltal, also ein Gebiet, in welchem außer einer Reihe von arabischen Dörfern auch wichtige jüdische Siedlungen liegen, wie En Charod, Tel Josef, Beth Alfa, Daganjah. Die genaue Höhe des Schadens läßt sich noch nicht abschätzen, doch ist es sicher, daß diese Sied-, hingen, die gerade auf dem Wege zu materieller Fun-• dierung und Selbständigkeit waren, in ihrer Entwicklung zurückgeworfen wurden. Weniger effektiven Schaden scheint, soweit bisher, bekannt ist, eine andere Plage verursacht zu haben, die zu Befürchtungen Anlaß gab: Bereits seit mehreren Wochen ziehen große Schwärme Heuschrecken aus, .djsr ,S,iltai«!pege1td und 4er arat>ischen Wüste gegen, Pfe so würde ein kurzer Aufenthalt genügen, um Getreide und, Pflanzungen zu vernichten. Die Londoner ״Times“ bringt regelmäßige Berichte über die Bewegung dieser Heuschreckeitschwärme; wir erfahren zuletzt daraus, daß z. B.1 in der Nacht vom 2. zum 3. Mai ein großer Schwarm aus Transjordanien in Palästina einbrach und sich in der Gegend von Semach und Daganjah niederließ. Die in« Tiberias und Nazareth stationierten Feldkompagnien arbeiteten die ganze Nacht bei Mondschein mit 16 Flammenwertem an der Abwehr der Tiere und es gelang, einen, großen Teil zu vernichten. Ein Teil flog nach Syrien( weiter. Aus allen Berichten geht hervor, daß die Re-| gierung den Kampf gegen diese Plage mit großer Energie aufgenommen hat und so eine Wiederholung der in der Erinnerung der Palästinenser noch wachen schwerwiegen-‘ den Folgen des Heuschreckeneinbruches während des Krieges, wo die türkische Verwaltung natürlich zu wirksamer Bekämpfung unfähig war, verhütet hat. Es läßt sich jedoch schwer sagen, ob die Gefahr bereits definitiv abgewendet ist, ebenso ist noch nicht bekannt, ob durch die Heuschrecken in Palästina Schaden angerichtet wurde. Es ist selbstverständlich Pflicht der Regierung, in solchen Fällen helfend einzugreifen. Die Landwirtschaft fast jeden Landes kämpft heute mit Schwierigkeiten und bedarf der Unterstützung der Regierung, die in verschiedenen Formen gewährt werden kann. Vor allem aber muß dies natürlich im Falle des Eintretens höherer Gewalten geschehen. Die Zukunft Palästinas ist wie gerade von Regierungsseite immer wieder betont wird, vorwiegend eine landwirtschaftliche, und jede Regierung hat daher das Interesse, die Produktion des Landes gerade in den aussichtsreichsten Produktionszweigen nicht zugrunde gehen zu lassen, ja auszubauen und, bei vorübergehender Gefährdung, beizuspringen. Dies sollte nicht nur durch Steuererlaß und materielle Hilfe geschehen, sondern auch durch Studium der Anbauprobleme und Fruchtfolge, der Frage der Bewässerung usw., in all diesen Fragen müßte die Regierung beratend und helfend eingreifen, schon weil die Ergebnisse einer derartigen Produktionsförderung in Form von erhöhten Steuerleistungen an die Regierung zurückfallen. Die Zionistische Organisation, die gegen viele Widerstände und gegen den Unglauben einer Welt die jüdische Kolonisation in Palästina inaugurierte, hat einen großen Teil dieser Aufgaben auf sich genommen. Dies war zweifellos nötig in einem Anfangsstadium, als nur die Juden selbst das Risiko ihrer Unternehmung tragen konnten. Heute sind unsere Siedlungen bereits Dörfer wie alle andern. Die Regierung erkennt das an und kümmert sich in steigendem Maße um sie. Ein Ercignis wie das jetzige ist geeignet, dieser Entwicklung einer Zusammenarbeit mit der Regierung einen weiteren Ansporn zu geben. Es liegt bereits ein Präzedenzfall für direkte Hilfe der Regierung vor: sie hat eingegriffen, als vor einem oder zwei Jahren arabische Stämme im 1. iX ׳'fr. I f:־ flj י1:;:?!־■!; ״J;r j

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