Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 23 (20.3.1928)
- Date
- 1928-03-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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MH Un1erhalHmgs~Beilage %־ Efnzclnmrtmcr 0,30 Goldmarlc JÜDISCHE RUNDSCHAU Redaktion und Verla! Berlin W 15, Meinekestraße 10. Erscheint jeden Diensta! und Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 1.85 Goldmark, vierteljährlich 5.25 Goldmark. Aw* *na**bon״«w«nt• werden in der Wlhnw# der einrelö n Linder berechnet. Nummer 23 | Berlin, 20. IH. 1928 Anzeigen -Verwaltung Jüdische Rundschau G. m.b.H., Berlin W15, Meinekestr. 10 Telephon! Amt Bismarck 7165—70, Anzeigenpreis. 8 gespalcNoapareUlezelle 0,30 G--M. Stelle&gezeche 0,75 G.-M- AezeigenzebleSi Oieoitag u ם d i reitzf neehmittsgz 4 Uar Telephon: Bismarck 7165 - 70. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392 Für Oesterreich: Postsparkassenamt Wien, Konto Nr. 156030 Für Tschechoslowakei: rostaparkaasenamt Prag. Konto Nr. 594HX Für Polest P0st«park*a*en%mi Warschau. Konto Nr.!9070S. Redaktionsschitiß Sonntag und Mittwoch nachmittag. כ״ח אדר׳ תרפ״ח | xxxm.Jahrg. Der Zionismus erstrebt für das fUdlsclie Volk die Schaffung einer Offentlkk - rechtlick «•sicherten Heimstatt« In Palästina. »Baseler Programm.»« Zum 10 fahrigen Jubiläum der Cbaluz• Bewegung Da» Zentralböro der Welt-Organisation ״Hochaluz'* erließ nachstehenden Aufruf: Die Chaluzim, der jüdische Arbeiter in Erez-Israel, unsere Jugend und die ganze Zionistische Organisation werden aufgerufen, den zehnjährigen Bestand der organisierten Chaiuzbewegung festlich zu begehen. In den letzten Knegsinonaten, als Völker und Klassen aufstanden, das Joch der Unterdrückung abzuschütteln und mutige Hoffnungen auch die jüdischen Massen beseelten, entstand der Hechaluz. In kurzer Zeit hatte er sich nahezu auf alle Länder ausgedehnt, wo Juden in größerer Zahl siedeln. Hunrlerte und Tausende von Chawerim und Cbaworoth entsagten ihren bisherigen, der Arbeit entwöhnten Lebensformen, verließen die Schule und das Elternhaus und begannen ein Leben voll schöpferischer Arbeit und neuer Formen. Die Chaluzbewegung ging wie ein reinigender Strom durch die zionistische Bewegung. Sie schritt zur Verwurzelung des Volkes mit dem Boden, zu seiner gesellschaftlichen und ökonomischen Gesundung. Sie wurde zum Symbol im Zionismus, der treibende Faktor der Produktivierung der jüdischen Massen. Sie gab der Jugend und Jugendbewegung neue Inhalte. Zehn Jahre harter Arbeit und großen Fortschrittes sind vergangen. Aber noch sind wir weit entfernt von unserem Ziele, die ganze jüdische Jugend und die gesamte jüdische Arbeiterschaft zu erfassen. An diesem Tage des Gedenkens geloben wir feierlich, weiterhin die Ghaluziuth im jüdischen Volke einzupflanzcn. Wir haben Zeiten großen Aufschwungs und schwerer Krisen durchlebt. Auch heute stehen wir in einer Krise. Die Tore Ercz-Israels sind für die Cbaluz-Alijah geschlossen. Doch wir stehen bereits am Anfänge der Besserung. In dieser Stunde tritt das Gebot an die Zionistische Organisation heran, die tore Erez-Israels für die Chaluzim zu öffnen, damit die chaluzischen Kräfte neu entfacht werden, und so der Weg für weitere kolonisatorische Eroberungen freigegeben wird. An diesem Tage sendet der Ilechaluz seine Glückwünsche den Chaweriip, die in den verschiodenston Orten auf Vorposten stehen, sendet Schwüre der Treue dem jüdischen Arbeiter in Erez-Israel, der mit. ihm in einer Front in der zionistischen und der allgemeinen Arbeiterbewegung steht. An diesem Tage dürfen sich in den Reihen der Chaluzim keine Wankenden befinden. Die schicksalsvolle, erwartete Stunde soll das junge jüdische Geschlecht bereitfinden, geröstet für seine Aufgabe, jiwehdrungen von einem klaren und reinen Bewußtsein und unerschrocken, vor Jedem *688.? Merkas Hechaluz. . ׳■- 11 Für die Esekatwe der Zionistischen Weltorgan'- Ilion richtete Chaim Weizmann folgendes Bejrüßungsschreiben an die Leitung des Welthechaluz in '}Yarschau (aus dem Hebräischen übersetzt): Geehrte Chawerim! Die Zehnjahresfeier der Chaluzbewegung ist die Feier der ganzen zionistischen Bewegüng. Das Streben!nach gesundem und schöpferischem ökonomischem Leben, das die Hauptursache der Entstehung der zionistischen Bewegung war und zu der kolossalen Aen- Jerung im Denken des Volkes führte, steht auch weiterhin im Zentrum der zionistischen Bewegung. Das Streben, den Staub eines jahrzehntelangen Luftmenschenlebens abzuschütteln und zur Arbeit und einem in jeder Hinsicht schöpferischen Leben überzugehen, ist heute noch weit entfernt von seiner vollkommenen Verwirkliebung; es ist, trotzdem im Verlaufe der letzten zwei Generationen erkennbare Schritte zu seiner Verwirklichung in unserem Leben gemacht wurden, noch heute in der Phase des Problematischen, geblieben. Aber die zionistische Bewegung und mit ihr der beste Teil der Nation fühlt, über jeden Zweifel erhaben, daß dieses Streben, welches seine Lebenssäfte aus der Tiefe der | Volksseele zieht, seine Vollendung früher oder später finden wird. Das zionistische Gewissen fühlt die Größe des Wertes der kolossalen Revolution, die aus dem Geiste des Volkes geboren wurde. Diese Aenderung■ der Werte ist der wesentliche Zionismus. : Die Chaliizbewegaog ist das Symbol der Revolution, die in dem jüdischen Leben vor sich ging; um sie herum haben sich die meisten Probleme des Zionismus konzentriert und sie wird auch in den künftigen Tagen das Zentrum sein. Die zionistische Bewegung steht noch jetzt, am Anfänge ihrer Eroberungen und auf den Hechaluz wartet auch in Zukunft die Aufgabe: Für den Dienst am Volke bereit zu sein, den klaren Weg in der Epoche des Aufschwunges zu weisen, die Armee mit nationalem Heldenmut und Ausdauer zu bewaffnen, den am Beginn jeder abflauenden Epoche entstehenden Geist der Verzweiflung zu töten und übertriebene Zweifel an der Ueberwindung solcher Epochen nicht aufkommen zu lassen. Der reine, nationale Wille, der sich seinen Weg durch das Volksinnere bahnt, kann nie der Chaluzbewegüng entfremden, die seine Mission erfüllt. Die zionistische Bewegung kann sich daher nie dem Hechaluz entfremden. Im gegenwärtigen Augenblick durchleben wir eine Epoche des Abflauens, aber wir haben den festen Glauben, daß die Tage des Aufschwunges in unsere Reihen zurückkommen werden. Und dann wird der Hechaluz seine Kräfte für die Verwirklichung des nationalen Willens erneuern und in den ersten Reihen der Aufbauenden stehen. Auf jene Stunde warten wir alle! Hochachtungsvoll mit Zionsgrüßen Chaim Weizmann, im Namen der Exekutive. Wir widmen dem Ereignis d״s Cbaluz-Jubiläums in dar heutigen Nummer ein eigenes Blatt. Weizmann nach Amerika abgereist Mond gibt £ 48000 für Palästina-Zwecke f London, 15. März. (J.T.Ä.) Am 14. März trat Dr. «izmann an Bord der ״Aquitania“ die Reise nach den Ver. ,einigten Staaten an. Vor Antritt seiner Reise gewährte Dr. Weizmann einem Vertreter der J. T. A. ein Interview, in dessen Verlauf ermitteilte, daß er sich etwa zwei Monate in den Ver«■ einigten Staaten aufzuhalten gedenkt. Er wolle den Termin seiner Rückkehr so einrichten, daß er der nächsten Sitzung des Zionistischen Aktions-Comitds, die im Monat Juli in Berlin oder in Jerusalem stattfinden wird, beiwohnen kann. lieber die Lage in Palästina und die Aussichten der geplanten Palästina-Anleihe äußerte sich Dr. Weizmann sehr optimistisch. Fünf Stunden lang, sägte er, habe ich mich mit dem eben aus Palästina zurückgekehrten Sir Alfred Mond unterhalten; er versichert, daß die Arbeitslosigkeit in j Palästina im Verlaufe der nächsten zwei Monate geschwunden | sein wird. Mond hat während seines Aufenthaltes in Palästina 18000 ׳ Pfund im Lande investiert Hier in London stellte er mir weitere IQ000 Pfund zur Verfügung und versprach, einer zionistischen Institution, deren Name vorläufig noch nicht genannt sein möge, noch 20 000 Pfund zuzuführen. Sir Alfred Mond, teilt Dr. Weizmann mit. ist gegenwärtig mit der Abfassung seines Berichtes über Palästina als der Präsident des J ewish Agency Survey Commission beschäftigt, den er in kurzem unterbreiten wird. Am Tage seiner Abreise nach den Vereinigten Staaten erhielt Dr. Weizmann von Herrn Felix M. Warburg aus New York, der bekanntlich Mitglied derjewish Agency-Commission ist, ein in herzlichen Worten abgefaßtes Schreiben, das sich mit den Fragen des Kommissionsberichtes beschäftigt In der Abwesenheit Dr. Weizgianns wird Dr. Eder die politische Arbeit der Exekutive leiten, Dr. Berthold F e i w c 1 wird sich mit den finanziellen Angelegenheiten, besonders mit dem Problem der Palästina-Anleihe, befassen. Im Zusammenhang mit der Frage der Palästina-Anleihe weilt gegenwärtig in London das Mitglied der palästinensisch-zionistischen Exekutive Harry Sacher. Der Verbandstag des Preußischen Landesverbandes Zur bevorstehenden Tagung Von Dr. Aron Sandler. Am 25. März tritt der Verbandstag des Preußischen Landesverbandes zu seiner vierten Tagung zusammen. Auch diesmal die stereotype Tagesordnung: Judengesetz upd Reichsorganisation. Die Reichsorganisation wird nicht so schnell von der Tagesordnung verschwinden; sie wird den Verbandstag auch in der nächsten Session — Ende des Jahres werden Neuwahlen in Preußen ausgeschrieben —־ beschäftigen, denn wir sind von einer Einigung der verschiedenen Gruppen auf einer mittleren Linie weit entfernt. Die Beratung eines Gesetzentwurfes für die Preußlsehen Gemeinden schien vielen durch die Abstimmung auf der dritten Tagung im März 1927 erledigt Es wurde nicht bedacht, daß die Staatsstellen, bei denen die Ent- Scheidung über die Gestaltung des Gesetzes liegt nicht daran denken können, der preußischen Judenheit ein Gesetz aufzuoktroyieren, gegen das sich eine große Minderheit (die Jüdische Volkspartei) auflehnt Auch bestehen noch Differenzen zwischen diesem Entwurf und dem des Preußischen Landesverbandes Gesetzestreuer Synagogengemeinden (Halberstädler Verband). Soll der Entwurf die Chance haben, Gesetz zu werden, so muß ein ernsthafter Versuch unternommen werden, Einstimmigkeit zu erzielen. Mehrheitssiege zu erreichen, scheint auf diesem Gebiete nutzlos. Man kann auch einiges Verständnis dafür aufbringen, daß der Halberstädter Verband bei dieser Nachlese wenig Neigung verspürt, in Verband-; lunggn mit dem Preußischen Landesverband jrgepÖFÄI?♦ . jiGi -1ui” u1t /.,iJ-itimt festzulegw, Öbrte daß in der Seche selbst ein praktisches Ergebnis erzielt wird. So gelangt der Entwurf von neuem auf die Tages- Ordnung. , Was wir an ihm auszusetzen haben, ist in der Debatte bei der vorigen Tagung deutlich ausgesprochen worden. Wir beanstanden die Zulassung einer ungleichen Behandlung von In- und Ausländern in der Frage des passiven Wahlrechts zum Gemeindevorstand; für die Wahlen zur Gemeindevertretung ist eine solche ungleiche Behandlung nach dem Entwurf untersagt (§ 12, Abs. 3). Wir verlangen ferner die Zwangszugehörigkeit zum landesverband und vermögen in dieser Forderung keine Bedrohung der religiösen Minderheiten zu erkennen, nachdem in der Verfassung des Preußischen Landesverbandes die weitestgehenden Schutzmaßregeln gegen den Versuch einer Gewissensbedrückung betroffen worden sind. Unseren heftigsten Widerstand muß die Regelung der Austrittsfrage, wie sie der Entwurf vorsieht, erwecken. Vor 50 Jahren war die lex Lasker eine zwingendc Notwendigkeit, um die gesetzestreuen Juden vor der Willkürherrschaft liberaler Mehrheiten zu schützen. Heute ertönt aus dem liberalen Lager der Ruf nach der Begründung von Separatgemeinden (von der Orthodoxie hat man die Bezeichnung ״Bekenntnisgemeinden“ gelernt) und wir erleben es, daß der Führer der Liberalen in Berlin diesem Ruf an sichtbarer Stätte Nachdruck verleiht Solange die Liberalen die Herrschaft in den Gemeinden innehatten, waren sie Vertreter des Prinzips der Einheitsgemeinde; seitdem neue Anschauungen ans Licht drängen und die Herrschaft der Liberalen bedrohen, wird der Gedanke des Massenaustritts erwogen. Hand in Hand mit der Austritts-Orthodoxie, die auch dort, wo sie innerhalb der Großgemeinden ausreichende Lebensmöglichkeiten fände, der Separation den Vorzug gab, um die ״Bekenntnisgemeinde“ der ,.Volksgemeinde“ gegenüberzustel'en und die eine Zerschlagung der Judenheit in mehrere Judentümer — nach Art der sieben Gemeinschaften der Protestanten in Preußen — befürwortet, suchen die Liberalen in dem Gesetzentwurf den Austritt nach Möglichkeit zu erleichtern, und sie haben aus dieser Einstellung heraus in § 14 des Entwurfs den Begriff der Personalgemeinde eingeführt, einer fiktiven Gemeinschaff, die, an kein bestimmtes Territorium innerhalb Preußens, nicht einmal an die Provinz, gebunden, gar nicht imstande sein würde, die Funktionen einer Gemeinde zu erfüllen. Diese Erleichterung des Austritts wird von den Steuerdrückebergern dankbar begrüß 1 werden, die von der gesetzlichen Möglichkeit, aus der Gemeinde auszutreten, ohne aus dem Judentum auszuscheiden, teils ausgedehnten Gebrauch machen, teils davon Gebrauch zu machen drohen, um Steuererleichterungen oder die Ablehnung nicht genehmer Gemeindebeschlösse zu erpressen. Wir sind für die Zulassung des Austritts bei gleichzeitigem Uebertritt zu einer der bestehenden Separatgemeinden eingetreten, wünschten aber,