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Jüdische Rundschau · 1928-05-04 · Heft 35 (4.5.1928) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 35 (4.5.1928)
Date
1928-05-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Einzelnummer 0,25 (ioldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Redaktion und Verlag Berlin W 15, Meinekestraße 10. Erscheint jeden Dienstag und Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 1.85 Goldmark, vierteljährlich 5,25 Goldmark. Aus 9ndt*bonn«toenU werden io der Wihrcmtf der einzelnen Linder berechnet Nummer 35 | Berlin, 4. V. 1928 Anzeigen -Verwaltung Jüdische Rundschau G.m.b.H.,Berlin W15, Meinekestr. 10 Telephon: Amt Bismarck 7165—70. Atu9i^4mpr9i813ge«pA3t-Nnnptrrlll(>reU«0,S0G ’M.St«l!ecgesnebeO,?5 G--M, AaztiJcüfcbltiS: Dienstag und Freitag nachmittags 4 Uhr. Telephon: Bismarck 7165—70. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392 Für Oesterreich: Postsparkassenamt Wien, Konto Nr. 156 030 Für Tschechoslowakei: PosUparktMenamt Prag, Konto Nr, 59410. Fflr Polen: Postsparkaasenamt Warschau, Konto Nr.!90708. Redaktionsschluö Sonntag und Mittwoch nachmittag. י״ד אייר׳ יזרס״ח | xxxm. Jahrs» De» Zionismus erstreb* Mir «fas iüdiscbe Volk die Schaffune einer äffentllcli - recktllcH eesicherken Heimstätte In Palästina. .,Basaler Programm.1 Frühlingstage in Palästina Berlin, Z Mal. Palästina hat einen wundervollen Frühling hinter sich. Die bezaubernde Wirkung, die das Land zu dieser Jahreszeit ausübt, ist aüch in diesem Jahre festzustellen. Auf alle Besucher macht das Land und das beginnende freie jüdische Leben überwältigenden Eindruck. Dabei ist es ein häufiger Vorfall, daß Besucher, die selbst gute Zionisten sind und die zionistische Presse regelmäßig aufmerksam verfolgen, sich mit größter Ueberraschung über das Gesehene äußern. Immer wieder heißt es: Ich bin mit viel kleineren Erwartungen ins Land gekommen, oder: Ich war erstaunt, daß es wirklich bereits Anfänge jüdischen Lebens gibt, oder gar: Die Haltung der zionistischen Presse ist zu pessimistisch usw. Es enthüllt sich uns bei dieser Gelegenheit ein interessanter psychologischer Sachverhalt. Die meisten Zionisten haben sich selbst in den letzten Jahren in eine eigentümliche Art Skepsis hineingeredet Sie sind allen Berichten über den Fortgang der zionistisehen Arbeit gegenüber unbewußt mißtrauisch; sie glauben aus einer Darlegung der Tatsachen nicht das Gute, sondern nu das Schlechte; das Gute, so meinen sie, ist lediglich zur Bcschönigung der Tatsachen hinzugefügt. Diese Haltung hat ihre ' Wurzel offenbar gar nicht in der zionistischen Sphäre; vielmehr beobachten wir hier die Reaktion auf die großen seelischen Spannungen der Kriegszeit. Ein allgemeiner Skeptizism us gegenüber jeder Sache, die man als ״offiziell“ betrachtet, hat sich herausgebildet. Man weiß, daß offizielle ״Siegesnachrichten“ erlogen sind. Man vermutet dahinter e'neit ungeheuer mächtigen Apparat, der auch die Meinungsb'ldung souverän regiert und auch wo man selbst Fehler nicht nachweisen kann, ist man doch überzeugt, daß irgend etwas nicht stimmt. Dagegen findet jede Darstel ung ein wiliiges Ohr, die sich in das Gewand der gegen den Offiz.alismus zu verteidigenden Wahrheit hüllt. Dies geschieht am besten, indem man Fehler, Lügen und Schäden auf deckt. Diese Neigung^ das Schlechte zu glauben und über das Gute hlnwegfiifegn, bcobachten wir .auch bei den , ripf!tii*f^:..Äeise*.-dle■■« dadurch oft gerade das Gegenteil des in .׳ sa!ime1thaAg־G^ifleS;*iefisÄe1fi. Wenn man sic! z.' B. ffttftr♦'' halb der zionistischen Bewegung mit den einzelnen Aufbau- Problemen befaßt, sb kann man dies nur mit rückhaltloser Erörterung aller Realitäten tun, sonst wäre das Resultat fiktiv. Wir scheuen uns nicht, bei solchem Anlaß alle Schwierigkeiten freimütig zu besprechen, wobei selbstverständlich die positive Grundlage vorausgesetzt wird. Leider aber bleiben oft nur die Erinnerungen an diese Schwierigkeiten im Gedächtnis mancher Leser haften. So kommen sie selbst, ohne sich zu kontrollieren, zu ganz falschen Vorstellungen von dem, was in Palästina geschieht. Dies ist aber nicht Schuld der Presse. Es gibt vielleicht nur eine einzige Korrektur, die diese im Unbewußten wurzelnde und daher dialektisch nicht zu fassende Skepsis überwinden und ausgleichen kann: d'e lebendige Anschauung Erez-Jsraels. Wir kannten das in diesem Jahre wiederholt festsfellen, aus Briefen, Gesprächen, Aeußerungen verschiedener Art. Die Menschen haben Glauben gewonnen. Und das Ist ein gutes Zeichen. Denn wir wissen wohl, daß auch auf die Touristen nicht nur das Gesehene, sondern auch das Gehörte einwirkt. In den vorhergehenden Jahren konnten wir beobachten, daß Gruppen von enttäuschten oder aus irgendwelchen Gründen verstimmten Palästinensern, vor allem in Tel-Awiw, sich fast zur Aufgabe gemacht zu haben schienen, Palästinabesuchern Mißtrauen und schlechte Nachrichten ins Ohr zu flüstern. Solche Touristen kamen dann mit wirtschaftlichen ״Urteilen“ und ״Kenntnissen“ zurück, die ein zwei* bis dreiwöchentlicher Aufenthalt in einem Lande sonst wohl kaum zu vermitteln vermag. Sie haben von diesem Material, besonders wenn sie Antizionisten waren, ausgiebig Gebrauch gemacht; aber auch auf Zionisten machten solche Darstellungen einen deprimierenden Eindruck, der auch Am 9. Juni Sitzung der Agency-Commissfon New York, 2. Mal. (J.T.A.) Dr. Lee K. Frankel, Mitglied der Jewlsh Agency-Kommisslon, teilte der J. T. A. mit, daß am 9. Juni In London eine für eine längere Dauer berechnete Tagung der europäischen und amerikanlsehen Mitglieder der Jewish Agency-Kommisslon beginnen wird. Die Herren Felix M. Warburg und Dr. Welzmann treten am 23. Mal an Bord der ״Mauretanla“ die Reise nach London an; Louis Marshall, Lee K. Frankel und He xter folgen am 2. Juni an Bord der ״Majestlc“. Dr. Lee K. Frankel schloß seine Mitteilung mit der ErklSrung, daß die Kommission so lange zusammen bleiben wird, bis das gesamte Arbeitsmaterial erledigt sein wird. Die Kommission wird demnach mehrere Wochen tagen. (Die in verschiedenen zionistischen Zeitungen verhrcitclen Meldungen von einem früheren Zusammen ri t der Komm ssion waren aus der Luft gegriffen. — A. d. R.) New York, 27. April. (J.T.A.) Herr Felix M. Warbürg, Präsident des American Joint Distribution Committee, hat für den Zehn-Millionen-Dollar-Fonds, den der Chica^ocr Phiiantrop Julius Rosenwald für die jüdische Aufbauarbeit in Rußland inauguriert hat, den Betrag von einer Mil- 1 i 0 n Dollar gezeichnet ihren Blick für das wirklich Vorhandene etwas trübte. Wenn also in diesem Jahre die meisten Touristen mit positiven Eindrücken zurückkommen, so kann man dies auch als ein indirektes Symptom werten, wie bei der Taube Noahs: Die Wasser sind gesunken, die Krise ist wirkheh vorüber, die Menschen sprechen hoffnungsvoll, man spürt neuen Aufschwung, sie geben sich rückhaltlos und ohne Widerstreben dem Blütenzauber des palästinensischen Frühlings hin. Die Auswirkungen der ersten Etappe dieser Touristensaison sind auch im Galuth zu spüren. Die ersten Touristen sind jetzt zurückgekehrt. Deutsche Professoren sind darunter, englische Gelehrte, Christen, Juden, Zionisten, alle zutiefst bewegt, ergriffen von der packenden Gewalt dieses geheimnisumwobenen Landstreifens, den manche Juden das ״kleinasiatische Ghetto“ zu nennen belieben, von seiner klaren Luft und leuchtenden Sonne, von dem neuen Gefühl der Freiheit, das sogar in dem Ringen mit den Schwierigkeiten, sogar noch in den Klagen über materielle Bedrängnis sich kundgibt Die gewaltigste Resonanz unter den bisherigen Besuchern hat Vandervelde hervorgerufen, ein politischer Führer ersten Ranges, der jahrelang im politischen Konzert sein Land repräsentiert hat, zwar ein kleines Land, aber infolge seiner hohen Zivilisation von großem Ansehen in der Vöikergemein- Schaft. Vandervelde war nicht nur Ministerpräsident und Außenminister Belgiens, er ist auch sein Repräsentant im Völkerbund gewesen. Vandervelde ist bis heute e'ne der klassisehen Gestalten der zweiten sozialistischen Internationale. Er wurde daher vor allem von der Arbeiterschaft mit großen Ehren aufgenommen, seine öffentlichen Versammlungen in Jerusalem, Tel-Awiw und Haifa waren überfüllt, und die palästinensischen Zeitungen stellen fest, daß seit Balfours Besuch vor drei Jahren keinem nichtjüdischen Besucher Palästinas ein solcher Empfang bereitet worden ist. Aus Vanderveldes Reden Ist zu ersehen, daß er nicht nur das Gesehene zu würdigen weiß, sonder! daß auch für die tiefe Pro- Jdesagdfc des '40 pdfechen Freibslti*. ynd Ifenäls*: SfAeehfewegwng,,:;hat. In seiner ׳ :grölen Vortesung ln der Jerusalemer Universität analysierte er die poli!■ tische Weltlage. Er sprach u.' s. seine Überzeugung aus,, daß wahrer internationaler Friede nur bei Revision des Versailler Vertrags möglich ist, und schilderte dann die friedensstiftende Wirkung der aufbauenden, kulturschöpferischen Arbeit des Zionismus. Die Welt, die Vandervelde repräsentiert, hat den Zionismus begrüßt, weil sie in ihm die Lösung eines schwerwiegenden und beunruhigenden Problems und damit eine Förderung der Kultur und des Friedens erblickt. Von großer Bedeutung ist auch der Besuch von G r i m - shaw, dem Delegierten des Internationalen Arbeitsamtes in der Permanenten Mandatskommission des Völkerbundes. Grirnshaw und Professor Tawney sind nach Jerusalem zum internationalen Missionskongreß gekommen, um dort über sozialpolitische Fragen Informationen zu geben. Sie haben die Gelegenheit benützt, das jüdische Palästina kennenzulernen. Diese Begegnung wird sicherlich in Zukunft noch fruchtbar werden. Palästina selbst ist der stärkste propagandistische Faktor für den Zionismus. Ein belebender Strom geht von dort nach dem Galuth. In diesen Tagen empfinden wir alle etwas von seiner Wirkung, die zahlreichen Palästinafahrer bilden gewissermaßen eine Brücke auch zwischen den zwei Teilen des jüdisehen Volkslebens, dem numerisch noch kleinen aber qualitativ unvergleichlich bedeutungsvollen Erez-Israel und dem numerisch weit überlegenen, heute noch das Kräftereservoir bildenden jüdischen Galuth. Eine Harmonie kann sich in der Zukunft nur entwickeln, wenn die Kräfte des Galuth in der Erkenntnis der überragenden, für das Judentum heute schon revolutionierenden Bedeutung des palästinensischen Zentrums sich ihrer Pflicht nicht entziehen, in dieser historischen Stunde den Aufbau der jüdischen Heimstätte zu betreiben. Bernhard Baron gibt weitere 5000 Plnnd Wie das Zionistische Zentralbüro in London mitteilt, hat Herr Bernhard Baron der zionistischen Exkutive in Jerusalem neuerlich einen Betrag von £ 5000 für ihr Programm zur Durchführung konstruktiver Arbeiten zur Bekimpfung der Arbeitslosigkeit zur Verfügung gestellt. Herr Baron hat bekanntlich vor einigen Monaten für den sogenannten Alfred-Mond-Fonds zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit gleichfalls £ 5000 gespendet. Im Vorjahre gab er £ 10 000 für den Keren Hajessod und im vorangegangenen Jahre £ 50000. Die neue Verlas'ung Transfordaniens Der neue Verfassungsentwurf für Transjordanien, der auf dem kürzlich zwischen England und Trans- Jordanien geschlossenen Abkommen basiert, wird in den nächsten Tagen verkündet werden. Der Entwurf enthält u. a. die folgenden Bestimmungen: Die Staatsflagge Transjordaniet» ist schwarz-weißgrün. Alle Minister müssen Mitglieder des Legislative Council (Gesetzgebende Körperschaft) sein; Vorsitzender des Council ist der Premierminister. Der Legislative Council muß das Abkommen zwischen England und Transjordanien respektieren. Za den deutschen Parlamentswahlen Am 20. Mai finden die Wahlen in den deutschen Reichstag sowie in eine ganze Reihe von Landtagen statt Es ist selbstverständlich, daß die deutschen Juden gemeinsam mit allen anderen deutschen Staatsbürgern an der zukünftigen Zusammensetzung der zu wählenden parlamentarischen Körperschaften in allerstärkstem Maße interessiert sind. Hängt doch von der Zusammensetzung dieser Parlamente die Struktur der Rcichsregierung und der einzelnen Landesregierungen ab, in deren Händen sich die Verwaltung einige Jahre hindurch befinden wird. Und gerade die Handhabung der Verwaltung ist für den einzelnen Staatsbürger im praktischen Leben von weit größerer Bedeutung als das geltende Gesetz. Sicherlich bedeuten Gesetze und vor allem die Verfassung eine unumgängliche Voraussetzung für die Möglichkeit, sein Recht zu verlangen. Es kommt aber im Alltagsleben sehr stark darauf an, wie die grundlegenden Gesetze ausgelegt und wie sie gehandhabt werden. Das Deutsche Reich und die einzelnen Bundesstaaten der deutschen Republik haben freie Verfassungen, nichtsdestoweniger kennten die Juden in den letzten Jahren in vielen Einzel- Staaten, in denen gerade Reehtsregierungen am Ruder waren, die Erfahrung machen, daß man trotz Verfassung und trotz feierlicher Deklarationen im Wege der Verwaltung den Juden sehr übel mitspielen kann, wenn es die einzelnen Landesregierungen so wollen. Bayern und Thüringen sind schlagende Beweise für diese Fest- Stellung. Man kann also ohne sich einer Uebertreibung schuldig zu machen, sagen, daß die Juden von der Struktur der herrschenden Regierungen weit mehr abhängen als der übrige Teil der Bevölkerung. Das hat seinen Grund darin, daß die Juden in ihrer sozialen Schichtung und wirtschaftlichen . Stellung viel weniger gesichert sind als andere Stände im Reiche. Die Juden ׳ Singet». viel stärker von der jeweiligen. Wirtschaftskonjunktur. ab als, um ein Beispiel anzyführen, t,and- Wirtschaft und Handwerk, in welchen Berufszweigen die Juden verhältnismäßig in nur geringem Maße vertreten sind. Als Städtebewohner und als Angehörige der Mittelschichten nehmen die Juden naturgemäß an politischen und kulturellen Vorgängen stärkeren Anteil und darum reagieren sie auf Wechselfälle der Politik stärker als die Bewohner des flachen Landes. Aus all dem ergibt sich, daß, rein objektiv genommen, bei den Juden mehr Voraussetzungen für eine intensivere Anteilnähme am politischen Leben gegeben sind als bei einem Großteil der nichtjüdischen Bevölkerung. Die Parlamentswahlen bedeuten eine Entscheidung in staatlichen Angelegenheiten. Als Staatsbürger sind nun die Juden verpflichtet, ihr Wahlrecht auszuüben und das Gewicht ihrer Stimmen in die Wagschale zu werfen. Bei dieser Stellungnahme sind natürlich in erster Linie staatspolitische Erwägungen maßgebend. Und tatsächlich haben diejenigen Recht, die den Juden sagen, daß sie bei diesen Wahlen hauptsächlich unter dem Gesichtspunkte ihrer deutschen Staatsangehör i g k e i t sich zu entscheiden haben. Wohlgemerkt vom Standpunkte der deutschen Staatsbürgerschaft! Trotzdem aber werden die Juden, unbeschadet der Zuneigung Einzelner zu den verschiedenen im Wahlkampf auftretenden Parteien, doch nicht umhin können, bei ihrer Entscheidung am Wahltage an die Tatsache ihrer Zugehörigkeit zum Judentum zu denken. Würde der Umstand, daß der jüdische Staatsbürger einer erkennbaren Gemeinschaft angehört, im politischen und wirtschaftlichen Alltagsleben keinerlei Rolle spielen, so wäre es überflüssig, die Juden daran zu mahnen, daß sie sich am Wahltage auch von jüdischen Interessen bestimmen lassen sollen. Die Erfahrung lehrt jedoch, daß die Juden im öffentlichen und privaten Leben, in Wirt- Schaft und Kultur, an Hochschulen und als Beamte trotz der freien Verfassung ihr Judentum zu spüren bekommen. Es ist also nur eine selbstverständliche und natürliche Reaktion, wenn die Juden auch in der Ausübung ihrer rein staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten, auf ihr Judentum bedacht sein müssen. Daraus ergibt sich für einen Juden mit Naturnotwendigkeit, daß er unter keiner Bedingung, mag auch scheinbar sein Privatinteresse dafür sprechen, irgendeiner offen oder unausgesprochen antisemitischen Partei seine Stimme geben darf. Und das aus zwei Gründen: aus persönlicher Würde und auch aus Berechnung. Denn durch Stärkung der iudenfeindlichen Richtungen schädigt der Jude letzten Endes auch seine wirtschaftliche Stellung. Wenn das Organ des Verbandes nationaldeutscher Juden in einem fettgedruckten Aufruf den Juden anrät, ״deutsch“ zu wählen und unter diesem Aspekt die Augen zuzudrücken, wenn ein Kandidat oder eine Partei antisemitisch sind, so geschieht das wohl in der bekannten Verwirrung der Gefühle der nationaldeutschen Juden für menschliche

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