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Jüdische Rundschau · 1928-05-01 · Heft 34 (1.5.1928) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 34 (1.5.1928)
Date
1928-05-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Einzelnummer 0,2S Goldmark . Mii Unierh&ltnncjs-Beilage JÜDISCHE RUNDSCHAU Redaktion und Verlag Berlin W 15, Melnekestraße 10. Erscheint jeden Dienstag und Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 1,85 Goldmark, vierteljährlich 5,25 Goldmark• Atsslandsabocroeoasii werden io der Währung der einzelnen Linder berechnet Anzeigen -Verwaltung Jüdische RundschauG.m.b.H.,Berlin W15, Meinekestr. 10 Telephon: Amt Bismarck 7165—70. An*Bigenpraiaj8jje*ptH.Nonpareillez«11e 0-50 G.-M.Stelliogeaiiche 0,25 G-*M. Anzeigenachlaß: Dienstag 11 n d Freitag nachmittag* 4 Uhr. Telephon: Bismarck 7165—70. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392 Für Oesterreichs Postiparkasseaamt Wien, Kante Nr. 156030. Ffir Tschechoslowakei! Poatsparkaseetiamt Prag, Konto Nr. 59410. För Polen: fostiparkaeaeaaint Warschau, Konto Nr190708 ״, Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. Nummer 34 | Berlin, 1. V. 1928 י״א אייה תרפ״ח | xxxm. Jahrg. Der Zionismus erstrebt für das Jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. ״Baseler Programm.** Die Aufgaben des Delegiertentages Von Sa 1 li Hirsch. Briand und das Judentum Die Herausgabe der Reden und Schriften B r i a n d s fAristide Briand: Frankreich und Deutschland, Einleitung von Gustav Strrsem.uin; Reißner. Dresden) hot mir Gelegenheit, die auch für die jüdische Aufbauarbeit interessante Stellung dieses Staatsmannes zu jüdischen Fragen zu beobachten. ln der gesamten politischen Aktion Briands zeigt sich ein instinktives Verstehen jüdischer Fragen, das nur aus seiner menschlichen Erscheinung begriffen werden kann. — Trotz früher und glänzender Erfolge als Politiker, später als Staatsmann, war Briand doch zeitlebens irgendwie ein Geächteter und Friedloser. Menschen wie Völker können ein solches Gefühl als Erbe und Schicksal in sich tragen. Ihr Empfinden, ihre Blutschwere entscheidet. Gewiß gibt es auch äußerlich greifbare Erscheinungen zur Erklärung für die Unrast seines Wesens: im ersten Jahrzehnt seiner politischen Anfänge war Briand verfehmt als Sohn eines Cafd-Chantant-Besitzers. Man versteht die ganze Schwere dieses Schmachgefühles erst, wenn man sich in ein kleinbürgerliches französisches Provinznest der achtziger Jahre zurückversetzt. Ein Jahrzehnt tüchtiger Arbeit als Advokat und verdienstvoller Tätigkeit im öffentlichen Leben hatte diesen ״Schandfleck“ eben vergessen gemacht, als eine Verurteilung wegen Vergehens gegen die öffentliche Sittlichkeit — ein Urteil, das erst in dritter Instanz aufgehoben wurde, — ihn um die Möglichkeit der Fort- Setzung seiner glänzend begonnenen Laufbahn als Advokat und Politiker brachte und ihn aus seiner bisherigen Umgebung verstieß. Verbitterung und Leidenschaftlichkeit trieben ihn nun den radikalsten Gruppen der revolutionären Sozialisten zu. Aber in seiner öffentlichen Betätigung drohte ihm stets die Erinnerung an seine Verurteilung; sic machte ihn für jeden Angriff eines politischen oder persönlichen Gegners vogelfrei. Trotz alledem gewann er schließlich einen Sitz im Parlament. — In jener Zeit tiefster Verbitterung batte Briand seine lcidenschaftiich-revolntionären Reden gegen Staat und Gesellschaft wie eine Brandfackel in die Massen der französischen Arbeiterschaft gcschleu- 4«ri» Diesem,.Red$#. Jjötea fep§te,rbln ,Qjijjpjer ,®*ft* von.. ' '׳'das' bis Min heutigen *Tag seintit Kampfwert nicht verlötet! hat. Stets lauerte die Gefahr; sie hielt seine Nerven gespatjnt, und zwang ihn?.u fortwährender Selbstzucht; aus dieser Unruhe heraus entstand jene unvergleichliche Geschtneidigkejt, die es Briand ermöglicht hat, vierzehn Jahre seines Lebens hindurch das Amt eines Ministers zu bekleiden. Man empfindet den seelischen Zusammenhang mit jüdischem Wesen, die naturgegebene Notwendigkeit solchen Zusammen¬ Amerika-Reise Dr. Berlhold Feiwels Wie das Londoner Zionistische Zentralbüro mitteilt, hat Dr. Berthold Feiwel sich in einer Mission der Exekutive der Zionistischen Weltorganisation nach den Vereinigten Staaten begeben. Seine Reise steht im Zusammenhang mit finanziehen Fragen der Zionistischen Organisation und ihrer In* stjtutionen. Wie wir weiter erfahren, erfolgte die Reise auf einen dringenden Wunsch Dr. Weizmanns, der infolge seiner Tournee durch Mittel- und West-Amerika sich den Verhandlungen in New York nicht widmen kann. Es dürfte sich vor allem um die bereits lange schwebenden Ver* Handlungen der Haifa B a y sowie Ordnung der Angelegen- Helfen der American Zion Commonwealth, ferner um die in. unserer vorigen Nummer erwähnten Anleihepläne der amerikanischen Zionisten handeln. Ehrenabend für Leo Motzkin Am 28. d. Mts. veranstaltete eine Gruppe in Berlin leben* der russischer Zionisten zu Ehren des in den nächsten Tagen nach den nordischen Ländern im Dienste des Zionismus reisenden Vorsitzenden des Aktionskomitees Leo Motzkin einen Teeabend im Terrassensaal des Hotels Kaiserhof. Der Einladung der russischen Zionisten waren zahlreiche Personen gefolgt. Prof. Julius Brutzkus eröffnete den Abend mit Begrüßungsworten an die Erschienenen und feierte dann die Persönlichkeit Leo Motzkins. Namens der Z. V. f. D. überbrachte Dr. Martin Rosenblüth Grüße. Dr. Kantorczyk hielt hierauf russisch eine Ansprache. Leo Motzkin gab dann in einem einstündigen Referat einen Ueberblick über die weltpolitische Lage der Judenheit unter besonderer Berücksiehtigung der Lage in Palästina und der von der Zionistischen Organisation beim Völkerbund geleisteten Aufklärungsarbeit. Redakteur K 1 i מ o f f würdigte die Unermüdlichkeit Leo Motzkins im Dienste aller jüdischen Aufgaben. In gemütlichen Beisammensein teilte Motzkin dann noch auf Drängen der Erschienenen interessante Details aus dem Schwarzbarth-Prozeß mit; Motzkin war bekanntlich Vorsitzender des Verteidigungskomitees und leistete die Hauptarbeit zur Herbeischaffung des für den Prozeß notwendigen Materials. Nach einem Schlußwort von Dr. Julius Brutzkus fand der schöne Abend seinen Abschluß. Dr. Weizmann in Kanada Toronto, 26. April (J. T. A.) ln diesen Tagen wurde in Toronto in feierlicher Weise der United Palestine Appeal 1 (Vereinigte Palästina-Aktion) der kanadischen Juden eröffnet. Der Präsident der Zionistischen Weltorganisation, Dr. Chaitn Weizmann, ist zu der Eröffnungsfeier aus New York herübergekommen und wurde von den aus ganz Kanada ein getroffenen Delegierten und der jüdischen Gemeinde von Toronto begeistert empfangen. Bei der Eröffnungsfeier hielt Dr. Weizmann eine Rede über die jetzige Lage in Palästina und die Aufgaben der zionistischen Bewegung in der nächsten Zukunft. hanges: in der Tat, nur aas diesem Wissen um Leid und Unrast, nur aus diesem Gefühl eigener Gedrücktheit und Verletzbarkeit kann Empfinden und Verständnis für Friedlose und Verfolgte kommen. Briand hat dieses Empfinden Zeit seines Lebens besessen; von der ersten Zeile an, die er als Zweiundzwanzigjähriger veröffentlichte, bis zu den Reden der letzten Tage ist es zu beobachten. Die jüdische Frage ist eine der vielen, die den weitgedehnten, aber einheitlichen Komplex seiner Kämpfe für Schwache und Unterdrückte bildet; sie war aber nicht die letzte, sie hat für ihn nie geruht. Wiederholt war das jüdische Problem im Brennpunkt seiner Interessen, jedenfalls immer dann, wenn das Judentum in Frankreich angegriffen war, also vor allem in den Jahren der Dreyfuß-Affäre. Schon 1885, da Briand als Dreiundzwanzigjähriger Chefredakteur der ״Democratie de l’Ouest“ In St. Nazaire war, brachte sein Blatt einen Artikel gegen Drumonds Schmähschrift, die eben erschienen, so ungeheueres Aufsehen erregte. Die ״Democratie de l’Ouest“ schrieb damals: ״Anständige Leute werden dieses Buch lesen, etwa wie man ein obszönes Buch liest, nur um sich über Wesen und Entstehung einer Neurose klar zu werden.“ ln den Jahren der Dreyfuß-Affäre veröffentlichte Briand in der ״Lanterne“ eine ganze Reihe von Aufsätzen zur Verteidigung des Judentums. — Besonders beachtenswert erscheint, daß Briand Begriffe und Wendungen aus diesen Kämpfen um die jüdischen Reckte so in Fleisch und Blut aufgenommen hatte, daß er sie in seiner gesamten Publizistik zur Verwendung brachte. Ein Beispiel soll dies veranschaulichen. In einem Aufsatz über den Boxeraufstand (1900) heißt es: ״Man sollte glauben, Nationalismus in China und Nationalismus in Frankreich sei etwas durchaus verschiedenes. Und doch ist es das gleiche und doch ist hier wie dort der Schlachtruf der gleiche: Tod den Fremden! China den Chinesen! — Es ist das getreue Echo jenes anderen Rufes: Frankreich den Franzosen! Nieder mit dem Kosmopoliiispis!,,Tpd:dfe# Juden!“, _ Diese Ausführungen wollen zeigen, daß die Stellungnahme Briands für das Judentum, der er bis zur Gegenwart treu geblieben ist — (er ist auch Mitglied der französischen Pro-Palästina-Bewegung) — nicht vom Zufall beeinflußt ist, sondern daß hier die Aehnlichkeit seelischer Voraussetzungen ein tjpfes Verständnis und eine Verbundenheit aus innerer Notwendigkeit ergibt. Dr. Artur Rosenberg, Paris. Keren Halessod and jüdische Hilfskomitees Anfangs April erschien in einem Teil der palästinensischen Presse die Meldung, daß Dr. Leo B r a m s o n, der Vertreter des Gemeinschaftlichen Hilfskomitees der zentralen jüdischen Organisationen ORT, OZE und EMIGDIREKT) nach Europa abgereist sei, nachdem er mit dem Hauptbüro des Keren Hajessod in Jerusalem eine Abmachung getroffen habe, wonach die Finanzaktionen der beiden Organisationen in den verschiedenen Ländern koordiniert werden sollten. Wie das Hauptbüro des Keren Hajessod in Jerusalem mitteilt, ist ein derartiges Abkommen nicht getroffen worden. Die Angelegenheit wurde zwar von seiten Herrn Dr. Bramsons bei seinem Besuche in Palästina zur Diskussion gebracht, doch wurde vom Hauptbüro des Keren Hajessod beschlossen, die Frage gelegentlich der nächsten Sitzung des Aktions-Comites den Vertretern des Keren Hajessod zur Begutaehtung zu unterbreiten. * Im Logenhaus Kleiststraße erstattete der Präsident des Verbandes ״ORT“, Herr Dr. L. Bramson, vor'den Mitgliedern des Gemeinschaftlichen Hilfskomitees ״ORT-OSE- EMIGDIREKT“ Bericht über seine Aktion in Südafrika zugunsten des Aufbauwerkes der in diesem Komitee vereinigten Organisationen. Ein Zentralkomitee mit Herrn Bernard Alexander an der Spitze leitete die Arbeit in Südafrika, die an 80 Orten vor sich geht und eine Summe von 20 000 Pfund erbracht hat. Arbeitsvermittlungsbüros für jüdische Eimvanderer wurden begründet und der Plan der Schaffung einer jüdischen landwirtschaftlichen Kolonie in Transvaal ausgearbeitet. Bei guter Vorarbeit kann Südafrika zu einem Einwanderungsland für jüdische produktive Elemente werden. Auf seiner Rückreise weilte Dr. Bramson in Palästina, wo er mit der zionistischen Führerschaft Besprechungen pflog und das Aufbauwerk in Palästina studierte. Das Werk in Palästina ist ein Beispiel dafür, was menschlicher Enthusiasmus zu schaffen vermag. Aber selbst in Palästina verstehen es viele, daß das Palästinawerk bei all seiner Wichtigkeit das ökonomische Gesamtproblem des jüdischen Volkes nicht lösen könne. Bei aller Anerkennung der eminenten Wichtigkeit des in Palästina vor sich gehenden Aufbaas hat sich bei ihm die Ueberzeugung festgesetzt, daß Palästina das große Aufbauwerk in Osteuropa nicht entbehrlich macht. ״London Gazette“ teilt mit, daß der Oberkommissar für Palästina, Feldmarschall Lord Plumer, jetzt auch zum Oberkommissar für Trans Jordanien ernannt worden ist. (Was er auch früher war, doch nach dem neuen Vertrag mußte er neu ernannt werden. — A. d. R.) In einer Höhle in der Nähe von Jerusalem wurden dreizehn Sarkophage, die hebräische und griechische Inschritten tragen, mit Gebeinen entdeckt. Aus den Inschritten ist zu ersehen, daß die Gräber aus der Periode des zweiten jüdischen Tempels stammen. I. Die letzte Epoche des deutschen Zionismus ist charakterisiert durch eine intensive, fast ausschließliche Einstellung auf Palästinaarbeit. Die besten Kräfte der Bewegung waren angespannt, Gelder für den Keren Hajessod aufzubringen: fast alle Tagungen, Versammlungen, Zirkel hatten das Ziel, Gelder aufzubringen oder Kräfte für die Geldaufbringung zu mobilisieren; unsere Beziehungen zu den Nichtzionisten waren1 bestimmt durch deren Reagieren auf unsere Geldanforderun« gen. Ferner: Die innerzionistischen Auseinandersetzungen( drehten sich hauptsächlich um die Verwendung der aufgebrachten Gelder, um finanzpolitische und wirtschaftspolitische Probleme, um die Fragen des Gleichgewichts im Budget, um die Fragen der Kolonisationsformen und der Wirtschafts- Systeme. Diese Periode war notwendig in einer Zeit des Uebergangs von der Theorie zur Wirklichkeit. Anläßlich des bevorstehenden Delegiertentages müssen wir in eine Prüfung eintreten, ob wir die bisherigen Methoden unserer Arbeit fortsetzen können. Zu einer solchen Prüfung zwingt uns die Erkenntnis, daß wir in den letzten Jahren von unserem zionistischen Kapital gezehrt haben. An unserer zionistischen Außen- und Innenfront stehen die Menschen, die vor 20 Jahren für den Zionismus gewonnen wurden, in denen vor 15—20 Jahren in intensiver Erziehungsarbeit die zionistischen Energien aufgespeichert, zionistische Arbeitsfreude und zionistisches Verantwortungsgefiihl erweckt wurden, die bis heute wirksam geblieben sind. Es quält uns die Sorge, wer wird in weiteren 20 Jahren Träger der zionistischen Arbeit sein. Die Frage des Nachwuchses bedrückt uns zurzeit mehr als die Entwicklung des Palästinawerks und wir kommen zu der Erkenntnis, daß die Gewinnung und Erziehung neuer Zionisten in der nächsten Zeit im Vordergründe unseres Interesses stehen muß. Die Wichtigkeit der Propaganda- und Erziehungsarbeit wird zweifellos allgemein anerkannt. Aber es kommt darauf an, eine Rangordnung unter den versettedeaett die uns zur Verfügung stehenden menschlichen und materiellen Kräfte nicht aüsreichen, um allen Anforderungen,‘ die;die zionistische Lage an uns stellt, in gleicher Weise gerecht zu werden. Deshalb ist es wichtig, klarzustellen, daß im Augenblick Propaganda- und Erziehungsaufgaben den Vorrang der Dringlichkeit haben. Es ist vielleicht nicht überflüssig zu erklären, daß es sich hier nicht um den Gegensatz zwischen Palästinaarbeit und Galutharbeit, handelt. Sondern gerade für den Bestand unseres Palästinawerks ist die Gewinnung neuer Zionisten das Gebot der Stunde. Noch auf Jahre und Jahrzehnte hinaus wird Erez-Israel auf die materielle und geistige Stützung durch das Gahith angewiesen sein; noch auf Jahre und Jahrzehnte werden die Energien für den Aufbau und Ausbau unseres Jischuw aus dem Galuth kommen müssen. ״Unsere gesamte Gal u tharbeit bedarf einer Revision“. Das ist keine Erkenntnis, die in Deutschland oder überhaupt im Galuth entstanden ist (etwa aus dem Bedürfnis nach einer Beschäftigungstherapie), sondern eine Auffassung, die gerade auch in der palästinensischen Arbeiterschaft vertreten und die z. B. mit aller Deutlichkeit in einem Aufsatz von Bogdanowsky im ״Kuntreß“ vertreten wird. Bogdanowsky fordert, daß die von der palästinensischen Arbeiterschaft ins Galuth entsandten Delegationen nicht (wie bisher) nur Interesse für Palästina erwecken, sondem Erziehungsarbeit leisten sollen. II. Es durfte heute allgemeine Uebereinstimmung darüber bestehen, daß der einzige Weg. neue Zionisten in größerer Zahl zu gewinnen, der über die Jugendorganisationen ist. Jugendarbeit ist also unter den dringlichen Aufgaben die dringlichste. Von ihr soll hier nicht die Rede sein. Zionistische Jugendarbeit ist aber nur möglich im Anschluß an eine wirklich lebendige aktive Zionistische Organisation, die auch ihrerseits den Kampf um die Seele des deutschen Judentums führt. Dieser Kampf war in der letzten Zeit zurückgetreten hinter der Werbung für die Beteiligung am Aufbau Palästinas. Diese Beteiligung der Nichtzionisten am Palästinawerk ist möglich unter Außerachtlassung der grundsätzlichen Bedeutung des Zionismus als des einzigen umfassenden Versuchs zur Lösung der Judenfrage. Es soll hier nicht behauptet werden, daß wir bei der Werbung für den Keren Hajessod die grundsätzliche Bedeutung des Zionismus zurückgestellt hätten; aber es kam für die Beteiligung am Keren Hajessod nicht darauf an, wie man sich zur Grundfrage des Zionismus stellte. Die Auseinandersetzung mit den Nichtzionisten erfolgte daher in der letzten Zeit auf einer anderen Ebene. Um neue Zionisten zu gewinnen, müssen wir die prinzipiellen Fragen wieder mehr in den Vordergrund rücken; wir müssen an die Nichtzionisten wieder unsere Gretchenfrage stellen, wie sie sich die Zukunft des Judentums vorstellen; die Notwendigkeit eines eigenen jüdischen Landes für das jüdische. Volk muß von unserer Seite wieder mit der alten Schärfe dargelegt werden. Im Prinzipiellen besteht der. Gegensatz zwischen Zionisten und Nichtzionisten unverändert fort. Ltesere Gegner glauben, daß der Zionismus älter, abgeklärter geworden sei. Gewiß, wir siad heute mit den Sorgen der werdenden Realität in Palästina ״belastet“,

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