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Jüdische Rundschau · 1928-03-27 · Heft 25 (27.3.1928) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 25 (27.3.1928)
Date
1928-03-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
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CMVMNIA JllUAM A Mit UnlcrhaHnngs-BcÜagc Einzelnummer 0£S Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Redaktion und Verlag Berlin W 15. Meinekestraße 10, Erscheint ieden Dienstag tmd Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 1,85 Goldmark, vierteljährlich 5,25 Goldmark. 411§iand**honnen1ant* werden io der Wahrung der einzetoec Linder berechnet Anzeigen-Verwaltung Jüdische Rundschau G.m.b.H.,Berlin W15, Meinekestr. 10! Telephons Amt Bismarck 7165—70. A&zaiganprels! 8 goapaiLNoopareillezeii« 0,50 G-־MSteileug0aucheÖ,25 G.*M. Anzeigen •chtafis Di 00•t a g und Freitag eacbajUtags 4 Uhr. Telephon; Bismarck 7165—10. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392 Für Oesterreich ג Pos t »park aas eaim t Wtee, Koche Nr. 156030. Für T•chechoitowakei 1 rastsparkassanarol Praß, Konto Nr. 594J0. Für Polen: PosUparkasseoamt Warschau, Konto Nr. 100708- Redaktionsschi uß Sonntag und Mittwoch nachmittag. Nummer 25 | Berlin, 27. PL 1928 1 ו׳ ניסן׳ חרס״ח xxxiii. Jahrg. ■ ■ ...... . £ Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer Öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte 10 Palästina. ״Baseler Programm.“ Preußische Judeniagung Die Tagung des Verbandstages des Preußischen Landesvcrbandes jüdischer Gemeinden wurde Sonntag, am 25. d. M., 2 Uhr nachmittags, eröffnet Vormittag hatten Fraktionssitzungen stattgefunden. Die Eröffnung der Verbandstagung Rabbiner Dr. Emil Levy, Berlin, hält die Eröffnungs- ,insprache. Er kennzeichnet die Hauptpunkte, welche in der gegenwärtigen Situation des Landesverbandes zur Verhandlung stehen werden und verweist auf Grundsätze der jüdischen Lehre und der jüdischen Weisen, die eine Richtschnur für die Lösung der gestellten Aufgaben abgeben können. Eine lehre und ein Gesetz, heißt es in der Bibel, soll für alle Juden gelten. Dieser Grundsatz soll im Entwurf des Juden- Gesetzes zur Verwirklichung gelangen. In der Austrittsfrage soll man sich von dem Ausspruch Hillels leiten lassen: Trenne dich nicht von der Gemeinde. Der zu gründende deutsche Reichsverband soll nicht die letzte Sprosse der Entwicklung sein, sondern ein Baustein im Gebäude des Klal-Jisroel. Dr. Levy erwähnte das imponierende Hallensportfest vom 18. Marz in Berlin, auf dem sich die jüdische Jugend aller Richtungen gefunden habe. Vorsitzender Heinrich Stern hält den im abgelaufenen Jahre verstorbenen Mitgliedern des Rates, Breslauer, Lilienthal und Galewski, einen von der Versammlung stehend angehörten Nachruf. Namens des Rates erstattet Dr. Ismar Freund den Tätigkeitsbericht. Von den 950 Gemeinden in Preußen sind ungefahr 700 dem Landesverbände angeschlossen. 56 Gemeinden haben eine Doppelmitgliedschaft, lm abgclaufenen Jahre sind 11 Gemeinden aus dem Verbände ausgetreten. Die Finanzläge des Verbandes könnte ohne die Staatsbeihilfe nicht im Gleichgewicht gehalten werden. Der Staat subventioniert den Verband in zwei Positionen, 200000 M. sind für die Unter- Stützung der Rabbiner bestimmt. Dieser Betrag wird nach Vorschlägen des Ministeriums für Kultus und Unterricht und vom Finanzministerium ohne Befragen des Rates verwendet. Er ist nicht^ vollständig^ zur ^.uszahlung ^gelangt, subventioniert werden, ist es ein unhaltbarer Zustand, daß der verhältnismäßige geringe Beitag für die jüdische Reügions- Gemeinschaft nlcm restlos zur Auszahlung gelangt. Im abgelaufenen Jahre sind 152 Gemeinden vom Landesverband unterstützt worden. Außerdem haben 62 Lehrer eine Aufbesserung ihrer Bezüge erfahren. Ferner ist eine Unterstützung weiteren 66 Funktionären zugute gekommen. Im übrigen verweist Dr. Freund auf den vorgelegten Bericht, dem wir entnehmen: I. Der Rat. Schwere Verluste hatte der Landesverband zu beklagen: im Herbst 1937 starb sein stellvertretender Präsident, .(iistiwat Leo Lilienthal, und wenige Monate darauf folgte ihm Bruno Galewski, der ebenfalls stellvertretender Präsident war, in die Ewigkeit nach. Justizrat Malöwer legte sein Amt als Mitglied des Großen Rates nieder. — Zu neuen Rat.smitgliodern wurden die Herren Seckeisohn, Ostberg und Dr. Sand- 1 c r •gewählt. Zu stellvertretenden Präsidenten des Rates wurden Prof Dr. Türk und M. A. Loeb, zum stellvertretenden Schriftführer Prof. Dr, El bogen, zum stellvertretenden Schatzmeister Direktor Ostberg gewählt. Folgonde neue Deiernatsverteilung wurde vorgenommen: Kammergerichts rat Wolff: Privatrechtssachen, Revision des Gesetzes von 1847, Reichsverband. Dr. Freund: Politik, Staatsbeihilfen, Bezirlsrabbinale, Anti- >cmitismus, Rechtssachen (außer Privatrechtssachen), Gesetzgebung mit Ausnahme der Revision des Gesetzes von 1847). Moritz A. Loeb: Schächtcrscbule, Allgemeine Fragen des Kultus, Ritualangelegenheiten. Prof. Dr. Türk: Allgemeine Fragen des Unterrichts, Wohllahrtspflege. R.-A. Dr. Klee: Ausweisungen und Einbürgerungen, Subventionen. Direktor Karoski: Finanzen (Vertretung Ostberg). Prof. Dr. El bogen: Apologetische Angelegenheiten, Kunstdenkmäler. Direktor Ost borg: Baubeihilfcn (im Rahmen der Submitionskommission). Unterrichtswesen. In der vom Rat eingesetzten Unterkom-;nission wurde am 11. September 1937 beschlossen, eine Vorboreitungsanstall für Volksschul- und Religionslehror in Berlin zu eröffnen. Für die Aufnahme in diese Anstalt wurde die Reife lür die Obersekunda einer!näheren Lehranstalt zur Bedingung gemacht. Die Grundlage der Ausbildung soll ein drei jährigor Lehrplan werden, der die Möglichkeit bietet, die Schüler m dieser Zeit unter gleichzeitiger Ausbildung in den Reügions- Wissenschaften bis zur Reifeprüfung zu führen. Judengesetz. Die Frage der Revision des preußischen Judenc״setzes kam in sämtlichen Sitzungen des Großen Rates zur Sprache. Dem Beschlüsse des Verbandstages, hinsichtlich des bereits vorliegen״ den Entwurfes wurde beigetreten und im Oktober 10ן«־ eine Kommistion eingesetzt, die mit dem Halber*tädter Verband mit dem Ziele, eine Vereinheitlichung unseres mit dem dort gefertigten Lntwurfo verhandeln soll. Am 15. Januar JQ28 fand die Beprechung mit Vertretern des Halborstädtor Verbandes -!3tt, bei der dir! wichtigsten Punkts des Gesetzes eingehend erörtert "urrlpn. Dio Aussprach»! ließ hoffen, daß eine Verständigung durchaus im Rahmen der Möglichkeit liege. Es wurde eine kleine gemischte Kommission eingesetzt, welche den Versuch machen sollte, ״her dio Differenzpunkto zu einer einheitlichen Kompilierung zu 1 ׳!mmeri. Diese Kommission ist zusammengetreten, zu der Einigung :'t. es jedoch bisher nicht gekommen. Die Verhandlungen werden lor!gesetzt werden. Der Rat hat. in seiner Sitzung vom 36. Februar 1938 beschlossen, dem Verbandstag zu empfehlen, daß, falls nicht binnen weiter«! zwei Monaten eine Uebereinstimmung erzielt werden sölllte, der Landesverband seinen Entwurf der Regierung einreichcn solle. Reichsverband. Nachdem dio Dresdener Besprechung der Landesverbände und des Ddutscb-I&raeliliscbon Gemeinde-Bundes im Mai v. J,, über dio eingehend berichtet worden ist, dio Grundlage für weitere Verhandlungen geschaffen hatte, traten am 4• März 1938 auf Einladung des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemcinden und des Deutsch-Israelitischen Gemeinde-Bundes die Vortrister der deutschen Landesverbände in Nürnberg zu einer erneuten Beratung über die Schaffung einer Reiclisnrganisalioil der deutschen Juden zusammen, dio von dem Präsidenten dos Preußischen Landes- Verbandes geleitet wurde. Dio Erörterungen erstreckten sich hauptsächlich auf dio Aufgaben dos Reir.hsverbaudes und die Zusammense.tzung seines Rates. 'Zunächst aber wurde über dio Gründung einer Arbeitsgemeinschaft aller deutschen Landesverbände verhandelt, dio Ins zum Zustandekommen des Reichsvorbandes in den geeigneten Fällen tätig werden soll. Was die Aufgabe des liridisverbandcs anlangt, so wurde beschlossen, daß zu ihnen auch die Vertretung der deutschen Juden gegenüber den Juden des Auslandes und deren Organisationen auf dem Gebiete religiöser und sozialer Arbeit gehöre. Nachdem das Ratsmitglied Herr Ostberg einen kurzen Finanzbericht erstattet hatte, teilt der Vorsitzende mit, daß sich die Fraktionen geeinigt haben, am ersten Sitzungstage in der Generaldebatte über den Bericht des Rates auch über die Fragen des Judengesetzes und des Reichs verbandes zu sprechen, so daß die Generaldebatte gleichzeitig die erste Lesung der genannten Punkte der Tagesordnung darstellen wird. Als erster Redner spricht namens der liberalen Fraktion Dr. Baerwald, Frankfurt. Er dankt dem Rate für die geleistete Arbeit, erwähnt die Abfassung des Einheitsgebetbuches für den liberalen Gottesdienst und richtet scharfe Angriffe gegen das Ratsmitglied Dr. Ismar Freund, der die Arbeit des Landesverbandes usurpiert habe. Namens der Jüdischen Volkspartei sprach unter allnilSelL $r darauf ,aufmerksam, da®׳ der’ Altgriff gegen Dr, Ismar Freund nur eine Fortsetzung des Generalangriffes von liberaler Seite aus der Berliner Jüdischen Gemeinde ist. Bezüglich des Judengesetzes äußert Goslar drei Bedenken: Das Wahlrecht muß in allen Gemeinden unterschiedslos allen Juden gewährt werden. Eine Trennung von in- und ausländischen Juden soll in jüdischen Gemeinden unzulässig sein. Jede Gemeinde soll einem Verbände angehören. Es muß durch diese Zwangszugehörigkeit eine Erziehungsarbeit im Sinne der jüdischen Solidarität durchgeführt werden. Was die Austrittsmöglichkeit anbelangt, soll eine solche nur im Falle religiöser Bedenken gewahrt werden. Der Reichsverband soll sich aus Mitgliedern, die aus U!־wählen hervorgegangen sind, zusammensetzen. Die Kompetenzen des Reichsverbandes können sich nicht nur auf rein religiöse Angelegenheiten beschränken. Es muß eine Verbindung der dcutsehen Juden zumindest mit den deutsch sprechenden Juden in den Nachbarländern angestrebt werden. Sorge .des Reichsverbandes müßte die allgemeine Lage der Juden in Deutschland sein. Nur auf diese Weise wird man die innere Geschlossenheit und die Stoßkraft der Juden erhöhen können. Wenn erst der Reichsverband geschaffen ist, dann wird die Möglichkeit gegeben sein, eine innere und äußere Mission der jüdischen Gemeinschaft durchzuführen. Nicht nur Abwehr allein kann dem deutschen Judentum frommen. Es ist eine Offensive des jüdischen Geistes notwendig. Das Judentum ist sp reich an geistigen Schätzen, daß man von ihm aus Stellung zu allen Fragen der Gegenwart nehmen kann. Goslar bedauert, daß das deutsche Judentum zu den brennenden Tagesfragen von seinem Standpunkt aus keine Stellung genommen hat. Die Beteuerung der unentwegt treudeutschen Gesinnung Ist geradezu katastrophal, da sie die gegenteilige Wirkung hat als beabsichtigt ist: sie beweist die innere Unsicherheit derjenigen, die es notwendig finden, immer wieder solche Kundgebungen zu erlassen. Die Jüdische Volkshochschulbewegung müßte gefördert werden. Schulen und Erziehung sind notwendiger als bloße Abwehr. Redner berüßt die Tätigkeit des Pro Palästina-Komitees und ezeichnet es als einen Ausfluß geistigen Hochmutes, wenn man zu behaupten wagt, die Zionisten hätten für das Pro Palästina-Komitee Männer wie Minister Becker ״eingefangen“. Die wirtschaftliche Situation der deutschen Juden verschlechtere sich von Tag zu Tag. Eine jüdische Wirtschaftskonferenz sollte diese Dinge genau untersuchen und im Wege einer Wirtschaftszentrale sich bemühen, Abhilfe zu schaffen; sowohl bei der Berufsergreifung wie bei der Berufs- Umschichtung sollte diese Wirtschaftszentrale beratend und helfend mitwirken. Insbesondere sei es notwendig, denjenigen Nahnm Sokolow in Berlin Sokolow ist auf der Rückreise aus Jugoslawien dieser Tage inoffiziell in Berlin eingetroffen. Er bleibt einige Tage in Berlin, um im Kreise seiner in Berlin wohnenden Kinder der Ruhe zu pflegen. Der zionistische Führer, der trotz der großen Strapazen der Balkan-Tournee sehr frisch aussieht, äußerte sich sehr befriedigt über die glänzende Aufnahme, die er in den von ihm besuchten Ländern bei Juden und Nichtjuden gefunden hat, und über den zionistischen Erfolg seiner Reise- Von Berlin begibt sich Sokolow noch in dieser Woche über Paris nach London. Die deutschen Zionisten begrüßen den verehrten Führer herzlich in ihrer Mitte. jüdischen Angestellten zu Hilfe zu kommen, die den Sabbat beobachten. Namens der Konservativen sprach Dr. H 0 r v i t z aus Frankfurt a. M. und namens der Religiösen Mittelpartei Prof. S o b e r n h e i in. Alfred Berger (Poale Zion) bemerkt, daß die Arbeit des Landesverbandes von falschen Voraussetzungen ausgehe. Ausgangspunkt für die Tätigkeit des Verbandes könne nur eine die jüdische Gesamtheit umfassende, also ״national״-jüdische Erkenntnis sein. Mit der Not der jüdischen Angestellten und Arbeiter befaßt sich bereits eine Einzel- Organisation, das ist aber nicht genügend. Die Gesamtorganisation der preußischen Judenhcit, der Landesverband, müßte sich dieser Dinge annehmen. Dann werde der Erfolg ein viel größerer sein. Es gibt leider viele Arbeitgeber, die selbst den Sabbat hüten, aber doch nicht gern Angestellte aufnehtflen, die nicht am Sabbat arbeiten. Es Ist ein betrüblicher Zustand, daß die Gelder für den Landesverband so langsam einfließen, so daß von den bewilligten Subventionen kaum 60 «/« zur Auszahlung gelangen konnten. Berger erwähnt die P a I ä s t i n a-Broschüre von Dr. Bruno Weil und Staatsrat ■Cohn sowie das Buch von Alfred Wiener. Die Broschüre ist nicht mir antizionistisch, sondern sie ist antisozial, ln einem Referate über die Bedeutung der Juden für die Wirtschaft sprach Prof. Julius Hirsch im Central-Verein von einem jüdischen ״Stamm“. Prof. Hirsch hat im übrigen Erkenntnissen Ausdruck gegeben, die in zionistischen Kreisen seit langem gang und gebe sind. Vom Standpunkte des Redners gibt es nifr einen Weg für die Juden: Den des Sozialismus und des Zionismus. Berger charakterisiert das Verhalten der assimilatorischen Juden des C.-V. Es sei unverständlich, warum man auf der einen Seite für die jüdisch-nationale Arbeit des Ort eintritt, andererseits aber sich gegen Palästina wegen seines jüdisch-nationalen Charakters ausspricht. Nach dem Besuche Weizmanns sei man ins Auswärtige Amt gelaufen, um sich über die Zionisten zu beschweren. Man berufe sich auf verschiedene jüdische Berichterstatter wie einem gewissen Dr. Seifert in Blelltz, um der deutschen Oeffeotlichjcät ־ einzureden, daß das Pro, 'Pajgsina־ \ >K0||itee. ,de» . Petrtsdtiun»׳ i« Aushmte' schal« Ät Deutschen bei den pptnisdten Sejmwahlen sind sbet auf die Bündnisgemeinschaft mit den jüdisch-nationalen Parteien in Polen zurückzuführen una errungen worden: geigen ' die Agudah, in Polen, während der C.-V. in Deutschland gern; mit der Agudah zusammengeht- Berger, erklärt, daß er gegen alit: liberalen Anträge auf Verkleinerung des Rates stimmen . werde, weil sie den Zweck verfolgen, die liberale Vorherrschaft^ zu stärken, um die kleineren Fraktionen zu unterdrücke♦’ Er ist gegen die Institution des Rates, den er durch schüsse ersetzt sehen möchte. Der Vertreter der Konservativen, R.-A. Horvitz aus Frankfurt, erwähnte die zahllosen Friedhofs- Schändungen. Man sollte den Kampf gegen diesen Unfug vom Landesverbände führen. Berger erklärt, daß er das System der Abwehrarbeit, wie es vom C.-V. gehandhabt wird, ahlehne. Wenn die Juden in Deutschland kollektiv auftreten, dann ist der Landesverband die geeignete Körperschaft dafür. Keineswegs könne man mit einer Methode einverstanden sein, die im Wege von Geheimfonds deutsch-politische Parteien zu beeinflussen versucht. Der Vorsitzende des Rates, Kammergerichtsrat Wolff, gibt namens des Rates Aufklärungen und beantwortet einzelne kritische Bemerkungen der Redner. In der zweiten Rednergamitur spricht als erster Bruno Woyda (liberal). Er erklärt, die liberale Fraktion und der C.-V. sei nicht identisch, die Vorwürfe gegen die Zionisten wegen de Haan seien zuerst von orthodoxer Seite erhöhen worden, Bergers Bemerkungen über Geheimfonds sind bisher nur von antisemitischer Seite gemacht worden, man solle lieber sachlieh arbeiten und die politische Auseinandersetzung beiseite lassen. Dr. Harry Epstein, Duisburg, (jüd. Volkspartei) spricht hauptsächlich zum Judengesetz. Er wendet sich gegen die Institution der geplanten ״Personalgemeinden“ und verweist darauf, daß die große Mehrheit der deutschen luden, viele Liberale inbegriffen, sich gegen den Entwurf der im Vorjahre geschlossen wurde, ausgesprochen haben. Sollte dieser Entwurf (jesetz werden, dann käme es zu zwei konzessionierten Judentümern. lu der Austrittsmöglichkeit liege eine verderbliche Drohung. Man hat es erlebt, daß diese Drohung wegen Steuern, wegen der Errichtung einer jüdischen Schule, wegen der Ablehnung einer Karenzzeit ausgesprochen wurde. Auch im Rate ist die Austrittsdrohung als Waffe gebraucht worden. Die Folgen der Gründung von fliegenden Personalgemelnden wäre, daß Wohlfahrtspflege, Arbeiterfürsorge und Bibliothekwesen von den alten Gemeinden wahrgenommen werden müßten, denen jedoch die Stenern entzogen werden. Der Lehrerverband äußerte gegen diesen Judengesetzentwurf die schwersten Bedenken. Desgleichen die rheinisch-westfälischen Gemeinden. Ferner die neutralen Jugendverbände, welche auf ihrem kommenden Delegierfentag in Dresden gegen die Beschlüsse vom vorigen Jahr auftreten werden. 95 «0 der preußischen Juden denken nicht daran, die alte Kehilla zu zerstören. Wir sind dafür, daß jeder Jude innerhalb der Gemeinde diejen'ge re' giöse Form 1 eobarhten k־ nn, die ihm genehm ist. Die Entwicklung drängt überall zur Einheit. Wir wollen nicht den Austritt verhindern, aber den Mißbra uch mit ihm wollen wir unmöglich machen. Wir wollen nicht, daß man am Austritt verdienen kann, Gewissenszwang auszuüben liegt uns fern. Die Weimarer Verfassung verbietet keinen Parochialzwang, hinsicht'ich der Ausländer wollen wir nichis von zweierlei Recht wissen. Wir fordern die Einheit aller Gemeinden im Verbände und freie Betätigung für jeden Juden innerhalb der Gemeinde. Dr. Bruno Weil (liberal) schließt sich dem Bedauern Wovdas über Bergers Ausführungen an. Alle deutschen Juden mit Ausnahme der jüdisch-nationalen hahen es immer als eine Ehrenaufgabe betrachtet, sich zur Abwehr zusammenzufinden. Der C.-V. behauptet nicht, die Vertretung aller je! ־- - %, I I j I i i . ♦0 % ,!1 : ,i

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