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Jüdische Rundschau · 1928-04-17 · Heft 29-30 (17.4.1928) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 29-30 (17.4.1928)
Date
1928-04-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Mit Unterhaltungs-Beilage UDISCHE Doppelnammer 0,40 Qotdmark RUNDSCHAU Redaktion und Verlag Berlin W 15, Meinekestraße 10. Erscheint jeden Dienstag und Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 1,85 Goldmark, vierteljährlich 5,25 Goldmark■ 4m« andsaboanements werden io der Wihnmfi der eiazelora Lieder berechnet Anzeigen -Verwaltung Jüdische RundschauG.m.b.H.,Berlin WIS.Meinekestr. 10 Telephon: Amt Bismarck 7165--70. Telephon: Bismarck 7165—70. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392 Fflf Oesterreich! Po»Up«rk*M«n*1nt Wien. Konto Nr. 1560», . F6r?«ebeebotlowikei! PottipvknMennmt Prtf, Konto Nr. 55 410. Für Poloni Pottipirkauenomt Wnrsdbnu, Konto Nr. 190706. RedaktionsschluQ Sonntag und Mittwoch nachmittag. Wammer 29/30 | Berlin, 17. IV. 1928 00* ZionMmus •rstrebf für das Jüdisch« Volk AAV<Hgei1preie<8ge9peitKoapereiUeztti]e0,50G,-M.Steiles^« tncheO,25 G**M AneeijJeoschiafl: Dientiai und Freitag ntchtnUttgs 4 Uhr. כ״ז ניסן׳ היס״ח die Scl1ar;׳jna •Inai- ÖHentiicH - rechtlich aealcherten Helmithtle In Palit'lna. I xxxm. Jahrg. ״Baseler Programm.“ Kampf gegep die Ardeitslosigheit Ende des Unterstützungssystems - Sonderspenden für öffentliche Arbeiten — Der innerzionistische Konflikt in Amerika I ־ R.W. Berlin, 15. April. Während der Feiertage ist die erfreuliche Nachricht eingetroffen, daß die Auszahlung von Arbeitslosen- Unterstützungen seitens der Zionistischen Exekutive in Palästina eingestellt werden konnte, da durch die Einleitung verschiedener Arbeiten aus öffentlichen Mitteln der Arbeitsmarkt imstande ist, auch den Rest der Arbeitsuchenden zu absorbieren. Damit ist ein trauriges Kapitel der zionistischen Entwicklung abgeschlossen und ein wichtiges Resultat erreicht, das der zionistischen Autbauarbeit neue Möglichkeiten eröffnet. Die Arbeitslosigkeit, die als Erbschaft der übertriebenen Hoffnungen der vierten Alijah in Palästina entstanden war, hat bekanntlich nach dem 14. Kongreß, der einen Höhepunkt der Konjunkturentwicklung bedeutete, einen Stillstand der zionistischen Aufbauarbeit erzwungen. Der 14. Kongreß (1925) hatte als erster der Nachkriegskongresse eine budgetäre Situation ohne Defizit vor sich, und die Aussichten für die im Steigen begriffenen Sammlungen der nationalen Fonds schienen auch für die Zukunft günstig. Der Kongreß glaubte mit Sicherheit, die genaue Einhaltung des beschlossenen Budgets für das künftige Jahr erwarten zu können. Die Arbeitslosigkeit jedoch zwang damals die Zionistische Exekutive, die die Verantwortung für die auf Zertifikat Bingfwunderte! übgnitsiijnen .Jjattj^ bergits « <jfen מ»1יזן , Monaten rfs״ P״dget•up:?ustcße2 und dcu Post.... A.lclt erheblich zu erhöhen, tifls iurch Foraertlng von ‘Flölstandsärbeiten atfd teils schließlich durch Auszahlung direkter Unterstützung an di« Arbeitslosen. Diese Upterstützungen bildeten eine erhebliche Belastung, und da die Gelder nur durch Verkürzung anderer Budget- Posten beschafft werden konnten, blieb die eigentliche Kolonisationsarbeit vor den drängenden Notwendigkeiten des Tages im Hintertreffen. Bald wurde es klar, daß nur durch eine Ueberwindung dieses Systems wieder der Weg zu kolonisatorischer Aufbauarbeit gebahnt werden kann. Die Schwierigkeiten waren jedoch enorme, da man die unerwartet von der Krise erfaßten Menschen nicht einfach dem Hunger preisgeben konnte und da die Zahlung von Unterstützungen immer noch der billigste Weg war, ihnen einen minimalen Lebensunterhalt zu verschaffen. Die Beschaffung von Arbeit dureh öffentliche Arbeiten aus Mitteln der Zionistischen Organisation war nicht durchzuführen, da hierfür keine Fonds bereit standen. Die von manchen empfohlene Methode, die nötigen Gelder durch ״Anleihen“, d. h. durch Verpfändung der künftigen Einnahmen des Keren Hajessod, zu erlangen, war undurchführbar, da auf diese Weise zugunsten einer nur provisorischen Erleichterung —־ denn die so beschäftigten Arbeiter mußten nach Beendigung der Notstandsarbeiten wieder arbeitslos werden — auch die Chancen einer künftigen Aufbauarbeit preisgegeben worden wären. An dieser harten Tatsache scheiterte auch die Durchführung des von der Arbeiterorganisation bereits seit langer Zeit ausgearbeiteten Programmes. Die Vorschläge der Arbeiterorganisntion wurden nach langen Erörterungen von der Zionistischen Exekutive zum Beschluß erhoben, doch war dieser Beschluß solange illusorisch und nur auf dem Papier stehend, so lange seine finanzielle Deckung nicht vorhanden war. Im vergangenen Sommer konnte dann die Unterstützung in Jerusalem, Haifa und Afule eingestellt und durch Arbeiten ersetzt werden. Es blieb das Problem Tel-Awiw. In der Mitteilung der Exekutive wird dargelegt, in welcher Weise die Arbeitslosigkeit in Tel-Awiw sich verminderte und wie schließlich die vollständige Liquiöierung des Unterstützungssystems möglich geworden ist. In der Hauptsache ist dieser Erfolg drei großen f״cttden zu danken, deren letzte im Betrage von 10000 P.'und, erst vor einigen Tagen Dr. Weizmann von Felix Warburg erhalten hat Zwei Faktoren kommt ein ententscheidendes Verdienst an der Erreichung dieses Erfolges zu, einerseits der Palästinaregierung, die bereits seit Monaten bei der Beschäftigung von Arbeitslosen aktiv mithilft, und andererseits der jüdischen Arbeiter- Organisation, die mit zäher Energie, Geduld und organisatorischem Geschick an der allmählichen Durchführung ihres Programms der Arbeitsbeschaffung tätig war, indem sie zugleich die Ordnung und Disziplin in den Reihen der Arbeitslosen selbst aufrecht erhielt. Es hängt nun alles davon ab, daß nach Beendigung der Notstandsarbeit der freiwerdenden Arbeitskräfte in der palästinensischen Wirtschaft Unterkommen können. Dies wird nur dann möglich sein, wenn die aufsteigende Linie der natürlichen Entwicklung, die in den letzten Monaten zu beobachten war, anhält, ohne durch spekulative Uebertreibung wieder zu einem Krisenpunkt gedrängt zu werden. Zugleich wird es nötig sein, sich über die Stellung des Unternehmers und Arbeiters angesichts der geänderten Verhältnisse klar zu werden. Hier ist noch ein weites Feld organisatorischer Tätigkeit offen. Die Palästina-Exekutive wird /jetzt zeigen müssen, ob sie auch positive, konstruktive Pläne hat, ob sie neue Gedanken, zur Förderung des Aufbauwerkes verw irklichen kann. Sie ist eine große Last losgeworden und kann sich nur freier ihren eigentlichen Aufgaben zuwenden. Freilich setzt dies voraus, daß nicht anderweitige unvorhergesehene Hindernisse eintreten. Diese könnten entstehen, wenn das normale Budget nicht gedeckt wird, so daß die Defizitwirtschaft, deren Liquidierung die Kongreß-Direktive für die neue Exekutive war, wieder einreißt. Darum betrachtet die zionistische Welt mit großer Besorgnis die Vorgänge innerhalb der Zio.nis-tischen O rn/Äjn£rikaf #. die die zionistische Arbeitslräftin diese m *,rfcWigstcn Lande zu beeinträchtigen drttbin.f^'tt*/“telgf;: slch,־;da6' einige Zionisten, die in den letzten Jahren innerhalb des zionistischen Landesverbandes Amerikas führende Posten inite hatten und der ehemaligen Brandeisgruppe angehören, einen offenen Kampf gegen die zionistischen Führer Amerikas und zum Teil auch gegen die Weltexekutive zu führen beabsichtigten. Von Bedeutung ist dabei insbesondere die Stellung der Hadassah-Frauen- Organisation, deren Führerschaft seit jeher enge Be- Ziehungen zur Brandeisgruppe hatte und auch jetzt wieder in jenem Lager zu stehen scheint. Dies ist um so auffälliger, als die anerkannte Führerin der Hadassah, Miss Szold, auf dem letzten Kongreß in die Exekutive gewählt wurde und daher für diese mit verantwortlich ist. Es ist nicht anzunehmen, daß die Hadassah Miss Szold ihr Vertrauen entzieht; daher kann man nur vermuten, daß sie einen Unterschied machen! will zwischen Palästina-Exekutive und Londoner Exekutive: die Palästina-Exekutive wird man gelten lassen, die Londoner Exekutive bekämpfen. Dies ist um so unsinniger in einem Moment, wo auf dem Kongreß die Parole der Homogenität der Exekutive ausgegeben worden ist und mit dieser Begründung die Vertreter der Fraktionen ausgeschaltet wurden. Man hat früher dem Misrachi übelgenommen, daß er manchmal gegen die Exekutive stimmte, in der sein Vertreter saß; sollte etwas ähnliches jetzt 1m Falle der Hadassah vor sich gehen, dann wäre der parlamentarische Fortschritt des letzten Kongresses wahrhaftig nicht hoch anzuschlagen. Im übrigen muß man die Entwicklung der Dinge in Amerika abwarten. Eine grundsätzliche Opposition und eine sachliche Diskussion der Arbeitsprinzipien kann gewiß nicht schädlich sein; aber wenn durch innere Reibungen und persönliche Kämpfe die Sache Palästinas zu Schaden käme gerade In einem Moment, wo sich die schwersten Wolken lichten und große neue Möglichkeiten sich eröffnen, so würden die amerikanischen Zionisten eine schwere Verantwortung auf sich geladen haben. * Die Zionistische Exekutive gibt folgende Mitteilung aus: Die Exekutive hat nach Meinungsaustausch zwischen Jerusalem, London und New York beschlossen, die Zahlung von Unterstützungsgeldern an die Arbeitslosen in Palästina einzustellen und durch Einleitung neuer konstruktiver Arbeiten zu ersetzen. Wie bereits früher mitgeteilt, hatte sich die Arbeitslage in Palästina in den letzten Wochen so weit gebessert, daß der Unterstützungsbetrag von Woche zu Woche sank und zuletzt an Stelle von £ 1050, die noch Anfang Januar gezahlt worden, etwa £ COO pro Woche betrug. Die Zahl der Arbeitslosen beträgt zurzeit etwa 2700, von denen sich etwa 1400 in Tel-Awiw, 6Q0 in Haifa, 250 in der Umgebung von Haifa und 500 in Jerusalem befinden. Der Rückgang in der Zahl der Arbeitslosen, die noch vo» etwa einem Jahre 7000 betrug, erklärt sich aus der Entwicklung der Industrie, die etwa 1200 Arbeiter neu angenommen hat, aus der Ueberführung von etwa 500 Arbeitslosen in handwerkliche Berufe, der Beschäftigung von etwa 1000 Personen bei Regierungsarbeiten, der Erhöhung der Arbeiterzahl in den Kolonien und verschiedenen jüdischen Unternehmungen um etwa 800, aus der Beschäftigung gelernter jüdischer Arbeiter durch arabische Unternehmer und in Transjordanien sowie schließlich auch aus der Auswanderung von Arbeitslosen —־ wobei jedoch die Zahl dieser Emigranten von der Arbeiterorganisation auf nicht mehr als 500 geschätzt wird. Die jetzt geplante Ueberführung von 2700 Arbeitslosen zur Arbeit soll auf der Grundlage eines umfassenden und sorgfältig vorbereiteten Arbeitsprogrammes erfolgen. Das Programm sieht u. a. vor: a) Errichtung des Nathan Strauß-Gesündheits• Zentrums;! b) Bau des Nordviertels in Tei-Awiw; c) Bau der Straßen Petach-Tikwah — Kfar Saba und Mescha—-Afule; d) Straßenbauten in Jaffa; e) Arbeiten in der Quarantänestation in Haifa; f) Erweiterung der Rutenberg-Arbeiten am Jordan; g) Errichtung neuer Postgebäude; h) Bau des Hospitals im Emek; i) Massenversorgungsarbeiten durch den Nationalfonds. Die Finanzierung dieser Arbeiten wird, wie ersiehtlieh ist, aus verschiedenen Quellen erfolgen. Sowohl Fonds de« Regierung wie die allgemeinen zionistischen und SpazMfondi, Beitrage der Munizipalitäten und Mittel von Privatgesellschaften werden ■bei der Budgetierung de! Arbeiten Zusammenwirken. i. * MIL ■ileset» jedoch nec;h;hfeht gej&it Uh» WZähMnf *־ ומיArbeit•■ losenuntCTStützungen entstellen Zu können, ist aas Eingreifen? der Zionistischen Organisation und ihre Mitwirkung unter Einsatz weiterer erheblicher finanzieller Mittel notwendig. Das oben entwickelte Arbeitsprogramm erfordert eine Ergänzung durch Fortführung des im vorigen Jahre ebenfalls zur Ablösung von Arbeitslosenunterstützuugen unternommenen Bauprogramms i*n den Kolonien, bestehend im wesentlichen aus der Errichtung fester Bauten und der Durchführung von Irrigationsarbeiten im Nuris-Gebiet. Für die Ausführung dieses Programms sind £ 25(KM) außerhalb des vom Kongreß beschlossenen regulären Budgets erforderlich. Diese £ 25 000 stehen jetzt zur Verfügung, nachdem in den letzten Tagen Herr Felix Warburg £ 10 WM) beigesteuert hat. Die Summe setzt sich folgendermaßen zusammen: Beitrag Nathan Strauß £ 10 000 Beitrag Felix Warburg 10 ״ (MM) Anonymer Beitrag 000 5 ״ 000 25״£ Zur Komplettierung des gesamten Planes für Liquidierung der Arbeitslosenunterstützungen erschien auch eine weitere Ben« hilf« der Regierung in Höhe von £ 15 000 als erforderlich, wobei daran gedacht war, daß die Regierung ähnlich, wie sie es bereits im November vorigen Jahres getan natte, der Stadt Tel-Awiw eine Anleihe in Höhe von £ 15 000 gewähren solle, um ihr die Rückzahlung von Schulden an die Exekutive in gleicher Höhe zu ermöglichen. Wie es scheint — genauere Nachrichten hierüber liegen iro Augenblick der Abfassung des Zirkulars nicht vor — ist zwar dieses Projekt nicht verwirklicht worden, aber doch gelungen, sich der Mitwirkung der Regierung in anderer Weise zu versichern. Wie aus diesen Darlegungen ersichtlich ist, stützt sich das Programm u. a. auch auf das reguläre Budget, dem ein Betrag von £ 15 000 bis 20000 entnommen werden muß, wenn der Plan itn vollen Umfange gelingen soll. Indem die Exekutive den Beschluß gefaßt hat, unter das Kapitel der Arbeitslosenunterstützungen einen Strich zu ziehen und die neuen konstruktiven Arbeiten einzuleiten, vertraut sie trotz der gegenwärtigen schweren finanziellen Lage auf die Deckung des vollen Budgets. Nur wenn das Budget gedeckt wird, wird das vom Kongreß beschlossene finanzielle Sanierungsprogramm zugleich mit dem jetzt in Angriff genommenen neuen Bau- Programm durchgefünrt werden können. Bei Ihrer Entscheidung, von deren Tragweite und Verantwortlichkeit sich die Exekutive bewußt ist, stützt sie sich auf zwei Beschlüsse des Kongresses, die folgendermaßen lauten: 1. Der Kongreß fordert die Exekutive auf, bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit die Durchführung offen licher Arbeiten der Bewilligung von Arbeitslosenunterstützungen vorzuziehen, und verlangt dementsprechend von der Exekutive, dafür Sorge zu tragen, daß zur Beschäftigung der Arbeitslosen öffentliche, konstruktive Arbeiten durchgeführt werden, die eine ständige Beschäftigung von Arbeitern ermöglichen. In erster Linie ist hierbei an Arbeiten gedacht, die in gleicher Weise unserem Kolonisationswerk wie den Bedürfnissen der Arbeitslage dienen. Die Exekutive soll alle Anstrengungen unternehmen, um ausreichende Mittel für solche Arbeiten herbeizustellen. 1 :! scr Kongreß verpflichtet die Exekutive, aus den Mitteln, | die zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit außerhalb des vom Kongreß bestätigten Budgets aufgebracht werden, in dem Maße das reguläre. Arbeitsbudget zu ergänzen, wie dies die Beschäftigung von Arbeitern fördert und sicherstellt : f: /-fy /v:' r

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