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Jüdische Rundschau · 1928-05-01 · Heft 34 (1.5.1928) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 34 (1.5.1928)
Date
1928-05-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 34, 1. V. 1928 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 247 XXII. Delegierteniag der zlonMlsdien Verelntgunö Iflr Deulsdtlancl Breslau, Gewerkschaftshaus, Margaretenstraße 17, vom 27. bis 29. Mal 1928. | Wahl Vorschriften 1. Die Wahlen zum Delegiertentag müssen in den Tagen vom 6. bis 13. Mal einschließlich siattfInden. Wahlen, die vor dem 6. Mai oder nach dem 13. Mai stattfinden, sind ungültig. 2. Die Wahlleitungen in den einzelnen Ortsgruppen sind dafür verantwortlich, daß das Wahlrecht nur von solchen Angehörigen der Zionistischen Vereinigung für Deutschland ausgeübt wird, die das 13. Lebensjahr vollendet, den Schekel für das laufende Jahr 5688 entrichtet und Zionistensteuer mindestens für das I. Quartal 1928 oder Landesbeitrag (für 1927 und 1928 zusammen 2 M.) bezahlt haben. Der Wähler muß die Schekelquittung als Wahllegitimation vorzeigen und die Zahlung der ZionTstensteuer bzw. der Landesbeiträge nachwelsen können. Die zur Wahl vorgelegten Dokumente sind von der Wahl• leitung — möglichst durch Stempelaufdruck -- zu entwerten. Schriftliche Wahl ist unzulässig. 3. Die Wahltage, Wahlzeiten und Wahllokale sind von den Ortswahlleitungen spätestens 3 Tage vor dem ersten Wahltermin den Wahlberechtigten in ortsüblicher Welse (durch Veröffentlichung in der Presse oder durch Zirkularschreiben) bekannt zu geben. 4. In Ortsgruppen von mehr als 300 Mitgliedern, In denen laut Statut Verhältniswahlen stattfinden müssen, sind Wahl- Vorschläge bis zum 29. April einschließlich bei der Ortswahlleitung einzureichen und von ihr bis zum 2. Mal einschließ• lieh in ortsüblicher Weise bekannt zu machen. Verbindung von Wahlvorschlägen in solchen Ortsgruppen Ist der Ortswahlleitung bis spätestens 3. Mal mitzuteilen und von Ihr am 3. oder 4. Mar in ortsüblicher Weise bekannt zu machen. 5. Sämtliche wahlberechtigten Gruppen werden aufgefor• dert, ihre Mitgliederliste mit genauer Adressenangabe der ein• zeinen Mitglieder sofort an das Büro der Zionistischen Vereinigung für Deutschland einzuschicken. Die Gültigkeit der Wahlen hingt davon ab, daß die oben erwähnten finanziellen Verpflichtungen vor Vornähme der Wahlen erfüllt sind. Die Gruppen müssen daher dafür sorgen, daß die Schekelgelder und die Zionisten- Steuer-Beiträge spätestens bis zum 4. Mai beim Büro der Z. V. f. D. eingehen, und sie müssen bis zum gleichen Tage die Landesbeiträge für alle diejenigen Mitglieder in bar überweisen, die keine Zionistensteuer zahlen. Der Wahlprüfungsausschuß wird kein Mandat anerkennen, für das die finanziellen Voraussetzungen seiner Gültigkeit nicht gegeben sind. 6. Im übrigen wird auf die Veröffentlichung In Nr. 27/28 der ,Jüdischen Rundschau“ vom 4. April verwiesen. Eintrittskarten Es werden Eintrittskarten für Zuhörer ausgegeben, und zwar für den ersten Tag mit Eröffnungssitzung zum Preise von 2 M, für die folgenden Tage zum Preise von je 1 M., Karten für die ganze Tagung für 2,50 M. Bestellungen unter gleichzeitiger Eimendung des •Betrages und eines Freikuverts werden schriftlich erbeten an die Zionistische Vereinigung für Deutschland, Berlin W 15, Meinekestr. 10 (PostscneckRonto: Berlin 8091). In Breslau werden Vorverkaufsstellen in den Buchhandlungen Brandeis (Karlstr.), Wtwe. Mayer (Karlsplatz), Hainauer (Schweidnitzer Str.) und Bücherdiele (Kaiser-Wilhelm-Str.) errichtet werden. Jugendliche erhalten Eintrittskarten zum Preise von 1 M. für die ganze Tagung, nur durch Vermittlung der Jugendverbände. Delegiertentags-Mandate Zur Uebernahme eines Mandates für Gruppen, die nicht in der Lage sind, eigene Vertreter nach Breslau zu entsenden, haben sich bereit erklärt: Max Woilsteiner, Berlin, Walter Roth, Berlin, Dr. Albert Baer, Berlin (Hapogl-Hazair), Dr. Hans Breslauer, Ratibor, Frau Dr. Grete Turnowsky-Pinner, Berlin. Zionistische Vereinigung für Deutschland. Palästtnafragen im llnterhans London, 25. April. (J. T. A.) Im Unterhause fragte Colonel Howard Bury, ob die auf Grund des Trade Facilities Act zu erteilende Garantie für die Anleihe der ״Prudentia“ an die Palestine Electric Corporation in der Höhe von £ 250 000 wirklich mit den Gesetzesvorschriften übereinstimmt. Minister Amery erwiderte: Ja. Ferner brachte Colone! Howard Bury die folgende Anfrage ein: Möge der Staatssekretär für die Kolonien Schritte unternehmen, um bei Verleihung der Toten Meer-Konzession eine Homogenität der Interessen, die von einer britischen Gruppe gefördert werden, herbeizuführen. Weiß der Herr Kolonieminister, daß seitens einer starken britischen Gruppe ein Angebot wegen einer Ver- Schmelzung dieser Interessen gemacht worden ist, und ist ein solches Angebot nicht den nur spekulativen Möglichkeiten des Herrn Novomeysky vorzuziehen? Minister Amery erwiderte: Wenn die Bewerber sich einiggen wollen, so ist das ihre Sache. Commander Kenworthy fragte: War die Sache nicht so, daß Novomeysky die gesamte Pionierarbeit geleistet hat, bevor noch die Antisemiten, die jetzt zu Fertigem kommen, auch nur eine Ahnung von den Kalischätzen des Toten Meeres hatten? Der Minister erteilte auf diese Frage keine Antwort. fm Verlauf der Diskussion kam Minister Amery weiter auf die Tote Meer-Konzession zu sprechen und teilte mit, er habe bezüglich des hinter Novomeysky stehenden Syndikats offizielle Nachforschungen angestellt; die Diskussion ist noch nicht so gediehen, daß er die Namen der Syndikatsmitglieder nennen könnte. Die Vorträge des Soramersemesfers der Hebräischen Universität zu Jerusalem haben Sonntag, den 22. April begonnen. — An der Abteilung für Orientalistik wurde eine Vorbereitungsklasse für die Erlernung der arabischen Sprache und Kultur eingerichtet. Zu Dozenten an dieser Vorbereitungsklasse wurden ernannt: Dr. Goitein und Dr. Riwlin. Die ״Jungzionistischen Blätter“ können au» technischen Gründen (wegen dos 1. Mai) erst der nächsten Ausgabe der ״Jüd. Hundschau“ beigelegt werden. Berliner Kalender Büro: Berliner Zionistische Vereinigung, Berlin W 15, Meinekestr. 10. Telephon: Bismarck 7165—70. Postscheck• konto Nr. 37 830 Berlin NW 7. Kassenverwaltung der B. Z. V. Der Berliner Veranstaltungskalender wird ausschließlich von der Berliner Zionistischen Vereinigung zusammcngestellt. Wir bitten alle Vereine und sonstigen Veranstalter, sich mit etwaigen Wünschen nicht an die Redaktion, sondern •n die Berliner Zionistische Vereinigung zu wenden. הסתדרות עברית בברלין (״בית ועד עברי - עבריה") ההסתדרות עורכת שעורי ערב לטתחיי־ים ולמשתלמים. מרצועות הלמוד: תנ״ד, דקדוק, ספרות, תולדות ישראל וידיעת -א־־ו. תשומת לב מיוחדת לדבור החי. השעורים יערכו בבית הקהלה רוונשטר. 2-4 _ בכל יום שגי וירק יום רביעי בשבוע משעה 10-8 בערב. רמגהל: מר נחום לווין טורד. מדופלם מא״י. תלמידים מתקבלים בשעות הלמוד אצל המנהל. Dienstag, den 1. Mai nachmittags 4Vs Uhr Jüd.-Nat. Frauenvereinigung, Frauengruppe West. Zusammenkunft bei Frau Blumenfeld, Brandenburgische Str. 46. Abends SV? Uhr Gruppe des XII. Bezirks, im CaM Bohne, Steglitz, AlbrechtstraBe 127. Herr Dr. M. Spitzer: ״Die Aufgaben des Delegiertentages der Z. V, f. D.“ Anschließend Diskussion. Mittwoch, den 2. Mal abends 8י׳י Uhr Gruppen Ost und Nord, in den Räumen des Agudas Achim, Jostystr. 4. ״Die Aufgaben des Delegiertentages der Z. V. f. D.“ Referent: Herr Richard Lichtheim. Anschließend Diskussion. Donnerstag, den 3. Mai abends 8«4 Uhr Gruppen West-Charlottenburg, im Saal der Z. V. f. D., Meinekestraße 10. ״Die Aufgaben des Delegiertentages der Z. V. f. D“ Referent: Herr Dr. M. Bileski. Anschließend Diskussion. Abends 8'׳! Uhr Poale Zion, im Gemeindehaus, Rosenstraße 2—4. Zahlabend. Chawer Dr. Kalecko: Bericht über die Dreilinderkonferenz der Poale Zion in OJmütz. ...* Nachmittags 4»,'s Uhr Jüdisch-Nationale Frauenvereinigung, Frauen gruppe Llchterfelde-Dahlem, bei Frau Bloch, Dahlem, Ehrenbergstraße 33. Bibelkurs unter Leitung von Frau Boschwitz״ י ' י Abends 8 Uhr Zelre Mfsrachi, im Gemeindehaus, Rosenstraße 2—4 Vortrag von Rabb. Dr. Emil Levy: ״Der Humor in der Bibel.“ Gäste willkommen. Sonnabend, den 5. Mai abends 81/4 Uhr pünktlich Hapoel-HazaTr, im Gemeindehaus, Rosenstraße 2—4. Aussprache zum Delegiertentag. Referenten: Dr. M. Spitzer, Kurt Löwenstein. Anschließend Diskussion. Gäste willkommen. Mittwoch, den 9. Mai abends 8ן/ו Uhr Gruppe Ost, in den Räumen des Agudas Achim, Jostystr. 4. Herr Dr. Herb. Auerbach: ״Reiseeindrücke aus Palästina und Aegypten“. Heine Nachrichten Bei der Bekämpfung der Heuschreckenplage in der Gegend J e r i c 11 o in Palästina mit Hilfe von Flammenschleudern wurden ein Araber getötet und ein Jude schwer verletzt. Wie offiziell mitgeteitt wird, wird das Protokoll des XV. Zionistenkongresses innerhalb der nächsten Tage im Druck erscheinen. Der Intendant der Staatlichen Schauspielhäuser Leopold e s s n e r Ist vom Preußischen Kultusminister Professor Dr. ecker zum Generalintendanten ernannt worden. Wie weit die Hebraisierung der Namen in Paiästina vorschreitet, beweist die ״Oftidal Gazette“ der Palästina-Regierung vom 1. April, die allein 700 neu ftebraisierte Namen anführt. (Ziko.) Das Moskauer Jüdisch-akademische Theater spielt heute, Dienstag 1. Mai im Theater des Westens zum ersten Mal .Die Hexe“ von Abraham Goldfaden. ־1* ״ Max Koninski, der sich in dieser Saison seine ersten großen Erfolge im Schauspielhaus Frankfurt a. M. unter Richard Weiehert errungen, remitierte im Roswithasaal Dichtung der Gegenwart. Ein wesentlicher Teil des Programms war jüdischen Autoren gewidmet (Werfel, Wolfenstein, Tucholsky, Fcuchlwanger). Die intellektuelle Knast des Vortragenden bewies ihre Stärke besonders in jenen Stücken, di• durch einen sorgfältig abgemessenen Aufbau zur Geltung kommen konnten. Melodie und Tempo weiß Koninski wie selten einer aus den Wortzeilen herauszuholen. Der Sinn und Gehalt der Dichtung tritt in den Hintergrund vor der entfesselten Kraft seines Rhythmus. Seine rhythmische Gestaltungskunst ist als typisch ostjüdisehe Begabung aufzufassen, wie wir sie von Granach kennen. Nur muß man Koninski zugestohen, daß er vielfältiger und wcchselreicher die Worte au Intonieren weiß. Wo Rhythmik seiner Sprache und Sinn der Worte in eins zusammenfielen, wie in der von ihm selbst zusammengestellten ״Roten Sinfonie“, gelang es Koninski, sein Publikum zu stärkstem Beifall mitzureißen. — Gewarnt sei jedoch der junge Künstler vor «rotisrhen Bacchanalien im Stile der ״Hosen“ von Alex. Lernet-Holeni*. Dazu fehlt ihm die Leichtigkeit des Bluts, dazu ist seine Natur zu schwer und ernst. — Bleibt uns jet/t nur zu hoffen, Koninski bald wieder in Berlin zu sehen und zu hören. Manfred Bfttewb*(fr - Berliner Repräsentanten-Versammlung In der Sitzung vom 26. d. M. wurde wieder die gesamte Tagesordnung erledigt. Bereits zum dritten Male bewältigen die Repräsentanten aller Fraktionen in gemeinsamer Anstrengung das gesamte Arbeitspensum, ohne daß es zu Ausbrüchen der Gegnerschaft gekommen wäre. Man kann also feststellen, daß der zentrale Verwaltungsapparat der Berliner Jüdischen Gemeinde reibungslos funktioniert und daß die Geschäfte sachgemäß erledigt Werden. Wie weit man auch spähen mag, nirgends ist die Monate hindurch vom kämpferischen liberalen Flügel ausposaunte, die Arbeit angeblich lähmende Krise festzustellen. Trotz der geänderten Mehrheitsverhältnisse geht alles seinen geregelten Gang und von dem Abgrund, in den die ״neue Mehrheit die jüdische Gemeinschaft Berlins mit unfehlbarer Konsequenz“ hineinführt, ist nichts zu bemerken. Der Versammlung wurde am 26. April die vorläufige Bilanz für 1927 vorgelegt. Die Gesamtausgaben beliefen sich auf ungefähr 9 400000 M., denen Einnahmen aus Steuern in Höhe von 6000000 M. und weitere Einnahmen (aus Synagogen, Friedhof usw.) in Höhe von 3150 000 M. gegenüberstanaen. Das Steueraufkommen im Jahre 1927 blieb mit ungefähr 220 00*) Mark hinter dem Steuervoranschlag zurück. Es ist anzunehmen, daß durch Nachtragszahlungen dieser Fehlbetrag noch wesentlieh verringert wird. Für Kultuszwecke wurden 1 350 000 M., für Eriedigung der Friedhofsangelcgenhcitcn 1 770 000 M., für das Schulwesen 1100000 M., fiir das Wohlfahrtswesen 2700000 Mark, für die Verwaltung fast 3 000 000 M. und für das Bibliothekswesen ungefähr 70 000 M. ausgegeben. Der Etat für 1928, der bisher noch nicht die Kommission passiert hat, soll der nächsten Sitzung der Repräscntantenversammlung unterbreitet werden. Von den am 26. April gefaßten Beschlüssen sind erwähnen«- wert: die Regelung der Berichterstattung über die Beratungen der Repräsentantenversammlung im Gemeindeblatt und die Annahme der Vorstandsvorlage betreffend den Baubeginn der seit langem geplanten Synagoge in der Prinzregentenstraße. Die im Sifzungssaale ausgehängten Pläne sehen den Bau einer Synagoge von zirka 2300 Sitzplatzen im Hauptraum und Nebenräumlichkeiten vor. Die Annahme der Vorstandsvorlage erfolgte mit 15 gegen 2 Stirnmen bei 4 Stimmenthaltungen. Der Annahme ging eine lebhafte Aussprache voraus. Mitglieder aller Fraktionen äußerten ihre Bedenken gegen die Aufwendung der präliminierten Summe von M. 1WÖ 000 - (die im Laufe der Bauarbeiten wahrscheinlich erheblich überschritten werden wird) angesichte der dringenden Aufgaben sozialer Natur die der Oemeinde obliegen. Von verschiedener Seite wurden Stimmen laut, welche der Errichtung eines großen Gotteshauses ein System mehrerer kleiner Bethäuser vorzogen. Nach Darlegungen des Gemeindebaumeisters Baer soll die Synagoge auch als Versammlungsraum für ernste Veranstaltungen dienen können. Dr. Oskar Cohn warnte vor Prunkbauten im wilhelminischen Stile. Prof. L o e w e wünschte, daß in der neuen Synagoge auch die Möglichkeiten für einen gleichzeitig abzuhaltenden konservativen Gottesdienst geschaffen werden. Mit Rücksicht darauf, daß bereits eine Anleihe von M. 3 000000.— für Bauzwecke (Altersversorgungsheim, Synagoge Prinzregentenstraße, konservative Synagoge im Hansaviertel} aufgenommen wurde, und daß der Neubau in Wilmersdorf zu einem Zentrum für das jüdische Leben von Wilmersdort und Schöneberg ausgestaltet werden soll, stellten einige Mitglieder der Versammlung ihre Bedenken zurück tma schlossen sich dem Vorstandsvorschlag an, wodurch das angeführte Abstimmungsergebnis zustandekam. Eine große in der Versammlung aus allen Kreisen der jüdischen Bevölkerung zusammengesetzte Synagogenbau Kommission soll über die endgültige Gestaltung des zu errichtenden Bades schlüssig werden. Frauenarbeitsyemeinschalt für Palästina Teenachmittag in Berti n. Eine groß angelegte Veranstaltung der Frauenarbeit»- gemeinschalt, die erste dieser Art, ein schöner, verheißungsvoller Auftakt im neuen, energisch begonnenen Arbeitsprogramm. Der Moment ist günstig: Rekonvaleszenz der Palästinakrise, erste leise Anzeichen einer neuen Aufwärtsbewegung. Die Arbeit der Berliner Jüdin, bisher arg vernachlässigt, gehemmt durch die assimilatorischen Atavismen der Westjüdin, die konservative Hausgebundenheit der bürgerlich-deutschen Frau, setzt in diesem wichtigen Augenblick mit Schwung und Treffsicherheit ein. Der Tee-Nachmittag im Hotel Kaiserhof am 26. April hatte alle Kennzeichen eines solchen Auftaktes. Festlicher, dekorativer Rahmen, sehr zahlreicher Besuch, nervöse Spannung. Als erste sprach die Präsidentin der Berliner Ortsgruppe des Bundes ziontstischer Frauen, Frau Lina Wagner-Tauber, welche die Versammlung begrüßte und in kurzen Worten Sinn und Zweck des Nachmittags darlegte. Sodann sprach die erste Rednerin der Veranstaltung Dr. Nadja Stein über ״Frauenarbeit in Palästina“. Mit sympathischer Wärme schilderte die Rednerin den gedanklichen und ideologischen Kern aus den sachlichen Tatbeständen, den Sinn dieses angespannten Opferwillens der Chaluzah: Heimkehr des jüdischen Volkes in sein eigenes Ich, Rückkehr zur nationalen Norm, Befreiung vom wirtschaftlichen und geistigen Maklertum. Wenn die heutige Kulturwelt um ein soziales Phänomen reicher ist, so haben die Frauen daran einen bedeutenden Anteil gehabt. Das Palästina-Erlebnis des jiidisehen Volkes besteht nicht nur im künstlerischen Erlebnis, von dem wir heute noch hören werden, sondern wir erleben es auch und besonders in den Menschen. Die Palästina-Bewegung ist eine Massenbewegung, steht im Zeichen unseres Zeitalters, des Zeitalters der sozialen Neubildungen. Jedem, der an der Demokratie, am Pazifismus, am sozialen Fortschritt hängt, muß das Palästinawerk nahegehen. Sodann zeigte die Rednerin einige Lichtbilder, deren letztes das palästinensische Kind darstellte. Die Rednerin wies darauf hin, daß Palästina für uns nun nicht nur das Land der Väter, sondern auch das Land der Kinder sei, das Land der Zukunft.!> Hierauf sprach, ebenfalls von Lichtbildern begleitet, Architekt Erich Mendelsohn über ״Palästina als künstlerisches Erlebnis“. Er schilderte die herbe Wucht Galiläas, den leisen Farbenschmelz der Ebene, die tropische Ueppigkeit des Jordanufers, Palmenwälder, Schraubenkakteen und Katarakte am Genezarethsee, den Rhythmus der Kamelzüge und die zarte Landschaftlichkeit der Straße nach Tiberias. Die träge mohammedänische Architektur bildet willenlos und schicksalsergeben nur einen Ausklang der Landschaft, ist ganz in ihrem Tone gehalten, wächst mit ihr zusammen, setzt den Stamm der Palme in schlanken Minaretten fort. Daneben aber Hebron, eine ganz andere Welt, biblische Stadt, Gegensätze des arabischen und jüdischen Elements in Landschaft, Architektur und Menschen. Der Redner zeigte mit einem fast schmerzlichen Vergleich Abbildungen palästinensischer Menschentypen. Beduinen, träge Herrenmenschen mit Haltung, Stil und lässiger Grazie eines sehr alten Volkes. Daneben gebückte, zermarterte Pogromjuden. Als den dritten Typus aber schilderte der Redner den neuen, aufrechten Chaluziuden. Der moderne Jude findet in Palästina den Reichtum der wüstensonne, die gebirgige Mystik Galiläas und die strengen Linien großer und unbarmherziger Landschaften, biblischer Erinnerungen. In ihm selbst berühren sich zwei Gefühlskreise, sein orientalisches Blut und seine westliche Erkenntims, die Feinnervigkett des alten Volkes und die Errangen-

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